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Full text of "Dannecker"

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http://archive.org/details/danneckerOOspem 






Darmecker 




Sclbftporträt Danneckcrs 



1797 






Daiinecker 



Jnaugural-Differtation 

verfaßt und der 

hoben pbUofopbtfcben fakultät 

der 

Kcjl. bayer. JuUus-flQaximilians-üniverTität Gdürjburg 

jur 

Grlangung der Doktorwürde 
vorgelegt am 6. fflßai 1010 



von 



Hdolf Spemann 

aus J^Ientone 



Berlin und Stuttgart 

Verlag von KI. Spemann 

1909 



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V 






Referent: profefior Dr. fr. Knapp. 



(Deiner Heben Braut 



Inhalt 



Cernen Seite 

i. Jugend. Karlsfcbule. Paris i — 19 

2. Rom 19 — 25 

Propyläen 

3. Stuttgart, ßeirat. Schiller 29 — 45 

4. Ratur und Stil 46— 60 

Meifterjabre 

5. Eavater. Hriadne. Schillers Koloffalbüfte 63— 75 

6. Parifer Reife. Fjausbau 76— 85 

7. Klaffer- und diefennympbe. Bildniffe 85 — 95 

8. Hmor. Vollendung der Hriadne. Brunncnnympbe 96 — 115 

Hlter 

9. König dilhehns Regierungsantritt. Cbri[tus 119—127 

10. Cborwaldfen. Ceres. Johannes 128—140 

11. Cetjte Hrbeiten. 6nde. Rückblich 141—154 

Hnhang 

I. Karlsfcbule 3 — 4 

II. ehrcndiplome 5 — 6 

III. Dannecher als I)ofbildbauer 7 — 29 

IV. Briefwechfel mit Verwandten 30 — 44 

V. Briefwechfel mit freunden 45 — 74 

VI. Briefwechfel mit Künftlern 75—130 

VII. Briefwechfel mit Gönnern und Kunftfreunden 131 — 177 

VIII. Vermiedene fflanufkripte Dannechers 178 — 179 

IX. Bildnilfe 180 

X. Verjeichnis der Cderhe 181 — 186 

Quellen 187—188 

Regifter 189 — 193 






Oine Biographie Danneckers bedarf an und für fich keiner Recht- 
fertigung , denn das Hndenken diefes Künftlers ift trot? der, namentlich 
in jüngfter Zeit, malfenhaften Produktion auf kunttgefcbicbtlicbem Gebiet 
auffallend x>ernacbläffigt worden. Die Citeratur befchränkt fich außer den 
fiekrologen auf Konverfationslexikonsartikel und auf die verdienftlicben 
Hrbeiten GKintterlins, I)artmanns und Pfeiffers, welche bei allen Vorzügen 
doch kaum ausreichend erfcheinen. 

Jn erfter Cinie ju kurj gekommen find bisher des Künftlers Schöp- 
fungen felbft; der größte Ceil ift allerdings im ffiufeum der bildenden 
Künfte ju Stuttgart allgemein zugänglich, fehr viele andere Glerke jedoch 
waren durch Qnachtfamkeit und Gleichgültigkeit fo gut wie verfchollen. 

Da eine Huffrifchung des ziemlich dürftigen Materials nur auf dem 
ödeg der Monographie erreichbar fchien, fo war eine Hrbeit, deren umfang 
ftoffliche Vollftändigkeit erftrebte, wünfchenswert. Daher war es mir in 
erfter Cinie um Huffindung und Jdentifijierung der öderke felbft ju tun; 
I)and in I)and damit ging der Cdunfch, durch eine möglichft reiche Samm- 



lung ungedruckter Quellen ein ergänzendes Bild jener 6pocbe ?u geben und 
der fpäteren forfebung juverläffiges Material ju bieten. 

Jnfoweit erfebien die Hrbeit einfacb und der (ideg gewiefen. Hnders 
war es mit der Biographie felbft. Jm Ceben des febaff enden Künftlers 
greifen Künftler und fflenfcb fo ineinander über, fteben in fo inniger Cdecbfel- 
wirkung, daß eine Scheidung unmöglich ift Dem QQenfcben allein kann 
jeder fflenfcb gerecht werden, dem Künftler aber eigentlich nur der Künftler. 
Jcb geftehe gerne, daß ich oft jurückgefebreckt bin vor der fchweren Huf- 
gabe, als Dichtkünftler einen Künftler ju werten, und daß nur die Hbficht, 
das wertvolle, mit der Zeit immer mehr febwindende Material ju fammeln, 
mich der urfprünglichen Hbficht treu bleiben ließ. Jcb bin mir der ver- 
fchiedenen Urteilsfähigkeit der produktiven und der rezeptiven Huffaffung 
wohl bewußt und möchte hiermit ausdrücklich hervorheben, daß fämtliche 
Cderturteile diefes Buches mit dem Recht und der Befcbränkung des fubjektiven 
Grlebniffes gedacht find. Da auf keinem 6ebiet fubjektive Bewertungen fo 
fehr mit der Hrroganj beweisbarer feftftellungen ausgefprochen ju werden 






pflegen, wie auf dem der Kunft, fo habe auch ich mir den allgemeinen 
Sprachgebrauch junutje gemacht, und aus Bequemlichkeit häufig gelagt: 
„das ift", wo ich meiner deberjeugung nach hätte fagen muffen: „das 
finde ich". Jch geftatte mir alfo meine urteile nur mit dem Vorbehalt 
der Verehrung, die dem fchaffenden 6enius ftets ju jollen ift. 

Jm Verlauf meiner Studien bin ich von fo zahlreichen Stellen in 
liebenswürdigfter öKeife unterftüt?t worden, daß ich mich außer ftand fehe, 
meiner Dankbarkeit durch Dennung aller Damen Husdruck ju geben. Die 
familien Binder und faber in Schwab. 6münd, die 6rben von Danneckers 
jweiter frau, überließen auf Glochen den reichen handfchriftlichen Dachlaß 
des ffleifters, fo daß ihnen in erfter Cinie Dank gebührt. Gbenfo bin ich 
freifrau von Bethmann in Frankfurt a. CD., welche die Hriadne-Korre- 
fpondenj jur Verfügung [teilte; dem Direktor des 6oethe- Schiller -Hrchivs 
öleimar, 6eh. Regierungsrat Supb-an; dem Vorftand des SchUlermufeums 
in CQarbacb, 6eh. I)ofrat 6üntter; dem K. Staatsarchiv, der K. Candes- 
bibliothek, dem K. I)ofmarfchallamt in Stuttgart, dem 6roßher$. Kammer- 



berrnamt in Oldenburg, den üniverfitätsbibliotbeken ju Cdürjburgund Ceipjig 
für Mitteilung ungedruckter Dokumente verpflichtet. Befonders wertvoll 
waren die mündlichen Berichte von frl. 6rüneifen, der Cochter des ver- 
dorbenen f)ofpredigers, und der Cöchter von Danneckers Schüler Ölagner, 
frau Hauptmann Müller und frl. £ydia Slagner in Cannftatt, und frl. 
Cbusnelde Gdagner in Stuttgart. Süchtige Ratfchläge und Berichtigungen 
erhielt ich von Fjerrn profeffor K. von Cange, I)errn Oberftudienrat J. von 
I)artmann, I)errn Profeffor B. Pfeiffer, I)errn I)ofrat Klinckerfuß und befonders 
von dem jetzigen Jnhaber der £ebrftelle Danneckers, profeffor Hdolf von 
Donndorf in Stuttgart. Hllen den Genannten und den übrigen, deren Huf- 
jählung ich mir verfagen muß, fprecbe ich an diefer Stelle für das wohl- 
wollende Jntereffe meinen herzlichen Dank aus. 

Stuttgart, im Sommer 1909. 

Hdolf Spemann 



Certi en 



i. fugend. Karlsfcbule. parte« 

(Clie fo viele bedeutende fflenfcben ift Dannecker aus einfachen , ja 
ärmlichen Verbältniflen hervorgegangen. 

Der "Vater Johann 6eorg Dannecker 1 ), ein Bauernfohn aus ödalden- 
buch, war als Stallknecht und „Vorreutter" in herzoglich württembergifcben 
Dienften angeftellt und fcbeint ein plumper, jähzorniger ffiann gewefen ju 
fein. 6r ließ {ich im Jahr 1753 den 7. Huguft ju Cdaldenbuch 2 ) mit Hnna 
Catharina Scbempp, der Cocbter eines Klebers aus I)olnnaden 3 ) trauen. 
Die wenigen Briefe von ihrer I)and, die wir befit?en, jeigen fie als ein recbt- 
fchaffenes, treues GCteib, welches geduldig neben dem rohen ffiann aushielt 
und ihn juletjt bis jum Code pflegte. Jobann 6eorg ftarb am 6. Dejember 
1786 ; er war das let$te Jahr „wie ein Kind" 4 ). Vielleicht liegt hier fchon 
ein Keim ju der fpäteren 6eiftesfchwäche des Sohnes. 

Diefem Gbepaar wurde am 15. Oktober 1758 ju Stuttgart der kleine 
Johann I)einrich geboren. Das großelterliche I)aus in QJaldenbucb ift noch 



') Der Dame wird bald Darnieder, Danecker, Daneher oder Danneker gefebrieben. Der 
Kün[tler felbtt febwankte bis juletjt ?wi(cben Dannecker und Danneker. — Der Citel auf dem 
Bucbumfcblag i(t die genaue Wiedergabe von Danneckers Bezeichnung auf der Btifte der frau 
von Hlopäus (nacb dem Gxemplar im Befitj von Cd. Spemann, Stuttgart). 

2 ) 6in bübfeber Ort, etwa halbwegs ?wifcben Stuttgart und Cübingen gelegen. 

3 ) Hmt Kircbbeim. 

4 ) S. Hnbang Dr. 62. 



erhalten (Hbb. 84). Die wiederholt gedruckte Hngabe, Dannecker fei in 
Gdaldenbucb geboren, entfpriebt einer in GQaldenbucb unterhaltenen Cradition, 
nach welcher Dannecker das uneheliche Kind des herzoglichen Vorreiters und 
einer Bauerntochter namens Rieth gewefen [ein [oll. Den letzteren Hngaben 
Zufolge wäre Dannecker febon 1751 in Cdaldenbuch geboren und fpäter mit einem 
1758 in Stuttgart geborenen, bald verdorbenen Bruder jufammengeworfen 
worden. Das Caufbuch der Stiftskirche ju Stuttgart nennt den 16. Oktober 
1758 als Cauftag ; dem damaligen Gebrauch ?ufolge ift alfo der 15. der 
Geburtstag. Die Hnnab-me, daß die Kirchenbücher gefälfebt wären, hat fo 
wenig für [ich, daß jene Cegenden damit als erledigt gelten können. 

Die Gltern Dannecker lebten in Stuttgart in der Bücbfenftraße, febräg 
gegenüber der evangelifeben I)ofpitalkirche l ). F)ier befuchte der kleine 
^einrieb den erften Religionsunterricht, welcher den Grund legte ju der 
wahren und tiefen Frömmigkeit, die fein ganzes Ceben erfüllte; in dank- 
barer Grinnerung ftiftete fpäter der greife Künftler das Modell feiner zweiten 
Chriftusftatue in den Chor der Kirche, wo es noch jetzt fteht. Jm Jahre 1764 
verlegte I)er$og Carl feine Refidenj nach Cudwigsburg, und der „hfrftl. Stall- 
knecht" machte mit frau und Kind den Umzug mit. 

Ceicht mag es der Kleine bei den kümmerlichen Verhältniffen nicht gehabt 
haben; fo mußte er bei den häuslichen Gefcbäften tüchtig zugreifen, oft wohl 
auch an den drei Stunden entfernten Cannftatter Sauerbrunnen geben, um 
dafelbft eine Hnjahl Krüge ju füllen und heimzutragen 2 ). Sein heiteres 
fonniges naturell und das fich bereits regende Künftlerblut ließen ihn aber 
diefe kleinen frondienfte vergeffen. papierfchnitjel wurden mit Blumen 
und Soldaten verziert, oder die fchön polierten Blöcke eines benachbarten 
Steinarbeiters mit einem gefchliffenen Dagel bearbeitet. Die Gltern febenkten 
diefen künftlerifchen Hnfängen keine Beachtung ; höchftens, daß diefe Hllotria 
unliebfam vermerkt wurden. 

Jm Jahre 1771 befchloß I)er$og Carl, in die neugegründete flQilitärifd)c 
Bflanjfcbule auf der Solitude auch Kinder feiner ärmeren Bedienten aufzu- 
nehmen, und machte dem Vater Dannecker einen dahingehenden Vorfchlag. 
Diefer wollte nichts davon wiffen; er fab im Geifte feinen Sohn bereits in 



1 ) Hn Stelle des jetzigen neuen Kaufes Dr. 36. (ßekrolog von ßrüneifen.) 

2 ) Dehrolog von 6rüneijen. 



der Uniform frechen und unwiederbringlich verloren. Hls er ju I)aufe davon 
erzählte, beftürmte der Dreizehnjährige den Vater fo lange mit Bitten, ihn 
gehen ju laflen, bis diefer ihm den Gedanken mit Schlägen auszutreiben 
verfucbte und ihn juletjt einfperrte. Der Crieb ?ur Kunft war aber bereits 
ju ftarh erwacht, um [ich länger in Schranken halten ju laffen; der Kleine 
entwich durch das fenfter, warb [ich eine Hnjahl gleicbgefinnter Kameraden 
an, und befcbloß, ohne fflittelsperfon gleich ?ur ober[ten Jnftanj ju gehen. 
Hm Ofterfonntag *) pflegte der I)erpg im Park Gierfucben für arme 
Kinder ju veranftalten. Diefe Gelegenheit benutzte die kleine Knabenfchar 
und Dannecker trug als Sprecher den allgemeinen Gdunfcb vor. Der ^erjog 
fand Gefallen an dem fixen Bürfcbcben, und Dannecher war mit jwei anderen 
aufgenommen. So ein flinker Junge, der das Caufen und Springen mit 
den Pferden gewohnt war, würde einen tüchtigen Cancer abgeben — 
Dannecker wurde für das Ballett beftimmt. Das wäre auch wirklich 
fein Cos geworden, hätte man nicht das auffallende Calent rechtzeitig 
erkannt. 

So ?og Dannecker am 2. Hpril 1771 auf der Solitude ein 2 ). Hnfänglicb 
den ffialern zugeteilt, wurde er bald unter die Bildhauer verfemt. Jn der 
Rangierlifte vom 30. Dezember 1771 ift er bereits als Bildhauer in der 
I. Klaffe aufgeführt. Die Hkten der Karlsfcbule 3 ) unterrichten uns über die 
Perfönlicbheit des jungen Gleven. „ödit? und Scbarffinn" werden als „nicht 
fonderlicb" bezeichnet. „Jn feiner Hufführung läßet fich ?u Zeiten etwas 
einfältiges und bäurifcbes blicken." Gegenüber feinen Vorgefetzten ift er 
meiftens „etwas vorlaut" oder „gar nicht gefittet", gegen die Kameraden 
„verträglich". Jm übrigen wird er als „flüchtig" und „fcbnelljörnig" ge- 
fcbildert; nach dem urteil feines freundes Zumfteeg „hält er nicht allzuviel 
auf Reinlichkeit" *). 1772 wurde er in der ^ofpitalhirche konfirmiert, zu- 
fammen mit dem fpäteren bekannten Cheologen Job. friedr. flatt. 

einen Kollegen bekam Dannecker am 20. ffiai 1772 in dem zwei Jahre 
älteren Philipp Jacob Scbeffauer. Derfelbe war geboren in Stuttgart am 



') Cbriltmann (f. Quellen). 

2 ) S. Hnbang Dr. 1. 

3 ) K. Staats-Hrcbiv Stuttgart. (S. Hnbang Dr. 3 und 4.) 

4 ) Klagner, I, 87. 



7. fflai 1756 als Sobn eines h-erjoglicben Heiducken. Die Scbid^fale der 
beiden blieben beinahe durch ?wei Jahrzehnte eng verbunden. — 

Die Künftler befanden aus Hrcbitekten, fflalern, Bildhauern, Stukka- 
toren, Kupferftecbern, Gärtnern, fflufikern und Cancern. Diefe für unfere 
beutigen Begriffe merkwürdige Zufammenfetjung kennzeichnet hinlänglich die 
fojiale Stellung, welche ein Künftler noch vor wenig mehr als 100 Jahren hatte. 
Der ünterricb-tsplan war nichts weniger als einfeitig; außer den Volks- 
fchulfächern enthielt er Geographie, Gefcbicbte, franjöfifcb, Jtalienifch und 
Mythologie. Befonderer ödert wurde auf Mathematik gelegt, was nicht 
die ftärkfte Seite des jungen Bildhauers war 1 ). Defto eifriger widmete er 
lieh feinem I)auptftudium. 

Danneckers erfte Cehrer waren der Stukkator Sonnnenfcbein und der 
Bildhauer Hdam Bauer, ferner der Bildhauer Cejeune, der fflaler I)arper 
und in erfter Cinie Dicolaus Guibal. Der I)offigurift und profeffor Hdam 
Bauer 2 ), ein Schüler von £ejeune, wirkte bis 1777 als I)auptlebrer der 
Bildhaueret an der Hkademie. Dann entwich er mit J)interlaffung von 
Schulden ju ödilhelm Beyer nach Cdien, wo er reichlicheren Verdienft fand. 
Johann Valentin Sonnenfeh ein 2 ), ein geborener Stuttgarter, unterrich- 
tete ebenfalls als Profeffor auf der Solitude. 6r hielt es noch kürzer aus 
als Bauer und entfernte fid) 1775 aus der Hnftalt, nachdem er auf einer 
urlaubsreife mit Cavater jufammengetroffen war. Der letztere erwirkte 
brieflich beim I)erjog die Gntlaflung Sonnenfcheins, welche ungnädig erteilt 
wurde. 6r kam fpäter an die Hkademie nach Bern. 

I)öher als den Ginfluß diefer beiden fflänner wird man den des 
Belgiers Cejeune einfchät?en dürfen, pierre francxüs Cejeune 2 ), geboren am 
10. fflärj 1721 ?u Brüffel, wurde 1753 von I)erjog Carl als premier sculp- 
teur mit einem Gehalt von 1000 fl. an feinen I)of berufen. Jhm fielen die 
I)auptaufträge in Großplaftik ju. Cejeune war ein origineller Künftler, wie 
namentlich feine beiden Fjocbreliefs: Le Silence und La Meditation 3 ) jeigen. 
Die elegante ffiarmorbebandlung jeigt die Beberrfcbung der tedmifeben QQittel, 



') I)erj. Ordre v. 25. Hprit 1777. Den beeden Gleven DanneAer und DilUnius ift 
wegen QrtflciTj in der matbematifeben Cektion jedem ein Billet gegeben worden, (ttlagner, I. 300.) 
a ) Pfeiffer, Die bild. Künfte unter F)erjog Carl Gugen. 
8 ) Kgl. Repdenjfcblof? Stuttgart. 




ffiilon von Krotona 



1777 




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und die beiden jungen Bildbauer moebten eben für die teebnifeben Grund- 
elemente einen tücbtigen Cebrer an dem Belgier baben. £ejeune kehrte 1778 
wieder in feine I)eimat jurück, wo er 1790 in dürftigen Verbältniffen ftarb. 

Unterricht im Zeichnen nacb der Datur erteilte der Candfcbafter Hdolf 
friedrieb f^arper 1 ). 6r war in Berlin am 17. Oktober 1725 geboren und 
maebte feine Studienreifen durch frankreieb und Jtalien; in Rom trat er 
auch mit öüinckelmann in Verbindung. Seit 1756 in Güürttemberg, wurde 
er am 13. Hpril 1759 Hofmaler und unterrichtete feit 1761 als profeffor an 
der Academie des arts und fpäter an der Karlsfchule. Fjarper war nicht 
bedeutend, aber eine liebenswürdige Hatur und deshalb ein allgemein ver- 
ehrter Cebrer. Hllerdings wurde auch er am meiften vom P)erjog durch die 
jahllofen dekorativen Hufträge ausgenützt, welche den 6egenftand der Klagen 
aller Künftler bildeten. 6r blieb fpäterbin in naber freundfebaft mit Dan- 
necker, und feine Briefe an den letzteren 2 ) machen in ihrer flQifcbung von 
I)umor und I)er?ensgüte einen grundfympathifchen 6indruck. 6r wurde 1798 
von P)erjog friedrieb in den Rubeftand verfemt und fiedelte trotj feines hohen 
Hlters noch nacb feinem Geburtsort über, wo er im Jabre 1806 ftarb. 

Das ganje künftlerifche £eben an der Karlsfchule erhielt aber fein 
eigentliches Gepräge durch den „Premier Peintre du Duc" , Rico las 
Guibal 3 ). Geboren am 29. Dovember 1725 ju Cuneville als Sohn des 
Bildhauers Bartbelemy Guibal aus Hirnes, ging er juerft felbft als Bildbauer 
bei dem Vater in die Schule, fiedelte dann jur Malerei über und genoß eine 
Zeitlang den Unterricht von Claude Charles (1661 — 1747). 1740 ging er nach 
Paris und durch die Schule von Datoire. Jm Jahre 1749 finden wir ihn 
$um erftenmal in Stuttgart, vom f)er?og ?ur Husftattung des Operntheaters 
im Euftbaus verwendet. Die näcbften vier Jahre brachte Guibal in Rom ju, 
wo er ein begeifterter Verehrer von QQengs wurde, welcher ihn in fein I)aus 
aufnahm. Seit 30. Januar 1754 war er dauernd in Stuttgart, wo er heb 
im Caufe der Jahre verheiratete und, häufige Kunftreifen ausgenommen, bis 
ju feinem Code am 3. Dov. 1784 blieb. Guibal war ein vielbefcbaftigter 
Mann ; 1760 erhielt er die Direktion der Gemäldegalerie, 1761 eine profeffur 



J ) OlintterUn, GCIürtt. Künftler, S. 15 ff. 

2 ) S. Hnbang, Dr. 145 — 167. 

3 ) aihüll-6. u. Pfeiffer. 



an der Academie des arts, 1763 wurde er Mitglied der Refidenjbaudeputation. 
Hufkrdem war er der Maitre de plaisir bei den jablreicben großen I)of- 
feftlicbkeiten. 

Der intelligente und temperamentvolle franjofe fd>etnt ein vorzüglicher 
Cebrmeifter gewefen ju fein. Sein natürlicher Verftand wurde von einer 
gründlichen Bildung begleitet; echter künftlerifcber Gntbufiasmus und eine 
hervorragende 6abe des rednerifcben Vortrages vereinigten [ich, um die 
jungen KunftbefliTfenen von vornherein mit dem wahren Grnft ju erfüllen 
und die vorhandenen Begabungen ju entwickeln. Seine Beftrebungen hatten 
eine ftreng wiffenfcbaftlicbe Grundlage, wovon ein auf der Stuttgarter Bi- 
bliothek befindliches fflanufkript l ) Zeugnis ablegt. Dabei war ihm die 
fähigkeit, ein echtes künftlerifches feuer anzufachen, in hohem Maße eigen. 

Die neun Jahre ftrammen Drills und künftlerifcber Grjiehung, welche 
Dannecker unter dem 6influ|3 diefer vortrefflichen Cehrer durchmachte, find 
von einer nicht ju unterfchätjenden Bedeutung. Sie gaben ihm die folide 
technifche Grundlage und den künftlerifchen „Schulfack", deren auch ein 
Genie nicht entraten kann; die ftrenge Selbftjucbt, die er fein ganjes £eben 
übte, war vielleicht das wertvollfte 6rbe diefer Cebrjeit. — 

Jm Jahre 1775 verlegte F)erjog Carl die Militärakademie nach Stutt- 
gart, weil die ftändig anwachfende Schülerjabl die Verpflegung auf der 
Solitude erfchwerte und verteuerte. Zur Hufnahme diente der Kafernenbau 
hinter dem neuen Refiden^fchloß, deffen Qmgeftaltung unter Ceitung des 
erften Hrchitekten fifcber 2 ) in fünf Monaten ausgeführt wurde. Befonders 3 ) 
jugunften kam der Clmjug den Zöglingen der bildenden Künfte; fie wurden 
von den geringeren „profefhoniften" getrennt und in der ^weiten Hbteilung 
der eieven im äußeren flügel talabwärts untergebracht. Fjier häufte Dan- 



') Les proportions du Corps humain, prises sur le naturel et combinees 
avec les plus belles figures de l'antiquite, ä l'usage des eleves de l'academie Mili- 
taire, fondee ä la Solitude. (Bibl. Stuttg. Cod. med. fol. 10.) 

2 ) Reinhard ferdinand r)einricb fifcber (1746—1813), Schüler von Ca 6uepiere, war 
Cebrer an der Karlsfcbule und der Cieblingsbaumeifter Carls; er hatte, wie 6uibal, bei den 
glänzenden Roffeftlicbkeiten für die dekorative Husftattung ju Jörgen. (Klintterlin, dürttemb. 
Künftler, S. 29 ff.) 

3 ) Pfeiffer, Bildende Künfte unter r)erjog Carl 6ugen, S. 724 f., und in: Schiller in 
der Karlsfchule. ffiarb. Scbillerbucb I, S. 213 f. 



necker mit feinen Kameraden Viktor I)eideloff, I)etfcb und Scblotterbeck. 
Befondere freundfehaft verband ibn mit Zumfteeg und Schärften ftein. 1 ) 

Philipp f riedrieb J)etfcb 2 ) (1758—1838), urfprünglicb Candfcbafter, ging 
noch in der Hkademie jur Fjiftorienm alere i über; 6uibal und I)arper waren 
feine Eebrer. 6r rourde 1780 aus der Hkademie als Hofmaler entlaffen 
und ging auf jwei Jahre nach Paris, wo J. ffi. Vien und Jacques Couis David 
feinem weiteren Schaffen die Richtung gaben. 1785—87 war er dann in 
Rom mit Dannecker und David jufammen. Dach feiner Rückkehr wurde 
er als Profeffor an der Karlsfchule angeftellt; fpäter erhielt er Fjarpers Stel- 
lung eines 6aleriedirektors. 

Diefe Damen treten zurück vor dem glänzenden 6eftirn Schillers, der 
mit dem Künftler jene innige freundfehaft febloß, welcher Dannecker fein 
Beftes verdankte und die uns das herrliche Bildnis des Dichters fchenkte. 
Ceider find uns über die erfte Zeit der freundfehaft keine Ginjelheiten über- 
liefert; bekannt ift nur das Hquarell K. I)eideloffs, welches Schiller bei 
der bekannten Vorlefung der Räuber im Kreife der freunde jeigt, unter 
denen fich auch Dannecker befindet. 

Die Cebrfäle für die Künftler befanden fich in dem ftadtwärts gelege- 
nen flügel (an der Planie) bis an die jetzige Deckarftraße; in dem hier 
angrenzenden Querbau waren von 1776 an die Hteliers der Kupferftecher, 
„ Stupf erkecher, Strichlesmacher", wie Dannecker fpäter gerne fpöttelte. £eiter 
der Kupferftecherfchule war Johann Gotthard ffiüller 3 ) (1747 — 1830). 

Hm 16. Oktober 1776 wurde Dannecker „reverfiert", d. h. durch Qnter- 
fchreibung des „Reverfes" auf Cebensjeit in herzoglichen Dienften feftgebannt 4 ). 

Dach den in der Hkademie erhaltenen preifen ju fcbließen, war von den 
beiden Kameraden Scheffauer der fleißigere ; er erhielt im ganzen 8 preismedaülen, 
während Dannecker nur z w «i 0772 und 1777) zufielen. Das Preisdiplom 
von 1772 ift noch erhalten 5 ), und die preisgekrönte f igur von 1777, fflilo von 
Kroton, ift die frühefte Hrbeit Danneckers, die auf uns gekommen ift (Hbb. 1). 

') üeber beide ausführt, ßartmann in „Schillers Jugendfreunde". Vgl. Die prächtigen 
Briefe Scharffcnfteins, Hnhang Dr. 95—105. 

2 ) Kunftblatt 1830, S. 189. 

3 ) CQürtt. Vierteljabrsbefte 1881, S. 161 ff. 

4 ) Karlsfchulabten. K. Staatsarchiv Stuttgart. 

5 ) S. Hnhang Hr. ?. 



10 

Die Preisangabe lautete: 

„fflan verlangt ein Modell, das den fflilo in jenem großen Hugen- 
blick vorftellt, da er feine Hrme, eingehlemmt jwifcben den Stamm eines 
balbgefpaltenen Baumes, nicht mehr jurückjieben kann und fo ein Raub der 
wilden Ciere wird." 

Das mutet an wie ein fant der franjöfifcben Kunft des letzten Jahr- 
hunderts, welche das 6roße im Gräßlichen fucbte. Die für das künftlerifcbe 
Sehen abgeftumpften Hugen brauchten einen gewaltfamen ftofflichen Reij. 
Ruhe erfchien langweilig, denn man verftand nicht, ihr das wahre Porta- 
mento ?u geben; man gedachte feurig ju fein und gab Bewegung und 
ffluskelfpiel, welche in ihrer debertriebenheit uns jetjt oft lächerlich an- 
muten. „Da glauben fie, hierdurch foll's feurig werden ; ja, wenn's feuer 
nicht in der Kompofition fteckt, fo wird's durchs Hbjagen wahrlich nicht 
hinein gebracht," pflegte fflojart ju fagen. Das trifft auch für die damalige 
produktive Kunft und namentlich für die Plaftik ju; fie war jur Virtuofität 
herabgefunken. Ornamentik und Kadenjen überwuchern die Kantilene; das 
Gefühl für die gefunde, natürlich fließende Melodie ift verloren gegangen 
. . . alle jene Grfcheinungen der Degeneration, welche durch die Verwandt- 
fchaft mit Bernini bedingt war. Der fflilo von Kroton war das beliebte 
Chema der franjöfifcben Bildhauer; durchfcbreiten wir die Skulpturenfäle 
des Couvre, fo begegnen wir dem unglücklichen Hthleten ju wiederholten 
Malen. Hm berübmteften von diefen Darftellungen ift eine aus dem 17. 
Jahrhundert geblieben, die koloffale fflarmorgruppe von pierre puget 
(1622 — 94). ffiit wahrem Raffinement arbeitet hier alles jufammen, einen 
unangenehmen widrigen Gindruck ju erzeugen. Die Darftellungen von 
falconet und Dumont find als „Morceaux de Reception" in kleinerem 
fflaßftab gehalten und beleidigen das Huge weniger. 

6uibal verleugnete alfo in der ödahl diefes Stoffes trot? feiner fflengs- 
ianifchen Grüebung den franjofen nicht Die Hrt, wie der neunzehnjährige 
die fchwere Hufgabe löfte, ift erftaunlich; er ging denn auch dem Spruch des 
Preisgerichts mit innerer Sicherheit entgegen. Jn fpäteren Jahren 1 ) fchrieb 
ihm der Jugendfreund Scbarffenftein aus F)eilbronn: „Grinnerft du dich 
meiner Cdallfahrten ju deinem kleinen attelier, unfers füllen vorgenoffenen 

') 3. fißär? 1809. S. Hnbang Ur. 95. 



Criumpfs. fo oft du deinen fflilo von den naffen Cumpen entfchleierteft? 
jedoch es war kein Schul und Stech Criumpf, es war ein ftiller ficherer 
6enus, der nicht getrübt worden wäre, wann du den preis auch nicht be- 
kommen hätteft. Schon damalen war aefthetifcher Sinn identifch mit dem 
was du bift. Deine Cameraden find feither erft nach vielen Verirrungen, 
Copirungen an das wahre Schöne nur geftreift, es fetjte fich etwas nur vom 
Schönen an ihnen ab." — 

Die fpätere Gntwicklung Danneckers läßt fich an dtefem Grftling noch 
nicht ahnen. Bemerkenswert i[t das klare herausarbeiten des Motivs; ju- 
gleich kann man trotj der unruhigen Kompohtion , im 6egenfatj ju den 
franpfifchen ödiedergaben der S?ene, bereits ein Streben nach monumentalem 
Hufbau wahrnehmen. Die Contrapofti und die formengebung jeigen den 
Schüler Cejeunes, der fich namentlich deffen J)erkulesftatue aus Sandftein 
(vor dem Refidenjfchloffe in Stuttgart) genau angefehen ju haben fcheint. 
Das Hufwärtsblicken des Kopfes bleibt auch fpäterhin ein £ieblingsmotiv 
des Künftlers. Von den Vorzügen der figur werden wir viel auf Rechnung 
des 6uibalfchen Unterrichts fet?en dürfen. Qeber 6uibal's Prinzipien gibt 
fein Votum für Dannecker, dem die preisjuteilung juerft wegen Benutzung 
des Caokoon beanftandet wurde, intereffanten Huffchluß. Das Original 1 ) 
war in fran^öfifcher Sprache abgefaßt und ift verfchollen ; Schiller nahm 
fpäter eine deutfche Qeberfetjung davon in fein „ölirtembergifcbes Reper- 
torium der Citeratur" auf (1783, III. Stück S. 481 ff.). Darin heißt es: 

„Die vornehmften Regeln , denen ein Künftler bei Bearbeitung eines 
Vorwurfs folgen muß: 

Die lfte ift unftreitig diefe, daß er der öüahrheit ftreng nacharbeite, fo 
daß ein unterrichteter Kenner bei dem erften Hnblick fogleich auf den hifto- 
rifchen Zug verfallen muß, den der Künftler vorteilen wollte. 

Die 2te: daß er mit 6inficht alle ümftände ?u erhafchen fuche, die der 
Hrbeit den wahren Husdruck vollends verleihen können. 

Die 3te endlich und eine der wichtigften ift diefe: daß er die ver- 
fchiedenen Cheile feines Clerks fo vertheile, daß kein Stoff an der Hus- 



') Instruction pour les Kleves sculpteurs de 1' academie militaire , tiree des 
raisons qui ont fait couronner le modele de l'dleve Dannecker an concours de 1777. 
(Klagner, Karlslft. I 672.) 



12 

fübrung hinderlich feyn kann. Diefe Verkeilung darf auf keine Hrt weder 
der 6rajie noch dem Husdruck der f igur febaden. Der Zufcbauer darf nicht 
bemerken: dies oder jenes 6Ued fey fo oder anders gewandt worden, weil 
der Künftler durch den gegebenen fflarmorblock darauf eingefebränkt worden 
ift. Gleich wefentUch ift es: alle Cbeile des SIerks fo ju gruppieren und 
ju verbinden, daß fie große fflaffen von Schatten und Cicbt, kurj, ein gutes 
Helldunkel hervorbringen, ohne welches nur ein jerftreuter Gffekt heraus- 
kommen kann, gerade wie bei einer fflufik, die aus mehreren durchdringend 
fcharfen Conen befteht, ohne daß man ernfte nachfolgen läßt, die man doch 
der Harmonie wegen in gleichem Verbältniß entgegen fetjen muß. — " 

Dann folgt die Beurteilung der drei Preisfiguren. Danneckers Mit- 
bewerber waren Scheffauer und f riederich ') ; nach Kritifierung diefer beiden 
fährt 6uibal fort: 

Prüfung der Preisfigur 

des r)rn. Dannekers. 

Die Gründung ift kräftig und voll 6eift. fflan fieht den unglücklichen 
f echter in der natürlichen Hnftrengung alle Kräften anwenden, um feine 
linke eingezwängte f)and heraushieben. Der 6edanke, der rechten r>and 
die Bewegung ju geben, daß fie die linke frei machen will, ift wirklich er- 
haben. Die phantafie des Zufchauers wird bei diefem Hnblik befeuert; fie 
theilet der Seele alle Regungen des Schmerzes, der furcht und Hoffnung 
mit, welche fflilo felbft empfindet. Sein I)erj wird erfebüttert; er feufjt und 
ruft aus: „6ötter! o gebt ihm den Gebrauch feiner Kräfte wieder: der 
£öwe wäre fchon erlegt!" 

.... Der Karakter der Zeichnung bei dem Preisftücke ift groß; die 
formen find gut, obgleich etwas hart. Ueberall erfcheint das Hlter, aber 
ein kraftvolles Hlter, welches unfre phantafie überredet, daß wir alle die 
Cbaten glauben, die der große fechter in feiner Jugend verrichtet hat. I}r. 
Danneker hat die Hbgüffe von den Hntiken gefehen, mit 6inhcbt ftudiert 
und mit Vortheil benutzt. — Die Husführung, mit den anderen Stücken 
verglichen, ift fchwach, etwas plump, und verrätb überall fflübfamkeit." 

1779 wurde der fflilo jum erftenmal in der Hkademie aufgeteilt. Der 

J ) Jobann ©ottlicb friederieb (1754—1833), feit 1778 ßofftuhkator. 





frübling 
von Scbeffauer 



178/ 



Sommer 

von Dannedier 





ßerbft 

von Dannecker 



1788 



KUnter 7 

von SdKffauer 







R 




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L> 



13 

preis beftand in einer großen hupfernen Cafcbenubr, die Dannecker fein 
ganzes £eben getragen bat; jetjt ift fie im Befitj von frl. £ydia Cdagner 
in Cannftatt, der Cocbter feines Cieblingsfcbülers Cbeodor ödagner. 

Die jungen Bildbauer wurden nun bald ju dekorativen Hrbeiten in 
Stuck und Stein verwendet; fo im Jahr 1776 am Stadtpalais franjiskas 1 ) 
und im Hpril 1779 beim Bau des neuen Scbloffes in I)ohenbeim 2 ). Jm 
Veftibul des I)auptbaues in I)obenheim fteben beute noeb vier dekorative 
Koloffalfiguren aus Stuck, ?. C. mit Stoff drapiert. Die vier Statuen, 
Hpoll, Merkur, ein Scbnitter und eine parje, find jedenfalls die Qeberrefte 
einer größeren Hnjabl von figuren, eines „feftgefebmieres", wie Dannecker 
ju fagen pflegte, und gemeinfame Hrbeit der jungen Künftler. 

Jm Jabr 1779 befuebte 6oetbe mit Karl Huguft auf der Rückkehr von 
der Schwerer Reife Stuttgart und wohnte am 14. Dezember der Stiftungs- 
feier der Hkademie bei; wie Scbiller, fo mag ibn aueb Dannecker wie einen 
Gott mit den Hugen Verfehlungen baben. 

Zu der feier des herzoglichen Geburtstags am 11. februar 1780 3 ) hatten 
Scbeffauer und Dannecker die erfte größere Hrbeit ju liefern. Das feft 
wurde in prunkvollfter Cdeife begangen und die Hkademie errichtete dem 
Fierpg im I)of der Karlsfcbule ein großes Denkmal. Die Hrchitektur 
ftammte von fifeber, die allegorifcbe Grfindung von 6uibal und das Modell 
ju der Statue noch von Cejeune; die Husfübrung wurde Dannecker und 
Scbeffauer gemeinfam übertragen. Hm Poftament ftanden die vier allegori- 
feben figuren der Stärke und freigebigheit, des Genies und der Milde; da- 
jwifeben waren flacbreliefs mit Cropbäen und Symbolen der Gdiffenfcbaften 
und Künfte angebracht. Das Denkmal, nur in Stuck gearbeitet, ging bald 
darauf in Crümmer, von denen nichts erbalten ift. 

Bei der Preiskonkurrenz am 14. Dejember 1780 verlor Dannecker durchs 
Cos gegen Scbeffauer ; am darauffolgenden Cage wurden beide als I)ofbild- 
bauer mit einem Gebalt von 300 Gulden aus der Hnftalt entlaffen, gleicb- 



') Pfeiffer, Die Bild. Kfte. unter ß?g. Carl 6. S. 729. 

*) F)er?ogl. Ordre v. 18. Hpril 1779. — Hls gebe ich folebes hierdurch dem Rrn. 
Obriften gdft. ?u vernehmen etc. mit dem weiteren Hnhang, dafj jedoch die ?wey Gleves 
Scbeffauer und Dannecker bis morgen mit einem Huffeber hieher gefebickt werden follen. 
(Gtlagner, Karlsfcbule.) 

s ) Pfeiffer, Scbiller in der Carlsfcbule. fflarbacber Scbillerb. I. S. 213 ff. 



»4 

Zeitig auch I)eideloff und I)etfcb. Die beiden Bildbauer wurden darauf 
wieder gemeinfatn meift ju dekorativen Hrbeiten verwendet. 

Jm Sommer 1781 wurden fie in Begleitung des Bauinfpektors Glafer 
nach Scbw. I)all gefcbickt, um dafelbft in der fflicbaelskircbe ein 6rabmal 
für den 1778 geftorbenen Cbeologen Jobann friedrieb Bonböfer $u fertigen ') ; 
dasjelbe war von den Kindern des Verdorbenen beftellt. Guibal entwarf 
das Ganze 2 ) und leitete aueb die Husfübrung. Das woblerbaltene (üerk 
(Hbb. 2) ift aus Stuck und unterfebeidet fieb dureb die Ginfacbbeit des 
Materials von den benachbarten Grabmälern; im übrigen ift es eine merk- 
würdige fßifcbung von Barock und klaffi^iftifcber ßücbternbeit. Huf Selb- 
ftändigkeit macht diefes Ölerk keinen Hnfpruch; es ift ein in Skulptur über- 
tragener Guibal; daher läßt fich auch die Hrbeit Danneckers und Scbeffauers 
nicht voneinander abgrenzen 3 ). 

Von einem kleinen F)erjensroman des jungen Fjofbildbauers erzählen 
die übrig gebliebenen Briefe. Jungfer Brodtbeckin, eine bübfebe Cänjerin aus 
dem herzoglichen Ballett, hatte unfern Dannecker entflammt. 6in köftlicher 
derber Brief an eine frau Kupplin, welche offenbar ein mißgünftiges fakto- 
tum im Schlöffe war und mit Hngeberei gedroht hatte, liegt noch auf dem 
K. Staatsarchiv; er lautet: 

frau Kupplin, 
beute erfuhr ich im Schloß, daß fie fich wegen meiner aufgebalten, daß 
fie gefagt „ich feye unaufhörlich im Schloß, und „ftebe der Jungfer Brod- 
bekin immer im deeg. Geftern Vormittag um 9 Qbr, wollte ich ?u der 
Cbür hinaus, wo fie mich erblickt haben, ich gieng zurück um bloß den 
Verdacht ?u meiden. I)aben fie aber etwaß dawieder einzuwenden, daß ich 
oben Hrbeit habe, haben fie einzuwenden, daß ich I)errfcbafftarbeit habe, fo 
fagen fie es, wem fie immer wollen. Glauben Sie, daß ich ihnen nicht 
derwegen fchreibe, um fie ?u bitten, Jhr Vorhaben, nehmlich folebes der 



*) Husj. berj. Ordre; I)obenbeim 30. Juni 1781. Den Bauinjpebtor 6lafcr gedenke 
i(h nebft den beiden ßofbildbauern Scbeffauer und Danne&er nacb Scbwäbilcb ßall abgeben 
ju lalfen, Jo bald es die biejtgen 6eldiäfte erlauben werden. (Vgl. Cbr. Kunftbl. 186s, 
Dr. 9 und Kunftbl. 16. Dov. 1829. Paulus: K[t.- u. Hltert.-Denhm. III. 509.) 

2 ) Gntwurf 6uibals (lavierte feder?eithnung) im Danne&erhabinett des fßujeums 
d. B. K. Stuttgart. 

3 ) Vgl. Hnbang ßr. 8—10. 



15 

frau Oberftin ju melden, jurückgänig ju machen. Jcb gefteb es ihnen, daß 
micbs in dem Hugenblick reuet, folches Schreiben an fie angefangen ju 
haben, Vieleicbt fcbäme ich mich einmal an diefer mir genommenen freybeit, 
daß ich Jhnen durch folches Schreiben auch mit noch andere Begriffe fagen 
wollte folches 6efcbwäj ?u unterlaffen. Sie find frau und — Vorgefejtin 
vor der ich Refpect habe, und 

Jcb bin 

Stuttgard: d. 21 febr. Danneker 

81 



der frau frau 
Kupplin. 
Das Schreiben fcheint jedoch feinen Zweck völlig verfehlt $u haben, 
denn bereits fünf Cage fpäter bittet der I)ofbildbaucr den Jntendanten 
de- und wehmütig um Verleihung. 

„6nädigfter I)err Obrift! 

Keine Reue werde ich Jhnen befchreiben dörfen, Sie werden theils 
felbften gehört und gefehen, theils auch fcblüßen können, wie mir's über 
mein Verbrechen ju mutbe feyn muß. Kan meine Reue, gnädigfter I)err 
Obrift, die fich jejo in der folge jeigen foll, ob fie gegründet, Kan mein 
Qntertbäniges Bitten über die grofe Beleidigung, die ich fo wohl Jhnen als 
auch der frau Obriften, durch meinen fehler gemacht, etwaß ju Cinderung 
meines Verbrechens beytragen; fo bitte ich noch einmal, mir das Recht- 
fchaffene, gegen mich, fo lang ich mir's nur denken kan Vatter f)erj nicht 
entgehen. Meine 6efinnung ift edel, ich habe die 6nade gehabt, in der 
Hccademie unter Jhnen die 6r?iebung ju genießen, auf das ich einen edlen 
Stolj habe, denken Sie alfo gnädigfter I)err Obrift, daß ich niemalen auf 
einem niedern Gedanken, wann ich auch fchon einen fehler begangen, hab 
können ausgeben. Sollte mein Schreiben noch Beleidigungen Jhres hohen 
Standes wegen enthalten , fo vereinige ich diefe unterthänige Bitte mit der 
obigen. Und erwarte in tiefer Demuth Jhre gnädigfte Vergebung. 

Stuttgard: d: 26ten febr. 

1781. ganj untertäniger Diener 

Danneker." 



i6 

Zwei Jahre darauf erlebte unfer Künftler das bekannte ,.Cosi fan tutte", 
und i)arper fcbreibt ihm nach Paris: „Sie werden wißen, das Jbre £iebe 
und zärtliche Jungfer Brodtbäck eine frau ift. Cröften Sie Sich aber es 
wird bis $u Jbrer Zurückkunft noch fcböne fflädcbins genug geben, denen 
Sie ihr Glück werden machen können." — Daß Dannecker [ich in Paris 
bald getrottet hat, ift anzunehmen, und fo war denn diefe Jugendtorheit 
ohne gefährliche folgen abfolviert. 

Die beiden Bildhauer wurden am 9. Januar 1783 nach Paris gefchickt; 
es war ein prinzipielles Vorurteil Guibals, daß die deutfchen Künftler kein 
„feuer" hätten, und daß fie fich diefes in Paris holen müßten; in frank- 
reich die feinere Schulung, die letzte Vollendung aber in Rom — war feine 
Devife '). So wanderten denn die beiden Schwaben ?u fuße aus ihrer berg- 
umfcbloffenen Vaterftadt, froh, der Zwangsjacke und der „Schnirkel- 
Sklaverey" entronnen ju fein. 

Jn Paris trafen fie Guibal, der ihnen durch perfönlicbe Gtnpfeblung 
die Hufnabme in das Htelier von Huguftin Pajou verfcbaffte. ffian fragt 
ftcb, warum die beiden fich nicht unter die I)and des überragenden Genie's 
von Jean Hntoine I)oudon begaben, welcher damals pajou längft überholt 
hatte, ffiag fein, daß hier perfönlicbe Beziehungen Guibals ju Pajou mit- 
fpielten. I)oudon 2 ) ftand auf der I)öbe feines Ruhms; die ganze Reibe 
jener ffieifterwerke , welche ihm die Unfterblichkeit fiebert, war bereits ans 
Cicht getreten. Sein Htelier in der Königlichen Bibliothek war dem Publi- 
kum geöffnet, fo daß Dannecker den ffleifter wohl in feinem Schaffen ge- 
fehen bat. I)oudon hatte namentlich unter den älteren Künftlern , die fich 
durch ihn zurückgedrängt fühlten, viele ßeider, fo befonders Caffieri 3 ), der 
mit allen Mitteln gegen ihn arbeitete. 

Die I)auptdomäne der franjöfifcben Bildhauerfchule 4 ) war das Porträt 
Der erfte ^auptvertreter diefer Gattung, Jean Baptifte Cemoyne (1704—1778), 



') axkull-6., S. 125. 

2 ) Dierks, poudons Eeben u. «Herke. 6otba 1887. 

s ) Jean jfacques Caffi^ri (1725—1792) nimmt in erjtcr Cinie durch leine Porträtbütten 
(im Couvre und der Com^die fran^aifc) einen bevorjugten piat? in der fran?ö|i[cben 
Plaltik ein. 

4 ) Gonse. Sculpture framjaise depuis le XIV e siecle. (Paris 1895.) 



17 

bildete eine Reibe hervorragender Schüler, wie pigalle (1714 — 1785) und 
falconet (1716 — 91); daju geboren aueb Caffieri and pajou. 

Huguftin Pajou, geb. 1730, hatte 1748 den Rompreis erbalten und 
war dann jwölf Jahre in Rom gewefen, wo er in den Rünftlerkreifen auch 
mit Fjiarper ^ufammenkam. Dach feiner Rückkehr verfebaffte ihm [ein „Pluto 
mit Cerberus" J ) die Hufnabme in die Hkademie. Seine porträtbüften find 
jum Ceil vortrefflich; namentlich die feines Cehrers Cemoyne 2 ) kann es mit 
mancher I)oudonfcben Hrbeit aufnehmen. 6r erftrebte wie 6uibal eine Re- 
generation der Runft durch I5atur und Hntike, kam aber doch aus feiner 
6poche nicht heraus. Die während Danneckers Hnwefenbeit entftandene 
Pfycbe 3 ) ift äußerft manieriert und macht mit ihren fchwammigen formen 
einen unangenehmen Gindruck. Diderot behauptete, das Calent pajous fei 
„ecrase sous un sac d'argent". pajous äußere 6rfcheinung ift uns durch 
eine fehr gute Cerrakottabüfte feines Schülers Philippe Caurent Roland 4 ) 
erhalten. 

Qeber die beiden Jahre, welche die Rameraden in Paris jubrachten, 
wiffen wir wenig. Pajous Unterricht beftand im Hktjeicbnen und -model- 
lieren und Ropieren nach der Hntike; auch machte er fie mit den Hnfangs- 
gründen der QQarmortecbnik vertraut 5 ). Von Cöerken Danneckers aus dieler 
Zeit Und mir bloß jwei bekannt geworden. Das eine ift ein kleines Relief- 
medaillon aus gebranntem Con, den Hpotbeker ümfrid aus fflarkgröningen 
darfteilend; es trägt die Jnfchrift : par son ami Dannecker Paris 1785. Das 
andere, ein fügender fflars, in halber Cebensgröße, der ebenfalls im Jahre 1785, 
in Ronkurrenj mit einem Pluto Scheffauers, entftand, galt feither als verfchollen ; 
ich glaube, die figur im Hrmeemufeum ;u Stuttgart, welches fie vor einigen 
Jahren vom Zeughaus in Cudwigsburg übernommen bat, wieder aufgefunden 
ju haben. Die Statuette (Hbb. 3), aus bronziertem 6ips beftehend, jeigt uns 
den Rriegsgott, bereit jum Huffpringen; die rechte I)and liegt am Schwert- 
griff, die Hugen fprühen vor Rampfesbegier, alle ffluskeln find gefpannt. 
Das Chema recht franjöfifcb, die Hrbeit bei aller Befangenheit aber fchon 

') flßarmor. Couvrc 
*) Bronjc. Couvrc. 

3 ) flßarmor. Couvre. 

4 ) Couvrc. 

5 ) ßarper an Dannchcr [1784] Hnbang fir. 146. 



i8 

recht felbltändig im Sinne des Strebens nach Ginfacbbeit. Jm Vordergrunde 
ftebt gründliches fiaturftudium. Der Kopf ?eigt viel Husdruck und fcbeint 
wie eine Vorftudie für den I)ektor, der ein Jabrjebnt fpäter entftand; die 
Draperie befcbeiden und etwas pbantafiearm. 

Scbeffauer erhielt für feine figur die Medaille der Hkademte. Die 
beiden Statuetten wurden nach I)aufe gefandt, wo fie ftark befchädigt an- 
kamen und vom I)offtukkator friederieb repariert werden mußten x ). flQan 
war damit febr jufrieden ; nur fand man die Huslagen der Künftler ju hoch. 
Die beiden hatten 1784 eine Zulage von 100 fl. erhalten, führten aber trotz- 
dem in der teuren Zeit ein geradezu ärmliches Ceben , und Dannecker er- 
zählte fpäter felbft, wie er oft an Stelle des Mittagbrots fich mit dem 
Studium der Schätje des Couvre begnügen mußte' 2 ). 

Jm Jahre 1785 weilte auch Johann 6otthard fflüller wieder in Paris; 
er befuebte die jungen Bildhauer und berichtete in lobendfter Qleife nach 
I)auTe 3 ). Daraufbin erfolgte dann von Stuttgart aus fofort die Grlaubnis 
jur fortfetjung der Studien in Rom. 6iner gewiffen Großzügigkeit huldigte 
I)erjog Karl alfo auch bei der Husbildung feiner jungen Künftler, das läßt 
fich nicht leugnen. 

Die beiden Kameraden, die das viele Kopieren gründlich fatt haben 
mochten, verließen Paris mit leichtem Fjerjen. Hm 30. Huguft traten fie ju 
fuß die große Reife an, ju der fie etwas über einen fflonat brauchten. Sie 
berührten Bologna und florenj und erreichten Rom am 2. Oktober. Jn 
einem gemeinfamen Briefe an den Jntendanten Seeger berichteten fie über 
den Verlauf der Reife 4 ). 6ine ftets wiederkehrende Klage, auch in den 
fpäteren Briefen Danneckers an I)arper 5 ), bildet ihre fflittellofigkeit; Geld- 
mangel war es, der die Künftler jwang, ihre Reife fo ju befchleunigen und 
ein folches fflufeum der Kunft wie f loren? im fluge ju durcheilen. 

Jn Rom waren fie nun, wie Scbeffauer fchreibt, im „Paradies der 
Künfte". Sie wurden desfelben juerft nicht fo recht froh, namentlich 



') S. Hnbang Hr. 147. 

2 ) Jameson. Visits and scetches. Vol. I. 

3 ) fllülUr an Jntendant Seeger 17. Hug. 1785. (Pfeiffer, Kupferft. fflüller. Oliirtt. 
Viertel). R. Jg. IV. 1881 S. 176.) 

*) S. Hnbang ßr. 11. 
5 ) Dicht mebr vorbanden. 



19 

Dannecker fühlte ficb wie ein fflenfcb, der im Dunkeln getappt i[t und nun den 
6lanj des bellen £icbtes nicht ju ertragen vermag. Der Clnterfcbied jwifcben 
der überhitzten Temperatur der franjöfifcben Kunft und der frifchen, herben 
Cuft, welche von den Schöpfungen des griechifchen Meißels auszugeben 
fchien, war ein ju großer; er warf unfern Dannecker in einen „künftlerifchen 
Katjenjammer" fon dergleichen, welcher feine Cätigkeit für mehrere Monate 
vollftändig lähmte, nachdem diefe reinigende Krifis überhanden war, betrat 
er langfam und taftend den jüngft erfchloffenen Qleg, auf den alles hinzu- 
drängen, welcher der einzige ?um Ziel führende ju fein fchien : an der leiten- 
den I)and der Hntike die ewige Datur ju finden. 



2» Rom, 



Die beiden Künftler hatten den römifch-en Boden in jener bedeutungs- 
vollen Zeit betreten, wo fich der allgemeine große Umfcbwung jum Klaffi- 
jismus vollzog. Seit den Cagen Slinckelmanns und fflengs' war die neue, 
von deutfeher und eigentlich literarifcher Seite ausgegangene Bewegung ftetig 
im Gdachfen begriffen; die führende Stelle nahm bald die plaftik ein in 
deren I)auptmeifter Canova. 

Canova bat die Hntike juerft mit völlig unverbrauchten, frifchen Hugen 
gefchaut. 6r übertrug die archäologifebe Strömung feiner Zeit als erfter auf 
die praktifebe Kunft felbft und räumte mit den letzten Huswüchfen des Spät- 
barocks auf. Seine Bedeutung beruht ja weniger in feinen eigenen Schöp- 
fungen, deren manierierte Glätte von der angeftrebten Hntike himmelweit 
entfernt ift, als in der befreienden und anregenden Kraft feiner perfönlicbkeit. 
Können wir Deutfche feine Kunft fo im wefentlicben nur noch relativ werten, 
fo darf der außerordentliche Ginfluß diefes QQannes nicht unterfchätjt werden. 
Hucb Dannecker konnte ficb ihm nicht entziehen, teils weil der Jtaliener 
ihn auf dem eingefchlagenen Gdege jur Hntike beftärkte, teils weil ihre 
Naturen etwas Verwandtes hatten. Dannecker war febon von Paris aus 
an ihn gewiefen worden *) ; die beiden fflänner kamen ficb rafch nahe. 
Canova war nur ein Jahr älter und eine liebenswürdige, großartige Hatur; 

') S. Hnbang Hr. 143. 



20 

die Gleichartigkeit des Strebens tat das übrige. Sie blieben aueb jeit- 
lebens befreundet, und Canova pflegte Dannecker wegen feines barmonifeben 
6emüts II beato ju nennen. Diefe 6lückfeligkeit fehlte Canova, der fieb 
von innen heraus vermehrte; er war ein körperlich und geiftig jarter, unge- 
funder fflenfeb. Seine feminine Kletcblicbkeit fpiegelt fich auch in feiner 
ganzen Kunft wieder. 

Huch mit dem Schweizer Hlexander Crippel ! ) (1744 — 93) trat Dannecker 
in nähere Beziehungen. Crippel war feit Oktober 1776 in Rom, einen vier- 
monatlichen Hufenthalt in Bafel ausgenommen. Dannecker fcbätjte ihn fehr 
hoch und brachte auch fpäter feinen eigenen Schüler Diftelbarth bei ihm 
unter. 6in hübfeber Brief, der fich darauf bejieht, läßt das nahe Verhältnis 
?u Crippel erkennen (f. Hnhang Rr. 144). Huch £ips lernte Dannecker wabr- 
fcheinlich hier kennen, fflit Gottfried Schadow, der von 1785 — 87 ebenfalls 
in Rom weilte und fich mit Canova befreundete, kam Dannecker in Berüh- 
rung, aber offenbar in kein näheres Verhältnis; beide waren auch wohl 
nach Charakter und Künftlerfchaft ju verfchieden, um miteinander harmo- 
nieren ju können (f. Hnhang Dr. 208). Die deutfehe Künftlerkolonie in Rom 
war damals bereits recht jablreich 2 ); von den bekannten älteren Künftlern 
feien Cifchbein, Philipp gackert und Hngelika Kauffmann genannt. Von 
den ehemaligen Karlsfchülern war I)etfch ?wei Jahre in Rom, wo er völlig 
in das fahrwaffer von Jacques £ouis David geriet. 

Die franjofen beherrfchten überhaupt in gewiffer Cdetfe das künft- 
lerifche Ceben. Die Hccademia di francia im ßala^jo flßancini mit ihren 
prächtigen Zeichenfälen und fpäter die Villa ffledici mit ihren herrlichen 
6ärten waren den Künftlern aller Rationen geöffnet. 

Jhr „Studio" hatten die Künftler faft alle in der Habe der piajja 
di Spagna; Dannecker wohnte in der Via della Croce, Scheffauer in der 
Via del Babuino. 

flßan fragt fich, ob unfer Künftler auch mit 6oethe in Berührung kam, 
der während feines römifchen Hufenthalts ja hauptfäcbüch in Künftlerkreifen 
verkehrte. Jn der „Jtalienifcben Reife", wo die deutfehen Künftler in Rom 



J ) Vogler, Der Bildbauer Crippel. 

2 ) Das deutfebe Ceben in Rom anregend gefcbildert von friedr. Hoa* („Deutjcbes 
Ceben in Rom 1700 — 1900"). 



21 

ausführlich behandelt werden, ift Dannecker nicht einmal genannt; dagegen 
befpricht 6oetbe Scbeffauers flora und Danneckers Bacchus hur? in „(öinckel- 
mann und fein Jahrhundert" 1 ). Jn einem fpäteren Brief 2 ) an Goethe er- 
zählt Dannecker von feiner Sehnfucht, in 6oethes 6emeinfchaft den Hpoll 
im Belvedere bei fackelbeleucbtung ?u bewundern. Der Künftler befand fich 
noch fehr im derden ; $u einer näheren Bekanntfchaft ift es wohl erft 10 
Jahre fpäter in Stuttgart gekommen. 

Die fchon im Dekrolog ?u findende Hngabe, daß Dannecker auch 
I)erder kennen gelernt habe, entbehrt der Begründung; Dannecker felbft 
fpricht nirgends davon. I)erder intereffierte fich viel weniger für die wer- 
denden jungen Künftler wie Goethe und verkehrte mehr mit Hngelika Kauff- 
mann, Cifchbein, (Beyer und Crippel, dem Kreis, der ihm durch Goethe 
vermittelt war 3 ). 

Jm Jahre 1786 erhielten die beiden Künftler den erften größeren Huf- 
trag aus der Heimat, beftehend in fflarmorftatuetten der vier Jahreszeiten, 
welche für das Bibliothekjimmer des neuen I)obenbeimer Scbloffes beftimmt 
waren 4 ) (Hbb. 4 — 7). Dannecker bekam Sommer und I)erbft, Scheffauer früh- 
ling und Günter jugeteilt. Die erften jwei figuren, Ceres (Sommer) von 
Dannecker und flora (frühltng) von Scheffauer gingen im Jahre 1787 nach 
Stuttgart ab. 

Die flora Scbeffauers ift eine lebhaft bewegte figur, welche mit der 
gefenkten £inken das Gewand vom Boden hebt und fich mit der Rechten 
bekränjt, ein hübfehes Motiv. Danneckers Ceres 5 ), in reicher Drapierung, 
mit antikem Schreitmotiv, trägt in der vorgeftreckten Cinken die Hehren; die 
rechte I)and, welche den Mantel an die I)üfte drückt, hält die abwärts 
gekehrte Sichel. Die flora Scbeffauers jeigt trotj mangelhafter Proportionen 
größere Selbftändigkeit und namentlich in der Gewandung mehr feinheit. 
Das Genreartige der figur paßt fehr glücklich ?u dem kleinen Maßftab, 
während die Ceres in ihrer ruhigen Haltung und dem gefchloffenen Hufbau 
für größere Dimenfionen berechnet fcheint. Das plaftifch-ftatuarifche Moment 



') S. 355. 

*) Vom 9. ffiai 1814. S. Hnhang Dr. 120. 

s ) Cbriftmann, der erfte Biograph Danneckers, erwähnt weder 6oethe noch Rerder. 

*) Sämtliche vier figuren im K. Retidenjfchlok in Stuttgart. 

5 ) (Hielands Ceuttcher flßerhur 1796, II, 168. ffleufcls Ceut|d>es Künjtlerleiikon. 



22 

tritt bei ihr mehr in den Vordergrund. Die 6eftalt ift auffallend fcblank 
und langgeftreckt; das erfte Beifpiel von Danneckers Vorliebe für fcblanke 
figuren in feiner erften Periode. Die 6ewandung ift hier noch ganj Selbft- 
jweck; das Gefühl für das Organifcbe fehlt; die falten entbehren des natür- 
lichen flufles, und die überreiche Stoffmaffe erdrückt den Körper. Hlles in 
allem genommen, bleibt die figur eine jiemlicb befangene Hnlehnung an 
die Hntike; man hätte nach dem Parifer fflars eine rafchere Gntwicklung 
erwartet. 6s ift, als ob das „Qmfatteln" , und das neue Glement den 
Künftler verfchüchtert hätte. 

einen fortfehritt bedeutet die Statuette des Bacchus (I)erbft), welche 
im folgenden Jahr entftand. Dannecker jeigt fieb hier Scbeffauer fehr über- 
legen, dm den ödinter ju charahterifieren, ftellte diefer einen frierenden 
alten ffiann dar, der in der £inken ein paar dürre Hefte trägt und mit der 
Rechten einen über den Kopf gezogenen DQantel vor der Bruft jufammen- 
fa&t. Diefe etwas dunkle Symbolik trug der figur in der folge die ver- 
fchiedenften Deutungen ein. Der „Gdinter" jeigt wie die flora fchlechte 
Proportionen; der linke Hrm ift j. B. viel ju fchwer für den Rumpf. 
Danneckers Bacchus 1 ) hält fich wieder mehr an die Hntike, und jwar 
diente als Vorbild eine fehr verftümmelte Statue des Bacchus aus der Villa 
Cudovifi. Der vollftändig nackte Gott trägt in der Rechten die Crinkfcbale, 
in der gelenkten JCinken den Chyrfusftab; das Fjaupt ift mit dem Credemnum 
umwunden und mit ödeinlaub gefchmückt. Der forgfältig ftudierte Hkt 
verrät in feiner weichen formgebung die Schule Canovas. Sehr fein aus- 
geführt ift der jiemlich kleine Kopf, an dem wir bereits den fpäteren ffleifter 
des Porträts ahnen. 

Der Bacchus fand in Rom großen Beifall; der Kunftgelehrte und 
Hrcbäologe Hloys I)irt brachte in der von ihm mit Carl Philipp fflorit? 
herausgegebenen Zeitschrift „ Jtalien und Deutfchland" 2 ) eine Hbbildung und 
eine anerkennende Befprecbung. Jn der I)eimat gefielen diefe Statuen, welche 
von einem neuen 6eifte befeelt waren, allgemein. I)arper fchrieb am 5. Sep- 
tember 1780 an Dannecker: 

„. . . ffiit gröfter Zufriedenheit und wahren Vergnügen, habe ich Jhre 



1 ) Odidands Ceutfcber ffierhur 1796, II, 168. ffieufels CcutlAcs Künltterkxihon. 

2 ) II. Stü*. S. 14 ff. 



23 

fcböne Hrbcit betrachtet, die ganj der Kenner Beyfall erhält, die große 
progressen die Sie feit Jhrer juerft überfandten figur gemacht haben, find 
Tehr auffallend, und jeigen (ich wenn man die beyde figuren nebeneinander 
betrachtet." 

Huch in römifchen Künftlerkreifen wurden die Hrbeiten der beiden mit 
Hnerkennung beurteilt, und fremde, junge Künftler, die ausftellen wollten, 
pflegten ju fagen: „fflan muß es vorher die Schwaben fehen laffen." *) Jn 
den Memorie per le belle arti erfchien eine lobende Kritik; ja die Hka- 
demien ju Bologna 2 ) und Mailand ernannten Dannecker ju ihrem Gbren- 
mitglied; Scheffauer wiederfubr von Bologna, Couloufe und fflantua 
diefelbe 6bre. 

Sine weitere gemeinfame Beftellung für die beiden Bildhauer waren 
jwei Reliefs, die „fflufen der poefie und Komödie" für Scheffauer 3 ) und 
die „fflufen der Cragödie und 6efchichte" für Dannecher. Sie waren wahr- 
fcheinltch ebenfalls für das Fiobenbeimer Schloß beftimmt. Kompofition 
und Draperie der Danneckerfcben Hrbeit wirken etwas unfrei; trotjdem 
atmet der Kopf der „Cragödie" mit feinem feherifch träumenden Blick bereits 
eine hohe und echt Dannecker'fche Schönheit (Hbb. 8). Das Relief wurde 
fpäter jweimal in Marmor ausgeführt, im Jahr 1823 für den Grafen Sjecbeny 
und 1825 für den Bankier van der I)oop in Hmfterdam. 

ödohl ebenfalls in Rom entftanden ift eine Skijje in gebranntem Con, 
Hmor und Pfyche vorteilend*) (Hbb. 17). Hmor tritt fachte von hinten 
an Pfyche heran, welche ihm den Kopf jum Kuffe juwendet. Die jarte 
Keufcbheit, von welcher diefe reijende Kompofition erfüllt ift, und der fchöne, 
natürliche fluß der £inien laffen es fcbmerjlich empfinden, daß die Gruppe 
eine Skijje geblieben ift. Befonders Schick liebte fie fehr, und fuchte Dannecker 
in feinen Briefen jur Husführung ju ermuntern. Daß Dannecker daran 
dachte, gebt aus einem Briefe an Schiller hervor. Hm 22. September 1794 
febreibt er ihm: „Marmor habe ich auch fchon vor meinen Hmor und Pfyche 
beftellt." Hber noch am 7. September 1805 febreibt ihm Schick aus Rom : 



1 ) Uihüll. S. 112. 

2 ) Hnbang ßr. 5. 

8 ) fflarmorausfiibrung von 1702 im Sccjcblo^ fflonrepos. 
*) Stuttgart, fJQulcum der Bild. Künjte. 



24 

„ödenn ich doch nur einmal die Dacbricbt von Jbnen erhielte, daß Sie Jbre 
6ruppe von Hmor und Pfycbe ju modellieren angefangen hätten, denn dies 
wäre ein (Clerk Jhres Damens würdig." Vielleicht hat Dannecker auch in 
Rom in privatem Huftrag eine Husfübrung gemacht 1 ). 

Mittlerweile hatten die Künftler bei den fchlechten Zeiten wieder fchwer 
unter Geldmangel ju leiden. Hliederbolt bittet Dannecker den guten I)arper 
um Zufcbuß und um „Vorfpracbe" beim Fierpg. Fjarper war aber felbft 
nicht in den glücklichften ümftänden, und auch die herzogliche Kaffe erlaubte 
eine weitere Qnterftütjung nicht. 

So wurden die beiden im I)erbft 1789 auf Hntrag der Schloßbau- 
deputation, der fie feit 1786 angehörten, zurückberufen 2 ). Hm 14. Dovember 
reiften fie ab und kamen am 1. Januar in Stuttgart an. Qeber den Verlauf 
der Reife find noch einige Cagebuchnotijen vorhanden 3 ). 

Daraus erfahren wir folgendes; 
d.: 14^ Dov. : in Depi gefchlafen. 

15= Otricoli. Den Maestro di Camera von Card. Porgia angetroffen. 

Mittag u. Cerni über Dacht. 
16^1 Cerni Mittag gefpeißt wegen dem berühmten Gßafferfall. Der Klein 

ift gekocht, und äußerft fchlecbt. Spoleto über Dacht. 
17= folingen (foligno) ju Mittag gefpeißt bey abate fugi, das be- 
rühmte 6emäblde von Raphael gefehen. Oeber Dacht in Perugia. 
Da feyn 6emählde von Pietro Perugino, die beweißen daß Raphael 
einen nicht ganj grofen 6rad ju fteigen nöthig hatte um der be- 
rühmte Mann ju werden. Befonders La Transfiguration. Hucb 

') ^ür diele Hnnabme und für die frühe Datierung fpricbt ein Gedicht, welches die 
Schüler fflack, franck und Diftelbartb ihm 1790 ju feiner I)ocb?eit widmeten. (Danneckers 
Dachlaf? B.) Die Stelle lautet: 

. . . Der fpäte Dichter wird dir Cieder 
Der beifjeften Bewundrung weihn 
und ewig wird Cupid und Pfycbe 
6in Denkmal deines Ruhmes fein. 

. . . Drum jauchiet laut der CQürtembergcr, 
Dun du fo froh und glücklich bift, 
6s jauebjet laut der edle Römer, 
Da Hmor feine Pfycbe küfjt. . . . 

2 ) Pfeiffer, S. 731. 

3 ) Danneckers Hacblafj B. 




10 



flQädcbcn mit Vogel 



1700 




ffiädcbcn mit Vogel 



1790 



25 

fabe ich die F)immelfartb fflariae von Rapbael, in feinem 18L Jahr 
ein vortreffliches Stück. 
18^2 Dachts alla Torriceila bey lago di Perugia vortreffliche fifebe. 
19^ Camoscia sotto Cortona ä Pranzo. Cena a l'osteria della vedova. 

fflit Regen und GQind angekommen. 
20^? Rimaggio — 

Dachts in St. 6iovanni. 
21^5 in florenj. Mittag gefpeißt und abgereist. 
Deujahr 1790 trafen die beiden Rünftler wieder in der febwäbifeben 
I)auptftadt ein. 

für beide waren die vier römifeben Jahre die wiebtigfte Zeit ihres 
Cebens, fie beftimmten ein für allemal ihre künftlerifche Richtung. Die 
deberfülle der eindrücke hatte Zeit gehabt fieb ?u gliedern und ju ordnen, 
der ganje Organismus febien gleichmäßig von einem künftlerifcben fluidum 
durchdrungen, und wären die beiden Rünftler nunmehr in ein reiches Runft- 
element gekommen, fo hätten fie in der frifche der Bbantafie wabrfcbeinlicb 
eine fruchtbare Cätigkeit entfaltet. 



Propyläen 



3» Stuttgart, Beirat* Schiller« 

Darnieder hatte die ewige Stadt mit fcbwerem I)erjen verlaffen ; ging 
es doch von der freibeit jurück in die kleinlichen Schränken, die dem I)of- 
bildbauer gefteckt waren; jurück von Rom nach Stuttgart — : Dannecker 
machte alle Hn[trengungen, eine ödiederholung des römifcben Hufenthaltes 
ju erlangen. Seine Briefe an den Hbbate fflarini, den württembergifcben 
6efchäftsträger und berühmten Vorfteber des päpftlichen Hrcbivs ') find von 
tiefftem P>eimweb erfüllt nach „der benedeiten Roma, welche ihn unglücklich 
gemacht". HUes fcheint an Rom ju erinnern, die feuerbacher I)eide nur an 
Stelle des 6ianicolo getreten ju fein. Cäglicb kommen ihm die Cränen in 
die Hugen ; wenn alles fröhlich und guter Dinge ift, fteht er „malinconico" 
abfeits. 6r bittet QQarini, fich für ihn beim i)erjog ju verwenden ; er will 
fich verpflichten, alle 16 ffionate eine lebensgroße Statue ju liefern, wenn er 
nur mit 1500 6ulden jährlich nach Rom jurückgefandt werde. 

6inftweilen waren die beiden I)ofbildhauer fofort nach ihrer Hnkunft 
vom F)er$og gnädigft in Hudienj empfangen worden; jwei empfehlende Briefe 
des Rardinals Borgia und flQarinis erhöhten die Zufriedenheit des fürften. 
Beide wurden mit einem 6ehalt von 800 fl. an der Karlsfchule angeftellt; 
Dannecker trat fein neues Hmt am 30. Januar an. 



a ) S. Hnbang Dr. 209 — 225. 



30 

Cdte er an fflarini fcbreibt, kam er „quasi nudo" in die I)eimat. 
Hrmut, dnluft über den engen I)eimatkeffel und das Gefühl der Gebundenheit 
mochten in ihm ein allgemeines Mißbehagen erzeugen, fo daß man lieh wohl 
vorteilen kann, daß er in die Begeiferung, welche die franjöfifcbe Revolution 
erregte, ein wenig mit einftimmte. Cbriftopb Heinrich Pfaff, ein ehemaliger 
Karlsfchüler, erjählt in feinen „Cebenserinnerungen" J ) von dem glühenden 
Gntbufiasmus für die franjöfifcbe Revolution, der unter der damaligen 
Jugend herrfebte; ein politifeber Hkademiftenklub wurde gebildet, der eifrig 
Propaganda machte. 

„ . . . Hls im Hnfange des Jahrs 1790 die franjöfifcben Prinzen mit 
einem großen Gefolge von Gmigranten nach Stuttgart kamen, bei welcher 
Gelegenheit auch die Carls -Hkademie von denfelben befuebt und den 
Chevaliers auch die 6hre ju teil ward, durch den F)erjog dem Grafen 
v. Hrtois, fpäter Carl X, perfönlicb vorgeftellt ju werden, wurde unfere 
ganje revolutionäre Gefinnung aufgeregt und vier von uns befcbloflen, die 
öffentliche Redoute ?u benutzen, um die Hbfcbaffung des Hdels durch 
die Dationalverfammlung, die damals unfern ganzen Beifall hatte, dramatifch 
unter den Hugen der franjöfifcben prinjen und ihres Gefolges aufzuführen ..." 

einer der Karlsfchüler wurde als Gdelmann von oben bis unten mit Gdap- 
penfcbUdern behängt, im feftfaale überfallen, geplündert und kahl hinausgejagt. 

„Huf einer der folgenden Redouten trat wieder ein anderer Genoffe als 
Kronos, mit künftlerif eher Virtuofität durch die bekannten Künftler Dan- 
necker und Koch drapiert, maskiert auf, eine Urne mit fich führend, aus 
der er Devifen mit prophetifeben revolutionären Jnfchriften, befonders auch 
mit ftarken Husfällen auf die franjöfifchen Prinzen vertbeilte, die Urne ju- 
rücklaffend, welche von dem im Geheimniffe eingeweihten Kerner umgeftürjt 
und ihr übriger Jnhalt dadurch verfchüttet wurde, den die ömftehenden be- 
gierig auflafen." 

Die Ceilnehmer an dem kecken Streich entkamen, und das Geheimnis 
wurde treu bewahrt. 

Mittlerweile ließ Dannecker kein Mittel unverfucht, die Heimkehr nach 
Jtalien ju erreichen; bei einer Hudien?, welche er und Scheffauer am 3. fflärj 
bei franjiska hatten, baten fie diefe, ihren Ginfluß auf den Gatten geltend 

') S. 457. 






12 — 14 



Sockelreliefs ju dem fflädcben mit dem Vogel 



1790 





i 5 — i6 



Ktnderfigürcben um 1790 

(Shijjen für die Cudwigsburger porjellanfabrifc) 



31 

ju machen, franjiska hatte bei beiden entwürfe ju einem 6rabmal bettellt, 
wie Dannecker fcbreibt *), „per un buon predicatore", den bekannten Kanjel- 
redner Zollikofer (1730—88). Scheffauers Modell erhielt den Vorjug; die 
Husfübrung für I)obenbeim wurde durch den Cod Carls verhindert. 
Danneckers Skijje ift als Relief aufgefaßt (Hbb. 22); jwei trauernde weib- 
liche figuren reichen einander über einer Urne die I)and; als Hintergrund 
ein Obelisk, welcher die Grabfcbrift trägt. Jn ähnlicher ödeife kompo- 
niert, obwohl weniger glücklich, ift der Gntwurf ju einem 6rabmal für 
ffiatbias Philipp I)abn, den als Mechaniker berühmten württembergifchen 
6eiftlichen (f 1790 in Gcbterdingen) (Hbb. 21). 

dm diefe Zeit, vermutlich im ödinter 1790/91, entftand eine der reijend- 
ften Schöpfungen, welche Dannecker überhaupt hervorgebracht hat, das „ffläd- 
chen, welches um feinen toten Vogel trauert" (Hbb. 10/11). 6s war für den 
I)ofarchitekten fifcber 2 ) beftimmt, dem Dannecker in feiner Jugend viel ju 
verdanken hatte. 

Diefes in feiner unmittelbaren frifcbe fo anmutige CClerk ift von der 
Süßlichkeit und Sinnlichkeit eines Canova ebenfoweit entfernt, wie von 
der Glätte und Koketterie Pajou's; ohne die Hntike äußerlich nachzu- 
ahmen, ift es mit feiner entzückenden Daivität aus dem 6eifte der helle- 
nifchen Kunft heraus geboren. Die Cinien wahre ffiufik, ohne je äußer- 
lich ju werden ; die Modellierung des Hktes von feinfter f ormenempfindung, 
der reiche Stimmungsgehalt ohne Sentimentalität — fo präfentiert fich uns 
diefes (öerk als der erfte „echte Dannecker". Die Behandlung des Ge- 
wandes ift ganj der Hntike entnommen; der dünne Stoff ordnet fich in die 
Körperformen ein, ift nur die Begleitung jum Gefange. Die Hrt, wie das 
bocbgegürtete Gewand von der einen Schulter, die Bruft jur I)älfte ent- 
blößend, herabgeglitten ift, wird in der folge vom Künftler mit Vorliebe 
und mit mannigfachen Variationen verwendet. 

Drei kleine Reliefs am Sockel, allegorifche Sjenen darftellend, find nur 
flüchtig angegeben und ftehen formal nicht fehr hoch (Hbb. 12 — 14). 

eine fflarmorausführung wurde von ihm in fpäten Jahren ebenfalls 
für Bankier van der I)oop angefertigt; eine weitere Kliederholung in 



') S. Hnbang Dr. 211. 
2 ) S. S. 8, Hnm. 2. 



32 

ffiarmor machte Danneckers Schüler Cheodor Cdagner x ) für den Bankier John 
Baring in Condon. 

Qnterdeffen hatte Dannecker die Rückkehr nach Rom eifrig betrieben, 
fflarini bat ju wiederholten flQalen für ihn beim J)er|og; Dannecker legte 
die Diplome der italienifchen Hkademien vor; fogar der Kardinal Borgia 
ward um Verwendung gebeten. 

Da kam aber ein Greignis, welches die Hugen Danneckers vorläufig 
von der fernen Geliebten abwandten. Hm 4. ßovember fchreibt er an 
fflarini: „Dannecker sta come e stato mai, in un stato curioso, che non 
mi sono mai figurata di essere." 

6r hatte die Gefährtin fürs £eben gefunden und fich verlobt mit 
F)einerike Charlotte Rapp, der Cochter des Kaufmannes Philipp Heinrich 
Rapp (1723 — 83). Sie war 17 Jahre alt, ein munteres, harmlofes 6efchöpf, 
das fich fein Kindergemüt zeitlebens bewahrt hat, das Glück des fflenfeben 
und die fflufe des Künftlers (Hbb. 50, 59, 83). Hm 6. Dov. wurde die herzog- 
liche Genehmigung ?ur Fjeirat erbeten und erteilt 2 ); der fürft mochte ju- 
frieden fein, daß fein reifeluftiger I)ofbildhauer auf diefe Steife in Stuttgart 
feftgehalten wurde. Hm 14. Dovember fand die Crauung ftatt. Die 6he 
war, obwohl fie kinderlos blieb, eine überaus glückliche; noch die Briefe aus 
der letzten Zeit find von einer innigen, wahrhaft bräutlichen £iebe erfüllt. 

Jn materieller I)inficht war der Reichtum der jungen frau geeignet, den 
mittellofen Künftler aller ßahrungsforgen ju überheben und feine Kräfte ganj auf 
die reine Kunft ju konzentrieren. Die öffentliche Bibliothek in Stuttgart be- 
wahrt noch das Zubringensinventarium der jungen Gbeleute. Daraus entnehmen 
wir, daß die „Summa der frau Cßaritae Zubringens" fich auf 6365 fl. 31 kr. 
belief. — ferner beträgt die „Summa des r)errn fflariti Zubringens 

641 fl. 57 kr. 
fo alles eigen 

davon gehen 
Paffiva 

') Clnter Hlintterlins Materialien ?ur württ. Kunftgetcbicbte (Bibl. Stuttgart) befindet 
fich ein eigenhändiger Zettel Klagners: 

Danneckers fflädeben mit dem todten Vogel von ibm felbjt in fflarmor ausgeführt, 
erhielt Banquier van der f)oop (nicht f)oppe) in Hmfterdam, die Husführung in Marmor 
von mir erhielt: Banquier John Baring in Condon. ttlagner. 

2 ) $. Hnbang Dr. 12. 



33 

fo der I)err maritus auf feine jur Grweiterung der Kenntnüffen in feinem 
metier notbwendig ju malenden Reißen, bey feinem 7jährigen Hufentbalt 
in Paris und Rom ju verwenden gemüffiget gewefen, da er bierju von 
6ltern keine ünterftütjung gebabt. 

575 fl. 
worüb. deffen Hllatum noeb 
effective belaufft 

66 fl. 57 kr." 
Hucb über die Bibliothek des Künftlers werden wir unterriebtet ; das 
genaue Verzeichnis nennt folgende Bücher: 
Caffos Qeberfetjung. 
franjöfifcbe Reifebefcbr. nach Rom. 

Von Ramdobrs Befcbreibung über fflablerey u. Bildbauerey. 
i franjöfifcbe u. Jtalien. Grammatik. 

1 Vocabularium. 

i Reiß Befcbreibung nebft poftearten durch ganj Jtalien. 

6epner Jdillen und deberfetjung von procobio. 

franjöfifcbe Briefe. 

Caffo. 

L'asino d'oro di Lucio apuleio. 

Kupferftiche. 
Dann folgen 6arderobegegenftände , worunter die „OQannskleider" 
großenteils „von der Marita verehrt" find. Clnter dem jufammenfaffenden 
Citel „6emeinfamer I)ausrath" ift aufgeführt: 

2 Rafier DQeffer ä 15 — 30 

1 Cobaks Caffe — 24 

1 Scbreibjeug — 12 

1 QQarmornes Basrelief 200 fl. — 

1 6ips Hbguß vom Borgbefifchen f echter . . 44 fl. — 

12 Rafpeln 4 fl. — 

1 Copie von der ffiedieeisfeben Venus ... 11 fl. — 

1 Hbguß des antiquen Kopfs Y\\s genannt . 4 fl. — 

2 Köpf von amor und Pfycbe 11 fl. — 

einige Skijjen in gebrandter 6rde .... 33 fl. — 

3 



34 

Das junge Gbepaar wohnte im I)aus 492, am Kircbplat?, dem logen. 
„Scblößle" (Stiftsftr. 5) 1 ), gegenüber von ^einrieb Rapp, dem älteren 
Bruder von I)einrike. fflit ihm ftand Dannecker in naber freundfebaft. 

Rapp 2 ) (Hbb. 87) war 1761 geboren und übernahm 1784 das väterliche 
Gefcbäft bei der Stiftskirche. Bei großer kaufmännifeber Begabung war er eine 
fein empfindende Künftlernatur. 6r dilettierte felbft aufs glückliebfte, nament- 
lich als Candfcbaftsjeicbner, ftand mit den Künftlern in nahem Verkehr (befon- 
ders J)arper und ffiüller kamen häufig in fein I)aus) und trat fpäter mit 
Gnthufiasmus und mit einer gewandten feder als förderer des Schönen 
und Künftlerifchen in die Öffentlichkeit. Die nahe "Verbindung mit diefem 
ffianne, welcher in böcbftem fflaße das befaß, was Dannecker von I)aufe aus 
fehlte — Kultur und feine Bildung — , mußte für den Künftler von größter 
Bedeutung fein. Rapp verehrte und bewunderte feinen freund und ftellte 
dem im Schreiben und Verhandeln fehr ungewandten Künftler feine kauf- 
männifeben Grfah-rungen jur Verfügung; die beredteften Huffätje über die 
neueften Schöpfungen Danneckers, die wichtigften Unterhandlungen über den 
Verkauf der Bildwerke ftammen von der I)and Rapps. Hucb in künft- 
lerifcher J)inficbt war der geiftvolle Mann ihm ein feinfühlender Berater, 
obwohl die Bewunderung meiftens die Kritik übertönte. Vielleicht war diefe 
Verehrung fchließlich fogar eine 6efabr; Scharffenftein beklagte fich fpäter 
bei Cempp über Danneckers „Cobbudler", und in die Begeifterung Rapps 
über den „Chriftus" vermögen wir heutzutage kaum mehr einjuftimmen. 

6ine hübfebe Skijje aus diefer Zeit ift ein Relief: Hlexander, dem 
parmenion einen Siegelring auf die Cippen drückend (Hbb. 9). Das unter dem 
Gindruck des antiken Orpheusreliefs komponierte Gderkchen war für das 
herzogliche Konferen^immer in I)ohenbeim beftimmt, kam jedoch nicht ?ur 
Husführung 3 ). 



J ) So gibt 1800 der „ülegweifer in Stuttgart" an. 

2 ) ölintterlin, Klürtt. Vierteljabrsbefte, Yl. f. 1892. 

s ) 6s fei bier ausdrücklich auf einen Jrrtum bingewiefen, der Jicb in die Jnventare 
eingefeblicben bat. 3n den „Baudenkmälern der provinj Pommern", II. Band: Reg.-Bej. 
Stettin, Kreis HnMam, ilt S. 241 ein Denkmal des feldberrn Schwerin von Dannecher 
in Scbwerinsburg aufgeführt. Der Sockel trägt die Jnfcbrift: „Dem Beiden, der während er 
von Siegen rubte, diefen fluren 6lan? und neue Schöpfung gab Curt Cbriftopb 6raf von 
Schwerin 1790 von dem dankbaren Deffen 6raf f)einricb Bogislaw Detlof von Schwerin ge- 
widmet." Das Datum und vor allem die beigegebene Hbbildung widerlegen die Hngabe 





17 Hmor und Plydie 1789 (?) 

(SM}}«) 



freund|cbaft und Harmonie i£ 

um 1790 




'9 




Kinderfigürdicn 

um 1790 

(für die Eudwigsburger por;el1anfabrih) 



20 




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35 

ebenfalls im Jahr 1791 entftand die fcböne 6ruppe der Parken 1 ), 
welche ju einem Obrgeftell beftimmt war (Hbb. 27). Derartige, mit kleinen 
figuren dekorierte übrgebäufe waren damals febr beliebt; Dannecker erfüllte 
die übernommene form mit 6eift, indem er die Göttinnen des menfcblicben 
Lebenslaufes, der ficb ftets vermehrenden und erneuernden Zeit, darftellte. 
Die Kompofition der 6ruppe i[t von feinftem Rbytbmus belebt. Klotbo 
[itjt mit der Spindel auf einem Sockel, welcher jur Hufnabme der Ohr 
dient; wir erkennen in ihr das Mädchen mit dem Vogel wieder. Printer ihr 
ftebt Cacbefis und legt ihr die linke I)and auf die Schulter, während fie mit 
der Rechten den faden durchhiebt; jur anderen Seite ift Htropos einge- 
fcblummert: das junge Cebensglück des Künftlers bat feinen poetifchen Hus- 
druck gefunden. Die drei vorderen flächen des achteckigen Sockels tragen 
kleine Reliefs mit Darftellungen aus der griecbifcben Mythologie (eine Opfer- 
fjene, Paris, I)erkules mit Cerberus, Heneas mit Hncbifes) und mit Masken. 

Die 6ruppe wurde mit Varianten ju wiederholten Malen ausgeführt. 
Gin exemplar kam nach 6ngland, ein anderes nach Petersburg. Zwei 
exemplare wurden von dem 6eiftlicben Rat und Profeffor Oberthür in 
ößürjburg beftellt; eines davon kam jerbrocben an, das andere befindet ficb 
jetjt in der Sammlung der Qniverfität Gdür^burg. 6s ftebt an frifche febr 
hinter der Skijje jurück (Hbb. 28). 

Mit den letzten Lebensjahren F)erpg Karls beginnt eine £eidensjeit 
für Dannecker und alle württembergifcben Künftler, welche kurje Unter- 
brechungen, wo die Sonne den trüben I)immel durchbricht, abgerechnet, ficb 
bis 1801 erftreckt. Der kränkelnde I)erjog war im Hlter fparfam geworden 
und geijte mit Hufträgen 2 ); judem überftieg die Hnjabl der angeftellten 
Künftler weit die Bedürfniffe der kleinen Stadt. 



von lelbft ; das Denkmal ift eine Statue in freier realiftilcher Hrt. ödie mir r)err Profetfor 
Dr. fllackowsky-6rofc-£ichterfelde mitteilt, ift die Bezeichnung am Sockel Hark verwafchen, fo 
dah nur die jwei letzten Bucbltaben ... er deutlich ju erkennen find, fflackowsky hat er- 
mittelt, dafj die Statue von r) e i n r i ch Bettkober ftammt. 

*) fflrufels Ceutfchcs Künftlerlexikon 1808. 

2 ) 6in 6rabmal für die 1700 im erften CQochenbett geftorbene Dichte Karls, die 6r?- 
herjogin eiifabeth von Oefterreich, wurde nicht in größerem fflakftabe ausgeführt. Der Künftler 
hat den Moment dargeftellt, wie die junge ffiutter in den Hrmen ihres Gemahls, des Ipäteren 
Kailers franj II, den 6eift aufgibt (Hbb. 24). 



36 

Jtn frübling 1793 hatte der I)erjog durch Dannecher bei fflarini noch 
einen Bildbauer und Marmorier für kunftgewerbliche Hrbeiten beftellt, 
welcher in der perfon des Römers Hntonio Jfopi *) eintraf. Daju harnen 
die Stukkatoren friedrieb, fflack d. He. und frank, fo daß die Bildhauer - 
hunft allein fechs Vertreter jäblte. Daß eine Rivalität unter diefen üm- 
ftänden unvermeidlich war, verftebt lieb von felbft, und namentlich jwifeben 
Dannecker und Scheffauer wurde das Verhältnis jeitweife ein recht febwie- 
riges. Göie weit hier von beiden Ceilen unter der Oberfläche gearbeitet 
wurde, läßt heb natürlich febwer mehr feftftellen. Die Briefe Scbeffauers, der 
mit feiner rafcb waebfenden familie bald in Dahrungsforgen geriet, geben, 
ohne bedeutend ju fein, ein Bild von den damaligen Stuttgarter Kunft- 
juftänden; man blickt in ein Stück fflifere. Scheffauer berichtet feinem 
6önner, dem 6eiftlichen Rat und profeffor Obertbür 2 ) fein £eid und ergebt 
fieb in lauten Klagen über die Kabalen, denen er ju unterliegen drohe; er 
richtet die febärfften Hnfcbuldigungen gegen Dannecker und fifcher, die gegen 
ihn „concertieren". Klenn man auch von diefen Vorwürfen ein Cell auf 
Rechnung der mißtrauifeben ßatur Scbeffauers wird fetten dürfen, fo gebt 
Dannecker, mehreren anderen Briefftellen jufolge, doch nicht vollftändig rein 
aus diefen Reibereien hervor. 

Bei dem Beftreben, die Rückkehr nach Rom ju erlangen, flicht er an 
flßarini die Bitte ein, ihn, Dannecker, allein jurückjufenden ; Scheffauer habe 
gar nicht den Gdunfcb, Jtalien wieder juf eben. Bei der 6rricbtung des Kata- 
falkes für den am 24. Oktober 1793 verfebiedenen I)erjog Karl wurde 
Scheffauer übergangen 3 ), was der freundfebaft den erften heftigen Stoß ver- 
fetjte. Da heb fpäter bei dem Katafalk für friedrieb 6ugen der fall in 
ähnlicher üdeife wiederholte, indem Dannecker felbft febreibt 4 ), daß er heb 
bemüht habe, an Stelle fifebers die ganje Hrbeit ju erbalten, fo wird die 
Darftellung Scbeffauers nicht ganj der 6rundlage entbehrt haben. Hnderer- 
feits war ja Dannecker an 6enie Scheffauer entfehieden überlegen ; bei allem 
fleiß erlangte der letztere keine eigentliche freiheit, lehnte heb vielmehr in 

») Qcber JJopi f. D. f. Straufe. Kl. Schriften. 
2 ) Hnbang Hr. 229 — 258. 
8 ) Hnbang Dr. 231. 
4 ) Hnbang Dr. 123. 



37 

der Kunftweife jiemlicb an den jüngeren Kollegen an. namentlich im Por- 
trät jeigt fieb die Schwäche feiner Begabung. 

So wurden denn die beiden Bildhauer meiftens gegeneinander aus- 
gefpielt; mit den Candesfürften wecbfelte auch die Bevorzugung. J)erjog 
friedrieb 6ugen und auch I)erjog friedrieb II (der fpätere Kurfürft und 
König) begünftigten Scbeffauer, indem fie von Kunft wenig verbanden und 
Scheffauer hier einflußreichere fürfpreeber haben mochte. Cdäbrend Schiller 
und 6oethe fieb über Danneckers Bedeutung vollftändig klar waren, fuebte 
der Ceutfcbe fflerkur Scbeffauer mehr in den Vordergrund ju febieben. 

Von 1795 an erwähnt Scheffauer Dannechers Damen nicht mehr, was 
darauf fcbließen läßt, daß er keinen 6rund jur Klage mehr hatte, daß aber 
auch das Verhältnis ein kühles geblieben fein mag. Scbeffauer befreundete 
lieb übrigens befonders mit Jfopi. 

Der Cod I)erjog Karls ging Dannecker, der feit der Rückkehr von 
Rom fein befonderer Ciebling war, febr nahe. Das Gefühl der Dankbarkeit 
gegen den f ürften , dem er doch eigentlich alles ju verdanken hatte , ver- 
einigte fieb mit dem Mißtrauen , welches er dem neuen I)erjog entgegen- 
brachte. Karls Dacbfolger war fein jüngerer, allerdings auch bereits 62 Jahre 
jäblender Bruder Cudwig Gugen, an und für fieb eine gutmütige Datur, 
aber febwaeb und ganj in den fänden der Pfaffen. Von jeher in bewußter 
Oppofition gegen feinen genialeren Bruder lebend, hatte er für deffen wiffen- 
fcbaftlicb-pädagogifcbe Deigung kein Verftändnis; alles Hufklärungswefen 
war ihm ein 6reuel. So gedachte er, an Karls £ieblingsfcböpfung ju 
fparen, wobei der Streich mehr den Gliffenfcbaften als den Künften galt, 
aber die letzteren natürlich kaum minder empfindlich traf. Cöas bereits von 
allen geahnt werden mochte, gefebah; Karls I)obe Schule führte noch eine 
kurje Zeit ein flackerndes Ceben , um darauf am 18. Hpril 1794 endgültig 
aufgehoben ju werden. Damit verlor Dannecker mit einer großen Hnjabl 
von Leidensgefährten feine profeffur. 

Daß £udwig den Künften jedoch wohlgeneigter war, als den Ö3iffen- 
fchaften, gebt aus den Husfübrungsbeftimmungen bei Hufbebung der Karls- 
fcbule hervor '). Dort beißt es: 

„Jm fache der Künfte wird noch weiter öffentlicher Unterricht erteilt 

') Bach, Stuttgarter Kunft, S. 1. 



38 

werden , indem Sereniffimus jur Grricbtung einer Academie des Arts auf 
den fuß, wie vordem ein folcbes Jnftitut befanden bat, Jbre gnädigfte 6in- 
willigung erteilt, und bieju denjenigen Ceil des Hkademiegebäudes, weiter 
bereits für Kunft-Qnterricbt eingerichtet ift, vorläufig gnädigft beftimmt 
haben, daher auch die Künftler ihre Hrbeiten unausgefetjt fortfetjen können." 

Die neue Hkademie war nach den Husfübrungen des ^ermöglichen 
Geh. Sekretärs Schwab *) für junge Künftler und Handwerker beftimmt. 6vn 
Gntwurf Rapps, wonach diefelbe nicht mehr als 3 — 400 fl. jährlich gekoftet 
hätte, wurde dem I)erjog von Schwab vorgelegt; die Pläne jogen fich ein 
Jahr lang hin, die Husführung jedoch wurde durch den rafchen Cod des 
I)erjogs (am 20. ffiai 1795) durchkreuzt. 

GQäbrend fo die äußeren Greigniffe den Künftler in forgenvoller Un- 
gewißheit ließen, trat ein anderer ümftand ein, welcher auf den fflenfcben 
und indirekt wieder auf den Künftler klärend und befeuernd wirken mußte: 
Schillers Befuch in der Fjeimat. Hm 8. Huguft 1793 kam Schiller nach 
Fieilbronn, am 8. September nach Cudwigsburg, wo das Qliederfebcn der 
beiden freunde ftattfand. ödie mochte der fchlichte Künftler an dem 
genialen, bereits berühmt gewordenen Schulkameraden hinauffeben ! 6eme 
verweilen wir bei dem Zufammentreffen der beiden nunmehr ausgereiften 
ffiänner. 

Die englifche Schriftftellerin Hnna jfamefon, welche fpäter Dannecker 
wiederholt befuchte, erzählt in anziehender Cdeife Danneckers Befuch und die 
Gntftehung der Büfte 2 ). 

„While I sat looking at the magnificent head of Schiller, the ori- 
ginal of the multifarious casts and copies which are dispersed trough all 
Germany, he [Dannecker] sat down beside me and taking my hands 
between his own, which trembled with age and nervous emotion, he 
began to speak of his friend. „„Nous etions amis des l'enfance; aussi 
j'y ai travaille avec amour, avec douleur — on ne peut pas plus faire."" 
He then went on: „,,When Schiller came to Louisberg, he sent to teil 
me that he was very ill — that he should not live very long, and that 
he wished me to execute his bust. It was the first wish of my own 



') Klürtt. Viertelj.-fyfte 1894. S. 159 ff- 

2 ) A. Jameson. Visits and scetches. I. (1835.) 




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39 

heart. I went immediately. When I entered the house, I found a lady 
sitting on the canape — it was Schillers wife, and I did not know her; 
but she know me. She said: ,Ah! you are Dannecker! — Schiller ex- 
pects you.' Then she ran into the next room, where Schiller was lying 
down on a couch, and in a moment after he came in, exclaiming as he 
entered „Where is he? Where is Danneker?" That was the moment 
— the expression I caught — you see it here — the head raised, the 
countenance füll of inspiration and affection and bright hope ! I told 
him that to keep up this expression he must have some of his best 
friends to converse with him while I look the model , for I could not 
talk and work too. O if I could remember what glorious things then 
feil from those lips ! Sometimes I stopped in my work — I could not 
go on — I could only listen." 

Schiller harn während des Güinters häufig nach Stuttgart und fiedelte 
Hnfang fflärj 1794 gan? dabin über. 6r wohnte hier in einem 6artenhaufe 
der jetzigen Huguftenftraße, vor dem damaligen Rotenbildtor. I)ier entftand, 
wohl auch in öfterem Beifein von Rapp, der bald ju Schillers nahem Ver- 
hehr gehörte , das erfte Modell der lebensgroßen Büfte *). Zur Kontrol- 
lierung der profilUme pflegte Dannecker gerne die Silhouette ju nehmen ; 
unter den r)andjeichnungen im Danneckerkabinett in Stuttgart befinden fleh 
auch noch die Silhouetten Schillers und Cavaters. 6ine Cradition, die auf 
Danneckers fpäteren Schüler Klagner jurüchgeht, erjäblt, wie der Künftler 
einmal an dem eingefcblummerten freunde mit dem 6reifjirhel fämtlicbe 
fflaße des Hntlitjes genommen und fieb durch diefe ßaebprüfung von der 
vollftändigen Richtigkeit feines Hugenmaßes überzeugt babe. 

Hm 17. ffiärj berichtete Schiller an Körner über die Hrbeit, worauf 
diefer fofort um einen Hbguß bat. Schiller verließ die f)eimat am 6. flßai 
des Jahres, um nach Jena jurüchjukehren. Sein Befucb hinterließ, wie heb 
denken läßt, bei Dannecker einen tiefen, außerordentlichen 6indruch. Der 
begeifterungsfäbige Künftler fühlte heb mit allen fibern ju dem Dichter hin- 
gezogen; rührend find feine unbehilflichen Briefe, voll von Befcheidenheit und 
bewundernder Ciebe. „Komme doch ju uns, laße Jena Jena feyn, komm 



') einen jutammenfaltenden Hufjat? über lämtlicbe Scbillerbü(ten Dannechers gibt 
Rudolf Kraufj. COettermanns fiQonatsb. 1002. P). 550. 



4 o 

nach Schwäbin, in Schwäbin feyn brave £eute und viele feyn deine 
freunde das ift ja auch etwaß wertb." 

6r und Rapp betrieben eifrig die Berufung Schillers nach Tübingen. 
Schillers Schwägerin Karoline, welche feit ihrer Scheidung von ihrem erften 
Gatten (1793) in 6aisburg bei Stuttgart lebte und fich am 27. September 
1794 mit Güilbelm von GCloljogen verheiratete, fchrieb am 18. Hpril 1795 an 
Schillers f rau J ) : 

. . . „fflan hat noch einen Ruf an Seh. im Gderke. Der I)r. Ruf [Ruoff], 
der Kirchenratbsdirehtor ift, und alfo großen Ginfluß auf Cübingen hat, 
und die ganje Kunftgefellfchaft, die fich immer bei ihm verfammelt, portiert 
fich fehr dafür, Seh. in Cübingen ju haben. Dannecker und Rapp vorzüg- 
lich ftören immer an Ruf, und er muß thun, was fie wollen. Dach deinem 
letzten Brief habe ich aber Dannecker gefagt, fie follten es für jetjt ruhen 
laffen. . . " 

Schiller kam bekanntlich nicht wieder in die Heimat und die beiden 
freunde haben einander nie wieder gefehen. Der Briefwechfel war, obwohl 
nicht fehr lebhaft, fo doch ein überaus herzlicher 2 ). Schiller ließ in der 
folge gewöhnlich durch Cotta ein Gxemplar der I)oren an Dannecker ab- 
gehen, der fämtliche Schöpfungen des freundes mit dem größten Gntbufias- 
mus begrüßte. 

Unterdeffen vollendete der Künftler das fflodell der Büfte im £aufe 
des Sommers 1794, und ffiitte September fchickte Rapp durch Cramer 3 ) den 
erften Hbguß, der infolge der tingefebickliebkeit des formers fchlecht aus- 
gefallen war und dem Künftler bei der Zifelierung viel fflühe verurfacht 
hatte. Der Verbleib diefes Gxemplares aus Schillers eigenem Befit? konnte 
leider bis jetjt nicht mit Sicherheit nachgewiefen werden. Krauß gibt irr- 
tümlich an, es habe fich durch Schillers Sohn Karl an frau Hnna £anj in 
Mannheim vererbt, welche jedoch im Befitj einer Koloffalbüfte ift 4 ). Dach- 
forfchungen bei Schillers nachkommen blieben ohne 6rfolg, fo daß man 
wohl der Hnficht Pfeiffers beitreten kann, welcher juerft in dem Gxemplar 



') Charlotte von Sdnller und ihre freunde. II. S. 62. 
s ) S. Hnbang Dr. 108-114. 

3 ) S. Hnbang Dr. 107. 

4 ) Vgl. S. 74. Hrnn. 4. 



4i 

des Großberjoglicben fflufeums ju ödeimar das gefucbte aus Schillers Bellt? 
vermutet bat '). Diefes Gxemplar (Hbb. 66) unterfebetdet [ich von allen 
übrigen durch die antike 6ewandung und die flechige Oberfläche. Die hohe 
GQertfcbätjung , welche Pfeiffer diefer Büfte angedeihen läßt, hann ich nicht 
teilen ; mir fcheint viel eher der etwas flaue Hbguß ju Danneckers Brief $u 
ftimmen, in welchem ja ausdrücklich erwähnt wird, daß der erfte Hbguß 
fchlecht ausgefallen fei. Die Gewandung entfpricftt Danneckers Selbftporträt 
und der Bronjebüfte des I)erpgs friedrieb. Hls weiteres Moment ju der 
Hnnabme, daß dies Gxemplar für den freund gearbeitet war, läßt fieb viel- 
leicht die naebläffige Bezeichnung anführen ; an der Rückfeite des Sockels ift 
nur DANNEKER eingezeichnet. 

Von dem Conmodell trennte heb der Künftlers nicht 2 ). 6r hatte fieb 
juerft, wie man ju fagen pflegt, daran „totgearbeitet", war aber nachher 
„wie ein Darr verliebt darein". 6r beftellte bereits im Huguft auf eigene 
f auft Marmor aus Carrara, und bat Schiller in dem Begleitbrief 3 ) ju dem 
Hbguß, einen Käufer dafür ausfindig ?u machen; der Preis follte looCouisd'or 
betragen. Schiller fchrieb entzückt: „6anje Stunden könnte ich davor fteben," 
redete (ehr jur QQarmorausfübrung ju, und erbot fieb felbft jum Kauf. Zu- 
gleich beftellte er den Hbguß für Körner, welchen Dannecker aber erft 6nde 
fflär? 1795 abgeben laffen konnte, da der Guß juerft mißlungen war. Der 
begleitende Brief an Körner ift im Hnhang mitgeteilt 4 ). 

Körner hätte gerne Dannecker nach Dresden gebogen, und korrefpon- 
dierte darüber mit Schiller, der aber bereits vorausfab, daß der Künftler 
aus Dankbarkeit gegen fein fürftenbaus und wegen des großen familien- 
und freundeskreifes fich nicht entfchließen werde, Stuttgart ?u verlaffen. 
die es denn in der folge auch gefchab. 

Huch Schillers Vater erhielt 1795 einen Hbguß 5 ). 6in anderes 



1 ) Bildende Kuntte unter I)erjog Karl 6ugcn. S. 736. 

2 ) Dasfelbe ift leider verfcbollen, vielleicht auch längft jerltört. 
s ) Hnbang Dr. 108. 

4 ) Hnbang Dr. 111. 

5 ) Hm 20. februar 1795 lebrieb (Holjogen an Schillers Vater (Cbarl. v. Schiller und 
ihre freunde, II, 121): 

ßrofefTor Dannecker vermutbet, dafe ich mehr Gelegenheit habe als er, Jbnen ju willen 



42 

Gxemplar fcbenkte der Künftler fpäter dem mit ihm befreundeten Stabs- 
arzt Jacobi 1 ). 

Die geplante flßarmorausfübrung konnte wegen Husbleiben des Mar- 
mors erft im Juni 1796 begonnen werden ; fie jog ficb durch lange Jahre 
bin, fo daß die Büfte er[t nacb Schillers Code am 8. flQärj 1806 an CKol- 
jogen abgefcbickt wurde. Sie ftand bis jum Code Cotte's (1826) im Scbiller- 
baufe, worauf Karl Huguft [ie von den 6rben für 200 Dukaten erwarb. 
Jn dem Reifewerke des englifcben Hrjtes Granvillc 2 ) ,,St. Petersburgh. 
A Journal of travels to and from that capital" findet ficb folgende Be- 
itreibung der mit der Hufftellung verknüpften feierlicbkeit. (6ranville 
verwecbfelt die Büfte mit dem Hbguß der Koloffalbüfte.) 

,,It is in the latter building that Schillers colossal bust, a master- 
piece of Danneker, was placed with great solemnity in September 1826. 
The son of the immortal poet assisted at the fete given on the occasion, 
and, during the ceremony of inauguration, presented, in the name of the 
united families of Schiller and Willzogen [sie!], the skull of the poet. 
This was placed in the interior of the pedestal, on which Stands the 
marble bust in question, said to be very striking likeness by all those 
who were his contemporains. On the conclusion of the ceremony, the 
Chanceliier Müller pronounced an eloquent discourse, suitable to the 
occasion 3 )." 

Hn diefem nunmehr traditionellen platje ift die Büfte trotj der fcblecbten 
Beleuchtung verblieben. 

Soviel von der 6ntftebungsgefcbicbte und den Schickfalen diefes Cderkes. 
(Hbb. 62/63.) 

ju tbun, daf? die Büfte Jbres I)errn Sohnes, fo er Jbnen verfproeben, jetjt fertig ilt und er 
Sie bittet, einen flßann mit einem 6räben herunter ju febiefcen, um fie abjubolen. 

6w. Kloblgoboren 

geborfamer Diener 
Kt. von Kloljogen 
Cegationsratb. 
*) Jctjt durch 6rbgang im Bcfit? von frau Bauinfpebtor Klemm, Stuttgart. Das 
Gxemplar i[t leider durch einen Hnftricb verunjiert. 

z ) II. S. 672. Vgl. 6oetbe-Jabrb. 1908. S. 36 ff. Die Stelle nach freundl. ffiit- 
teilung von Prof. 6. Grünwald-Berlin. 

3 ) 6in ausführlicher Bericht ebenfalls in den „Berlinifcben Daduicbten von Staats- 
und 6elebrten Sachen." 1826. Dr. 223. (Vgl. 6oetbe-3abrb. 1904. S. 46 ff.) 




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43 

6s ift der Grftling des porträtbildbauers Dannecker — er bat fich 
nicht wieder überboten. Gine Reibe glücklicher ümftände reichten einander 
hier die Fjand, um die Gntftebung diefes Gdunderwerkes ju ermöglichen : 
Die berrlicbfte Vorlage für einen Bildhauer, die vollfte Reife des Künftlers, 
die nahe und lange freundfebaft, welche den Dargeftellten gan? fich felbft 
geben läßt und die formvorftellung des Bildners unterftütjt .... 

Die Grbabenbeit des Stoffes hat den 6eftalter, wie fo oft, hier beinahe 
aus feiner Sphäre gehoben ; wie Crippel bei feiner viel unterfchätjten Goetbe- 
büfte, fo hat, dem höheren Künftlergenie entfprechend, fich Dannecher gleicb- 
fam felbft übertroffen, unter der liebenswürdigen Deigung des Ropfes ahnen 
wir den fcblanken Rörper. Das ganje 6eficht, die Behandlung des f leifches und 
des Knochenbaues find von einer unerhörten ßaturwahrbeit; beinahe fchmerj- 
licb krankhaft muten uns die fchmale Hafe und die eingebogenen (Hangen 
an. Die Partien um die Mundwinkel, die wunderbare Stirn, hinter der 
man die Gedanken ringen ju fehen meint — es ift alles von einer flßeifter- 
febaft und Vollendung, fo daß man nicht weiß, wo man mit dem Blick ver- 
weilen foll. Die Hugen — nach Danneckers Hrt ohne Sterne — fcheinen ins 
üngewiffe ju fchauen; wie ein £öwe, der trotj des engenden Käfigs mit 
den Hugen in die Unendlichkeit blickt, wodurch feine Grfcbeinung fo etwas 
feltfam Großartiges erhält; wir können es verfuchen, wie wir wollen, es 
gelingt uns nicht, feines Blicks habhaft $u werden. — Die Cocken find in 
ihrem apollinifchen Cdurf freie pbantafiefcböpfung im Sinne der Hntike, 
und fteben demnach ?u der Behandlung des Hntlitjes in gewiffem Gegen- 
fat?. Das bufchige malerifche I)aar Schillers war für die plaftik nicht ju 
brauchen, und es ift bewundernswert, wie der Künftler hier den fpröden 
Stoff gemeiftert hat; die beiderfeitig auf die Schultern herabfallenden Cocken 
find aus demfelben Bedürfnis nach grandiofer ödirkung entfprungen, wie 
bei Dürer auf dem großen Selbftporträt. 

Bei aller formalen Subtilität fpriebt das Geiftige unerhört ftark aus 
dem Kopfe. Das ift eine andere Hrt wie I)oudon'fcbe Porträtkunft. Die 
Cderke des genialen franjofen haben unfere Bewunderung vom erften Hugen- 
blick an ; ein rafch vorübergehender Hugenblick ift mit überlegener Kunft 
feftgehalten , diefe Köpfe voll fprübenden £ebens wirken verblüffend. Die 
Danneckerfche Kunft ift mehr zurückhaltender Hrt; langfam fchließt fie fich 



44 

uns auf; find wir ihr aber erft einmal näher getreten, fo gewinnen wir fie immer 
lieber, und fie gibt uns auf die Dauer mehr als jene Kunft „des Hugenblicks". 
Vielleicht liegen hier auch unüberbrückbare Gegenfätje jwifeben den Rationen. 

Schillers 6eift fcheint ju fchweben über der wundervollen Gruppe der 
Grajien mit Hmor 1 ), einer Hrt Cifcbleucbter, alfo wieder einer Hrbeit, welche 
in das Kunftgewerbliche hinüberfpielt. (Hbb. 33/34.) Karoline von öüoljogen 
fchreibt darüber an ihre Scbwefter 2 ): 

„ . . . Das Deffert, von welchem Seh. mit D. oft gefprochen, wird 
jet?t angefangen und D. nimmt Subfcriptionen daju an. 6s wird allerliebft 
en biseuit gemacht, der hier wunderfchön ift. Die Grajien in fehr fchöner 
Gruppierung halten fpielend den Hmor in die I)öbe, welcher fich auf einen 
Candelaber beugt, an welchem eine £ampe angebracht ift, als göffe er Oel 
hinein, als die allbelebende und erbellende Ciebe. ffian kann die Campe 
mit einem feuer von Spiritus füllen und die figuren am febönften be- 
leuchten. Vielleicht kannft du in CCIeimar einige anbringen, Der Preis ift 
noch nicht genau beftimmt, höchftens 10 bis 20 Karolin. Gib dir doch 
fflübe darum; vielleicht nimmt die alte Fjerjogin eines. Die figuren find 
in der Größe wie die parjen am übrgehäufe 3 )." 

6s fcheint aber nur ein Gxemplar nach Cdeimar verkauft worden ju 
fein; es befindet fich im Ciefurter Schlößchen. Diefes ttlerk gehört mit 
feiner anmutigen , melodiöfen Kompofition ju den beften Hrbeiten des 
ffieifters, und es ift ju bedauern, daß es nicht in einem edleren Material 
angefertigt wurde, fflan mag es als einen fflangel bezeichnen, daß die 
Gruppe fich für das Huge von keiner Seite vollftändig einigt; davon ab- 
gefehen berrfebt im einzelnen das geläutertfte Schönheitsgefühl und ein CClobl- 
klang der Cinien, der ftets von neuem entzückt. 

Dannecker ließ diefe kleineren Hrbeiten, wie die Qbrengeftelle, in der 
Porjellanfabrik ju Cudwigsburg herftellen, für welche er überhaupt, wie auch 
Scheffauer, eine Hnjahl kleiner figürchen, namentlich Kinder, modellierte 4 ). 
(Hbb. 15, 16, 19, 20.) 

') ffieufels Ceutlcbes Künttkrlexihon 1808. 

2 ) Hm 18. Hpril 1795- 

3 ) $. auch Hnbang Dr. 226, 227. 

4 ) Z. C. noch im ffiujcum d. B. K. der Hltertümerfammtung und in Privatbefitj in 
Stuttgart. 



45 

Dagler erwähnt eine „Pfyche, vom flußgott halbtot aus dem Cöaffer 
getragen", aus dem Jahr 1795. Von dieler 6ruppe fehlt jegliche andere 
ßachricht, dagegen ift uns die Kompolition wenigftens durch eine Kupfer- 
ftecherjeichnung im Dannecherhabinett in Stuttgart erhalten (Hbb. 42). 
eine andere pfyche mit der Buchte der Schönheitsfalbe ift auch nur durch 
eine Zeichnung und eine ganj flüchtige Confkijje überliefert (Hbb. 44). 
Die beiden Hrbeiten waren vielleicht auch für die Porjellanfabrik in £ud- 
wigsburg beftimmt. 

Jn dem fogenannten „Rofenfteinmagajin" des Hlten Schloffes in Stutt- 
gart fand ich den 6ipsabguß einer männlichen Büfte; der Kopf fitjt ohne 
I)als direkt auf dem poftament auf, die nähte find ftehen gelaffen (Hbb. 31). 
Crotj des fchlechten Zuftandes ift diefe Büfte eine fehr gute, frifche Hrbeit, 
welche eine ffleifterhand verrät, und jwar ftammt fie unzweifelhaft von 
Dannecker. Die Hrt, wie das ünwefentliche den großen formen unter- 
geordnet ift, die Behandlung der I)aare befonders über den Ohren, die 
fternlofen, etwas quellenden Hugen, namentlich aber der ftarke geiftige Hus- 
druck, das find lauter Merkmale, welche wir bei fpäteren Bildniffen Danneckers, 
3. B. feinem Selbftporträt, wiederfinden. Der Hbftand gegen die geiftlofen 
Scheffauerfchen Porträts ift bedeutend. 

Gtlas die perfönlichkeit des Dargeftellten betrifft, fo ?eigt der Kopf, 
namentlich im Profil, den charakteriftifchen Cypus der württembergifcben 
I)erjoge. Jn Betracht kommen hier I)erjog Karl 6ugen, I)erjog Cudwig 
6ugen und I)er?og friedrich 6ugen. öeber den erften und den letzten 
geben uns jwei CQarmorbüften Scheffauers im Refidenjfchloß in Stuttgart 
genaue Huskunft, fo daß nur der I)erjog Cudwig 6ugen übrig bleibt. Jn 
der Cat läßt fleh der Kopf nach einem mäßigen Bruftbild en face (im 
Zimmer 217 des Refidenjfchloffes) mit ziemlicher Sicherheit identifizieren. 

Das dem Hbguß jugrunde liegende Original (das literarifch nirgends 
erwähnt ift) ift verfchollen, vielleicht auch nicht erhalten; eine fflarmoraus- 
führung ift jedenfalls nie gemacht worden. Die Gntftehung der Büfte wird 
man wohl in den Slinter 1794/95 fetjen dürfen. 



4 6 



4» J^atur und Stil. 

Schiller hatte Dannecker während feines Stuttgarter Befucbs mit I)omer 
bekannt gemacht und damit die Stoffwelt des Künftlers großartig bereichert. 
Hm 3. Dejember 1794 fchreibt Dannecker: 

„Cieber Schiller, ich bin fo glücklich, daß ich den I)omer befitje! ich 
habe ein Sujet daraus genommen, es ift wie I)ector feinem Bruder Vorwürfe 
macht, ich [teile ihn cinjcl vor und mache jum Pentent Paris wie er feine 
Gdaffen klärtet und befchämt auf feinen Bruder horcht." 

fflit der Konzeption diefer Jdee fehen wir den ffleifter auf einem be- 
denklichen Hbwege. 6in Vorgang, der zwei Perfonen durch eine Handlung 
zueinander in Beziehung fetzt, wird in zwei Ginzelbeftandteile zerlegt. Hnftatt 
als Relief auf einer einheitlichen 6rundfläche aufgebaut ju fein, ftellen fich 
uns die handelnden 6eftalten als ifolierte figuren im runden Räume dar, 
jufammengebalten nur durch die Handlung, nicht durch die künftlerifcbe 
6eftaltung. 6s wird uns eine Szene aufgeführt, in der jwei Darfteller 
auftreten; „der reale Vorgang ift nicht als ein 6efehenes geftaltet, fondern 
er wird direkt vorgeführt, — die figuren find verfteinerte flßenfcben 1 )." 

Die gleiche Grfcheinung beobachten wir bei Canovas fauftkämpfern 
im Vatikan, welche etwa jur felben Zeit entftanden. Derartige ftiliftifche 
Verirrungen finden fich bei Dannecker mehrere flQale; fie liegen in der Zeit, 
welcher es nicht gelang, fich mit einem ffiale ganz von den Sünden des 
Barocks und des Zopfes ju befreien. 

Dannecker führte übrigens den Paris nicht aus, fondern modellierte 
nur eine kleine Skizze (Hbb. 30). 

Die Koloffalftatue des Rektor 2 ) (Hbb. 29) wurde in den Jahren 1795 — 97 
in 6ips ausgeführt und dann im Zeughaus ju Cudwigsburg aufgeteilt 3 ). 
Sie ift die männlichfte figur, die Dannecker gefchaffen hat; man hat in ihr 
eine Hnfpielung auf die drohende franjofengefabr fehen wollen, was in Hn- 
betracht der revolutionären Demonftration von 1790 nicht ganz unbegründet ift. 



5 ) Rildcbrand, Problem der form. S. 88 f. 

2 ) Ceutfcber fJQerkur 1803, III, 235. füfeli, Künftlerlexihon 1806. 

3 ) Jm Jabre 1843 auf Betreiben Cb. Klagners gegen einen Hbgufe an das fflujeum der 
B. K. in Stuttgart abgegeben. 




Die 6rajicn mit Hmor 

(Ci(dileuchter) 



1795 




34 



Die Grajien mit Hmor 

(Ci(cbleu<Wer) 



'795 



47 

Jn formaler J)inUcbt tritt Dannecker mit dieler Statue in eine neue 
Dbafe, infofern jetjt die jwei Seiten feiner Künftlerfcbaft, Daturalismus und 
Stil, in ernftlicben Konflikt geraten. Die frucbt der römifcben Jahre war 
Rhythmus und Harmonie; daher jene Schöpfungen gefättigt von Oloblklang, 
jene ätbcrifcben fflädcbengeftalten, bei welchen dem Scbmelj der £inien lieber 
ein Körnchen der GCTabrbeit aufgeopfert wird, unter dem „grauen I)immel 
des ßordens" fcbeinen jene lieblichen Kinder der ffiufe langfam wieder ju 
entfchweben ; der Realismus verlangt feine Rechte. Diefes erneute Datur- 
ftudium, das Bedürfnis, wieder an der Quelle ju fchöpfen, mag durch die 
Hrbeit an Schillers Büfte angeregt worden fein. So fehen wir fernerbin 
die beiden Glemente in ftetem Ringen begriffen, bis fie auf dem Höhepunkt 
der Gntwicklung in einigen wenigen ffleifterwerken ihre unübertroffene 
Ginigung erfahren. 

Jm Rektor ift die Ginbeit noch nicht gefunden. Der an fich fehr 
lebensvolle Hkt wird durch die 6ewandfalten in ungünftiger ödeife durch- 
fchnitten; die Draperie hat etwas Kleinliches an fich, das forgfältige ffiodell- 
ftudium ift noch nicht überwunden. Huch ift die Modellierung des Körpers 
unter dem 6ewande teilweife mißlungen ; j. B. fitjt der Dabei viel ?u hoch. 
Der Charakter der ganjen figur aber ift ein fehr großartiger; das geiftige 
Ceben und die Befeelung von großer Jnnerlichkeit und Kraft. 

Dach Schillers Hbreife begann eine unrubvolle Zeit für den Künftler. 
Cudwig Gugen erlag am 20. ffiai 1795 auf einem Ritt nach Cudwigsburg 
einem Schlaganfall, und friedrieb 6ugen, der jüngfte Bruder Carls, beftieg 
den Chron. Da er beim Code feines Bruders gerade in Baireuth weilte, 
übernahm der Grbprinj friedrich die Regierung, die er eigentlich gleich in 
den fänden behielt, da fein Vater ebenfalls bald einen Schlaganfall erlitt, von 
dem er fich nur halb wieder erholte, friedrich Gugen jog fich während der 
Kriegsunruhen nach Hnsbach jurück und lebte fpäter in I^obenbeim. 

Von der Kunft verftand der I)er?og „weniger wie nichts 1 )", und feine 
Regierung war wohl die böfefte Zeit für alle Stuttgarter Künftler. 6ott- 
hard ffiüller führte mit feinen Schülern gegen I)erpg und Rentkammer einen 
verzweifelten Kampf für die Kupferftecherfchule. Dach einigen Präliminarien 



') Dannecker an 6octbe. 5. 1. 1798. S. Hnbang Dr. 116. 



48 

wurde diefelbe aufgehoben und fflüllern am 15. Juni 1797 der 6ebalt 
definitiv gekündigt. 6anj außer fich febreibt Dannecker am 6. Hpril 1796 
an Schüler : 

„Du warmer fflann würdeft mich gewiß wieder aufgefrübren, gebt es bey 
uns fo fort wo Girlanden und Cbatralifcber Schmuck die rjaupt Rollen fpielten 
fo braucht die Kunft Kruken, fleißig bin ich das ift wahr, aber an Schwung 
und an Gifer fehlts ich mang machen was ich will, fo verftebts feiten 
jemand, gefährlicher aber ifts, wann die 6rofen glauben, da fie in ihrer 
Jugend Zeichnen gelernt haben, fie verfteben die Kunft, und weil fie grofe 
feyn, dann auch beftimmen diefes ift Schön." 

6s follte bald fcblimmer kommen. Hm 25. Juni febreibt Dannecker 
wieder an Schiller : 

„6s fürchtet fich hier jedermann vor den franjofen, vor 3 Cagen feyn 
fie bei Kehl über den Rhein, haben die Brüke hergeftellt und die Scbwaibifcbe 
Krays Cruppen nach grofem ödiederftand 2 Stundin weit jurük gedrängt. 
Die Cinien bei Kebl haben unfere Soldaten 3 mal verlobren und viele feyn 
jufamen gehauen, rjauptm. feivolin ift gefangen faft alle Stabs officir feyn 
bleffirt, und nun erwarten fie I)ilfe von den Kayferlicben." 

Dann kamen die Durcbmärfcbe von franjofen und Oefterreicbern ; beide 
plünderten das webrlofe £and; der Schaden belief fich auf 6*/ a Millionen 
6ulden. 

unter diefen Qmftänden ift es erftaunlicb, daß Dannecker jwei fo intenfive 
Kunftwerke hervorbrachte, wie die Sappho und das Selbftporträt. Die 
Stürme des Kriegs taten feiner künftlerifcben Konzentration keinen Hbbruch. 

Die liegende Statuette der Sappho (Hbb. 35/36) war im frübling 1797 
in Gips fertig und wurde dann in fflarmor begonnen; die Vollendung ?og 
fich bis 1802 bin. Das ohne Beftellung begonnene Gderk wurde fpäter vom 
I)er$og friedrieb erworben und ftand lange Zeit im fflabagonijimmer in 
ffionrepos. 6s kam dann durch Danneckers Klitwe an Klagner, der es 
aus furcht vor den Preußen an den Bankier Scbulj in Stuttgart verkaufte ; 
aus deffen ßacblaß wurde es 1908 von dem fflufeum der Bildenden Künfte 
für 8000 ffiark erworben. 

Das kleine (Clerk ift für einen intimen Raum berechnet, wo es von 
allen Seiten betrachtet werden kann; in dem Saale, wo es jetjt aufgeteilt 




o 

Ol 



49 

ift, wird es durch die anderen großen Skulpturen erdrückt und kann feine 
Reinheiten nicht jur Geltung bringen. 

Die füßliche Stimmung des 6anjen deutet fehr auf Canova hin; der 
Haturalismus jedoch und gewiffe Derbheiten, wie das ftark aufgedrehte 
Hüftgelenk und die parallel liegenden Beine, jeigen den Hbftand von den 
Gderken des glatten Jtaliencrs. 6s ift fchon von einer Hehnlichkeit mit 
der berühmten „paolina Borghefe" gefprochen worden; worin diefelbe liegen 
foll, ift nicht einjufeben; eine Beeinfluffung ift ausgefchloffen , da Canovas 
Statue fpäter entftand. Huf italienifche Vorbilder mag nur die Hrt jurück- 
gehen, wie die fflatratje mit den jufammenfaffenden Stichen forgfältig wieder- 
gegeben ift 1 ). Der Hkt ift von größter Reinheit der Modellierung und die 
ffiarmortechnik für den kleinen fflaßftab bewunderungswürdig. 

Hn die Sappho fcbließen fich jwei Hrbeiten mehr dekorativen Charakters 
an, jwei fackeln tragende Opferdienerinnen im Schloß favorite (Hbb. 37/38) 
bei Cudwigsburg, ju denen Scheffauer jwei 6egenftücke für das Seefchloß 
fflonrepos ju arbeiten hatte. Bei diefen fackelträgerinnen jeigt fich das über- 
legene6enieDanneckers deutlich. Heben einer fehr mangelhaften formbeherrfchung 
zeichnen fich die Scbeffauerfcben f iguren 2 ) durch ihre konventionelle trockene 
Huffaffung aus, während Dannecker jwei glücklich kontraftierende fflotive 
voll 6mpfindungsgebalt gibt. Den Skijjen dürfte der Vorzug vor der Hus- 
führung ju geben fein; bei der letzteren fcheint die 6ewandung den Körper 
ju überwuchern, und die feine Bewegung und Klarheit, welche den Reij der 
Skijje ausmacht, hat bei der Husfübrung fehr verloren. Jm einzelnen finden 
fich namentlich bei der aufblickenden figur, was Durchmodellierung des 
Körpers unter der Gewandung betrifft, wundervolle Partien. 6ine gewiffe 
Süßlichkeit ift bei diefer letzteren figur nicht abzuleugnen; die zeitliche Dach- 
barfchaft der Sappho jeigt fich hierin deutlich 3 ). 

Jn die Zeit der beiden fackelträgerinnen gehört noch die Statue einer 
ftehenden Sappho im Seefchloß OQonrepos ') (Hbb. 39 — 41). Diefe figur jeigt 



') Hn dem fogenannten Hermaphroditen Borgbefe im Couvre jeigt die von Bernini 
ergänzte Unterlage genau diefelbe Behandlung. 

*) Jm Veftibül des Seefcbloffes fflonrepos. Durch einen braunen Hn(trich verunftaltet. 

3 ) Huf die Drehung des Kopfes nach oben und ?ur Seite als ein Dannecher'fcbes 
Cieblingsmotiv fei aufmerkfam gemacht. 

4 ) Chriftmann im CHürtt. Cafchenbuch 1806 und im (Qürtt. Fjof- und Staatskai. 1811. 

4 



50 

im Bewegungsmotiv, der Draperie und der ganjen Stimmung einen ähn- 
lichen Charakter. 6ro|5e Schönheiten im einzelnen vermögen nicht, die un- 
glückliche Kompofition des 6anjen vergelten ju machen ; der linke Hrm fällt 
aus dem Bildganjen heraus. Der über den linken ünterfcbenkel herüber- 
Ipielende 6ewandjipfel fei als Beifpiel von Danneckers Daturalismen her- 
vorgehoben. Jn der Husführung jeigen diefe drei dekorativen figuren eine 
entfchiedene frifche. 

Das fchon genannte Selbftporträt entftand ebenfalls im Jahre 1797 
(Hbb. 49 und Citelbild). Dannecker hat (ich im antiken 6ewande dargeftellt; 
die I)aare fallen in aufgelöften Cocken über die Schultern. 

Die Büfte hat etwas außerordentlich 6eiftreich-Geberlegenes; mit der 
fmerung eines vorübergehenden Hugenblicks mutet fie beinahe franjöfifch 
an. Der Künftler wirkt hier wefentlich älter als auf dem Oelbild von 
Schick, welches ein Jahr fpäter unter dem 6influ& des älteren ffleifters ent- 
ftand (Hbb. 70). Der erfte Gindruck , den wir bei beiden Bildniffen von 
Danneckers Perfön lichkeit gewinnen, ift der des Cemperaments und aggreffiver 
£ebbaftigkeit. Der fflund fcheint fich eben jum Sprechen, ju einem GCtttjwort 
öffnen ju wollen; in den ffiundwinkeln juckt der I)umor, welcher dem 
ffleifter die I)erjen aller ju gewinnen pflegte. Die ganje Haltung ift die 
freie, königliche des Genies, das niemand Rechenfchaft fchuldet 1 ). 

Der hochbegabte junge Schick (geb. 1776) war urfprünglich Schüler von 
I)etfch, ging aber 1797 in das Htelier Danneckers über, der feit der Huf- 



') Die Scbillerbüfte und das Selbftporträt dienten als Vorlage ?u ?wei kleinen Rclief- 
medaillons, welche Johann Bernhard frank modellierte, frank war 1770 ju Gltingen (Ober- 
amt Ceonberg) geboren, wurde am 3. Juni 1784 aus dem ffiil.-Cöailenbaus ju Cudwigsburg 
in die Hkademie verfetjt, aus der er 1792 entladen wurde, (üdintterlin nennt ihn fälfcblicb 
als Mitbewerber 1777.) 1798 I)ofbildbauer, wurde er in der I)auptfacbe ju untergeordneten 
Hrbeiten, wie Reftaurationen , verwendet. 6r erblindete fpäter und verfebaffte fieb feinen 
Cebensunterbalt durch Handel mit Spiegeln (Göagner, Karlsfcb., I, S. 459). (f 1836.) Die 
beiden Medaillons aus gebr. Con find als Pendants und febr hoch gearbeitet, wodurch fie 
fich von Danneckers Reliefs, die faft ftets febr flach gebalten find, unterfebeiden ; in den formen 
jeigt lieh eine gewiffe ünfieberbeit. Das Schillermedaillon fand gröfjere Verbreitung; daf} 
dasfelbe nicht nach dem Ceben, fondern nach Danneckers Büfte modelliert worden üt, febeint 
mir bei der Jugend des Künftlcrs und nach Danneckers Brief an Schiller vom 6. 4. 1796 
(Hnb. Dr. 112) ganj unzweifelhaft. Jcb halte daher auch die aufgeklebte Bezeichnung „1793 
nach dem Ceben gejeiebnet und modelliert" für unwahr. (Beide Reliefs im Befitj von frau 
Kanjleirat Schmidt, Karlsruhe ; ein anderes Gxemplar des Dannecker-Reliefs befitjt perr Bild- 
hauer fremd in Stuttgart.) 





37 



fadtelträgerin 



1797 



fackelträgerin 



38 








V 


1 


%< 




1 • 





37a 



Skijjcn ju den fackclträgerinnen 



38 a 




39 



Sappbo 



um 1797 





40 



Bü|te der Sappbo 
um 1797 



41 



51 

bebung der Karlsfcbule junge Bildbauer und ffialer hoftenlos unterrichtete. 
Schick fcbloß [icb perfönlicb eng an den älteren ffieifter an, den er zeit- 
lebens über alles verehrte. 1798 ging er ju David nacb Paris und kehrte 1802 
?u hurjem Hufentbalt nach Stuttgart jurück. Jn diefem Jahre ift dann das 
frifcbe Borträt von Danneckers frau entltanden, welches uns eine lebhafte 
Vorltellung von dem „lieben C&eibcben" gibt (Hbb. 50) ! ). P)einrike fitjt in 
freier Candfcbaft — in der ferne grüßt der Heckar herüber — , parallel jum 
Befchauer; der linke Hrm ftütjt [ich leicht mit dem eilbogen auf das über- 
gefchlagene linke Bein, während der blonde Cockenkopf temperamentvoll 
und klug beobachtend aus dem Bild heraushebt. Die unter dem Unken 
Hrm jum Vorfchein kommende rechte I)and trägt einige Blumen. Zu der 
Stellung feines Modells bat heb Schick offenbar durch die Shijjc der fpäter 
ausgeführten klagenden Ceres von Dannecker anregen lallen (vgl. S. 132); 
auch in der Zeichnung des Kackten , der plaTtifchen Rundung und dem 
6ewandftil verrät heb die bildhauerifebe Grjiebung des ffialers. Die daju 
kommenden malerifchen fetnbeiten machen das Porträt ju einem der beften 
Cderke Schicks. — GJäbrend feines neunjährigen Hufentbalts in Rom ftand Schick 
in nicht febr regem, aber überaus bereichern Briefwechfel mit dem geliebten 
ffieifter 2 ). 

Jn den Sommer des Jahres 1797 fällt der bekannte Befuch Goethes in 
Stuttgart. Der Dichter befand heb auf der Reife in die Scbweij und war 
von Schiller an Rapp adreffiert worden. Jn der „Schweizer Reife" ift der 
ganje Stuttgarter Hufentbalt fo eingebend erjäblt, daß wir uns hier kurj 
faffen können. 

Hm Cag nach der Hnkunft, 30. Huguft, befuchte 6oetbe mit Rapp 
Dannecker in feinem Htelier im Schlöffe. Huper dem Fjehtor und der 
liegenden Sappbo erwähnt Goethe befonders noch die Büfte des I)erjogs 
friedrieb Gugen; diefelbe war kurj juvor im Huftrag der I)erjogin modelliert 



') 3cb konnte dies Bild, ?u dem das Stuttgarter fflufeum eine dntermalung (f. Hbb. 69) 
befitjt, ausfindig machen im Befitj von frau 6raubner, geb. Jäger, in frankfurt a. ffl. 6s 
befand lieb urfprünglicb im Befitj des Kupferftecbers friedrieb fflüller d. J., dem 6atten einer 
Dichte I)einrihes (f. S. 88), und kam dureb Grbfcbaft an feine jetjige Befitjerin, der icb für 
die Srlaubnis jur Qliedergabe febr verpflichtet bin. 

*) S. Hnbang Dr. 178—195. 



52 

worden. Die Cocbter des I)er$ogs, Kaiferin Maria feodorowna von 
Rußland, beftellte die fflarmorausfübrung, welche nacb Petersburg gefandt 
wurde *). 

Von Dannecker ging es in die Hteliers von Scbeffauer, FSetfcb und 
fflüller; abends wurde Konfiftorialrat Ruoff, der Befit^er des vortrefflichen 
Kupferfttcbkabinetts, befucht. 

Der Dichter fühlte fich durch den Umgang mit dem impulfiven Künftler 
und dem feinfühligen Rapp erfrifcht und geftand auch Schiller gegenüber 2 ), 
daß er hier durch Mitteilung [einer Jdeen weiter komme. „üeber einige 
I)auptpuncte habe ich mich mit Dannecker wirklich verftändigt." — Die 
Cage in dem fcbwäbifcben Kunftjentrum wurden von ihm fogar mit feinem 
römifchen Hufenthalt verglichen, für den befcbeidenen Dannecker aber war 
natürlich der Umgang mit diefem 6enius von unermeßlicher Bedeutung. 
Rührend ift der kindliche Stolj, mit dem er an Qloljogen über diefe Cage 
berichtet. „Qnfere gelehrten fflänner fpitjten ihre Hafen, da fie ihn nur mit 
einem Bildhauer oder Kaufmann gehen fahen und fie nicht einmal von ihm 
Befuche erhielten." Hls der Dichter des Verftändniffes ficher war, las er 
eines Hbends bei Rapp den ganzen „^errmann" vor. „Das heiß ich zeich- 
nen, mahlen, bilden, kurj ich war entzückt," fchreibt Dannecker; „es fati- 
guirte mich auch fo, daß ich den andern Cag ju nichts taugte." 

Hm 7. September fetjte Goethe feine Reife nach Cübingen fort, un- 
terem Dannecker war es nach dem Verfchwinden diefer glänzenden Grfcbci- 
nung wie einem ffienfchen, der in ein helles Cicht geblickt bat; er war ge- 
blendet, und alles erfchien ihm daneben fcbwarj und geftaltlos. 6r kam 
fich „wie verwaift" vor und mochte ein ähnliches Gefühl haben wie damals, 
als er den Boden Roms mit dem Stuttgarts vertaufchen mußte. Bald aber 
fchreibt er an ödoljogen: „Das ift gewiß, daß ich in meinem Ceben nichts 
mehr ausführen werde, das nicht fojufagcn in fich eine Gleit ausmacht." 

Jm Oktober wurde der Künftler nach Schwetzingen befohlen, um den 
erjherjog Karl von Oefterreich ?u modellieren. „6r hielt fo lang aus bis 
ich lagen mußte, jep weiß ich nicht weiter." 



') S. Hnbang Dr. 15. 
2 ) Brief vom 4. 9. 1797- 






■6 s; 



Gl 



H-3 





45 



Zeichnung ?ur Jlias um 1800 



Hcbilles 

unter den Cöditcrn 
des Eyhomedes 



1803 





47 



H. f. F)arper 



Porträt eines Unbekannten 48 



53 

Die Cottaifcbe Buchhandlung erwarb die Büfte und bot darauf Hb- 
güfle jum Verkauf an J ). 

Der Prinj ift als römifeber feldberr dargeftellt; die Hrbeit gehört ent- 
fchieden ju den febwäcberen öderken Danncckers (Hbb. 99). Dem Künftler 
fehlte trotj des anregenden Befuches von 6oethe der Huffcbwung, da das 
ganje Kunftleben wieder einmal vollftändig ftagnierte. „Die Kunft geht 
hier trocken, denn es fchläft alles, und fo bin ich gezwungen, mir felbft die 
Sporen $u geben 2 )." 

Der Cod des f)er?ogs friedrieb 6ugen, welcher am 23. Dezember 1797 
einem jweiten Schlaganfall erlag, änderte an diefen Zuftänden wenig. Dan- 
necker fah feiner Zukunft unter dem neuen fürften, I)erjog friedrieb II, mit 
Ungewißheit entgegen ; jwar waren die Hufträge von I)ofe fchon feit Jahren 
meiftens von friedrieb ausgegangen, indes war mit Recht ju befürchten, 
daß „die liebe Kunft bloß als Dekoration betrachtet und gebalten" werde 3 ). 

Jn den erften Monaten gab es Hrbeit genug, fo daß der Künftler 
Cag und Dacht ?u tun hatte, allerdings wieder nur in vergänglichem Ma- 
terial, fo daß uns nichts davon erhalten ift. Zuerft wurde ihm die I)er- 
ftellung des Katafalkes für den verftorbenen J)erjog übertragen, „gan$ nach 
meinen Jdeen ju machen, wobei ich für Decoration und Beleuchtung ju 
Jörgen hatte 4 )". 6s ift unerquicklich ?u lefen, wie der vierzigjährige Künftler 
Hnftrengungen machte, um fo undankbare dekorative Hufträge dem Hrcbi- 
tekten fifeber ju entreißen. „Der I)erjog und das publicum waren äußerft 
jufrieden und diefes war meine einzige Belohnung." 

Bald darauf war der Katafalk für die I)erjogin 5 ) ju machen, wobei 
Dannecker aber nur die „Bildhauerey" jufiel. Hufträge, bei denen es dem 
Künftler weit ums I)erj geworden wäre, gab es auch jetjt nicht. 

6oethe hatte einen Hbguß der Büfte des 6rjberjogs Karl beftellt 6 ), 
von deren 6ntfteben er wohl durch ödol^ogen gehört hatte. 6r beabfichtigte, 
denfelben dem 6roßberjog Carl Huguft ju jeigen, um auf diefe CQcife dem 

') Propyläen, III, 2, S. 172. 
s ) S. Hnbang Ur. 122. 

3 ) S. Hnbang Ylr. üb. 

4 ) S. Hnbang Dr. 123 und 125. 

5 ) ßerjogin Sopbic Dorothea war am 0. flßärj 1708 dem 6atten nachgefolgt. 
a ) S. Hnbang Dr. 117. 



54 

Künftler Hufträge in der herzoglichen f amilie $u verfebaffen. Die Bütte ging 
im Sommer nach Qleimar ab ; Goethes febr kurj gehaltener Dank läßt viel- 
leicht darauf fcbließen, daß die Hrbeit nicht befonders gefiel; der plan einer 
Gdeimaraner Reife wurde jwar im Jahre 1801 ') wieder aufgenommen, jedoch 
harnen andere Hufträge feitens des £andesherrn dajwifcben, und der Ge- 
danke blieb unausgeführt. 

für die nach Petersburg gefandte Büfte des F)erjogs friedrieb Gugen 
erhielt Dannecker im fflärj 1798 außer der Bezahlung, die er „nach Gdillkür 
anfersen durfte 2 )", einen Brillantring, „er kann 80 Couisd'ors wert fein", 
die Beftellung auf eine fflarmorbüfte der eben verftorbenen F)erjogin und 
einen Ruf nach Petersburg. 6r dachte eine Zeitlang daran, den letzteren 
anzunehmen 3 ); aus dem engen Calkeffel Stuttgarts heraus an den kaifer- 
lichen I)of nach Rußland, wo ihm fürftliche Hufträge und eine freie Gnt- 
faltung feiner Kräfte winkten: es war ein verlockendes Hnerbieten, und es 
ift nicht abjufehen, welchen £auf die Gntwickelung Danneckers hätte nehmen 
können. Goethe fchrieb am 16. Hpril 1798 an Rapp : 

„Daß unfer Dannecker fich abermals mit einer Büfte 6hre machen 
werde, daran habe ich nicht den mindeften Zweifel. Bei feinem Hlter fowie 
feiner Cätigkeit wäre eine Reife nach Petersburg, wobei er dann doch das 
nördliche Deutschland kennen lernte, vielleicht wünfehenswert, befonders 
wenn er die Husführung feiner Modelle in dem milden und glücklichen 
Schwaben fich dabei bedingen könnte." 

F)arper, der trotz feines hohen Hlters wieder nach feiner Vaterftadt 
übergefiedelt war, meinte in feiner munteren Berliner ödeife 4 ): „Dann tritt 
er mit fein liebes Cdeibcben die Reiße über Berlin nach Petersburg an, 
logirt bey mir, ich führe Jhm in den fanften Sand fpacieren jeige Jhm alles 
fehenswürdige, er bleibt bey mir einige Qlochen, ich wünfebte fflonatte, 
dann begleite ich Jhm Gine Poft Station nach Rusland, da bleibt 
er etliche Jahre, kehret mit 200000 Rubel vergnügt in feines fchönes 
Vaterland jurück, und lebt mit feinen lieben Qleibchin in bona pace . . ." 



J ) S. Hnbang Ylr. 126. 

2 ) flßeulel, Reue fflif?cUen, St. n, S. 308. 

3 ) S. Hnbang Ylr. 123. 

4 ) Hnbang Ylr. 154. 




49 



Selbftporträt 



1797 




ßcinrike Dannecker, geb. Rapp 
Oelbild von 6. Schi* 



55 

Hllein es wurde nichts daraus. Die Hnbänglicbkeit an fein I)errfcber- 
baus, und wohl niebt juletjt ein gut Stück febwäbifeber Schwerfälligkeit 
hielten ihn von dem entscheidenden Schritt jurück und in den engen Banden 
des württembergifeben I)ofes fe[t. 

Die oben erwähnte Büfte der I)erjogin Sophie Dorothea wurde nach 
dem Gedächtnis modelliert, in fflarmor ausgeführt und im frühling 1800 
ebenfalls nach Petersburg abgefandt 2 ). Von dem alten I)arper hatte Dannecker 
vor deffen Hbreife ein Reliefmedaillon modelliert (Hbb. 47). Der plan eines 
fflonumentes für die kaiferlichen Generale jerfchlug fich 2 ). 

Hn 6oethe fchickte Dannecker durch Chouret eine Zeichnung ?u einem 
Relief, die trauernde Hndromache im Kreife ihrer Verwandten vorteilend, 
und bat ihn um feine Hnficht darüber. 6oethe verwies ihn auf den Hrtikel 
über die 6egenftände der bildenden Kunft in den Propyläen 3 ). Darauf 
bezieht fich auch eine Briefftelle an Schiller, vom 21. Juli 1798: „Sonderbar 
fcheint es freilich, daß in unferer Zeit fogar die Jdee davon [vom Genialifcb- 
Daiven in der Kunft] völlig verloren gegangen ift, wie an dem neulichen 
Vorfchlag Danneckers ju einem Basrelief erhellet . . ." Dannecker ließ dar- 
aufhin den Gedanken auch fallen. Die Zeichnung ift noch erhalten 4 ), fie 
jeigt Hndromache, die fich wehklagend nach der Ceiche Rektors, welche auf 
einem Ruhebette liegt, wendet, während die Verwandten den entfchlafenen 
I)elden betrauern (Hbb. 51). 

Die Darftellungen aus I)omer befchäftigten den flQeifter noch längere 
Zeit; namentlich im Jahr 1800 nahm er den Gedanken wieder auf. Rapp 
berichtete darüber an Goethe, welcher am 2. Hpril 1800 antwortete: 

„Die Dachricht, daß unfer fcbätjbarer Dannecker fich über den I)omer 
verbreitet, ift mir äußerft erfreulich. Möchten Sie ihn bereden, daß er mir 
etwas von feinen Zeichnungen jufchickte, fo könnte daraus eine angenehme 
önterbaltung aus der ferne entfteben. für mich würde es um fo erfreu- 
licher fein, feine Behandlungsart diefer Gegenftände kennen ju lernen, als 
ich vor kurzem die flaxmannifchen Hrbeiten ju fehen Gelegenheit gehabt 



') Rarper an D. 15. Juli 1800. 

s ) Hnbang Dr. 123. 

s ) I, 1. 

4 ) Dannecker-Kabinett, Stuttgart; Variante im BeTit? von frl 6rüneijen daf. 



56 

habe, und darüber bisher fo manches gefprochen wurde und für und wider 
geurteilt worden ift." 

Die Zeichnungen, welche reliefmäßig aufgefaßt find, befinden fich im 
Danneckerkabinett in Stuttgart. Sie find für die Hrt des flQeifters cbarakte- 
riftifch, dem die formen durchaus nicht in leichtem fluß juftrömten. Die 
£inienführung ift hier energifcher als fonft; die Zeichnungen find rafch bin- 
gewühlt und enthalten neben manchem Verquälten 6ingebungen von packen- 
der Slirkung (Hbb. 45, 52). 

Dannecker fcheint der Hufforderung 6oethes nicht nachgekommen ju 
fein; er hatte offenbar für das ödirken der ödeimarer Kunftfreunde nicht fo 
viel übrig, war auch vielleicht durch Goethes Kritik und den kühlen emp- 
fang der Büfte des Grjherjogs ein wenig verftimmt. 

Die Briefe an (Jdoljogen find wieder voll von Klagen: „mein übriges 
Ceben, das außer dem häuslichen Kreis ift, und mich blos in mein Htelier 
einfchränkt, geht — ich jucke die Hchfeln und fchäme mich darauf ju ant- 
worten. Schämen? — Dein ich bin bös, wenn ich daran denke. Da kommt eine 
Büfte, die ich nach dem Cod (die fürchterliche Gränje in der Kunft und im Ceben) 
machen muß; dann ein feftgefcbmier, und Büftenreparationen ohne 6nde . . ." 

Bei einem porträtrelief friedrieb 6ugens entwickelte der Künftler nicht 
viel Glück 1 ). 6s ift ein ovales Knieftück in Cebensgröße und wurde wohl 
als Pendant ju einem ähnlichen Porträt des I)erjogs Karl von £ejeune be- 
fohlen. Die beiden Glerke, aus karrarifchem fflarmor, befinden fich im 
„Hlten fflarmorfaal" des Refidenjfcbloffes in Stuttgart. Das Relief erhebt 
heb in keiner Cdeife über den Zeitgefchmack und ift eine feb-r mäßige Hrbeit 2 ). 

I)öher fteht die Statuette der Viktoria, eine Skijje ?u einem Denkmal 
für Grjberjog Karl nach feinem Sieg über Jourdan bei Stockach (am 
25. fflärj 1799). Gin geflügelter weiblicher Genius trägt in der gelenkten 
Rechten einen palmjweig und in der erhobenen Cinken einen Schild, auf 
dem fich ein ffiedaillonporträt des Grjberjogs befindet (Hbb. 43). Die fein 



') Hnbang Rr. 124. 

*) Der I)of- und Staatskalender 1811 bejebreibt eine einfache Pyramide aus Sandftein, 
welche der König friedrieb leinem Vater als Denkmal errichtete; an derjelben befand fich ein 
„in ffletall gegoltenes Bruftbild des I)erjogs en medaillon, nach einem flßodell von der 
Künltlerband unleres herrlichen Dannecker". Diefem Bildnis, das nicht erbalten ju fein Icheint, 
wird wohl das flßarmorrelief jugrunde gelegen haben. 




E 
i- 



57 

rbytbmifierte figur ift im übrigen jiemlicb unverändert den 6ra?ien von 
1795 entlebnt. 

Die folgenden Jahre mit ibren kriegerifcben 6reigniffen ließen natürlich 
wenig aus des Künftlers Htelier hervorgehen ; Hufträge gab es keine, und 
fo brachte er die Zeit mit der Husarbeitung der begonnenen fflarmorbüften 
und feiner Cebrtätigkeit ju. Hn den politifchen Vorgängen nahm er natür- 
lich ebenfalls Hnteil. Hm 14. Dejember 1799 fchreibt ihm I)arper aus 
Berlin: „Jbre liebe Zeilen vom 20 Dobr verrathen ganj übele I)umeur 
welches jeder dirtemberger bey der jetzigen 6efabrvollen £age Jbres Vater- 
landes haben muß." 

Hls der I)obcntwiel von den franjofen genommen wurde und ffioreau 
die Oefterretcher hinter die Jller zurücktrieb, entftand ein großer Schrecken 
im Cand, welches bereits eine Wiederholung der 96er Vorgänge fürchtete, 
franjöfifche Patrouillen kamen bis Cuttlingen ; die öffentlichen Kaffen 
wurden nach franken geflüchtet. Dach Hblauf des parsdorfer ödaffenftill- 
ftandes kamen größere Cruppenmaffen des f eindes ins Tand und der fran- 
jöfifebe 6eneral Richepanfe fchlug fein Hauptquartier in Stuttgart auf. Jbn 
löfte St. Sujanne ab, der bis fflitte September blieb. Durchmärfche — Kon- 
tributionen waren dieCofung; das £and hatte für Kriegsbedürfniffe 2 Mil- 
lionen franken ju leiften, fowie eine Kontribution von 6 Millionen fres. 
ju entrichten ; Oefterreich ließ Württemberg natürlich fchmählich im Stich. 
„Das thut einem ehrlichen Deutfchen weh vom Sieger umgeben ju fein," 
fchreibt Dannecker an Woljogen, „wo die deutfehe Dation in jeder I)inficbt 
folche fchlimme Rolle fpieltel" 

6nde des Jahrhunderts dürfte ein 6rabmal entftanden fein, welches 
der Konfiftorialrat Ruoff, der Befit?er des bekannten Kupferftichkabinetts, 
für feine jwei dahingegangenen Söhne Karl und Huguft beftellte; es wurde 
nur in Con und in kleinem fflaßftab ausgeführt (Hbb. 26). Die auch unter 
dem Damen „6laube, £iebe, Hoffnung" bekannte 6ruppc ftellt die Religion 
dar, welche die trauernden eitern tröftet, das erftemal, daß Dannecker einen 
religiöfen 6egenftand behandelt. Die Kompofition ift, trot? mancher Schön- 
heiten im einzelnen, fehr unruhig; Helligkeiten und Dunkelheiten wechfeln 
in kleinlicher Weife ab, fo daß das Huge keinen Ruhepunkt gewinnen kann. 
Dem 6ewand ift mehr Plat? gegönnt als fonft Danneckers Hrt ift, nicht 



58 

$um Vorteile. Die weiblichen Geftalten Jind febr befeelt, die des (Bannes 
beinahe fentimental, fo daß man an die fflarmor-Sappbo und die eine 
fackelträgerin erinnert wird. Die Gruppe befindet [ich durch 6rbgang jetjt 
im Bcfit? von I)err und fräulein I)errmann in F)eilbronn. 

eine ödiederholung febenkte Dannecker dem ehemaligen profeflor an 
der Karlsfcbule, Prälat Hbel 1 ). 

Offenbar erhielt Dannecker damals auch den Huftrag, ffloreau ju mo- 
dellieren, was aber nicht jur Husführung kam 2 ). 

fflit dem friedensfebluß hatte auch für Dannecker die künftlerifche 
£eidens?eit ihr 6nde erreicht; in der Vollkraft der Jahre war er in der 
Gntwicklung gewaltfam zurückgehalten worden , ein Ceil der beften Kraft 
war ungenützt liegen geblieben. Deue größere Hufgaben treten nunmehr an 
ihn heran, langfam bereitet fich die Hera der ßßeifterfebaft vor. Die wich- 
tigften unter diefen Gderken find das Grabmal für den Grafen Zeppelin und 
die Koloffalbüfte Cavaters. 

Johann Karl von Zeppelin war württembergifcher Staats- und Kon- 
ferenjminifter und hatte feit 1798 die Oberdirektion des Departements [amt- 
licher I)offtellen, des Cheaters, der FJofkünftler u. f. w. Der I)erjog war 
perfönlich eng mit ihm befreundet, und als Zeppelin im frühling 1801 ftarb, 
befchloß friedrieb, ihm ein würdiges Grabmal ju errichten. Zu diefem 
Zweck ließ er durch Chouret auf dem Cudwigsburger friedhof ein QQaufo- 
leum in dorifchem Stil erbauen und beftellte bei Dannecker und Scheffauer 
je ein flQodell ?u einer „Crauernden freundfehaft". Crotj der Vorliebe, die 
f riedrich für Scheffauer hatte, erhielt Danneckers f igur den Vorzug ; Schef- 
fauer hatte dafür ein CDedaillonbildnis des Verftorbenen ju modellieren, 
welches an der hinteren ödand des fflaufoleums angebracht wurde. 

Die Danneckerfche „freundfehaft" (Hbb. 56) ift weiblich gebildet; fie 
fteht vor dem fchweren Sarkophag aus febwarjem fchwedifchem fflarmor, als 
ob fie eben die roten Granitftufen hinaufgeftiegen wäre. Dem Befcbauer 
jugewandt, ftütjt fie fich mit dem linken Gllbogen auf den Sarkophag; das 
F)aupt ift wehmütig geneigt und lehnt fich an die aufgehobene Cinke, der 
rechte Hrm fällt frei herab. 



') ßaakb, Beiträge jur Kunftgeld>idite. S. XVII. 
*) S. Hnbang Ylr. 162. 




53 



Cavatcr 



1802—5 




54 



Cavatcr 



1802—5 



59 

OQit diefer Kompofition jablte der Künftler einen Cribut an feine Zeit; 
Tie verrät gar febr den Ginfluß Canovas. Die meiften Befcbauer werden an 
das Grabmal Hlfieris in Santa Croce ?u floren? denken, was aber erft 
fpäter entftand; das eigentliche Vorbild mag der „6anganelli" gewefen fein, 
an dem Canova während Danneckers römifcbem Hufenthalt arbeitete. Die 
ftililtifcbe ClnreinUcbkeit der Kompofition wird durch die Verfcbiedenbeit 
des Materials von Hrcbitektur und Statue befonders unangenehm fühlbar; 
auch der niedrige Standort der figur trägt da?u bei, jede ideelle Grenze 
jwifchen dem Befchauer und der „Bühne" ju verwifcben. 

„Husdruck der figur ift fcbmerjlicbes Seufzen und Sebnfucht," fchreibt 
Dannecker an Karoline von Qloljogen; „die Bruft erhöht heb, und durch 
das 6ewand und 6ürtel jeige ich, daß ihr die Bruft $u enge ift, die rechte 
Hchfel jieht fich vorwärts. Jch glaubte dem feinfühligen mehr Habrung 
?u geben, wenn er den Gedanken dabei haben kann, daß es Sebnfucht des 
ödiederfehens vorftellen foll. Bereits ift mir's gelungen, daß Hicbt-Kenner 
den Husdruck errathen haben. Hun habe ich aber Ginwendung von einigen 
bekommen, die mir fagen , es wäre ihnen lieber, wenn die freundfehaft in 
Schmerj auf den Sarg hingefunken wäre. Das ift jwar für den freund der 
erfte Husbruch von Gmpfindung, aber von keiner Dauer, und ich denke, 
daß die freundfehaft keinen foleben ftarken Husbruch der Gmpfindung dulden 
kann, ich ftelle fie mir ftiller und größer vor, wenn gleich I)omer den 
Hcbilles auf den Ceichnam des Patroklus hinftürjen läßt, fo ift da der todte 
freund und hier nur der Stein, der ihn bedeckt." 

Diefe Sätje jeigen die feine Gmpfindung des Künftlers und verraten 
zugleich das Studium von ödinckelmann und £effing. Die Kunftlehre wurde 
ja bereits in der Karlsfd^ule nach Göinckelmann erteilt, und eine neue Be- 
lebung erfuhren diefe 6edanken durch Goethes Befuch. 

Ceider hat die Stellung der figur das ffiodellmäßige nicht gan? ab- 
juftreifen vermocht; fie bleibt trot? großer Jnnerlichkeit befangen. Die 
Silhouette ift ruhig und gefchloffen, ein großes Cegato; alle natürlichen 6in- 
febnitte des Körpers find durch das über den Kopf gezogene Cuch gefchloffen; 
an der ^auptausbuchtung, welche durch die Deigung des Oberkörpers und 
den ftark herausfpringenden Oberfcbenkel entftebt, fällt das Gewand in 
breiter ffiaffe als Hintergrund herab, ödährend fo auf diefer Seite eine 



6o 

unangenehme Qeberfcbneidung mit dem Sarkophage glücklich vermieden ift, fo 
trennt auf der anderen Seite der von der rechten Hcbfel herablaufende große 
faltenfcbnitt die f igur in unorganifeber Öleife; das ganje rechte Bein fcheint 
verfebwunden; wieder ein Beifpiel, daß der Künftler die große Ginbeit von 
fiaturbeobaebtung und Stil noch nicht gefunden. 

Crot? diefer Mängel bietet die Statue der Schönheiten genug. Die 
Modellierung des Hktes ift wundervoll, namentlich Bruft und Unterleib 
unter dem leicht verhüllenden 6ewand. Die Zeitgenoffen bewunderten 
namentlich die forgfältige Husführung des Details, wie der fuße und I)ände. 

Das erfte Conmodell war bereits 6nde februar 1802 vollendet; den 
erften 6ipsabguß fertigte der I)offtukkator fflack 1 ). Die fflarmorausfübrung 
dauerte unter der Mitarbeit der Schüler, namentlich Diftelbarths , von Ylo- 
vember 1804 an bis I)erbft 1805. Der F»erjog jeigte das größte Jntereffe 
für den f ortgang der Hrbeit 2 ). Karoline von GJoljogen, welche feit Sep- 
tember 1802 in Cudwigsburg und Stuttgart weilte, fchrieb am 1. Oktober 
an ihre Schwefter 3 ): „Des I)erjogs £eidenfcbaft für feinen Ciebling hat mir 
etwas Rührendes; er fragt faft täglich nach dem Monument, welches 
Dannecker arbeitet, und immer ftehen ihm die Chränen in den Hugen." 

Die Marmorbebandlung jeigt in Hnbetracht der großen Schwierigkeiten, 
welche die tiefen falten und die Durchlöcherung jwifebon Hacken und Ge- 
wand bieten mußten, die gediegene Cechnik, die fich der ffleifter bereits in 
feinen römifchen Jahren erworben hatte. 

Gleichzeitig mit der 6rabfigur entftand eine lebensgroße Büfte Zep- 
pelins, ein vortreffliches öderk (Hbb. 07). 

Zu diefen herzoglichen Hufträgen kam nun noch das Monument für 
Cavater, welches die eigentliche Bafis von Danneckers Ruhm werden follte. 



') Jobann Eudwig fflad? (d. He.), 1766—1835. Vgl. Hnbang Dr. 178. 

2 ) Vgl. Hnbang I2r. 19 und 20. 

3 ) Cbarlotte v. Schiller und ihre freunde. IL S. 87. 



(Detfterjabre 



5- Cavater. Hriadne. Schillers Koloffalbüfte. 

Bald nach dem am 2. Januar 1801 erfolgten Code £avaters war in 
Zürich der plan entftanden , dem Verdorbenen ein Denkmal ju errichten. 
Jm Huftrag des Kirchenrats von St. Peter ') bildete [ich ein Komitee, das 
die Verhandlungen mit Dannccher, dem man die Husführung ju übertragen 
gedachte, führen follte; dasfelbt beftand aus Cips, Johann Heinrich ffleyer, 
Jobann Kafpar Gfcber und üfteri. 

Hm 7. Üovember 1801 erhielt der Künftler durch Cips die Beftellung 
auf eine Koloffalbüfte Cavaters in Bronje 2 ); diefelbe follte in Zürich in 
einer Hllee auf einem piedeftal von Marmor aufgehellt werden. 

Dannecher fuhr mit feiner frau, die er faft ausnahmslos auf allen 
Reifen mitnahm, Gnde februar 1802 nach Zürich, wo er wie 6oethe im 
„Schwert" abftieg. Unter dem Beirat der freunde des Verdorbenen entftand 
hier das erfte CDodell ?ur Koloffalbüfte ; Hnfang Hpril war es bereits voll- 
endet, und der Künftler konnte die I)eimreife antreten. 

Die Büfte (Hbb. 53/54) machte in Stuttgart, namentlich unter den Künft- 
lern, großen Gindruch. Der Sommer des Jahres 1802 ging über der feineren 
Husarbeitung des Modells hin, und im September fandte Dannecker den 
erften Hbguß nach Paris. 6r hatte fich ftatt Bronje für fflarmor entfehieden 

') Prälident Jobann Konrad nüJcbeUr. 
2 ) S. Hnbang Hr. 168. 



6 4 

und überließ die Hrbeit des Gbaucbierens Diftelbarth, welcher damals ge- 
rade bei den Reftaurationsarbeiten im Couvre tätig war. 

Das 6ipsmodell wurde im Salon ausgeftellt und erregte großes Huf- 
Teben; ja es trug fogar über fämtlicbe Mitbewerber den Sieg davon. Der 
Dame des Künftlers war in aller fflunde *) und der Gntbufiasmus ein 
außerordentlicher. Danneckers Ruhm drang jet?t jum erftenmal wtrkfam 
über die Candesgrenjcn; von feinen übrigen Gierken war dem großen 
Publikum wenig vor Hugen gekommen. Doch 1807 febretbt der Korrefpon- 
dent des Ceutfcben Merkur anläßlich der Hriadne: 

„Dannecker bat bisher nichts für das große Publikum geliefert, als 
Cavaters Büfte, und diefe erhielt den gebührenden Beifall an einem Orte, 
wo fie von Kunftfreunden aus gebildeten Rationen gefeben werden konnte. 
Seine übrigen Hrbeiten haben fich in die Palläfte der fürften und in die 
Kabinette einiger Dilettanten verloren, find alfo fo gut als nicht vorhanden, 
ffiich freut es daher, daß etwas im tüerk ift, was diefem wackeren Künftler 
auch außer Ceutfchland feinen Rang in der Reihe der befferen Bildhauer an- 
weifen wird." 

Hnfangs 1803 begann Diftelbarth die flQarmorarbeit; der flQarmor 
jeigte auf den paaren und auf dem fflantel flecken, war aber fonft „be- 
wunderungswürdig fchön". Diftelbarth kam dann ßovember 1804 mit der 
Büfte nach Stuttgart, wo er mit fl. 600. — 6ehalt in Danneckers Htelier 
eintrat. Die Büfte wurde im frühling 1805 fertig und konnte 6nde Hpril 
nach Zürich abgefandt werden 2 ). 

6s ift dies das einigemal, daß Dannecker die jeitgenöffifche Kleidung 
dargeftellt hat; die weichen Stoffe von Cavaters Hmtstracht kamen ihm 
dabei entgegen. Befonders das I)alstuch mit dem ordentlich durchfeheinen- 
den Kehlkopf ift wundervoll ftudiert. Hls Porträt ift das (Clerk eine herr- 
liche Schöpfung, namentlich wenn man bedenkt, daß der Verftorbene, wie 
Dannecker felbft fchreibt, fehr „jerftört" war, d. h. wohl die Cotenmaske. 
Die Doppelnatur Cavaters ift deutlich ausgeprägt. Die geiftvolle Stirn über 
den tiefliegenden Hugen, die ftark vorbringende ßafe, der fatale ffiund, 
welcher eine merkwürdige Hehnlichkeit mit dem Richard Cdagners aufweift, 



') S. Hnbang Dr. 183. 
2 ) S. Hnbang Hr. 173. 




55 



Zumftceg 



1803 




56 



Die trauernde freundfebaft 



löoi— 5 



65 

die I)aare: alles ift mit großer frifcbe gegeben. QQan liebt, wie der Künftler 
fid) nach den mageren Jahren mit Ciebe und neuer Schaffensfreude ans 
ölerk gab. 

Cavaters ölitwe foll beim Hnblick der Büfte erfcbrocken ausgerufen 

haben: „jfefus, wie kenntlich!" *)• 

Jndeffen hatten (ich in Zürich bereits 1802 Streitigkeiten wegen der Hufftel- 
lung erhoben ; fie gingen natürlich in erfter Cinie von den beimifchen Künftlern 
aus, welche lieb mit allen Kräften gegen die Bevorzugung eines „Husländers" 
ftemmten. Das alte Cied! 6fcber febreibt im Hpril 1802 an Dannecker 2 ): 

„Kaum waren Sie vor dem Chor als die Protectoren Jhrer Collegcn 
ihren QQut ?u treiben und uns bey der 6emeindekammer auf alle mögliche 
Göeife anzuklagen anfiengen; es gelang ihnen auch es dahin ju bringen, daß 
man uns den gewählten und vor einem jfahr durch ein Decret jugeficherten 
platj ftreitig ju machen fucht u. einige boshafte Geifter behaupten die Hllee 
werde durch das in der fflitte ftehende Monument ganj unbrauchbar gemacht." 

Die widerwärtigen Streitereien festen fich Jahre hindurch fort; als die 
Büfte ankam, war noch kein platj $ur Hufftellung beftimmt. Sie wurde 
öffentlich ausgeftellt und dann proviforifch in der Studierftube des Diakonus 
Breitinger untergebracht. Gin plan, fie auf dem Cindenhof aufstellen, 
wurde aufgegeben, und fcbließlicb kam fie im ffiai 1807 in das Konvents- 
jimmer der Stadtbibliothek 3 ). Vor einigen Jahren wurde fie leihweife an 
das £andesmufeum abgegeben 4 ). 

Von jetjt ab mehrten [ich die Hufträge. Cdohl durch die Cavaterbüfte 
veranlaßt, ließ der I)enog fich von Dannecker in Cebensgröße porträtieren 
(Hbb. 32). Diefe Büfte ), die bis jetjt überleben worden ju fein fcheint, ift 
eine der wenigen Bronjebüften aus jener Zeit; Guß und Polierung beforgte 
der I)of?ifeleur Creut, dem urfprünglich auch die Husarbeitung der Cavater- 
büfte jugedacht war. I)erjog friedrieb ift in römifeber Jmperatortracht 



') 6rünei{en. Cbriftl. Kunftblatt 1858 Dr. 2. 

2 ) Danneckers nacblaf} H. 

3 ) Acta der Stadtbibliotbeh Zürich. 

*) Sie ilt nunmehr als Depojitum der Stadtbibliotbek Zürich bis jur 6r[tellung eines 
neuen Bibliotbefcgebäudes vorübergebend in Raum 46 des Scbweijenfcben Candesmufeums 
in Zürich aufgehellt. 

5 ) Stuttgart. Hrmeemuleum. 

5 



66 

dargeftellt; ein Band umfcblingt das offene J)aar. Huf diefe Büfte begebt 
fieb auch ein Brief des fflalers Baptift Seele, welcher den I)erjog ebenfalls 
porträtiert hatte. 6r fchreibt am 16. ffiärj 1803 an franj Karl Riemer 1 ): 
„(Dein Portrait vom fyrjog, obwohl es nur noch untermalt ift, er- 
hält großen Beifall. Ja fogar — denke doch! I)err Profeffor Dannecker 
entlehnte es von mir, um darnach an feiner Büfte ju arbeiten. Cöelche 
ehre für mich!" — für die 6lätte der formen darf man Dannecker nicht 
verantwortlich machen ; diefelbe kommt auf Koften des Zifeleurs, der feinen 
Stol? an die Verzierungen des 6ewandes fetzte, und die feineren formen 
des 6efichtes — um mit Dannecker ju reden — „verfummelte". 

eine weitere porträtbüfte aus diefer Zeit ift die Zumfteegs (Hbb. 55), 
der am 27. Januar 1802 geftorben war und feine familie in fehr dürftigen 
dmftänden zurückließ. Dannecker ließ darauf fubferibieren und beftimmte 
den ertrag für die Hinterbliebenen 2 ). 6in 6xemplar fchenkte er friedrieb 
I)aug, dem bekannten 6pigrammatiker und fpäteren Redakteur des fflorgen- 
blatts. I)aug gehörte ebenfalls jutn nahen freundeskreife des ffleifters und 
ift auch von diefem in fpäteren Jahren durch ein Relief medaillon verewigt 
worden (Hbb. 86). Zum Dank für die Büfte veröffentlichte I)aug im 
Qlürttembergifchen Cafchenbuch auf das Jahr 1806, worin auch die erfte Bio- 
graphie des Künftlers erfebien, ein 6edicht an Dannecker. 

Gleichzeitig mit feiner Büfte beftellte der I)erjog für feinen Privat- 
garten am Eudwigsburger Schlöffe eine Brunnenfigur in 6eftalt eines 
jugendlichen fauns 3 ). Jn diefer originellen figur konnte der Künftler 
einmal feinen Slirklichkeitsfinn erfättigen und feinen I)umor fpielen laffen 
(Hbb. 57/58). Der junge betrunkene f aun ftemmt fich mit dem rechten 611- 
bogen auf einen Qlafferfcblaucb ; durch den Druck wird das Klaffer aus der 
Schlauchmündung getrieben und fteigt jwifchen Kopf und dem fchütjend 
vorgehaltenen linken Hrm in die I)öhe, um als 6locke jur erwünfehten Hb- 
kühlung niederzufallen. Die Kompofition ift allerliebft durchgeführt, der 
Hkt prachtvoll modelliert; namentlich die große Silhouette der linken 
Körperfeite jeigt die ganje feinheit von Danneckers ßaturftudium. Ceider 



') R. Kraufe, frj. K. ßiemer. Cd. Vicrtclj.-ß. 1906, S. 590. 

2 ) füfeli, CeutiAcs Künttlerlexikon 1806. II. 

s ) Klielands Ccut((her flßcrkur 1804, I, 65 f. ffieujels Künttlcrlcxikon 1808. 




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Hriadne 

(Shijjc der ertten fa[fung) 



1803 



6 7 

wurde der faun nur in Sandftein ausgeführt, welcher bereits fehr ftark unter 
der Klitterung gelitten hat '). 

Jm Jahre 1804 entdeckte der Kurfürft ein Calent in dem vierzehnjährigen 
Dominikus King, dem Sohn eines Schullehrers und Mesners aus IKederefchach 
bei Rottweil, und übergab den Knaben Dannecker ?ur Prüfung, ob feine Bega- 
bung im I)ol?fchnitjen ausreiche, um einen Künftler aus ihm ?u machen. Ceils 
aus natürlicher fflenfcbenfreundlicbkeit, teils wohl auch, um fich das kurfürftlicbe 
Qlohlwollen ju erbalten, nahm fich der ffleifter des Knaben warmherzig an. 
Huf dem K. Staatsarchiv liegen noch die Hkten, welche für Danneckers pädago- 
gifchen und gründlichen Sinn fprechen; ich gebe fie im Hnhang wieder 2 ). King 
machte den ffleifter viel freude; der jarte Jüngling ftarb am 4. fflai 1813 an der 
Husjehrung, 22 Jahre, 10 Monate, 22 Cage alt. Von Kings I)and fcheint fich 
nichts erhalten ju haben ; auch ein Reliefmedaillon Schillers, das er unter Dan- 
neckers Hufficht für Cotta modellierte, konnte ich bis jetjt nicht auffinden 3 ). 



UX\r betreten jetjt die Jahre, welche man füglich das Jahrjehnt der 
Hriadne nennen könnte. 

Die Hriadne ift eines der wenigen öderke Danneckers, welche ohne 
äußeren Hnlaß, als freie Schöpfung des 6enius entftanden find. Sie hat feinen 
Ruhm befiegelt und ift an Popularität ohne Rivalen in der neueren Kunft. 
Jhre Vollendung fiel in glücklichfter deife eben in die große Zeit des großen 
Sieges; fie bildete einen nationalen Criumph, fo gut wie der Perfeo Canovas. 
I)eute, nachdem ein Jahrhundert verfloffen, ift von der allgemeinen Begeifterung 
wenig mehr übrig geblieben ; die einft fo ftürmifcb Gefeierte fcheint in den kalten 



*) 6ipsmodell im flßuf. d. B. K. Stuttgart. 

2 ) Hnhang Dr. 21 — 25. 

3 ) Hm 21. f ebruar 1810 febreibt Rapp an Cotta (Hrcbiv der Cottafcben Bu&bandlung) : 
.... „Den berjlicblten 6egengrufj von Dannecker und die Hnjcige, dafj er von feinem Do- 
menico iebon an einem Porträt von Schiller ?um Gegenftück von 6oetbe arbeiten läfjt. 6r 
wendet das 6cficbt gegen den letjteren, fonft kämen fie alle auf eine Seite ju fteben. Zu 
CQieland mufe man dann auch noch einen Compagnon fueben. Qbordifj ift die umgekehrte 
Seite grad die febönere von Schiller. Sie können fich wohl denken dafj — wenn Dannecker 
machen läfjt — fo macht er auch felbft mit, und es wird wenigftens fo gut, als was Sie 
jum ffiufter gefcbiifct haben. Die flßufter find in Danneckers Verwahrung, für 100 Hbgüffe 
fordert der Domenico, genannt King, nur fl. 40. — oder 8 Stück 24 kr., wann 100 auf einmal 
gemacht werden. Das ift fehr billig, maAen Sic Jbrc Rechnung danach." — Hm 18. ffiai 
1810 verjeichnet King in Danneckers Htelierbucb: „Schillers Basrelief fertig gebracht." 



68 

I)öben des Ruhmes erftarrt. 6s ift $ur ftillfcbweigenden Konvention geworden, 
die Hriadne mit einem höflichen Hcbfeljucken ju erledigen, eine flQode löft die 
andere ab. Die großen Kreife des Publikums mögen ja auch damals das 
eigentlich Dauernde an dem Kunftwerke nicht verbanden haben. 

Hriadne ift gedacht als die fiegesgewiffe Bacchusbraut; im Criumphe 
wird fie von dem Panther dem erlöfenden 6otte entgegen getragen. 

Die erfte Ski?je entftand 1803 während der Hrbeit an der „Crauernden 
freundfebaft". Diefer erfte Gntwurf ift noch vorhanden und unterfcheidet 
[ich von der fpäteren faffung hauptfächlich dadurch, daß der rechte Hrm 
vor dem rechten Bein liegt und die I)and fich in der Däbe des Knies um 
den linken Qnterfchenkel legt (flbb. 59). Diefe Ski^e zeichnet fich durch die 
außerordentliche £eicbtigkeit aus, welche beinahe an das Rokoko ftreift. 

Das erfte große ÖQodell jeigte einen weiteren Qnterfchied, wie aus der 
erften Befprechung in Cdielands Ceutfchem CQerkur hervorgeht. Dort 
heißt es *) : „Der etwas angeftrengte rechte Hrm ift eingeftemmt unter dem 
linken rundlichten, durch die Biegung etwas geblähten Knie." So fah fie 
Rauch, welcher im Huguft 1804 auf der Reife nach Rom in Cudwigsburg 
und Stuttgart kurjen Hufenthalt machte und dabei den Künftler befuebte 2 ). 

Hls Modell diente dem ffieifter die durch ihre Schönheit berühmte, 
auch von Schick porträtierte I)offängerin Charlotte foffetta, deren flQann 
I)offtukkator und mit Dannecker befreundet war 3 ). 

Ohne einen feften Käufer ju haben, beftellte er bereits Sommer 1804 
durch den in Rom weilenden Schick bei dem Bildhauer Keller 4 ) karrarifchen 
fflarmor 5 ); er gedachte die ausgeführte Statue nach Paris ju fenden 6 ), wo 
fie ja nun einer guten Hufnahme fieber war. 



1 ) 1805. Stück IL S. 152—158. 

2 ) Gggers, Rauch. 

3 ) C. Beyer-Boppard, Dannechers Hriadne. Beyers Hngabe ftütjt lieb nur auf münd- 
liche Cradition, welche aber nichts gegen lieh bat. 

4 ) ^einrieb Keller (geb. 1771 in Zürich, geftorben 22. De?. 1832 in Rom), kam am 
9. Okt. 1794 nach Rom, wo er mit dbdon, fernow, Zoega, Carftens, Hngelika Kauffmann 
und friederike Brun bekannt wurde. Viel Beifall fand feine „Venus aus der flßufcbel 
fteigend" (1799)- 6r gab nach einem 1804 erlittenen Beinbruch die Bildhauerei auf und 
widmete fich der Scbriftftellerei und Gefcbäften mit karrarifebem fflarmor. (Doack, S. 440.) 

5 ) S. Hnbang Hr. 186. 

6) Ceutfcher ffierkur. 




6o 



Hriadne 



1804—1814 




6, 



Hriadne 



840 — 41 



6 9 

Der Kurfürft, der bin und wieder das Htelier befucbte, ignorierte ab- 
[icbtlicb dies Cßerh, welches ohne feinen Huftrag dem Künftler nur von der 
Pbantafie diktiert war. ölas für Motive ihn dabei leiteten, läßt ficb kaum 
begreifen; jedenfalls ftand feft: die Hriadne war ein illegitimes Kind, das 
geächtet werden mußte. Von dem inftinktiven Bewußtfein des eigenen HIertes 
gekräftigt und von Rapp animiert, verfocht Dannecker feine Sache mit 
Gnergie. Jm frühling 1805 richtete er eine eingäbe an den Kurfürften, in 
der er um Qeberlaffung der Hriadne bat. Das Konjept diefes jiemlich deut- 
lichen Schreibens fand ficb im Dachlaß und ift im Hnhang mitgeteilt '). Der 
Kurfürft überließ darauf die Hriadne dem Künftler 2 ); doch erhielt derfelbe 
bis ju dem 1808 erfolgten Code Scheffauers keinen Huftrag mehr. 

Das im frühling 1805 vollendete erfte Modell wurde geformt, ödie 
aus Schicks Brief vom 7. September 1805 an Dannecker hervorgebt, kaufte 
der Grbprin? von Mecklenburg-Schwerin den erften Gipsabguß, ließ ihn 
aber vorläufig bei Dannecker im Htelier ftehen. 6rft fünf Jahre fpäter er- 
kundigte ficb die 6attin des Grbprinjen, eine geborene prinjeffin Caroline 
von Sacbfen, bei der mit ihr befreundeten Cotte Schiller wieder nach der 
Hriadne. 

ünterdeflen hatte der frankfurter Bankier Simon ffloritj von Betb- 
mann das Htelier Danneckers befucht. Bethmann war ein Mann , bei 
dem ficb feinfte kulturelle Bildung mit der önbefcbränhtbeit der Mittel 
verband, und befaß namentlich für die Künfte reges Jntereffe und feines 
Verftändnis. 6r war von der Bedeutung der Hntihe durchdrungen und 
ließ ficb durch Dannecker und Rapp, mit welch letzterem er in gefchäftlicher 
Verbindung ftand, aus Paris Hbgüffe der beften griechifchen Bildwerke 
kommen; die dabei getroffene Huswahl fpricht für feine Kennerfchaft. Beth- 
mann erkannte fofort den C&ert der Hriadne und redete jur Husführung in 
Marmor ju. Jn der folge war es dann hauptfächlich die unermüdliche 
Cätigkeit Rapps, welche Bethmann jum Kauf beftimmte. Man muß die 
Ginjelheiten in den Briefen Rapps verfolgen 3 ); die außerordentliche Ge- 
wandtheit, die Jntelligen? und die feine Bildung find darin gleich erfreulich. 



') Hnbang Dr. 26. 

2 ) Hnbang Dr. 261. 

3 ) S. Hnbang ßr. 259—278. 



70 

Mittlerweile hatte Dannecker auf den Rat „eines Kunftfreundes", 
wabrfcbeinlicb Rapps, das erfte Modell abgeändert, lo daß nunmehr der 
rechte Hrm in weit ausladender Cinie hinter dem rechten Bein verlief, die 
I)and fällt läffig über den Unken fuß; eine unftreitige Verbefferung. Die 
form des erften Modells wurde jertrümmert *). Daher fchrieb Cotte am 
1. Dovember 1810 an die Grbprinjeffin von Mecklenburg-Schwerin 2 ): 

„für jetjt will ich, ehe ich Schritte bei Dannecker thue, daß die ver- 
laffne Hriadne eine heilige Zuflucht an den Ufern der Oftfee findet, be- 
merken, daß ich die Statue in 6yps gefehen habe, daß ich nur einen Hb- 
guß erblickt habe, und daß diefer mir fcheint jum Modell ju dienen, da er 
diefe Statue in Marmor jet$t angefangen bat auszuführen, und diefes ötterk 
wohl in einigen Jahren noch nicht vollendet fein wird; denn ich fragte aus 
eigenem Hntrieb, weil mich alles intereffierte in diefem Htelier, wie lange 
Zeit man ju einer Statue in Marmor brauche? Da fagte er mir: drei Jahre. 
Jch habe alfo in meinem eigenen Kopf mir ausgedacht, daß wabrfcbeinlicb, 
ehe diefes üderk in Marmor fertig ift, er Heb nicht von dem 6ypsabguß 
trennen wird, deberlegen Sie es und befprechen Sie es, meine theure ge- 
liebte prinjeß, und feien Sie fo gnädig, mir das Refultat ju febreiben, als- 
dann werde ich alle Jhre Befehle und ödünfehe auszurichten ftreben." 

Zugleich liefen jedoch die Verhandlungen mit Bethmann, und am 
20. Dejember 1810 unterzeichnete diefer den von Rapp entworfenen Kauf- 
vertrag 3 ), in welchem er die fflarmorausfübrung der Hriadne für 11 000 fl. 
feft beftellte; ein Viertel diefer Summe wurde fofort als Hngeld befahlt, dm 
Heb gegen eventuelle Vergewaltigungen von oben ju fiebern, ließ Bethmann 
noch eine befondere Klaufel in den Vertrag aufnehmen, in der Dannecker 
heb verpflichtete, die Statue niemand anders ju überlaffen, wenn er auch 
„durch üeberredung oder 6ewalt da?u veranlaßt werden follte". Danach 
wurde der Kauf des Grbprinjen von Mecklenburg wohl rückgängig gemacht 4 ). 

Hm 1. Juli 1810 wurde mit den Vorarbeiten in Marmor begonnen; 



J ) S. Hnbang Hr. 267. 
2 ) Charlotte v. Schiller, I, 551. 
8 ) Hnbang Dr. 263. 

*) Ceider waren weder In Schwerin noch in Stuttgart oder fonftwo Dokumente irgend- 
welcher Hrt darüber aufjufinden. 



71 

der ffleifter felbft fetjte den ffleißel erft Hnfang 1812 an, um am 7. Juni 1814 
das ölerk als geendigt aus der I)and ju geben 1 ). (Hbb. 60/61.) 

Die Hriadne ift durch die jahllofen kleinen Dacbbildungen fo unendlich po- 
pulär geworden, die Grfcheinung mit unterer Vorftellungswelt fo eng verbunden, 
daß es juerft febwer fcheint, ihr gegenüber einen Standpunkt ju gewinnen. Sias 
ift nun der 6rund einerfeits jener Popularität und andererfeits der Kühle, mit 
welcher die meiften Gebildeten heute das Kunftwerk beurteilen? — 

Dem Jchönen fluß der Cinien i[t die Datürlicbkeit geopfert; die Pbrafe 
fpricht hier lauter als in anderen Hierken des QQeifters, und wir finden hier 
wieder verbindende fäden ju Canova. Jn geiftreichfter QJeife komponiert 
und eine fülle wohllautender Hnficbten bietend, vermag die Gruppe doch 
keine eigentliche Cdärme ju vermitteln ; es bleibt etwas wie der Gindruck 
eines genialen Recbenexempels, das den Verftand unterhält, ohne dem 6e- 
müte Dahrung ju geben. 6s ift nicht QQojart, fondern fflendelsfobn, deffen 
finnenfällige Melodien ftark „wirken", deffen glänzende faktur aber häufig 
den QQangel an Charakter ju verbergen nicht imftande ift. Bewundernswert 
ift die Ruhe, welche die figur trot? der komplizierten Bewegung für die 
I)auptanfichten behalten hat; die ödirkung ift im wefentlichen durch die 
großzügige Silhouette und die reliefmäßige Kompofition erreicht. 

Die Hriadne ift das befte Beifpiel für das merkwürdige Schwanken in 
der Kunftweife des ffleifters. Jm ganjen als Kompofition echt klaff^iftilcb, 
weift fie im einzelnen wieder merkwürdige ßaturalismen auf. Jn erfter 
Cinie drängt fich hier dem Blick die häßliche Schnürfurche auf, welche den 
Corfo in unangenehmer üdeife jerfchneidet. Hndererfeits ift an den Beinen 
der Bildwirkung viel geopfert, das linke Knie trotj der ftarken Biegung 
ganj flau. Der rechte dnterfchenkel ift am meiften verunglückt. 

David d'Hngers 2 ), der über die ganje Gruppe in fchärffter Steife urteilte, 
tadelte hauptfächlich, daß der I)als mehr ?um Rumpf komponiert fei als jum 
Kopf, daß er die Bewegung des Kopfes nicht mitmache; als Qrfache nahm David 
an, daß diefe Partie nach einer Hntike kopiert fei, bei welcher der Kopf ge- 
radeaus gerichtet war. ffian kann nicht leugnen, daß der Vorwurf feine Be- 
rechtigung hat, obgleich wir ihn aus dem CQunde Davids nicht gerne hören. 



1 ) S. Hnbang Dr. 273. Vgl. au* unten S. 104 ff. u. 110 ff. 

2 ) Jouin. David d'Angers, II, p. 160 ff. 



72 

Von der ganjen figur am fcbönften find unftreitig der Rücken und 
der rechte Hrm. Fjier jetgt lieb die ganje ffleifterfebaft unferes Künftlers. 
Diefe Hrt von ßaturftudium gebt über das, was ein Canova geleiftet, weit 
hinaus; man wird nicht müde, dem feinen fläcbenfpiel ju folgen. Diefe 
Partien, in denen die ewige Jugendfrifcbe der ßaturbeobaebtung pulfiert, 
werden auch ihre Hnregungskraft immer behalten. 

ffiit dem Panther hat fich die Kritik nie befreunden können ; dem 
ffleifter fehlten die lebenden Vorbilder, fo daß er fich an die Hntike und 
an eine Zeichnung aus Buffons Daturgefchichte halten mußte. 

Die Draperie, welche durch das Dacbfcbleifen auf dem Boden die Vor- 
wärtsbewegung des Cieres andeuten und den fluß der Cinien beleben foll, 
erreicht diefen Zweck nur teilweife. Das 6efält ift mit größter £iebe und 
Sorgfalt der Datur nachgebildet, hat aber nicht den jwingenden Charakter 
der Selbftverftändlicbkeit und Unterordnung unter das Öanje, wie dies 
fpäter bei den beiden Dympben der fall ift. 

Der Marmor ift leider durchaus nicht rein, und die flecken vermehren 
fich merkwürdigerweife im Caufe der Jahre 1 ). 

Gdäbrend die Hrbeit juerft wegen der Qnficberbeit des Käufers, fpäter 
infolge fich häufender Hufträge langfam fortfehritt, entftand eine ziemlich 
große Hnjabl von anderen öderken, die jum Beften gehören, was der ffieifter 
hervorgebracht bat. Doch ging es auch damit ftets langfam, teils weil 
Dannecker felbft wie jur Grbolung von den frondienften aus früheren Jahren 
fich Zeit jum Husreifen feiner plaftifcben Jdeen gönnte, teils weil es ihm 
an genügend vorgebildeten Schülern fehlte. Diftelbarth war der einzige, 
dem er etwas überlaffen konnte, während fich fonft nur 6ehilfen für die 
robeften Vorarbeiten fanden. Dannecker klagte felbft häufig darüber 2 ). 
Hllein eben in diefer Husreifung, diefem perfönlichen Hrbeiten, diefem „Sich 
Zeit laffen", wie es durch die ganje fchwäbifche Gemütsart begünftigt war, 
liegt das Geheimnis Danneckerfcher Vollendung. Dannecker ift fo recht ein 
Beifpiel, daß ftrenge Zucht und Selbftjucbt dem echten 6enius niemals 
fchadet. fflögen daraus auch einige akademifche Blüten hervorgehen, auf 



') Gin boshafter gngländer wurde dadurd) bald nach der Hufitellung ju der Heufjerung 
•wanlafjt, die Hriadne lebe aus wie „Stilton cheese" (A. Jameson, Visits and sketches). 
*) Klüpfel, 6uftax> Schwabs Ceben, S. 18. 



73 

die Hnjabl der öderke kommt es ja nicht an; die Zeit fondert gan? ohne 
unfer Zutun das Cebensfäbige von den Creibbausgewäcbfen. Diefe Reflexion 
ift überhaupt ein Croft, den man [ich für die jfetjtjeit oft vorhalten muß, 
wo bei der fo mächtig entwickelten Kunftfchriftftellerei jeden Hugenblick 
neue 6enies entdeckt werden; nebenbei die ficherfte Methode, diefe armen 
Glefen ?um künftlerifchen Ruin ju bringen. Denn niemand will fpäter der- 
jenige gewefen fein, der einen Beethoven verkannt hat; man ftreut dem ans 
Eicht gezogenen Phänomen Gleibraucb, und feine Haivität ift dabin. Die 
Gitelkeit des fflenfeben ift ju fuggeftibel; derartige mit den beliebten Pbrafen 
befungene Künftler haben feiten die Rraft, in der ünbewußtbeit des Schaffens 
und in der Selbftkritik $u beharren. 6ar häufig mögen fie durch die in 
dem tieffinnigen Huffatj ihren SIerken ju Unrecht unterftellten Motive erft 
jur Reflexion gebracht werden, und fängt die Reflexion an, dann hört die 
Kunft auf. Daivität war Dannecker in hohem Maße eigen; er war eine 
ganj antike Datur. 6rft fpäter bekamen auch ihm die panegyrifeben Hrtikel 
des freundes fcblecbt; der Ruhm fteigt, aber die Kraft finkt. 

Merkwürdig ift, daß die jwei öderke, welche Dannecker am meiften 
populär gemacht haben, Hriadne und die Koloffalbüfte Schillers, in ihren 
Hnfängen jeitlich nahe beieinander liegen. 

Schillers Cod hatte Dannecker in die größte Grregung verfetjt. „Jcb 
glaubte, die Bruft müßte mir jerfpringen, und fo plagte michs den ganzen 
Cag," febreibt er an Ktoljogen in dem bekannten Briefe. Hus diefer tiefen 
erfebütterung wurde die erhabene Jdee geboren, den Cod ju meiftern und dem 
dahingegangenen freunde ein Denkmal ju fetjen, das der Zeiten ödechfel 
überdauern follte. ;) Jcb will Schiller lebig machen, aber der kann nicht 
anders lebig fein, als coloffal. Schiller muß coloffal in der Bild- 
bauerei leben, ich will eine Hpotbeofe." Großartiger läßt [ich die Jdee 
nicht ausdrücken, als es diefe einfachen Slorte tun. 

für die Husführung febwankte der OQeifter jwifeben verfebiedenen Jdeen. 
Den längere Zeit erwogenen Plan einer Subfkription ließ er endlich fallen, 
eine Zeitlang hoffte er, Maria feodorowna werde die Sache in die I)and 
nehmen. 6r dachte Schiller als I)erme ju bilden, und in das Piedeftat als 
Relief eine trauernde fflelpomene ju fetjen. Der 6edanke änderte fich fpäter 
dahin, daß auf der einen Seite eine tragifche Maske, auf der andern eine 



74 

£eier und hinten ein Verzeichnis von Schillers GKerken angebracht werden 
Tollte. Die Hbficht, die Büfte in einem Cempel aufstellen und die weiteren 
fflodifikationen des Gntwurfes laffen fich in den Briefen Danneckers an 
an SIol|ogen ') genau verfolgen, GKir fehen, wie fchwer die phantafie des 
ffleifters ringt, wie er fich am 6nde doch nicht aus einem literarifchen 
Klaffijismus herauszuarbeiten verfteht. 6ine Zeichnung daju mit erklärendem 
Ceit 2 ) ift auf dem Scbillermufeum in fflarbach aufbewahrt. Diefer Gntwurf 
wurde auch bei der Cotenfeier für Schiller, welche am 10. Dovember 1805 
auf dem Cheater veranftaltet wurde, verwendet 3 ). 

Die Büfte felbft war etwa 1810 in Marmor vollendet, und es wurde 
eine große Hnjabl 6ipsabgüffe hergeftellt, die den Damen des Künftlers 
durch ganj Deutfchland trugen (Hbb. 64). Mehrere 6xemplare verfcbenkte 
er; eins erhielt Schillers ältefter Sohn Karl 1825 als I)ocb?eitsgefcbenk *) ; 
der jüngere Sohn 6rnft beftellte im Jahre 1835 bei Danneckers Schüler 
Gßagner einen Hbguß 5 ). 1814 kam ein 6xemplar nach Kleimar in die Bibliothek; 
auch Betbmann hatte ficb eines angefchafft; 1815 war ein Hbguß im Saale 
des I)errn Hders in Condon ausgeftellt 6 ). Das ((Clerk war ein richtiger 
„Schlager". 

Das herrliche ffiarmororiginal wurde tragifcherweife fpäter von dem 
Künftler in der Umnachtung des 6eiftes feiner Cocken beraubt. Die Hugen- 
jeugin Hnna Jamefon berichtet, wie der alte Künftler ju ihr fagte; „Jch 
muß das lange I)aar wegmeißeln; er trug es nie fo; wiffen Sie, 's ift nicht 
mehr ffiode" 6 ). Die großartige 6inheit, welche die unverletzte Koloffalbüfte 
befitjt, ift fo vernichtet. GJir fehen, wie tief der Konflikt jwifchen ßaturalis- 
mus und Stil in der ganzen Künftlernatur Danneckers war; ?u einer voll- 



1 ) S. Hnbang Dr. 128, 130—132. 

2 ) S. Hnbang. 

s ) Jn der Betreibung, webfte „der freimütbige" (1806, Dr. 238) davon gibt, beißt es: 
„Der Vorbang rollte auf, man erbli&te Sdnllers holoffale Büfte nach Danneifcers feiner 
tbeatralifcb gemablt, auf einem piedeftal von grauem ffiarmor. Vor ihr einen auffliegenden 
Hdler und eine brennende fackel. hinter dem piedeftal ?og lieh eine Brüftung von Porphyr 
vorwärts an beiden 6nden, mit angetroffenen 6mblemen . . ." 

*) Jetjt durd) Grbgang im Befitj von frau Hnna Can?, geb. £od>er, in ffiannbeim. 

5 ) S. Hnbang Dr. 115. 

6 ) Anna Jameson. Visits and sketches. 1835. „But I must cut off that long 
hair; he never wore it so; it is not the fashion, you know!" . . . 





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Schiller 

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Schiller 

fflarmor-Oriijinal der Kolo[(albülte mit verttümmelten Cochcn 




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75 

ftändigen Ginigung find die beiden Glemente nur feiten gelangt, und der 
Zwiefpalt erlebt in der letzten 6eiftesnacbt feine traurige farce. 

Der Reft des fflarmororiginals (Hbb. 65) läßt ahnen, was für ein 
Kunftwerk uns verloren gegangen ift. Die tote unbelebte Materie des 
6ipfes vermag eben in diefer Schöpfung den fflarmor kaum ?u erfetjen. 
Hber das üebriggebliebene genügt, auf den Befchauer einen unauslöschlichen 
Gindruck ju machen. Die Klebmut, welche uns bei dem Dulderantlitj von 
1794 befchleicht, macht hier einer wahren Grhebung platj. Die Spuren der 
unausfprechlichen Ceiden febeinen getilgt; der 6eift hat gefiegt. Jn diefem 
Bilde lebt Schiller in der deutfehen Volhsfeele — das I)öchfte, was ein Künftler 
ju erreichen vermag — , und die Hpotheofe des Dichters ift ju einer Hpo- 
theofe des Künftlers felbft geworden. 

ödie fern einem franjofen diefe Runft lag, jeigt am beften das Qrteil 
von David d'Hngers '). 

„Je connaissais dejä son buste de Schiller, qui me semble l'ouvrage 
le plus faible qu'on puisse imaginer. Comment un artiste a-t-il pu rester 
impassible en presence d'un tel genie ! D. a fait ä son modele un nez 
de carton, des yeux dessines d' apres ceux de l'Apollon, une bouche 
maussade et boudeuse. L'expression generale de la face a de ladurete; 
or qu'elle ne fut pas la tendresse de l'äme de Schiller! La tete n'est 
pas bien attachee sur les epaules ; la chevelure symetrique fait songer 
ä du fil mouille; le eräne est petit. Bref, ce buste est un horreur." 

f)eute bat die Zeit jwifchen Dannecher und David entfehieden, und 
Davids Koloffalbüfte von 6oethe macht uns einen Gindruck, der jwifchen 
6raufen und Beluftigung fchwankt. 

Dannecker hatte die ffiarmorbüfte in feinem Ceftament von 1819 feiner 
6attin vermacht, änderte dies jedoch nach deren Cod ab und febenhte fie 
feinem Vaterlande, indem er in dem fchönen Vermächtnis von 1835 die Bitte 
ausfprach, daß das Qlerk an der Stelle möge aufgeteilt werden, wo Schiller 
als Karlsfchüler fein eigenes „Cändchen" hatte 2 ). Der König feb-enkte die 
Büfte jedoch dem fflufeum der bildenden Künfte. 

') H. Jouin. David d'Angers. II, p. 160 ff. 
2 ) S. Hnbang ßr. 58 und das fahfimik. 



7 6 



6» parifer Reife. Dausbau. 

Gdährend fo der Künftler im ftillen Htelier große Gderke febuf, brachten die 
äußeren 6reigniffe wieder tiefgreifende Umwälzungen, ffiitte September 1805 
nahten fieb wieder die franpfen von freudenftadt her; am 30. jog ßey in 
Stuttgart ein, und viele Caufende wurden in der Stadt einquartiert, einen 
hübfeben Zug diefes wie alle Romanen mit natürlichem Kunftinftinkt begabten 
Volkes erzählt Rapp in einem Huffatj über die Hriadne im flQorgenblatt. 

„Bä den damaligen häufigen Durchzügen der franjofen zeigte fich diefe 
Bildung und Qrbität, die diefes Volk auch in feinen fcblagfertigen t)eeren 
noch auszeichnet. 6s war bald etwas gewöhnliches, daß fich nicht nur die 
Heerführer, fondern auch die Offiziere nach der Gderkftätte unferes Künftlers 
und nach feinem neuen Bilde, als einer unter ihnen bekannten Sache, er- 
kundigte, mehr ift es aber noch, daß einft, als Dapoleons 6arden in der 
Umgegend von Stuttgart Rafttag hielten, zuerft wenige gemeine Soldaten 
nach der Stadt kamen und um Ginlaß in die öderkftätte baten, nachher 
ergriffen von dem Genuß und der gefälligen Hufnabme ihre Gefährten fandten, 
die von ferne her kommend, den Cag über in Raufen von 15—20 fich 
ablöften und mit einer feinbeit benahmen, welche wir an gemeinen Kriegern 
fonft nicht gewohnt waren." 

Hnfang Oktober hielten ßey und ffiurat große Paraden ab; nur 
Cudwigsburg wurde verfebont, wo eben in diefen Cagen die Fiocbzeit des 
Prinzen Paul (des jüngften Sohnes von friedrieb) mit der Prinzeffin 
Charlotte von Sacbfen-Fjildburgbaufen gefeiert wurde. 

Hm 2. Oktober wurde Dapoleon feierlich in £udwigsburg empfangen; 
nachdem der Verfuch, die ßeutralität Württembergs zu erreichen, mißlungen 
war, fchloß friedrieb am 5. den Hllianzvertrag mit Dapoleon, welcher fich 
darauf zum Fjeere begab. Dem großen Sieg bei Hufterlitz folgte mit dem 
Preßburger frieden die Grböbung Württembergs z um Königreich. Die 
allgemeine Stimmung, in der fich der Künftler gegenüber feinem böchften 
Fjerrn befand, geht ziemlich unzweideutig aus feinem Brief vom 5. jfan. 1806 
an molzogen hervor. Der Zorn des eigentlich weichen Künftlers hat etwas 
Drolliges an fich; der Fjumor lacht immer wieder durch. 




68 



Prinjcltin Paul von töürttemberg 



1806 




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K 



77 

Hm 12. Januar paffierte Dapoleon die Stadt auf dem Rüchwege; mit 
offenficbtlicber Genugtuung berichtet Dannecker, daß er bei „denen fogenannten 
Criumpfbogen" nichts ju tun habe. 

Jm frühling 1806 modellierte er für den Kronprinzen die lebensgroße 
Büfte des jwei Jahre vorher verdorbenen 6rafen von Caubenbeim. Die 
fflarmorausfübrung wurde 1808 beendet. Die Büfte gehört ?u den fchwäcbcren 
Hrbeiten, was angeficbts der undankbaren Hufgabe nicht verwunderlich ift 
(Hbb. 98). 

6in öderk aus dem Vollen ift dagegen die balbvergeffene Büfte der 
Prinjeffin paul (Hbb. 68). Das äußerft reizvolle fflodell mag den Künftler 
ju diefer entzückenden Schöpfung begeiftert haben. Bei beftimmt feft- 
gehaltener Jndividualität liegt hier in allem, wie fchon in der leifen Be- 
wegung des Kopfes, eine unendliche Hnmut; dabei jene reine Daivität, wie 
Tic fich aus der Seele des Künftlers felbft widerfpiegelt. Huch die I)aare 
find hier von befonders glücklichem Cdurf. Der Künftler überfandte die 
Büfte in fpäten Jahren der Königin Cherefe von Bayern, einer Schwefter 
der prinjeffin, und erhielt dafür als Gegengefchenk die Büfte der Königin 
von Stiglmaier *). 

Der Kronprinz CdUhelm hatte bereits feit einiger Zeit den Gntfcbluß 
gefaßt, Hbgüffe der beften parifer Hntiken ju erwerben, und beauftragte 
nun Dannecker mit der Huswahl und dem Hnkauf. Der Künftler trat alfo 
mit feiner Gattin am 10. Juni 1806 die Reife nach Paris an, wo fie am 
18. anlangten ; fie ftiegen im I)6tel de Dantes an der place du Caroufel ab. 
ödährend des etwa zweimonatlichen Hufenthaltes verkehrten fie viel mit dem 
Kupferftecher fflüller d. J., der im Quartier St. Germain wohnte, fowie mit 
dem Cegationsrat Hbel. Jedenfalls befuchte Dannecker auch feinen einftigen 
Cebrer pajou, der nunmehr im Hlter von 76 Jahren ftand und längft aus der 
Oeffentlichkeit zurückgetreten war. 

Der ffleifter war, wie Rapp an Cotta fchreibt 2 ), „in der Unterhaltung 
mit feinen antiken freunden außerordentlich glücklich". Die Studien im 
Couvre bedeuteten natürlich nach den langen Jahren, in denen er nach 
Goethes Husdruck alles „aus fich felbft nehmen mußte", eine unendliche 

') Jetjt im ffiulcum d. B. K., Stuttgart. Vgl. Hnbang ßr. 300/301. 
2 ) Hm 7. Hug. 1806 (Hrchiv der Cotta'ichen Buchhandlung, Stuttgart). 



78 

erfrifcbung; fie gaben feiner pbantafie neuen Schwung. 6r befebäftigte fieb 
auch viel mit der frage der Grgänjung des £aokoon; ein febr tntereffantes 
fflanufhript *) des Künftlers entwickelt in febarf finniger Cöeife eine andere 
Rekonftruktton. Die bedeutenderen der in Paris angekauften Hbgüffe, fo- 
weit fieb aus Quittungen auf dem K. Staatsarchiv und aus dem Kunft- 
blatt Cottas feftftellen läßt, find der Hpoll und der Corfo vom Belvedere, 
die Pallas von Velletri, der Borgbefifcbe f echter, Silen mit Bacchus, Kaftor 
und Pollux, £aohoon, Hdonis, die beiden Ringer, die medieeifebe Venus, 
Zeus Otricoli, der Hermaphrodit, die Statue eines Redners (fogen. 6er- 
manikus) u. a. 

Dach der Rückkehr von Paris erhielt Dannecker von dem König als 
nachträgliche Belohnung für die Bron?ebüfte und als Zeichen des Hller- 
böchften ödoblwollens ein 6efchenk von 100 £ouisdors 2 ). 

Gin kleineres SIerk aus diefer Zeit ift eine Reibe von vier kleinen 
Zeichnungen ju Basreliefs, deren 6egenftand dem ffieifter im Craum er- 
fchienen fein Toll. Das fflorgenblatt Cottas brachte in feiner ^weiten Dummer 
darüber von der f)and Rapps einen Huffatj, dem 4 dmrißfticbe von 
flßüller d. J. 3 ) beigegeben waren. (Hbb. 71—74.) Der Con des Huffatjes ift 
febr entbufiaftifch gebalten, und jeigt, in welcher Güeife Rapp für den freund 
Reklame ju machen verftand. 

Jcb gebe die Deutung der vier Stücke, wie fie in dem Huffatj ent- 
halten ift, im ötlortlaut wieder. 

1. Die reifende Qnfcbuld wird von ihren eigenen Reijen und uneben 
ihrer Beftimmung entgegengeführt. Sie fühlt das gewiffe etwas, um deffen 
Damen fie gleicbfam nur den I)immel ju fragen wagt. Hber befcheiden und 
fittfam, fucht fie es in heb ?u verbergen und überläßt das weitere feinem 
natürlichen 6ange. So kommt fie dann mit ruhiger und fteter fahrt 

2. jum Ziel, das ihr alles erklärt, fflit ödürde erbebt fie fieb jum 
Craualtar, von der fußen Harmonie begleitet, die nur reinen Seelen jur 
Seite geht 

3. Hber, aber, wer feine Reije und Criebe fo mißbandelt, fo unbefonnen 



1 ) S. Hnbang Dr. 308. 

2 ) Rapp an Cotta, 7- Hug. 1806 (I. S. 77, Hnm. 2). 

3 ) Rapp an Cotta, 12. De?. 1806 (Hrdnv d. Cottajcben BuAb. Stuttgart). 




71 



.Danneckers Crautn' 
1. 



1806 




72 



,Danncchcrs Crautn' 
2. 



1806 







73 



.Dannockers Craum" 



1806 

















$ 


V 





















74 



„Dannechers Craum' 
4- 



1806 



79 

[ich den ttleg verkürzen will ! fflädcben ! wo ift die Sittfamkeit, wie fcb-wankt 
dein Klagen ! 

4. Heb, und du halt das Ziel verfehlt! 

Die febr Canova'fcb anmutenden entwürfe febeinen nicht ausgeführt 
worden ?u fein; wenigftens war darüber nichts ju ermitteln. Jm Dacblaß 1 ) 
befinden heb verfebiedene daju gehörige Stufen, in der [cbüchtern taftenden 
Stricbführung, die unfern ffleifter kennzeichnet 

Jm Jahre 1808 erhielt Dannecker von dem Kronprinzen Cudwig von 
Bayern eine Beftellung auf eine fflarmorbüfte Schillers für die ju er- 
richtende Ruhmesballe. Die Büfte wurde wohl in der ^auptfache von 
Diftelbartb angelegt, und zuletzt vom ffleifter übergangen. Sie wurde im 
Jahre 1810 für 946 fl. nach Bayern abgeliefert 2 ) und trug dem Künftler 
Zwei weitere Hufträge ein in 6eftalt der Bütten von 6luck und friedrieb 
dem Siegreichen. Die SchUlerbüfte fand fpäter einen febr würdigen platj 
in der ödalballa. Sie ift etwas kleiner gehalten als die Koloffalbüfte ; die 
ganze Huffaffung neigt mehr nach der lebensgroßen Kleimaraner Büfte. 
Von allen andern Repliken unterfcheidet fie fieb durch die auffallend 
detaillierte Behandlung des Cockenfchmucks ; der freie Qlurf fehlt und man 
wird den Gindruck des 6ekünftelten nicht los. (Hbb. 67.) 

Der Kronprinj war mit dem öderk außerordentlich zufrieden, ßoeh 
am 6. Dezember 1823 febreibt Danneckers Schüler ödagner an feinen Cebrer 3 ): 
„Der Kronprinz von Baiern, der überall herum gieng, kam auch Z u mxr t 
er hatte eine freude an meiner figur und fprach mit entzücken von der 
Büfte Schillers, die er von Jhnen befitze." 

eine weitere Beftellung aus Bayern ging dem Künftler von dem 
fürften Dalberg zu, der in Regensburg dem hier geftorbenen Kepler ein 
Denkmal zu errichten gedachte. Das Denkmal wurde am 28. Dezember 1808 
in den Hnlagen beim Bahnhof enthüllt; es befteht aus einem kleinen Rund- 
tempel, in deffen fflitte eine Büfte des Hftronomen aufgeteilt ift. (Hbb. 80.) 
Das Biedeftal trägt an der Vorderfeite eingelaffen ein fflarmorrelief von 
Danneckers f)and, den 6enius darfteilend, welcher die „Hftronomie" ent- 



') Dannecherkabinett im ffiufeum d. B. K. Stuttgart. 
2 ) Kraul?, Danneckers Scbillerbüften. 
8 ) $. Hnbang Dr. 200. 



8o 

fcbleiert. (Hbb. 79.) Der an [ich feine Gedanke ift nicht febr glücklich 
geftaltet; die Stellung der „Hftronomie" ift von der Hntike übernommen 1 ) 
und der 6enius febr befangen dajukomponiert. 



Jm februar 1807 wurden die Künftler, welche bisher ihre Hteliers im 
rechten flügel des Refidenjfcbloffes gehabt hatten, auf Hllerhöchfte Ordre 
ausquartiert und ihnen dafür die Hlte Kanzlei eingeräumt. 6s waren dies 
Dannecker, Scheffauer, frank 2 ), der fflaler Dieterich und die Stukkatoren 
fflack, friedrieb und F)offmann. 

Dannecker gab fich damit nicht zufrieden, fondern bat um Hnweifung 
eines Bauplatzes 3 ), fowie um Gehaltszulage, um die 6inricbtung des I)aufes 
felbft beforgen ju können. Durch ein Dekret vom 17. februar wurde ihm 
aber bedeutet, daß er in diefem Hugenblick eine Gebaltsaufbefferung nicht 
ju erwarten habe; der Bauplatz wurde bewilligt. Dannecker fchlug hierauf 
einen Bauplatz im feitherigen Botanifchen Garten vor oder auf dem platz, 
wo vormals das kleine Komödienhaus ftand, dem Major fifeber gegenüber. 
Hls dies nicht genehmigt wurde, wählte er den platz jwifchen dem frafinelli- 
feben Gebäude und dem Opernhaus, was denn die königliche Genehmi- 
gung fand. 

Da erhielt Dannecker 6nde des Jahres eine Berufung an die Hkademie 
der Künfte nach München. Der König war klug genug, den Künftler feft- 
jubalten; er erhöhte ihm jetjt fofort feinen Gebalt auf 1200 Gulden 4 ) und 
verlieb ihm am 4. februar, jufammen mit Scheffauer, den Zivilverdienft- 
orden. So war denn die zweite Gelegenheit vorbei, in ein reicheres Kunft- 
element überjufiedeln ; wenn fich der ffleifter auch nunmehr der I)öbe feines 
Ruhmes nahte und die folgenden Jahre feine reichften find, fo wäre ihm 
dennoch in der bayrifeben I)auptftadt unter dem entbufiaftifeben Kronprinzen 
und fpäteren König ein ganz anderer Boden bereitet worden; er wäre im 
Mittelpunkt des Huffcbwungs geftanden, den die Künftlerftadt München in 
diefen Jahren erlebte. 



1 ) Hntike Statue, als Guterpe ergänjt. Couvre. 

2 ) Vgl. S. 50, Hnm. 1. 

3 ) S. Hnbang Dr. 27—29. 

4 ) Dekret vom 8. 1. 1808 (im Be|. von ßerrn Direktor Kubier in Bremen). 




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8i 

Das I)aus, welches auf lange Zeit das Gdabrjeicben des Stuttgarter 
Schloßplatzes werden Tollte, bis es im Jahre 1893 einem reichen Barochbau 
platj machte, wurde im ffiai 1808 vollendet (Hbb. 85). 6s diente zugleich 
als ödohnung, Htelier, fflufeum und Kunltfchule. Hm 3. Juni gab der 
ffieifter feinen freunden eine Ginweibungsfeier, welche von Reinbeck in einem 
begeiferten Hrtikel im fflorgenblatt gefchildert wurde. Da derfelbe fleh 
jiemlich ausführlich über die Ginricbtung ergeht, laffe ich hier ihm eine 
Zeitlang das ödort 

„Dannecker, der geniale, gab am 3. Juni in Stuttgart feinen freunden 
ein feft, wie wenig Künftler wohl ?u geben im Stande find. 6r lud fie 
jur Cafel der Olympifchen 6ötter und umringte fie mit dem ganzen Zauber 
der Kunft, welche dem CQarmor Ceben einhaucht. 

Sein gefchmackvoll erbautes I)aus an den fchönen Caubengängen der 
planie ift vollendet. Der untere Raum ift den ffiufen geweiht Jn dem 
herrlichen Saale von einfacher edler Hrchitektur, welcher die Beleuchtung von 
oben herab empfängt (wenn man in das £)aus tritt, jur Rechten) ftehen die 
Darifer Hbgüffe der vorjüglicbften Hntiken , welche Sr. Kgl. Roheit dem 
Kronprinzen von Qlürttemberg gehören , und welche diefer edle f ürft der 
Hufficbt des Künftlers anvertraut, und dabei den Zutritt jedermann ge- 
mattet hat. 

£inker Fjand von dem Gingang tritt man in das geräumige Htelier, 
welches aus drei Sälen befteht, größtenteils mit eigenen Hrbeiten Danneckers 
gefchmückt. 

Jn dem erften großen Saale fteht die fprechend ähnliche koloffalc 
Büfte Schillers, feines Jugendfreundes, mit dem er ju gleicher Zeit in der 
Hkademie war, und dem er mit fchwärmerifcher £iebe anhängt. Glücklicher 
hat nie ein Künftler fein Vorbild aufgefaßt und fchöner und freier wieder- 
gegeben. Huch trägt Dannecker eine eigene Vorliebe für diefe Schöpfung 
feines I)erjens. Sie ift der freundfebaft entfproffen, und follte fie keinen 
gan? würdigen Blat? auf einem öffentlichen Denkmale Schillers finden , fo 
bleibt fie im Heiligtum des freundes. — — — — 

Jn dem jweiten kleineren Saale, gleichfam dem innerften Heiligtum, 
wo der Künftler felbft die Blüten feines 6enies in Marmor entfaltet und 
verewigt, fteht auf einem beweglichen 6eftelle die in 6yps ausgeführte 



82 

Hriadm, auf einem panter ihrem göttlichen 6emahl entgegen reitend. 

— — Die üdände umher find gefcbmückt mit Hbgüffen von Hn- 

tiken in verjüngtem fflaßftabe und mit dem herrlichen neuften Partfer Hb- 
guß des Hdonis. 

Jn dem dritten kleinften 6emacb wird dem fflarmor die erfte form 
gegeben. 

Hm 3. Juni war die Ginweibung diefes fcbönen £okales und der 
geniale und gefühlvolle Künftler fcbloß einen kleinen vertrauten Kreis von 
freunden um [ich. Jn dem Hntikenfaale ftand mitten unter den unterb- 
lieben Gebilden des griechifchen ffleifels eine jierlich befetjte Cafel, an 
welcher die Gefellfcbaft platj nahm. 

Cdie mächtig wirkte der Zauber der Kunft! Hlle 6efühle wurden er- 
höbt durch die göttliche Umgebung. Cdohin der Blick [ich wendete, fiel er, 
hier auf den unübertrefflichen Corfo, dort auf die Ringer, auf die koloffale 
Pallas, auf die gräßlich fchöne 6ruppe des Caokoon, auf die flßedijeifche 
Venus, auf den göttlichen Hermaphrodit, auf das erhabene I)aupt des 
olympifchen Jupiters, auf den Hpoll von Belvedere. CüahrUcb, es war eine 
6öttertafel; und die Herrlichkeit der ünfterblichen ftrahlte auf dem Hntlitje 
der Sterblichen wieder, denen fie ihre Gegenwart fchenkten ; aus jedem Huge 
leuchtete eine ruhige Heiterkeit und der ungetrübtefte Genuß. 

Später wurde der Kronleuchter über der Cafel angezündet, dem Cichte 
von außen aller Zugang verfchloffen, und jetjt war es, als ftiegen die un- 
terblieben von ihren Geftellen herab, als der reine Eicbtftrom der ödachs- 
kerjen [ich um fie und über [ie ergoß. 

Jn den Reihen der ünfterblicben dürfen die ödeifen nicht fehlen, 
einer der Hnwefenden teilte dem traulichen Kreife einige Strophen und 
einige Gpigramme mit, ju welchen ihn diefe feier begeiftert hatte. 6in 
anderer aus der Gefellfcbaft deklamierte juerft Schillers unfterblichen I)5>rnnus 
an die freude, der in jedem Bufen widerhallte, und dann einige Zeilen, 
welche dem Künftler gedruckt waren überfandt worden. Sie waren, wie die 
erften Gedichte, die Gingebung des unvorbereiteten Hugenblicks, beftimmt 
einen ffioment ju füllen, und der Zweck wurde erreicht. 

Der berühmte Cenorift Krebs trug nun mit Begleitung eines piano- 
forte Schillers Gedicht „Die Sebnfucbt", welches von ihm felbft komponiert 




79 Genius, die Hftronotnie ent|cbleicrnd 180? 

(Relief juni Keplerdenhmal) 




80 Keplerdenkmal 

in Regensburg 



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81 



Gntwurf ?um Siegesdcnkmal auf die 
Ceipjiger Schlacht 



1ÖI3 




82 Dannecker 

um 1814 

Karikatur von K. tQcitbrccht 



83 F)einrihe Dannecker 
um 1820 

Zeichnung von K. üOdtbrecbt (?) 



83 

war, trefflieb vor und wurde dabei von jwei talentvollen Dilettantinnen 
unterftüt?t. 

I)ier in diefem Kreife erhielt alles eine höhere Bedeutung, alles fpracb 
mächtiger I)er} und pbantafie an; das 6emüt war gereinigt und die 
heiterfte freude glänjte auf jedem 6efichte. 

Diefer Hbend, deffen feier — nicht Prunk und Cleberfluß — der 
Zauber der Kunft verherrlichte, kann nimmer dem Gedächtnis und I)erjen 
derer entfehwinden, welche daran teilzunehmen das 6lück hatten." 

Diefe Schilderung ift geeignet, uns in den idealen Charakter jener Zeit 
ju verfetten, welche ihr belebendes fluidum von dem 6eifte 6oethes und 
Schillers erhielt. Die „Danneckerei" wurde bald der Verfammlungsort der 
feinften und gebildeten Kreife jener Zeit; lange Jahre hindurch vereinigten 
fich hier jeden Donnerstag abend die literarifchen, künftlerifchen und politi- 
fchen Köpfe der Stadt. Vor allen natürlich Rapp; der treue freund I)aug; 
deffen Kollege peterfen, ^auptmitarbeiter von Cottas ffiorgenblatt; der 
6eheimrat ^artmann l ), der Oberfinanjrat öleiffer und der I)ofrat Reinbeck, 
fpäter auch Rückert. Jung-Stilling, welcher von Karlsruhe häufig als 6aft 
I)artmanns herüberkam; der Bruder von Juftinus Kerner, freiberr Karl 
von Kerner; der I)ofmedikus Dr. Storr; die Bibliothekare profeffor £ebret 
und I)ofrat Cebr; 6raf 6eorg friedrieb Karl von Cdaldeck-pyrmont; der 
gciftvolle Kultminifter freiberr von Göangenbeim; der Direktor des Katbo- 
lifchen geiftlichen Rats freiberr von Scbmitj-6rollenburg; der Juftijminifter 
von ßeurath u. a. 2 ) 



•) Hus dem Verkehr mit I)artmann i[t uns eine heitere Gpifode überliefert (Rart- 
mannfebe familiennacbricbten von fflariette Zoepprit3, geb. Rartmann; mir frdlcbft. mitget. 
von ßerrn Präfident von Cdeiffer). ßarttnann hatte eine Vogelfammlung, in welche er auch 
einft aus der Scbwei- einen lebenden Hdler ?ugefcbickt erhielt. 6s gelang ihm, das Cier fo 
an (ich ?u gewöhnen, daf? es ihm willig gehorchte. „Seiner ausgezeichneten Schönheit wegen 
wünichte ihn Dannecker ?u modellieren, ju welchem Zweck er ju ihm gebracht wurde; da ge- 
bärdete er fich aber fo wild, daf? ihm alles aus dem QJeg ging und man eilends nach dem 
Vater febickte. Hls diefer kam , guckte Dannecker mit feinen Ceuten durchs SchlütTelloch in 
das 6emach, wohin man ihn gebracht, wo er fo wild tat, dak niemand fich mehr ju ihm hinein 
getraute. Der Vater öffnete die Cbüre, das Cbier wurde ruhig und lief? fich willig in den 
Bebälter tbun, in dem man's wieder heim brachte, da Dannecker den Plan aufgeben mufjto, 
den Hdler nach der Datur ju ftudieren. Später hörte König friedrieb von ihm und lies ihn 
ohne weiteres für feine fflenagerie, die damals in Cudwigsburg war, abholen." 

2 ) (Küntterlin, Der Kaufmann Rapp. CQürtt. Vierteljahrs!). 1892.) 



8 4 

Jn diefem ganjen Kreife war der belebende Mittelpunkt der tempera- 
mentvolle Künftler. „Der fflann kommt einem vor wie ein nachwuchs aus 
einer früheren Zeit," lebreibt fpäter Sulpi? Boifferee an feinen Bruder; „wie 
eine fchöne, frifche früblingsblume im fpäten F)erbft, fo tüchtig, einfach, 
kräftig in allem ift man es heutzutage ja durchaus nimmer gewohnt." 

Jn feinem derben Schwäbifch konnte Dannecker feine Hnfichten fehr 
ergötjlich verteidigen; [eine Cieblingsredensart, wenn er in Hffekt geriet, 
war dann wohl: „Des kann mer kei Gockeler rauskratje." 6ar nicht ver- 
tragen konnte er, wenn die frauen beieinander faßen und mit vereinten 
Kräften disputierten; dann fchlug er plötzlich mit der fauft auf den Cifcb 
und fagte kategorifch: „Husgfchpie!" (ju 6nde gefpien) x ). 

Zu den nahen freunden des Kaufes gehörte auch der Oberregierungs- 
rat Carl Chriftian ^einrieb Grüneifen (1765—1831) und feine Gattin. Schon 
vor den Zeiten der Danneckerei hatten Grüneifen's, Dannecker's und Cotta 
einen Kranj, der in den Käufern umlief. 6in am 5. Januar 1801 geborenes 
Cöchterchen Grüneifens, das nur wenige Stunden am Ceben blieb, wurde 
von Dannecker modelliert. (Hbb. 109). Der Sohn Carl, der nachmalige I)of- 
prediger und feinfinnige Kunftfchriftfteller war bald einer von Danneckers 
Eieblingen; als in fpäteren Jahren Rapp's müder I}and die feder entfank, 
war es Carl Grüneifen, der die Uterarifche ödürdigung des Künftlers über- 
nahm. 

Das für einen damaligen Künftler fehr fchöne, wohlhabende I)aus in 
befter £age der Stadt, trug natürlich daju bei, die Stellung Danneckers noch 
mehr ju heben; der Cod Scbeffauers, welcher am 13. ßovember 1808 von der 
Schwindfucht weggerafft wurde, machte ihn jum Hlleinherrfcher unter den 
Stuttgarter Künftlern. Scheffauer war allerdings in den letzten Jahren 
bereits jiemlich in den Hintergrund getreten 2 ); er felbft febreibt 1806 an 



Von 1815 an war Dannecker auch regelmäßiges Mitglied der jeden flßontag ?ufammen- 
kommenden Kegelgefellfcbaft bei Präfident Georgii bis ?u deren Huflöfung am 26. fflai 1829. 
Kur im Codesjabr ßeinrikes, 1823, fehlt der Dame des Künftlers auf der Cifte. Die 6efellfcbaft 
beftand aus Reinbeck, 6ottb. fflüller, Staatsrat Scbmidlin, I)aug, dem älteren 6rüneifen, 
Rapp, Ceibmed. Jäger, Profeffor 6lben, £eg.-Rat F)arpprecbt und Oberfinanjrat Stockmayer. 
(Hkten d. Kegelgefellfcb. bei Präfident 6eorgii, Bibl. Stuttg. Cod. hist. Fol. 738.) 

1 ) Dach frdl. ffiitteilung von frl. 6rüneifen, welche diefe 6rjäblung noch aus dem 
fflunde von Danneckers Klitwe gehört hat. 

2 ) Gßintterlin fucht das Gegenteil ju beweifen, doch mit wenig Grfolg. 




84 Das grofjelterlicbe F)aus 

in öQaldenbucb 
(1909 aufgenommen) 




85 



Das Htolicr und Klobnbaus Dan neckers am Scblofjplat? in Stuttgart 





86 



friedrieb Raug 



1815 



87 



Reinrieb Rapp um 181J 





Reinrieb Jung-Stilling um 1816 



K. f. Kiclmeyer um 1816 



85 

Obertbür: „Beftellungen bab ich vor jejo wenige." 6r modellierte noch 
einige Büften, aber nichts figürliches in größerem fflaßftab. Dach Scbef- 
fauers Cod erhielt DiTtclbartb als „Statuarbüdbauer" eine Gehaltszulage 
von 100 fl. ') 



7. <JClaffer- und <diefemiympbe» BUdniffc. 

Die 6ruppe der beiden ßympben am Stuttgarter oberen Hnlagenfee 
hat merkwürdigerweife nie denfelben Ruhm erlangt wie die Hriadne. Jd) 
möchte in ihr die Krone aller Danneckerfcben Schöpfungen [eben; der große 
Cdurf ift gelungen, Stil und Daturftudium find $u einer wunderbaren 6ini- 
gung gelangt. 

Die 6ruppe wurde vom König für die neugefchaffenen Hnlagen be- 
ftellt; endlich ein wirklich großer und dankbarer Huftrag von oben. Die 
erfte kleine Confkijje (im Bellt? des I)errn I)ofrat Klinckerfuß in Stuttgart) 
trägt die Jahreszahl 1808; das lebensgroße fflodell (Hbb. 90) entftand in 
den darauffolgenden Jahren. Ginen Hbguß desfelben vermachte Dannecker 
fpäter dem König Ölilbelm, der denfelben 1838 der Kunftfcbule febenkte. 

Die ödiefennympbe bekränzt aus Dankbarkeit die Göaffernympbe 

ein £obgefang auf die Datur, auf Reife und fruchtbarkeit! fflan fühlt fich 
verfuebt, noch weiter ju fymbolifieren: die Kunft bekränjt aus Dankbarkeit 
die Datur. die die Cdiefe nur, wenn fie vom ölafler befruchtet wird, ge- 
deiht und feböne Blumen hervorbringt, fo nimmt auch die Kunft ihr Ceben 
nur von der ewig fließenden, ewig gleichen Datur. I)err Drofeffor Brock- 
baus bat die Vermutung aufgeteilt 2 ), daß die Kompofition des 6anjen 
formal von einer Gemme der florentiner dffijien angeregt fei. Diefe 6emme, 
eine antikifierende Hrbeit des 16. Jahrhunderts, ift in dem großen Kupfer- 
ftiebwerk fflufeum f lorentinum von 6ori 3 ) in vergrößertem ffiaßftab wieder- 
gegeben , und Dannecker könnte fie während feines römifeben Hufentbalts 
gefeben haben. Sie jeigt jur Cinken eine weibliche figur, welche fich auf 
den ausgeftreckten linken Hrm ftütjt und die Rechte um eine pflanjengefüllte 

J ) Cdagner, Kartsfdi. I. S. 458. 

2 ) Vortrag im Kunftbitt. Jnftitut ju f'orenj 25. Januar 1908 (ffionatsb. f. Kunjtw. 1. 1/2). 

3 ) Band II, Cafel 51 (erleb. 1732). 



86 

Vafc legt, dem Befcbauer die Bruft juwendend. Huf der anderen Seite be- 
findet ficb, vom Rücken gefeben, eine männliche figur, die ficb auf den 
Unken 6llbogen ftütjt und mit dem recbten Hrm eine nacb oben greifende 
Bewegung ausführt. Die figuren befinden ficb in reicher Candfchaft, mit 
Bäumen im Hintergründe; der ganje Vordergrund wird von dem Spiegel 
des ffleeres gebildet, in dem ficb Delphine tummeln. 6ori felbft interpretiert 
die 6emme als Darftellung der 6ärten des Oheanus. 

Ob Dannecker diefe 6emme oder den Kupferftich wirklich gefehen hat, 
läßt ficb freilich nicht beftimmt erweifen ; Skijjen oder Studien, welche einen 
näheren Huffcbluß darüber geben könnten, fanden lieb in dem Dacblaß nicht. 
Möglich ift ja, daß das einftmals erblickte Bild Hnregungskraft genug 
befaß, um die pbantafie des Künftlers noch nach 20 Jahren ju befruchten. 
Von mehr als einer Hnregung kann man natürlich nicht fprechen, denn die 
Danneckerfche 6ruppe ift ein in ficb derart gefchloffenes Kunftwerk, wie es 
nur die freiefte ffleifterfebaft des Genius erfchaffen konnte, während die 
Gemme eine konventionelle Weiterbildung überkommener formen ift. 

Die Kompofition der Dympbengruppe ift von fo untadeliger Reinheit, 
daß mit der geringften Henderung die Wirkung jerftört wäre. Die Gruppe 
ift ftreng reliefmäßig komponiert; bei größtem Bewegungsreichtum ordnet 
ficb die ganje fflaffe jwei einfachen parallel liegenden Grundflächen ein, wo- 
durch eine große Ruhe erzeugt wird. Jn genialer Weife hat der Künftler 
erreicht, daß man jwei I)auptanfichten erhält, von denen jede die andere an 
Schönheit ju übertreffen fcheint. Diefe Schönheit ift dabei von einem merk- 
würdigen Derv befeelt; der Htem fcheint höher ju gehen. Das Gewand 
ordnet ficb, bei liebevollftem ßaturftudium , vollftändig unter, belebt und 
retardiert den Rhythmus des Ganzen in wundervoller Weife. Das Cinien- 
gefühl, welches ficb in diefer herrlichen Kompofition offenbart, ift feither an 
feinbeit kaum wieder übertroffen worden. Wollte man nach einem ad- 
äquaten Beifpiel in der Kunft der Cöne Jüchen , fo ließe Heb nur an die 
Kantilene des göttlichen ffieifters Hmadeus denken. 

Die Hnalyfe macht I)alt vor folchen Werken, die, wie die jungfräu- 
liche Pallas, dem Raupte des Schöpfers entfprungen fcheinen. dnd doch 
verfenkt man fich gern in die Ginjelheiten, aus denen dies Ganje arebitek- 
tonifch gebaut ift — um wieder jum Ganjen jurückjukebren. 




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B 



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87 

Die 6ruppe wurde von Diftelbartb in koloffaler Größe in Keuper- 
fandftein ausgeführt (Hbb. 91); über die Zeit der Vollendung und der Huf- 
ftellung geben merkwürdigerweife fämtlicbe Quellen der Zeit keine Huskunft. 
1810 waren die Dympben nach einem Beriebt im fßorgenblatt noch nicht 
aufgehellt; auf einer Hnficbt des Sees und Scblofles im I)of- und Staats- 
halender 1811 find fie eingezeichnet, aber fo mangelhaft, daß der Verdacht 
naheliegt, der Zeichner habe das lebensgroße Modell aus Danneckers Htelier 
in die £andfcbaft bineinphantafiert. Mehrere andere Hbbildungen in der 
Kupferftichfammlung und der Candesbibliotbek in Stuttgart, teils mit, teils 
ohne ßympben , find fämtlicb undatiert und erlauben keine Schlüffe. Da 
Dannecker in feinem Bericht vom 9. Hovember 1816 über feine Hrbeiten die 
Dympben gar nicht erwähnt, fo wird deren Hufftellung etwa ins Jahr 1815 
fallen l ). 

Der Standort war damals ein anderer als der jetzige. Der ovale obere 
See der Hnlagen hatte einen kanalartigen Hnfatj, welcher nahe vor dem 
Mittelbau des rechten Scbloßflügels begann und das hier unter dem Schloß 
herftrömende Kläffer des furtbaebs, nach der Hrt des „ffliroir" in den fran- 
jöfifeben 6artenanlagen, in den eigentlichen See leitete. Hm Hnfang diefes 
Kanals, deffen Qfer nach dem Schloß ju fanft emporftiegen, ruhten als Krö- 
nung des 6anjen die Dympben , vom Schlöffe durch eine** breiten Cdcg 
gefebieden ; die geringe Breite des Kanals ermöglichte die bequeme Beficbti- 
gung von allen Seiten (Hbb. 94). Diefer Kanal wurde im frübling des 
Jahres 1839 zugefüllt, und die ßympbengruppe an den ovalen See felbft 
verfetjt 2 ) (Hbb. 95). Die beftimmte Orientierung jur Hrchitektur von 
Schloß und (Hafferanlagen ift auf diefe ödeife vernichtet; der 6efamteindruck 
erleidet vollends eine einbüße durch die Dacbbarfcbaft der Kopien nach 
Hntiken, welche in den fünfziger Jahren auf Befehl des Königs von dem 
Bildbauer I)ofer angefertigt wurden. Hber auch diefe zweifache Miß- 
handlung bat die ödirkung der herrlichen 6ruppe nicht ju jerftören ver- 
mocht; „wie ein Hkkord!" meinte Brabms — ein glücklicherer Husdruck 
läßt heb nicht finden. 



*) Zum er[tentnal erwähnt (als aufgestellt) werden fie 1817 von flßemminger. (Stuttgart 
und Cudwigsburg, S. 345.) 

2 ) Hhten des ßofmarfcballamts in Stuttgart. 



88 

eine reifende dekorative Statuette unter Lebensgröße, welche aus dem 
ftacblaß von Danneckers öditwe an das fflufeum der Bildenden Küntte in 
Stuttgart kam, dürfte hier anzureiben fem. (Hbb. 75/76.) 6inc kniende 
weibliche figur ftreut mit der boeberbobenen Rechten Blumen auf einen 
Hltar, welcher auf jwei Seiten die Refte einer Jnfcbrift und auf der dritten 
ein Relief mit fcbutjflebenden Kindern trägt. Die figur ift aus 6ips, das 
Gewand aus Stoff, das 6anje leider fehr befebädigt. Die feine mufikalifebe 
Kompofition weift teilweife eine entschiedene Verwandtfcbaft mit der Cidiefen- 
nympbe auf, ja ift ohne diefe kaum denkbar. 

Die Fjaltung des Oberkörpers mit dem bochgreifenden Hrm find wört- 
lich von der ßympbe übernommen. Der patbetifebe Schwung, mit welchem 
die Dympbe mit der Cinken das 6ewand an (ich jiebt, hat hier eine Um- 
bildung ins Hnmutig-Zierlicbe erfahren; man glaubt die freude ju feben, 
mit welcher der jugendliche Genius das blumengefüllte 6ewand aufnimmt. 
Hucb die volleren großen formen gehören in diefe Zeit. 

Hus den Reften der Jnfcbrift ergibt fich kein rechter Sinn, fo daß 
man nur auf Vermutungen angewiefen ift. Hm wabrfcbeinlicbften ift mir, 
daß Dannecker die figur jur I)ocbjeit des KupferTtecbers friedrieb flßüller 
mit Henriette Rapp gearbeitet bat. Henriette war eine Cocbter von I)ein- 
rikes Bruder 6ottlob, am 27. Januar 1792 geboren; der Vater hatte im 
Jahr 1803 falliert und ftarb um 1805 in Ungarn, worauf das junge flßädcben 
im I}aufe des Oheimes Dannecker erlogen wurde. „Jette" wird mehrmals 
in Danneckers Briefe erwähnt. Die I)och?eit fand am 15. Oktober 1811 ftatt. 
Das Datum „AM VIIten IULIUS", wie die Jnfcbrift befagt, fcheint der 
Hnnabme ju widerfprechen ; dasfelbe kann aber auch, wenn wirklich alt, 
den Verlobungstag bedeuten. 

Hus diefer glücklichften Schaffensjeit des ffieifters ftammt ein weiteres 
reifendes Qlerk, das leider nie im großen ausgeführt wurde. Jcb meine die 
kleine Ski^e des Delphins, welcher den Ceicbnam eines Knaben auf dem 
Rücken trägt 1 ). Die Kompofition gehört ju den beften des ffleifters, von 
geläutertem Schönbeitsgefühl und jener feinen Cyrik, die ein I)aupt?ug von 
Danneckers innerftem Cdefen war (Hbb. 78). 



») Dach plinius, Hisi. Nat. IX, 8. 



8 9 

für den am 3. flQärj 1809 geftorbenen Doktor 6melin, mit dem 1793 
Schiller in fyilbronn viel verkehrt hatte, modellierte Dannecker ein 6rab- 
relief, das [ich früher auf dem alten friedhof in P)eilbronn befand und 
1905 in der Sammlung des hiftorifchen Vereins dafelbft aufgeteilt wurde '). 
6s befteht aus Sandftein und ftellt eine weibliche figur dar, welche eine 
Hfchenurne an die Bruft drückt; ju beiden Seiten befindet fich ein Heskulap- 
ftab und ein Corbeerjweig. 6s ift nicht bezeichnet, aber die ürbeberfebaft 
Danneckers ift durch die feinheit der Hrbeit fichergeftellt. 

6in anderes Grabmal auf dem alten ^eilbronner Kirchhof, aus einem 
fcbmucklofen 6ranitfarkophag beftehend, war im vorhergehenden Jahre für 
den Rigaer Gdelmann peter Heinrich v. Blankenhagen im Danncckerfcb-en 
Htelier nach Hngaben der Cditwe bergeftellt worden 2 ). 

6nde ffiai 1809 hatte Dannecker nach Baden $u reifen, um die Hdoptiv- 
tochter ßapoleons, Stephanie Beaubarnais, welche feit 1806 mit dem 6rb- 
großberjog von Baden vermählt war, ju modellieren 3 ). Diefer Huftrag war 
jedenfalls vom König vermittelt, der ja auf jede ödeife füblung mit dem 
franjöfifcben I)ofe ju gewinnen fuchte. Dannecker ftieg in Karlsruhe im 
„Kreuj" ab; feine frau, welche fchon damals häufig leidend war, hatte er 
jurücklaffen muffen. Oefters war er mit Qleinbrenner, dem I)auptbaumeifter 
des 6roßherjogs, jufammen. — 

Die Büfte der 6roßherjogin wurde wohl in Baden modelliert. 6tne 
QQarmorausführung ift nicht bekannt geworden ; die Stuttgarter 6alerie be- 
fitjt das 6ipsmodell. Das feine Köpfchen jeigt einen außerordentlichen 
Ciebrei? (Hbb. 92). 

Gin kleines Medaillon, welches im februar 1812 nach diefer Büfte von 
dem Künftler verfertigt wurde 4 ), ift verfchollen. 



') paulus, Kunft- u. Hltertumsdcnkm. I, 260. 
2 ) ffiorgenblatt 1808, Dr. 262. 
s ) Hnbang Hr. 84—90. 

4 ) Gintrag in Danne&ers Htelierbucb (wobl von D. King) : 
D. 5. febr. 1812. Das kleine Medaillon von der Stefanie angefangen, den 19. f«b: auf- 
gebort ift mir ganj mißlungen u. neue vom I)errn profeffor muffen verfertigt werden, 
traurig für mich. 
D. 19. feb: 1812 I)trrn Prof: die kleine Stefanie angefangen und den 6 flßär? damit fertig 
geworden. 



90 

Die Büftc verfebaffte Dannecker von dem 6emabl Stepbanie's den 
weiteren Huftrag, den 1811 geftorbenen Großberjog Karl friedrieb $u model- 
lieren. Obwobl dem Künftler nur die Uotenmaske vorlag, febuf er doeb 
ein außerordentlich lebensvolles Cöerk, das leider febr unbeachtet in einem 
Debengange des Karlsruher Scbloffes ftebt (Hbb. 93). 

Jm I)erbft des Jahres 1810 befuebte Schillers Cöitwe mit ihren beiden 
Söhnen Karl und Grnft von Heidelberg aus für fünf Cage die Stuttgarter 
freunde 1 ). Sie wohnte bei Rapp und befuebte beinahe jeden Cag den freund 
des geliebten ffiannes. Zweimal beleuchtete er des Hbends die Kolloffal- 
büfte, ein Cieblingsbraucb, der fieb dem ffleifter noch von den römifchen 
Jahren erhalten hatte. Das großartige Kunftwerh fowie die innige Ver- 
ehrung und £iebe, welche der Künftler dem gefebiedenen freunde bewahrte, 
übten auf Cotte eine erfchütternde Gdirkung aus. „Der Hnblick von Schillers 
Büfte ift einjig," febreibt fie am 10. Oktober an Cbriftophine Reinwald; 
und „an Schillers Büfte ftärkte fieb mein 6emüt wieder, und ich bin froh 
diefen Gindruck in mir feft ?u halten. 6r ift fo menfeblicb, fo ähnlich und 
dabei fo erhaben über die Gleit und das Scbickfal, daß es einem ift, als 
fpräche fein 6eift uns noch fichtbar Croft und ffiut ju. — ödie Dannecker 
feinen freund liebt, ift fo rührend. Huch kann nur ein freund feinen freund 
fo bilden." 

Hn die prinjeffin Karoline Couife von Sacbfen-GKeimar febrieb fie 2 ): 

„. . . Heb wie ift die Büfte fo einzig! öBie groß und fchön über Kielt 
und Zeit ftebt fie da! Diefer Gindruck foll mir noch wohl tbun, wenn 
ich den Grinnerungen der Cdelt nach und nach Cebewobl fage. So kann 
aber nur ein freund feinen freund bilden ! Hlle kleinen Züge find aus- 
geführt, alle Cheile des 6eficbts, fogar die Hder an der Stirne. Das 
Kleinfte ift nicht vergeffen, und doch ift der Gindruck fo groß, daß man 
nur die große form hebt. 

Dannecker felbft hat mir erftaunlicb wohl gemacht. Gr ift eine reine 
kindliche Datur, in der Hrt wie Oeblenfcbläger, fo in feiner Produktivität 
reich, fo kräftig, geiftvoll und fo liebenswürdig im Ceben. Der 6edanke 
an ihn ift mir eine tröftende Grinnerung. . . ." 



') Charlotte v. Schüler und ihre freunde (ürlichs). I, S. 368. 
*) ebenda, I, 546. 




92 



6rofjber?ogin Stephanie von Baden 



1800 




93 



Grofjberjog Karl frUdricb von Baden 



1811 



91 

Hebnlicb hatte fcbon zwei Jahre früher der jüngere Voß, der damals 
öfters von Heidelberg aus den Künftler befuebte, an £otte gefebrieben '). 
„einen entbufiaftifebern freund bat Schiller nicht gehabt als den 
Dannecher; dem ftehen die hellen Cränen in den Hugen, wenn er von 
Schiller redet." 

eine hübfehe Schilderung gibt Voß dann von der Perfön liebheit des 
ffleifters. „Hber welch eine freundliche 6rfcbeinung ift der Dannecher; wie 
habe ich mich an feinem fcharfen Huge ergötzt, und an feinem lieblichen 
Güefen, das ich nur mit dem febwäbifeben Husdruch herzig ju bezeichnen 
weiß. Ja, er ift ein recht herziger QQenfcb, dem ich durch und durch gut 
bin. fflir merkte er es bald an, wie ich Schiller liebte und verehrte, und 
darum ift er mir auch ein wenig gut geworden. Huch in dem biederen 
I)aug habe ich einen warmen freund Schillers gefunden. Der ift ein recht 
treuherziger und im Umgänge liebenswürdiger Mann, wiewohl ich ihn an 
feinheit und Zartheit nicht mit Danncchern vergleichen kann." 

Hls echter Künftler hielt es Dannecker überhaupt mit der Jugend. Da 
feiner Gattin der Kinderfegen verjagt geblieben war, wandte er feine ganze 
Ciebe der zahlreichen familie des Schwagers zu 2 ); herzlich freute er heb, 
wenn er im Htelier befucht wurde, häufiger 6aft bis ju feinem Hbgang 
auf die Cübinger Qniverfität (1809) war 6uftav Schwab, deffen flQutter 
eine ältere Schwefter I)einrikes war. Dannecker war dem Jüngling befon- 
ders zugetan; in einem fpäteren Stammbuch des Dichters 3 ) finden lieb auch 
von Danneckers I)and die Gftorte: 

„Cieber 6uftav! Vom erften Morgen Deines 6rwacbens liebte ich 
Dich, und wird bis an fein 6nde Dich lieben Dein Oheim Dannecker 
1833 d. 2. Hpril" 

Hls Schwab im frühling 1815 mit Cempp feine Reife nach ßorddeutfeh- 
land antrat, rüftete ihn Dannecker mit einem Gmpfeblungsfcbreiben an 
6oethe aus 4 ), der die beiden auch freundlich empfing. Schwab fchrieb 



1 ) Charlotte v. Schiller und ihre freunde. III, 241 f. 

2 ) Klüpfel, 6uftav Schwabs Eeben. S. 17 f. 

3 ) Jm Bei. d. Snkcls, Olirkl. Staatsrats v. Schwab in Stuttgart, dem ich auch die 
frdt. Mitteilung verdanke. 

4 ) S. Hnbang Dr. 120. Die jfabresjabl 1814 ilt vertrieben für 1815. 



92 

fpäter in die achte Huflage von Brockbaus' Konversationslexikon den Hrtikel 
„Dannecker", verfaßte auch Danneckers ßekrolog in der Scbwäbifcben Chronik 
(1841, S. 1409 ff.). 

Diefe Jahre waren für den ffleifter die arbeitsreichften ; namentlich die 
Hnjahl der Porträts, worunter heb wieder vorzügliche befinden, ift groß. — 
1810 modellierte er den kleinen Bringen Karl Paul friedrieb, Sohn des 
Prinzen Paul, woju wenige Jahre fpäter das Schweftercben des Prinzen, die 
prinjeffin Pauline, fpätere F)erjogin von ßaffau, kam (Hbb. 107/108). Jm 
fflärz des Jahres 1811 entftand eine Büfte des Kronprinzen, welcher zehnmal 
jur Sitzung kam ; die fflarmorausfübrung wurde im darauffolgenden Cdinter 
vollendet (Hbb. 112). Das intelligente 6eficht ift fehr lebendig gegeben, da- 
gegen febeint das ftark gelockte F)aar des Prinzen in der ftilifier enden Hrt 
unleres ffleifters etwas verquält ! ). 

Defto beffer gelungen ift das Porträt der Schwefter des Kronprinzen, 
der Königin Katbarina von ödeftfalen, das ebenfalls 1811 vollendet wurde 2 ) 
(Hbb. 115). 6s febeint in Bad Ceinad") modelliert worden ju fein; Katba- 
rina febrieb von dort am 8. Huguft 1808 an ihren Vater, den König 
friedrieb 3 ): 

,J'ai une grande priere ä vous faire, mon eher pere; je desirerais 
que vous eussiez la bonte de me permettre de faire venir ici Dannecker 
pour commencer mon buste, que je desirerais donner au roi pour le 
15 de novembre, ä l'anniversaire de sa naissance; s'il venait bientöt ici, 
j'espere qu'il aurait le temps de Tachever. Veuillez donc me dire si je 
puis le faire venir?" 

Die fflarmorausfübrung diefer Büfte, in welcher königliche Haltung 
heb mit dem Husdruck der herzensgute in liebenswürdiger Cdeife vereinigt, 
wanderte an den I)of Jeromes nach Kaffel, wo fie jetzt zufammen mit den 
anderen ßapoleoniden im fflufeum aufgehellt ift 4 ). 



') Diele Bütte wurde aueb in Bronje gegoflen und auf eine marmorne Standuhr auf- 
gefegt. Das Stüd? kam aus dem Dacblafj der Königin Charlotte ffiatbilde in den Betit? der 
Kaulla'fcben familie (jet?iger Befit?er I)err 6eh. ßofrat 6d. von Kautla-Stuttgart). 

2 ) Brief von flklcbior an S. Boifferee („S. Boifferee", I, 146). 

') Scblofebcrger, Bricfvc. d. Königin Katbarina mit König friedrieb. I, 160. 

4 ) 6ipsabgufj im Refidenjfcblofj in Stuttgart. 



93 

eine reijende Büfte aus derfelben Zeit ift die der 6emablin des da- 
maligen ruffifeben 6e[andten, freifrau v. Hlopäus (Hbb. 116). 

Zwei Koloffalbüften für den Kronprinzen von Bayern, friedrieb der Sieg- 
reiche von der pfal?, und 6luck, [ind dagegen wenig erfreulieb; fie waren für 
die ju errichtende Cdalballa beftimmt. für die erftere legte Dannecker eine 
CQaske jugrunde, welche von dem Kopf einer Statue auf dem Heidelberger 
Schloß abgeformt war. Die Büfte fand offenbar nicht den Beifall des 
Prinzen; wenigftens kam fie nicht in die ödalballa. I)eute ftebt fie in der 
CQüncbner Glyptothek (Hbb. 103). 

für den 6luck diente die I)oudonfcbe Büfte als Vorlage. Der Ver- 
gleich der beiden (öerke fällt febr juungunften Danneckers aus, welcher der 
genialen Realiftik des franjofen hier nicht gewachfen war. Die natura- 
liftifcbe Cdiedergabe der Pocken ift unterdrückt; die I)aare find ängftlicb an- 
geklebt. Das ganje Hntlit? bat trotj der übernommenen lebhaften Bewegung 
etwas Verfteinertes. Die Büfte ftebt in der (jßalballa (Hbb. 104). 

CQan wäre verfucht, diefe beiden Koloffalbüften als Hrbeiten Diftel- 
barths ju betrachten, wenn nicht aus dem Htelierbuch klar hervorginge, daß 
der CQeifter die CQodelle felbft vollendete und nur die CQarmorvorarbeiten 
den Gehilfen überließ. Diefe beiden Büften find rafcb und mit offenbarer 
Qnluft gearbeitet. 

6in kleines Kinderporträt aus gebranntem Con im Danneckerkabinett 
in Stuttgart ift nicht mit Sicherheit ju identifizieren. (Hbb. 110). Jn Dan- 
neckers Htelierbuch ift eingetragen : 

„V. 2. OQärj bis d. 24. CQärj 1812 das Kind vom I). v. CQögling 
modelliert. 

V. ii. bis d. 16. Juny repariert, d. 19. Juny abgeben." 

Slie mir Fjerr Ölolfgang von CQögling in Stuttgart, der 6nkel des 
genannten Cegationsrats von CQögling mitteilt, ift die Heimlichkeit des 
Kinderköpfcbens mit feinem 6roßvater eine gan? auffallende, fo daß die 
Kombination jenes Köpfchens mit dem (verfcbollenen) Porträt des CQögling- 
feben Kindes viel für fieb bat. Die puttenflügelcben deuten an, daß es fich 
um ein frübverftorbenes Kind bandelt, wodurch fich auch der CQangel an 
jeder Tradition erklären würde. — Jener 6ipsabguß ift verloren gegangen. 

ein weiteres Porträt aus diefem Jahr der Büften ift das des Prinjen 



94 

Paul, des jüngften Sohnes von König friedrieb '). Der Verbleib diefer 
Bütte war nirgends feftjuftellen. 

Der alte Jugendfreund Scbarffenftein, welcher feit 1810 den Gouverneurs- 
poften in I)eilbronn bekleidete und alsbald unfern Künftler auffuebte, war 
mit diefer Porträtkunft gar nicht einverftanden. Jn feiner prachtvoll ge- 
funden Steife fchrieb er ihm 2 ) : 

„Doch eins, ich habe dich nicht betrüben wollen, aber jetjt muß es 
heraus: „Dein vieles Portrattieren ärgert mich. Cderden dich denn die fflolch- 
köpfe auf die nachweit bringen, wenn du fonften nichts gemacht hätteft? 
6s ift profanation der Skulptur, wenn fich unbedeutende Vornehme oder 
reiche Cropfen und er^gemeine Gelichter fo haben wollen; diefe miferablen 
Ggoiften follen fich in Gips, in ödaebs mit I}aut und I)aar abformen und 
den Guß anftreichen laffen, das fieht ja noch viel gleicher. Büften deiner 
I)and gehören dem Jdeal oder unterblieben fflenfeben." 

Dannecker antwortete darauf: „6s geht mir wie dir, wenn befonders 
kein Jntereffe als ein glattes Geficht heraus flehet, und doch muffen fie 
gemacht werden. — 6s hat fein eigenes Jntereffe, das mich, wie du von 
mir glauben wirft, nicht befonders anjieb-t." 

Diefe Zeilen find für die Hrt, wie Dannecker über das Bildnis dachte, 
fehr bezeichnend. Die bloße Kliedergabe der ßaturerfcheinung fagt ihm 
nichts; fie ift ihm technifche Virtuofität im üblen Sinne. Das muß man 
ins Huge faffen, um feiner porträtkunft gerecht ju werden. Jm prinjip 
fucht er die kleinen Zufälligkeiten $u unterdrücken, das einzelne ju typifieren. 
Jn außerordentlicher Cdeife find ftets die Details dem Ganjen untergeordnet; 
das feine formen- und fläcbenfpiel entpuppt fich erft bei näherer Betrach- 
tung. Das primäre ift ihm ftets die form, im Clnterfchied ju I)oudon, 
welcher erft von der geiftigen Jndividualität des Dargeftellten ?ur form 
fortjufchreiten fcheint. Hlle malerifchen Hilfsmittel werden ftreng aus- 



1 ) eintrag im Htelierbucb (Pjacblaf? H): 

D. 23. ffiai 1812 I)r: Profejfor das Portrait vom Prin? Paul angefangen den 6*«n July 

aufgebort, und d. 7. geformt, bis 16. July daran repariert. 

S. K. B. harnen 11 mal, jujammen 16. Stund. 
D. J. Dec. 1812 I)r: Profeffor am Prin? paul repariert bis d. 8. Dec. S. K. I). ift noch 

3 mal gekommen. 

2 ) S. Hnbang lir. 100. 




94 



Oberer Hnlagenfee in Stuttgart mit Klailer- und KUetennympbe 



bis 1839 




95 



peutige Hufftellung der CQaj(er- und (üiefennympbe 



1909 




Brunnen-ftympbe 



1010—17 



95 

gefcbieden. Die fcbwäcbften Partien an Danneckers Büften find meift die 
I)aare; da ihm bei feiner bedäcbtig-langfamen Hrt der kühne Slurf Scbadows 
oder I)oudons fehlte, fo half er fieb bei diefem für den Bildbauer fo ver- 
fänglichen 6ebiet mit einer Stilifierung, die fich ziemlich bewußt an die 
Hntike anlehnt. Manchmal, wie bei Schiller und bei mehreren der frauen- 
porträts, gelingt es in hervorragender Gleite; manchmal aber wirkt der 
forgfältig jifelierte Cockenfchmuck akademifch und nüchtern. Das fflotiv ju 
diefer I)aarftilifierung ift unftreitig die Hbficbt, die ftruktiven formen des 
Schädels klar herauszubringen, und in diefer I)inficbt leiften die Dannecker- 
fchen Köpfe alle hervorragendes. 

Glas die Jndividualifierung betrifft, fo tritt Dannecker feinem 6egen- 
ftand mit einer gewiffen Zurückhaltung entgegen; das Objekt gebt durch 
das klärende Medium feiner Künftlerfchaft hindurch, er idealifiert, „ohne 
Pbrafen $u machen". 

Seiner ganzen ßatur entfprechend, war Dannecker befonders befähigt, 
den Rei? weiblicher Hnmut ?u empfinden, und auf diefem 6ebiet dürfte er 
kaum wieder übertroffen worden fein. 5die fo ein Kopf auf dem I)als 
fitjt, wie der I)alsanfat? gegeben ift, wie das Gmpiregewand in einfachen 
falten Bruft und Schultern umfpielt — das ift alles von feinftem Künftler- 
geift. eine Hrt lionardeskes Cächeln fcheint die Cippen ju umfpielen, von 
unendlichem Charme. 

Die hübfehe Definition, welche Schadow von der Kunft des weiblichen 
Bildniffes gibt, fcheint wie auf Dannecker gemünjt ju fein ') : 

. . . „Gleiblicbe Büften find eine der fchwerften Hufgaben der Kunft; 
diefe ju löfen, habe ich mir immer unglaubliche fflübe gegeben. Heimlich- 
keit mit Hnmut ?u vereinigen, in einen Moment den Reij jufammen- 
jufaffen, der im Ceben durch das befeelte Bewegte, ffiannichfaltige unendlich 
vieler Momente liegt, erfordert ein jartes Kunftgefühl und einen, möchte ich 
faft fagen, an Cift grenzenden Beobachtungsgeift." — 

Cdic alles, was den 6ffekt meidet, fetjt die Danneckerfche porträtkunft 
jur richtigen Glürdigung einen höheren 6rad von künftlerifcher Kultur voraus. 
Sie ift verfchloffen und tiefgründig — wie die fiatur des Schwaben überhaupt. 



') 6ottfr. Scbadow, Hupt?», berausgeg. von friedlänckr. S. 62. 



9 6 



$. Hmor, Vollendung der Hriadne. Brunnennympbe. 

Der König beftellte I)erbft 1810 eine fflarmorftatuette des Hmor „Hlter 
11 Jahr, der in einer I)and den Bogen, in der andern den Pfeil unter fieb 
hält und unter lieb fiebt". Der Künftler war dureb die Huf gäbe in große 
Verlegenheit gefetjt, vermutete eine Hnfpielung auf jemand aus der Um- 
gebung des Königs und ging mißmutig an diefe Hrbeit, welche ihm die 
Kunft ju entweihen febien. 6r vollendete das Modell während des ödin- 
ters; QQitte Juni 1811 war der erfte Hbguß jifeliert. 

unzufrieden mit fieb ließ Dannecker die Hrbeit ein halbes Jahr liegen 
und beftellte erft im Dovember ffiarmor aus Carrara, der im frübling des 
folgenden Jahres eintraf. Qnterdeffen fann er bin und her, wie er der 
figur einen anderen Sinn unterlegen könnte, ohne der Beftellung untreu ju 
werden. Schließlich verfiel er auf einen 6edanken, der möglicherweife von 
Rapp infpiriert war, nämlich einen Hmor darjuftellen, der von Pfycbe mit 
dem glühenden Oeltropfen verwundet und dadurch geläutert ift. „Seine 
Verwundung auf dem Schulterblatt ift ein herrlicher Sinn , hier fitjt der 
flügel, nun ift er nicht mehr fo volage, fondern ein göttlich reiner Hmor." 

Scharffenftein opponierte heftig gegen diefe Symbolik 1 ); er wies auf 
die naive Darftellung von Hmor und Pfycbe in der Hntike hin und prophe- 
zeite mit Recht, daß die figur nicht das ausfpreeben können werde, was in 
ihr gedacht fei. Seine äftbetifeben einwände verraten das Studium des 
„Caokoon" und der „Propyläen". 

„Ob von dem gelähmten flügel, der jwar ausfpriebt daß Hmor nicht 
mehr volage, aber vielleicht malgre lui feyn kann, fogleicb auf einen gött- 
lich gereinigten Hmor wie in deiner Befchreibung gefprungen werden kann? 
Ob nicht diefer fijende flügel für den, der die fabel nicht weis, eher einer 
pbififeben Verlegung (welches unäfthetifcb wäre) gleich hebet, als daß er 
einen geiftigen 6edanken ausfpreeben foll? Ob diefer fijende flügel der 
Harmonie des 6anjen nicht febade?" — 

Dannecker ließ darauf die flügel weg, behielt aber dennoch den fym- 
bolifierenden Grundgedanken der Läuterung bei 2 ). Jn diefem febwärmerifeben 



1 ) Hnbang Dr. 104. 

2 ) Dies gebt aus einem Hrtikel von Scborn im Kunltblatt (17. De?. 1821) bervor. 



97 

reflektierenden Zug jeigt [ich Dannecker recht als Kind feiner Zeit, die von 
der krafterfüllten Hntike nicht nur durch die Jahrhunderte gefebieden war; 
es ift fcbließlicb doch nichts anderes als eine höhere Hrt Jmpotenj, der 
Husdruck einer Datur, welcher die Kraft der naiven Sinnlichkeit abgeht. 
Und in bejug auf das ftark gedankliche Moment ift der Hmor bereits ein 
Vorbote der fpäteren großen religiöfen Hrbeiten. 

Scbarffenftein fühlte fich verletzt, daß Dannecker auf feine Kritik nicht 
antwortete, und äußerte dies auch Cempp gegenüber. Dannecker entschuldigte 
fich bei dem letzteren mit Schreibfaulheit, allein der leidenfchaftlicbe Scbarffen- 
ftein hielt an feiner Hnficht feft, daß der Künftler durch Cobhudler ver- 
wöhnt fei und keine Kritik vertragen könne. Qnd wenn dies auch in ge- 
wiffer Göeife der fall gewefen fein mag, fo kann man nichts beffer ver- 
geben. Dannecker befand fich auf der I)öhe des Ruhms; er wurde von 
neugierigen fremden überlaufen und mochte die „Kunftkenner" manchmal 
reichlich fatt haben; und dann jeige man mir einen fall, wo der fchaffende 
Künftler auf die Dauer mit dem „Heftbeten" fympathifiert hätte! 

Die fflarmorarbeit wurde laut Gintrag im Htelierbuch am 14. Juli 1812 
begonnen; fie fchritt wegen der anderen öderke, die der ffleifter unter dem 
(Geißel hatte, langfam vorwärts und wurde erft I)erbft 1815 vollendet 
(Hbb. 105). Die Statuette follte urfprünglich in einem von Chouret erbauten 
Rundtempel auf einer Jnfel des kleinen Sees in DQonrepos aufgeteilt 
werden, fand jedoch der befferen Beleuchtung halber einen plat? im Stutt- 
garter Rehdenjfcbloffe. Später wanderte fie nach dem Cuftfchloffe Rofenftein 
und befindet fich nunmehr im Cüilhelmspalaft in Stuttgart. 

Jn fflonrepos wurde ein Gipsabguß aufgeteilt. „Huf beiden Seiten 
ftehen die lieblichen Kinder, wovon das eine ein Vogelneft, das andere 
einen jappelnden Vogel in der I)and hält 1 )." Von diefen beiden figürchen 
oder Reliefs ift nichts erhalten. Zu fußen des Hmor war der Voltaire'fche 
Vers angebracht: 

„Mörtel quelque tu sois, vois ton maitre, 
II Test, le fut, ou doit l'etre." 

Hrmer Künftler! 



') fflemminger, Stuttgart und Cudwigsburg 1817. S. 449. 



9 8 

6in anderer 6ipsabguß harn in das Cudwigsburger Schloß und wurde 
auf Hllerböcbften Befehl mit einer kindifcben Draperie hoffähig gemacht. 

formal greift das fflotiv des Hmor auf eines der früheften derhe 
des ffleifters zurück, den Bacchus von 1788; beide figuren jeigen eine bei- 
nahe vollftändige üebereinftimmung der Stellung. Der Vergleich ift inter- 
effant. Gemeinfam haben beide die äußerft weiche formengebung; der 
Bacchus übertrifft darin noch das fpätere CCTerk und erfcheint faft weibifch. 
Der Hmor ift bewußter gegliedert, jeigt auch eine viel feinere Bewegung und 
Durchbildung der Stilifierung. Hlles in allem genommen, ift diefe Statue 
bei aller feinheit nicht befonders originell und jeigt, daß der ffleifter den 
eigentlichen Höhepunkt feiner Gntwicklung bereits überfcbritten hat. Damals 
jedoch wurde die figur außerordentlich bewundert; I)aug widmete ihr 
mehrere 6edichte im fflorgenblatt. 1812 war das Gipsmodell auf der erften 
Kunftausftellung ausgeftellt, jufammen mit dem koloffalen Schiller und den 
Büften des Kronprinzen und der frau von Hlopäus. 

Diefe erfte Husftellung dauerte vom 1. fflai bis 15. Juni; dabei waren 
die bildenden Künfte mit den Grjeugniffen der Profeffioniften und Hand- 
werker vereinigt, ödir find über die ausgeftellten Kunftwerke aufs genauefte 
durch einen eingehenden Bericht Rapps im ffiorgenblatt unterrichtet : ). einen 
Hauptanziehungspunkt bildete Schicks „Hpoll unter den Hi Tteri " ! der un- 
glückliche ffleifter konnte jedoch den Criumph nicht mehr genießen, denn bald 
nach feiner Rückkehr von Rom bannte ihn eine Grweiterung der IJerjfcblag- 
ader an das Krankenbett, von dem ihn am 7. fflai 1812 der Cod erlöfte. 

Hm 21. ßovember 1811 trat bei Dannecker ein junger Schüler ein, 
Hamens Johann ßepomuk Zwerger (28. Hpril 1796 in Donauefchingen ge- 
boren). Vom nächften Jahre an kam dazu noch der 12jährige Cbeodor 
ölagner 2 ), der ältefte Sohn des ffledailleurs Johann Cudwig ölagner, von 
dem Schick einmal in feinen Briefen fpricht. Dannecker ließ ihn juerft jwei 
Jahre bei fich jeichnen und modellieren und nahm ihn dann ganz als 
Schüler auf; er gewann den fleißigen Jungen bald lieb, und das Verhältnis 
wurde mit der Zeit ein fehr herzliches. Cdagner, der Zwerger an Begabung 
unftreitig überlegen war, zeichnete fehr gut und unterftützte bald feinen Eehrer 

») Vgl. Bad), Stuttgarter Kunft 1794—1860. S. 151 ff. 
2 ) Olintterlin, CClürtt. Künftlcr. $. 308 ff. 



99 

beim Unterricht im Hntikenfaal. Dannecker feinerfeits protegierte in der 
folge feinen ölagner auf jede ödeife. 6in weiterer Schüler war Cudwig 
ffiack, Sohn des I)offtukkators, geb. 1799; er kam, nachdem er von feinem 
Vater die technifchen Hnfangsgründe erlernt hatte, in Danneckers Htelier. 

Die begabteften unter allen Zöglingen des ffleifters waren entfcbieden 
Konrad Cdeitbrecht : ) und Johann Jakob Oechslin. 

Cd ei t brecht war am 24. ffiai 1796 ju Grnsbach am Kocher als 
Sohn eines I)utmachers geboren. tlexküll erkannte die große Begabung 
des Knaben und brachte ihn 1813 ju Dannecker, um ihn als ffialer aus- 
bilden ju laffen. Schon nach Verlauf eines Jahres, alfo wohl etwas ju 
früh, fchickte ihn üexküll nach florenj; die von hier beimgefandten Hrbeiten 
entfpracben jedoch den Grwartungen nicht, und 1817 kehrte der junge 
Künftler, von diefem erften Schiffbruch jiemlich jerfcbmettert, in die I)eimat 
jurück. Jm darauffolgenden Jahr fand er eine Hnftellung als Graveur- 
lehrling in dem Silberwarengefchäft von Peter Bruckmann in I)eilbronn, 
wo er durch feine reifenden Hrbeiten rafch Huffehen machte. Bald vertraut 
in der familie feines Chefs, machte ödeitbrecbt zahlreiche kleine Kinder- 
ftudien, die feiner Begabung am beften lagen. Huf Juftinus Kerners Ver- 
mittlung wurde er im Jahre 1824 in Klaff eralfin gen als Jnfpektor und Mo- 
delleur an der 6ifengießerei angeftellt, wo er eine reiche Cätigkeit auf 
dekorativem Gebiet entfaltete. I)ier vollendete er auch 1828 den Relieffries 
der vier Jahrcsjeiten für das königliche Cuftfchloß Rofenftein, welcher den 
lebhaften Beifall des Königs fand und ihm ein beinahe dreijähriges Reife- 
ftipendium nach Rom und ßeapel aus der königlichen privatkaffe ver- 
fchaffte. Dach feiner Rückkehr (1830) wurde er als Profeffor und ^auptlehrer 
für Ornamentik an der neuen Gewerbe- und Kunftfcbule in Stuttgart an- 
geftellt. Gin langes unheilbares Bruftleiden raffte den erft Vierzigjährigen 
am 15. Juli 1836 hinweg. 

C&eitbrecbts Zeichnungen und befonders feine flüchtigen Skijjen (Ori- 
ginalentwürfe jum Rofenfteinfries im Befitje von frl. ffl. Reuß-Stuttgart) 
jeigen die mübelofe Cetcbtigkeit feines Schaffens; mit winjigen Hndeutungen 
ift hier eine erftaunliche fülle von Bewegung, Husdruck und Cinienjauber 

') C. GleitTcr im Staatsanjeiger f. CClürtt. 1862, S. 2064 u. 2095. — f. fflayer, 
£ebens|hi|je KIntbreAts (Stuttgart 1877). 



100 

gegeben. Die Husfübrung im Großen bleibt hinter diefen embryonalen 
Skijjen jurück. Cdeitbrecbt ift auch in dem unzureichenden Kunftelement 
(Württembergs verkümmert. 

Johann Jakob Oechslin 1 ), am 19. februar 1802 ?u Schaffhaulen ge- 
boren, kam 1821 ju Dannecker, bei dem er bis 1823 blieb, unter anderem 
kopierte er auch die lebensgroße Scbillerbüfte. Dach längerem Studium in 
Rom und München kehrte Oechslin um 1827 nach Stuttgart jurück, wo er 
als Gehilfe Diftelbartbs unterkam. Sehr lange hielt er es in diefer unter- 
geordneten Stellung nicht aus; 1833 febeint er wieder nach feinem Fjeimatland 
jurückgekehrt ju fein ; er ftarb am 28. Hpril 1873 in Schaffhaufen, wo fich in 
der Sammlung des Kunftvereins eine größere Hnjabl feiner Hrbeiten befindet. 

Oechslin, der immer jwifchen Malerei und Plaftik fchwankte, ift eine 
intereffante Berfönlicbkeit, ein echter Schweizer, der fich feine ftarke 6igen- 
art fremden Ginflüffen gegenüber ju wahren verftand. Huch er hatte die 
Hntike ftudiert, fie aber kräftig verarbeitet ; manchmal ift auch Cborwaldfens 
Ginfluß ?u fpüren. Ganj er felbft ift er auf reaUftifcbem 6ebiet. fflit einem 
ausgefprochenen Sinn für die ödirklichkeit verbindet er einen knorrigen, 
urwücbfigen I)umor, der fich befonders in köftlichen Karikaturen offenbart. 
Sein Können war, namentlich auf jeichnerif ehern 6ebiet, ein großes. Von 
„Dannecker-Schule" läßt fich bei Oechslin allerdings kaum mehr fprechen. 

Hnjufchließen ift hier noch ein weiterer Schweizer, Heinrich ffiax Jmhof 
(geb. 14. fflai 1798 in Bürglen), der 1820 auf vier Jahre in Danneckers Htelier 
eintrat. 6r arbeitete jwei kleine fflarmorreliefs von Dannecker und feiner 
Gattin, welche fich nicht durch fehr große Heb-nlicbkeit auszeichnen. 1824 ging 
er nach Rom ju Chorwaldfen, ju deffen Kunftweife er fich bald vollftändig 
bekannte, und fand fpäter Verwendung bei ßeubauten und der Reftauration 
alter Kunftwerke in Hthen. 6r ftarb am 7. fflai 1869 in Rom. 

Zwerger ging bereits 1820 ju Chorwaldfen 2 ), ÖQack 1822 für kurje Zeit 



') Vogler, Der flßaler und Bildbauer J. J. Oechslin aus Schaffhaulen. 13./14. Scbaff- 
baufer Deujabrsblatt 1905/6. 

*) Zwerger kehrte 1830 nach Stuttgart jurüch, wo er fich mit Sophie Klagner, der 
älteften Schwefter Cheodors, verheiratete, und wurde darauf ?um Drofeffor am ttädtifeben Jn- 
ftitut in Frankfurt ernannt. 6r fertigte unter mehreren Porträtbüften eine folche von 
X Heinrich Vofj, arbeitete auch vermiedenes figürliche für Frankfurt (Börfenpalaft, friedbof). 
6r ftarb am 26. Juni 1868 in Cannftatt und wurde auf dem dffkircbbof daf. begraben. 





97 



6raf von Zeppelin 1803 



6raf v. Caubenbeim 1806-8 





99 Srjbcrjog Karl von Ocftcrreicb 1797 100 fürft ffletternieb 1814 





freiberr von üeuratb 1818 102 6eneral von Bcnckcndorff 1821 





103 



61u* 



18)2 



104 friedrieb der Siegreiche 1812 



101 

nach Dresden an die Kunftakademie, Glagner 1823 ebenfalls nach Rom. 
Dannecker legte bei all feinen Schülern, nachdem einmal die Hnfangsgründe 
„faßen", Cdcrt darauf, daß fie herauskamen, um den Künftler und nament- 
lich den ffienfcben freier auszubilden; hatte er doch felbft draußen feine 
öliedergeburt erlebt, „fich felbft gefunden", wie man heute ju fagen pflegt, 
ffian riebt, wie febr der ffieifter für das Slohl feiner Schüler beforgt war, 
obwohl ihm doch auch daran liegen mußte, fich am Blatte felbft einen 
jungen nachwuchs heranzuziehen. 



Mehrere kleinere öderhe und entwürfe fallen in diefe reichbewegte Zeit. 

Das mehrfach erwähnte, von dem Schüler Dominik King geführte 
Htelierbuch enthält in fchönftem Schwäbifch folgenden Vermerk: 

D. 24. ßov. 1812. Sind des I). profeffors nach ffiannheim abgereißt. 
6s war recht fchön ödetter aber kalt. 

Der Zweck der kleinen Reife, welche Dannecker mit feiner frau machte, 
geht aus einem Briefe Scharffenfteins an üxküll hervor. 6r fchreibt Hnfang 
Dejember aus J)eilbronn ') : 

„Dannecker paffierte vor einigen Cagen hier durch nach Mannheim. 
Dort foll er ein 6rabmal entwerfen, und wie er fagt, ein flottes. 6s ift 
beftimmt für einen 6rafen ffiontperny von der CQvttwe. Diefer ffiontperny, 
wie mir Dannecker fagte, war ein parvenu aus dem niedrigften Stande, der 
fich durch Ginfübrung des Cotto jum 6rafen und ju fehr großem Vermögen 
pouffierte. Glenn dem fo ift, ein 6rabmal welche freche Zeichnung der 
fflenfehbeit! Un hopital, Madame!" 

Ob das 6rabmal wirklich ausgeführt wurde, war nicht ju ermitteln; 
in CQannheim felbft und auch fonft fehlt jede Spur. 

6nde desfelben Jahres erhielt Dannecker durch ein fräulein von der 
£eyen in Krefeld den Huftrag 2 ), ein Dorträtrelief des verftorbenen Doktors 
von Dempelfurt 3 ) ju modellieren, woju ein Bild jur Verfügung gc- 
ftellt wurde. 



*) ßartmann, Schillers Jugendfreunde. S. 170. 
') nacblafc H. 

8 ) Jobann Gottbard Cor. von pempelfurt, geb. 8. III. 1734, geft. 4. III. 1812 in Kre- 
feld, bocbgefcbätjter Hr?t und Qlobltäter der Hrmen. 



102 

Das Htelierbucb verzeichnet: 

D. 9. Dec. I)at der I): Profeflor das ffledaillon von dem berühmten 
1812 Doctor v. pempelfurt nach Creffeld ju modellieren an- 
gefangen. 

D. 28. Dec. gan? fertig geworden in Gips. 

Die Husführung in karrarifcbem fflarmor wurde während des nächften 
Jahres vollendet und am 6. februar 1814 nach Krefeld abgefch-ickt; die Grab- 
platte mit dem ffledaillon fteht in der Reformierten Kirche (Hbb. 23). 

Bald nach der Schlacht bei £eip?ig faßte Dannecker im erften 6ntbu- 
fiasmus den plan ju einem Siegesdenkmal und ließ im ßovember durch 
ffletternich den verbündeten fflonarchen einen 6ntwurf vorlegen. Später 
brachte Rapp einen Huftat? im fflorgenblatt ') : „Qlird Deutfchland nicht 
auch Denkmale feiner neueften wichtigen Zeit erhalten?" Dem Cext war ein 
Kupfer beigegeben (Hbb. 81). Die ausführliche Befchreibung, die Rapp gibt, 
und die Hbbildung laffen es nicht bedauern, daß der Plan nicht ?ur Hus- 
führung kam. 6s wäre ein Uterarifcb-klaffijiftifcbes Denkmal fcblimmfter 
Hrt geworden. 

„Huf einem weiten ebenen Plat? erhebt lieb eine breite 6rböhung von 
fünf Stufen. Jn der fflitte fteht ein piedeftal und auf demfelben eine 
Gbrenfäule. Hlles diefes ift von Granit. Huf der Säule fteht eine männ- 
liche figur in der reichften Cebensfülle, mit einer Cöwenhaut bekleidet: 
£inks ftütjt fie fich auf ?ufammengebundene Stäbe und in der Rechten hält 
fie ein Schwert und den Oeljweig. Sie ift das Symbol der Kraft, die durch 
6inigkeit und Gdaffentbaten den frieden erkämpft hat. Der Knauf der 
Säule ift mit einem Sternenkran? umgeben, tinter diefem fieht man die 
Bildniffe der hohen Verbündeten in halberhabener Hrbeit. 

Dann folgen die Jnfcbriften, welche in gedrängter Kürje die Gefchichte 
unferer merkwürdigen Zeit und insbefondere die des wichtigen langen 
Schlachttages und feiner folgen enthalten. Hn die Jnfcbriften fchließt fich 
eine Reihe von Eorbeerkränjen an, mit den Damen der feldberrn, die an 
jenem großen Cage als mutbige fübrer den Völkern vorangingen. Hm fuße 
der Säule find noch ?wei große fitjende figuren, von welchen eine die ge- 



a ) 1814. Dr. 167. 



103 

waffnete Staatsgewalt, die andere die allgemeine 6lückfeligkeit der Cänder 
bedeutet. 

Hn dem piedeftal i[t nur ein Basrelief mit der Vorftellung, wie die 
(Haffen und feldjeicben des allgemeinen feindes durch eine Donnerkeule jer- 
fcbmettert werden. Hlle figuren, Jnfcbriften und Verzierungen find von 
Metall V 

Diefe Befcbreibung genügt, um ju jeigen, daß auf dem Gebiet des 
Denkmals Dannecker ganj merkwürdig befangen ift. Gin biftorifcbes fflo- 
nument ift ihm mehr eine Jlluftration jum Cext, mehr ein mit Skulptur 
gefcbmückter Denkftein, als ein großes, raumgeftaltendes 6anje; es wimmelt 
von Jnfcbriften und HUegorien. Diefelbe Grfcbeinung konnten wir fcbon 
gelegentlich der entwürfe ju einem Schillerdenkmal beobachten. Das ge- 
dankliche Moment überwiegt die eigentlich dekorative Cendenj. 6s liegt 
dies j. C in Danneckers Künftlerfchaft felbft — es gelingt nicht „auf einen 
I)ieb" ein wirkfames 6an?e ?u fchaffen, fo foll dasfelbe auf dem Gdeg der 
Reflexion und durch Hddition erreicht werden — teils auch in der Zeit 
überhaupt, welche doch manchmal gar ju febr unter dem Banne des ödei- 
marer Hllmächtigen ftand. fflan denke nur an Schadows Blücher! 6s läßt 
fich hier befonders deutlich fehen, daß durch diefen ffleifter wohl eine Re- 
generation der deutfchen Kunft erfolgen konnte, daß aber die Qleiter- 
entwicklung von einer anderen perfönlichkeit, welche die Hugen weniger 
nach rückwärts gerichtet hielt, kommen mußte. 

Huf ffietternichs wiederholte Hufforderung reifte Dannecker mit Cotta 
jufammen im September 1814 während des Kongreffes über München nach 
(dien, um die Husführung des Monuments $u betreiben 2 ). Dort faß 
Metternich dem Rünftler ju einer Büfte, beftellte auch einen Hbguß von dem 
Hmor und der Koloffalbüfte Schillers. Von der febr lebendigen Büfte des 
berühmten Staatsmannes befitjt das Stuttgarter fflufeum einen Hbguß 
(Hbb. joo). 

Die Denkmalspläne fielen mit der Rückkehr ßapoleons jufammen 
und wurden nicht wieder aufgenommen. 

') eine äbnt. Befcbreibung im „frcimütbigen" 25. }ull 1814. 
2 ) Ublands Cagebucb, S. 143, Hnm. 5, und Hnbang Hr. 299. 



104 

Dannecker befand ficb jctjt im Zenitb des Ruhmes. Jm gleichen 
Maße wie der König die Hriadne mit feiner nicbtacbtung ju ftrafen fuchte, 
50g diefelbe die Hugen der weiteren Kreife auf fich. Die intereffante 6e- 
fchichte mit dem frankfurter Bankier, das für damalige Verb-ältniffe glän- 
zende Htelier, die fympatbifcbe Perfönlicbkeit des Künftlers, die Schönheit 
des (Clerkes, die I5eubett einer derartig ausgeführten Hktfigur, nicht juletjt 
die Reklame, welche die Uterarifchcn freunde unter der I)and machten: alles 
weckte das Jntereffe, und es war in der I)auptfacbe mehr Deugier als Kunft- 
verftändnis. Da?u kam, daß die Vollendung des Cderkes in jene hoch- 
bewegte Zeit fiel, von deren Gntbufiasmus wir uns jctjt kaum mehr eine 
rechte Vorftellung machen können. 

$0 mehrten fich bald die Htelierbefucher. Hm 4. Dezember i8u war 
bereits Humboldt dagewefen ; am 12. Hpril 1812 kam Bethmann felbft, vier 
ödochen fpäter feine Scbweftern '). Die Hkademien in dien und fflüncben 2 ) 
ernannten den Künftler jum ffiitgliede. 

Bethmann ließ für feine Skulpturenfammlung und die Hriadne ein 
kleines ffiufeum bauen. Dannecker fandte feine Hnficht darüber und eine 
Zeichnung ; er dachte fich eine Rotunde mit vier f enftern oben unter der 
Kuppel, wovon drei mit einem dichten roten Vorhang bedeckt werden follten, 
fo daß nur von Horden Cicht einfiele. Die Hriadne follte auf einem dreh- 
baren Piedeftal in der ffiitte des Raumes aufgeteilt werden; die Vorhänge 
waren jur Gr^ielung eines rötlichen Reflexes beftimmt, um die fehler des 
ffiarmors weniger ftörend ju machen 3 ). 

Da die Vollendung des ffiufeums auf fich warten ließ, fo blieb die 
Hriadne noch volle jwei Jahre in der öderkftatt des Künftlers, der die 
letztere nun dem allgemeinen Zugang öffnete. 6in fremdenbuch wurde auf- 
gelegt, das die Stuttgarter Bibliothek noch bewahrt 4 ), ffian ftaunt über 
diele wahre flut, welche fich über die ehemals fo fülle Künftlerwerkftatt er- 



J ) Verjeidmet im Htelierbucb (Dacblal? H). 
2 ) S. Hnbang II. 



s ) S. Hnbang Dr. 272. 

*) Sin BuA in Quartformat. Die crftc Seit« trägt von Rapps Band die Jnfcbrift: 
„nahmen der fremden, weldie das Danneckerfcbe Httelier bejuebten vom 15. September 1814 
bis ßovember 1817 (J. auA : Eiter. Beil. ?. $taats-H. 1893. $. 73). 



105 

goß; über hundert Befucber im fflonat waren keine Seltenheit. Jch führe 
im Hus?ug die intereffanteren perfönlicbReiten auf. 

1814: 
27. Sept. Charles Frederic Prince Hereditaire de Saxe-Weimar. 
11. Oht. 6. Schwab, cand. theol. 

Sigwart. 
5. Hov. Karl ömfrid aus fflarkgröningen [der Parijer Jugendfreund]. 

18. Dcj. v. Caillor [Caylor], engl. 6efandter. 

1815: 

10. Jan. I)er?og und perjogin d'Hrgyll v. Schottland. 
2. febr. fürltin v. Cöwenttein-Cöertbeim. 

15. ffiär?. Karl Cudwig Sand, stud. theol., aus Ktunfiedel. 

9. flßai. Srjberjog ferdinand. 

11. „ Prinj v. I)eften-I)omburg und Bruder. 

19. „ „ „ Sachlen-Koburg. 
24. „ 6rjher?og Cudwig. 

27. „ „ f erdin and. 

„ Maximilian. 
1815: 
3. Juni. 6raf Scboenborn, Rittmeilter von Scbwarjenberg-Cllanen. 
S. fflajejtät Kaijer aller Reufjen. 
„ „ König von töürttemberg. 
12. Juni. I)er?og ölilbelm von Söürttemberg. 
\7. „ frau ßerjogin von Oldenburg. 

Paul. 
„ „ Cudwig. 

10. Juli. Dietbclm Cavater, Dr. med., von Zürich. 
19. Sept. Jofef Stieler, Maler. 

10. Oht. fürftin Colloredo. 

11. „ Le Chevallier Murray, L'General. 

Cady fflurray. 
I. fiov. Charlotte von (flürttemberg. 

12. De?. Dr. Rüchert. 

19. De?. Cav. Canova, Scultore romano. 

Hbbate Canova — di Roma. 
Hleffandro d'Gfte. 
1816: 

15. febr. Charlotte Rerjogin ju Sachlen. 

21. flßai. 3. Konrad Clfteri und frau aus Zürich. 

27. Juni. 6raf von Schoenborn. 

1. Juli. S. Boilferee. 
15. Hug. Crbprin? ju Sacbfen-I)ildburgbauien. 

prin? 6eorg ßerjog ju Sachlen. 

Dr. Zwingli aus Zürich. 
24. Sept. Rcrjog von Kent. 



io6 



14. nov. 


König Cöilbelm von (Württemberg. 


3. De?. 


n „ „ n 


1817: 
7. Jan. 


I)erjog ?u Oldenburg. 


König dilbelm. 




Königin Katbarina. 


16. flßai 


pejtalojji aus Zürid). 


19. Juni. 


Rofrat f)irt aus Berlin — der alte. 




ffiattbitfon. 




6rbgrofjber?og von ffieddenburg-Scbwerin 


25. Juni. 


K. I). 6rof?berjog von Kleimar. 


28. 3uli. 


Bucbbändler Reimer aus B. 


Dov. 


Gebeimrat Jacobi aus Düüeldorf. 




Und viele andere. 



Der einfache Künftler war jum begehrten Modeartikel geworden; was 
heute Schulte und die dauernde Kunftausftellung ift, war damals das 
Dann echerif che Htelier. ffian traf [ich, man bewunderte diele nunmehr hof- 
fähige Kunft, amüfierte fich auch wohl über den temperamentvollen Sechziger 

— und der Snobismus feierte Criumphe. 

Gin J)auptintereffe jener Cage war für den Künftler und die fcbwäbifcbe 
Kleinftadt natürlich der Befuch des Kaifers Hlexander von Rußland. 
Dannecker brachte fpäter jur Grinnerung an den denkwürdigen Cag eine 
fflarmortafel im Hausflur an '). Jcb gebe den Bericht des QQorgenblatts 
wieder, der für das damalige Spießbürgertum wie für den Con des Cottafchen 
Blattes gleich cbarakteriftifcb ift: 

„Den Kaifer von Oefterreich, von der järtlicbften Gemahlin forgfam 
begleitet, nahm fein früher entworfener Reifeplan fchnell von uns hinweg; 
der große Hlexander aber verweilte um einen Cag länger. Diefer eben- 
falls nie raftende I)errfcher verwendete faft jeden Moment der kurjen Zeit 
um alles, was ihm neu und merkwürdig war, ju fehen und ju prüfen. JDan 
fagt, und wohl mit Recht, daß der fcböne Boden öCtürttembergs, jum erften- 
male von feinem Huge erblickt, einen tiefen Gindruck auf ihn gemacht habe. 

— So wollte er fchon an dem erften Cage die öderkftätte unferes biederen 
Dannecker befuchen, aber der unaufhaltsame Strom der Cagesereigniffe jog 
ihn mit fich fort und der Künftler blieb unbefucht und vergeffen. Hm 
folgenden Cag kehrte der Kaifer mit unferem König ganj unvermutet und 



] ) Bad), Stuttgarter Kunft $. 47. 



107 

in der Stille aus £udwigsburg jurüch, nur um noch die nahe bei Stuttgart 
liegende Königliche Menagerie und nachher die Künftlerwerkftätte ?u fehen. 
fflit welcher Hchtung er hier die CQerhe des antiken QQeifters der neuen Zeit 
[ah, davon können nur der befcheidene Künftler und die wenigen willen, 
die von dem Zufall begünftigt, Hugenjeugen diefes äußerft merkwürdigen 
Huftritts waren. Hber die unbefangene Fjoheit, die in dem fflenfcben den 
fflenfcben ehrt, und doch zugleich wahre Ghrfurcbt gebietet, die wurde tief 
von allen gefühlt, die noch das 6lück hatten, den Monarchen bei feiner 
Hnkunft oder bei dem Hbfchied ju fehen. ödas durch die halbgeöffneten 
Chüren fich fehen und erraten ließ, das jeigte hinlänglich, daß von dem 
Monarchen auch das Qlenige, was der Künftler von feiner Hrbeit vorzeigen 
konnte, vorzüglich die noch hier befindliche Hriadne, der koloffale Schiller 
und der foeben aus den fchöpferifchen fänden hervorgehende und vielleicht 
Zum gediegenften GClerk des ffleifters reifende Hmor nicht flüchtig, fondern 
mit Sachkenntnis und Ciebe belichtigt, befprochen und belobt wurde . . ." 

Konrad Beyer erzählt in feiner novelliftifchen Brofchüre „Danneckers 
Hriadne" 1 ), daß der lebhafte Beifall Hlexanders den König auf den Ge- 
danken brachte, die Hriadne für den Zaren ju erwerben. 

„Unter der I)and ließ er fich nach dem Preis erkundigen, mußte aber 
ju feinem großen Herger erfahren, daß das dem Kaifer zugedachte 6efchenk 
in die I)ände eines frankfurter Patriziers übergehen follte. 

Hunmehr forderte er gebieterifch die Rückgängigmachung des Kaufs, 
da ja Dannecker in feiner Gigenfcbaft als Fjofbildhauer feine öderke in erfter 
Einie dem Könige anzubieten habe. 

6s kam ju Verhandlungen, in welchen fich Dannecker darauf berief, 
daß er feiner Pflicht als I)ofbildhauer durch wiederholtes Vorzeigen des 
Hriadneentwurfs voll nachgekommen fei, daß er aber keinen Huftrag zur 
Husführung erhalten habe. 

Die Hngefragten entfchieden zu 6unften Danneckers, und grollend 
wandte fich der König ab." 

Huthentifche Quellen zu der zitierten Darftellung Beyers waren nirgends 
aufzufinden ; weder im K. Staatsarchiv zu Stuttgart, noch im f ilialarcbiv in 



•) frankfurt 1902. 



io8 

£udwigsburg, tiocb auf dem I)ofmarfcballamt befinden ficb darauf bezügliche 
Hkten. Beyers Hngaben, die auch fonft febr mit Vorficbt ?u benutzen find, 
beruhen alfo wabrfcbeinlicb auf mündlicher üeberlieferung von Cbeodor 
Gdagner, die befonders auch von dem kürzlich verftorbenen fcbwäbifchen 
Dialektdicbter Hdolf Grimminger erbalten wurde. Crot? der mangelnden 
Beglaubigung bat die 6r?äblung von dem Streit mit dem König wenig 
gegen ficb, denn eine ßatur wie König friedrieb kümmerte ficb wenig um 
ein früher erlaffenes Dekret. 

Zeitlich hier anzureihen ift noch die Statuette der Pfycbe, das Gegen- 
ftück $um Hmor. Sie wurde 1814 von dem englifchen 6eneral QQurray be- 
ftellt, der befonders an dem Hmor Gefallen fand. Das Modell war 6nde 
1817 vollendet; die fflarmorausführung nahm drei weitere Jahre in Hnfpruch. 
flQurray weilte bei ihrer Vollendung mit feiner Gattin gerade in Stuttgart 
und konnte die Statuette perfönlich nach Condon abfenden 1 ). Hm 10. ffiärj 
1821 fchrieb er aus Paris 2 ): 

fflein lieber freund 
Jch freue mich ihnen ju melden daf? das liebe Kind glücklich in Gngelland angekommen 
fey — Geftern habe ich die ßachricht erhalten und eile mich es Jhnen ju melden da ich wohl 
weife wie viel Vergnügen jie daran finden werden. — Jn Frankfurt lief? ich eine jweite Caffe 
machen der Sicherheit wegen — und da die P)erren Douaniers nicht die Deugierde gehabt 
haben die Caffe ?u oeffnen ich hoffe alles ju finden wie es von Stutgard abgegangen ift. — 
Jn einem ffionat werde ich die liebe pfyche embrafjiren und nachdem fie bey uns angeftellt 
und bey den Connaifjeurs angefehen worden ift werde meine frau ihnen weitere ßaebricht 
geben, ünterdefjen läßt fie Jagen daf? fie eine Deutfche Dichterin geworden ift — f)ier haben 
fie ein ffiufter von ihren Calent — 

Jn Stuttgard wohnt ein lieber F)err 
Sein Dabm es ift von Danneker 
6r macht Statuen gar fo gut 
Sie fchienen ja von fleifch und Blut. 
Bin jeder der die Kunft verftehet 
Daf? wahr ich fprech' fogleich geftehet. 
Ceben jie wohl — mein lieber freund und glauben jie an die freundfehaft Jhres ganj 
untertbänigften 

ffiurray 
Ma femme me charge 
de vous dire mille cheres de sa part. 

6s gelang leider nicht, den Verbleib der Statuette ju ermitteln. 



') Kunftblatt 17. Dej. 1821. 
2 ) Dachlaf} H. 




105 



Hmor 



1Ö10 — 15 



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106 



Pfycbe 

(Dach dfr Jöiederbolung 1825) 



1815—20 



10$ 

König ölilbelm trug dem Künftler eine Gliederbolung auf, welche mit 
fylfe des Bildbauers Kaufmann '), der 13 Jahre bei Canova gearbeitet hatte, 
im Jahr 1825 vollendet wurde. (Hbb. 106.) Diele Replik blieb bis 1834 im 
Htelier des ffieifters fteben und wurde dann erft auf Danneckers 6efucb 2 ) 
mit dem Hmor jufammen im £uftfcbloß Rofenftein aufgeteilt; Tic ftebt nun- 
mehr ebenfalls im öülbelmspalaft. Der Künftler erhielt dafür, außer den 
Huslagen, einen Ring jum 6efcbenk. 

„Dannecker nahm feine Pfycbe gan$ in menfchlicher Begebung, dn- 
bekümmert um das Hllegorifcbe wollte er nur den erften Moment verfinn- 
licben, wo die jugendliche Seele, von tieferer Regung ergriffen, anfängt 
febnfucbtsvoll ?u träumen und ju ahnen" . . . 3 ) 

öCtäbrend diefe Vereinfachung des 6egenftändlichen fympathilch berührt, 
vermag die figur formal fehr wenig ödärme im Befchauer ausjulöfen. Der 
feine Rhythmus, welcher an und für [ich die figur befeelt, wird durch die 
fpießbürgerlicbe Haltung der Hrme und die kleinlich ondulierenden falten 
des 6ewandes beeinträchtigt. Der ausdruckslofe Kopf fcheint ju groß und 
laftet auf dem jarten Körper. Das Detail jeigt die feine, künftlerifcbe Hus- 
führung, die wir bei Dannecker kennen. Jm ganzen dagegen wird man 
fehr an Canova erinnert, im befonderen an deffen Pfycbe in der Münchner 
Refidenj. Vielleicht kann man dielen ümftand mit dem Befucbe des ehe- 
maligen Jugendfreundes in Verbindung bringen. 

Canova hatte in Paris dank feinem glänzenden diplomatifchen 6efcbick 
die Rückgabe des größten Ceils der von ßapoleon geftoblenen Kunftwerke 
durchgefetjt , darauf anderthalb Monate in Condon jugebraebt, um dafelbft 
eine weitere Summe jum Cransport der Sachen ju erlangen und um die 
eigin-fflarbles ju bewundern, und kehrte nun über Paris und Stuttgart 
nach Jtalien jurück, wo er im Criumph empfangen wurde. Hm 19. Dejember 
1815 ift in Danneckers fremdenbuch eingetragen: 

Cav. Canova; Scultore romano. Abbate Canova — di Roma. 
Alessandro d'Este. 



') peter Kaufmann, geb. 1764 in Reutte (Vorarlberg), bis 1817 in Rom unter Canova 
und Cborwaldfen tätig; fiedelte dann nach Kleimar über, wo er 1829 [tarb. (Doacfe, 
5. 411, 440.) 

*) Hnbang Dr. 51. 

3 ) Scborn im Kunltblatt. 17. XII. 1821. 



110 

Die Rünftler, die einander 30 Jahre lang nicht mehr gefehen, Ttanden 
nunmehr beide auf der I)öbe ihrer äußeren Caufbahn. Der feurige Jtaliener 
war erfüllt von dem übermächtigen Gindruck, den die Partbenonfkulpturen 
auf ihn gemacht hatten; feine enthufiaftifchen Schilderungen und Danneckers 
Betreiben veranlagten Rapp, bald darauf im QQorgenblatt 1 ) einen Huffatj 
einzurücken, worin er die „Bitte an das englifcbe Volk" richtete, unverzüglich 
Hbgüffe davon in die Gleit gehen ju laffen. 



endlich am 19. Juni 1816 konnte die Hriadne, das GKerk, das die 
Stuttgarter Jahre lang in Htem gehalten hatte, unter der Begleitung von 
Danneckers Gehilfen Jakob ßaun 2 ) feiner neuen I)etmat entgegengehen. 6s 
fand feine Hufftellung in einer Hrt Hpfis des neuerbauten „Hriadneums", 
welche von dem eigentlichen Ijauptraum wie ein Hllerheiligftes durch einen 
Vorhang abgefchloffen werden konnte. Die Beleuchtung wurde ganz nach 
Danneckers Hngaben angeordnet; feit den neunziger Jahren find jedoch die 
roten Vorhänge, fowie die Portiere, welche zum Ijauptraum führte, entfernt. 

Jn Stuttgart rief das Scheiden des gefeierten öderkes allgemeine Crauer 
hervor. Rückert widmete der „fchönften Dame Stuttgarts" jwei Gelegenheits- 
gedichte 3 ) ; Cottas Runftblatt brachte einen eingehenden Huffatj von Rapp, dem 
4 dmrißfticbe von Dahl nach Zeichnungen fflüllers d. J. beigegeben waren 4 ). 

Hls kleines Beifpiel, wie der Künftler in den Cagen der Hriadne ge- 
feiert wurde, gebe ich ?wei, fo viel ich fehe, unveröffentlichte Stücke aus 
feinem Dachlaß 5 ). Das erfte ift das QQanufkript eines Huffatjes für eine 
Zeitung von unbekannter I)and; der Stil mutet fehr £avaterifcb an und ift 
Zugleich für die Kunftfchriftftellerei jener Zeiten fehr cbarakteriftifch. 

„Jch habe Danneker den Bildhauer in feiner Cderkftatt befucht, und 
feit Rom ift mir fo hoher 6enuß nicht geworden. 

Eavatters und Schillers lebenathmende feelenvolle Büften ergriffen 



1 ) 1816. 28-/29. febr. 

2 ) „Jakob" in Danneckers Briefen. 

3 ) Jn der drania, Cafcbenb. auf 1819 (Beyer, Danneckers Hriadne). 

4 ) 1817. 10. Januar. 

5 ) 3m Bcfitj der familien Binder und faber. 



111 

mich gleich beym eintritt; diefe mit fanfter HIebmutb, jene mit allem 
Scbmerj einer frifcbblutenden ödunde. 

So erbafcbt der Genius das Ceeben bober und eigentümlicher Hatur. 
Schiller redet! 6in Begeifterter , febeint das geflügelte ödort feiner leicht 
entfebloßenen Cippe ?u entfliehen, oder dem flammenpfeil des Huges. 
£avatter ift ftill denkend und beobachtend zugleich. Hllein nun erfchien 
mir des Künftlers Hriadne, welche, leicht auf dem Leoparden bingegoßen, 
mit kühn und freudig in die £üfte gerichtetem Blick dem Grretter von 
Daxos Code entgegenfehaut. fflit der einen F)and hält Tie ihr Knie, mit 
der andern ftütjt fie fich auf den Rücken des Cbiers, auf dem ihr eines 
Bein fanft angelehnt ruhet, während das andere leicht herabfinkt. Diefe 
Stellung ift fo neu als fchwierig: allein fo leicht hingeathmet die ganje 
figur; fo ein einziger Gedanke, eine feelenvolle 6rfcbeinung eines begeifterten 
Moments, durch kunftvertraute Wertigkeit feftgehalten u dargeftellt, daß ich 
mich dergleichen weder in alter noch neuer Bildnerey gefehen ju haben 
erinnere! Hllein, hatte ich 6rinnerung? Jch war in der Gegenwart, im 
Hnfchauen verloren ! 

Diefer feböne Kopf ift kein Hntikenbild — keine griechifche Hafe, 
fflund, Stirn, Ohren und Hugen, welche jeder Schönheit des Olympus an- 
gehören könnte, u eben darum keine derfelben ift — 6s ift eine Hriadne 
— ein Götterkind voll £eeben, Kraft, freude und fülle! Gdillig ju geben 
und ju empfangen, was Götter und ffienfehen entzückt! Ungeliebt den Cod 
von Daios ju fterben ; u liebend den errettenden Gott ju befeligen ! Hlles 
an ihr athmet leichten Sinn, Cuft ?u leeben, entblühte Schönheit, u gut- 
mütbige offene freudfeligkeit, welche auch den falfchwilden £eoparden gelähmt 
hat. Der ganje Körper ift rein, frifcb, fchön, edel und fchwellend von 
Ceeben, in lauter weichen fliehenden Schönheitslinien, von gan? aufer- 
ordentlicher Schönheit find, Rücken, Hrme, Beine, und die feinen leichten 
fuße — diefe fo feiten gelingende Cheile. Hlles ift voll, nichts üppig: 
und die jarte Gränje des nicht ju Viel und nicht ju Cdenig mit keiner £inie 
überfebritten. 6s ift unbegreiflich mit welcher freybeit fich diefer große 
Künftler innerhalb dem engen Raum den feine Kunft geftattet, u bey fo 
lebenvoller Darftellung bewegt bat, und eben freye Bewegung innerhalb 
den Grenjen der Kunft fo beißt das Geheimniß des Genius. Huch hat 



112 

Danneker felbft in [einem ganzen Gdefen das Gepräge diefes 6enies, 
welkes ficb mehr ahnet, als erkennet, und wohl die Gränjen der Kunft, 
aber nie die [eines Vermögens begreift. 

Voll kindlicher Ginfalt und Demutb-, voll herzgewinnender Befcbeiden- 
heit [tand Danneker vor [einem unterblieben flQeifterwerk — und fo fand 
ich immer das große Genie, das [cböpferifcbe, in den füllen eines jarten 
Selbftunbewu&tfeins. So ift Chorwaldfon, der Däne, in Rom — und in 
diefem begeifterden Craume, aus welchem die Beifall jauchzende Ktelt die 
Künftler nur ju [chnell aufweht, ift ihren Seelen das P)eiligtbum aufgethan, 
und die 6öttin enthüllt 

fflir find diefe fanfthindlicben Künftlerfeelen immer befonders lieb, und 
ihr fflorgentraum [o heilig gewe[en, daß auch ein ju lautes rau[chendes £ob 
mir Gntweihung [chien. 6üi volles I)erj in wenige CClorte heb ergiejend, 
u der Blih mit dem man das ölerk ihres 6ei[tes an[chaut, genügt diefen 
Scbooßhindern der [till[innenden fflufen mehr, wie Cob und 6eld, und 
gewann mir von früher Tugend an der Künftler freundfebaft. Von Jtalieni- 
fchen und Deutfchen Künftlern gilt dies durchaus ; allein die f ranjofen [ind 
hierin, wie in dem inneren Qlefen der Seele ganj verfchieden: ihnen kömmt 
alles von au[[en her." — 



Von den vielen Gedichten, die dem ffleifter verehrt wurden, bringe 
ich nur jwei, deren Verfafferin die bekannte 6attin Gottfried Bürgers, 6life, 
geb. I)ahn, ift. Sie lauten: 

Hn Danneker bei der Collo[alen Büfte von 

Schiller 

Die Collofale form war feines 6eiftes I)aus; 

6s [pricht Dein Bild [ich gros, wie [eine Seele aus; 

Die 6ötter haben Dir das I)öcbfte eingegeben 

Jn [oleber form allein umweht uns Schillers £eben ! 

6in ffleifter nur verftand den Hndern ju ge[talten 

Jn Dir [o wie in 3hm kann nur ein 6enius walten. 

eiife Bürger 

geb. I)ahn. 



113 



Danneckers Hriadne. 

Glan? der Hlten ! wundervolle formen ! 
Steigt ihr berauf aus eures Grabes Dacht 
Omgiebt uns neu der Vorjett Bildner Pracht 
Jft uns Pygmalion wieder auferftanden? 

Jn ftiller Roheit, ganj der 6rd entbunden, 

Schwebt tronend hier ein reines Götterbild 

Der formen Reij umgiebt es hehr und mild 

Das I)öcbfte fpricbt lieh aus in foleber Hnmuth ödalten. 

wiederkebrft du, Zeit des ewig Schönen? 
Ja Künftler leben wieder, Kunft be[teht 
Jm 6ei[t der rein und hoch das Cderk umwebt, 
Jm Jdeale [ich, wie diefes hier geftaltet! 

Glife Bürger 

geb. I)abn. 

empfangen Sie, herrlicher Eandsmann ! diefe beiden Grgiefungen eines 
für Kunft glühenden fyrjens von mir mit dem Gefühl wie ich fie Jhnen 
weihe." 



Das letjte der eigentlichen QQeifterwerke Danneckers ift die ödaffer 
ausgießende Hymphe. (Hbb. 96.) 

Die figur wurde bereits im Jahr 1810 von König friedrieb beftellt 
und follte an einem der Baffins bei dem ödaifenhaus an der planie auf- 
gehellt werden. Die Hrbeit blieb wegen der vielen anderen Hufträge liegen, 
und Dannecker vollendete das Modell erft im Januar 1817. Die Husfübrung 
in Stein hatte er Diftelbartb zugedacht 1 ). 

Da [ich gegen die Hufftellung an dem geplanten Platte Bedenken er- 
hoben, die namentlich in dem hohen preis der Klafferleitungs- und Dei- 
chungsarbeiten begründet waren, fo erbat und erhielt Dannecker im februar 
1817 von König ödilhelm die Grlaubnis, die figur ju einem öffentlichen 
Robrbrunmen ju benutzen. 



') Vgl. Hnbang IJr. 30 — 32. 



114 

Die Dympbe wurde jedoch — aus welchem 6runde, ift nicht aufge- 
klärt — erft nach Danneckers Cod 1843 im Huftrag der Stadt von ödagner 
in Sandftein ausgeführt und in der Deckarftraße aufgeftellt. Die junebmende 
Verwitterung veranlagte in den 80er Jahren die Stadt, den Bildhauer Cheodor 
Baufch mit einer Gdiederholung in fflarmor ju beauftragen. 

ödagner hatte das fflodell feinerjeit nach Gngland verkauft (!), wo 
es I)ofrat Klinckerfuß nach langer fflübe im Kriftallpalaft ju Sydenham 
ausfindig machte. Die Direktion überließ gegen die Koften einen Hbguß, 
und Baufch fertigte darnach in florenj die Kopie in karrarifebem Marmor, 
die 1888 auf dem Rondell der Deckarftraße aufgeftellt wurde. 

Die Brunnen-Dymphe gehört dem 6efchlecht der beiden Hymphen vom 
Hnlagenfee an. Die Kompofition ift ebenfo originell wie glücklich, die 
Stilifierung der formen groß; Dannecker kommt hier der Hntike näher als 
je juvor. Störend ift der fo gut wie ausdrucksleere Kopf. 

1816 entftand eine Büfte, welche fämtlichen frauenporträts unferes 
ffieifters die Krone auffetjt; jugleich das letzte der eigentlichen ffleifterbild- 
niffe. 6s ift die der frau 6eheimrat piftorius, geb. feuerlein. (Hbb. 119 und 
120.) Die allgemein verehrte frau war am 18. Juli geftorben und Dannecker 
modellierte die Büfte nach der Grinnerung und unter Zuhilfenahme eines 
familtenbildes von I^etfch 1 ); auc ^ benutzte er für manche 6injelheiten als 
fßodell eine Cochter der Verftorbenen, die fpätere frau Geheimrat Rofer 2 ). 
Die geiftige Belebung und die künftlerifcbe feinheit find von derfelben Voll- 
kommenheit; der fympathifche Kopf mit der hohen I)aarkrone mutet wie 
ein Stück Stuttgarter 3eitgefchichte an. Die fflarmorausfübrung ift jet?t im 
Befitj von fräulein Deeff in Stuttgart; Gipsabgüffe wurden feinerjeit an 
die übrigen familienmitglieder verteilt. 

fflan kann fagen, daß mit den letztgenannten ößerken der ffieifter den 
Höhepunkt feiner Gntwicklung erreicht hat; bei der langen Zeit, die jede 
Hrbeit in Hnfpruch nahm, läßt fich ein Zeitpunkt fchwer fixieren, dährend 
noch an der Hriadne gearbeitet wird, entfteben die beiden ßympben, wäh- 
rend die Brunnennymphe im öderden ift, tauchen bereits die Hnfänge des 



*) 3m Befit? von frau Bankier Kapff in Stuttgart, einer 6nkelin der Verftorbenen. 
2 ) Dach frdl. Mitteilung von frl. Ileeff, Stuttgart. 





107 



Prinjelfin pauline Um 1813 108 Prinj Carl Paul friedrieb 

Kinder des prinjen Paul von CQürtteniberg 



1810 





«09 Sophie Qrümifen 1801 110 Kind des Fjerm v. fllögling (?) (1812?) 




in 



König friedrieb 

von Klürttembcrci 



1816 



112 



Kronprin? Klilbclm 1811 

von ödürttemberg 





König Cüilbclm 
von iHürttcmbcrg 



1817 



114 



Königin Katbarina 
von ttUirttcmbcrg 



»5 

Cbriftus auf. Unter diefen Verbältniffen erfcbien die Befprecbung und Be- 
urteilung der Gtlerke ?ur Zeit ihrer Konzeption geboten, jumal da eine 
wecbfelfeitige Ginwirkung kaum ?u konftatieren ift. Von diefem 6eficbts- 
punkt aus läßt ficb fagen, daß etwa 1816 ein I)alt eintritt; die Gntwicklung 
bat ficb bis bier in nicbt vollftändig gerader, aber doch jiemlicb fteter Cinie 
vollzogen, juletjt unter freiwerden und Konzentration der ganzen Kräfte 
des Künftlers. Diefe letzteren find nunmebr in gewiffer öleife aufgebraucht; 
es entfteben wobl nocb Gderke, die nur ein ffleifter fcbaffen kann, allein das 
eigentlich pofitive, lebensfähige von Danneckerfcher Kunft ift nun bereits ans 
Cicht getreten. 

etwa um diefelbe Zeit, am 30. Oktober 1816, ftarb König friedrieb 
nach kurzer Krankheit, fflit dem ganzen £ande erhoffte auch Dannecker 
eine Henderung der juletjt oft unerträglichen Zuftände. Seit 1810 hatte der 
König bei feinem I)ofbildhauer nichts mehr beftellt; allerdings hatte es der 
letztere auch nicht mehr nötig. Die Henderung trat auch ein, für den 
Künftler allerdings ju fpät; die äußere Stellung Danneckers im Stuttgarter 
Kunftleben wurde dagegen unter König ödilbelm eine noch mehr jentrale. 



Hlter 



9» König (JdUbehns Regierungsantritt. Cbriftue» 

König Glilbelm war dem Künftler febr wohlgeneigt. 6r nahm gleich 
nach feinem Regierungsantritt *) den alten Plan jur Grricbtung einer Kunft- 
fchule wieder auf und bildete ju diefem Zweck ein „Künftlerkomitee", be- 
gebend aus Dannecher, fflüller, öläcbter, Cbouret, Diftelbartb, den I)of- 
ftukkatoren friedrieb und fflack, dem Hofmaler fflorff und den I)ofkupfer- 
ftecbern Decker und Seyffer. Dannecker wurde $um Vorfitjenden ernannt 
und erhielt zugleich den Citel I)ofrat 2 ). Bis die Kunftfchule aber wirklich 
ins £eben trat, brauchte es weitere 13 Jahre. 

Da Dannecker der einzige wirklich bedeutende Künftler in Stuttgart 
war, fo tft es nicht mehr als felbftverftändlich, daß fich alles um ihn 
gruppierte. Der König pflegte fich in allen Kunftfragen an ihn ju wenden 
und namentlich bei 6emäldeankäufen oder Onterftütjungsgefucben junger 
Künftler fein 6utachten einzuholen. Die noch vorhandenen Berichte Dann- 
eckers jeigen, mit welcher Gewiffenbaftigkeit und 6üte diefer fich der oft 
läftigen Hngelegenheiten annahm 3 ). Hm 15. Dejember 1816 wurde er an 



l ) Bach, Stuttgarter Kunft, S. 140. Hkten des ßofmarfcballamts Stuttgart. 

-) Dekret vom 12. ßov. 1816. 

a ) S. Hnbang III. Dafe Dannecker leinen König verehrte, gebt aus einer Doti? hervor, 
welche in dem Cagebuch des 1830 verdorbenen Hdolf Rapp (Sohnes von Danneckers freund 
und Schwager) lieh befindet (Jm Befitj von frl. Reufj, Stuttgart.) Hm 8. Oktober 1823 ift 
eingetragen: „6s kam vor einigen Cagen ein rutf. Offijicr (Rahmens ffiarldjall) ju Oncle 



120 

Stelle von I)etfcb jum Jnfpektor der Galerie ernannt, „woju die Hntiken- 
abgüffe, Bilder und Kupferfticbfammlungen und andere der Krone zugehörige 
üderke der bildenden Kunft geboren" 1 ); zugleich wurde ibm J)etfcb als Jn- 
fpektoratsadjunkt untergeordnet. 

fflit I)etfcb war offenbar feit einer Reibe von Jahren nicbt mebr aus- 
zukommen; bäuslicbes Unglück fteigerte allmäblicb feine überfenfible ßatur- 
veranlagung ju einer geradezu krankhaften Reizbarkeit. Schon im ödinter 
1802 auf 1803 fcbloß er ficb in Rom von den übrigen Künftlern ab, indem 
er alle Hnnäberungsverfucbe mit mißtrauifcber Zurückhaltung erwiderte. 
Schick, der feinerfeits in feiner £eidenfcbaftlicbkeit und feiner blinden Ver- 
ehrung für Dannecker ftark fubjektiv und daher nicht ganz kompetent ift, 
äußert ficb in feinen Briefen häufig, und nicbt immer in angenehmer deife, 
über I)etfcb. Hm 18. ßovember 1802 fchreibt er an feine Verwandten 2 ): 

„Gdir fteben recht freundfchaftlich jufammen, ich komme ju ihm, und 
er ju mir, er ift viel zutraulicher gegen mich geworden, was mir außer- 
ordentlich lieb ift, ich werde mit dem größten fleiß fuchen das gute Ver- 
bältniß, das jwifchen uns beyden wirklich berrfcht, ju befeftigen, weil es 
doch wahrfcheinlicb ift, daß wir noch in der folge mehr miteinander ju 
thun bekommen. Kein Danneker wird er mir nie feyn können, das fühle 
ich wohl, daju fehlt ihm diefe Güte des I)erjens, welche Danneker in fo 
hohem Grade befitjt, auch muß ich I)etfcb doch immer für feinen lachenden 
erben anfeben, der auf feine Hbfabrt lauert." 

6s ift dies, wie gefagt, lieber übertrieben, denn auch Schick war in 
dem Punkte Rivalität und Selb ftbewußtf ein fehr menfeblicb, wie aus feinen 
Briefen überall hervorgeht. Der mifantbropifche und tiefverärgerte I)etfcb 
wurde natürlich durch die Zurückfetjung hinter Dannecker im Jnnerften ver- 
letzt und richtete folgenden Proteft 3 ) an den König; 



Dannecker, und fragte diefen, ob der König (lein König) auch was für Kunft tbue. ,3a', 
tagte Dannecker, ,er tbut was in feinen Kräften ftebt, er mufj aber aueb für 6rdbirnen Jörgen, 
's ift aber ein lieber König und guter fflann." 

1 ) S. Hnbang Dr. 53. 

2 ) Bibl. Stuttgart. Die jitierte Stelle ift von ßaakb unterdrückt. 

s ) Jm Belitje des Urenkels, F>errn Rechtsanwalt Stefan Retfeh in Kopenhagen, dem 
ich auch die freundliche ffiitteilung verdanke. 







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Königin Katbarina von Klcltpbakn 




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freifrau von Hlopäus 



121 

6uer königlichen fflajeftaet! 
Ciebe ju allem ödabren, Schönen und 6uten läßt mich zuverficbtUcb 
hoffen, daß jedes Streben etwas nützliches und Schönes hervorzubringen, 
von Hllerböchftdenfclben mit huldreichftem Huge angefehen wird. 6s ift 
6uer ffiajeftät bekannt, daß auch ich in meinem fach, foviel es meine 
6efundbeit erlaubte, meine Kräfte anftrengte, um Kunftwerke hervorzu- 
bringen, die den Beyfall unpartbeifcber Kenner erbalten möchten; davon 
geben die Gderke, die jum Cbeil in dem hiefigen Schloß von meiner I)and 
ficb befinden, hinlänglichen Beweiß. Jch war fo glücklich, feit 32 Jahren 
vier Ferren nacheinander mit Beyfall und Zufriedenheit ju dienen, ich 
hoffe auch die Ölünfche und Befehle eurer fflajeftät durch treuen Dienft- 
eifer und Kunftfleiß ju befriedigen, und auf das thätigfte meine ehrerbie- 
tige Ciebe ?u der Derfon 6urer ffiajeftät an den Cag ju legen. Um aber 
diefes thun ju können, fo muß ich Hllerhöchftdiefelbe allerunterthänigft 
bitten, mich als einen freien felbftändigen Künftler ju behandeln und mich 
niemand ju adjunkiren, denn was eine Hdjunction an einen andern für 
mich wäre, können Hllerhöchftdiefelbe, wenn Sie Sich in meine Cage 
denken wollen, am beften Selbft fühlen. Huch bitte ich allerunterthänigft 
mir meinen bißherigen 6ebalt von 1300 fl. und 4 fließ I)olj allergnädigft 
jujufichern, der, wenn er gleich nicht zureicht mit den meinigen anftändig 
Zu leben, mich doch in den Stand fetzen würde, von Zeit zu Zeit in dem 
fach der 6efchicbts-, Portrait- und Candfcbaftsmablerey jedesmal nach 
meinem beften Vermögen ju dienen, und Hllerhöchftdiefelbe dadurch Z u 
befriedigen. üeberzeugt von der hoben edelen Denkungsart 6urer ÖQa- 
jeftät, die gewiß keinen rechtlichen flQann mit Vorfaz wehe thun will, 
und die Selbft frei, in dem reinften Sinn, gewiß jedem Jhrer redlichen 
Diener feine ächte freibeit zu fiebern wiffen, verehre ich Z um voraus Hller- 
höcbftdero 6ntfcbluß, der mein und das Qlohl meiner familie begründen 
wird, fowie auch den wahren Kunftfinn befördern wirdl 

Jch habe die ehre mit der reinften Hochachtung und der ehrerbietigften 
Ciebe beftändig zu verharren 6uer Königlichen CDajeftät 

allem ntertbänigfter Diener 

Stuttgart den 3. Jan. 1817. von I)etfch profeffor 

Ritter des Civilverdienftordens. 



122 

Huf den abfcblägigen Befcbeid des Königs vom 12. f ebruar gab P)etfcb 
fofort feine Gntlaffung ein. 6r machte darauf eine längere Reife durch 
Dorddeutfcbland und lebte dann in vollftändiger Zurückgejogenbeit bis ju 
feinem Code in Stuttgart. Hm 22. Hpril 1821 wurde ihm auf feinen Hn- 
trag eine jährliche Penfion von 800 6ulden ausgefegt; gemalt hat der 
geiftig und körperlich kranke ffiann keinen Strich mehr. 6r ftarb am 
31. Dezember 1838 *). 

^etfeh war übrigens ein recht beachtenswertes Ualent, wenn er auch 
an feinen Schüler Schick nicht heranreicht; befonders feine meift in Privat- 
befitj befindlichen Porträts verdienten mehr ans Cicht gebogen ju werden. 

Huf Danneckers Betreiben wird wohl jurück^uführen fein, daß König 
ödilbelm trotj der Ceurungsjeit fich fofort $um Hnkauf von Hbgüffen der 
eiginfchen Marmore bis ?u einem Betrage von 5000 6ulden entfebloß 2 ). 
Stuttgart war auf diefe Odeife unter den erften Städten, in welche 6ips- 
abgüffe der Parthenonfkulpturen kamen. Dannecker wurde mit der Huswahl 
betraut 2 ), und bereits September 1818 trafen 27 Kiften ein mit Hbgüffen der 
6lgins, die von dem englifchen form er Richard Gdeftmacott geformt waren. GQie 
Canova, fo erkannte auch Dannecker vollftändig die Suprematie der Parthenon- 
fkulpturen; er pflegte von ihnen ju fagen: „Sie find wie über die Datur 
geformt, und doch habe ich nie das 6lück gehabt, folche Hatur $u fehen 3 )." 

Zugleich wurden in Rom neun größere und kleinere Hntiken in Hb- 
güffen gekauft, darunter der Diskobol und die kapitolinif che Venus; in den 
nächften Jahren folgte ein Hbguß der Hegineten, der Venus von fflilo, 
fpäter der Diobiden. 

Der Danneckerfche Hntikenfaal war auf diefe {Helfe bald fo überfüllt, 
daß für den Befchauer, befonders aber für die jungen Künftler, denen Dann- 
ecker bei fich Zeichenunterricht gab, beinahe kein Raum mehr blieb 4 ). Diefen 
Zeichenunterricht gab Dannecker feit Jahren täglich mehrere Stunden unent- 
geltlich und wurde vom Könige nur durch Cieferung des Brennholzes und 
Qebernahme der fflodellkoften unterftüt?t B ). 

') pfeifer, Bildende Künfte unter ßerjog Carl 6ugen. S. 741 ff. 

2 ) S. Hnbang Dr. 39—43. 

s ) Riegel, 6efdr d. deutfeben Kunft feit Scbadow. S. 166. 

4 ) Kunltblatt 1. Ylov. 1821. 

8 ) S. Hnbang Dr. 30. 



123 

dir kommen nunmehr ?u dem Glerke, welches den ffleifter in Hn- 
fpruch nahm wie keines zuvor, welches er felbft als fein höchftes ffleifter- 
ftück betrachtete, dem Cbriftus (vgl. Hbb. 117). 

Den erften Gedanken dazu faßte er fchon im Jahr 1815, als die Hriadne 
vollendet und der Plan für das Siegesdenkmal bei Ceipjig gefebeitert war. 
Der zeitlebens tief religiös gefinnte ffleifter ging mit innerfter Begeifterung 
an die Hufgabe, die er als eine Hrt künftlerifchen Dankopfers betrachten 
mochte. Hllevn die Gntftehungsgefchicbte diefes Cderkes ift eine künftlerifche 
Ceidensgefchichte und zeigt deutlich das Grfcblaffen der produzierenden Kraft. 
Der nun bald fech?ig Jahre zählende ffleifter quälte fich und rang mit feiner 
Jdee 1 ), welche ihn fo vollftändig gefangen nahm, daß der 6eift die Kraft 
nicht mehr hergab und Halluzinationen fich einftellten, welche der Künftler 
für göttliche Gingebungen hielt. 6in Schatten der fpäteren Qmnachtung 
fcheint hier bereits vorauszufliegen. 

Hls ein kleines Kind beim Hnblick der Skizze, welcher jedes erläuternde 
Httribut fehlte, ausrief: „Das ift der I)eiland," war der ffleifter überglück- 
lich, das, wie er meinte, in der fflenfchenfeele lebende Jdeal des I)errn ge- 
funden zu haben, und ging von diefer faflung nicht mehr ab (1816). 

Deue, viele fflonate dauernde Hrbeit verurfachte ihm die Bildung des 
Schädels, in welchem fich die ganze Persönlichkeit konzentrieren follte. Jmmer 
wieder durcharbeitete er die Bibel, legte fich eine Sammlung von Bibelftellen 
an und fuchte, faft in der Hrt eines pbvfiognomikers, aus Ginzelzügen ein 
Ganjes zu fchaffen. Der wie ftets für feinen freund und Schwager enthu- 
fiasmierte Rapp berichtet darüber im Kunftblatt: 

„. . . Bey feiner fcharfen Beobachtungsgabe und feiner vieljährigen 
Hbftraktion über die Bedeutfamkeit der beweglichen und unbeweglichen 
Cheile hatte Dann, der Datur viel abgelernt und befonders über feftftehende 
form (charpente) des Schädels viel nachgedacht, ehe diele Cehre feientififeh 
behandelt wurde. 6r verftand deswegen auch fchneller und richtiger, was 
6all mit dem bedeutenden Gdort „Die Seele bauet ihr I)aus" fagen wollte, 
als die £ayen, die das nicht zurecht z« legen wußten. Daß der Schädel, 
welcher die reinfte, die erhabenfte Seele umfaßte, bedeutender gewefen feyn 



] ) Vgl. Hnbang Hr. 103 und 104. 



124 

müfle, als alle andern, das war für ihn ausgemachte dabrbeit, und es galt 
jetjt nur, diele form ju finden." 

So entwarf der ffleifter jablreicbe Zeichnungen ju dem Kopfe, modellierte 
auch fcbließlicb das I)aupt für fich (Hbb. 118). Jn diefen Studien liegt ein ge- 
wiffes etwas, das uns unheimlich anmutet, wie die erften Vorboten des Gndes. 

Jn ein neues Stadium kam die Hrbeit durch den Befuch der ruffifchen 
Kaifenn QQaria feodorowna am 20. Oktober 1818. Die fürfttn war fofort 
für die Jdee begeiftert und beftellte die Husführung in Marmor für die 
neue Kirche in Moskau. Da es in dem Htelier jur Husarbeitung der 
Koloffalftatue an Raum fehlte, fo baute Dannecker im Sommer 1819 in dem 
Garten hinter feinem I}aufe ein befonderes kleines Htelierhaus, das nur für den 
Chriftus beftimmt war und von oben allein Cicht empfing, nunmehr fchritt die 
Hrbeit rafcher vorwärts, und das Gipsmodell wurde im frühling 1821 vollendet. 

fflarmor hatte Dannecker für fich bereits 1817 in Carrara bei Rauch 
beftellt; derfelbe kam jedoch erft im Huguft 1820 an. Dejember 1821 war 
die figur aus den punkten gehauen, und Dannecker begann am Kopfe. Jm 
Spätherbft 1823 war die ganje Koloffalftatue vollendet. 

DQit dem Betreten des religiöfen Stoffgebiets jeigt fich der Künftler 
unter dem Ginfluß der neuaufkeimenden romantifchen Richtung. Daß Dann- 
ecker überhaupt ftets unter dem Zeichen feiner Gpocbe fteht — im Gegen- 
fatj ju einer fo eigenwilligen, kraftvollen 6rfcbeinung wie Schadow — , ift 
nicht ju leugnen. Cdenn auch in aller Produktion nie mit einem fflale 
etwas vollftändig Heues entfteht, fo kann man doch ßaturen, die nur 
ihren eigenen Gefetjen folgen, unterfcheiden von folchen, welche der Hnleh- 
nung, der Hnregung bedürfen, um dann ein in fich gefcbloffenes Kunftwerk 
hervorzubringen. Zu den letztem gehört unftreitig Dannecker; man kann 
es an feinem ganzen Cderdegang verfolgen. Der alte Stamm des Gallicis- 
mus wird mit dem frtfchen Reis der Hntike aufgepfropft; etwas fpät ge- 
fchieht dies, noch nicht ju fpät, aber der Künftler jählt bald 30 Jahre und 
viel Zeit ift verloren, nachdem die Hffimilierung vollzogen und die äußeren 
Umftände günftig find, fchafft er feine beften, feine unvergänglichen öderke. 
Der nunmehrigen Zeitftrömung, welche der eigenen inneren Religiofität ent- 
gegenkommt, vermag er fich nicht ?u entgehen; er befitjt aber auch nicht 
mehr die Glaftintät, die neuaufgenommenen Glemente mit der ihm eigen 




117 



Cbriftus 

(ßadi dem fflodelt der jweitcn fallung) 



1827—32 




118 



Cbriftus 

Modell des Kopfes 



1827 



125 

gewordenen formenfpracbe ju verföbnen. 6s macht traurig, einen derartigen 
projeß weiter mit der Sonde ju verfolgen. 

Gleichzeitig mit Dannecker modellierte ja auch Cborwaldfen feinen 
Cbriftus und feine Hpoftel. fflan weiß, mit welcher Kühle der dänifcbe ffleifter 
diefe Hufgabe in Hngriff nahm, wie es ihm trotjdem gelang, ein wenn auch 
äußerliches, fo doch barmonifcbes und dekorativ wirkfamcs 6an$es ^u fchaffen, 
während Dannecker, der mit innerftem Jmpuls ans Cderk ging, fich in feiner 
Hrbeit vermehrte, ohne ein eigentlich lebensfähiges Kunftwerk hervorzubringen. 
Cborwaldfen war jwölf Jahre jünger und eine Hrt großer Scbaufpieler, der 
fich in jeder Rolle ficher bewegte. 

So ift denn bei Danneckers Cbriftus der alte Konflikt jwifchen Datur- 
wahrheit und Stil befonders fühlbar; man ficht, wie der QQeifter fich mit 
der jonifierend „naffen" 6ewandung abquälte, wie ?agbaft die großen Schnitte 
gemacht find, welch feine Gmphndung doch wieder aus vielen Partien fpricht. 
Die große Popularität, welche die Statue feinerjeit beim großen Publikum 
genoß, lag wohl weniger an der Husführung als am Stofflichen ; fehr viel 
tat natürlich auch das wirkliche Jntereffe an jeder neuen Schöpfung des be- 
jahrten, mittlerweile fo hochgeehrten Künftlers, manches die flßode, das 
übrige die Propaganda, welche Rapp machte, und der Qmftand, daß die 
Statue nach Rußland wandern follte. 

Die Stellung Danneckers im Stuttgarter Kunftleben war feit den Cagen 
der Hriadne ganj von felbft eine dermaßen beherrfchende geworden, daß fie 
das unbefangene Clrteil der fflenge erdrückte, denn von Pietät gegen einen 
verdienten ffleifter kann man doch feiten reden. 6in intereffantes Cicht 
wirft darauf eine Heußerung von Cornelius, der 1824 in Stuttgart durch- 
reifte. 6r erjählte dem finanjrat 6fer, welcher ihn in München in der 
Glyptothek befuchte 1 ): 

„Dort giebt es nur einen Künftler, wenigftens hört man von keinem 
andern, als von Dannecker. Jch fah auch neulich feinen diplomatifchen 
Cbriftus, dem nur der Zopf fehlt. Jch habe ein trauriges Bild vom Stande 
der Kunft in Jhrem Vaterlande mit mir genommen. Mein freund Dieterich, 
der ju den höchften Dingen berufen wäre, malt Porträte, um das £eben 



') f. ejer, Hus rn. Ceben, S. 226 f. (Ravensburg, 1907). 



126 

ju triften, und der arme GCläcbter quält fid) mit Zeichnungen für Damen- 
Hlmanacbe." 

Diefes Orteil lautet febr herb, drückt aber die damalige Stimmung 
febr vieler Künftler aus. Man kann fieb denken, wie viele feinde und 
Deider der ffleifter auf dem mageren Kunftboden in Stuttgart batte, wo, 
wie (Jöäcbter wiederholt febreibt, die Kunft nicht fo leicht gedeihen konnte, 
eben CCläcbter war eine Ratur, auf den das Qlort von der „Melancholie 
des Unvermögens" wie auf wenige paßt, verärgert bis auf den Grund der 
Seele; auf Dannecker war er wie geladen. 6in Brief an den Hrchitekten 
fifeber d. J. ift bezeichnend 1 ): 

„. . . 6s tut mir eigentlich leid, daß ich Jbnen keine nuova scanda- 
losa von unferen Künftlern mitteilen kann; ich wäre gerade aufgelegt jum 
räfonnieren. Jcb weiß von niemand etwas, felbft von dem 6reco 2 ) nicht. 
. . . öder ift denn diefer 6reco? ßun da hab' ich wieder ausgefebwatjt! 
6s ift diefer 6reco ein weltberühmter Mann, der aber nur in einem ganj 
kleinen Zirkel bekannt ift, freilich unter einem Damen, der, wenn alles wahr 
fein Tollte, was gewiffe r>erren mit fo großer Zuverficht in die Gdelt binaus- 
pofaunen, noch lange nicht die Glürde des Subjektes ausdrückt, und deffen 
man fieb nur bedienen muß, bis ein adäquates Cdort erfunden worden." 

Derartige 6ebäffigkeiten waren das unausbleibliche 6egenftück ju der 
manchmal wirklich übertriebenen, äußerlichen Verehrung des ffieifters; es 
war ja nicht mehr als natürlich, daß der trotj Hbnabme der Kräfte fteigende 
Danneckerkult die anderen Künftler verbitterte. — 

ödäbrend fo Dannecker innerlich ganj bei feinem Chriftusideal war, 
modellierte er für den I)of mehrere Büften; juerft die des verdorbenen 
Königs und dann die König Klilhelms. Das aus dem Gedächtnis model- 
lierte Bildnis König friedriebs verdient entfebieden den Vorzug, obgleich 
Rapp das andere für „täufchend ähnlich" erklärt bat (Hbb. m, 113). 

Die 6nde 1818 modellierten Porträts des verftorbenen Juftijminifters 
v. ßeuratb und der Königin Katbarina paulowna find vortreffliche GCterke, 
wenn auch nicht von der frifebe der früheren Zeit (Hbb. 101, 114). Die Büfte 
der Königin wurde jweimal in Marmor ausgeführt, das jweitemal ohne 



a ) Vom 27. Huguft 1817 (Raahb, Beiträge S. 378 ff.). 
2 ) Spitzname Danneckers noch aus den rörmfeben Jabren. 



127 

Diadem, ödobin diefe beiden fflarmorbüften geraten find, gelang mir nicht 
feftjuftellen ; möglieb, daß fie nach Rußland gewandert find. 

Jm September 1817 fuhr Dannecker nacb frankfurt, wohl um die 
Hriadne am Blatj ihrer Hufftellung ?u befichtigen. Huf der Rückreife be- 
fuchte er in Heidelberg die Brüder Boifferee, welche mit ihrer 6emälde- 
fammlung im Jahre 1810 dahin übergefiedelt waren. 6r traf dabei jufällig 
mit Cdächter jufammen, der in feiner hämifchen Gleife in dem oben zitierten 
Briefe am 19. September weiter berichtet: 

„Da ich fpät abends hier ankam, fo ftieg ich in einem 6aftbofe ab, 
und da mußte es fich fügen, daß gerade auch damals unfer 6reco von 
frankfurt herkommend, wo er feierlich empfangen worden von dem Herrn 
Bethmann, in demfelben I)aufe fich befand. — 6r hatte fchon die Bilder 
der Boifferee gefehen, war wie gewöhnlich 6nthufiaft, und vermeinte, daß 
wenn wir diefe Sammlung in St. befäßen, noch 6in Bild von Raphael 
daju und einige 6ypsabgüffe nach Hntiken, fo wäre es gänjlichüber- 
flüffig, je Rom ju befueben. — Die Bilder find allerdings in mancher 
Hin ficht bewunderungswürdig, aber überfchätjen muß man nichts, und 
ich glaube nicht, daß das ernfte Studieren nach denfelben der wahre Sieg 
wäre, um fich dem F)öcbften der Kunft ju nähern." — 

Hm 18. September fchreibt Rapp an fflelchior Boifferee: „fflein 
Schwager, Hofratb Dannecker, ift glücklich und entjückt von den Schönheiten, 
die er bei Jbnen gefehen hat, |urückgekommen." 

Die Boifferees waren beide bereits mehrmals in Stuttgart gewefen 
und in der Danneckerei freundlich aufgenommen worden; fie planten eine 
Husftellung und womöglich den Verkauf ihrer prächtigen 6emäldefammlung 
in Stuttgart, und hier waren es namentlich wieder Dannecker und Rapp, 
die den König für die Sammlung ?u intereffieren fuchten und wußten. 

Hm 29. Oktober 1818 fuhr das Königspaar mit der Kaiferin von 
Rußland perfönlich nach Heidelberg, wobei denn die Qeberfiedelung der 
Sammlung nach Stuttgart und die Hufftellung im Offijierspavillon abge- 
macht wurde l ). Diefelbe fand 6nde ffiärj 1819 ftatt. 

') S. Hnbang Dr. 138/139. 



128 



io. 'Chorwaldfen. Ceres» ^obannee» 

(nährend das Stuttgarter Kunftleben neben der Tätigkeit der beimi- 
feben Künftler durch die Hntikenabgüffe und die neu eingetroffene Boifferee- 
fammlung einen gewiffen Höhepunkt erlebte, der [ich auch in dem ftarken 
fremdenverkebr widerfpiegelte, hatte Dannecker die freude, feinen berühmten 
Kunftgenoffen Chorwaldfen, den „fflatador", wie er ihn felbft gerne nannte, 
perfönlicb kennen ju lernen. 

Chorwaldfen nahm im Huguft 1819 bei der r>eimreife von Rom 
feinen Gdeg über Stuttgart, um den gefeierten fchwäbifchen ffleifter perfönlicb 
kennen ju lernen und die Boiffereefche Sammlung ju befichtigen. 6r reifte 
in Begleitung des dänifchen r)iftorienmalers Profeffor £und. einen hübfehen 
Zufall, der die Hnnäherung der beiden Künftler beförderte, erzählt Rapp 1 ): 

„Gin Zögling 2 ) von Dannecker fand nämlich auf der Rückkehr von 
einer fußreife bei der letzten Station jwei Reifende, die eben auf der Poft 
umfpannen wollten, und bat um einen platj in dem ödagen, der ihm gan? 
willig eingeräumt wurde, unterwegs wußte er viel von feinem ffieifter und 
deffen öderken ju erzählen und fetjte endlich hin?u, daß derfelbe mit Sehn- 
fucht einen Befuch von dem berühmten Chorwaldfen erwartete. ,(5y,' — 
entgegnete man ihm — ,da wird er nicht lange mehr warten dürfen, denn 
der bin ich." — Man kann heb das freudige 6rftaunen des Kunftjüngers 
denken, der nun nichts Hngelegeneres hatte, als nach dem Sprung aus dem 
Cdagen der ftderhftätte jujueilen und fein Glück ju verkünden. Dannecker 
machte heb fogleich auf, den fremden Hnkömmling ju begrüßen, diefer aber 
hatte den Gafthof nicht betreten , um nur recht bald den teuren Kunft- 
genoffen ju fehen. So begegneten heb diefe beiden fflänner das erftemal 
auf der Straße unter freiem, offenem r)immel. Cdas heb fo fuchet, das ver- 
hebet fich auch leicht: 6in Blick, ein Händedruck und fie waren auf immer 
verbunden. Von diefem Hugenblick an trennten fie fich auch nicht mehr bis 
ju dem mögliebft entfernten Hbfcbied, und Chorwaldfen legte feinem Huf- 
enthalt, der nur kurj dauern follte, einen Cag um den andern ju. Jn der 



') fflemmingers CQürtt. jfabrbüiher 1820. 
2 ) 6s war Zwerger. 



129 

derkftätte des deutfcben Künftlers fand lieb der edle Däne wie ?u Fiaufe, 
denn hier war vielleicht noch mehr als er gefuebt hatte. Und diefe GCIerk- 
ftätte kann nun von heb tagen, daß die drei größten Bildhauer unferer Zeit 
in ihr geweilt haben." 

Der „edle Däne" mit feinem fchönen Kopfe und dem befebeiden- 
gewandten Huftreten eroberte fich die Stuttgarter im Sturme. Schillers 
Denkmal follte von einem Husländer gefchaffen werden. 

Chorwaldfen bewunderte die Boiffereefche Sammlung höchlichft, jeich- 
nete fogar mit Cund jufammen nach den Bildern. Dannecker fagte einmal 
in feiner draftifchen Cdeife: „Jch will ein Fjundsfott fein, wenn diefe Kunft 
in der Fjauptfacbe nicht dem Fjöcbften in der Hntike gleich fteht 1 )." 

Chorwaldfen reifte mit Sulpij Boifferee und £und am 21. Huguft 
weiter nach frankfurt, wo fie den 71. Geburtstag 6oetbes mit einem feft- 
mabl feierten. Dabei brachte Boifferee den plan eines Goethedenkmals für 
frankfurt auf, der fofort freudigen Hnklang fand 2 ). Jn der Umgebung 
f rankfurts follte ein Cempel errichtet werden , darin eine Koloffalbüfte des 
Dichters von Dannecker. Die durch Oberlicht erbellte innere Cdand des 
Cempels würde einen fries erbalten mit Reliefdarftellungen aus Fjermann 
und Dorothea, welche Chorwaldfen übernehmen wollte. 

Boifferee beftellte die Büfte bei Dannecker und bat Goethe, dem 
Künftler die nötigen Sitzungen ju gewähren. Der Dichter jeigte fich der 
Ghrung durchaus nicht abgeneigt, traute fich aber des hoben Hlters wegen 
die weite Reife nach Stuttgart nicht ?u 3 ). 

„So werth und lieb uns nun aber auch die Gegenwart Fjerrn Dan- 
neckers feyn würde, wenn er fich entfcbließen könnte, uns ?u befueben, fo ift 
doch auch diefe Zumutbung bei einer fo weiten Gntfernung, wie mir fcheinen 
will, etwas ftark. Damit ich aber von meiner Seite einer fo wohlgemeinten 
und ehrenvollen Unternehmung gern entgegen komme, fo will ich mich den 
fflonat Hpril in Cdeimar halten; Fjerr Prof effor Dann ecker foll mir und den 
ffleinigen willkommen fein, einige Zimmer ju feiner öüobnung und eine an- 



a ) Bertram an S. Boifferee. 22. Hag. 1819. (S. BoifTcrce. I. 368.) 

2 ) Sggers, Raucb. J. CCfable, Denkmal 6oetbes. (6oetbejabrbud) 1896.) 

3 ) 6oetbe an Boifferee. 14. Jan. 1820. (S. Boifferee IL S. 269.) 





130 

ftoßende Gderkftatt bereit finden, da wir denn nichts mehr wünfeben, als 
daß ihm der Hufentbalt in jedem Sinne möge gefällig und erfreulieb feyn. 

Zu 6nde Hpril geh icb nacb Karlsbad, weil icb den rubigen ffiai 
dort abzuwarten und Hnfangs Juni wieder hier ju feyn gedenke, obgleich 
diefes letztere keine fo genaue Beftimmung erleidet. Clnd fo leg' ich auch 
das alles in Jhre werthen f)ände und übergebe gar manche in folchen fällen 
fich aufdringende Betrachtungen 

Da ich noch Dlatj vor mir febe, fo wend' ich mich denn doch ju 
jenen Betrachtungen, die ich oben liegen ließ. Sollte es nicht etwas be- 
denklich feyn, meine freunde, einen Bildhauer dahin ju fenden, wo er keine 
formen mehr findet? wo die ßatur auf ihrem Rückzüge fich nun mit dem 
Dotbwendigen begnügt, was $um Dafeyn allenfalls unentbehrlich feyn 
möchte; wie kann dem Marmor ein Bild günftig feyn, aus dem die fülle 
des Cebens verfebwunden ift? Schon Jahre find es, daß wir uns nicht ge- 
fehen haben, ich wünfehe daß unfer werther Künftler fich nach einer langen 
{Wallfahrt nicht alljufebr getäufcht fühle. 

hiernach aber fey feierlid) proteftiert, daß ich nichts gefagt haben will, 
was jenes fo wohl gemeinte und mir böchft ehrenvolle unternehmen auch 
nur im mindeften aufhalten und hindern könne. Das juerft Gefagte bleibt 
in voller Kraft." 

Hm 24. februar antwortete jedoch Boifferee: 

„. . . . ffiein, fo wie Danneckers Cdunfch wäre nun, Jhnen melden ju 
können, daß diefer freund Jhre gütige Ginladung auf den Hpril annähme, 
aber hier tritt einftweilen auch eine Krankheit in die Quere. Danneckers 
frau leidet auf eine fo bedenkliche öleife, daß er fich jetjt noch nicht ?ur 
Reife anbeifchig machen kann. Sollte der Zuftand bei Zeiten eine beruhigende 
Blendung nehmen, fo wird er gewiß noch im frühjahr kommen. Denn er 
freut fich fo fehr auf das Ctlerk, daß er es je eher je lieber unternehmen 
möchte. Huf jeden fall wird er Jhnen gehörig Befcheid geben. Jhre 
Zweifel, ob dem Künftler nicht eine Cäufchung bevorftebe, haben wir nicht 
ohne einige Rührung lefen können. — Glas er vorjugsweife darstellen 
wünfeht: die Cebendigkeit des 6eiftes und die Kraft der Seele, das wird 
er Ikberlicb in den edeln Zügen finden, und was den formen an fülle ab- 
geht, das wird er, ohne im geringften unwahr ju feyn, leicht jujugeben 




119 



frau piftorius, geb. feuerlein 



1816 




120 



frau piftorius, geb. feuerlein 



1816 



131 

wiffen, dafür ift er der fflann. dirklicb ich bin überzeugt, daß unter den 
neueren Künftlern keiner ein [o eminentes Calent für die Huffaffung der 
Jndividualität im böcbften Sinn des Cdorts befitjt. Und darum erwarte 
ich, daß er uns ein Bild liefern wird, wahrer, erfreulieber und großartiger 
als alle, die wir bis jetjt von Jbnen haben." 

ffiit der Zeit ftiegen 6oethe jedoch wieder Zweifel auf, und er machte 
den Vorfcblag, dem Künftler bloß die CQaske jujufcbicken , die er fich 6all 
juliebe am 15. Oktober 1807 hatte abformen laffen. Boifferee war damit 
aber nicht einverftanden , noch weniger natürlich Dannecker, welchem alles 
daran liegen mußte, 6oethe von Hngeficht ?u Hngeficht ju fehen und über- 
haupt auf diefe ödeife längere Zeit mit ihm jufammen ju fein. Hllein der 
fehnliche Gßunfcb follte ihm nicht erfüllt werden , denn das Ceiden feiner 
6attin wurde immer ernfter. Hm 1. Juni mußte Boifferee wieder an Goethe 
berichten : 

„ . . . 6s liegt mir auf dem I)erjen, noch von Dannecker ju fprechen, 
der fich Jhnen auf das Hngelegentlichfte empfehlen läßt. Diefer gute freund 
befindet fich wegen der Reife $u Jhnen in der traurigften Verlegenheit. Der 
Zuftand feiner frau ift immer fo bedenklich und fein Verhältnis ju ihr von 
der Hrt, daß er es noch nicht unternehmen darf, fich auf einige GQocben von 
ihr ju trennen. Sie leidet wie es febeint an einem organifchen fehler, der 
ihr von Zeit ju Zeit die gefährlichften Zufälle verurfacht. ffian hatte ge- 
hofft, mit dem Sommer würde diefes üebel, wo nicht fich verlieren, doch fo 
gemildert werden, daß die arme frau fich über eine kurje 6ntfernung des 
fflannes beruhigen, oder gar ihn begleiten könnte. Hber eine, vor einigen 
Cagen verfuchte Spanerfahrt von 2 Stunden hat fo bofe folgen gehabt, daß 
man diefe Hoffnung wird aufgeben muffen." 

Jn der Cat verfchlimmerte fich der Zuftand der Hrmen , und fflitte 
Huguft mußte Dannecker förmlich auf die herrliche Hufgabe vernebten. Das 
frankfurter Denkmalskomitee hatte ihn noch veranlaßt, felbft auf Rauch ?u 
verweifen, der denn bekanntlich im Huguft 1820 die Büfte 6oethes 
modellierte. 

6s ift unendlich $u bedauern, daß uns durch diefe tragifche Verkettung 
der Qmftände das 6egenftück ju Schillers Bildnis entgangen ift, denn einen 
Vergleich mit Danneckers Schiller hält die Rauchfche 6oethebüfte kaum aus. 



132 



Darnieder felbft in feiner großartigen Heidlofigkeit fand nadober die Büfte 
„febr genial aufgefaßt" ] )- 



6nde 1818 erhielt Dannecker von dem I)erjog von Oldenburg den 
Huftrag ju einer lebensgroßen figur für das 6rab feines 1812 verdorbenen 
Sobnes 6eorg, des erften Gemahls der Königin Katbarina von (Württemberg. 

Dannecker griff auf eine frühere Ski^e jurück, die bereits 1806 bei 
Cbriftmann aufgeführt ift: „GineCeres, die ibreCocbter gefucht hat, fitjt trauernd 
auf einem Stein und ruht aus. Die brennende fackel liegt am Boden 2 )." Das 
Gipsmodell wurde 1821 mit dem Cbriftus vollendet 3 ) ; die Husfübrung in karra- 
rifebem OQarmor lief ebenfalls gleichzeitig mit der fflarmorausfübrung des Cbriftus. 

Die Ceres (Hbb. 121) verleugnet kompofitionell nicht die zeitliche I5acb- 
barfebaft der „Crauernden freundfebaft"; man ift auch verfuebt, an eine 
Reminisjenj von der fogen. Denelope des Vatikans ju denken. Die figur 
ift für eine einzige profilanficht vor architektonifebem Hintergründe, alfo 
relief mäßig, gedacht. Die formen find die großen der fpäteren Zeit 4 ). 

Cdährend der Künftler mit diefen großen Hrbeiten befchäftigt war, 
kam Schillers öditwe im Oktober 1819 abermals in die I)eimat ihres Gatten 
und wurde liebevoll aufgenommen. „Jch finde in Rapps und Danneckers 
die alten freunde und lebe wie in einer familie," febreibt fie an ihren Sohn 
Grnft 5 ), und „die Büfte des geliebten Vaters ftebt wie ein Croft aus einer 
höheren Cdelt vor den Hugen. . ." Jm vorhergebenden Jahr befuebte auch 
ihr Sohn Karl bei feinem Stuttgarter Hufentbalt häufig den freund feines 
Vaters. „6r ift oft des Morgens in Danneckers Htelier und liebt ihn febr," 
febrieb Cotte am 18. Januar 1818 an Karoline. 

Jm Dovember 1820 befuebte auch Hcbim von Hrnim das Htelier; er 
berichtet darüber an Bettina 6 ): 



] ) Boilferee an 6oetbe 28. 3. 1825. (Boiflcrec hatte pcb bei Rauch einen Hbguf? be- 
Jtellt.) [$. Boilferee IL] 

a ) Jctjt im Bei. von Rerrn Staatsrat von Schwab, Stuttgart. 6s ift vielleicht die 
von 6oetbe in feiner Scbweijerreife (1707) erwähnte, „kleine trauernd fitjende figur ju einem 
Zimmermonument." 

s ) Kunftblatt vom 17. De?. 1821. 

4 ) Cleber die Hufttellung f. unten S. 143. 

6 ) Schmidt, Schillers Sohn 6rnft. S. 178. 

6 ) ffiitget. v. R. Steig, Scbw. Chronik 16. 10. 1807. 



133 

„Jcb befucbte ihn: ein herzlicher offener fflann, ungefähr das Gegen- 
teil unferer Berliner Bildbauer, obne Keid, und doeb von feinen Hrbeiten 
eingenommen und das mit Recbt, denn er bat noeb niebts Schlechtes 
gemaebt." 

Gtwa um diefelbe Zeit harn auch Cord 6lgin, der Gntdecker der 
Partbenonfkulpturen , mit feiner familie nacb Stuttgart. 6ine ernftbafte 
Grkrankung feiner Cocbter jwang ibn, in der febwäbifeben I)auptftadt ?u 
überwintern; „er befucbte," wie Rapp febreibt 1 ), „unfere ausgezeichneten 
Künftler und Kunftfammlungen fleißig und geigte fieb überall als den wahr- 
haft fein gebildeten fflann und Kenner." 

Gin febwerer Schlag war dem ffleifter noch vorbehalten. Die Krank- 
heit feiner Gattin, die fieb nun bereits über Jahre erftreckte — ein febweres 
Gewächs im Unterleib, das man damals noch nicht ?u operieren verftand 
— verfchlimmerte fieb fortwährend. Die regelmäßigen Hbende in der Dan- 
neckerei hatten febon feit mehreren Jahren aus Rückficht auf ihren Zuftand 
unterbleiben muffen. Hm 21. fflai 1823 erlag die Hrme endlich ihren 
fchweren Ceiden. Der Verluft diefer Gattin, die 33 Jahre lang fein Hlles 
gewefen war, feblug den alternden Künftler beinahe ju Boden; fein weiches 
Gemüt war nicht fähig, einen foleben Stoß ju ertragen. „Heb Gott, ich 
wünfebte febon oft verfinken ju können," febreibt er im Oktober an Glagner 
nacb Rom, und „fflein Ceben ift mir oft wohlfeil, denn wenn ich bedenke 
wenn ich gearbeitet habe und vom Httelier hinaufkomme, fo alles leebr 
finde, fo bin ich betrübt — brauche kein Cüeib mehr Du magft mich ver- 
gehen, ich verdiente aber Jemand der fieb meiner annehmen möchte, wenn 
ich kränklich werde. Hltes gebt nicht, Junges noch weniger weil ich alt 
bin, kurj es follte ein freund und kein Bedienter feyn : denn daju bin ich 
ju offen und ju vertraulich." 

Cange hielt jedoch der ffleifter die Ginfamkeit nicht aus, fondern 
wählte fieb bereits um die Jahreswende doch eine neue Cebensgefäbrtin, und 
jwar die 24jährige f riederike Kolb. Diefelbe war die Cocbter eines f abrikanten 
aus Kircbbeim u. Ceck (geboren 13. Juni 1797) und befand fieb bereits 
7 Jahre im Dann eckerf eben F)aufe (Hbb. 124). 



•) Caürttcmb. Jabrbüdnr 1821. S. 108. 



134 

Die Hrt, wie Dannecker um die Jungfer friederike anhielt, ift ju 
ebarakteriftifcb für den ftets ju burlesken Spaßen aufgelegten Künftler, um 
mit Stillfcbweigen übergangen ju werden 1 ). Hm Gdeibnacbtsabend des 
Jahres 1823 ließ Dannecker es fich wie gewöhnlich nicht nehmen, felbft die 
Cichter des Chriftbaumes anjujünden. Hls darauf friederike in die ödeib- 
nachtsftube trat, fand fie den Cifcb, auf dem fonft die 6efchenke aufgebaut 
lagen, leer und machte vergebliche Hnftrengungen , ihre Gnttäufcbung 
hinunterschlucken. Da fetjte [ich Dannecker in einen großen Korb neben 
dem Cdeihnachtsbaum und fagte: 

„Des ifch Dei Chrifchkindle." 

Die Crauung fand am 22. Januar ftatt. Crot| des großen Hlters- 
unterfchiedes war auch diefe jweite 6be eine außerordentlich glückliche. 
Friederike war eine einfache frau von Verftand und großer 6üte; [ie befaß 
ein feines Kunftverftändnis und ging vollftändig in dem 6atten auf, den 
fie namentlich in feinen letzten Jahren mit Hufopferung pflegte. 

Dach der Vollendung des Chriftus öffnete Dannecker wie bei der 
Hriadne das Htelier dem allgemeinen Zugange, und der Hndrang war, wie 
Rapp in feinem überfchwenglichen Hrtikel berichtet, ein enormer. 

Hm 27. Juni 1824 wurden der Chriftus und die Ceres abgefandt, um 
auf dem Cdafferwege an ihren Beftimmungsort ju gelangen. Dannecker 
fandte wieder feinen Gehilfen Jakob Baun mit, um das Huspacken und die 
Hufftellung ju überwachen, ffiitte Huguft hatte Baun die Ceres glücklich 
aufgehellt 2 ) und fetjte feine Reife fort nach Petersburg, denn der urfprüng- 
liche Beftimmungsort des Chriftus war mit dem kaiferlichen Sommerpalais 
Zarskoje-Selo vertaufcht worden. Die Statue kam im Oktober an und 
fand ihren platj in der Kapelle einer eigens daju errichteten Schloßruine 
im Schloßpark. Der Künftler erhielt dafür 30000 Rubel = 3000 Dukaten, 
einen Brillantring und den St. Qlladimirorden 4. Klaffe. 

Zu gleicher Zeit überfandte ihm der König Chriftian friedrieb von 
Dänemark mit einem F)andfcbreiben das Diplom der Grnennung jum 6bren- 
mitglied der Hkademie der bildenden Künfte in Kopenhagen. Diefe Hus- 



*) Dach frdl. Mitteilung von frl. Grüneijen in Stuttgart, welche die 6rjäblung ?u 
wiederholten ffialen aus dem ffiunde von Danne&ers CCIitwe gebort bat. 
2 ) $. unten S. 143. 



135 

jeicbnung läßt ficb jedenfalls mit Cborwaldfens Befucb in Verbindung 
bringen L ). 

Der König hatte um 1820 befcbloffen, feiner verdorbenen 6emablin 
auf dem Rotenberg, der Gdiege des württembergifcben Königsbaufes, eine 
6ruftkapelle ?u errichten. Vor wenigen Jahren hatte die Königin felbft 
hier den Gdunfcb ausgefprochen, daß diefer landfchaftlich fo herrliche Punkt 
durch ein Denkmal ausgezeichnet werde. 

Der Bau der Kapelle wurde dem Florentiner 6iovanni di Salucci 
übertragen und im Jahre 1824 vollendet. 6s ift eine Rotunde mit vier 
Säulenvorfprüngen ; der 6rundri|5 hat die form eines griechifcben Kreuzes. 
Oeberdacht ift das 6anje von einer Kuppel, die von einer Caterne mit 
Kreuj gekrönt wird. Die Sarkophage befinden ficb in der 6ruft unter der 
fflitte des Gebäudes. 

für das Jnnere der Rotunde beftellte der König im I)erbft 1822 vier 
Koloffalftatuen der Gvangeliften in karrarifchem QQarmor; eine derfelben 
Tollte Dannecker jufallen. Der ffleifter febrieb darauf an den Oberftbof- 
meifter v. Seckendorff 2 ): 

6uer 6xcellen$ 
erlauben mir gnädig, daß ich es wage, eine fragen über den allergnädigften 
Huftrag von vier Gvangeliften in Carrara fflarmor für die Capelle auf dem 
Rotben Berg ju machen. Dach dem J)öcbften Gdunfcb folle ein ganzes Qeber- 
einftimmendes aufgeteilt werden : und um diefes ju erreichen möchte es gut 
feyn daß alle vier fflodels in 6ips von einem ffleifter verfertigt und auf- 
geftellt würden und fie dann erft noch anderen Künftlern in fflarmor ju 
vollenden aufgegeben würde. Die Modells würde ich mit freuden mit 
meinem Schüler Gdagner, der das große 6lük bat von Sr £ß: dem König 
auf 1 Jahr unterftütjt ju werden jur Verfertigung übernehmen und dann 
felbft den 4ten Gvangeliften in Marmor ju arbeiten übernehmen. 
ffiit Verehrung und Hochachtung 

6uer 6xcellenj untertäniger Diener 
Stuttgard d 28 Dov. 1822 Dannecker. 



') Dali es Danne&er nicht an Gbrungen fehlte, mag die im Hnbang (II.) gegebene 
Hufltellung jeigen. 

2 ) Briefkonjept in Dannechers Dachla]} (Bef. von familie Binder-faber). 



136 

Diefer Vorfcblag Danneckers wurde jedoch nicht genehmigt, fondern 
ihm nur die Husführung des Johannes belaffen, und £uhas feinem Schüler 
ödagner übertragen, Mit den beiden andern Statuen wurde durch Vermitt- 
lung des württembergifchen Gefcbäftsträgers Kölle in Rom Chorwaldfen 
beauftragt, welcher die entwürfe fertigen und jur Husführung womöglich 
$wei württembergifcbe Künftler wählen follte. 

Chorwaldfen verpflichtete fich darauf, die Smjjen ?u beiden Statuen 
unentgeltlich ?u verfertigen, das Modell ju revidieren und die fflarmor- 
ausfübrung ju beauffichtigen. Jede Statue follte ausfcbüeßlicb der Verpackung 
1500 Scudi holten. Den Matthäus überließ er feinem Schüler Johann £eeb 
aus fflemmingen (1790—1863), den Markus Zwerger, der fich feit 1820 in Rom 
befand. 6efuche, in welchen die damals ebenfalls in Rom befindlichen Bild- 
hauer 6rnft Mayer 1 ) und Glilbelm Braun' 2 ) um Qebertragung der Hus- 
führung baten, wurden auf Dannechers Gutachten vom Rönig abgelehnt. 
6tn darauf bezüglicher Brief Rölles an Seckendorff, der wegen der darin 
enthaltenen Heußerung Chorwaldfens intereffant ift, lautet 3 ): 

„6uer ex?ellen? 

Verehrtes vom 29. May ift mir, famt jurüchfolgenden Beilagen ehe- 
geftern richtig jugekommen. 

Vor HUem glaube ich den in den Petitionen liegenden Vorwurf fremden 
vor Candsleuten den Vorzug ju geben beantworten ju muffen. Von 
F). Mayer habe ich nur eine jiemlich mittelmäßige Büfte J. ffl. der verwitt- 
weten Rönigin, von Fjr. Braun aber noch gar nichts geleben. Beide arbeiteten 
bis jct|t als fclbftändige ffleifter, find alfo nach meiner Hnficht nicht ge- 
macht, bloße Husführer eines gegebenen Modells ?u feyn. Bey der allen 
Rünftlern eigenen reizbaren Selbftliebe mögen fie fich leicht ein wenig über- 
fchät?en, und ich gieng von dem Grundfarbe aus, das Befte für eine fo 
würdige Stelle ju erhalten. Doch jejt habe ich die volle Qeberjeugung daß 
der von mir vorgefchlagene Qleg der befte feye, und hätte Chorwaldfon 
meinen Hntrag abgelehnt, fo würde die Reihe an den ßiederländer Reffeis, 
den Spanier Hivare?, den Carrarefen Cenerani gekommen feyn. Denn nach 



') (1796—1844) Schüler Jfopis und ©ebilfe von Chorwaldfen. 

2 ) (1796—1863) Schüler von Mach d. He. 

3 ) Hkten des Fjofmarfchallamts Stuttgart. 



137 

dem Huftrage konnte ich weder dem I)r. fflayer und Braun, noch auch- dem 
I)rn. ffiäntler, welcher ficb einige Zeit auf die Skulptur geworfen, und auch 
bey mir um eine diefer Statuen follicitirt hatte, die Hrbeit felbftändig 
anvertrauen. 

6eftern eröffnete ich Chorwaldfon den Jnhalt des Schreibens 6urer 
exjellen?. Seine Hntwort war: 

,Jch kenne I)r. fflayer nur vom Sehen, I)r. Braun gan$ nicht. 
„Cöas ich thue, gefchieht aus Verehrung für Jhren König, ohne Jntereffe, 
„aber nur meine Schüler verftehen mich, nur für fie kann ich für 6üte 
„der Hrbeit bürgen. Jch werde auch an den Modellen überall nachhelfen, 
„wie ich bey den Statuen für das Copenhagener Giebelfeld gethan habe. 
„Sehen Sie diefen an, daß fie nicht von mir find? Jch mußte: nein 
„aus Qeber^eugung antworten: „6s foll etwas hinauskommen, was werth 
„ift, neben Dannecker ju ftehen, aber man wird mir nicht jumuthen, mich 
„mit Künftlern einjulaffen, welche ich weder als folgfame Schüler, noch 
„als fertige Hrbeiter kenne." 

Jndem ich nun 6uer 6xcellenj unterthänigft bitte, mich die Hller- 
höchfte 6ntfcbließung, ob S. 05. auf die von Chorwaldfon vorgefchlagenen 
Bedingungen eingehen, oder aber noch einige Jahre juwarten wollen, bis 
die württembergifeben Bildhauer fflayer, Braun, I)ofer etc. fich als ffleifter 
legitimirt haben werden, [willen ju laffen] , jeige ich jugleich an, daß ich 
den Hbfchluß des Contracts bis ju Ginlauf der Hntwort verfchieben werde. 

Refpectsvoll 

6uer Gxcellenj unterthäniger 
Rom n f Juni 1823. Rolle." 

Jm Oktober desfelben Jahres fchrieb Rolle wiederum: 

6uer excellenj 

verfehle ich nicht, in der Hnlage den von Chorwaldfon und feinen 
Schülern £eeb und Zwerger unterfchriebenen Contract wegen der jwey Statuen 
für die 6rabkapelle unterthänig ju überfenden die Husführung wird mög- 
lichft von mir betrieben werden. 

Chorwaldfon hat nicht nur auf mein Bitten auf die Vertiefung der 
fiifcben verachtet, fondern wird auch den Cöwen und Gngel in den ßifeben 



138 

anbringen, fo wie Gdagner den Ocbfen, daher I)r. I)ofratb von Danecker fich 
wobl erbitten laflen wird, und den Hdler ebenfalls feinen Jobannes bei- 
geben wird. 

Zu meiner großen freude nimmt fieb Cborwaldfon ödagners väterlich 
an und befucht ihn beinahe täglich bey der, in 6rde febon jiemlicb weit 
vorgerückten Hrbeit. 

P)err £inckb ift noch ?u Civoli, ich werde fogleich nach feiner Rückkehr 
den Huftrag 6uer Gxcellen? ausrichten. 

Refpectsvoll 

6uer Gxcellenj 
Rom den 3* Octbrs unterthäniger 

1823. Kölle. 

6s ift jwifchen dem daju beauftragten K. ödürttembergifeben Gefcbäfts- 
träger in Rom 6hR. Kölle und den Bildhauern £eeb und Zwerger folgen- 
der Vertrag u. h. D. abgefchloffen worden 

1) Genannte Künftler machen fich verbindlich jeder die Statue eines 6van- 
geliften für die Grabkapelle auf dem rotben Berg, und jwar Ceeb die 
des Matthäus und Zwerger die des Markus in gutem ftatuari- 
febem Marmor nach einer Ski^e des Ritters Cborwaldfon in mögUcbft 
kurzer Zeit nach dem von I)r. ödagner mitgebrachten fflaaße ju fertigen. 

2) I)iefür erhält jeder die Summe von fünfzehnhundert römifchen Cbalern, 
die I)älfte fogleich die andere bey Beginnen des öderks in Marmor. 

3) Machen fie fich verbindlich, fowohl bey Fertigung des Modells, als 
bey der Husführung in Marmor nach der Hnleitung ihres ffleifters 
und £ehrers |u arbeiten. 

4) SIerden fie nach der Vollendung die Verpackung forgfältig beauf- 
fichtigen. 

5) 6hR. Kölle wird fie, wenn ihre Hrbeit befonders preiswürdig aus- 
fallen wird, der Gnade und weiteren Berückfichtigung S. QQ. des 
Königs noch befonders empfehlen. 

Rom den 2* Octbrs. 1823. 

Hlbert Cborwaldfen 
Joh's £eeb Bildbauer 

Joban Zwerger 




121 



Crauernde Ceres 



1818—24 




122 



Sieg im Gebet 



1826—31 



139 

ünterdeffen überwachte Chorwaldfen den fortgang der Hrbeit, über- 
arbeitete auch im Hnfang Hpril 1824 beide Conmodelle. 

ödagner hatte die Skijje ju [einem Cukas 1823 noch unter Danneckers 
Ceitung entworfen, wandelte diefelbe aber bei der Husführung unter Chor- 
waldfens Ginfluß um. 6nde des Sommers 1825 waren [amtliche drei Statuen 
ju Chorwaldfens Zufriedenheit fertig und konnten auf dem Seewege nach 
der I)eimat gefandt werden. 

Die Hrbeit am Johannes dagegen fchritt langfam fort 1 ). Der ffleifter 
geriet juerft in Konflikt mit der traditionellen Huffaffung und weigerte fich 
energifch gegen die Zumutung, dem Hpoftel den Hdler beizugeben. Cdie bei 
feinem Chriftus, fo trachtete er auch bei feinem Johannes durch das Studium 
der Bibel die urfprüngliche Berfönlichkeit aus der verhüllenden Cradition 
herausjufchälen. ödie dort, fo fucht er hier die verfagende Phantafie durch 
Reflexion ju erfetjen; aus einzelnen Baufteinen foll ein 6anjes entftehen. 
So quälte fich der ffieifter fchließlich eine Jdee ab, welche die Möglichkeit 
materieller Darftellung weit überfchreitet 

Jn dem Dachlaß 2 ) findet fich ein Blatt, worauf Dannecker feine Huf- 
faffung fixiert hat. 

„Johannes der Gvangelift und deffen Charakter, 
fflit einer gränjenlofen 6hrfurcht und Hebe die bis jur Hnbetung 
gieng: war er ein unzertrennlicher Hnhänger, beftändige Begleiter und ver- 
trautere Jünger Jefu. 6r erhielt von Jefu die ödeihe jum Hpoftel Hmte 
und den Beinamen Boanerges. Donnerfohn Marcus Cap: 3 v. 17. 

6r äußerte fich oft mit einem etwaß alljurafchen Gifer — Marcus 9. 38. 
£uc. 9. 49. Cuc. 9. 52, 56. ffiatth. 20. v: 20. Daher dachte ich, ihm 
eine etwaß ftrenge Stirne, hohes Oberhaupt und mehr kräftigen als jarten 
Haarwuchs $u geben : Die Proportion über die Schultern etwaß breit, der 
Körper leicht mit kräftigen aber jarten Hrmen und Beine. 

Hus der Gpiftel St Johannes 5 Cap. 8 v. habe ich den 
Moment der Dar ft eilung gewählt. 

Drei find Zeugen auf 6rden: Der 6eift das CClaffer und das Blut; 
und diefe Drei find Gins. Dannecker." 



') Vgl. Hnbang Dr. 196—203. 
2 ) Hacblaf? B. 



140 

Die Verfinnlicbung diefes religiöfen Dogmas bleibt dem naiven Bc- 
febauer natürlich fo unverftändlicb wie etwa moderne Programmufib ohne 
Kenntnis der Grläuterung. 

Jn der Kunftweife fcbließt fieb der Jobannes dem Cbriftus an; dod) 
ift die Gewandung etwas freier bebandelt (Hbb. 123). 6in gewiffes Pathos 
und große Jnnerlicbbeit ift der figur niebt abjuftreiten. Huf die Dauer 
jedoeb bann man fieb des fcbmerjlicben Gefühls nid)t erwebren, wie hier 
das Können hinter dem Cdollen jurücbbleibt. Die langen faltenfcbnitte, die 
nach pbidiafifebem Vorbild ') und in dem ficbtlicben Streben nacb „Ginfalt 
und ftiller Größe" entftanden find, erfebeinen dürftig; die mit fo beiligem 
6rnft erfonnene Bewegung wirbt troeben. Jmmerbin übertrifft der Johannes 
unbedingt die drei anderen 6vangeliften, ftebt auch meiner Hnficbt nach über 
dem Cbriftus. 

für den Kopf und namentlich die Cocben hatte der ffleifter Karl Grün- 
eifen als Modell benutzt 2 ). 

Dannecber felbft foll in bindlicber freude den Husfprucb getan haben: 
„Das bätt' ich auch nicht gedacht, daß der Dannecber fo was machen bönnt'." 
Die jeitgenöffifeben Künftler dagegen ftanden dem Jobannes bereits febr bübl 
gegenüber. Cdäcbter febrieb dem ffieifter 3 ): 

„ Jcb bin fo frey ju äußern , daß mir das f ingerfpiel (das auf die 
Dreyeinigbeit fieb belieben foll) doch etwas ju dramatifcb oder mimifcb, und 
alfo außerhalb des engen Kreifes, worinnen die ernftere Sbulptur, [ich be- 
wegt, ju feyn febeint." 

Die ffiarmorausfübrung verzögerte fieb dadurch, daß das Schiff, welches 
den beftellten Marmor brachte, unterging; fo mußte die Beftellung wieder- 
holt werden, und die Statue bonnte erft Hnfang fflai 1828 mit den anderen 
vereinigt werden 4 ). 



') Hpollo Kitbarodos. 

*) Dach frdl. fflitteilung der Coditer, frl. SQ. 6rüneifen-Stuttgart. 

3 ) Ohne Datum. 6cdr. Sdw. Chronik, 1878, $. 1435. 

4 ) Kursblatt, 3. Juli 1828. 



141 



II« Cctzte Hrbeiten. 6nde. Rückblick. 

Zu erwähnen find noch die Büften des bekannten ruffifeben 6enerals 
Benckendorff (Hbb. 102.) und feiner 6attin. Konftantin von Benckendorff 
(geb. 1784) hatte den feldjug 1812 mitgemacht und war feit 1820 ruffifcher 
6efandter am württembergifchen I)ofe. Dannecker modellierte ihn im 
Dejember 1821. Hls Benckendorffs 6attin Datalia, eine Geborene von Hlo- 
päus, im Januar 1823 ftarb, beftellte der Qlitwer alsbald eine Büfte der 
Verdorbenen, welche der Künftler in der I)auptfache nach dem Gedächtnis 
arbeitete. 

Benckendorff ließ darauf feiner 6attin auf dem friedhof der Karls- 
vorftadt von Stuttgart (Fjeslacb) ein ffiaufoleum errichten und beftellte, um 
die (Wiedervereinigung mit der geliebten Verftorbenen feb-on jetjt im Bilde 
ju erleben, ein Doppelbildnis bei Dannecker. Dannecker verband darauf 
die beiden Bildniffe ju einer 6ruppe, indem er als Vorlage das bekannte 
römifche Gbepaar im Vatikan nahm. Das Gipsmodell war 1825 vollendet 
und wurde in dem Cßaufoleum aufgeteilt, um fpäter mit einer flQarmor- 
ausführung QCtagners vertaufcht ?u werden x ). 

Die übrigen Hrbeiten aus der DQitte der jwanjiger Jahre find meiftens 
(Wiederholungen früherer GQerke, welche von den Schülern gearbeitet und 
vom ffleifter bloß übergangen wurden. Daju gehören die febon erwähnten 
Repliken des Reliefs „Cragödie und 6efchichte", die jweite Pfycbe und eine 
(Wiederholung der Koloffalbüfte Schillers für den kunftfinnigen Grafen franj 
6rwin von Scbönborn-(Wiefentbeid; diefe Hrbeiten fämtlich in fflarmor. 

Die Schillerbüfte wurde im februar 1826 über (Würjburg nach dem 
gräflichen Candfcbloß 6aibach in (Interbanken abgefandt. Schönborn ließ 
durch Klenje einen Riß ju einem kleinen 6ebäude herftellen, das $ur Huf- 
nahme der Büfte beftimmt war und gan? nach Danneckers (Wunfcb der 
Büfte Oberlicht von vorne jufübrte. Die Büfte fteht jetjt im 6artenfalon 
des Schloffes 2 ). Schönborn wünfehte febon jehn Jahre vorher eine Büfte 



') Benckendorff ftarb 1828 am Dervenfieber ju ßrawodi in Bulgarien, nachdem er fieb 
im perfifeben und türkifeben Krieg ausgezeichnet hatte; feine Eeiche wurde nach I)eslacb über- 
führt, wo die Beifetjung jur Seite der 6emahlin am 18. Dovember 1828 Itattfand. 

2 ) S. Hnhang Dr. 280 u. Kraufj, Danneckers Schillerbüften. 



142 

Dürers von Dannecker ju haben 1 ), der aber diefen undankbaren Huftrag — 
er mochte an Gluck und friedrieb dem Siegreichen genug haben — hinaus- 
zögerte und fcbließlicb ganj fallen ließ. 

Jm Oktober 1825 wurde von Oldenburg aus eine jweite Statue für 
die 1820 verftorbene erfte Gemahlin des 6rbprinjen (ßrin^effin Hdelbeid, 
Cochter des fürften Viktor II. von Hnhalt-Bernburg-Schaumburg) beftellt. 
Dannecker fchlug wegen der vielen Hrbeiten fürs erfte den Huftrag aus und 
erbat heb eine Jabresfrift. Hls jedoch Cdagner 1826 von Jtalien zurückkam, 
nahm er die Sache wieder auf und fchickte am 27. ffiai eine Confki^e nach 
Oldenburg, welche den vollkommenen Beifall des I)erpgs fand. Die bei- 
gegebene Grläuterung der figur fand heb im Dachlaß des QQeifters 2 ) (Gttag- 
ners Fjandfcbrift): 

Zur 

Shi^e 

eines Monumentes der verewigten frau Grbprinjeffin 

von Oldenburg, 

von I)ofratb v. Dannecker. 



Huf einem Diedeftal von 3 Stufen, welche die Kämpfe des Pilger- 
lebens andeuten, erhebt fich ein drevfeitiger Hltar, als Symbol der gött- 
lichen Dreyfaltigkeit, an deffen fuße die Schlange, das Sinnbild des Böfen, 
befieget fich heimlich ?u entfernen fcheint. 

Huf dem Hltar liegt eine Bibel aufgefchlagen, auf derfelben eine palme, 
die Grundftoffe evangelifchen Cebens, 

Glaube, Ciebe und Hoffnung 
andeutend. 

Qeber dem Hltar kniet eine weibliche figur im Gewände erhabener 
Beftimmung, welche, ihren Unken Hrm auf den Hltar ftütjend, von 

Glaube, £iebe u. Hoffnung 
getragen, mit gefalteten fänden, in frohem Bewußtfein ihres Sieges, innig 



') Hnbang Hr. 196 u. 279. 
9 ) Dacblalj B. 



143 

betend, ihr heiteres Hngeficbt jum Vater der Ciebe emporbebt und den Ruf 
feiner 6nade feelig vernimmt: 

„6ebe ein ju Deines I)errn freude!" 

(fflattb. 25. v. 21 u. 23.) 
Die Jdee des Ganzen ift daher: Sieg im 6ebet durch Glaube, Ciebe, 
Hoffnung. 

Crot? der gehäuften Symbolik befitjt das Cderk formal genügende 
Husdrucksfäbigkeit, um dem Huge unmittelbar etwas ?u geben (Hbb. 122). 
Die figur ift von einer großen Jnnigkeit und fehr glücklich komponiert. 
Kleine naturaliftifche Zufälligkeiten, wie wir fie faft überall bei unferem 
ffieifter beobachtet haben, jeigen fich auch hier, wie j. B. die über die Stufen 
berunterfpielenden Gewandfalten. Hlles in allem genommen, fteht diefer 
„Sieg im Gebet" unftreitig über den vorhergegangenen Cderken. Die häus- 
lichen Verbältniffe, die Verbindung mit der jugendlichen Gattin, die Rück- 
kehr des Cieblingsfchülers ödagner mochten auf den ffleifter eine erfrifchende, 
verjüngende ödirkung ausüben. 

Die Husarbeitung des Modells und weiterhin die ffiarmorausführung 
dauerte etliche Jahre ; der Befteller, I)erjog Peter, ftarb darüber hinweg, und 
erft im frühjahr 1832 ging die Statue von Stuttgart ab. 

Die beiden figuren, Ceres und „Sieg im Gebet" ftehen in dem ge- 
wöhnlich nicht jugänglichen Großherjoglicben fflaufoleum in Oldenburg und 
?war ruhen fie in nicht ganj 2 m P)öbe auf der vor der Granitwand vor- 
fpringenden Umrahmung der Cüren, welche ju den dahinter liegenden Gruft- 
nifchen führen L ). Sie find fomit als Pendants aufgeteilt, obgleich der 
Künftler formal wenig und nur in der Größe Rücklicht darauf genom- 
men bat. 

Jm Juni 1826 machte Dannecker mit frau und Schwägerin eine Reife 
an den Rhein. Jn frankfurt befuchte er mit Boifferee jufammen frau von 
Bethmann und feine Hriadne; der Hbend wurde bei frau I)ollweg in Ober- 
radt verbracht. Hm nächften Cage trafen fie mit Rauch und Stiglmaier ju- 

') Jcb verdanke diele Hngaben einer durch die Gefälligkeit der ßerren Schwärt? und 
6rube (Scbulje'icbe fjofbucbbandlung) vermittelten Zeichnung des ßrofeb. Oldenburgifcben 
Kammerberrn-Hmts. 



144 

fammen, welche ficb eben auf der Rückreife von Paris befanden, und wurden 
mit denfelben und Rubl, dem Cebrer Rauchs, bei Dagler ?um Diner geladen. 
Hucb Boifferee berichtet von Danneckers frifche an feinen Bruder und 
fchreibt: „Dannecker ift recht wohl und heiter." 

Jm Jahre 1827 beftellte der fürft Maximilian Karl von Churn und 
Caxis nach dem Code feines Vaters ') eine öliederbolung des Chriftus für 
die Kapelle des fürftlichen Schloffes in ßeresbeim. Diefer jweite Chriftus 
war 1832 in Marmor vollendet, natürlich in der I)auptfacbe von Klagner; 
die Hufftellung in der vom Oberbaurat fifcber erbauten 6ruftkapelle fand 
am 14. Huguft ftatt. Jm Jahre 1841 wurde die Statue in die neuerrichtete 
6ruftkapelle des fürftlichen Schloffes in Regensburg überführt, wo fie heute 
noch fteht. Das Modell der Statue ftiftete der Künftler am 20. Juni 1834 in 
den Chor der I)ofpitalkircbe in Stuttgart in dankbarer Grinnerung an den 
dort genoffenen erften Religionsunterricht (Hbb. 117). 

Dem Kunftblatt 2 ) entnehme ich über diefe jweite Statue folgendes: 

„.... Der Körper, fo erfahren wir durch briefliche Mitteilung, ift 
kräftiger gehalten, der Kopf verbindet mit der Zartheit, die auf den Zügen 
des älteren Chriftusbildes ruht, mehr Gnergie und den Husdruck geiftiger 
Größe ; das Ceidende, was in jenem bervorftach, ift hier noch mehr in die 
erhabene Ruhe, in den göttlichen 6leichmuth übergefloffen; in welchem der 
fflenfcbenfobn Cuft und Ceid der fflenfcben teilt, und die bewegten, leiden- 
fcbaftUcben, überfrohen und gebeugten P)erjen ju feinem frieden emporsieht. 
Dieß fcheint Dannecker bey den Veränderungen, die er an feinem Chriftus 
vornahm, empfunden und beabfichtigt ju haben. Sie treten hauptfächlich in 
der etwas volleren form des 6efichts, in der markierten ödölbung der Stirn, 
in der Klarheit und dem Grnfte der Hugen, in dem ftärkeren Bart und dem 
reicheren Haupthaar hervor." 

Mit dem jweiten Chriftus fcbließt die fchöpferifche Cätigkeit des Künft- 
lers ab; er dachte heb jwar noch 1832 an dem 6utenbergdenkmal für Main? 
ju beteiligen, wofür er eine figur der Cheologie anfing, aber ohne fie ju 
vollenden 3 ). 



') Protokoll der eigentumserklärung v. 29. Huguft 1832. Danneckers Racblafj B. 

2 ) 1833. ßr. 23. 

s ) Kunftblatt. 1832. lir. 94. 



H5 

Das Jahr 1827 ragt noch hervor durch den Verkauf der Boiffereefcben 
Sammlung nach Scbleißbeim, jenes Greignis, was in der Stuttgarter Kunft- 
gefcbichte einen fo dunklen Punkt bildet. Zwei Jahre juvor, als es [ich um 
den Hnkauf der Bilder für Stuttgart handelte, war von der Künftler- 
kommiffion ein Gutachten eingefordert worden, und hier war es vor allem 
dächter, als erfter fflaler, der von einem uns heute unbegreiflich einfeitigen 
Standpunkte aus fich energifcb gegen den Hnkauf ausfpracb ! ). (deiche 
Stellung Dannecker bei diefer Verhandlung einnahm, ift nicht ganj klar er- 
lichtlich. Seine enthufiaftifchen urteile haben wir oben wiedergegeben; man 
kann aber mit Recht annehmen, daß, wenn er fich mit dem ganjen Gewicht 
feiner damaligen Stellung in die Glagfchale gelegt hätte, der Hnkauf durch- 
gegangen wäre, önbegreiflicb bleibt es aber dennoch, denn das außer- 
ordentlich klare und unbefangene urteil des ffieifters erhellt fonft jur Ge- 
nüge; möglich, daß er fich hier, wo es fich um Gemälde handelte, durch 
ödächter, welchen er febr fcbätjte, umftimmen ließ. 

Qnterdeffen griff König Cudwig rafch ju, und die Stuttgarter hatten 
die Bilder gefehen. Jm Juni 1827 wurde die ganje Sammlung verpackt, 
um nach Schleißheim ju wandern. 6s war ein ähnlicher fall, wie 11 Jahre 
juvor, als die Hriadne nach frankfurt abging. 

Der Kauf der Boiffereefammlung verhalf der Rivalin München vollends 
jum Siege, und das Kunftleben Stuttgarts verlor feinen eigentlichen bedeu- 
tenden Charakter. Huf der 4. Kunftausftellung, welche in diefem Jahre ver- 
anftaltet wurde, war Danneckers jweite Pfycbe ?u fehen; fonft erfcheinen 
außer üdagner nur Damen , von denen die Kunftgefchichte jetjt wenig 
mehr weiß. 

Hm 1 1. f ebruar 1828 wurde der hundertste Geburtstag Fyerjog Karls 
gefeiert, woju I)aug, Geheimrat Kerner und Oberkonfiftorialrat Jäger einen 
Hufruf erlaffen hatten. Gegen 230 Teilnehmer ftellten fich daju ein, und 
auch Dannecker ließ es fich nicht nehmen, dem Slohltäter feiner Jugend eine 
dankbare Gbrung |u bringen. 

Jn demfelben Jahre trat er mit ?wei ihm bereits naheftehenden 
Männern in enge verwandtfchaftliche Begebung, Boifferee und Slagner. 



') S. lein Gutachten vom Dejember 1825. (Raahb, Beiträge S. 382 ff.) 

10 



146 

Sulpice Boifferee beiratete Rapps Cocbter Mathilde, welche aueb eine 
Scbülerin Danneckers war 1 ). Hach Danneckers Cod febrieb Mathilde an 
ihre Scbwefter pauline öleckberlin 2 ) : 

„Cdir haben beide dem tbeuren Dabingefcbiedenen fo Vieles ju danken, 
befonders id). 6r bat mieb mit väterlicher Ciebe bebandelt und ibm ver- 
danke ich, daß ich vorwärts gekommen bin. Oft, wenn icb anfing, mutlos 
ju werden, da ermunterte er mich mit einem Cdort. Sder nicht Bretter 
bohren lernt, aus dem wird nichts ! war eine feiner einfachen Cehren. Hucb 
die nähere Bekanntfchaft meines l. Mannes bat heb in feinem Fjaufe fo be- 
quem gemacht; es war mir darum auch bei unferer Crauung fo bedeutungs- 
voll, daß wir durch fein I)aus jur Kirche gingen." 

Die Crauung fand alfo in der katbolifeben Kirche hinter Danneckers 
I)aus ftatt. 

Glagners 6rwäblte war Glifabetb Kolb, eine Scbwefter von Dan- 
neckers 6attin. 

Hm 27. Juni 1828 trat Dannecker eine dreiwöchentliche Reife nach 
Dürnberg und München an, wie der paß 3 ) befagt, „in der Hbficbt jum 
Vergnügen". 6r war von dem nürnberger Dürerverein wiederholt um 
öderbung für Beiträge ju dem ju errichtenden Dürerdenkmal und um Bei- 
wobnung bei der Dreibundertjahrfeier von Dürers Codestag 4 ) erfuebt 
worden. Jn Dürnberg befuchte er einen Jugendfreund von der Karlsfcbule, 
friedrieb von I)oven 5 ). 

Jm darauffolgenden Jahre fiel der ffleifter in eine febwere Krankheit, 
die bei feinem Hlter febr bedenklich war und ihn nahe an den Rand des 
Grabes brachte. Der Körper gab die Kraft ju der anftrengenden fflarmor- 



*) Scbw. Chronik 20. Okt. 1878. 

2 ) ölintterlin (ölürtt. Viertelj.-I). 1802). 

s ) nacblaf? B. 

4 ) Briefe des Dürervereins vom 1. Okt. 1827 und 11. ffiärj 1828 an Dannecker. (Dacb- 
laTj H.) Dannecker felbft jeiebnete 44 6ulden. 

8 ) poven berichtet in feiner Sclbftbiograpbic (1840), Dannecker habe der 6rund(tein- 
legung des Dürerdenkmals beigewohnt, welche jedoch am 6. Hpril ftattfand. Dies Datum 
(teht mit dem des Reitepalfes im Küderfprucb; auch enthält das Verjeicbnis der Ceilnehmer 
an der f eier von Stuttgarter Bildhauern nur die Damen Klagners und Brauns. (Dach gfl. 
Mitteilung der Stadtbibliothek Dürnberg.) Roven hat demnach in der Grinnerung die Daten 
verwilcht. 




Jobannes, der 6vangeli[t 



1823—28 




Q 




«? 



Q § 



H7 

arbeit nicht mehr her; es entftand eine Hnfcbwellung der fflagendrüfen, die 
den Greis des Hppetits und fämtlicber Kräfte beraubte. Kach einer müb- 
feligen, ?uerft vergeblichen Grbolungsreife in kleine Bäder des Scbwarjwalds 
und der Scbwäbifcben Hlb erkannte endlich ein Hrjt in Diedernau das debel 
und rettete den bereits Hufgegebenen. Die Krankheit hatte dem ohnedies 
fchon etwas gefchwächten Organismus einen fchweren Stoß verfetjt; kleinere 
dauernde Ceiden waren die folge, doch blieben die geiftigen Kräfte vor- 
läufig noch ungefcbwäcbt. 

Jm I)erbft desfelben Jahres trat endlich die langumftrittene Kunftfchule 
ins £eben, ju deren Direktor Dannecker beftimmt wurde; außer feiner 
Direktionstätigkeit war er natürlich I)auptlehrer für Dlaftik. „Brettle bohre!" 
und „net nohlao!" [nicht nachlaffen !] waren die oft gehörten und gefürchteten 
ödorte. Die unmittelbare Hufhebt über die Kunftfchule wurde Chouret über- 
tragen; er war zugleich Stellvertreter Danneckers, deffen 6efchäfte er fpäter 
im Jahr 1838 in der I)auptfache übernahm *). 

Der ffleifter erholte fich wieder foweit, daß er den jweiten Chriftus 
vollenden konnte; ja er fuhr fogar im Huguft 1832 nach ßeresbeim, um der 
Hufftellung beizuwohnen 2 ). 

Hm 0. ffiärj 1832 hatte er dem geliebten freunde Rapp die Hugen 
judrücken muffen, I)aug war fchon 1829 vorangegangen; auch der jweite des 
Gleimarer Doppelgeftirns ging unter; fo febieden allmählich alle die Ge- 
ltalten aus früherer Zeit. 6ine neue Generation umgab den greifen Künftler, 
nicht minder in Ciebe und Verehrung, aber es war eben doch nicht das- 
felbe. Cangfam löfte fich der Geift von dem immer noch kräftigen Körper, 
um in den feligen Craumgefüden ju fchweifen, die einft das Huge des 
Künftlers oft gefchaut haben mag, aus welchen feine poetifchen Geftalten ju 
ftammen fcheinen. 6r verließ feine Klohnung nid)t mehr. Gar oft faß er 
dann wohl in feinem Garten unter den Zweigen eines Kirfchbaumes, den 
ödagner in feiner Jugend immer begießen mußte, auf einem kleinen Fjügel, 
von wo er den Schloßplat? überfehen konnte, immer in heiterem, kindlichem 
I)umor. Stets freute er fich, wenn er befucht wurde, namentlich Kinder 
blieben feine Cieblinge. Zwei Befucher verdienen des allgemeinen Jntereffes 



') S. Hnbang Dr. 58. 
2 ) S. Hnbang Dr. 304. 



148 

wegen noch hervorgehoben ju werden: David d'Hngers und £ongfellow. 
Der franjöfifcbe Bildhauer kam im Jahr 1834 für einen Cag nach Stutt- 
gart und nahm auch Dannecker in feine berüchtigte ffledaillongalerie auf. 
Daß er ju der Kunft des fehwäbifeben flßeifters kein Verhältnis gewann, 
konnten wir bereits bei der Scbillerbüfte feftftellen '). 

£ongfellow befuchte den greifen Künftler im Sommer des Jahres 1836; 
er erzählt feinen Stuttgarter Hufenthalt ausführlich in feinem Reiferoman 
„Hyperion" (IV, 8) 2 ); wir laffen dem Dichter, der fich hinter dem Dfeudo- 
nym Paul flemming verfteckt, für eine Zeitlang das ödort: 

„ . . . He [Paul Flemming] stole out into the silent, deserted streets 
and went to visit the veteran sculptor Dannecker. He found him sitting 
alone, with his psalm-book, and the reminiscences of a life of eighty 
years. As Flemming entered, he arose from the sofa, and tottered to- 
wards him ; a venerable old man, of low stature, and dressed in a loose 
white jacket, with a face like Franklin's, his white hair flowing over his 
Shoulders, and a pale blue eye. 

„So you are from America," said he. „But you have a German 
name. Paul Flemming was one of our old poets. T have never been in 
America, and never shall go there. I am now too old. I have been 
in Paris and in Rome. But that was long ago. I am now eight-and- 
seventy years old." 

Here he took Flemming by the hand, and made him sit down by 
his side, on the sofa; and Flemming feit a mysterious awe over him, on 
touching the hand of the good old man, who sat so serenely amid the 
gathering shade of years, and listened to life's curfew bell, telling, with 
eight-and-seventy solemn strokes , that the hour had come , when the 
fires of all earthly passion must be quenched within, and man must pre- 
pare to lie down and rest still the morning. 

] ) David faTft [ein urteil über Dannecker folgendermaßen jufammen : ,,Mon avis sur 
Dannecker, le voiei. Ce sculpteur est un ouvrier persevdrant. II sait ä peu pres 
tout ce qu'on peut apprendre, mais quant au feu sacre qui permet de deviner 
l'äme des grands hommes pour l'interpr^ter sur leurs traits, quant ä l'inspiration 
qui donne ä l'artiste de faire courir la flamme dans les muscles du marbre, D. ne 
les possede point." (Jouin, David d'Angers.) 

s ) Zu einem Hrtikel verwertet von 0. Scbanjenbacb. Heues Cagblatt, Stuttgart 
2. Okt. 1889. 



»49 

„You see," he continued, in a melancholy tone, „my hands are 
cold; colder than yours. They were warmer once. I am now an old 
man." 

„Yes, these are the hands," answered Flemming, „that sculptured 
the beauteous Ariadne and the Panther. The soul never grows old." 

„Nor does Nature," said the old-man, pleased with this allusion to 
his great work, and pointing to the green trees before his window. „This 
pleasure I have left to me. My sight is still good. I can even distin- 
guish objects on the side of yonder mountain. My hearing is also unim- 
paired. For all which, I thank God." 

Then directing Flemming's attention to a fine engraving, which hung 
on the opposite wall of the room, he continued. — 

„That is an engraving ofCanova's Religion. I love to sit here and 
look at it, for hours together. It is beautiful. He made the statue for 
his native town, where they had no church , until he built them one. 
He placed the statue in it. This engraving he sent me as a present. 
Ah, he was a dear, good man. The name of his native town I have 
forgotten. My memory fails me. I cannot remember names." 

Fearful that he had disturbed the old man in his morning devo- 
tions, Flemming did not remain long, but took his leave with regret. 
There was something impressive in the scene he had witnessed; — this 
beautiful old age oftheartist; sitting by the open window, in the bright 
summer morning, — the labour of life accomplished , the horizon 
reached, where heaven and earth meet, — thinking it was angel's music, 
when he heard the curch bell's ring; himself too old to go. As he walked 
back to his Chamber, he thought within himself, whether he likewise 
might accomplish something, which should live after him ; — might not 
bring something permanent out of this fast fleeting life of man, and then 
sit down , like the artist , in serene old age , and fold his hands in 
silence." 

Oft machte heb der 6reis auch im Htelier ju febaffen, wo er mit einer 
eigentümlichen Unruhe jwifeben feinen Cderhen umherging. „Dort febritt er 
betrachtend, auch wohl an einem 6lafe Giern nippend, durch den Saal, der 
feine Sammlungen enthielt, fowie durch die anftoßenden Hteliers, Sommers 



«50 

in einer kurzen bellen Jache, ein Sammetkäppcben auf dem weißen ^aar 1 )." 
Das war auch die Zeit, wo er an der herrlichen Schillerbüfte die ganje 
£ockenpracbt beruntermeißelte. 

Jn den letzten Lebensjahren faß der Greis am liebften im erften Stock 
am fenfter und blickte über den grünen Scbloßplatj; befonders intereffierten 
ihn ftets die Kinder und ob fie auch rechtzeitig $ur Schule gingen. Huch an 
den Soldaten hatte er eine kindliche freude; häufig, wenn die Cdacb- 
parade aufwog, erfchien er am fenfter, namentlich wenn Oberft von I}ayn, 
ein befreundeter Offizier, ihm juliebe den fßarfch aus ffiofes von Roffini 
fpielen ließ, „unvergeßlich," heißt es in einem Hrtikel der Schwäbifchen 
Chronik 2 ), „ift lieber wie dem Schreiber diefer Zeilen fo manchem alten 
Stuttgarter die hohe 6eftalt mit dem edlen Hntlitj, über welches die Cocken 
herabwallten, wenn er leuchtenden Blicks feinem Cteblingsftück jubörte." 
Viel las er in feinem 6efangbucb und in der Bibel; ein Glas Klein und 
ein „Cebkucb-en", was eine befondere Spezialität feiner frau war, bildeten 
fein regelmäßiges frübftück. So ruhte der Künftler in vollem frieden von 
feinem £ebenswerke aus; die treue Pflege feiner Gattin und des ödagner- 
fchen Paares fuchte ihm alle Hnnehmlichkeiten ju verfchaffen. Jm Sommer 
1841 befuchte ihn Cborwaldfen, am 15. Oktober konnte er noch feinen Ge- 
burtstag feiern. Hnfang Dezember jog er fieb eine ftarke Grkältung ju, 
welche feine Stimmung in keiner ödeife alterierte, fich aber wegen feiner ün- 
vorfichtigkeit bald verfcb-Ummerte. Hm 8. Dejember verfchied er an einer 
Cungenläbmung, 83 Jahre 1 1 / 2 Monate alt. 

Hm 11. Dejember fand die Beerdigung auf dem I)oppenlaufriedbof 
ftatt; Karl Grüneifen, der I)ofprediger und nahe freund Danneckers, hielt 
die Grabrede, welcher der Prälat Köftlin, ein naher Verwandter, einen 
jweiten Dacbruf folgen ließ. 

friederike überlebte ihren Gatten um 27 Jahre; fie ftarb am 18. Juni 
1868. Der Künftler ruht nunmehr jwifchen feinen beiden f rauen ; drei platten 
aus rotem Sandftein in klaffijiftifcben formen bezeichnen die Stelle. 

ffiit Dannecker verlor Stuttgart fein charakteriftifches künftlerifches Ge- 
präge auf lange Zeit. Der Dame des ffleifters aber blieb der Stolj der 



1 ) ßatfcländer, Roman meines Ecbens. S. 240. 

2 ) eine 6rinnerung an Dannedw; von -e [Mathilde 6rüneilen] (15.2. 1893). 



151 

Stadt ; 6uftav Schwab und namentlich 6rüneifen forgten für die Uterarifchc 
Klürdigung des Hllverebrten. Jm Jahr 1888 wurde ihm auf dem Scbloß- 
platj ein — leider fehr dishutables — Denkmal von Curfeß errichtet. GKeniger 
pietätvoll verfuhr man gegen die Cderhe des Künftlers, und man würde 
es am liebften verfchweigen, daß das flßodell der Hriadne nach Frankfurt 
und das der Brunnennymphe nach Condon verkauft wurde, und daß 
Gdagners Schüler das Modell der „Crauernden freundfebaft" mit Hageln 
fpickten , um es als Kleiderrock $u benutzen '). Befondere Verdienfte um 
die Würdigung der Danneckerfchen Hrbeiten hat fich Qlagners Dachfolger 
Hdolf Donndorf erworben; die meiften der jetjt im fflufeum der Bildenden 
Künfte ju Stuttgart befindlichen Sachen find von ihm wieder ans Cages- 
licht befördert, ?um Ceil repariert und für die 6alerie angekauft worden 2 ). 

einen eigentlichen nachwuchs hat Dannecker nicht gehabt. Diftelbartb und 
ödeitbrecht ftarben fchon 1836 und die anderen Schüler gingen ju Chorwaldfen 
über. Huch ödagner konnte [ich während feines römifchen Hufentbalts dem 6in- 
fluß des dänifchen ffleifters nicht entneben ; das erfte Beifpiel dafür ift der 6van- 
gelift Cukas auf dem Rotenberg. Später nahm er dann noch die Hnregungen der 
Raucbfcben Kunft in fich auf, fo daß von dem fpenfifch Danneckerfchen wenig 
mehr ju fpüren war. 6s lag das in der Datur der Kunft des CQeifters, 
daß fie einer Weiterentwicklung nicht fähig war; fie wurzelte nicht in der 
Volksfeele und entbehrte daher auch der eigentlichen Zeugungskraft. So 
wurde fie fchon ju £ebjeiten von der norddeutfehen Schule überflügelt, 
welche fowohl in fich felbft als in dem Boden reichere Gntwicklungs- 
möglichkeiten befaß. 

Klenn wir das Cebenswerk Danneckers überfebauen , fo fällt uns die 
verhältnismäßig geringe Zahl ausgeführter öderke auf. Der eine 6rund 
davon dürfte aus dem Verlauf der Darftellung hervorgegangen fein ; er läßt 
fich nicht verfchweigen und ift ja auch oft, juerft bereits von Goethe, aus- 
gefprochen worden. Das damalige Stuttgart war eben kein für Kunft ge- 
fchaffener Boden, das Verftändnis von oben ?u gering. Hm kläglichften war 
es in diefer I)inficbt im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts beftellt, eben 



') Dach frdl. Mitteilung von Donndorf, der die figur wieder bergeftellt bat. 
2 ) Vgl. daju den Huffat? Donndorfs „Danneckers D.acblak" in der Schwab. Chronik 
(23. 4. 1886), der eine außerordentlich feine Cbaraktcriftik des Künftlers enthält. 



152 

der Zeit, wo Dannecker in der beften Kraft ftand, wie die Scbillerbüfte, das 
Selbftporträt und manches andere jeigt. Hls befoldeter I)ofbildbauer war 
Dannecker ja verpflichtet, gegen Vergütung der Huslagen für den Fjof ju 
arbeiten; jur Hnnabme von Privataufträgen war die fürftlicbe Genehmi- 
gung erforderlich. Hber wie naturgemäß nahmen damals die politifcben 
Greigniffe vollftändig das Jntereffe in Hnfpruch ; für Kunft hatte man weder 
Zeit noch 6eld. ffiit Privataufträgen war es natürlich auch nicht beffer; 
wer hätte auch damals etwas beftellen [ollen? Privatliebhaber gab es 
wenige, und das "Verftändnis gerade für Plaftik ift ja von jeher in Deutfch- 
land ein verhältnismäßig fchwaches gewefen. Ohne Käufer kann aber kein 
Künftler, am wenigften ein Bildhauer beftehen. 

fehlte es [o in einer Fjinficbt am äußeren Hnlaß, den Hufträgen, fo 
entbehrte auf der anderen Seite der Künftler fehr der inneren Hnregung; die 
am Plat? befindlichen Kunftwerke befchränkten fich gan? auf die Hrbeiten 
einer französierenden Hfterkunft, eben der Kunft, von welcher Dannecker 
mit allen Kräften wegftrebte. 6ine Reife wie die nach Paris 1806 mußte 
wie ein £abetrunk auf einen Verfchm achten den wirken. 

Später, im neuen Jahrhundert, als die Zeiten beffer wurden, die fürft- 
lichen Hufträge fich mehrten, wo Bethmann erfcheint, wird auch die Produktion 
eine lebhaftere. Zahl und ffleifterfchaft der öderke fteigen gleichmäßig; allein 
die guten Zeiten find ju fpät gekommen, bald hat der Künftler den Höhe- 
punkt erreicht, auf dem er fich nicht mehr lange ?u halten vermag. 

Der 6rund davon ift auch wohl der Hauptgrund des kleinen Oeuvres; 
er liegt, wie mir fcheint, in der künftlerifchen perfönlichkeit Danneckers 
felbft. 6r war nicht das, was man eine originale Kraft nennt; die leicht- 
flüffige Pbantafie Cborwaldfens gebt ihm ebenfo ab, wie die technifebe Vir- 
tuofität Canovas oder die erftaunlicbe Produktivität und der kraftvolle 
Realismus des alten Scbadow. 6r war im letzten Sinne eine weibliche 
ßatur, mehr rejeptiv, ein außerordentlich feiner Hnempfinder. 6r braucht 
die Hnregung — faft bei allen feiner beften öderke läßt fich ein Grlebnis, 
ein Gindruck nachweifen, welcher die belebende Wirkung ausübte — : ein 
Künftler, der die fflufe nicht ?u kommandieren vermag. Bei allem Tem- 
perament des ffienfeben fließt das Blut des Künftlers langfam. 

Kur in gan? feltenen fällen gelingt ihm der ödurf auf das erfte ffial; 



153 

das langfame Husreifen der Gedanken läßt fieb an den wenigen erhaltenen 
Zeichnungen verfolgen. Und dann die ftrenge Selbftkritik, das liebevolle 
Sicbverfenken, das Sicb-nicbt-genug-tun-können, was vielleicht einerfeits dem 
CClerhe den originalen Schwung nehmen mag, auf der anderen Seite aber 
durch eine Durcharbeitung, eine Reife und feinbeit entfehädigt, welche [ich 
erft langfam erfcbließt, aber eben den Giert diefer Schöpfungen ausmacht. 

Danneckers Künftlertum ift durch den inneren Dualismus fo intereffant. 
Die aus feiner frübjeit auf uns gekommenen Cderke erlauben den Schluß, 
daß feine Begabung urfprünglich mehr nach der Seite des Charakteriftifchen, 
Husdrucksvollen neigte; allein weit entfernt von der autonomen Kraft 
Schadows, akklimatifiert er fich vollftändig an die weiche £uft Roms und 
Griechenlands; er wird der „6reco", der „griechifche Kunftbaffa", wie feine 
Keider fpöttelten. 

Jahrelang lebt er von dem aufgefpeieberten fflelodienfchatj, bis wieder 
der Deutfche fich in ihm regt, die freude am Bildnis und neues Studium 
der Datur beginnt, nachdem fo alle Glemente ausgereift find, erfolgt die 
vollftändige Verformung der Gegenfätje in einigen widerfpruchslofen ffieifter- 
werken. 

Die religiöfen f iguren der Spätjevt ftehen unftreitig unter den früheren 
CCTerken des ffleifters. Sie haben den Grundfehler, daß beinahe alle nicht 
„form an fich" find und fo durch die Sinne jum Gemüt fprechen, fondern 
daß der Verftand des Befchauers dabei eine gewiffe Hrbeit ju verrichten hat, 
daß eine Jdee ausgedrückt werden foll. Gin ähnliches Verfallsfymptom, 
wie wenn Richard Strauß Dtetjfches Zaratbuftra in Cöne ju faffen verfucht. 
Das Streben, die form mit geiftigem Jnhalt ju füllen, tritt bei Dannecker 
früh hervor und wird oft, namentlich fpäter, ju einem deb erfüllen; er ift 
auch hierin ganj ein Kind feiner Zeit. 

Mithin hängt die kleine Zahl der Danneckerfchen Kunftwerke eng mit 
ihrem öGefen und der I2atur des Künftlers felbft jufammen. DQan muß fich 
immer wieder vorhalten , daß er jart war trotj der oft derben Hußenfeite. 
ffiir erfcheint Dannecker in allen feinen Vorzügen und öliderfprücben als der 
Cypus des Schwaben. 6r ift feft verwachfen mit feiner fchönen Vaterftadt; 
die fanften I)öhenjüge und die weiche, oft drückende Cuft feiner I)eimat 
fcheinen fich in feiner Datur widerspiegeln. Hlles läßt fich jedoch auf 



»54 

dem rekonftruierenden Gleg der Biographie nicht erklären; das fyftematifcbe 
Huffucben von pfycbologifcben Motiven und künftlerifcben Kaufalverknüp- 
fungen i[t eben[o intereffant wie bvpotbetifcb ; ich möchte nicht in die heut- 
zutage wohl häufig drohende Schablone des „Hlles-erhlären-wollens" ver- 
fallen. 

Dannecker ift ein fflenfcb, den man unwiderftehlich lieb gewinnt, und 
es ift fchwer, wenn man den DQenfchen einmal kennen gelernt hat, dem 
Künftler gegenüber objektiv ju bleiben; felbft wo feine Schöpfungen unfere 
Hnfprüche nicht vollauf befriedigen , fpricht doch der in ihnen fich mani- 
feftierende Künftlergeift fo beredfam ju uns, daß wir das 6efühl der Be- 
freiung erleben, welches die unausbleibliche CQirkung jeder echten Kunft ift. 



Hnbang 



Die mit * bezeichneten Stäche lind hier jum erftenmal veröffentlicht. 



' 



I. Karlsfcbule. 



i*] perfonalien Danneckers auf der Karlsfcbule. 

(Karls[chulahten: K. Staatsarchiv Stuttgart.) 
Caracter 



Caufnabmc 




Jobann Beinrieb 




fufe 


5 


5 5 1 5 5 5 5 


fflaafj 


Zoll 


8 


9 o 9 | 9 J 10 10 




Strich 


— 1 2 3—1 



Hltcr foll 16. 8. 


1758 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 


Religion 


evangelifcb 


Beftimmung 


Bildbauer 


6enie 


r gut 


Confirmirt den 




6cburts-0rt J. 


Stuttgart 


Reverfiert 


16. Octbr. 1774 


Vater 


Johann 6eorg Dannecker 


fllutter 


Hnna Catbarina geb. Scbimppin. 


Zuwachs 


2. Hpril 1771 


Hbgang 


15. Decbr. 1780 
ßofbildbauer 


[Prelle] 


14. Dec. 1772 1777 

Bildbauerey. 



2*] patent 

für den 

eieve der berjoglicb fflilitarifcben Pflanj- 

fcbule auf der Solitude 

Jobann ^einrieb Dannecker. 

Vor den Zweiten Preiß in der Bildbauer-Kunft. 

Hd Hnnum 1772. 

nachSafe H. 
Demnach Seine herzogliche Durchlaucht gnädigjt 
geruhet, bey höcbit Srlaucbt derofelben Rcrjoglicben 



fflilitarifeben pflanjfcbule auf der Solitude, ju 6rjieb- 
ung eines guten fortgangs und Unterhaltung eines 
beftändigen Gyfers der Jugend in ihren Hcademilchen 
6xercitien und Studien fowobl, als auch befonders 
in einer 6dlen und woblgefitteten Huffübrung Jähr- 
liche preise ausjufejen und bey Husarbeitung der auf 
den gnädiglt angeordneten Stifftungs ©edäcbtnüjj Cag, 
in dem Jahr 6intaufend Siebenhundert Siebenjig und 
Zwey, von Seiner ^ermöglichen Durchlaucht Sclbtt aus- 
gewählten und in Böcbft Srlaucht derofelben Böcbfter 
Hnwofenbeit öffentlich judicirten Preif?-ftücken. 
Jobann Beinrieb Dannecher 
von Stuttgard gebürtig, 14 Jahr alt, 
den jweyten preif? in der Bildhauer Kunft, 
wegen feiner darinnen erprobten vorjüglichen 6efcbick- 
licbheit erhalten ; Hls wird ein folebes ju feiner Cegl- 
timation, unter Vordruchung des berjoglich flßilita- 
rifchen pflanjfcbul Jnfiegels, anmit beurkundet. 

Solitude, den Vierjebenden Decembris, 6intaufend, 
Siebenhundert, Siebenjig und Zwey. 

R. 6uibal. p. Cejeune. f. Rarper. 

Boffigurilt et Prof: Hdam Bauer. 







Seiner berjoglicben Durchlaucht ju 
Cdürtemberg, würeklieber Jntendant 
der berjogl. fflilitarifeben Pflanj- 
Scbule, Obriftwachtmeitter, und 
flügel-Hdjutant 

Chriftopb Dionyfius Sceger. 

J: 6xpedittons-Ratb, Jmmed: Bau- und 

berjogl. fflilitairifeber pflanjfchuls Cafjier, 

qua Hctuarius 

Beinrieb Cbriftoph Schneider. 



I. Karlstcbulc. 



3*] pbyfiRalifcbe und ffloralifcbe Schilde- 
rungen 
Von den Gleven der jweyten Hbtbeüung 
der herzoglichen ffiilitaire Hcademie 
auf den Jahres Cag 
'774- 

(H. Staatsarchiv Stuttgart.) 
Darnieder, Jobann Rein rieb, 5 fufj, 
5 Zoll, 3 Strich, 16 Jahr alt, Gvangelifcber Religion, 
confirmirt von Stuttgart gebürtig, des in berjoglicben 
Dienlten, fich befindenden Stallknechts Sohn, hatte 
einen Hnfang im Cefen, und Schreiben, als er auf 
untertbänigftes Bitten, feiner eitern den 2*«" Hpril, 
1771, bey der herzoglichen ffiilitaire Hcademie, gnä- 
diglt aufgenommen wurde, feine 6röfje ift feit demc 
er die böcbftc 6nade hat, bey leibiger ju feyn, 8 Zoll, 
3 Strich, und in diefem Jahre 3 Zoll, 2 Strich, Vor 
2 Jahren hatte er eine 6efcbwulft 4 (Hocben lang am 
I-)alfje, mit feiner cörperlichcn Verfallung, und Prefen- 
tirung feiner Perfobn, Religions 6rund-Sät?en, ge- 
höret er unter die mittlere Claffe, während des Gottes- 
Dienftes, ift er devot, gegen feine Vorgefetjten gebor- 
fam, und mit feines gleichen liebreich, in feiner Huf- 
fübrung, labet fich ju Zeiten etwas einfältiges, und 
bäurifches blicken, in feiner paupt-Beftimmung der 
Bildbaucrey wendet er allen fleifj an, und fuchet fich 



felbige, foviel feine Kräften es julafjen, fich bekannt 
ju machen, wird dabero in felbiger fortkommen. 

Rcld 
Solitude 27 ßovr. 1774- Hauptmann. 

4*] 6egenfeitige Schilderung der Gleven. 
Zweyte Hbtbeüung. 
Schilderungen der Zelle. 
Dannecker. 

(Karlstcbulahten : K Staatsarchiv Stuttgart.) 
(Reitter) Dannecher wird gut gefchildert — ift 6ottes- 
fürchtig, bat gute 6efinnungen gegen S. b. d. u. 
gegen feine Vorgcfetjte, geborfam, freundfebaft- 
lich, jufrieden, bat ffiittelmäfjige 6aben, ift aber 
fleifjig reinlich, munter bat ein gutes I)er?, wid- 
met fich der Büdbauerey mit ihren Cbeilen. 
(Cicbbard) (foebr) ift fpöttifch, bäurifch. — 

Selbft-Schilderung [des Hauptmanns]. 
Betet fleißig und ift gut gefinnt, gegen S. b. d. 
u. Vorgefetjte ; ift freundfchaftlich, mit fich nicht 
jufrieden im lernen, wohl aber mit feinem 
Schickfal. ffiittelmäfjige 6aben , aber fleik ; 
könnte jedoch noch mehr tbun, u. will es bin- 
fübro hereinbringen, reinlich, lebhaft, freundlich, 
aufrichtig, fchnclljörnig, leichtfinnig, lernt die 
Bildbauerey. — 



II. Gbrendiplome. 



5*] Diplom der Hfcademie ju Bologna, 

Da*laJ H. 
Noi principe, ed accademici Clementini dell 
instituto delle scienze e delle belle arti della 
citta di Bologna 

Essendoci stato manifestato da due de 
nostri Colleghi, cioe li Signori Antonio de Ma- 
ron, e Giuseppe Becchetti, che a Voi valoroso, 
ed illustre Sig r Giovanni Errico Dannecker Scul- 
tore prestantissimo sarebbe cosa grata l'essere 
accolto nelle nostra Accademia; Noi per la stima 
che facciamo della vostra dottrina, e de moltis- 
simi altri pregi, che vi adornano, vi abbiamo 
ad essa nostra Accademia di comune consenti- 
mento, e con universale applauso aggregato, 
costituendovi, e creandovi Accademico d'onore. 
Nel che fare abbiam, giudicato di provedere non 
tanto all' onor vostro pel nuovo grado, che a 
Voi si comparte, quanto all' onore dell' Acca- 
demia per la novella gloria, ch' ella riceve dal 
vostro Nome. Di tutto questo e a Voi, e a 
chiunque facciamo certa, e publica fede per 
mezzo del presente Diploma munito del nostro 
suggello. 
Dalla Sala delle nostra Ressidenza 
alli 27 di Sett. 1789 

Petronio Fancelli 
pro Principe 
Domenico Pio segretario. 

6*] 6rnennung j. Corr. Mitglied der 4. Cl. 

d. Jnftitut Royal des Pays-Bas. 

Hmfterdam. 

n»Alaf! B. 

Amsterdam, ce 13 Juillet 1830. 
Monsieur 
La Quatrieme Classe de l'Institut Royal des 
Sciences, des Beiles Lettres et des Beaux Arts 



dans les Pai's-Bas, Vous ayant nomme dans Sa 
Seance du 28 Juin dernier, Membre Correspon- 
dent, j'ai l'honneur de Vous en informer. 

La Classe ne doute pas que Votre amour 
pour les Arts Vous animeront ä vous commu- 
niquer de tems en tems vos recherches et ob- 
servations lumineuses. 

D'apres le § VI du Reglement les Membres- 
Correspondans ont le droit d'assister aux as- 
sembldes ordinaires, generales et publiques. 

Agreez, Monsieur, les Voeux de toute la 
Classe : je me fais un plaisir ä ajouter aux feli- 
citations cordiales de tous les Membres l'assu- 
rance du parfait estime, avec lequel j'ai l'hon- 
neur d'etre 

Votre tres-humble et 
tres-obdissant Serviteur 
Jacob de Vosm [?] 
Secretaire perpdtuel de la 
Quatrieme Classe Susdite. 
ä Monsieur 
Dannecker 
Membre-Correspondant de la Quatrieme 
Classe de l'Institut Royal des Pais-Bas 
ä 

Stuttgard. 

7*] Diplom der Hcademie S. Cuca-Rom. 

naAlafi 8. 
Insigne e pontificia 
Accademia Romana 

delle belle arti 
denominata di S. Luca. 
No. 2934. 

Intenta sempre l'Accademia Romana di San 
Luca ad accogliere nel suo seno que chiaris- 
simi professori di belle arti, i quali possono cres- 
cerle rinomanza e splendore, ha, nelle generale 



II. 6brendiplome. 



adunanza de di 30 dello scorso gennajo, eletto 
V. S. con decorosissimo scrutinio Professore 
Accademico straniero di merito nella 
classe della scultura. 

Nel porgere a V. S. debitamente l'annuncio 
di quest' atto dell' alta stima accademica verso 
un Professore a cui tanto debbono le arti, mas- 
simante della Germania: e nel congratularmene 
con esso lei ; ho altresi l'onore di protestarle 
il mio sincerissimo ossegnio 



Di V. S. 

Roma 22 Febrajo 1835 

devmmo obbed. Servo 

Prof. Salvatore Betti 

Segrio Perp. 

Siy. Cav. Giovanni Enrico 

de Dannecker. 
Consigliere aulico ed Inspettore 
del Real Museo di Stuttgarda 
ec. ec. 



1789. 6br.-ffiitgl. d. Hkadcmien ?u Bologna und 

ffiailand. 
1808. 4. fcbr. Zhrilverdienftorden. 
1812. 12. febr. Hkad. Mitgl. d. Öfterr. Kaii. Hkad. d. 

Verein. Bild. Künfte. Klien. 
1812. 12. Okt. ebr.-ffiitgl. d. K. Bair. Hkad. d. Bild. 

Künltc (Dipl. v. 12. Okt. 1814). 
1816. )2. Hov. 6rnennung ?um r)ofrat. 
1818. si. De?. Ritter d. Ordens d. Glürtt. Krone. 
1824. 17. Jan. Membre correspondant de l'In- 

stitut de France (Dipl. v. 20. Jan. 1824). 
1824. 9. Juli. 6br.-ffiitgl. d. Hkademie d. SAönen 

Künfte in Kopenhagen. 



1825. Ruff. St. KHadimirordcn 4. Kl. 

1825. 14. Okt. ebr.-ffiitgl. d. K. Hkad. d. bild. Künfte 

?u Hntwerpen (Dipl. v. 23. Sept. 1827). 
1828. 10. ffiär?. ebr.-ffiitgl. d. HlbreAt Dürer-Vereins, 

nürnberg. 
1830. 28. Juni. Membre correspondant de la 

IV eme Classe de l'Institut Royal des Pays- 

Bas. Hmfterdam. 
1835. 30. Jan. Professore Accademico straniero 

an der Hccademia S. Cuca in Rom. 
1841. 25. ffiai. Membre honoraire de la Societe 

Arti et Amicitiae. Hmfterdam (Dipl. v. 1. Hug. 

1841)- 



III. Dannecker als Bofbildbauer. 



8*] Scbeffauer undDannecher an Oberft Seeger. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Rocbwobl Gcborner Rocbgebietender 
6nädiger Rerr Obrift! 
Klier nehmen uns die freybeit guer RocbKIobl- 
gebornen Hacbridit von uns und unlerem 6rabmal ?u 
geben, wir hoffen beftmöglicbft den 6rwartungen des 
wirklichen Senator Bonboefers und feinen Verwandten 
ju entfprechen. flßan achtet uns febr und jedermann 
fpriebt mit voller Klärme von Sr. berjogl. Durcbl. und 
der flßilit. Hcademie. 

6s bat hier auch Grabmäler mit febr viel 6old und 
Dcbenjeugs, aber das von der fflilitaire Hcademie nimt 
lieh gan? erhaben heraus und flöfjt ftille 6brfurcbt ein. 
Rerr Senator wünfebt febr, dafj 6uer Rocbwobl- 
geborne die Gnade hätten, dafj ffi. 6uibal herüber 
käme, wegen ein und anderen Sachen; überhaupt 
weil jetjt das 6an?e beifammen ift, ob er nichts aus- 
jufejen hätte, und der Crapperie wegen, welche über 
den Sarg ju hängen komt. 

Ctnfere Materialien find recht gut. R. Senator bat 
uns jum Pflugwirtb logiert und ift recht febr vor uns 
beforgt. CQir betreiben uns fo viel als möglich und 
hoffen in Zeit 5 oder 6 Cöodnn fertig ?u fevn. ödir 
empbelen uns untertbänig }u 6nadcn und verbleiben 
6uer Rocbwoblgebornen 

Clntertbänig-6eborfamfte 
Knechte 
Scbeffauer Rofbildbauer. 
Dannecker Rofbildbauer. 
[Scbw. Rall, 13. Huguft 1781]. 

9*] Oberft Seeger an Scbeffauer und Dannecher, 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Meine liebe Rerrn Rofbildbauer! 
Ihren Brief vom i3ten diefes habe ich richtig er- 
balten. So angenehm mir die darinn enthaltene üaeb- 
riebt von dem Beyfall und Vorjug des akademifchen 
Grabmaals war; fo febr muffte ich mich im 6egentbeil 



über Jbren fo weit hinaus gefejte dortigen Hufentbalt 
verwundern. Hn der anfänglich beftimmten Zeit von 
vier bis fechs Cftocben find bereits vier vorbey und ich 
mus Sie um fo mehr erinnern fieb in Jbren Gefcbäfften 
aus allen Kräfften ju befördern, da Se. berjoglid« Durch- 
laucht bereits einigemal fieb nach deren fortgang und 
Beendigung erkundigt. Hur durch diefe Befchleunigung 
können Sie dem Rerpg Jbre untertbänigfte Devotion 
bezeugen, und mich ?u der fortgefejten freundfchafftlichen 
6efinnung verbinden, womit id) bin 

Meiner lieben Rerrn Rofbildbauer 
[Stuttgart, Huguft 1781.] [Schluß fehlt!] 

10*] Scbeffauer und Dannecher an Oberft Seeger. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

RocbKloblgebobrner Rerr, 
Rocbgebiethender gnädiger Rerr Obrift. 

6uer Rochwoblgebobren ftatten wir unfere unter- 
tänige Dankfagung ab, vor die gnädige gegen uns 
gefinnte Hüfjerung, wegen der Befdieinigung der bie- 
figen Hrbeit. Bifjbero beftrebten wir uns nach allen 
Kräften, fowobl Seiner herzoglichen Durchlaucht, als 
6uer Rochwoblgebobren hoben 6rwartung vollkommen 
ein 6enüge leiften ju können. Cäglich arbeiten wir 
von 7 — 12 u. ßachmittags von 1—6. Da wir aber 
in den erften jeben Cagen gar nicht arbeiten konnten, 
und die wöchentliche viele Gottesdicnfte auch febr ab- 
gebalten werden, weil nebmlicb faft alle 

Dienftag ein Copulation von 9 — 12 

Hlle Mittwoch 6ottesdienft — 7—8 
— Donnerftags predig — 7 — 9 

freytag Bett Stund — — 11 

Hlle Samstag wegen der Beicht, und aufräumen gar 
nicht arbeiten können : ohne die dajwifcben körnende 
feiertäge. 

CQollen alfo 6uer Rochwoblgebobren von felbft 
die hohe 6infid)t nehmen, dafj wir unfern beftimmten 
Cermin nicht halten können. Qnfer föbnlicbfter cHunfcb 
ift diefer, 6uer Rochwoblgebobren aufs bäldefte per- 
föbnlicb unfere untertbänige Devotion bejeugen ju 



8 



III. Dannecker als P)ofbildbauer. 



können. GQir empfehlen uns untertbänig ju fernerin 
6nade und Gewogenheit und verbleiben 
6uer Rocbwoblgebobren 

untertbänig geborfamfte Knechte 
Dannecher ßofbildbauer. 
Scbeffaucr Rofbildbauer. 
Scbwäbifcb ßalle. 
d: loten Hugult 1781. 

11] Scbeffaucr und Dannecker an Oberft Seeger. 

(H. Staatsarchiv Stuttgart.) 6edr. Ctlagner, Karlsjcbule I. 

[S. 677 ff. 

Rom, 4. Oht. 1785. 

ßocbwoblgeborner 

ßocbjuverebrenfter I)err Obrift! 
Da wir nun bisher noch nicht fo glühlicb waren, 
ein Schreiben oder Hntwort auf unfern Brief von 6uer 
ßocbwoblgebornen ju erhalten, fo glaubten wir denen- 
felben mit mebrerem Schreiben befchwerlich ju fallen, 
allein bewufjt des Dankes, den wir denenfelbcn immer 
fcbuldig find und der gütigen 6ewogenbeit deren Sie 
uns beftändig würdigten, macht uns dreift, abermal 
uns nach dero Wohlbefinden ju erkundigen und auch 
jugleicb von uns und unfern Hngelcgenbeiten denen- 
felbcn nachriebt ju geben. 

Cdir verliefen nun paris den 30. Hugult und 
hatten die glücklicbfte und angenebmfte Reife und 
harnen den 2. October hier an. Viele fchöne und 
merkwürdige Sachen trafen wir auf unferer Reife, nur 
febade dafj wir nicht genug bemittelt waren, uns an 
jerfebiedenen Orten länger aufhalten ju können, be- 
fonders in florenj und Bologna, wo ganj außeror- 
dentliche Schönheiten ju fehen find, freilich werden wir 
durch Roms fßerkwürdigkeiten falt in allem fchadlos 
gebalten, und find nun in dem Paradies der Künfte, 
wo es nicht anderft möglich ift, als daf? man mit 
jedem Cag neu belebt arbeitet und ftudirt, und daf? 
ju dem in uns beftändig der lebbaftefte Dank glüht, 
den wir unferem durchl. "Vater fcbuldig find, fo wirkt 
Pflicht und Kunftliebe in uns fo febr, dafj wir alle 
unfere Kräften aufbieten, durch unteren fleifj denen fo 
grofjmütigften tHobltbaten Seiner herzoglichen Durch- 
laucht doch in etwas wenigem ein Gegengewicht geben 
ju können und denen gerechteren Grwartungen Jüchen 
ju entsprechen. Huch fühlen wir beftändig den wärm- 
ften Dank vor 6 ßocbwoblgeboren, die in unferer 
akademifchen Caufbabn und auch aufjer derfelben vor 
unier CQobl fo gütigft beforgt waren. CClir erkennen 
den ödert deffen in feinem ganjen Hmfang und machen 



es uns jur Pflicht beftändig ju verharren 6. F)ocb- 
woblgeboren untertbänige Diener 

Scbeffauer 
Dannecker, 
ffieine Hdretfe 
Strada condotti 
nel Caffö Greco di Cima. 

12*] eingäbe Danneckers an J)er?og Carl. 

ßacMafj B. 

Durchlaucbtigfter I)erjog 
6nädigfter Rerjog und I)err! 
Untertbänigft bitte ich 6uer berjoglichen Durdi- 
laucbt um die gnädigfte Genehmigung : mich mit des 
Kaufmanns Rappen bintcrlaüene ledige Cochter vereb- 
ligen ju dorfen. Jch erfterbe in tieflter Ehrfurcht 
6uer berjoglichen Durchlaucht 
treu verpflichtetfter 
untertbänigfter 
Stuttgard Dannecker Profeffor 

d. 6 te " Dobr. 1790. und Rofbildbauer. 

Dem Durchlauchtigften ßerjog und Rerrn Fjerrn 
C H R C, Fjcrjog ju ttlürtemberg und Cek, Grafen ju 
fflömpelgart, I)errn ju ßeydenbeim und Juftingen, 
Rittern des Goldenen "Vliefjes , und des Coblichen 
Schwäbifch Kreyfjes 6eneral-feld-fllarfchallen ej: ej: 
DQeinem 6nädigften I) e r j g und ßerrn 
ju bödift eigenen fanden. 

S. berjogl. Durchlaucht wollen dem profeffor 
Dannecker die vorhabende ßeiratb mit des Randels- 
tnanns Rapp binterlaffener Cochter gdgft geftatten. 
Decretum ßohenbeim, den 6 Dov. 1790. 
Karl ßg. 

13*] Dannecher an prinj friedrieb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Durchlaucbtigfter ßerjog, 

gnädigfter ßerjog und I)err! 
Schon einigemal habe ich mir die untertbänigfte 
freibeit genomen, 6uer berjoglichen Durchlaucht unter- 
thänigft melden ju laffen, dafj von denen gnädigft be- 
ftellten figuren bereits die jwey einjelnen und eine 
Gruppe mit dem Cantelabre fertig geworden feyen. 
Hud) haben 6uer berjoglichen Durchlaucht, febon mehr- 
fach die gnädigfte Zuficherung ergeben laffen, dafj id) 
deswegen, eines höchften Befuches von ßöchftdenen- 
felben gewürdiget werden Tolle. Da lejteres bis jejo 
noch nicht gnädigfte Grfüllung gehommen ift, fo er- 



Anhang 



III. Dannecker als Rofbildbauer, 



kübne ich mich nominalen, es in gnädigfte 6rinne- 
rung. ju bringen. Jcb bin aus gedoppeltem 6rund 
bierju veranlaßt, weil ich vor mich nicht überzeugt 
bin, ob meine feitberige Bemühungen, jw 6uer Rer- 
joglicben Durchlaucht gnädiglten Zufriedenheit ausge- 
fallen feyn möchten, und eben deswegen auch nicht 
wagen darf, in der Hrbeit weiter fortjugeben. fürs 
andere werden 6uer Rerjoglicben Durchlaucht, durch 
den P)errn Cammerberm von Zcplin ju vernehmen 
geruhet haben, dafj des regierenden Herrn ßerjogs 
Durcblaudit bei mir gnädigft anfragen laffen, ob eben 
diefe figuren nicht ju verkaufen feyen. Die nebmlicbe 
Hnfrage, ift feitber wiederholt, und von mir eine ent- 
febeidende Hntwort, in Bälde verlangt worden. So- 
lange ich nun nicht weif?, ob 6uer herzoglichen Durch- 
laucht meiner Hrbeit Jbren gnädiglten Bcyfall ju 
febenken, und die figuren anjunebmen geruhen wer- 
den, bleibe ich in der größten Verlegenheit was ich 
darauf ju antworten habe. 

Die Hnjeige der baaren Huslagen, die ich feitber 
auf diefe Hrbeit verwendet habe, werde ich auf gnä- 
digfte Grlaubnik 6uer Herzoglichen Durchlaucht unter- 
tbänigft überreichen, und im fall ich das 6lüch haben 
Tollte, die figuren Höcbft denenfelben jufenden ju 
dörfen, nur einltweilen um gnädigften 6rfa? derfelben 
untertbäniglt bitten. 

Jch bin mit der tiefften Gbrfurcbt 6uer Rerjog- 
licben Durchlaucht 

untertbänigfter profeffor 
Dannecher. 

Stuttgardt d. 17. Decbr. 

1791- 

[Huf der 4. Seite eigenbändig von friedrieb:] 

Hntworte in meinem nahmen, 
dafj ich die Statuen nicht gefeben, Prof. Danneher. 
weil ich feit einiger Zeit wenig in 17'- ibre 1791. 
St. gewefen, wünfdrte aber ju wif- 
fen wie viel die Höften betrügen, 
um alsdan ferner Hntwort ju er- 
tbeilen. 

14*] Dannecher an I)ofrat ffienotb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Stuttgard d. 5 ,en Jan. 1702. 

CQoblgebobrner Herr, 
befonders Rocbjuverebrender Rerr Hofratb. 
Jch bin von 6uer Kloblgcbobrnen mit einer Zu- 
febrift vom 29 ibre. beehrt worden, worin diefelbe 



auf Befehl des perrn prinj friederieb CCUlbelm Her- 
zoglichen Durchlaucht eine Hnfrage machen über die 
Koften der Statuen, fo ich würhlicb für Höcbftdiefelbcn 
in Hrbeit habe. Dach Jbrem Husdruck han ich nicht 
anders fcbliefeen, als dafj Sc. Durchlaucht beftimmt ju 
willen verlangen, wie hoch ich die fertige Statuen an- 
fcblage, und alfo nicht vorläufig nur die Hnjeige von 
meiner baaren Huslage für Materialien, fliodels, for- 
men und Caglöbner und dergleichen jufamen 230 
6ülden ausmachen erwarten. Den Befehl S : herzog- 
lichen Durchlaucht bierin untertbäniglt ju befolgen, 
habe ich die 6bre 6uer Kloblgeboren ju melden, dafj 
ich den Preifj diefer Hrbeit nach Verbältnifj des Huf- 
wands, und der daju erforderlich langwäbrenden Stu- 
dien und Hrbeit fo gewiffenbaft als möglieb und auch 
fo nieder anfejen werde, dafj ich vor niemanden CQobl- 
feiler arbeiten könnte. Dach diefem unveränderlichen 
Vorfaj, fcbäje ich eine einjelne figur auf 15 Couisd'or, 
und einen Candelabre auf 4 Couisd'or meine Hus- 
lagen mit eingerechnet. 

Jch bitte 6ucr Klobigebornen, Seiner Herzoglichen 
Durchlaucht diefe untertbänigfte Hufjerung unter Be= 
Zeugung meines untertbänigften Refpects ?u hinter- 
bringen. 

Jch bin mit der gröfjten Hochachtung 

6uer Kloblgeboren 
Grgebenlter Diener 
profeffor Dannecher 
und Rofbildbauer. 
Hdr: Rerrn 
Herrn Rof-Rat ffi e n 1 b 
Secret™ bey Sr. berjogl. 
Durcbl. dem prinz friede- 
rieb Cöilbelm ?u Klürt- 
temberg 

in Cudwigsburg. 

15*] Dannecher an Grbprinj friedrieb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Durcblauebtigfter 6rb-prinj 
gnädigfter 6rb-prinj und Rerr! 
[Bleittift vermerk fflündlicb antworten dafj ich es gern 
des Srbprinjen:] feben will nachmittag um 6 Qbr. 

Da ich auf gnädigfte Veranlaffung der Regierenden 
frau Herzogin Königlichen Roheit, das Bruftbild Setner 
herzoglichen Durchlaucht für Jbro fflajeftaet die Kaiferin 
von Rußland, in ffiarmor verfertiget, und folcbes 
geftern beyden Herzoglichen Durchlaucht, vorzuzeigen 

2 



10 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



die Gnade gehabt; Jo nehme ich mir die Untertbä- 
nigfte freibeit, bey 6uer Rerjoglicben Durchlaucht an- 
zufragen, ob nicht f)öcbft Diefelbe mir gleiche 6rlaub- 
nifj ju ertheilen, und mir die Zeit und den Ort ju 
beltimmen geruhen wollen, wo ich 6uer berjoglichen 
Durdblaucbt und ßöcbft dero frau Gemahlin König- 
liche Roheit, diefes Bruftbild unterthänigft unterthä- 
nigft vorzeigen kann ; der ich in tiefftcm Relpect ver- 
harre 

6uer herzoglichen Durchlaucht 
Qntertbänigfter Diener 
Stuttgardt d. 24"" }uny Dannecker profeffor und 
1797- Rofbildbauer. 

16*] Dannecker an 6raf Zeppelin. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Fjochgeborner Rerr Graf 

6nädiger Fjerr Geheimer Ratb ! 
6uer 6xcellenj haben es mir ?ur Hufgabe ju 
machen geruht, daf? ich wegen denen von hier abge- 
führten marmornen Statuen und Vafen ej: feiner Zeit 
die böcbft notwendige Qnterfucbung der Kulten in 
6rinnerung bringen folle. JA befolge diefen Befehl 
aus befonderem Crieb, da ich nicht ohne Grund ver- 
muthe die fchnell gemachte Küften fowobl, als das in 
der eile gebrauchte und nicht hinlänglich trockene Säg- 
mebl möchte nachgelaffen haben, und keinen zweiten 
Cransport ohne Dachtheil für die marmor Sachen er- 
lauben. CClenn nebmlich die Küften auseinander ge- 
gangen und das Sägmebl durch austrocknen einge- 
gangen wäre, fo würden die fchweren fflaffen einen 
Spiel-Raum finden und fleh felbft dunh das Reiben 
ruiniren. SQünJcben 6uer Cxcellen? einen hinlänglich 
erfahrnen fflann ju diefer dnterfuebung ju haben, fo 
bin ich fo frey den in Corch fich aufhaltenden Bild- 
hauer Schmid unterthänigft vor?ufcblagen, als welcher 
beym verpacken gegenwärtig gewefen ift, und die nö- 
thige Kenntnifj befitjt. 

Jch empfehle mich unterthänigft und bin mit 
tiefftcm Relpect 

euer 6xcellen? 
Stuttgardt d. 22"" fflcrj dntertbäniger Diener 

1801. Dannecker profeffor. 

17*] I)erjog friedrieb an 6raf Zeppelin. 

(Copie in KHnturlin. fflatcr. ?. wflrtt. KTtgeJcb.) 

erlangen, 26. 3. 1801. 
fßein lieber Staats- u. Conferenj-ffliniftre 6raf 
v. Zeppelin. Da der Rücktransport der marmornen 



Statuen und Vafcn bevorfteht und es notbwendig ift, 
dafj ein Sachverftändiger nach Hnfpach gefchikt werde, 
um das Packen ju beforgen; fo gebe ich Jbnen an- 
durch auf, dem profeffor Dannecker difjfalls die 
nöthige ödeifung jugeben ju laffen 

18*] Dannecker an F)erjog friedrieb. 

(K. Staatsardiiv Stuttgart.) 

[Bleiftiftnoti? v. Fjerjog friedrieb:] 

eingefeben. Dec. an C. S. Ca. 
auf 500 fl. 
Durchlauchtigfter Rerjog, f. 

gnädiglter ßerjog und ßerr! 
euer Rcrjoglicben Durchlaucht habe ich in aller 
Untertänigkeit anzeigen, dafj beute wieder jwei 
Kiften mit blau Gips von Sulj angekommen find, 
und foldie in Verwahrung genommen habe. 

6uer Rerjoglicbe Durchlaucht bitte ich unterthä- 
nigft die Gnade ?u haben mir wieder eine grtädigft 
beliebende Summe Geld 311 decretiren, um die Mar- 
morier und übrige Unkoften weiter beftreiten ju können. 
Schon vor einiger Zeit wurde auf das Seehaufj, 
ein franjöfifcbes Camin neu verfertigt und eines repa- 
rirt, da nun folebes in der Zeit von der mir gnädigft 
anvertrauten Caffe befahlt worden, fo frage auch un- 
terthänigft an, ob ich die Summe, welche 30 fl. 40 kr 
ausmacht, von der herzoglichen Bau und 6arten Co- 
miffion. in die, mir gnädigft anvertraute Caffe an- 
beim Zahlen laffen folle ? — 

ffiit tiefftem Refpcct verharre 

6uer ^ermöglichen Durchlaucht 
Stuttgard d. 18'" 1 Rovbr. untertbänigfter 

1801. profeffor und Rofbildbauer 

Dannecker. 

19*] Dannecker an I)er?og friedrieb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 
(Bleiftiftnotij d. ßerjogs:) D. auf C. Scb. wieder 

400 fl. 

f. 
Durchlauchtigfter ßerjog, 
Gnädigftcr I^crjog und Rerr! 
6uer herzoglichen Durchlaucht habe ich in aller 
Untertänigkeit die Hnjeige ?u machen, dafj die mir 
gnädigft decretirte Summe 500 f. aus höcbft dero 
Cammer febreiberey vom 10««" Dov. 1801 ?u Bejab- 
lung der Huslagen für das fflonument ju 6nde ift. 



Anhang 



III. Dannecker als ßofbildbauer. 



6ucr Rerjoglicbc Durchlaucht bitte ich nun unter- 
tbänigft, die 6nade ?u haben, mir wieder ju Bejab- 
lung der Unkoften des fflonuments eine, gnädigft 
beliebende Summe ju decretiren. 
fßit tiefftem Relpcct verharre 

tlntertbänigfter Profeffor 
Stuttgard, d. 29 ]fan : und pofbildbauer 

1802. Dannecker. 



empfehle mich in tieflter Ghrfurcht ju fortwäh- 
renden F>öd)fter Ruld und 6nade. 

6uer ^ermöglichen Durchlaucht 
üntertbänigfter profeffor 
und pofbildbauer 
Dannecker, 
(folgt die ausführliche Specification des Schrei- 
bers Reinhardt.) 



20*] Dannecker an f)er}og friedrieb. 

CK. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Durcblaucbtigfter ßerjog, 
Gnädigfter Rerjog und I)crr! 
Stuttgard: d: 14. Hugft 1802. 
Profeffor und F)ofbildbauer 
Dannecker 
übergibt untertbänigft die Rechnung über {amt- 
liche bisherige einnähme und Husgabe bei feiner 
Hufficht gnädigft anvertrauten Hrbeit in Mar- 
mor ju dem fflonument in Cudwigsburg, nebft 
CIrkunden, und einem Verjeicbnifj was an noch 
von unbrauebtem fllarmor übrig geblieben ift. 

6uer ^ermöglichen Durchlaucht haben gnä- 
digft geruhet die verfebiedene Hrbeiten in flßar- 
mor, die für das in Cudwigsburg errichtete 
ffionument erforderlich waren, meiner befon- 
deren Huffid)t anjuvertrauen und mir für die 
dabei vorkommende Zahlungen nach und nach 
die Summe von fl. 4040. — gnädigft anweisen 
ju laffen. Da diefe Hrbeiten für jetjt beendigt 
find fo erkühne ich mich 6uer perjoglicben 
Durchlaucht ju vorderft meinen unterthänigften 
Dank für das mir buldreicbft gefchenkte gnä- 
dtgfte Zutrauen abjuftatten, und dann in der 
Hnlage die von dem Rechner Bau Controleur 
Reinhardt geftellte Rechnung nebft CIrkunden 
untertbänigft ju überreichen. Dach diefer Rech- 
nung ergibt fich, daf? die empfangene Summe 
gänjlicb verwendet worden, und noch über die- 
felbe ein Rcft von fl. 189, 45 kr 3 bell, 
im Rückftand geblieben ift. CQegen letzteren 
werden 6uer herzoglichen Durchlaucht weitere 
gnädigfte Verfügung JU machen geruhen. 

Zugleich lege ich auch ein Verjeicbnifj über 
die übrig gebliebene febwarj« und blaue fßar- 
mor, und ßranit Klöje untertbänigft bey, und 



21*] Gutachten Dannechers über Dominicus 
King. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Durcblaucbtigfter Cburfürft, 
gnädigfter Cburfürft und ßerr! 

6uer Cburfürftlicbe Durchlaucht ! haben mir durch 
ein gnädigftes Decret aufzugeben geruhet den aus dem 
Rotbweilifcben jungen Dominicus King ju prüfen, ob 
und was von feinem angebohrnen Calente jur Bild- 
bauerey ju halten feye. 

Diefer vierjeben jährige junge fflenfcb ift feit 14 
Cage bier, und um den böcbften Hbficbten 6uer Cbur- 
fürftlicben Durchlaucht nach meinem Kliffen am jweck- 
mäfjigften in Clntertbänigkeit entfpreeben ju können, 
habe ich denfelben feit diefer Zeit beftändig in meinem 
Httelier, und um mich gehabt, um ihn nicht allein über 
feine angewohnte fertigkeit, fondern auch und Vorjüg- 
licb über feinen noch ungebildeten Sinn für dieKunft, fo 
wie über fein Betragen ju beobachten, für ehrbare Koft 
und Cogis über diefe 6rreicbung der jur böcbften Hb- 
ficht notwendigen Zeit habe ich einsweilcn und bis 
jur gnädigften näherer Cntfcbeidung auch geforgt und 
denfelben bei dem Gürtler Oftertag untergebracht. 

Hus allem was ich nun bisher an dem jungen 
King geleben und bemerkt habe, geben lauter erfreu- 
liebe Refultate und gute Rofnungen hervor. Diefes 
Qrtbcil gründet fieb weniger auf das was der junge 
fflenfcb febon machen kan als darauf, wie er das bis- 
her ungewohnte und für ihn ganj Heue fafjt und an- 
greift. Dann dafj er I^olj-Scbnijerei umgeben kan, 
ift weniger ju bewundern, weil fein 6ros Vatter ein 
I)olj Scbnijler ift. Von diefem bat der 6nkel meeba- 
nifebe Vortbeile gelernt; und was er damit leiften 
könne, bat er durch einige Bildlein beweisen wollen. 
Hn diefer lejtern ift jedoch febon ju bemerken, dafj 
fieb das junge Hug an ein Selbft-Seben gewöhnt bat, 
was er wabrfcbeinlicb feinem eigenen Crieb verdankt. 
Qm mich aber ganj ja überjeugen, dafj er keine unter- 
febobene Hrbeiten vorjeige, habe ich ihm aufgegeben, 



12 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



nach einem fflodel von mir etwas in Rolj ju febnei- 
den. Klie er fieb diefer Hufgabe entlediget, lolle ich 
die böcbfte 6bre baben, 6uer Churfürftlicben Durch- 
laucht untertbäniglt vorzulegen. Jcb darf dabei nicht 
vergeffen daf} der junge King (ich aus der Schwierig- 
keit: ins kleinere |u arbeiten, mit jimmlicb viel Ver- 
band gejogen hat; und dafe er wie 6uer Cburfürft- 
licbe Durchlaucht Böebftfelbften feben werden, auch den 
6eift der figur gefühlt ?u haben febeint. Huffer diefem 
habe ich ihn, nach einem grofjen runden Kopf, en 
Basrelief modelliren laffcn. Difj war für ihn eine 
Sache wovon er noch gar keinen Begriff hatte. Zu 
meiner Verwunderung bat er fich aber auch daran ge- 
wagt und fo benommen, daf} ich darauf eigentlich 
mein günftiges ürtbeil und meine Hoffnungen gründe. 
6r bat freilieb, wie es fich ?um Voraus vermuthen 
lief?, nichts febenswertbes geliefert ; aber die Hrt mit 
welcher er felbft den Kleg fuchte jum Zweck ju kom- 
men, und die Heufjerungen die ich ihm dabei ent- 
lochte, laffen mich mit hober Klabrfcbeinlicbheit ver- 
muthen, daf? ein tiefer Sinn in dem Knaben fcblummre, 
der durch Unterricht und Beifpiel geweckt und befördert 
werden kan. Sein immer reger 6eift und feine Küfj- 
begierde fpreeben auch noch für feine Hnlagen, und 
wann feine Unbefangenheit ihn jejt noch robe Qrtbeile 
fällen läfjt, fo ift doch immer ein gewiffer Grad von 
feinem Verftand dabei, der bei jungen Ceuten von 
[einer Hrt und Cultur feiten feyn möchte. 

Sonft ift der junge King von jartem Körperbau, 
und fein Husfeben fpricht günftig für ihn. Seine Huf- 
fübrung febeint, fo viel ich ihn durchfeben konnte un- 
tadelhaft und fittlicb rein. Vor jejt, glaube ich, müfjte 
er noch mit Körperlicher Hnftrengung verfchont werden. 
Da aber, wann an feine höhere Bildung eine gütige 
Rand gelegt werden wollte, noch vieles nach ?u holen 
wäre befonders durch Scbuhl Unterricht (woju fich 
hier vortrefliebe Gelegenheit findet) fo ift ohne bin die 
eigentliche Hnftrengung nicht fo nahe. 

ßacb dem was ich hier gelagt habe, kan ich alfo auf 
den gnädigften Huftrag 6uer Churfürftlicben Durchlaucht 
untertbäniglt antworten ; daf? ich den jungen King der 
Röchften Hufmerhfamkeit würdig halte, und daf} ich 
glaube es könnte etwafj rechtes aus ihm gemacht werden. 

fflieb |u ßöcbfter ßuld und 6nade untertbäniglt 
empfehlend bin ich in tieffter 6brfurcbt 

6uer Churfürftlicben Durchlaucht 
dntcrtbäniglter Diener 
Stuttgard d: 24«" Hugft Dannecker ßrofeffor 
1804. u. Rof-Bildbauer. 



22*] Dannecher an 6eb. Ccg.-Rat ffienotb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

6uer Kloblgebobren 
habe ich in Rückficht, auf das von S: Cb: Drl: gnä- 
digft verordnete gemeinfebafftliche Verabreden wegen des 
jungen Domenicus King's Clnterkommen, Ccbr dnter- 
riebt und weitere Bildung, die ehre ju berichten, was 
ich in der Sache nachgefragt habe, und was ich darin 
für jwekdienlicbft halte. 

für's erlte mufj ich geborfamft bemerken daf; ich 
dielen jungen fflenfeben bis ?u näherer 6ntfcbeidung 
der Sache bei dem ßürtler Oftertag um tägliche 32 xr 
für Koft und Cogis untergebracht habe, wo er feit 18 
Cagen lieb befindet und fo lange wohl ?u verbleiben 
baben wird, bis er anderwärts untergebracht feyn wird. 
Daraus wird die erfte von der übrigen unabhängigen 
Rechnung doch von gerengem Belang entfteben. 

für's 2te müfjte nach meinem unmasgeblicben 
Brachten der junge King nun mehr fo gekleidet und 
aus ftafiert werden, dafj er hier mit einigem Hnftand 
erfcheinen kan. S. Cburf: Dr: baben diefen jungen 
flßenfchen gleicbfam fo anjufeben als ob Röcbtt Sie 
derselben Hakend empfingen. 6r müßte alfo von 
Kopf bis auf die füfje ausge(tattet werden, und jwar 
an fremder, Schnupftücher, Strumpf, Ralsbinder, ej: 
etwa von jeglichem 6 Stuk. Sodann 1 oder 2 Röcke, 
1 Überrok, 1 Raus Camifobl etliche Kielten und etlicb 
paar Bojen, Schub Stiefel, Ruth hur? alles unum- 
gänglich notbwendig ift. Dach meinem Dafür halten 
dürfte difj alles nicht koftbar, fondern nur reinlich und 
gut feyn, damit der junge fflenfcb fich nicht in feinen 
Staat vergaffe. So wohlfeil difj aber alles auch be- 
itraten werden mag fo wird es doch, fo viel ich es 
fcbäjen kan auf obngefer f. 150. — kommen. 

Das Dritte wäre alsdann fein fixirter Unterhalt 
für das erfte Jahr. Darüber habe ich mit 2 Perfobnen 
gefproeben. Der Gürtler Oftertag glaubt ibn um 30 xr 
für den Cag in Koft Cogis und Klafcb nehmen ju 
können, wobey jedoch auf den Cag nur einen halben 
Schoppen Klein gereicht würde, difj macht alfo 
f. 182. 30 xr. 

Der Catbolifcber ffiefjner Schaupp will jeden Hr- 
tikel befonders fpeeificiren. Seiner Rechnung nach 
käme Unterhalt Koft und Klafcben, täglich mit 
1 Schoppen Klein (was ich der Schwächlichkeit des 
jungen Kings halber für gut hielte) auf 210 bis f. 220. 
Klann diefes gleich etwas weiter ausmacht, fo hielt 
ich es doch aus jwei Raupt 6ründen für juträglicber. 
erftlicb weil der junge fflenfcb }u feiner Beruhigung 



Anhang 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



13 



bei einem Glaubens Verwandten feyn könnte und 
jweitens : weil er an dem Scbaupp einen gebildeten 
und (HilfenfcbaftlidHn ffiann findet, bei dem er Icbon 
durch den täglichen Umgang an ginlicbtcn und Cultur 
gewinnen würde. 

fürs vierte müf?te (eine kleine Bedürfnif?e in Be- 
tracht gejogen werden, Hier lind die erfordernnifoe an 
Bücher, Reif?bley pappier und was dergleichen ift ja 
rechnen. Jch glaube man dürfte quartaliter fl. 10 dafür 
annehmen, fünftens kommt dann der geregelte GJif- 
fenfcbafftlicbe Unterricht in Hnregung, für den Hnfang 
kan der King nicht fo gleich in die öffentliche Cebr- 
anftalten eingeführt werden, weil feine flßaniren feine 
Sprache, felbft feine fajfungsgabe noch nicht da?u ge- 
eignet find. CCIürdc es gnädigft genehmiget daf? er 
dem Catbolifcben flßoffner Scbaupp anvertraut werden 
toll, fo würde fieb dieler auch engagiren, ihm täglich 
eine Stunde Unterricht in Sprachen Schreiben Rech- 
nen und Religion für Monatliche 4 fl. ?u ertheilen. 
Jn diefem Qnterricbt könnte der King wohl 6 bis 12 
flßonathe bleiben. Seine übrige Zeit würde auf das 
Zeichnen, fflodeliren und andere künftlerifcbe Vorbe- 
reitungen angewendet werden, für die I)aupt-Ceitung 
wolte ich immer aus Ciebe für das gute ölerk und 
aus untertbänigfter Devotion die grofje Hb ficht Sr: 
Churfürftlicben Durchlaucht nach meinen Kräften ?u 
befördern, obnentgeldlich Jörgen und mich keine Mühe 
gereuen laffen. 

6uer CQoblgebobren 
gan? geborfamfter Diener 
Stuttgard d. 28'«" Hugft Dannecker 

1804. Profeffor. 

23*] Dannecher an 6eb. Ccg.-Rat fflenotb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

6uer Cöoblgebobren 
überfende ich das Verjcicbnis von Scbaupp und 
bitte Sie geborfamft baldige gnädigfte Rcfolution ?u 
bewirken. Die ganje Sume jährlich, von Scbaupp be- 
trägt 268 fl. 25 kr, für Kleidung und aus Stafirung 
habe ich im erften Brief 150 fl. angefejt. Sic werden 
wohl vermutben, daf?, da die Rechnung von allem 
vorgelegt wird, das der junge King notwendig braucht, 
vieleicbt am 6nde die Sume weniger feyn wird: fo 
habe ich gedacht bei der forderung ?u bleiben, weil 
dabei mehr freude ift etwaf? erfpabrt ?u haben, als 
wieder nach ?u fordern Jch freue mich täglich mehr 
daf? ich mein 6utachten an Se. Churfürftliche Durcbl. 
für den jungen King vorteilhaft gemacht habe in- 



dem ich mich fchon über feine fortfehritten und leichtes 
faffen verwundere. 

Jch empfehle mich in dero Kloblwolten und ver- 
harre mit Vollkommcnfter Hochachtung 
euer (Hoblgebobren 

gan? gcborfamlter 
Stuttgard d. i'" 1 Sept. Diener Dannecker. 

1804. 

24*] Danmcher an 6eb. Ceg.R. QQenotb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Stuttgard, d. n tc " 7*« 1804. 
Göoblgebobrner ßerr. 
Jnfonders Hocb?uverebenter ßerr Gebeimer 

Cegations Rath 
Jbrem gütigen Huftrag gemäfj habe id) foglcicb 
beim catbolifcben Prediger (Hien den Hntrag gemacht 
den jungen King in der Religion ?u unterrichten. 6r 
gab mir ?ur Hntwort daf? es ihm ein grofjes Ver- 
gnügen wäre, ihn alle CCIocben 2 Stunden ?u unter- 
richten, da er fchon mehrere Jugend von feinem Hltcr 
Mittwochs und Samftags beyfamen habe, für Schrei- 
ben und Cefcn glaube ich nicht daf? er Qnterricbt be- 
darf weil er beides febr gut kan, und gewief? fo viel 
Kentnif? bat als jeder Knabe der im 14«« Jahr aus der 
Schuble tritt, Mein febnlichfter (Hunfcb wäre gewefen 
ihm eine Stunde für höhere Bildung als nur Cefen 
und Schreiben ?u verfchaffen. Jcb denke demnach daf? 
ich jemand finden werde der aus Ciebe für den guten 
Knaben obnentgeldlich einen Qnterricbt ertheilen wird. 
— Jcb bebalte mir vor 6uer (Hoblgebobren wenn ich 
darüber meinen Zweck erreicht haben werde: ßaebriebt 
?u ertheilen. Klegen dem C8eif??eug Schub Stiefel u. 
Ruth werde ich aufs pünctlicbftc beforgt feyn. nur 
erlauben Sie daf? ich eine Bitte nachtragen darf, dem 
jungen habe ich febon einen Ruth gekauft, ?abltc dafür 
2 fl. 24 kr nun habe ich aber die Bemerkung gemacht 
daf? ein Ruth für alle Cag gebraud)t nicht lang febön 
bleibt, und bitte Sie daher ?u erlauben daf? ich ihm 
noch einen anfdwffen darf der nur 1 fl. 44 kr koften 
darf. — Jn der Rappifcben Cucb Handlung habe ich 
fflufter von Cucb ausgelefen um fie SuerHIoblgebobren 
vor?ulegen, habe mir auch die totale Koften Rechnung 
mit Macherlohn auf fe?en laffen, die hier beigelegt ift. 
Sie werden in der Sume finden, daf? man für die 
Rückficht des Knaben auf befebeidene preif?e ?u machen 
alles was möglich ift getan bat. Daf? meine unmas- 
geblicbe Meinung ift, für ein Hrbeits Camifol und 



14 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



Roten Cucb ?u nehmen ift der 6rund, dal? «" folcbes 
Sommer wie Klintcr tragen kann. Hucb ift die Breite 
des Cucbs wie die qualitaet fo gut dal} der Ko|ten 
böcbftens 24 kr mebr feyn wird als mit dem Bieber. 
ich denke ibn anfangs mit dem Hrbeits Camilol aus- 
geben ju laffen. 3&> babc mir bei auslefung der 
Hlufter das Sprichwort ?u Ratb genommen — gute 
Cd aar e ift immer die Kloblfeilftc. So viel ich je?o 
iebon merke kommt die ganje Hus|taffirung des jungen 
Kings kaum auf 100 fl. Sie darfen glauben dak mirs 
ein feft feyn wird wenn ich auf Rechnung Sr: Cburf: 
Durcbl etwaf? erfpabren kan und bins auch im 
inner n überjeugt, dafj niemand mebr auf das in- 
tcreffe unferes gnädigften Rerrn fiebet als ich. Darf 
ich bitten um gefälligjt baldige Hntwort. Den King 
nach Cudwigsburg ju fchicken finde ich nicht gut weil 
er febwach ju fufj ift. Rier haben Sie nun durch den 
Öbcrfchlag einen fflaas Staab von guter (Haare und 
billigem flßacberlobn; probiren Sie es nun in Cud- 
wigsburg ob es noch billiger gemacht werden kan? 
Der Schneider ift eigentlich geftaigert worden. (6s ift 
der Ceib Schneider f ifeber) und der Randclsmann mein 
Schwager, der mebr vor den Cburfürften jum Dujen 
als auf den feinigen gedacht bat. 

fflit vollkommenfter Rochachtung verharre 
6ucr ödoblgeboren ganj 

geborfamfter Diener 

Dannecker prof. 

25*] Danne&er an Koentg friedrieb. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

Stuttgard d. 17'«" fflerj 
1806. 
profeffor Rofbildbauer Dann- 
ecker berichtet alleruntertbä- 
nigft wegen der Kleidung des 
ihm allergnädigft anvertrauten 
6leves Dominicus King. 

6uer Königlichen fflajeftät habe ich die 
allcruntertbänigfte Hnjeige ju machen, dafj die 
Rlerktags Kleidung des mir allergnädigft an- 
vertrauten eieves Dominicus King; welche er 
vor anderthalb Jahren bei feiner Hbnkunft aus 
königlicher fflilde erhielt, anfängt ju jerreifjen. 
Diefer Zeitraum, in welchem er aufjer den Sonn 
und feyertägen, befagte Kleidung beftändig trug: 
gibt ihm das Zeugnifj, dafj er fchonend damit 
umgegangen ift. Da er auch fonft in Huffüb- 
rung und application nach jeder Rückficht 



lobenswertb ift, fo werde ich ibn auch mit 
feiner wirklichen Bcdürfnifj der allerböchften 
Vorforge untertbänigft empfehlen derfen. 

fflit allertiefftem Refpect beharrend 
6uer Königlichen fflajeftät 

alleruntertbänigfter 

Profeffor Rofbildbauer 
Dannecker. 

26*] eingäbe an Kurfürft friedrieb. 

(nadilafc 8.) 

6uer Cburfürftlicben Durcblaudn: wage ich eine 
untertbänigfte Bitte vorzutragen, deren gnädigfte 6r- 
füllung für Röcbft Dicfelbe nicht febwer, für mich aber 
unendlich erfreulich feyn würde. 

6s ift euer Cburfürftlicben Durchlaucht wohl be- 
kant, dafj ich feit einiger Zeit, da ich in anderen Rerr- 
febaft Hrbeitcn nichts verfäumen konte mich mit der 
Husfübrung eines von mir entworfenen Gedankens 
emfig befd)äftigte und das ffiodcll ?u einer auf dem 
pantber reitenden Hriadne verfertigte. 

Diefes Bild habe ich mit Künftlerifcber Ciebe be- 
handelt und felbft einen eigenen beträchtlichen Hufwand 
von Koften für Dafür ej: nicht gefcheuet, um meiner 
Jdec nach fflaasgab meiner Kräften eine Hrt von Voll- 
kommenheit ?u geben. 

Da es jetjt fertig ift, — kan ich es nicht leug- 
nen — gefällt es mir wohl, und ich habe den innig- 
ften ödunfeh es felbft als 6igentbum ju befijen. 

euer Cburfürftliche Durchlaucht wollen diefe Hrt 
von eigenliebe nicht ungnädig anfeben; Sie liegt in 
der üatur und vielleicht am meiften in dem fflßenfchen 
der fich mit der bildenden Kunft befebäfftiget. Dabcy 
mufj id) noch untertbänigft bemerken dafj idi noch gar 
nichts von meinen Hrbeitcn befije, um mich vor 
Ceuten legitimien ju können die nicht Gelegenheit 
haben , Sterke von mir in den Cburfürftlidwi 
Scblöfjern ej: ju feben. 

Diefer Gedanke würde mid) übrigens noch nicht 
ju der Kühnheit verleitet haben, meinen befcheidenen 
(Hunfcb laut werden ju laffen, wenn ich nicht glauben 
könte, dass villeicht eben diefes Bild 6uer Cburf. 
Durcbl. um feiner form willen ungefällig und als 
fehwer ju placircn vorkommen möchte. Jcb wollte 
mich wenigftens gerne überreden, dafj diefes der ein- 
zige Grund ift, warum es nicht die Gnade haben 
konte, von Röcbft-denenfelben gefeben ju werden. 
Rabe ich bierinnen nicht geirrt, fo wage ich um fo 
juverfichtlicber die untertbänigfte Bitte: 



Anhang 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



15 



6uer Cburfürftl. Durcbl: möchten mir die böcbft 
fd)äjbare 6nade erjeigen und mir das vorbemeldte 
Bild der Hriadne als Gigentbum gnädigft juüberlaffen. 
Jn erwartung einer huldvollen Gntfcbliefjung be- 
harre 

27*] eingäbe an König friedrieb. 

(Bauahttn d. Ratbautes Stuttgart. ) 

6uer Königliche flßajeftät 
Stuttgard d 2««" febr: 1807. 
Profeffor I)ofbildbauer Dann- 
echer bittet alleruntertbäniglt 
um die allergnädigfte Ver- 
fügung, da|j ihm ein für feine 
Hrbeiten und flßodelle taug- 
liches Httelier ausgemittelt 
werden möchte. 

haben durch mündliche allcrhöcbfte Ordre dem 
Rofbaumeifter Chouret ju eröffnen geruhet, dafj alle 
von den Künftlern bisher benujten Httelies im 
Königlichen Refidenj Scblofj geräumt werden muffen. 
Hus diefer Veranlaffung erkühne ich mich allerunter- 
tbänigft ju bitten, dafj es 6uer Königlichen flßaje- 
ftaet allergnädigft gefällig feyn möchte, die nötbigen 
Befehle ju geben, damit ein anderes für meine Hr- 
beiten und jablreidie Modelle taugliches Httelier 
eingerichtet werden darfe. Cüenn aber, wie es faft 
fdninen will, kein taugliches Cocale erlediget feyn 
Tollte, fo würde ich es für eine außerordentliche 
P)uld 6uer Königlichen flßajeftaet mit allerunter- 
tbänigftem Dank erkennen wan ich durch Hnweifjung 
eines Bau plajes (etwan in dem feitberigen botani- 
feben 6arten) und durch einer öebalt Zulage aller- 
gnädigft in den Stand gefejt würde, für eine neue 
Guiricbtung forgen ju können. Der befondere Scbuj 
deffen fieb die febönen Künfte immer bei 6uer König- 
lichen flßajeftaet ju erfreuen hatten, belebt mich mit 
der angenehmen Hoffnung, dafj allerböcbftdiefelbe 
diefem befebeidenften ödunfeh auf ein oder die andere 
Hrt die allergnädigfte Gewährung nicht verjagen 
werden, der ich mit dem allertiefften Refpect verbatte 
6uer Königlichen flßajeftät 

alleruntertbänigfter 



Profeffor ßofbildbauer 
Dannecker. 



Hn den König 
Königliche fjoeblöbliebe 
Candbau Direction. 



[6in gleiches 6efucb reidien am gleichen Cag 
Scbeffauer, frank, die Bofftuccators friedrieb und flßach 
und der Stuccator Boffmann ein. 

Jm Dekret vom 17. febr. 1807 wird Danneckcrn 
ein Bauplatj juerkannt, die 6ebaltsjulage jedoch ver- 
weigert. Htcliers für (amtliche Künftler (auch D.) 
Jollen in der Hlten Kanjlei eingerichtet werden. 

Dekret vom 18. febr. an Chouret, diele Hteliers 
einzurichten.] (Bauahten its RatbauTes.) 

28*] eingäbe an König friedrieb. 

(Bauahtcn d. Ratbaujes Stuttgart.) 
Stuttgard d. 7I™ flßerj 1807. 
profeffor Bofbildbauer Dann- 
eker bittet alleruntertbänigft 
um allergnädigfte Beftemmung 
des Bau platjes ju feinem 
Httelier. 

6uer Königliche flßajeftaet 

haben durch ein allergnädigjtes Decret mir die 
angenehme Husjicbt ju eröffnen geruhet, dafj meine 
tHünJcbe für einen tauglichen Bau Plaj ju einem 
Httelier, fieb einer huldreichen 6ewäbrung ju erfreuen 
haben Jollen, Biefür lege ich 6uer flßajeftaet meinen 
alleruntertbänigjten Dank ju füfjen, und erkühne 
mich in tiefjter Submijfion einige pläje nabmbaft 
ju machen, die nach meinem unvorfebreiblicben Da- 
fürbalten, ju diefem Zweck dienlich und tauglid) 
Jeyn möchten. Der weijeften Ginfichten 6uer flßaje- 
Jtaet kan es nicht entgehen, dafj die Kinder der 
Kunft nur in freyem und freundlichem Cicbt gedeyen 
können. Hus der nehmlichen Qrfache richtete ich 
mein Hauptaugenmerk auf eine Cage, die nicht leicht 
von einer verfinfternden Hacbbarfcbafft ?u leiden haben 
dürfte. Vor diefem Qmftand würde mich auf der 
einen Seite eine breite Strafje und auf der andern 
ein erkleklichcr Heben Raum, (der jugleich für 6in- 
farth — Hbladen grofjer Caften und rober Stein 
dienen folte) febütjen. Qlann mir defjwegen ein 
Raum von etwan hundert Schu länge auf 80 Schu 
tiefe allergnädigft bewilliget werden follte fo würde 
ich außerordentlich wohl beratben und begünftiget 
feyn. Sin foleber Raum dürfte fieb vielleicht 
^-^entweder unten an den bisherigen botanifchen 
6arten, in der Habe des 6ebeimen Rath von 
fifd-jerifeben ßaufjes gegen die neu anjulegende 
Gartenftrafje; 



i6 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



/-'Oder auf dem piaj wo vormals das kleine Co- 
medien Raufe ftand dem fllajor f ifeber gegenüber, 
in der Baulinie der Cannftadter Stralje 
finden, wenn 6uer fflajeftaet die allergnädigfte Be- 
jahung darüber aussprechen geruhen wolten. Jn 
jedem fall würde ich es mir jur Hngelegenbeit 
machen, meinem künftigen Httelier auch eine folche 
Hufjen Seite ju geben dafj es gefällig in das Huge 
fallen, und gewiefj nichts verunftalten folte. 

fflieb fernerer allerböchften 6nade allerunter- 
thänigft empfehlend verharre mit tiefftem Refpect 
6uer königlichen fflajeftaet 

profeffor Rofbildhauer 
Dannecker. 

[Jm Dekret vom 13. III. 1807 genehmigt der König 
die vorgefchlagenen plätje nicht, da „auf folche keine 
Htteliers gebaut werden dürfen, fondern nur gröfjere 
Räufer fteben können".] 

29*] eingäbe an König friedrieb. 

(Bauahten d. Ratbaujes Stuttgart.) 

Stuttgard d. 4««" Hpril 
1807. 
Profeffor Rofbildhauer Dann- 
ecker erkühnt fich einen dritten 
Bau piaj der ju feinem neuen 
Httelier tauglich fcheinen will 
alleruntertbänigft ju benennen. 

6uer Königliche fliajeftaet 
haben auf meine alleruntertbänigft eingereichte 
Bitte wegen dem mir allerhuldreicbft jugeftandenen 
Cocale ju meinem neu ju erbauenden Httelier aller- 
gnädigft ju erkennen gegeben dafj die beide in Hn- 
regung gekommene Baupläje bereits eine andere 
Beftemmung haben. Jch wage es daher in aller- 
tieffter Submiffion einen dritten piaj ju benennen, 
der vielleicht noch vakant, und wegen Raum und 
Cicbt für eine Kunft-KIerkftätte äufferft tauglich feyn 
möchte. 6s ift difj der piaj jwifeben dem fllaitre 
frafin elifchen Gebäude und dem Opern Raufj, und 
da fich derfelbe weniger ju einem hohen 6ebäude 
eignet, damit der freye Rorijont des Scblofj Vor- 
plajes nicht befebränkt werde, fo hoffe ich, 6uer 
fflajeftaet werden diefen alleruntertbänigften Cöunfcb 
in allerböchften Gnaden aufjunebmen geruben. Dafj 
die Hufjer Seite meines künftigen Htelier auch für 
die Hnficbt eine feböne und nicht gemeine form ge- 
winne, werde ich mir ju einer ganj befonderen Hn- 



gelegenbeit machen und darin ju beweifjen trachten, 
dafj die Hllerböcbfte Vergünftigung an keinen Un- 
würdigen gekommen feye. 

fllit allertiefftem Refpect beharre 

6uer Königlichen fflajeftät 

Profeffor Rofbildbauer 
Dannecker. 

[Das 6efucb wird im Dekret vom 22. Hpril ge- 
nehmigt.] 

30*] Dannecker an die K. Ober-i)ofintendan?. 

(Hhten des Ijofmarlcball-H. Stuttgari.) 
6uer Rocbwoblgebobren 
gütigen Huftrag ju folge, habe ich die 6bre mit einem 
Verjeicbnifj der Hrbeiten die ich auf allerböcblten Huf- 
trag noch ju beforgen habe, untertbänig aufjuwarten. 

1) Jn diefem Hugenblick bin ich mit dem fflodell 
ju der grofjen Statue — 6ine Dympbe welche 
Kläffer ausgiefjt — befchäfftigt. Diefes Bild 
Tolle nach allerböchfter Hnordnung von dem Rof- 
Stuccator flßack geformt und fodann von dem Bild- 
bauer Diftelbartb unter meiner Hufliebt, in Stein 
ausgeführt werden. 6s ift beftimmt an dem See 
vom Klaifenbaus aufgeteilt ju werden, (wo es aber 
nach dem Urtbeil des Rerrn 6eneral von Seeger 
febr koftbar werden möchte das Kläffer in die ge- 
hörige ßöbe ju bringen, um aus der Vafe fich ju 
ergiefjen.) 

2) Huf Königlichen Befehl habe ich die juletjt von 
mir gelieferte Statue, den Hmor formen laffen 
muffen und nach allerböchfter Kleifung jwei repa- 
rierte Hbgüfje davon machen, nebmlich einen für den 
Rerrn Grafen von 6rbacb und den 2 ten für den 
Rerrn 6rafen v: Dillen. 

Roch erkühne ich mid) ju bemerken, dafj ich mit 
allerböchfter Genehmigung täglich einige Stunden un- 
entgeltichen Unterricht im Zeichnen und ffiodelliren 
gebe. Zu diefem Gntfcblufj bin icb durch den von 
allen jungen Künftlcr fo lebhaft gefühlten flßangel an 
Unterricbts-Hnftalten veranlafjt worden. Derfelbe bat 
auch das Glück gehabt mit dem Beifall Seiner Königl. 
fflajeftaet und eine freiwillige Unterftüjung, durch das 
benötbigte Brennbolj und die Hnfchaffung eines fflo- 
dells auf Königliche Koften begnadigt ju werden. 

Unter Bejeugung meines tiefen Refpects 

untertbäniger Diener 
Stuttgard d. c; tc " ßovbr. Profeffor ßofbildbauer 

1816. v: Dannecker. 



Anhang 



III. Dannecker als ßofbildbauer. 



17 



31*] Dannecker an die K. Oberbof-Jntendanj. 

(Hhten des FJofmarJcball-H. Stuttgart.) 
Künftler-Comite. 
Stuttgard d. it«" febr. 1817. 
Rofratb v. Dannecher berichtet über 
verfertigte Hrbeit. 

Untertbänig önterjeicbneter berichtet dafj das fflo- 
del (eine Kläffer ausgieffende Dympbe darfteüend) ohne 
weitere herrfchaftlicbe Huslagen für dasfelbe, vollendet 
ift : Dicfe Statue wurde von Seiner pocbfeeligen fllaje- 
ftaet an den See des Stuttgardter Klaifen Raufe be- 
nimmt; flleiner umnasgeblicben fßeinung aber, (ich 
nicht dahin eignet 

jt«ns CQeil diefe figur ju tief in den Boden begraben 
werden mufj, um den Husflufj des Kläffers aus 
der Urne ju gewinnen, 
2 tens Dc r fall des Klaffers aus der Urne in den See 
würde böcbftens ju 7 bis 8 Zoll betragen und 
daher in der Gntfernung kaum bemerkt werden 
können, dafj Kläffer ausfliege und 
3 tens dürfte die ganje 6inricbtung der Deichet tagen 
einen gröfjerin Hufwand erfordern als die Ver- 
fertigung der Statue felbft. 
3cb wage daher eine untertbänigfte Bitte diefe Statue 
ju einem öffentlichen Robrbronncn ju benujen, (vielleicht 
wäre fie in Bellevue oder Scbambaufen anzubringen ?) 
Die Bearbeitung diefer Statue in Stein, welcher 
bereits febon unter dem Klinke! in der Klerk Stätte 



des I)ofbildbauer Diftelbarth fteht, dürfte ich noch be- 
fonders empfehlen in dem fie dem eben genannten 
Künftler welcher 700 6ulden Befoldung bejiebt, be- 
febäfftigen würde. Klenn nun diele Statue mit fleifj 
und Eiebe vollendet wird, fo darf man gewiefj hoffen, 
dafj fie einen guten Gffect machen wird. 

ferner 
berichtet Unterzeichneter dafj jwei 6ips Hbgüfje von 
der Statue des Hmors vollendet find; 
den einen hat der F)err Graf von Grbacb bereits er- 
balten, und der andere ftebt jur gnädigften Difpofition 
in meinem Httelicr. 

fflieb damit 
Bofratb v: Dannecker. 

32*] Der König an die Ober-I)of-Jntendan?. 

(Hhten des f)ofmartAaU-H. Stuttgart.) 

Jcb gebe derfelben auf ihr Hnbringen biemit ju 
erkennen, dafj Jcb die Statue, eine Kläffer ausgieffende 
Dympbe vorftellend, woju das ffiodell bereits von dem 
ßofratb v. Dannecker gefertiget ift, an einem fcbicklicben 
Platj aufgeftellt willen will, und ffl i r übrigens vorbe- 
halte, über den Hbgufj der Statue desHmor ju disponiren. 

Die Ober-Rof-Jntendanj bat bienach das fiötbige 
ju beforgen. 

Stuttgart den i2 te " februar 1817. 

Klilbelm. 



ünterftütjuncjsgefucbe junger Künftler. 

(Hhten des I)o!marIcb.-H. Stuttgart.) 



ünterftütjungsgefucb des Hrcbitehten 6eßele. 

[franj Xaver 6efjele aus Gllwangen bittet am 
11. Dec. 1816 um Qnterftütjung ju feiner Husbildung. 

Hm 16. Dec. wird Dannecker jur Berichterftattung 
aufgefordert.] 

33*] Dannechers Beriebt über den Hrcbitekten 
6eßele. 

Künftler-Comite. 

Königliche Ober-F>of-3ntendanj. 
Stuttgard d. 26"" febr: 1817. 
ßofratb v: Dannecker berichtet über franj 
Xaver 6efele ünterftüjungs 6efucb. 

tlnterjcicbneter bat das Königl. Oberamt 611- 
wangen unter dem 21. Decbr 1816 gebetten dem 
Petenten die gefällige 6röffnung ju machen, dafj wenn 



6efele etwafj weiteres ju fueben habe, er vorderfamft 
bei dem Cand Bau ffieifter, der Cand Vogteien an der 
jfait und an dem Kocher, Ober F)of Bau fflßeifter Klinsky 
in I)all, fieb ju einem Gxamen ju melden, und außer- 
dem noch einige von ihm verfertigte Zeichnungen an 
die unterjeiebnete Stelle einjufenden habe. Hn Rofbau 
ffieifter Klinsky machte ich ju gleicher Zeit die Hn- 
jeige des vorjunebmenden 6xamen: welcher mir aber 
berichtet dafj fieb 6efele bei ihm nicht gejeigt habe 
und er wabrfcbeinlicb diefes Gxamen fürchte und fomit 
glaubte ich wäre fein weiteres 6efucb abgetan. 

fllicb damit 
ßofratb v. Dannecker. 

[Kliedcrboltes 6efucb des 6efjele (an Dannecker) 
vom 25. fflärj 1817.] 

3 



i8 



III. Dannecker als I)ofbildbauer. 



34*] Zweiter 



Berid)t Dannechers 
Gepele. 



über 35*] Dannechers Beriebt über die fflaler 
Strecker und pons. 



Stuttgard d. 4««" Hpril 1817. 



Königliche Ober-Bof-Jntendan?. 

ßofratb v: Dannecker be- 
richtet über das weitere 
Gefucb des Hrcbitect fran? 
Xaver 6essele ju 611- 
wangen. 

Das vom io tM > Decbr. 1816 an den König ein- 
gegebene Bittjcbreiben um Qnterftüjung ?ur gründlicher 
Grlernung der höheren Baukunft hat Unterzeichneter 
dabin berichtet, daß der Supplicant veranlagt würde; 
fieb examiniren ju laßen, und daß Jein beygclegtes Ht- 
teftat des Bau Controleurs nicht hinlänglich wäre, 
fondern Jolle bey feinem ju ergebenden examen bey 
einem Cand Bau ffleifter unter Hufficbt Zeichnungen 
verfertigen die bie her gefebikt werden follen. Hus 
feinem 2ten Schreiben vom 25. flßer? d. J. ift ju 
erleben daß er keine Cuft bat fieb examiniren ju 
laffen. 6s wäre dem nach diefem Gessele anzeigen 
daß er fieb dennoch bey feinem Cand Bau fflßeifter einem 
6xamen unterwerfe, welcher das Refultat nebft Zeich- 
nungen an die Königl. Ober-ßof-Jntendan? mit Bey- 
fejung feines Hlters einjufebiken habe. Oder auch 
könnte Supplicant auf die ju erriebtente Kunft Hca- 
demie vertröftet werden. 

fflßicb damit 
ßofratb v: Dannecker. 

[dnterm 8. Hpril wird Geßele auf die ju errich- 
tende Kunftakademie verwiefen.] 



6efucb der fflaler Strecker und Pons. 

[Klilbelm Strecker und Reinrieb Pons, Schüler von 
Seele, muffen ihre Hteliers im Scbloßnebengebäude 
räumen, die ihnen von König friedrieb waren ange- 
wiefen worden, und bitten unterm 11. Dec. 1816 um 
Vergünftigung eines andern Hteliers. Beide haben 
fiaturjeiebnen bei Dannecker. 

Hm 12. Dec. wird Dannecker jur Berichterftattung 
aufgefordert.] 



Künftler-Comite. Königliche Ober-I)of-Jntendan>. 

Stuttgard d. 26"" febr. 1817. 
ßofratb v. Dannecker berichtet 
über die Bitte um Hnweifung 
eines Httelier für den flßabter 
Strecker und pons. 

Clnterjeicbneter glaubt, dafj diefen beiden flßabler 
ju gönnen wäre, dafj fie diefelbe Gnade ju ihrem 
weitern fortkommen in der Kunft, genießen möchten, 
welche ihnen von des Böcbft feeligen Königs fßajeftaet 
vergönnt war. Jn dem fie fittlicb und fleißige junge 
Männer find. Sie haben durch eine andere gnädige 
Beftimmung das Httelier ihres verdorbenen Cebrers 
des Gallerie Directors v: Seele in der ehemaligen Hca- 
demie verlobren, und find nicht im Stande hier ein 
taugliches Cocale felbft ju beftreiten. Vieleicbt könte 
ihnen ein taugliches in der ebmaligen Kanjley in Gna- 
den anjuweijen feyn. 

fflieb damit 
Rofrath v: Dannecker. 
[Da in der Hlten Kanjlei kein Platj ift. werden 
die Bittfteller am 7. flßärj 1817 bis auf weiteres ver- 
tröftet.] 

Clnter[tüt?ungsgelucb des fflalers Carl 
I)einjmann. 

[Reinjmann (Schüler von Seele) febickt unterm 
3. Dov. J816 aus München feine jwei erften 6emälde 
an den König; bittet um fortfetjung der von König 
f riedrieb ausgefegten jährlichen ünterftütjung von 150 fl. 
Hm 14. ßov. wird Dannecker jur Berichterftattung auf- 
gefordert.] 

36*] Dannechers Beriebt über fyinjmann. 

Künftler-Comite. Königliche Ober-Rof-Jntendanj 

Stuttgard d. 17t« üobr. 1816. 
Rofratb von Dannecker berichtet 
über jwei von dem ehemaligen 
qua Cieutenant Reinnnann ein- 
gefchikte Öbl Gemäblte: Cand- 
webr piquets vor Scblettftadt und 
von ßünningen vorftellend. 

Diefe beide Gemäblte geben eine febr feböne Boff- 
nung von dem jungen Künftler in diefem Genre der 



Anhang 



III. Dannecher als F)ofbildbauer. 



19 



fflablerey : fie find mit f leifj und Cicbe bearbeitet, da- 
her für lein Calent ju wünfeben wäre: dafj Seine 
Königl. fflajeftaet ihm diefelbe allcrgnädigfte Qnter- 
ftüjung von 150 fl. angedeyen licfjen, welche ihm von 
des Röcbftfeeligen Königs fflajeftaet den 12"" Dobr. 
1815 auf 3 Jahre aus der F)of und Domänen Calfe 
juerhannt wurden. 

6ben diefc jwei Bilder, glaubt untertbänig ünter- 
jeiebneter auf 12 Couisdor taxiren ju darfen, mit dem 
Beifügen ihm die allcrgnädigftc Hufmunterung ju ge- 
ben, feine fernere fortfebritte in Zeit von einem Jahr 
wieder einjufenden. 

fflich damit 
Rofratb v: Dannecker. 

[Hm 24. Dov. Decr., dem Künftlcr die üntcrftütjung 
auf weitere 2 Jahre auszahlen ju laffen und die beiden 
Bilder mit 132 fl. ju bejahten.] 



Clnterftütjungsgefucb des QQalers Cbriftian 
Dreiser. 

[Dreijler febicht unterm 4. fflärj 1817 aus fflün- 
cben ein Bild an den König : „Der reuige petrus." 
6r bittet unterm 17. Dov. 1817 um fortfetjung 
der ihm von Kg. friedrieb 6. Dov. 1815 ausgefetjten 
üntcrftütjung. unterm 1. Dec. 1817 wird Dannecker 
jur Bericbterftattung aufgefordert.] 

37*] Dannechers Beriebt über Dreijler. 

Seiner Rocbwoblgebobren 

f)errn Staats Ratb v. Kielmeyer. 

6uer ßocbwoblgebobren 
berichtet untertbänig ünterjeicbneter über das aller- 
untertbänigfte 6efucb des fflablers Cbriftian Dreijler 
in fflüneben, worinn er um fernere ünterftüjung ju 
feinen Studien bittet; dafj diefem jungen fflann, wel- 
cher fich mit grofjer Hnftrengung und 6ifer feiner Kunft 
widmet, ju gönen wäre, dafj er jum bebuf feines 
fernerin fortbringens als Portrait flßabler auf ein 
oder jwei Jahren feine alleruntertbänig|tc ünterftüjung 
beibehalten möchte. — Qntertbänig onterjeichneter 
glaubt aber bemerken ?u müfjen, dafj er bei Hnficht 



feines reuigen Petrus heine grofje Rofnung und vor- 
jüglichen Hnlagen in diefem Bilde finden honte. 
Jn tiefem Refpect 

6uer F)ocbwoblgebobren 
untertbäniger Diener 
Stuttgard d. 4. Decbr. Dannecher 

1817. Rofratb. 

[unterm 10. Dej. 1817 wird das Gefucb abfcblägig 
befchieden.] 

Befürwortung für den fflaler Dietericb. 

[Jobann friedr. Dietericb (1787—1846) febicht 

Rerbft 1823 fein grofjes Gemälde: „Hbrabams 6injug 

in Kanaan" nach Stuttgart. Dannecher wird münd- 
lich aufgefordert, den GQert ju taxieren.] 

38*] Dannechers Beriebt über Dietericb. 

Über die dem flßabler Dietericb für fein Gemälde 
ju gebende Remuneration unter Berüchficbtigung der 
von ihm die Jahre lang genoffenen ünterftütjung 
von 700 fl. 

2100 fl. 
Sodann durch böcbfte 6ntfcbl. vom 22. October 1821 
noch auf ein weiteres Jahr, aber letjteres nicht aus 
dem fonds der Kunft Schule 700 fl. 

jufammen 2800 fl. 
jum Bericht aufgefordert, glaube ich in Betracht der 
vielen fflübe, die fich Dietericb mit diefem 6emälde 
das ich als ein gelungenes Bild von einem jungen 
Künftlcr ju prädiciren für Pflicht halte, da unverkenn- 
bar viel 6emütb und religiöfer Sinn drin herrfcht, auf 
eine Belohnung von 800 fl., befonders auch in der 
Rinficht allerunterthänigft antragen ju därfen, weil 
Dietericb dadurch die fflittcl erbalten würde, fein Stu- 
dium noch weiter fortjufetjen, wovon ich mir ein gutes 
verfpreeben darf. 

fflich damit 

untertbäniger 
Stuttgard d. 3««" October Rofratb Director 

1823. v: Dannecher. 

[Qnterm 5. Okt. wird die Gratifikation von 800 fl. 
genehmigt. Hm 30. Okt. 1823 Dankfcf)reiben Diete- 
riebs aus Rom (an Sechendorff). (Das Bild befindet 
fich im Refidenjfchlofj).] 



20 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



Die Hnfcbaffung von HbgüTTen nach Hntihen. 



(Hhten des r)ofmarI*all-H. Stuttgart.) 



[Der König befiehlt im Decr. v. 22. Jan. 1817, 
daf? von Hbgüffen der 6lgin fflarbles bis ju einem 
Betrage von 5000 fl. gekauft werden foll; beauftragt 
wird 6eneralmajor neuffer, Gefandter am engl. Rofe. 
Da der fonds von 5000 fl. nicht jum Hnkauf der 
fämtlichen Hbgüffe ausreicht, wird Dannecker am 30. 
Jan. 1817 mit Huswahl betraut.] 

39*] Gutachten Danneckers. 

6cborfamft Unterzeichneter bemerkt über die Hn- 
frage „welche Huswahl von 6ips Hbgüffen der Cord 
eiginfchen Kunftwerke ju treffen wäre" ? 
)tens dürfte die Jonifche Säule 

6 Cippi und 6 Jnfcbriften unnöthig feyn, 
2 t«ns Von allen ju febr verwitterten Kunftwerken 

keinen Hbgufz anzukaufen, 
3 tens Jede Küederbolung eines 6egenftandes. 
perr General v. neuffer mit Rerrn Cegations Secretaire 
Klagner (auf deffen Kunft Kenntnif? geborfamlt Unter- 
zeichneter (ich vertraut) und welcher noch einen ge- 
febickten Bildbauer bei ünterfuebung der formen ju 
Ratbe ziehen tollte: wäre befonders ?u empfehlen dafz 
diefelben nur von paffenden und febarfen formen die 
Hbdrücke mit den 6ipsformern ?u verakordiren hätten. 
6s ift nach den eben bemerkten Huswablcn ju hoffen, 
daf? der Hnkauf aller 6ips Hbgüffen nicht die Summe 
von 5000 6ulden nötbig seyn wird. 
(Dich damit 

f)o] Ratb v. Dannecker. 

[Hm 2. februar 1817 Detaillierter Befehl wegen 
des Hnkaufs an 6eneral neuffer mit dem Verweis, 
Jicb an den Cegationsfekretär Klagner ju wenden. 

Kletterer Briefwecbfel mit neuffer, um mit den 
5000 fl. auszureichen. Der former beiht Richard 
Ktcftmacott.] 

[Zu gleicher Zeit wünfeht der König Hbgüffe von 
Hntiken in Rom ?u kaufen, und beauftragt Dannecker 
damit.] 



40*] Dannecker an dteK. Ober-^of-Jntendanj. 

Künfter-Comite. 

Rofratb v. Dannecker berichtet 
über die erhaltene Hntwort 
der ihm allergnädigft aufge- 
tragenen nachfrage nach Gips 
Hbgüffen, und deren preifje 
in Rom. d. 21. febr. 1817. 

Unterzeichneter glaubte, bei der nachfrage nach 
febönen nüjlicben Gips Hbgüffen für eine Kunft Hca- 
demie; fieb an niemand beffer wenden ju könen, als 
an feinen freund Canova. Damit er nicht zu viel 
Zeit verliere, fo wendete ich mich an den Hrcbitect 
ffläntler von Stuttgardt (der Zeit in Rom) auf deffen 
6ifer und Rechtlichkeit ich traue, und lebrieb ihm, mir 
die Huswahl der Gipsabgüffe und deren Preifz anzu- 
zeigen. Canova übergab Y). ffläntler eine ttota von 
Statue, Buften, Basreliefs und antiker fragmenten, 
welche der former Canovas in eigenem Handel führt, 
ffläntler hingegen legte von einem andern former eine 
andere ttota bei, in welcher die preifje befebeidener find. 

ffläntler bemerkt noch dafz p. Cinck von Can- 
ftadt der Zeit in Rom einen febönen Hbgufz von 
Statuen des 6iebels, an dem von ihm entdeckte Higi- 
netifeben Cempel ?u Pbigalia bekomme. 6r befi?e auch 
den frics von der Caterne des Demoftenes; 

Dürfte F). Cink nicht um den preifz feiner Hbgüffe 
gefragt werden? ich habe in Srfabrung gebracht, daf? 
er feinem König gerne die Hbgüffe um ein billiges 
überlaffen würde. 

Damit hier eine ziemlich genaue Rechnung vom 
Cransport Kiften und Gmbalage gemacht werden 
kan, fo wäre mein unmasgeblicbes dafürhalten eine 
probe mit 2 Kiften 6ips Hbgüffen zu veranftalten. 
Z. 6.: Die Capitolinifcbe Venus und den fflercur des 
fflufeums welchen Canova befonders empfohlen bat, 
komen z" laffen. Der Hnkauf der erften Statue ift 
obngefebr 60 fl. Der fflercur hingegen ift auf der 
nota mit keinem Preifz bemerkt. 

nebenbei könte noch manches fchöne und nüj- 
licbe verpackt werden. Klenn ßerr ffläntler die Summe 
von 300 fl. angewiefen würde fo glaubte Qntcrzeicb- 



Anhang 



III. Dannecher als ßofbildbauer. 



21 



neter manches Icböne ju erbalten. Die Preifee in Rom 
[ind nicht (o hoch wie die der Gips Hbgüffen in Paris. 
Der Cransport ju Cöaffer über Hmlterdam auf dem 
Rhein und Decker bis Canftadt kan keine ju grofe 
fraebt verurfacben indem ich bei einer Kiite vor einigen 
20 Jahren die den eben belchriebenen Kleg machte, be- 
merkte, dak die fraebt nicht ?u hoch ?u fteben kam. 
Klas die Cord 6lgie|cbe 6ips Hbgülfe betrifft fo 
ift aus dem letjten Schreiben des F). Cegations Secre- 
taire Cöagner aus Condon ju erfehen, daf? nun dafelbft 
ein Bildhauer als önternebmer aufgetretten i(t, das 
formen dieler Kunftwerke ju veranftalten : er wartet 
aber vorerft noch auf 5 bis 6 prenomeranten um in 
feinem unternehmen fieber ?u leyn. 6s ift voraus ju 
feben dak wir hier, vor 2 Jahren uns nicht ju er- 
freuen haben diele merkwürdige Kunftwerke ju be- 
llen; doch find wir die erften in der Prenomeration. 

fflieb damit 

ßofratb v. Dannecker. 

[Der König bat im Decr. v. 28. febr. 1817 für 
die eigin-fflarbles 5000 }l. ausgefetjt. Da die 6r- 
langung der 6lgins nicht fo bald ju erwarten ift, 
werden von jenem fonds 1000 fl. für Hnfcbaffung der 
römifeben Hntiken beftimmt.] 

41*] Vcrjeicbniß über die im Huguft 1818 aus 
Rom angekommenen HntiRen-Hbgüfle. 

1. Diskopol aus dem Vatikan — 
Hnkaufspreis in Rom ... 15. — 

2. Venus aus dem Capitol ... 16. — 

3. flora aus dem Capitol ... 23. 50 

4. Zwey Büften, Vier Verjierungen 
von Ziegel. Zwey Verzierungen 

von Stäben 7. 15 

5. fragment von einem Genius in 

Relief 1. — 

6. fragment eines Reuters in Relief 1. — 
8. 6röf?er fefton am Gingang ins 

Pantheon 1 

Von der Colonna Crajana 60 \ 6. 20 

Köpfe j 

0. ein gan? kleines rundes Relief — 20 

_ J\. 8Ö - 
Daju kamen weitere Husgaben des 
Hrcbitekt ffläntler 



Komam 
Cransport 71 80 
bei Veränderung meiner Klobnung für 

jwey Statuen ju tragen ... — 60 

für jwey Briefe — 83 

Stempelpapier — 3 

Husfubrerlaubnifc.Vifitiren, und Siegeln 1. 40 

dem Schreiner für drey Kiften, Säg- 

mebl und einpacken .... 18. — 
beim Cransportieren der einen Kifte 

mufjte innen im I)aus an der 

Creppe vom Vcrputj etwas abge- 

fcblagen und wiederbergeltellt 

werden — 50 

für embatlieren, pecb, Oel, Stricke, 

Stroh, Schnur 14. — 

für eine Remife daju — 70 

bis Rippa grande f ubrlobn, 6infcbiff, 

Dogana, Bolli, Bollatura, Cras- 

lajione Spedijione 4. 18 

112. 4 

für die angewiefene 300 fl. wurde mir gejablt 
Scudi 112. B. 85 
Rom d. 14. febr. 1818. 

C. C. ffiäntler. 
Zu den genannten 112 Scud. 85 B., die an die 
K. pofbank dabier mit 304 fl. 30 kr mit Ginrecb- 
nung der Spefen bejablt wurden kommen laut Rech- 
nung. 
Cransportkoften von Rom bis bieber . 575 fl. 14 kr 

Hufftellungskoften 5 fl. 36 kr 

580 fl. 50 kr 
fo dak fich die ganje Hnfcbaffungs Koften der ver- 
zeichneten Hbgüffe belaufen auf 

885 fl. 20 kr. 
Stuttgart 
d. i5*«n Huguft 1818. fliofer. 

42*] Die eigins — 27 Kiften — treffen ein im 
September 1818. Hnfcbaffung und fraebt bis 
Rotterdam £ 405. St. 2. fraebt von Rotter- 
dam bis Stuttgart 2387 fl. 3 kr. 
6in Hbgufj der Venus von ffiilo trifft aus Paris 

ein im fflärj 1822. (Hkten der Kunftfchule.) 

ein Hbguk der Hgineten kommt im Dovember 1821. 
(Hkten der Kunftfchule.) 



22 



III. Dannecker als Rofbitdbauer. 



43*] Dannecker an König üdilbelm. 

6ucr Königlichen fllajeftät 

habe ich biemit die 6bre untertbänigft ju be- 
richten, dafe gemäf? den 6rkundigungen, welche ich aus 
allerhöcblt Jbrem Huftrag über den Preifj der Hbgüfje 
von der 6ruppe der Diobe in florenj haben ein- 
rieben lauen, dieler für fämtlicbe vierjeben figuren mit 
einfcblufo der Verpackungskosten die mäßige Summe 
von 3500 bis 4000 franken betragen wird, näbm- 
lich 350 florintiener Scudi; für die Hbgüfje, und das 
übrige für die Kitten und deren Gmballirung. 

Rierbei wird jedoch bemerkt dafe eine Special 6r- 
laubnis von S: K: I): dem 6rofjberjog [von Cos- 
kana] erforderlich fey, um die bereits vorhandenen 
formen jur Verfertigung der Hbgüfce ju gebrauchen, 
und dafe diefe Grlaubnis von einem bey dem grof?- 
berjoglicben Rofe aecreditirten ffiinifter naebgefucht wer- 
den müke, ?u welchem Gefcbäft man den Oefterrcichen 
oder den Ruffifchen Gefandten vorfeblägt. 



Jndem ich diefe Huskunft nebft dem Brief, wo- 
von fie mir gegeben worden, 6uer ffiajeftaet unter- 
tbänigft vorlege, erlaube ich mir nochmal den Cdunfcb 
ausjudrüken, Hllerhöcbftdiefelben möchten gnädigft be- 
fcblicfeen die vortrefflichen in Deutfcbland nur an ein paar 
Orten befindlichen figuren ?u erwerben und damit die 
von 6uer fllajeftaet geftiftete Sammlung ju bereichern. 
Hllerböchft Jbren Befehlen entgegenfebend Ver- 
harre ich mit tieffter Gbrfurcbt 

6uer Königlichen fflajeftaet 

alleruntertbänigfter Rofratb Dircctor v. Dannecker. 
Stuttgard d. 9'«" Dov: 1822. 

[Durch Verkehr der beiden ruffifchen Gefandten 
General von Benckendorff in Stuttgart und von Svertch- 
koff in florenj wird die Grlaubnis jur formung er- 
langt, und der Preis von 210 Zecchinen in Silber 
= 1155 Gulden feftgefetjt. Jnfolge Kurswecbfels änderte 
ftch der Betrag im Jahr 1823 in 1183 fl. 28 kr. 

Die Verfendung erfolgte im Huguft 1823; die 
Cransportkoften beliefen fich auf 774 fl. 53 kr.] 



44*] Die Kgl. Oberbofintendanf an die Di- 
rektion der K. Handbibliothek. 

(Hhten des I)ofmar|cbaU-H. Stuttgart.) 

Se. Königliche ffiajeftät haben unterm 28. v. fli., 
um einen Beweis Jbrer befonderen Hcbtung für den 
verftorbenen Geheimen Ratb und Jufti? ffiinifter von 
Reurath ?u geben, befohlen, daf? deffen Büfte, die 
von dem Rofratb von Dannecker gefertigt werden 
werde, in dem Sitjungs Zimmer des K. 6eheimen 
Ratbs aufgeftellt werden foll. 

Die Direktion der K. Handbibliothek erhält daher 
den Huftrag davon den Rofratb v. Dannecker ju be- 
nachrichtigen und ihn ?u Vorfcblägen über die Huf- 
ftellung der Büfte, befonders auch in Hbficbt auf ein 
jweckmäkiges Piedeftal aufjufordern, worüber fodann 
Bericht ?u erftatten ift. Decr. Stuttgart den 7. Decbr. 1817 
für den O.-Rof-Jntendanten der H. Verwefer 
I)erder. 

45*] Dannecker an die Direktion der König- 
lichen Handbibliothek. 

(Hhttn des I)otm»rlchaU-H. Sturtsart.) 
öintertbänig Qnterjeicbneter bat den ehrenvollen 
Huftrag, die Bufte des verftorbenen Geheimen Ratbs 



und Juftit? fflinifter v. Reuratb in Carrara fflarmor 
verfertigen ju därfen mit grober freude vernommen, 
mein unermüdetes ftreben nach Vollkommenheit folle, 
wie ich hoffe, meinen alterunterthänigftcn Dank für 
das allergnädigfte Zutrauen meines Königs, in der 
Vollendung meiner Hrbeit, erkennen geben. 

Das Sijungs Zimmer des Königlichen 6ebeimen 
Ratbs in welchem die Büfte des feeligen aufgeftellt 
werden folle, bat Unterzeichneter mit Zuziehung des 
Fjof Hrcbitect Saluci eingefeben, und haben keine taug- 
lichere Stelle gefunden folcbe ehrenvoll aufstellen als 
gerade neben dem Königlichen Cbron, links, 3. bis 4. 
Schub entfernt. Das Piedeftal ju dem fflarmor Bild 
tollte von gclblicbtem Cand fßarmor mit einen febwar- 
jen ffiarmor Sokcl verfertigt werden, erwarte darüber 
allergnädigfte Befehle. 

fflich damit 



Stuttgard d. 18"" Decbr. 
1817. 



Rofratb v. Dannecker. 



Anhang 



III. Dannecker als pofbildbauer. 



23 



Büderhauf 1820. 



[Der Händler Ciejcbing bietet dem König eine Hn- 
jabl Bilder jum Verkauf an. Dannecker bat darüber 
Beriebt ?u erftatten.] 

46*] Danneckers Gutachten an Kg. Klilbelm. 

(Hhttn its FjoTmarfAall-H. Stuttflart.) 
6uer Königliche fllajeftaet! 
baben mir auf meinen alleruntertbänigtten Beriebt 
über die Gemälde des Kaufmanns Ciejcbing weiter 
allergnädigft auftragen lajjen, mich wegen der Preijje 
fo wobl der ganzen Sammlung der angebotenen Ge- 
mälde, als aueb der einzelnen, und insbefondere der 
darunter befindlichen von einbeimijcben Künftlem ge- 
fertigten Stüken ju erkundigen und hierüber, unter 
Bemerkung der vorzüglicheren 6emälde weitern aller- 
untertbänigften Beriebt ju erftatten. 

Hlleruntertbänigft Unterzeichneter hat den Kauf- 
mann Ciejcbing fogleicb veranlagt feine Preijje der Ge- 
mälde felbft auf fein hier wieder beygclegtes Verjeichnifj 
binjufejen ; er machte biebey die billige Ginwendung 
„dafz wenn er, wie er am 6nde feines Catalogue bei- 
legt, andere Preifje ju machen genöthigt fey, wenn ihm 
nur die vorjüglicbern Stüke von feiner Sammlung 
herausgezogen würden, grofeen Verlujt hätte. 6s ift 
aber ju vermuten, dafj er felbft einige Stüke ?u theuer 
eingekauft bat, und damit ftimmen bey, profeffor v: 
flßüller, flßaler Cöäcbtcr und Kupfcrftecber Duttenbofer. 
Übrigens ift diefe Sammlung fo gut, dafj ich mich er- 
kühne 6uer Königliche flßajeftaet alleruntertbänigft ju 
bitten, diefelbe in Hugenfchein nehmen ?u wollen, da 
diefe Bilder leicht und gut im Schlofj aufgeteilt werden 
können. 



no. 

Ho. 

no. 



Jtalienifcbe Schule nach meinen 6inficbten 
die vorzüglichere nach dem Catalogue: 
Do. 1. Correggio ju 6600 fl. 
Do. 3. Julio Romano ?u 2200 fl. 
Do. 6. Cintoretto ju 825 fl. 

flammändifcbe Schule. 
9. Regner Brakenburg ju 770 fl. 

11. flßich. Janfon flßireveld ju 550 fl. 

12. Bartbol. van der Helft ju 550 fl. 
Do. 15. paul Potter ju 5500 fl. 

ßo. 17. David de I}um ?u 3300 fl. 
Do. 19. Johann ööignants ?u 660 fl. 
Ho. 20. Claude Corrain ju 1100 fl. 

Vaterländifcbe Künftler. 
Do. 24. ffiüler aus Riga ju 550 fl. 
fio. 27. eberbard CQäcbter ju noo fl. 
Ho. 32. Von eben demfelben ju 1650 fl. 
Jn allertieffter Gbrfurcbt verharre 

6uer Königliche ffiajeftaet 

allemntertbänigfter 

Hofratb v. Dannecker. 

[Der König kauft unterm 16. Dec. 1820 3 6emälde 
von eberbard Göäcbter für 2,475 fl. 

1) Badende römifche Jünglinge, davon einer auf dem 
Delphin in die See geführt wird. 

2) Hmpbitrite, von einem Delphin entführt. 

3) Cllylfes, den Sirenen widerftebend. 

Von obiger Summe werden 1,600 fl. auf den 
laufenden 6tat der Gem.-Gallerie decretiert; der Reft 
im Betr. von 875 fl. aus dem Dispof.-fonds der 
Civillifte bejablt.] 



Die Übergabe der von (däcbter hataloglTierten Kupferfticbfammlung 

an Dannecher. 



47*] Dannecher an die Direktion d. K. Hand- 
bibliothek. 

(Hhttn d. I)ofmarIcbaU-H. Stuttgart.) 

Der Direktion der Königl. Handbibliothek 
macht untertbanig Unterzeichneter die gejiemente 
Hnjeige, dafj der von des Höcblt feeligen Königs fflaje- 



ftaet, als Jnfpector der Königlichen Kupferftichen und 
Handjeicbnungen angeftellt gewefene fflabler ööäcbter, 
die bereits bedeutende Sammlung von Kupferftichen 
in ein ihm gnädigft angewiefenen neuen Cocale, in 
das entrefol Zimmer neben dem weiften Sommer Saal, 
im biefigen Schlofj eingeräumt bat. 6r übergab mir 
auch beute den Scblüffel jur Sammlung, nebft den von 



24 



III. Dannecher als Rofbüdbauer. 



ihm verfertigten Cataloges und einer hier beigelegten 
Recbenfcbaft über leine Hnordnung des Cabinets mit 
tretllicben Bemerkungen; Klie diefe Sammlung, ohne 
den eitlen nahmen eines groben Cabinets, doch den 
Rang eines febönen und nütjlicben Jnftitute er- 
balten honte. — 

Die Übernahme diefes Königlichen Kupferfticb 
Cabinets, mit 

Sinjelne numerierte Blätter gegen . . 14000. 
von jufamen geborigen Sterken . . . 36000. 

jufamen 50000. 
Bildnille 12000. 
Doubletten 10000. 
beurkunde ich biemit feyerlicb. 

Rier eine ßote vom flßabler dächter von den 
Kupferlticben, welche auf Befebl an die Königliche ßor- 
cellaine fabrih lebnungsweif abgegeben worden. 

fflöge mir hier noch gnädigft erlaubt feyn, die 
untertbänigfte Bitte vortragen ju dürfen, dafj der 
fflabler Göäcbter, welcher eine Penfion begebt, gnädigft 
beauftragt würde, in den drängenden 6efcbäften unter- 
tbänigft Qnterjeicbnetem beijufteben, wo ich mich dann 
der Ober Hufficht mit Ciebe und 6ifer wiedmen honte. 
Sollten aber einft diefe Königliche Sammlung ins 
Ceben tretten, fo, dafj fie dem Publikum jum ßutjen, 
jur Hnficht gegeben werden follten, 

welches aber jejo nicht ratbfam feyn dürfte, ohne 
fie vorher in Portefeuilles oder Bücher Band ein- 
gelegt ju haben, 
fo honte ich mich nicht, weder als Vorjeiger noch Huf- 
feber diefen Hmtern wiedmen : Jndem meine mir liebe 
Kunft, keine nebenbubler leidet, vielmehr, mich täglich 
ermahnt, Veft ju halten und mit der Zeit ju geitjen. 

fflieb damit 
Stuttgard, 10 Decbr Rofratb 

1817 Dannecher 

48*] [Kläcbters] fiota derjenigen Kupfer- 
ftiebe, welche auf höheren Befehl aus 
dem K. Cabinet d'eftampes an die K. 
Bor cellaine fabrih ausgeliefert worden. 

(Hhttn des Jjofm.-H. Stuttgart.) 
Le loggie di Raffaellc. I. II. III. parte 
Nicolas Poussin 6 Blätter 

Renaud et Armide 

La verite" arrach<fe gr. Audran 

Die Jahreszeiten Morghen. sc. 

Herculis Judicium 



Ethra. märe de Thesde 

Fete de Bacchus. 
Claude Lorrain 7 Bl. 

Evening 

the temple of Apollo 

Templum Veneris 

Fuga in Egitto 

Mercur and Battus 

Morning 

Aegeriae. 
Schweizergegenden. 5 Bl. 

Lac de Zug 

Chüte du Rhin 

Cascade de S. Saphorin 

Defile du pont S. Maurice 

Vue du Rhin ä Lautherbourg 
Rheingegenden von Schüz. 9 Bl. 

49*] Begleitfchreiben Pächters an Dannecher. 

(Hhten d. I)otm.-H. Stuttgart.) 

Jndem ich Jbnen die bisher in Randen gehabte 
K. Kupferlticb-Sammlung übergebe, fo habe ich dabey 
ju bemerken, dafj ich Hlles, Blatt für Blatt debgefeben 
habe; da es mir Selbften febr darum ?u tbun wäre, 
beftimmt ju wiffen, ob Hlles noch fo vorbanden feye, 
wie ich es in den Catalogen aufgezeichnet hatte. 

6s ift Jbnen bekannt, mit welcher Über-6ilung, 
u: deb wie viele Rande die lejte Ginpakerey gefchebn, 
fo daji (ich gar nicht ju verwundern wäre, wenn Vieles 
wäre verlohren gegangen, und doch ift diefes, (Dank 
der forgfältigen Hnftalt des Rerrn Caftellan üdolf) 
nicht gefebeben, den aufjer 3 oder 4 kleinern, glück- 
licherweife wenig bedeutenden Blätteben (die ich in den 
Catalog angemerkt) ift alles vorbanden ; nur haben 
bie u: da einige bedeutendere Blätter durch den Druck 
der in den grofjen Kiften übereinanderliegenden Menge, 
in etwas gelitten, obgleich keines dadurch ju Grunde 
gegangen. 

6s ift mir übrigens erfreulich, dafj diefe Samm- 
lung in Rande gerätb, welche für diefelbe Sorge tragen 
werden; denn ich felbft wünfehe allerdings, dafj fie 
nicht nur erbalten , fondern auch verbeffert werden 
möge. 6s bat felbft die einen jeden angebobrene 
Gigenliebe einigen Cbeil an diefem öQunfcbe; da ich 
(gewifj kein angenehmes 6efcbäft für einen fflaler) 
mein mögliches getban , um in einem fchrechlichen 
Chaos einen Pfad anjulegen, auf welchem man wenig- 
ftens wandeln kann, und den ju verfebönern, ift einiger- 
maßen einige Schwierigkeit gehoben ift. Rabe ich 



Anhang 



III. Dannecher als ßofbildbauer. 



25 



diefes auch nidit mit der gehörigen Sacbkenntnifj unter- 
nommen, fo habe ich es doch gewiffenbaft getban, 
u: gewifj, mit vielem Zeitverluft. 

Den Catalogen felbft, (in 3. mäßigen folio 
Bänden werden Sie in einem der Schränke des Cabi- 
nets finden). 

Die Recbenfcbaft aber, über meine Verfab- 
rungsart (welche ich vormals, nach geendigtem 6e- 
Icbäfte darzulegen für nötbig hielte) u: die 6ründe, 
warum ich fo vieles nicht beybebalten, ja manches fo 
gar weggeworfen lege ich Jbnen hier bey. Zu- 
gleich folgt auch noch das Verjeichnif} derjenigen 
Kupferftiche, welche das Cabinet an die ßorcellain- 
fabrik in Cudwigsburg ju fordern bat; 6s find diefes 
lauter Blätter, die in dem Catalog eingetragen find, 
u: es wäre doch einmal Zeit, dafz fie endlid) auch 
wieder zurückkämen. Diefe Blätter, fo wie noch meh- 
rere, die aber Doubletten find, wurden alle 
auf höheren Befehl fchon vor einigen Jahren dabin 
abgegeben. 

Stuttgart, den 20. Hov. 
1817. 

Gberbard Cöaecbter. 

50*] ödäcbtcr an die Direktion der K. Hand- 
bibliothek. 

(Hkten des Rotm.-H. Stuttgart.) 

Dero Hufforderung ju folge, Jbnen über das bisher 
in fänden gehabte K. Kupferftich Cabinet, nebft der Zeit- 
beftimmung, wie lange ich mit dem Ordnen deffelben zu- 
gebracht bab, — über die beyläufige Hnjabl der darin 
enthaltenen Klerkc, — wie auch über meine Meinung 
wegen allenfalfigcr Vermehrung desfelbcn einige Srläu- 
terung ju geben, {ende \fr> Jbnen folgendes ju. 

6s war um die Zeit, als ich von CQien her nach 
der beil. Roma zurückzukehren im Begriffe war, u: 
wegen familien-Hngelegenbeiten halber meinen ttleg 
über ßier nähme, wo id) nur kur?e Zeit ju verweilen 
hoffte, daß mir von Seiten des verftorbenen Königs 
fllaj: der Hntrag gemacht wurde, die von demfelben 
jufammen gekaufte Sammlungen durchzugehen, und in 
ein Ganjes ?u ordnen. Hus furcht, durch ein fo 
fremdartiges Gefchäft ju fehr als Künftler geftört ?u 
werden, war ich gerade nicht geneigt bieju; Jch liefje 
mich jedoch durch das Zureden einiger freunde, und 
die Hoffnung dadurch vielleid)t noch leichter ?u meinem 
Zwecke ju kommen, endlich bewegen, mich ju einer 
Hrbeit ju verfteben, die idi freylieb nicht für fo lang- 



wierig hielte, als ich nachher gefunden hatte; Denn es 
wäre ein Chaos von Sachen beyfammen, dafz es fchwer 
war, fieb eine Bahn ju brechen ; 6s waren oft Blätter 
ju Runderten durch einander gemengt, die größten- 
teils verfebiedene Suiten bildeten, und die oft erft 
durch langes Betrachten, und 6rratben der Vor- 
ftellung muften gefondert werden. 6s mufjte von 
3 vermiedenen Sammlungen die Blätter einzeln 
verglichen werden, um alsdann das beffere ?u bebalten, 
6s wurden auch Bücher nacbgefcblagen und endlich 
ein catalog verfertigt, den ich mit 6igner fjand nieder- 
gefchrieben habe. — HIober ich die Oeberwindung 
meiner Selbft nähme, um nicht die ganje Sache wieder 
aufzugeben , diefes begreife ich bifj auf die beutige 
Stunde noch nicht; ich, der ich denn doch etwas 
befferes in mir ju fühlen glaubte, als blos einen 
Kupferfticb-Regiftrator abzugeben. Ob ! der koftbaren 
Zeit, die für die Bfleege der fflufe fo ungenujt dabin 
febwande! Dur der 6edanke, da Hlles fo gegen meine 
Deigung gefebabe, und dafz es doch gefebabe, und alfo 
fo gefebeben muste, Diefer 6edanke richtete mich auf, 
und ich beugte den Racken unter dem Cdillcn einer 
Hllweifeften Vorfebung; und fo vergiengen 2 und 
vergiengen 3, ja nabe an 4 Jahren, ehe ich 
damit ju Stande gekommen. — 

Sagen Sie nicht, dafz ich defzwegen einen öebalt 
genofje. — Hein! Sie (mit dem Cöefen der Kunft 
wohl v.-rtraut) werden mir diefe 6inw:ndung gewiefz 
nicht machen; Sie werden mich eher bedauern, aud) 
wenn es ein 6ebalt von 5000 fl. gewefen wäre — 
Doch es feye! Hber man bedenke auch, dafz ich in 
diefem ganzen Zeiträume mich fo hingäbe, dafj ich 
audi nicht 6ine Cinie für mich Selbften gearbeitet, ich 
will vor jetjt die Remmung im fortftudiren noch nicht 
in 6rwägung ziehen, aber wie wäre es nur möglich, 
mich und meine familie ju erbalten? 6s mußte alfo 
mein mitgebrachtes Reife 6eld, und ein Cbeil der mir 
kaum zugefallenen Väterlichen 6rbfcbaft angegriffen 
werden. — 

ölas wollen nun jene 500 fl. 6ebalt fagen? und 
wahrlich ich habe fie bis ijo nicht umfonft bejogen, 
denn nach fchon vollendetem ßefcbäftc habe ich das 
cabinet feitbero noch ?u 5 verfebiedenen malen ein 
und ausgepakt, und wieder durchgefeben. Qnter- 
deffen lagen die geiftigen Kraeftc fo ziemlich 
brach, und der für bildende Kunft immer fo leiden- 
fchaftlich eingenommene ffienfcb, die ihm Hlles war, 
ift in 6efabr bis }uxr\ elenden, krüppelbafften Stümper 
berabzufinken, und — febaut tbränenvoll nach jener 



26 



III. Dannecker als pofbildbauer. 



Böbc, wo er mit to voller Seele binftrebte.! Diefj ift 
der ganje Gewinn, den ich im lieben Vaterlande 
jum Betten meiner Kunft Gntwicklung davon 
trüge. — Doch lafjen wir difj gut Jeyn , um Jbrcn 
weiteren fragen Genüge ju teilten. — Klas die Hnjabl 
betritt, fo ergiebt Jicb nach Durchleben der Catalogen, 
dafj vorbanden Jind: 

6injeln nummerirte Blätter gegen . 14000 

Von jufammen gehörigen Cöerken . 36000 

Zujammen 50000, 

obne noch über 12000 Bildnitte, daju jurecbnen; 
Hehrnen wir dann noch gegen 10000 Doubletten, 
und einige taujend F)and Zeichnungen, und bedenken 
dafj HU difj ju 5 vermiedenen Malen durch meine 

ßände laufen mukte es überfällt mir ein 

Schauer 

Die lejte frage ju beantworten wird mir etwas 
Ichwieriger, weil fie viel prahtifdie Kenntnifj in dielem 
fache vorausfejt, und es lehr anmaßend wäre, wenn 
ich folebe ju befijen glaubte; — 

Defjen ungeachtet will ich immer einige Hufjerung 
beyfügen, um doch auch etwas gejagt ju haben, und 
unterwerfe meine Hnficbten gerne erleuchteteren 
Kennern. Sie fragen nebmlicb, was künftig am 
jwedunäfjigften ju Vermehrung der Samlung 
könnte getban werden? — 6s find der Hnficbten über 
Kupferfticb Sammlungen fo viele, folglich auch die Hrt 
folebe ju ordnen, und die Zwecke, fo man dabey haben 
kann, fo maneberley; Gin Gefetj übrigens mufj man 
fieb machen, denn es gieng ja faft ins unendliche 
wenn man Hlles haben wollte; und wie leicht bekömt 
man nur ju viel jufammen, wenn man nicht 
febr auf feiner Ruth ift. ünfer Cabinct felbft ift 
ein Beyfpiel davon. Klir haben in der Chat febon 
gar ju viel und doch fehlt fo manches, was man 
haben follte. — 6s wird nun auf die künftige Be- 
ftimtnung ankommen, was bey der Cftabl des r^erbey- 
jufebaffenden ju berückfiebtigen wäre. Jcb für meine 
ßerfobn halte übrigens dafür, dafj, ob es gleich Kpf r- 
(tid)-Cabinet ift, die Kupferftiche als Solche doch 
nicht vorjugsweife follten gefammelt werden; es febeint 
mir diefes eine Verirrung ju fein, weswegen ich auch 
ein nach den Kupferftecbern geordnetes Cabinet nicht 
billigen kann; — Diefe ihres weitläufigen Hujens 
wegen allerdings wichtige Kunft, ift doch immer nach- 
ahmende Kunft; Sie ift (in fo fern fie auch auf Ver- 
vielfältigung der Klerke bildender Kunft ange- 
wendet wird) doch nur üeberfetjerinn. — 6s ift 
alfo nicht der Mechanismus derfelben, der den Samler 



vorjugsweife leiten folte. ßat jemand das Metier 
dieler Kunft wohl bcfjer inne gehabt, als Johannes 
Müller? in diefer Rinficbt find deffen GQerke auch febr 
fcbätjbar und lehrreich. Sind fie aber auch das (Hicb- 
tigfte, was in diefer Kunft vorbanden ift? 6s find 
demnach doch diejenigen Kupferftiche in einer Samm- 
lung, die intereffantere, welche uns die Conceptionen 
der erbabenften Geifter vervielfältigt wiedergeben um 
dadurch deren Genufj, foweit es in ihrer 6ewalt ift, 
ausgebreiteter ju machen : Damit will ich aber nicht 
fagen, dafj nicht auch auf die vorjüglicbfte Producte 
diefer Kunft, felbft in technifeber Fjinficbt, Jolle Rück- 
licht genommen werden, denn eben diefes Calent ift 
es ja, das uns jene Geiftes Produkte am reinften 
wiederzugeben im Stande ift. Hus diefem Grunde 
habe ich aud) unlängft die Sacra f amilia von Gdelink 
(das Gxemplar vor dem ölappen des Colbcrt) ju 
kaufen vorgefchlagen ob wir gleich febon jwey, aber 
viel fpätere, Hbdrücke von diefer Rapbael Compofition 
befijen. — Jcb glaube ferner, dafj man fieb nie fo 
leicht daju verfteben follte, je wieder eine ganje Samm- 
lung ju kaufen, und wann fie aud) noch fo woblfeil 
ju haben wäre; dann aufferdem dafj man grofjen- 
tbeils bekommen würde, was man febon bat, 
fo käme auch noch manches andere daju, was man 
gar nicht braudit. Ja! eine abgefcbloffene Samm- 
lung guter Hbdrücke von Stichen älterer Meifter, 
von M. Hntonio u: dergl: wäre wobl willkommen 
denn in dielen Blättern find fo viele Jdeen von 
Rapbael niedergelegt, die fonft nirgends ju finden find. 
Sonft meine ich, etwas Seltenes befijen ju wollen, 
blos weil es feiten ift, feye eine ßarrbeit, die 
mandwi Sammler febon viel unnötbig Geld gekoftet 
bat. Göenn einftweilen die Grlaubnifj da wäre, Ge- 
legen beitlicb wirklieb gute Sadien kaufen ju 
dürfen, fo könnte man vielleicht doch juweilen eine 
wichtige Hcquifition machen — Hud) wären Cßerke, 
welche gehaltvolle Erläuterung über das claffifche Hltcr- 
tbum enthalten febr ju wünfehen, befonders wenn fie 
mit Kupfern begleitet find. — Huf diefe Kleife ver- 
febönert (denke ich wenigftens) könnte auch unfere 
Sammlung mitwirken helfen, den Sinn fürs Schöne 
ju weken; Vereint mit der Hufftellung von Hbgüfjen 
Hntiker Sculptur, wie auch einiger vorjügl: Producten 
der in fpätcren Zeiten wieder aufgelebten fflablerey 
könnten fie auch unier publicum nach u: nach 
empfänglich machen. Denn erft könnte es vielleicht 
tbunlid) teyn, auch Kunft ju lehren, fo weit fie 
fieb lehren läfjt: oder vielmehr das wahre Calent 
würde fdion felbft emporkeimen, wenn es Cheitnahme 



Anhang 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



27 



an leinen Streben, wenn es auch Hchtung ju erwarten 
hätte. Und warum lollte man diele fcböne Hnlagen, 
die fa[t in jedem fßen Jenen liegen, nicht ju beleben 
iuehen ? cHas wirkt wobltbätiger und [ichcrer auf Milde- 
rung der Sitten als die göttlichen fflufen ? und welch hohe 



Beftimmung ift, von diefer Seite betrachtet, die eines 
wahren Künftlers! Jft es dann das oeconomifeb-nüj- 
liche allein was den fllenlchen jum fllenfchen macht? 
Stuttgart, d. 15. December 

1817. e. m. 



5t*] Dannecher an den Oberftbofmeifter von 
Sechen dorff. 

(Rieht eigenh., Hht. d. I)ofni.-H.) 
6uer exjellenj 
ift es nicht unbekannt, dafj Seine Königliche flßajcftät im 
jfabr 1822 die Statue der Pf y che als Pendant ?um Hmor 
bei mir gnädigft in fflarmor bcftcllt haben, und dafj ich 
diefem Hllcrhöchften Huftrage dcrgeftalt nachgekommen 
bin, daf? diefe Hrbeit fchon im jfabr 1825 vollendet war. 

Die pfyche blieb feither in meinem Httelier fteben, 
und ich war nie fo frei 6uer 6.tcellen? mit einer Hus- 
lagcn-Rcchnung ?u beläftigen. Da mir nun abe be- 
sondere Verbältnijfe die Vergütung jener Huslagen 
höchft wünfehenswert machen, fo erlaube ich mir die 
Rechnung darüber in der Beilage 6uer 6xcellenj mit 
der unterthänigen Bitte einzureichen, das Klettere gnä- 
digft verfügen ju wollen. 

Jndcm ich 6uer Gxcellen? unterthänig bitte, diefe 
Beläftigung gnädigft ju entfchuldigen, verharre ich in 
tieffter Ghrcrbictung 

6uer Gxcellenj 

unterthänig gehorfamfter 
Stuttgart d. 23. Jan. RofRatb Dircctor 

183^. V. Dannecker. 

[D. erhielt darauf die Huslagen im Betrag von 
fl. 942 vergütet und einen Ring als Zeichen könig- 
licher Zufriedenheit. (24. 1. 1834).] 

52*] 6ebaltsaufbefferuncj 1808. 

(Dekret im Berit? von I)errn Direktor Kübler-Brcmen.) 
Seine Königliche fflajeftät haben auf die Hnjeigc 
des Rcrrn Profeffors, Rofbildbauers Dannecker, von 
dem nad) München erhaltenen Rufe demfelben feinen 
bisherigen 6ebalt auf 

Zwölfhundert 6uldcn 
ju erhöhen, und deshalb das Döthige an die 6eneral- 
Staatskaffc ju erlaffen geruht. 

Dem önterjeicbncten ift es ein befonderes Ver- 
gnügen, dafj Se. Königliche ffiajeftät, indem Hllerböcbft- 
diefelben dem Rcrrn Profeffor die nachgefuchte 6rlaub- 



nif? jur Hnnahme auswärtiger Dicnftc nicht ertheilten, 
demfelben, einen Beweif? Hllerhöchfter Gnade, wodurch 
ein fo talentvoller Künftler dem Königlichen Dienfte 
erhalten wird, ju geben geruhten. 
Stuttgart, den 8"" Jan. 1808. 

ffiandelslob. 
Dem F)errn Profeffor, 
Rofbildbatter Dannecker. 

53*] Husjug aus dem Königt. Refcript an den 
Königl. Oberbof-Ratb d. 15. Decbr. 1816. 

(K. Staatsarchiv Stuttgart.) 

3) Die 6allerie, wo?u die Hntiken Hbgüfje, Bilder u. 
Kupferftich-Sammlungen und andere der Krone ?u- 
gehörige Klerke der bildenden Kunft gehören. 
Zum Jnfpektor derfelben ift der Rofrath v. Dan- 
necker mit einem 6ehalte von 

I) 6eld 
— 6in taufend Zwei hundert 6ulden 

2) D a t u r a l i e n 
— : Zwölf Schi. Dinkel 
— : Sechs Schi. Rokcn und 
— : Sechs fflef? Rol?, 

ernannt. 6s ift biernächft ?u unterfuchen, ob Rof- 
Rath v. Dannecker auffer dem weitere Befoldungs- 
Hnforderungen ?u madien habe. 

54*] Dannecher an die K. I)andbibliotbcR. 

(Hhten d. K. I>andblbtiotheh Stuttgart.) 
Der 6chorfamft dnterjeichnete hat nach dem aller- 
gnädigften Decret vom 15"" December diefes Jahres 
für die ihm allergnädigft anvertraute Jnfpection über 
die Königliche Kunftfammlung einen neuen Gehalt bei 
der Königlichen Rof Caffe ju bejieben, was er mit 
aller unterthänigftem Dank erkennt. Da aber in dem 
Königlichen Decret auch feiner weiteren Hnfprüche gnä- 
digft gedacht ift, fo hat er hier gehorfamft anzeigen, 
daf? er vermög feiner früheren Hnftcllung im Jahr 1790 
bei der Königlichen Raupt Staats Cafje als König- 
licher Rofbildhauer 



28 



III. Dannecker als Rofbildbauer. 



einen 6ebalt, von bar fl. 800.— 

und 
als Zulage für Jndemnifation wegen 
einem Ruf an die Kunftacademie in fflünch en fl. 400.— 

jufamen fl. 1200. — 
nebft 5 fflefj tbannen FjoW für ßeijung feines Htclicr 
beliebt. 

Sieb damit 
Stuttgard d. 81*«" December 

1816. Bofratb v. Dannecker. 

55*] Darnieder an das 0.-I)of-CaTfenamt. 

(r)acbla& ß.) 

Zur erwiederung der, von K: Rodilöbl. 0: ßof- 
Caffenamt dem önterjeicbneten jugekommenen 6röff- 
nung vom 31. v. ffi: feine einkommensfaffion betr: 
bat derlclbe die 6bre, unter Bejiebung auf feine des- 
falfige bereits am 17. fflay d. J. an K. Stadtdirection 
abgegebene 6rkläbrung ?u wiederholen, dafj fein jäbrl. 
Verdienft neben feiner Befoldung niemals 1000 fl. be- 
tragen babe, fondern, daf? eine einnähme von diefem 
hoben Betrage, wenn fie in irgend einem Jabre Statt 
hatte, immer nur der 6rtrag mehrjährigen Hnftreng- 
ungen war, wovon die baaren Huslagen in Hbjug ju 
bringen find: dafj der jufällige Clmftand, dafj er ge- 
rade im Jahre der fatirung für fein Chriftusbild be- 
lohnt worden und ein fllikverftändnifj von feiner Seite 
ihn ?u jenem, den reinen 6rtrag veranlagt babe: daf? 
ein jährlicher 6rtrag von 200 fl. das böcbfte als Jähr- 
lichen Durcbfcbnitt ju betrachten und im laufenden 
Jahre auch diefes noch nicht in einnähme gekommen, 
überbaubt aber derfelbe, da er als befoldeter für das- 
jenige, was S: K: ffi. von ihm fertigen laffen, nicht 
befonders belohnt fondern, wie K. 0. ßofkaffenamt 
felbft wohl bekannt feyn wird, nur für die eigenen 
Huslagen entfebädigt wird, eine fo niedrige einnähme 
wobl begreiflich feyn werd. 

Jndem er daher die nachteiligen folgen feiner 
irrigen Hngabe bereits früher hinlänglich getragen habe, 
glaube er ?u ferneren Verteuerung eines nicht exilierenden 
einkommens von jooo fl. nicht verbindlich ?u feyn, und 
da er nicht wiffe, welche andere Mittel als feine nun wie- 
derholte Darftellung des Verbältniffes der Sache diefes er- 
weifen follten, eine Verminderung nacbjuweifen 
aber in dem vorliegenden fall nicht Plat? greifen könne, 
weil die einnähme von 1000 fl. als jährlich nie exiftirt 
bat, fo glaube er in dem Bewufjtfeyn, bierinn gegen den 
Staat eben fo ehrlich als gegen fich felbft gebandelt ju 
haben, keine nähere önterfuebung febeuen, fondern fieb 



viel mehr die ßerausbejablung deffen, was ?u viel ge- 
febehen, biemit erbitten ?u dürfen. 
Sieb damit 

I)ofRatb Director 
Stuttgardt d. 22. Dov. 25: v. Dannecker. 

56*] Dannechers 6inkommen-6rhlärung. 

(nachtat; B.) 
Hbfcbrift. 
Rocblöbl. Stadt-Direction bat Unter?, jufolge des all- 
gemeinen Hufrufs vom 
12. d. fß. anjujcigen die 
[Schreiber- 6bre, dafj er neben feiner Befoldung aus 
band] der Staatskaffc von K. 0. Rofkaffe als 

6alleric Director einen Gebalt von 

- > 1398 fl. 
(die natural, nach den bisher üblichen 
etatspreifen berechnet) beziehe; dafj fer- 
ner der jährliche Crtrag feines einkom- 
mens aus dem Betrieb feiner Kunft fich 
auf die Durcbfchnitts-Summe von 

— j« 200 fl. jäbrl. 
berechne. 

Von feiner Befoldung bey K. 0. 
Rofkaffe fowobl als bei der Staatskaffe 
bejiebt übrigens laut vorliegender Quit- 
tung erftere bereits die Befoldungsfteuer 
von 72 fl. 16 kr. jufammen. 
Sich damit Stuttg. d. 22. Dec. 28. 
Dannecker. 

57*] Gtngabe an König Gdilbelm. 

(Hhtsn des Rotm.-H. Stuttgart.) 
Stuttgard d. 18. Januar 1824. 
Rofratb v: Dannecker bittet um die 
allergnädigfte Genehmigung ju feiner 
vorhabenden Verbindung mit Frie- 
derike Kolb Kaufmanns Cocbter von 
Kirchbeim u. Ceck. 

6uer Königliche flßajeftaet 
unterftehe ich mich um die allergnädigfte Geneh- 
migung }u dem anbemerkten Vorhaben alleruntertbä- 
nigft ju bitten ; die Perfobn die ich gewählt, babe ich 
von mebrerin aebtungswertben Seiten kennen ju lernen 
Gelegenheit gehabt; meine ifolirte Cage, das an- 
nähernde Hlter, und meine ausfcblteftlicbe Befcbäfti- 
gung mit der Kunft machen mir diefe Verbindung in 
manchen Rückfichten wünfebenswertb, und es fehlt 
mir nur ju meinem Glück und meiner Beruhigung die 






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Dannechers Vermächtnis an König Klilbclm. 




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Anhang 



III. Dannecker als pofbildbaucr. 



29 



allcrböcbftc Genehmigung meines gnädigften Königs. 
Jn allertieffter 6brfurcbt erltcrbcnd 

6ucr Königlichen fllajeftaet 

Hlleruntertbänigfter 

treugeborfamftcr 

pofRatb v: Dannecher. 

[Klird unterm 19. genehmigt.] 

58*] Dannechers Vermächtnis an den König. 

(Hhten des J)ofmarI*all-H. Stuttgart.) 

6uer Königlichen flßajeftaet! 
Jch bin jetjt in meinem 77. Jahre, flach menlcb- 
licher Berechnung wird das Ziel, das 6ott meinem 
Cebcn gefejt bat nicht mehr fo fem feyn, und da jeder 
Cag, mein letzter feyn kan, (o drängt es mich am 
beutigen Cage, in diejen ehrfurchtsvollen Zeilen, welche 
erft nach meinem Code in die Rande 6uer Königlichen 
fflajeftact gelangen werden pöcbftdenfelben — erftlicb 
meinen innigen Dank für alle mir erwiefene Gnade 
auszudrucken, und dann eine Bitte, die lejte unter- 
tbänigft vorzutragen. Sic beftebt darin, 6uer König- 
lichen fllajeftaet möchten ?u genehmigen geruhen, dafj 
meine coloffale fllarmor Büftc Schillers, die ich dem 
Vaterlande vermache, im botanifeben 6artcn, und jwar 
auf derjenigen Stelle, wo mein Jugendfreund Schiller, 
wie jeder Zögling der ebmaligcn Hcademie, fein eigenes 
Cändcbcn hatte, dürfe aufgehellt, und daf? derfelben 
?um Schutze gegen die Klitterung ein einfaches, nicht 
koftfpieliges 6ebäufe durch die Gnade 6uer Königlichen 
fllajeftaet möge ju theil werden. Der piat? ift in der 
Habe der von Röcbftdenfelben bewohnten Zimmer, da 
wo juerft die Klege fieb febeiden, der eine rechts gegen 
die Canftatter Cauffee, und der andere in gerader Rich- 
tung nach den 0rangerie-6ebäuden führt. Jch habe, 
aufjer meiner frau, noch den Geheimen Cegationsratb 
v. Cebr von diefem meinem Klunfcbe in Kenntnife ge- 
fegt, und beide können die Stelle genau angeben. 

fflöge Gott 6uer Königliche ffiajeftaet und 3hr 

ganjes Königliches Raus fegnen für immer! — — 

fflit diefem fflunfebe erfterbe ich ehrfurchtsvoll 

6uer Königlichen flßajcftaet 
Stuttgard untertbänigfter 

d. 8"" Juni 1835 Diener, v. Dannecher. 

59*] ffltnifter Scblayer an Dannecker. 

(Radilafc H.) 

6uer ßocbwoblgeboren 
beehre ich mich auf Jbre Hngabe vom 16. ßovbr. v. J., 
betreffend Jbre Crleichterung in dem Hmt der Kunltfcbul- 



direktion ju benachrichtigen, daf? ich in voller Hnerken- 
nung Jbrer vieljäbrigen ausgezeichneten Cbätigkeit dem 
geäußerten Klunfcbe durch eine an die Kunftfcbuldirektion 
erlaffene Verfügung mit Vergnügen entfproeben habe. 

Diele gebt dabin, daf? der Vorftand der Kunft- 
fcbule, profeffor von Cbouret, an den 6efcbäften der 
Direktion in der Hrt Cbeil nehmen foll, dafj er nicht 
nur bei der Verhinderung von 6uer Rocbwoblgeboren 
als Stellvertreter, wie feitber eintrete, fondern auch, 
um eine ttberfiebt der 6efcbäftc ju gewinnen, und [ich 
in derfelben ununterbrochen ju erbalten, neben dem 
perrn pofrathe, wenn derfelbe fieb nicht überhaupt 
verhindert findet, und fomit die Stellvertretung plat? 
greift, und im Benehmen mit denselben der fliitlci- 
tung der 6efcbäfte, namentlich alfo aueb der Durch- 
ficht und Genehmigung der Concepte und der flßit- 
unterjeiebnung der Husfertigungen fich untergehe, 
ffiit vollkommener Hochachtung 

Stuttgart den 10. Janr. 1838. 

Schlayer. 

60*] Dannecker an König ödilbelm. 

(Concept von fremder I)and im Sd)tUer-£DuJeum fßarbacb.) 
Stuttgart, d. 23. Okt. 1839. 
pofratb Director v. Dannecker 
bittet untertb. um gnädigftc 
Verfettung in den Rubeftand 
mit der gefetjl. Penfion. 

e. k. m. 

bitte ich untertbänigft, nachdem ich am 15. dfs.fflts. 
mein 82.ftes Cebensjabr angetreten habe, im so.ften, 
bejiebungsweife 59.ften Dienftjabre Hebend, und den 
riacblafj meiner Kräfte immer febwerer fühlend, um 
Verlegung in den Rubeftand, und unter Begebung auf 
beiliegende Zufammenftcllung meiner Perfonalien um 
gnädigfte Bewilligung der gefet?lichen Penfion. 

Der Pforte einer andern Kielt täglich gewärtig, ift 
es mir jugleicb Bedürfnis des perjens, für die vielen 
Beweife Königl. Fjuld und Gnade, deren ich gewürdigt 
worden, meinen gefühlteften Dank mit gewohnter An- 
hänglichkeit an Fjöcbftdcro erhabene Perlon hier noch- 
mals auszudrücken, mit der ehrfurcbtsvollften Bitte, 
diefes königliche Kloblwollen ferner auf meinen Schüler, 
den Bildhauer profeffor Klagner, buldvollft übertragen 
ju wollen. 

Jch verharre bis jum letjten J)aucbc meines Cebens 

e. k. m. 

alleruntertb. treuerg. 
Dannecker. 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



Dannechers eitern an ihren Sohn. 



61*] Dannedurs eitern. 

(riacblaß 8.) 

Stuttgardt den 18. Scpt: 1783. 
Ciebwcrdcfter Sohn 
Dein lebreiben haben wir mit göttlicher freude 
erbalten, wie dal? dich 6ott gefund auf Deiner Reifjc 
und dein febon längft erwüntebte Zweck in Paris, und 
jwar durch Recomandation des des r)err 6ivals |u 
einem grofje ffleifter der Kunft in Paris angekommen 
bift. 6ott Seegnc Deine Studia und erbalte Dieb ferner 
bin frifcb und 6cfund. Cdir Befinden uns 6ott feys 
gedankt alle CQobl, tlnfern Jungen Bauverwalters 
Sohn ift an vergangen Dinftig ?ur 6rde beftattet worde, 
noch einer 12. tägige f)itjige Galle f ieber. Die f rau 
Cammratb und die Jüngfto Docbter find noch krank 
doch nichts gefebrliches, Villc Conplimente von unfj 
allen und auch aus unfern Roff, Befonders von des 
Zweigswartb famptlicb, Klir empfehlen Dich in den 
Scbutj 6ottes und wir verbleiben Bifj Jn den Codt 
Deine getreue Glter 

Daneker. 
Monsieur 
Monsieur Danecker 
ä 
Paris. 

62*] Dannechers fflutter. 

(na*lal? 8.) 

[1784] 
Gottes feegen jum 6rufj ßertj aller lieber Sobn 
ich danch Dir viell mahle vor Deine fchimer band die 
du mir gefebück baft und bring dene 2 f)erm bab ich 
nicht abfehied nemen könen fie haben mir alles wieder 
alles neu gemacht lieber Sohn ich ich berichte dich nur 
dafj 6ott lob wir gefund und wohl find aber Dein 
Vatter der ift wie 6in Kind man mufj ihm alles 2 bifj 
3 mahl lagen ich habe einen groben laft aber fein 



fuhr Kfefjcn kann 6r noch ver feehen ich kan dier die 
Klabrbcit Jagen dafj dein Vatter mir bat noch kein 
böfj CQord geben Seid du ford bift weider weife ich 
nichts jufebreiben als du bift von mir und deinem 
Vatter ju hundert mahl gegrueft und 6ott beföhle 
lieber Sobn forg auch biffle vor die 2 r)errn Roff ürn- 
macber [ ? ] und [ ? ] von dem Ferren von Odern [ ? ] 
[ ? ] bab ich noch keine halben kr. 
Dannecker, 
[andere Rand] 

F)ir nebft fflufj ich fie auch berichten das ich eine 
6agc von 145 fl. bekommen bab und das ich jetj 
Recht vergnügt bin weil ich jetjt das Recht bab ein 
(Hcib ju nehmen alfo muffen fie der Brautführer feyn 
Dun machen fie das Sie bald jurüch kommen das ich 
nicht angeführt werd jejund feyn fie viel taufcndmal 
von mir und meiner Hbem gckrüfjt und hoffe das fie 
als gefund bleiben werden Ceben fie wobl. 
J. V. ihr freund 
Stuttgardt d. S. C. Gbrenfeucbt Soufleur 

10 fliay 1784. und Cbeateral-Bedienter 

63*] Dannechers fflutter. 

(HachlaS B.) 

d 10 Dejcmbcr 

Hnno 1786. 
Ciebfter Sohn Fjeinricb 
Deinen Brief bab ich ju recht 6r halten und darin 
Grfabrn dafj du gefund bift ich berichte nur dafj dein 
alter Vatter den 6 Dejember feelig infcblaffcn und den 
acben ift 6r begraben worden feine Krankheit war ge- 
weefen ein Gallen fübber. Den Dag vor feinem 6nd 
haben wir deinen Brif bekomen. Da bab ich ihn ge- 
fragt ob ich Dir auch lebreiben foll da bat 6r gefagt 
ich bin gliecbvoll fürttig 6s bilfft doch nichts 6s ift 
aber febobn Jahr und Dag und wie Gin Kind mann 
bat aber an arjneuen nicht gefpart €s ift ihm nichts 



Anhang 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



31 



ab geganen und wann ich den Kluff und fie nicht ge- 
habt hätte Jo wers uns übel geganen ich und fie find 
in kein Bett kommen 6 Dach mann hat ihn heben 
und leegen [ ? ] müken der Rerr Ichrial hat fich 
heer tragen lafeen und hat ihm ju gefebwobren die 
Kargekbett [Krankheit] bey Klulfe wert ichohn 6in 
fürdel Jahr fie find alle krack gewelen und 6r ift 
wirgir [wieder?] recht krack und ich weife gahr nicht 
wafj ich anfahngen [oll und haben einen böfeen fuf} 
[?] und der Rerr Karmrath [Kamerrath?] hat viell 
vill an ihm gethan der liebe 6ott vergelt 6s ihm 
ich 6rüko dich taulfenntmabl 

Catharina Dannecker. 
(Hdreffe von anderer geläufiger Rand.) 

AI Signore 
Signore Danecker 

nebft meiner hl. Gmpfeblung 

64*] Danneckers Mutter. 

(HacblaB B.) 
Stuttgart d 3'- februarv 
Hnno 1787 

Cieb CCterifter Sohn 
Berichte mit wenigen Zeillen das ich deinen Brie} 
richtig erhalten auch daraus geleben das du grojfes 
Ceid bejeigft um deinen Vatter, und ihm gern in feinen 
alten Cagen hartes guttes gethan. Bitte aber wolleft 
jetj an mir deiner armen muter Ciebe und Barmberjig- 
keit erjeigen, du weift ja felbft das ich alles gethan fo 
viel mier möglich geweffen, mein Cdittwen Kaffen gelt 
hab ich miefen fchon vor einem Jahr heraus nehmen 
das ich jetj gar nichts mehr vor mier habe und weis 
mich nicht fürt ju bringen, ich bin jejo im haus Zins 
aus einer Kamer mus ich 10 fl. geben wann ich Kente 
das ich die Kreften und keine Befe fies bete wolte ich 
gern noch dinnen, nun mein Eieber Sohn ich hofe du 



werdeft an mier auch nach deinem Vermögen thun. 
Dann jetj gehts mier erft hinderlich, ich winfehe nur 
das dier 6ott wolle ßefundbeit fchinken. ich winfehe 
von berjen Dich bald ju fehen. [Ö]berigens bift du 
von mier Schönftens gegrieft und in den febutj 6ottes 
Befohlen Verbleibe Deine getreue muter fo lang ich 
lebe, ölann du mir fchreibft die adres bey der ftadt Kirch 
Danneck *) anderen Raus. 

[Dictiert] AI Signore 

Signore Danecker. 



") Husgeriffen. 
65*] Dannecfcers fflutter. 

(fiadilaj 8.) 

lieb Cderder Rerr Sohn 
Deine bahr Zeilen hab ich mit grofeer freide Gr- 
balten und dar in Grjeeen dafj du gefund bift und ich 
auch wafj ich dir gern lebreiben wollte daf} kannft du 
dir wohl vor [teilen mein febreinrn kan ich nicht viell 
ver dienen dafj macht 4 kr. halben (?) von dem kan 
ich kein Raufj jinfj nicht geben ich hab die Kraft nimer 
mehr der Rerr Scbrial bat 6nade für mieb und bat 
mir 11 6ulden vorgeftreck bertj aller liebfter Rerr Sohn 
ich gröfje dich viell taufend mabt lebs du gefund und 
wohl ich verbleie dein getreue mutter 

Catharina Danneckerin 
bifj in den Dot 
Klann 6s dibr 6ine 6bre ift, fo febreibts du 
bald wieder. 

Den 8 o.br 88 
(Hdreffe von anderer Rand.) 
Hn 
Rerrn Rerrn Rofbildbauer 
Dannecker 



frei. 



Paris. 



Darnieder und fyinrike. 



66*] fyinrike. 

(DachtaJ 8.) 

Ohne Datum. 
[Sommer 1790]. 
Guten fflorgen mein Cbeurer; 
unfere gute ffiutter möchte gerne nach Cifcb den Com- 



Rr. Scbcffauer ju fagen. meine CQäfcb lafjt mir [nicht] 
weiter Zeit jum febreiben, ich fcblicfje alfo mit der 
Bitte dafj flßädcben auch unter Jbrer Hrbeit ju lieben 
und ihrem Hndenken auch ju weilen einen augenblid: 
ju weihen, die fieb ewig die Jbrige nenen wird. 

Reinerike Rapp. 



mod fehen und läfjt defewegen Sie bitten es dem in aller 6ile. 



32 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



67*] J)einrihe. 

(Pä*1.iJ B.) 

fflemmingen freytag flßorgens 8 Ohr. 

Klas macht denn mein lieber guter Danneker ift 
der cinjige Gedanke der meine Seele füllt, ift es 3bm 
nur halb fo Ceid um fein öleibeben als es ihr um 
Jbn ift, fo febnt er fich gewis recht nach dem Ciebenden 
iXIeibcben, ich mufj Dir lagen fo unbefebreiblicb gut es 
mir auf meine Reife und bier gebt, fo bin ich doch 
nur halb dabey den mein I)er? ift gan? bey Dir Du 
bift mir fo unentbehrlich dafj ich ohne Dieb aller freu- 
den unfähig bin bätteft du's gefeben wie viele Cbränen 
ich feit unlerer Trennung um dich geweint habe, 
gerftern Hbend bei unlerer Hnkunft war es mir gabr 
ju febwer als ich den glücklichen Philipp in den Hrmen 
feiner liebenswürdigen Braut fabe und ich fo weit von 
dem den ich fo innig liebe war. o, Danneker es war 
ein febrecklieber Zuftand vor mich, ich mufjtc mich 
von dem Zimmer entfernen um meinen Cbränen freien 
Cauf ju lalfen ich fcbüjte Zahnweh vor und mufte 

Pulfer einnehmen aber einen Minuten Dich ?u- 

feben würde allen febmerj gefüllt haben. Dun will 
ich Dir auch etwas von unferer Reife erjäblen, am 
fßitwoch wolten wir wie Du weift bis Geislingen 
fahren kämmen aber um 1 / 2 6 übr fchon da an, und 
entfeblofjen uns noch bis Ulm ju fahren wo wir um 
IJV2 ^ r > r glücklich ankammen und dort über Dacht 
blieben, am Donnerftag früh fahen wir den Cbum 
wo es mir fehr wohl gefallen hat, um 10 übr fuhren 
wir in Qlm ab, und kämmen gerftern Hbend 5 übr 
bier an, unfere Reife war fehr angenehm, bier find 
wir febr höflich aufgenommen worden, überbaubt hätte 
ich alle urfacbe vergnügt ju feyn wenn Du bey mir 
wäreft, aber fo was ift mir die ganje Kielt ohne Dich 
Du 6ngel, meine feder ift ju febwach Dir ju fagen 
wie ich Dich liebe, von der Hbreife ift noch nichts ge- 
f proeben worden. Ceider preffiert niemand fo nach 
Baufj wie ich. r)er?lich freue ich mich einen Brif von 
Dir }u bekommen und bitte dich bald ju febreiben 
weil die poft fo fcblecht beftelt ift. 

CQie freue ich mich dafj du mir entgegen fahren 
wilft fo bald ich den Cag unferer Hbreife weif} febreibe 
ich dirs, vor Hllen im Scbeelbornifchen Rauf? viel 
Gmpfelung. Von mir grüffe alle die nach mir fragen 
befonders I)r. frank, fflilionen Küffe Dir du tbeurer 
von Deiner Dich bis jum letzten Rauch meines leebens 
järtlicb liebenden Beinerike Danneckerin. 

lafj diefen Brif niemand lefen mann mochte die 
inere Sprache meines ßerjens verkennen, u verjeibe 



mein langes febreiben aber ich meine ich fey fchon 
halb bey dir wenn ich dir febreibe. 

68*] fyinrihe. 

(nad)laj? 8.) 

fflemmingen fflittwoeb fflorgens 
Dun mein lieber 6uter kan ich dir den Cag unfer 
abreife fd>reiben, und dir einen Vorfcblag machen der 
gewis gefallen wird, der T)r. Scbeelborn u feine frau 
nebft feinem Br. Cocbtermann und f rau Cocbter wolten 
am Samstag uns bis Ulm begleiten, nun aber haben 
Sie fieb entfcblofjen, bis Göppingen mit uns ju fahren, 
um Dich und wer fonft noch luft bat ju feben. der 
Br. Scbeelborn gab mir daher den angenehmen auf- 
trag dir ju febreiben dafj Jbr eine Gutfcbe voll jufam- 
men machen möchtet und bis Sontag fflorgens nach 
Göppingen kommen da wir dann den Sontag bei- 
lammen bleiben, und am fflontag fahren Sie wieder 
nach Baufj und wir nach Stuttgardt, der T)r. Sattler 
wünfebt febr, daf? Jbr feine frau mitbrächtet ich freue 
mich unbefebreiblicb, dich bis Sontag vormitag in Göp- 
pingen ju febn, und hoffe, dafj wenn auch fonft nie- 
mand von den unferigen kommt du doch gewis 
kommft, wir werden Samftag bis Göppingen fahren, 
um 6ucb am Sontag in der poft wo wir Cogiren 
werden ju empfangen. Beute ift es 8 Cag daf? wir 
uns nimmer gefeben haben ich meyne es feye fchon 
foviel CQocben ungeachtet wir alle Cage an ein anders 
Ort fahren und wir alle mögliche freundfebaft genifjen. 
gerftern waren wir in Ottobeyren wo ein prächtiges 
Clofter und ein Gemäldfammlung ift, wie febr wünfebte 
ich dich mein 6ngel bey uns ju haben um deine Critik 
darüber ju boren. Beute früb freute ich mich auf 
einen Brif von dir aber vergebens, wenn du willen 
follteft wie febr mir deine Brife vergnügen machen 
gewis du febriebft mir öfters, alle l Hnverwandte 
freuen {ich febr dich ju febn den ohne fcbmeicbelei 
bift du febr wohl bei Jbnen empfohlen welches Dich 
gewis freuen wird denn es find vortref liebe Ceutchen. 
Dun mein 6ngel komme bis Sontag vormitag gewis 
in die Hrme Deiner Dieb järtlicb liebenden 

Beinerike Danneckerin. 
Berrn 
profeffor Danneker. 

in Stuttgardt. 
es wird gebeten 
diefen Brif gleich 
ju beforgen. 



Anhang 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



33 



69*] I)etnrihc (nach Karlsruhe). 
(nacl)lati 8.) 

Sontags Racbmitag 3 Qbr. 
[9. Oktober 1797?] 

Run mein Ciebchen bin ich allein und kan alfo 
meine Ginfamkeit nicht bofler anwenden als mit dir 
ju plaudern, aber du mufjt 6edult mit mir haben, 
wenn \&> Dir Cangweile mache mit meinem Gcfchmir, 
verjeib es deinem armen verladen Glaiflein 
wenn es fo gern bey dir feyn fo gerne mit dir febwajen 
möchte. Cieber! wie kommt mir alles fo öde, Slie 
komm ich mir fo ganj von allen flßenfchen verlafjen 
vor ohne Dich, wo du auch in diefem Hugenblick fein 
magft, fo beglcidct dich mein beld, wie lehr beneide 
ich diejes dafj es fo nahe bei Dir feyn darf, nun wenn 
es Dir nur juwcilen eine flßinute, wenn du es fo an- 
fiehft mit Deinen lieben Hugen freude macht, ge- 
wis wenn das Bild dir fagen könte wie das Original 
immer unter feiner Verfertigung nur an Dich dachte, 
und wenn mich lange-tHeile anwandten wolte, fo ftille 
da ju fijen fo ermunterte mich immer der Gedanke, 
es macht Deinem Danneker freude, das ift mir freilich 
fehr traurig das du nicht ganj damit jufriden bift. 

Ilun will ich dir fagen wie ich den langen trau- 
rigen Cag ohne dich jugebraebt, und noch jujubringen 
denke, den Vormitag war ich mit den Bäfchcn in der 
Schloßkirche, dann wurde gefpeifjt, Heues Sauerkraut, 
bei dem ich recht berjlicb wünfehte dir ein Celler voll 
davon ju bringen. Jfopi madrte mir freude, 6r war 
fehr heiter ging aber gleich nach Cifcb wieder ins 
Scblofj, dann befuchte ich des Heinrichs Kinder, und 
nach dielen kam ßerr Ccipold, um ju hören, wie du 
jufrieden feveft, ich fagte Jbm, dafj es dir grofje freude 
mache, nur findeft du es ju dik, du werdeft felbft mit 
Jbm darüber reden. Das Bäfcben ift ein wenig fpa- 
jiren, und auf den abend will id) mit Jbr ju ßein- 
riebs geben, flßorgen früh will ich dir fagen wie ich 
in Deinem lieben Bett gefebtafen habe. Rachts 
10 Uhr. Dun bin ich im Begrif mich fchlaffen ju 
legen, du weift dafj ich nidrt fcblaffen kan obne Didi 
geküfjt und gute Rächt von dir genommen ju haben, 
alfo 1000 Küffe mein tbeures liebeben, gewis febläfft 
du fchon füfj. 6ott feegne Deine Ruhe Du Gngel. 

flßontag morgen 7 Öhr. 

Guten flßorgen mein Bcfter, wie baft du ge- 
fchafen ? gewis gut auf deine Reife vieleicbt bift du 
fchon wieder auf dem flßarfcb, dein (Heibchen bat Gott- 
lob beffer gefcblafen als fie dachte, die ganje Rächt 



träumte mir von Dir. fo eben kommt Jfopi um Hb- 
febied ju nehmen 6r läfjt Dir viele Complimente 
fagen jetjt wirds gabr ju Stille bei uns feyn wen auch 
der fort ift. 

Räch dem flßitag eilen. 

fo eben als ich im Begrif war meinen Brif ju 
Ichliefjen, kommt Dein lieber, lieberBrief. Gottes 
Eobn Dir Cbeurer flßann vor die grofe freude die 
du mir damit gemacht baft, möchte dir der meinige 
eben fo viel freude machen als es mir macht dir ju 
Ichreiben. Du bift klug gewefen dalj du gefahren bift 
überbaubt bitte ich Dich um unferer Ciebe ttüllen, dir 
doch ja nichts abgeben ju laffen, das ift mir ein un- 
erträglicher Gedanke das du um ju fpabren dir irgend 
etwas abgeben laffen follteft. 

Reues kan ich Dir nichts fdireiben, Von f rida [?] 
ifts ganj Itille, doch ja etwas neues, Pükler ilt ange- 
kommen aber vor uns febeint nichts mit gekommen 
ju feyn je je — 

Run ifts doch Zeit dafj ich aufhöre flßorgen früh 
fang ich gleich wieder einen Brif an aber Cieber gelte 
du febreibft mir auch recht oft! Hlle Ciebe freunde 
grüffen didi berjlicb befonders Degen der fo eben da 
war, die Regina betauert febr dafj fie nicht abfebied 
von Dir nehmen konte. Du warft kaum fort als fie 
mit einem Celler voll brejlen kam die fie dir auf den 
Sieg geben wolte. nun ift fie wieder getrottet das du 
ihre Scbweftcr gebrochen baft, fie grüljt dich berjl. 
unier 6aft ift beute in F)obenbeim mit ihren Reifj- 
gefelfchaften, ich werde beute mit ihr in die Comödie 
gehen. Cebe wohl Sngel Gottes Dem I)r. Schmid 
viele Complimente und Dir flßilionen Küffe Gott er- 
balte Dich gefund. Swig ganj Deine 

Reinerike. 

70*] I)einrikc. 

(Hacblafi B.) 

Stuttgart d io« oct [1797.] 
Caufend Caufend Dank liebfter befter Danneker 
vor die grofe freude die Du mir mit Deinen lieben 
Brifen machft, beute erhielt ich 2 auf einmal, und 
hoffe gewis flßorgen wieder einen ju bekommen, id) 
komme in aller 6yle aus meiner Schwefter Garten wo 
Gefelllcbaft ift, des Philipps mit Jbren lieben Gäften, 
es ift ein göttlich feböner Rachmitag wie lange keiner 
war, ich habe mich weg geftobten um mit Dir mein 
üebchen ju Plaudern, 6ottlob dafj du nur gefund bift 
auf deiner Reife. Des guten Schwabs find in grofer 
Hngft wegen dem Carl. I)r Böbel frhrieb Jbnen am 

5 



34 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



Sontag, dal? Carl im Bett liege, und einen gcfcbwolle- 
nen f uf? habe deswegen er nicht felbft lebreiben honte 
er würde es aber Morgen tbun nun warteten Sie 
mit ungedult als endlich beute wieder ein Brif von 
Rr. Böbel harn, der fagte daf? Carl immer noch nicht 
wohl wäre, madam CQetjler habe es vor gut befunden 
einen Hrtj rufen ?u laffen, der feinen Puls jwar etwas 
fieberhaft gefunden die ganje Sache aber vor unbe- 
teuten anlebe nun foll er fich warm halten, auch 
lebreibt er, Carl feye wirklich neben Jhm und ftutire 
einen franj. oder Jtaliänifcbcn Brif, nun ift dif? frei- 
lieb febr unwabrfcheinlicb, wenn er wohl wäre fo 
würde ihm feine fflutterfpracbe genug feyn, Jbnen ju 
fagen was fein Kindliches Rer? ?u fagen hätte, und 
wie, befonders wir Kleiber find, daf? wir uns immer 
das ärgfte denken fo ifts auch hier der fall. 6ott gebe 
daf? es nichts ?u bedeuten habe. 

ßerftern habe den Ketterlinus in der Comödie ge- 
fproeben, 6r ift febr vergnügt über die Dacbricht, die 
Pükler Jbm brachte daf? 6r fo gut als angeftellt feve 
mit hundert Rubel gebalt, ob gleich feine Hrbeit nicht 
in Rufcland angekommen ift, darunter 6r, und viele 
Ceute, vermutben etwas fteckt, er wird fich alle fflübe 
geben es ju enthüllen, icb bat Jbn wenn er Kaufler 
wieder fpreebe ?u fragen ob die Büfte nicht angekom- 
men feve, und er verfpracb mir gleich Reute früh eine 
Hntwort, ich bekam aber keine, folte icb aber bekom- 
men fo fehreibe ich Dirs brühwarm, dnfern Klein 
habe icb Reute bejablt es macht 124 Gulden Cöeil es 
einge [?] mehr find, unfer 6aft ift Reute wieder 
abmarfchiert nach Cudwigsburg und kommt nimmer 
?urüch, nun muh ich eben die Regine ?um Schlaf 
Cameraden CQäblen — — 

Reute kam ein Brif von Cleska der feinen neu- 
lieben Brif verlobren glaubt weil er kein antwort er- 
hielt — ja er muf? eben warten — der Vatter von 
Betulius war Reute auch da um Dieb im Rahmen 
feines Sohnes ?u bitten ich weif? felbft nicht was ich 
triftete Jbn du werdeft bald wieder kommen. 

fflorgen hält Reinrieb Rerbft ?u dem ich auch ein- 
geladen bin, Cieber warft du auch da! nun habe 
ich ehrlich beriebt erftattet von allem was vorgefallen 
ift und die Regina ftebt neben mir und Creibt mich 
weils bald 6 Qbr ift. dnd fo muh icb wieder meinen 
dillen fchliefjen adio fükes Eiebftes, fehreibe mir nur 
recht oft, wenn du nur meine Brif e auch erbältft! Jage 
mir in deinem nächften Brif wie oft ich noch febreiben 
kan. fflorgen bekommft du wieder einen, und fo alle 
Cag bif? du mich febweigen beikt. Hlles grüf?t dich 



berjlicb, und icb den Scbmid, und Dir wünfebe icb 
von Rerjen guten fflutb ?u Deiner Hrbeit und mir 
meinen 6ngel b a l d in meine Hrme. Gott fey mit Dir! 
6wig gan? Dein treues Kleib 

Reincrik D. 

71*] I)einrike. 

(riad)la& 8.) 

Dienstags Dacht 8'| s Qbr. 
[10. Okt. 1797?]. 
Der Raubt fflann hatte doch recht wenn er mich 
ein kindliches Kleib biefj, da fi? icb febon wieder habe 
kaum den £öfjel aus der Rand gelegt und fehreibe Dir, 
und kaum find 2 Stunden daf? icb einen grofen Brif 
auf die poft febikte, doch laf? die £eute fagen was fie 
wollen, mir ift es recht wohl bei meiner Kinderei, was 
bab ich den fonft vor eine freude auf der Hielt als 
Dich mein 6ngel, und was foll mir das Ceben ohne 
Dich, höre lieber guter nun fangt mein Jammer leeben 
erft recht an, die Jfrbaaf? ift fort, und fo bin ich gan? 
allein, den Cag über bin iebs leider febon fo ?imlicb ge- 
wohnt ohne Dich ?u feyn, aber die Hbend, und das 
Dacht 6ffen ach das ift gabr ?u 6infam, kein ffläus- 
cben rührt fich, da fij ich an Deinem pla? am Cifcben, 
wo icb fo eben mit Deinem lieben Eöffel gegeffen habe 
und fehreibe Dir, und wenn dann die fflagd fertig ift 
gebts ins Bett — — — 

mir febaudert die Raut wenn ich denke dafj ich noch 
mehr folebe Hbende und Dächte ohne Dieb feyn muh, 
lieber beeile Dieb foviel Du kanft nur bald wieder 
?u mir ?u kommen ! Dun finds erft 3 Cag das wir 
getrennt find, und mir ifts als wärs eine halbe ewig- 
heit, Gott bewahre uns nur daf? wir nie auf lange 
obne einander fein muffen, icb honte es nicht über- 
leben — 6ute Dacht Du gute Seele, wo bift Du wohl 
in diefem Hugenblick? daf? icb Dieb febn, Dir die 
feurigften Küffe aufdrücken könnte, die febon fo oft 
das Signal jum Schaff waren ! Docbmal gute Dacht 
fflorgen mehr. — 

fflittwoeb nach dem fflitag 6ffen. 
Grüf? Dich Gott liebe göttliche Seele, ich wolte 
febon beute früh meinen Brif fcblief?en, boft aber ge- 
wis beute einen von Dir ?u erbalten, aber vergebens 
war meine freude! und es wäre fo gut angelegt ge- 
wefen, den gewis hätte mich der liebe Brif aufge- 
beitert das ich beute fo febr nötbig hätte; ich bin beute 
unbefebrieben traurig, da?u wobl der Ka?en graue Deb- 
licbte Cag auch etwas beiträgt, ich will mich nun an- 
kleiden um mit Schwabs in Reinricbs Rerbft ?u geben, 



Anhang 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



35 



aber was foll ich da machen, frohe fflenfeben (eben, 
um mein Glend defto tiefer ju fühlen? nun genug ich 
will Dein järtlicbes liebes F)erj nicht mit meinen 
Klagen ftimmen mit mir ju trauern, ich wünfehe Dir 
bcrjlicb das Du Deine Zeit Vergnügter jubringen möcb- 
teft als Dein armes KIcibcben. fflorgon hoffe ich ge- 
wis 2 Brifc ju bekommen die mir vieleicht febon 
fagen bis wann id) mich freuen darf meinen 6ngel 
wieder ju umarmen. Heues kan ich Dir gabr nichts 
fdireibcn, denn ich höre und febe nichts. Schwabs 
haben beute einen Brif von Carl erbalten es freut 
mich das Jbre Hngft vergeblich war, lebe glücklich mein 
HUes grüffe Schmid Dich grübt jeder fflann aufs Befte 
und ich küffe Dich 1000 mahl immer ganj die Deinigc 
peinerikc Dannecker. 

72*] ^einrihe (nach Stuttgart). 
(na*la& 8.) 

[Cudwigsburg] Morgens 5 Qbr. 

6uten Morgen Cbeurer Ginjiger. 
Vermutblicb genikt Du noch des fanfteften Scbalfs, 
und Dein armes Kteib kan es nimmer läger in ihrem 
einfammen Bett aushalten, in [= und] da der Schalf 
wegen grofer fflüdigkeit doch fo jimlicb gut war, nun 
will ich die fchöne fflorgen Stund wo noch alles fo 
ganj Stille um mich ift daju benüjen, Dir mein Gngel 
ju fagen wie ich den gefterigen Cag ju gebaebt habe, 
juerft danke ich 6ott dafj mein fatales Zahnweh doch 
ein wenig nacbgclaffen, den vormittag blib ich bei 
unfern lieben. Dach dem 6ffen febrib ich Dir, dann 
befuebte ich des I)offmanns, und nachher ging ich mit 
Degens fpajiren. Dan neck er difj war ein Hbend, 
dem nidrts fehlte als Deine holde gegenwart, um ihn 
ju einem der Scbönften meines Ceebens ju jäblen ! 
Der beiterfte Rimmel, der unbegreifliche gute 6erucb 
der [?] Cindenbäume die in voller Blüthe find, 
ftimten mich heiter, un ging es in die neue Hnlagen 
hinter dem Scblofj, die febon weit gediehen find und 
fo viel ich davon verftehe recht gut ausfehen, ich 
wünfebte mir nur immer Dich bei mir ju haben um 
Dein drtbeil über jede Partbte ju hören. Das fa- 
vorit Kläldcben war uns ganj nah das wir dan be- 
traten, die fchönbeit deffen Dir ju befebriben bin ich 
ju febwaeb, in dem Kläldcben ift ein ßaufj, wo eine 
Menagerie angelegt ift dib mich nun vollends in ent- 
jüken fejte, Du weifjt Cieber wie febr mich jedes Cbier- 
chen freut und denke Dir ein grofen Kufen Platj ganj 
voll von welfcben F)anen mit ihren Kleibern und 



jungen, 4 prächtige Pfauen, türkifebe 6nten, jabme 
6nten mit jungen, unbefchreiblicb viele kleine I)ünlein 
die uns alle fo freundlich grüfjten, wir brachten lange 
Zeit bei ihnen ju, und ich wurde jum Kind und fejte 
mid) mitten unter die liebe Ciercben und fütterte fic, 
das He mir nun vollends ju freude machten, fie find 
alle fo jahm und freffen aus der Rand, fo wie auch 
ein fchöner junger Rirfcb. Von diefem febönen Huf- 
entbalt gingen wir weiter in Klald jur f afanen Zucht, 
und von da ju Dacht Gffcn. möchte der P)immel mir 
nur den Klunfcb gewähren mit Dir 6ngel einige Cage 
in Ruhe in diefer göttlichen 6egend ju leeben, ich 
glaube doch es folte Heb machen Waffen, das Du meinen 
und aller biefigen freunde Klunfcb genüge leiften 
könteft da Du wirklich keine Hrbeit baft von der Du 
Dieb nicht auf 2 oder 3 Cag [weg machen ?] könteft. 
überlege es doch ernftlicb, gewis würde Jfopi mit Dir 
kommen der ja obnedifj fo gern mit ift, und es wäre 
Dir fo gut wenn Du und aud) Jfopi, ein wenig von 
6urem ungefunden Scblofj weg kämen, fieb lieber Du 
mufj auch denken dafj es einem fo fleifigen fflann ge- 
wis erlaubt ift fieb ein weng ju erholen, und ich bin 
verfiebert dafj es Dir fo wohl hier wäre, ich weifj nicht 
ich meine mich in eine andere Kielt verfetj, wenn ich 
fo viele fchönbeiten der Ratur febe, und es mit Dir 
ju fehen 0! fo glücklich möchte ich feyn ! und es wäre 
Dir fo leicht mir diefe frohe Cage ju machen, und Du 
weift ja wie lieb Du hier bift, fo denke ich könteft 
Du Dieb wohl entfchliefjen mit Jfopi der ja im [?] 
fchlafen könte, heraus ju kommen, wenn ihr Sonntag 
abend kämet, und wengftens nur den fflontag ju- 
bräebtet, Du mufjt ja nicht glauben dafj es nur leeres 
Gefcbwäj von mir ift, um von Dir 6rlaubnifj ju 
beulen länger hier bleiben ju dürfen, nein lieber! 
wenn Du ja fo böfje feyn könteft mir diefe kleine 
Bitte an Dich, die gegenwärtig vor mich der einjige 
Klunfcb meines Rerjens ift ju vertagen, fo kome ich 
gewis ju beftimmter Zeit ju Dir, nun baft Du etwas 
ju überlegen, das auf einen entfehlufj, ja! [..?.. ] 
wir wollen dem lieben ttleible die freude machen, und 
komm ! ihr verdankt mirs gewis wenn es 6uch wohl 
ift, nun mufj ich Dir aber auch noch etwas von der 
Dacht tagen, die ebenfo herrlich wie der Cag war. 
Dach dem Dacht 6ffen gingen wir in den Scblofj- 
garten wo das Ciebe Rerjogs Kleibcben arm in arm 
mit der P: ferdinand, unter den unjäblig vielen Pom- 
meran bäum fpajieren ging, unter dem abwechtelnden 
febönften Cürkifcben ffluhk, der ganje Schlofjgarten bat 
febr viel an Schönheit gewonnen, ein See, Storchen, 



36 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



fifcb Reiber, tragen aud) das ibrge jur Sd)önbeit bei, 
nach dem Spatnergang war Cafel in einem untern 
Saal der in Garten gebt, wo wir ganj ungeftöbrt das 
liebe gute Cöeibcben laben, die fo gut und Starb aus- 
liebt, und fo ganj ungenirt an der Cafel war, und 
Jicb der febönen fflufih und der heiteren Caun des p. 
paul freute, febon difj liebe HIeib ju feben verdient 
dafj ein Hnbängcr von Jbr, wie Du bift von St. 
bieber kommt. Gelt lieber, dafj beift viel gefdnnirt, 
o werde nur nicht ungeduldig darüber, aber (ich Cieber 
6uter, ich möchte Dirs gern fo angenehm als Möglich 
befebreiben, ums defto gewifer hoffen ju honen dafj 
Du kommft aber Du weift ja felbft dafj fich folche 
fachen beffer empfinden als lagen laffen, nun baft Du 
febon 2 Brife von mir und ich habe vergebens auf 
ein von Dir gewartet, hoffe aber doch beute und mor- 
gen ju bekommen, welche freude wäre es vor mich, 
wenn Du fchribft ich komme! gelt lieber das tbuft Du? 
o ja Gngel 

nun adio indeffen ganj Dein ttleib. 
73*] I)etnrthe. 

(Uachtafe 8.) 

[Cudwigsburg]. 
freitag '|, 9 Qbr. 
So eben mein Cheurer kommen wir von einer 
Reife von Bönningen jurüh wo wir mit einem guten 
freund und einer freundin des pr. Pfarrers einen 
Befuch machten, es war I)r. P)aubtmann Sdiwikart, 
der uns mit feinen 4. Pferden dabin fürte. lieber 
6ngel das war ein Dachmitag fo berlich ich den 
gerftigen verlebte fo fchrecklicb jammervoll war der 
heutige kaum waren wir von C: weg fo folgte uns 
ein ftarkes Donnerwetter mit einem abfcheulichen Re- 
gen, und das 6efärtb war offen, fo daf? die hinten 
fijende Damen bifj aufs Rinnt nah wurden, und fich 
ganj auskleiden muften, kaum waren wir im Pfarr 
Rauf? angekommen fo wurde die Sturm 61oke ange- 
jogen, und denke Dir meinen Scbreh, natürlich glaubte 
ich es brennt in St., Du kennft ja dein armes ängft- 
liches CCleib, ich will Dir alfo nichts darüber fagen, 
welchen Gindruch der blofe Gedanke auf mich elenden 
Dattel machte! 6ottlob war es aber nicht fo arg 
fondern in einem Dorf ju vielen [?]. nachdem das 
Kletter wieder beffer wurde und wir ein weng von 
Schrcken erholt fuhren wir wieder ab, unterwegs kam 
ich noch einige mal in große Hngft wegen Klagen die 
uns in den Kleg kamen, und beinah unferm Gefärtb 



fdwden getban hätten, endlich find wir Gott fey Dank 
doch unverfebrt hier angekomm, ich armer Cropf habe 
aber von dem viele Schreken ftarkes Kopfweb und 
jittere noch an allen Gliedern, dafj ich kaum die feder 
halten kan. Den letjten Creff gab mir Jfr Klolffin 
die fo eben ju uns kam, u. fagete fie habe gehört das 
es in St: brenne, jedermann beruhigt mich aber dar- 
über, man wiifje es febon , und doch weifjt fonft kein 
Menfcb etwas davon, ich hoffe alfo ju 6ott dafj es 
nichts ift, kan Dir aber gahr nid)t fagen wie ängftlicb 
mich diefes alles jufammen macht, fo dafj es mir un- 
erträglich ift ohne Dich ju feyn, meine gröfte freude 
ift das es nimmer lang bifj Sontag ift, wo ich das 
unbegreifliche 6lück ju genifjen bofe in Deine Hrme 
ju kommen. Du 6uter Gngel mit dem Dcid einer 
alten Jungfer die fo gern auch etwas liebes umarmen 
möchte u. doch nichts bat, febe ich immer die Careffen 
die der järtlicbe Degen feinem Gleibcbon macht, es ift 
mir oft nicht ?um Hnfeben — Morgen bekommft Du 
wieder einen Brif den wie ich hoffe werd auch ich 
Morgen wieder einen bekommen, der mir fo wie der 
beutige viele freude machen wird, ich danke Dir berj- 
lich dafür. 

I)öre ich habe einen 6edanken. wenn das dumme 
Gffen bei des Fj: Dich wie ich faft fürchte abhalten 
folte ju mir ju kommen, fo hoffe ich es ift vieleidit 
bei Dacht und da könteft Du mit dem Kutfcher mit 
dem ich hieber kam kommen, und dann wenn Du ja 
nicht hier bleiben wolteft am Hbend jurük fahren oder 
noch beffer könteft Du mit I)r. I)off Prediger St [?] 
kommen der wie ich bore jedermann mit freude mit 
nimmt , bifj Morgen Hbend bitt ich Dich mir genau 
ju fagen wie die Reife vor fich gehen foll, es wäre 
mir eben herrlich, wenn Du kämeft. adio Gngel 
Gottes allen feegen des Rimmels über Dich. 
Dein treues Cdeib D. 



74*] I)ctnrike. 

(ßaeblal; B.) 

[Ohne Datum.] 

Cieber Gngel, fo eben bekomme ich diefen Brif 
von Däjingen es ift alfo nötbig, dafj Du den I)r. von 
flacbsland beute fchreibft, und da der Bott bis 1 Qbr 
abgebt fo wird es gut feyn, wenn Du bälder nach 
P)aufj kommft, um vor Cifch noch ju lebreiben. 100000 
6rüffe Dir mein Ginjigcr 

von der Gwig treuen Reinerike Danneckerin. 



Anhang 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



37 



75*] F)einrthe. 

(Radilalj B.) 

[Ohne Datum.] 

fflein tbcurer Cngel. 

Du baft doch nicht gefagt wie und wann das 

Pferd bettelt werden Toll, noeb bin ich niebt entfcbloffen 

was icb tbun Joll wegen dem Concert, id) denke mein 

Cieber Du fagteft vieleicbt nur aus gute gegen mieb 

dafj Du nicht gerne gebe[t, ich erwarte durd) P)r. fflejler 

antwordt wegen dem Pferd. Bei der l. fflama erfäbrft 

Du ob ich im Concert bin oder nicht, weifjt die fflama 

nichts von mir fo gebft Du von dem Seegen Deines 

Kleibes begleitet. Die ßofrätbin Tagt, dafj Cöetterglas 

feye febr gefallen. Dein Dich järtlich liebendes CCleib 

Danneckerin. 

76*] Ffeinrihe. 

(nad)l*6 B.) 

[Stuttgart, ohne Datum.] 

Cieber 6ngel. 
So eben febikt Degen, und läfjt fagen, der Prin? 
gebe in die Comödie, er habe alfo diefen Hbend frei, 
nun laffe er fragen ob ich in die Comödie gebe, oder 
ob wir nicht mit Jbm den Fjeinricb befueben wolten, 
icb lief? Jbm fagen er möchte nur um 5 übr ju mir 
kommen, weil ich Jbm ohne Deinen Stullen ju wiffen, 
nichts jufagen möchte, icb denke aber es wäre doch 
nicht artig, wenn wir dasmahl wieder nicht mit Jbm 
jum Reinrieb gingen, Du mufjt eben Deinen Spazier- 
gang kurj machen, ich erwarte Deine Hntwort, und 
ob ich Dieb um 5 Ubr jum Spajierengeben abholen 
Toll, oder ob Du mich bald in unferm Raufj abholen 
wilft , ich denke aber , weil das Kletter fo gut ift, 
könten wir mit einander vorher geben, wenn es Dir 
fo recht ift, komme ich um 5 übr ju Dir, fchreibe 
mir Deinen CQillen, wenn Dirs recht ift kan der Rr. 
Scbmid mein Billet in die Comödie haben , icb er- 
warte auch über diefes Deine Hntwort aber febriftlicb. 
Hdio 6wig Deine Reinrike. 

AI Singnore Singnore Danneker 
Profesore e Scultore alla Corte 
di S. A. S. il Duca regnante di 
Wirtemberg a Stuttgart. 

77*] I)einrihe. 

(DadilaS B.) 

[Ohne Datum.] 

Cöas macht denn mein guter lieber 6ngel? immer 
recht fleifig? ja natürlich das läßt fich denken. Reute 
wird 6r Dotbwendig haben, nun jetj lafj 



und denke auch ein wenig ans üdeible. 6ern hätte 
icb Dich beute fflorgen nach meinem 6arten 6ang 
befuebt, wenn nicht die forge Dich ju bindern mich 
abgebalten hätte, nun fitj ich den ganjen Vormitag 
einfam wie eine Donne in meinem Stäbchen, und 
denke an Dich. Dach dem 6tfen, ebe ich in die Kirche 
gebe, komme icb ju Dir, und hole mir ein Dujent 
Küffe. und profit die fflabljeit. Cüenn es Dein 6e- 
(chäft erlaubt fo fchreibe mir durch die fflagd wieder. 
Du weifet wie viele freude Deine Brife machen 

Deinem 6wig treuen Cüeibcben Reinerike. 



78*] f)dnrtke. 

(naAlaß B.) 

[Ohne Datum.] 
Profit die fflabljeit liebes berjiges ffländle ! 

6ine kleine Reife Befcbreibung wirft Du mein 
Cbeurer doch von Deinem CQeibchen erwarten, nun ja, 
die war freilich febr fflerkwürdig , denn was kann 
einem fflenfehen auf einer folchen gefahrvollen Reife 
in folcher Reijender Begleitung begegnen. Den Du 
bafts nidit recht gewuft wenn Du glaubft, es wäre 
jemand der kein gutes Gewiffcn habe, Dein tieber 
Danneker, ein herrlicher junger Hdonis, der mir troj 
meiner liebe ju Dir doch ftarkes Rerjklopfen machte, 
und dann fein artiges Betragen, das mir deutlich ju 
verfteben gab das ich fo glüklieb fey cingen Gindruk 
auf Jbn gemacht ?u haben, ein Glük wars, das wir 
fo bald getrent wurden , den fonft wäre icb Dir vor 
nichts gut gewefen. finn genug davon , Dein liebes 
Stirneben möchte fonft gabr ju finfter werden, die 
CQolken febweben mir noch vor Hugen die fchon beute 
früh darauf aufftigen. 

Untere liebe freunde nahmen mich febr gütig auf, 
und laffen Dich alle 1000 mal grüffen und Sie wünfeb- 
ten gahr ju febr Du möcbteft mich abholen , ob es 
auch mein CQunfch ift icb laffe es Dir ju erratben 
über. — 

fflorgen boffe icb gewis ein liebes füfjes Brifcben 
von Dir ju erbalten , und freue mich fchon berjhcb 
darauf. Zu Deiner Beruhigung will ich Dir gefteben, 
das es uns ganj nach ttlunfcb ging, und der Rerr 
vor dem Chor fich nicht einfand, und wir alfo ganj 
ganj Solo in C. einfuhren. Du kanft alfo Ruhig feyn 
wegen Deinem Debenbubler, der nur ein Spafj von 
mir war. Dun genug vor difjmal, es ift fchon Späth, 
fflorgen ein fflebrers, fey fo gut und laffe durch die 
fflagd eine Scbaditel voll rechte fchöne Rerj Kirfcben 



38 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



häuften, und auch feböne Cöeixcl darunter, und febthe 
|ie Morgen abend durch der frau Cöatjin Magd ins 
alte Scblofj, damit fie mit dem Brandkaren heraus 
kommen, unter der adres Rr. Roffmann, ich läge beim 
Kutlcber möchten fie ju ffioft werden, ich hörte beute, 
dal} es hier heine rechte Icböne Kirichen gibt, und 
möchte der frau Cante welche geben, aber Jie muffen 
recht febön feyn. 

Den Zwibeln und der Regina viele 100 6rüfje, 
und Dir Cbcurer Gngel Millionen Küffe, fchlafe recht 
gut und laffe Dir etwas von Deinem CQeibcben träu- 
men, die wohl nicht fo gut fcblafen wird als an Deiner 
Seite. 6wig ganj Dein 

treues Kleib 
Danneberin. 

HB. Vergeffc nicht mich ffiorgen mit einem lieben 
Brif ?u erfreuen. 



79*] I)einrihe. 

(naAlai B.) 



[Ohne Datum.] 



Jcb bab Dich febon lange nimmer gefeben und 
gefprochen und will Dich defwegen mit einem Brifchen 
von meinem Wohlbefinden überzeugen, und mich nach 
Deinem Befinden erkundigen. Klie ftehts mit Deiner 
ffialadie ? Du weifts wie ich mir alles gefährlicher vor- 
teile als es ift, gib mir alfo Dacbricbt obs Dir beffer 
ift als Du mich verliefeft. Du machft mir doch die 
freude und fchreibft mir auch. Cebe wohl, auf den 
Hbend bohl ich Dich ab, 10000 Küffe von Deiner 
Dieb 3ärtlicb liebenden Reinerihe Danneker 

in aller 6vl. 



80*] I)cinrikc. 

(Dacblafe B.) 



Cudwigsburg 
Morgens 7 Elbr. 



6uten Morgen liebes 
berliches Manchen ! 

So eben entfehlüpfe ich dem Bett, und nun ge- 
fchwind an den Scbreibtifch , und mit dem lieben 
Mann geplaudert. Klie baft Du gefchlafen? «las 
macht der böfje Ruften? Raft Du nicht von mir ge- 
träumt? 5&ie viele fragen und alle muf? ich nur mit 
meinem heften Ctlunfcb beantworten, ich habe, Dank fei 
es der vorigen fchlimmen Dacht, recht gut gefchlafen. 

6crftern find wir 2 wie im flug hier angekom- 
men, ich machte bei Roffmanns noch eine Vifite, Sie 



empfehlen fieb Dir. Jcb kann Dir nicht fagen, wie 
traurig ich ward, als idi von Roffmanns nach Raufee 
ging, es war gerade die Zeit, wenn Du nach Rauf? 
kommft, das ich Dich nun heute nicht feben foll, das 
war mir fo fchwer, das ich alle Mühe brauchte, mich 
heiter ju ftellcn , und mich freute, das ich Dich bald 
wieder febe! 

Reute wird der Cag febon getödet werden , auf 
den Hbend gebt es ins Cbeatcr, und dann auf den 
Ball, da will ich mich waker herum drehen, oder 
au net. Raft Du mir kein Billet? Degen fragte 
gerftern nach und erfuhr, es feie vor Dich nach St. 
gefebikt worden. 

(das macht das Tettcben, Regele, fflöpschen ? ich 
habe gerftern beim Dacht Gfeen immer an unfer trau- 
liches Cifcben gedacht, und um doch etwas ähnliches 
ju haben, wurde die Cöicbtigfte Stelle an meiner Seite, 
von dem guten Rolla erfetjt, der fo freundlich und 
jutraulieb neben mir fak. 

Dun lieber Gngel, hoffe ich heute gewis auf ein 
liebes Brifchen von Dir, vieleicht febreibe ich Dir noch 
ein mal, in allen fällen aber (wenn ich lebe und ge- 
fund bin) komme ich Morgen gewis ju Dir. Be- 
komme ich keine gute Gelegenheit, fo fahre ich ffiorgen 
Dacbmittag mit dem Ord: Kutlcber und freue mich, 
wenn Du mir entgegen kommft. 

Gern möchte ich mebr lebreiben, aber die Rand ift 
ganj fteif von Kälte, der ffiagen fo leer und Schwach, 
das ich jum Scblufj eile, und alle im Rauf?, befonders 
die Jette und das Regele beglich grüfje, Dir 1000 Küfje 
und die Verficherung der 6wigen Ciebe 
Deines Creuen (Heibcbens. 
Hn Rerrn ßrofeffor Danneker, im 
Rappifchen Rauf? bei der Stifts Kirche 
in Stuttgardt. 

81*] I)einrihc. 

(n»d)la6 B.) 

Cudwigsburg den loten [Okt.] 
ffiorgens 7 Öhr. 
Mein Befter. 
Ob ich gleich noch keinen Brif von Dir bekom- 
men habe, fo will ich Dir doch nicht fchmäblcn, weil 
ich weif?, daf? es gewis nicht Mangel Deiner Ciebe ift, 
aber warum mufj gerade gerftern der Gutfcber nicht 
fahren ? es ift als ob es mir jur Strafe wäre, fo lange 
keine Dachriebt von Dir ?u bekommen, der ich fo 
fehnlich entgegen febe, diefen Morgen hoffe ich gewis 
mit der Boft einen Brif ju erhalten, febon um 



Anhang 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



39 



halb [iben Qbr wekte ich den I)r. Seytj, der mir ver- 
brochen, felbft mit Cages Hnbrucb auf der poft ju 
fragen. 6r kam aber leider mit der naebriebt, der 
Poft Secretair fey noch im Bett, nun wird mir jeder 
augenblik }u lange bifj die Brifträgerin kommt. Hun 
Ciebes Gngel, wie lebft Du dann, denktt Du oft 
Deines (fleibebens? Jcb bin immer in Gedanken bei 
Dir, und die liebe Ceutcbcn machen mir oft die freude 
von Dir ju Jprecben , wie fie Dieb lieben , icb könte, 
wäre die Crennung von Dir mir wenger als fie mir 
ift! recht berjlich vergnügt bei Jbnen feyn , die gute 
Cante febc ich immer wie mein flßüttericben an, und 
die Junge find wie meine ßefchwifter gegen mir, die 
Rike ift mein Schlaf Cammerad. Hber was ift das 
vor ein Ceeben ohne mein anderes ich — mit Unge- 
dult febe ich dem Hugenblik entgegen , der mich in 
Deine Hrme bringen foll, wenn nur das Klettev beffer 
wäre, aber fo wird wohl mit dem ju f ufj gehen nichts 
ju machen feyn. I)öre Ciebes, wilft Du nicht beute 
¥)x. Scbongart fragen, vieleicbt fahrt der flßorgen hie- 
ber, 6r bat ja gefagt, dafj 6r diefe Cdocbe komme. 
Das wäre berlich wenn Du mit Jbm fahren könteft 
und ich flßorgen abend mit jurük käme, ich kan Dir 
nicht fagen , CQie ungern ich mit dem Ord : 6utfcber 
fahre, und doch, wenn ich nicht von Dir abgeholt 
werde, habe ich im Sinn flßorgen früh mit ihm ju 
fahren, ob man mir gleich im I)aufj viele einwendung 
macht. Jcb erwarte beute abend ganj gewis Deine 
beftimte Hntwort was ich ju erwarten habe, Cieber 
enget, mache uns allen wenn es Dir möglich ift die 
freude flßorgen ju kommen. Grüfje mir alle im 
Raufj, Kliffe Dieb mit mir, Cebe wobl bis wir uns 
bald feben. 6wig ganj die Deinige. 

Reinerike D. 
82*] I)einnhe. 

(D.acbla& 8.) 

[Cudwigsburg]. 
in 6yl. 
So eben kommt die I)ofrätbin Cbatarina von 
flßarbacb jurük, nun kan ich die gute gelegenbeit nicht 
vorbei geben laffen ohne Dir ein paar (Horte ju 
fchreiben , diefj ift nun der 3te Brif den Du von mir 
bekommlt, und noch ift mir keiner von Dir juge- 
kommen. Dein das ift ju arg, bald vergebe ich, dafj 
ich Dir vor einer Stunde gefebrieben babe dafj ich 
nicht mit Dir fcbmälen woltc — ach, wann icb Dirs 
nur recht oft fagen könte! I>ole mich doch flßorgen 



ab, welches Vergnügen wenn ich dadurch von dem 
fahren mit der Ord befreit wäre. Dun Ciebes, difj 
wird wobl der lejte Brif von mir fein , jejt weif? id> 
keine Gelegenbeit mehr, flßit febnfuebt febe ich einem 
Brif diefen flßorgen , und mit Verlangen einem beute 
Hbend entgegen, adio Cbeures bergiges flßäncben. 
6wig Deine 

Reinerike. 
Grüfje die Cbatarina von mir. 

Dem Rerrn ßrofeffor 
Danneker. 

83*] FJeinrihe. 

(n.ad}la& B.) 

Cudwigsburg den 12. Oct. 
Cßein Ciebftes. 
Cdas wirft Du denken, ftat meiner einen Brif ?u 
erbalten ? icb kann Dich fchon hören wies über das 
arme SIeible bergeben wird , aber ehe Du fo gahr in 
6ifer gerätbft, fo bore meine Gründe, erltens halt Du 
meinen Brif nun gewis in fänden , in welchen ich 
Dich bitte, bei F)r. Scbongart ju fragen, ob 6r als 
beute nicht bieber komme , nun verfichert mieb die 
flßelle Rike, dafj 6r Jbr gefagt habe bis flßitwocb 
komme 6r, in der ßofnung, babe ich mich entfcblofjen 
beute noch ju warten , ?u dem habe ich ein wenig 
Ralfjweb und ftarken Schnupfen. Hber Cieber, kam 
den mein 3ter Brif ju fpätb um mir wegen Scbon- 
gart eine Hntwort |u fagen? Ceider febeint es, wird 
das Hletter bis flßorgen wieder nicht fo gut, dafj ich 
mich freuen darf dek Du mich ?u fuf? abbolft, aber 
den füfjen 6edanken gebe icb noch nicht auf, dafj Du 
mich beute vieleicbt mit Scb: abbolft, im fall aber 
auch diefe freude mir nicht ju tbeil wird, fo komme 
icb flßorgen Vormitag ganj gewis mit dem traurigen 
Ord : gutfeber, wie febwer mir das ankommt, babe ich 
Dir fchon gefagt, wäre es nicht die frohe Öffnung 
dadurch ?u Dir ?u kommen , fo könte icb mich nicht 
entfchliken. Denke nur, Dein armes Ciebcben jeder 
6elellcbaft preifj gegeben in dem elenden ßirtebkaften 
?u fitjen , I)u ! mir febaudert vor diefem Gedanken, 
und doch — nun genug, wenn beute keine Gelegen- 
beit kommt, fo hält mich nichts in der Kielt auf ju 
Dir ju eilen, alfo Cieber, wenn Du nicht kommft, 
fo lebreibe mir gewis durch den 6utfcber der um 4 Ubr 
in Stuttgart abgebt, den mit der poft bekome ich erft 
flßorgen Dachmitag, der träfe mich alfo nimmer an. 
OQenn Dir diefer Brif ins Scblofj gebracht wird, {o 



40 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



kannft Du ja beim Stecken flßann [?] febreiben , alfo 
ganj gewis bekomme ich beute entweder, meinen 6ngel 
— oder einen Brif von Jbm, indellen lebe wobl, und 
reebne es niebt dem Mangel der Ciebe an , dafj icb 
dielen Vormitag nicht gekommen bin. Viele Viele 
Grüfje von allen an Dieb und iooo Küfje von 
Deiner 6wig treuen 

Reinerike. 

84*] Danmcher. 

(P.icM.ifc B.) 

Pforjbeim d. 26ten [fßai 1809]. 
Mittags 12 Uhr. 
Ciebes gutes Cöeibcben. 
Du kommtt mir keinen Hugenblik aus dem 
Sinn, ich lebe Dieb leiden und Kummervoll in Deinem 
Bette liegen; beruhige Dieb damit du bald gefund 
wirft : 6ott gebe es , dafj wir bald das Vergnügen 
haben uns ju leben. Du wirft Dieb wundern , dafj 
mein Schwager mich nicht nach Carlsrub führte? 6r 
klagte, dafj eins feiner Pferde nicht freffen wolle und 
tbat mir daher den Vorfcblag, ob mich nicht der 
biefige Hdler-CQirtb weiter bringen dürfe? Jcb gieng 
es nicht gerne ein, allein Du weiht, ich bin ju 
billig als dafj icb den Schaden von einem fflenfeben 
und das Ceiden eines Cbieres auf mir haben möchte. 
Ciebes, liebes töeibcben glaube mir ich bin fo trocken, 
daf? ich mich wundere wie die feder den Hbdruck 
meiner halb 6edanken ausdrükt. 6ott febenke Dir 
eine baldige 6efundbeit, damit ich ruhig werden kan. 
Jcb grüfje alle im Rauf? berjlicb und küfje Did) 
1000 mal in Gedanken. Jacob grübt Dich, die Jette, 
Regele, Dominico; und ich bitte ju grüfjen alle die 
fich meiner erinnern befonders die liebe familie. 

Cebe Klobl. 
in 6ile. 
Hn frau 

frau Profeffor Dannecker 
in Stuttgart. 

85*] F)einrihe. 

(flaftlal 8.) 

Stuttgardt den 27 ffiai I1800]. 
Samftag, 1 dbr 
Geliebte tbeure Seele! 
Qnausfprecblicb wobltbätig war es vor mich, fo 
bald Dacbricbt von D i r ju erbalten , difj ftärkt mich 
mehr wie alle flßedijin die ich fo geduldig ver- 



fcbluke! Zu Deiner Beruhigung eile ich Dir ju fagen: 
dafj es 6ottlob vieles beffer mit mir ift, die gräfjlicbe 
Scbmerjen baben faft ganj nacbgelafjen. Cöobl bin ich 
noch nicht, aber in einigen Cagen hoffe ich foll alles 
gut fein, und ich eile auf die beftimte naebriebt von 
Dir in Deine Hrmeü 

Der Hugenblik Dieb wieder j u feben 
ift nun der einjige Gedanke der michbe- 
febäftiget! lieber 6uter! Klenn icb lange ohne 
D i cb fo leben folte, icb würde es nicht aushalten ! 
kommt mir doch der einzige Cag fo lange lange 
vor feit Du von mir bift! es ift alles fo öde und 
ftille ohne Dich mein einjiger! — Die Cbeilnabme 
unferer freunde ift jwar tröftlicb vor mich arme! Den 
gerftern und beute war icb beinahe nie allein , meine 
l Scbwefter, die gute Doktorin mit Jbrem l Kinde, 
f. 6ruberin und die 6 Ott lobin baben mich ger- 
ftern befucht, beute pr. 6ruber, der gute (Bann, der 
mir fagte: 6r habe beute mit Vogelwaid gefproeben : 
dafj icb Dir nachreifen wolle, Vieleicbt finde fich eine 
gute 6elegenbeit! 

Degen der gerftern hier war, und bei Reinricbs 
ju Dacht fpeifjte, befuebte mich auch, und war febr 
verwundert mich hier ?u finden, alles bat grofes 
Mitleiden mit mir! !! 

6erftern und beute nehme icb etwas jum Hb- 
fübren ein , und verfpreebe mir guten Grfolg davon, 
Gott gebe dafj ich mich nicht täufebe! Die Dacht war 
jiemlicb unruhig, befonders mein Hrm der febr ge- 
fcbwollen ift, und mir beinahe das febreiben verwehrt, 
machte mir viele Scbmerjen ! 

Morgen hoffe ich einen l Brif von Dir ju er- 
balten, der mir vieleicbt fagt: wann ich ju Dir kommen 
Tolle, ich bitte Dieb lieber Gngel! febreibe mir nur alle 
Cage, und denke dafj diefj meine einjige freude ift, 
etwas von Dir ju vernehmen! 

Gott erhöre mein eifriges 6ebett und febütje und 
erbalte Dich gefund! fei ruhig wegen mir, bald wird 
alles gut fein, und freue Dich mit mir, der febönen 
poffnung, uns bald ju umarmen ! könte ich in diefem 
Hugenblik ju Dir fliegen, nichts follte mich daran 
hindern ! ! 

Hlles im Raufj grüfjt Dich mit berjlidw Ciebe, 
und nimmt tbeil an der freude die mir die erfte Dad)- 
riebt von Dir machte dem Jacob viele Grüfje von den 
Mädchen und mir, id) kiifje Dich 1000 mal, und 
bleibe Gwig Deine Reinerike. 

Hn Rerrn Rerrn Profefjor Danneker 
aus Stuttgart derjeit in Carlsrube. 



Anhang 



IV. Brkfwecblcl mit Verwandten. 



4« 



86*] Darnieder. 

i n.\*uij B.) 



Carls Rübe d 27ten fflay [1809] 



Ciebe liebe Reinerike 

ölic gebt es Dir? Hiebt wahr, es gebt beffer? 
Hntworte mir, lo bald als möglich, damit ich be- 
ruhigt werde, denn es ift ein elendes Ceben um die 
Clnrube. Jcb kam geftern Hbend um 6 Clbr hier an, 
und ein höflicher öüirtb empfieng mich freundlich und 
freute [ich, dafj ich noch gerade recht eintreffe um in 
die Comedie ju geben. Diefes febien für mich lächer- 
lich mir fo etwafj anjucmpfeblen ju dem ich nur gar 
nicht geftemmt war. Clnfer Cogie mufjte vorher ge- 
reinigt werden, ich ftund auf der Strafje lange (Heile 
plagte mich, ich gieng, was mir vorher lächerlich oder 
ärgerlich vorkam, in die Comedie , betrachte das von 
Cdeinbrenner verfertigte feböne Cbeater die acteurs 
hörte ich ein wenig, der febon angefangene erfte 
Hct ging ju 6nde, und fogleicb trat ein fflenfcb von 
12—14 Jahren auf, fpielte ein flötben Concert vor- 
trefflich, dann gieng ich fort ins freue mit Jacob, und 
fuebte auch CCleinbrcnner auf. Dann jum Dacht 6ffen 
wo ich mehrere artige Rerren habe kennen lernen. 

Um 10 Clbr ins Bett und Du wareft der lejte 
Gedanke. — 

Dielen Morgen der erfte. Jcb habe recht gut ge- 
fcblafen. Heb wenn nur Du gutes Cüeibcben gut gc- 
fcblafen bätteft ! Jcb denke Jacobi (grüße ihn 1000 mal) 
wird alles anwenden Dich bald berjuftellen. Dach 
Strasburg habe ich gefebrieben , und die Hntwort, 
wie Deine 6efundbcit, kan entfebeiden, wie und 
wann meine Bitte, mir ju folgen, aufs bäldefte von 
Dir in Grfüllung kommt. 

Da dieler Brief erft beute Hbend abgebt, fo habe 
ich eine Paule gemacht und den Bildb: Kayfer be- 
fucht, der fieb über meine Hnkunft wie mir febien 
febr freute , er läfjt fieb Dir meine Ciebe empbelen. 
Debcn mir logirt eine luftige ßaut ich kenne ihm nicht 
aber fangen höre ich mit viel Scbnirkel: l'amore e 
un certo che — che consumar li fä. — ich 
glaube das ßegentbeil, fo, che rinascere ci fä. 
empfele und grüfje mir berjlicb die liebe familie. Klas 
macht der arme Philipp ? Hlles was in meinem Htte- 
lier lebt grüfje auch. 

Jacob empfielt fieb Dir und ift febr um Dieb be- 
forgt. grüfje Jette, auch das Regele, fcbwajt fie viel? 
Cdill fie ftill feyn ? — Die liebe fflatbüte wird recht 
um Dich beforgt feyn, küffe Sie in meinem nahmen 



alle, die liebe Kinder! Jcb hoffe bis fflorgen einen 

Brief ju erbalten. Alane Hddrefje ift im Cbreutj, 

ich habe das gewählt aus — Kumer. (Herde gefund 

liebe mich 

ewig Dein Dannecker. 

87*] I)einrike (nach Karlsruhe). 

(IHcblafe 8.) 

Stuttgardt den 20 fflay 9 

Geliebter Cbeurer fflann ! 

Da fije ich febon wieder um mich mit Dir 
ju unterhalten , meine einjtge freude in meiner trau- 
rigen Ginfamheit! 

Du wirft beute meinen erften Brif erbalten haben, 
auch ich hatte das grofje Vergnügen, Dein liebs 
freundliches Schreiben beute ju bekommen , es war 
hohe Zeit! febon gerftern pafjte ich den ganjen Cag 
darauf, D u baft kein Begrif, wie beilig Deine 2 Brife 
den Platj auf meiner Bruft bewahren, Dachts lege ich 
fie unter mein Kifjen , um fanfter ju ruhen ! ! Kläre 
es doch febon beftimt, wenn ich ju Dir kommen 
darf! auf fflorgen als am Dienftag hatte ich mein 
Ziel gefetj, aber fo lange D u nicht fieber bift, ob D u 
in Carlsrube bleiben wirft, kan ich nichts vornehmen, 
auch ift leider meine 6efundbcit noch nicht gut, gerftern 
und beute leide ich wieder febr im Kopf, Hpetit habe 
ich gar keinen , ich fühle wohl dafj ich nicht gefund 
werde ohne Dieb, die Sebnfucbt jernagt mein 
ganjes ödeten ! 

Y)r. Kühnle der mit Deinem 6efärtb von Pforj- 
beim hieber kam , lief? mich durch die Klagnerin 
fragen : ob ich nicht mit Jbm fahren wolte, 6r wird 
in einigen Cagen wieder abreiten, erhalte ich bald be- 
ftimte Dachricbt von Dir, und erlaubt es meine 6e- 
fundheit, fo wäre ich es febon jufrieden etwas damit 
ju erfpabren ! 

Bewahre doch der I)immet dafj Du nicht nach 
Strasburg mufjt, da könte ich nicht allein nachreifen, 
febreibft Du mir aber gleich, und würdeft auf mich 
warten, fo wollte ich gleich kommen, es möchte auch 
fein wie es wolte, wenn ich nur mit Dir reifen 
könnte! 

Klcisgey [?] ift gerftern mit feiner frau und Kind 
angekommen , 6r läfjt Dieb berjlicb grüfjen, und be- 
dauerte mich febr. mit dem armen Philipp ifts noch 
immer gleich, doch gibt der Doctor Hoffnung es werde 
fieb bald beffern, 6ott gebe dafj er wahr redet! 

Rier ift alles beim alten, Von dem 6ärtcben 
kan ich Dir nichts fagen , auch diele freude ift mir 

6 



42 



IV. Briefwecbfcl mit Verwandten. 



noch nicht geworden, es ju befueben, (denn ich nur 
wieder ausgeben honte, um mich etwas ju jerftreuen ! 

Befucbe babe icb Viele Von den lieben Verwand- 
ten . die mir die lange öde Zeit ju verkürjen fueben 
aber o! der vergeblichen ffiübeü alle geben mir viele 
viele 6rüfee an den lieben Onkel auf. 

Die Jette und Regele befonders, auch dem Jacob 
un|ere 6rüfje, und er toll Dich recht lorgfam 
pflegen, bifj ich wieder fo glüklieb bin meine liebfte 
Sorge in Deiner Verpflegung ju finden! — 

Dominiko grüfjt 6ucb berjlicb, auch Fjr. flßak, 
der nun Deine figur ausgegofcen bat. Morgen hoffe 
ich, foll wieder ein l Brif kommen ! lebe wohl, bleibe 
gefund und bebalte lieb 

Dein armes verlafjnes ölaifjlen 
ßeinerike Danneker. 

Jacobi gab mir auch einen beglichen 6rufj an 
Dich auf, 6r gibt mir gute Hoffnung und bat mir 
beute koft bahre pulfer verfebrieben ! o je! 

Hn Rerrn profeffor Danneker 
der Zeit 
Carlsrube [v. d. Poft durcbftr:] Baden 

im 6aftbof jum Creutj. 

88*] Dannecker. 

(nacblafe B.) 

d 2cjten May o 

Ciebe liebe Reinerike 

Caufend Dank vor Deinen lieben Brif, ich war 
gerührt über Deine Zärtlichkeit, 6ott vergelte fie Dir, 
und febenke Dir gutes Kleibcben 6efundbeit. — 

Bifj jejt bin icb noch untbätig UXo icb ju einem 
freund komme lafjt er mich nicht weiter, verliere Zeit 
und bald babe icb es auf diele Hrt ju leben fatt. 
Samstag febrieb icb nach Str:g: P)offe beute eine 
Hntwort ju erbalten, doch jweifelt HIeuibrenner daran, 
weil er behauptet, die 6: R: fey, ebe mein Brif in 
Sts : B : g : ankam, von Strasburg abgereyfjt. Der liebe 
Mann bietet mir an , ihn nach Baden ju bekleiden 
um mich morgen Hbend bei fr: von Venninger mel- 
den ju laffen , dann kan ich Dir gute liebe Reinerike 
erft beftimmt fagen wie die Sache einzurichten wäre. 
Übrigens was willft Du jautern? Du findeft mich bier 
im Cbreutj, ift's das nicht? Dun fo gebe ju Fj: 
OberbauDirect: Kleinbrenner der bringt Dich mit 
leinen Roffen ju mir nach Baden. Jcb denke aber 
beftimmt übermorgen wieder jurüh bier einjutreffen, 
weil ich meine Bedürfnüfje jum Modelt ohne Befehl 



nicht mitnehme. Kurj und gut fobald Dir freund 
Jacobi erlaubt abjureyfen , fo jautere ja nicht ju mir 
ju kommen , je fdmeller je lieber denn der biefige 
Hufentbalt ift feböner als ich mir's dachte. Jcb will 
Dir weiter darüber nichts fdireiben, komm und 
febe es felbft: febön wäre es freilich gewefen wenn 
wir ju meiner faulenjerey Zeit beyfamengewcfen wären 
und in dem febönen 6arten die freie Cuft hätten ge- 
nießen können. I)r: Dir: Gdeinbr: bat auch einen 
febönen 6arten und ich febike Dir die nebmlicbe 
Blumen daraus mit welchen Du mich aus dem dnfri- 
gen beebrteft. Hucb lege \&> Kleeblättcben daju die 
wir da gefunden. Cauter 6lük aber" nur wenn Du 
gefund bift! — ßerjiges gutes ttleibcben Danke den 
lieben Deinigen für Jbre freundliche Befuchc die Sie 
Dir machen, auch in meinem Dahmen, Grüfje alle 
mit warmer freundfebaft jedes von den unfrigen ftebt 
jeden Hugcnblik vor meinen Hugen und bin jedem 
fo gut. — Grüfje mein Httelier, Jacob dankt für 
die gütige Grinnerung und empfiehlt (ich jugleicb, er ift 
brav febläft in meinem Zimmer. £ebe wobl, 6ott febenke 
Dir Gefundbeit und führe Dich bald in meine Hrme 
6wig Dein Dannecker. 

Hn frau Profeffor Dannecker 
in Stuttgardt. 

89*] Dannecker. 

(Dachla]; 8.) 

Carlsrube d 30ten May [1809] 
Dienftags früh 
Eiebes gutes ttleibcben, 

Deinen lieben Brif babe ich beute febon 3 mal 
gelefen. Das Grftemal gleich beim Grwacben, und icb 
dachte mich dabey fo lebhaft vor Dein Bette, dafj ich 
mich beynabe überjeugen konte vor Dir ju fteben. 
ßlükfeliger fflenfcb dem 6ott Ginbildungskraft febenkte. 
ich dankte 6ott im Hugenblik für diefe Gabe die icb 
fo reichlich befije. 

Reute Mittag um 12 Uhr fpeifje icb bei Rr: Di- 
rector Klcinbrenners und fahre mit ihm, wie ich Dir 
fchon gerftern gefebrieben nach Baden um bei der 
fr: Obrift Rofmeifterin meine Sache ju betreiben. Bis 
morgen Hbend werde icb hier wieder eintreffen und 
vielcicbt den 2ten Juni nach Baden mit Dir (wenn 
fieb es tbun läfjt) reyfen. Sollte aber der Ruf nach 
Baden bälder gefebeben , und das kanft Du bier im 
Cbreuj gleich boren, dann fahre gerade ju Rr: Klein- 
brenner, wo Du aufs freundfcbäfftlicbfte erwartet bift. 





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Anhang 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



43 



Du bchommft dort Deine weitere {Harfen Route. Ciebes 
gutes (Heibcben ich muf? febon ausgeben um midi bey 
Rr: 6rafen Benjel Sternau ju entfcbuldigen daf? ich 
beute beym Cbee ?u dem ich gerftern eingeladen wurde 
nicht erlcbeinen kan. Cebe (Hohl, lebe gefund das 
wünfebt Dir von ganjer Seele Dein Dannecker. 

Grüf? ber?licb die liebe unfrige und was von mir 
gegrüfjt feyn mag. Jacob gibt mir auf ftch Dir ?u 
empfehlen wie auch der Jette und an Regele, mit mir 
?u grüfjcn. ich hüffc Dich 1 000 000 mal 

lebe wobl. 

90*] I)einrihe. 

(t)ad)U6 ß.) 

Stuttgardt den 1 Juni [1800] 

Geliebte Cbeure Seele! 

6erftern und beute erfreuten mich Deine IBrife, 
Gott fey gelobt vor die freude die fie mir machten ! 
Dich mein guter 6ngel gefund ?u wiffen über- 
wiegt all mein körperliches Ceiden ! ! ich bin nun fo weit, 
daf? ich gerftern abend unfer liebes Rauf? und 6ärtchen 
befueben honte, aber ich kan Dir nicht befebreiben wie 
öde und freudenleer mir alles vorkam!! 

Bis Samftag fo Gott will, gedenke ich Dir mein 
6in?iger entgegen ?u eilen, aber faft habe ich nicht den 
fflutb dief es 6lük mir fo nahe ?u denken! 
Klarum muf? mein elender Körper die Seele fo oft 
unterdriiken! in diefem Hugenblik fühle ich mich 
fo leicht fo wobl, und fflorgen bin ich vieleicbt Krank 
und 6lcnd! Doch die febönfter aller Hoffnungen, Dich 
bald ju umarmen, wird mich Stärken, und der 60 tt, 
der diefe unendliche Ciebe ?u Dir in mich legte, 
wird mich nicht ?u hart prüffenü! 

(Her mich begleiten wird, ift noch ungewis, Bruder 
Reinrieb machte mir einige Hoffnung da?u, doch D u kennft 
Jbn wie febwer 6r fieb ?u etwas entfcblieken kan. 

Huch meine l Schwefter machte mir entfernte 
Roffnung da?u, allein komme ich in keinem fall, 
und auch allein würde ich ?u Dir 6ilen, nichts als 
Krankheit foll mich davor abhalten! Cdenn Du nur 
noch in Carlsrube bift, wenn ich ankomme, denk 
Dir m eine Cage, Dir fonabe und doebnicht 
am Ziel meiner cHünfcbe ?u fein! ich fchreibe 
Dir auf gut 6lük, komme ich Vor diefem Brif 
bei Dir an auch gut! Reute ift die Rocb?eit bei 
Roffmanns, die Jette und die 3 Mädchen bei Rein- 
riebs find Brautjungfern, diefes und, daf? Reifer Bek 
fflorgen hier predigen, und mein 6aft fein wird, hält 



mich ab, fflorgen ab?ureif?en , bin iebs doch febon ge- 
wohnt fo vieles andern aufjuopfern! mit dem 
armen Philipp gebt es langfam beffer, beute will ich 
den guten Dulder befueben, ich ergreife alles Jbm fein 
Craurigs leeben ?u erleichtern! — Dun adio ?um 
lejten mal, alles grükt nnd liebt Dich den lie- 
benswürdigen! 

Dein Cdcib küf?t Dich ?u 1000 malen 
Reinerike 

Reute ift es unruhig bei mir daf? mein armer 
febwacher Kopf gan? toll ift! ich lehne mich nach 
Stille! 

91*] I)cinrikc. 

(Hacblafc B.) 

Guten fflorgen mein Cbeurer! Qlie baft Du ge- 
fcblafen und wie befindeft Du Dich? mir baft Du 
eine recht gute Dacht bereitet, durch die gute Dacbricbt 
die gerftern Dacht von Dir erhielt! 60« gebe, nur 
dafj alles gut geben möge! 

Gerftern Racbmitag war es mir fehr übel, ich lag 
von j bif? 5 dbr in Deinem Bett, und war recht 
krank, doch als ich mich ftark Srbrochen hatte, wurde 
es etwaf? beffer, dem Concerth konte ich aber leider 
nicht beiwohnen, diefes ift nun fchon mein Cbeil, das 
ich die unfchuldigften freuden wegen meinem Körper 
entbehren muf?! — das Dacht 6f?en ging füll vorbei, 
ich hatte nicht den geringften 6f?luft, beute hoffe ich 
einen befferen Cag ?u bekommen, ich wachte jiemlich 
leicht auf, und die fchöne Roffnung Dich heute wie- 
der ?u feben, wird mich gewis ftärken ! 

Der gute Caftor kan fich faft nicht in Deine Hb- 
wefenbeit finden, er fuchte Dich gerftern überall im 
Schlot? und im Rauf?, war er in der gröften Clnrube. 

6rüf?e mir Degens recht herjlicb, und ich freue 
mich recht bald mit Dir bei Jbnen ?u fein, wenn nur 
das (Hetter und meine Gefundbeit beffer wären ! Hllcs 
im Rauf? befonders Jette und Regele freuten fich Deines 
6ruf?es und geben mir wieder viele 6rüf?e an Dich auf. 

1000 Küfje von mir und vergeffe nicht beute abend 
wenn es Dir möglich ift ?u Deinem harrenden Kleib- 
cben ?u kommen, Gott fcbü?e Dich und erhalte mir 
meinen beften liebften Gngel gefund! 

Stuttgart den 14 fflai 6wig Dein treues cHeib 

fflorgens 6 dbr Reinerike 

Cieber befter Rerr Onkel! Sei grüfjt von ganjem 
Rer?en ^bre geborfamme Dichte 

Jette Rapp. 



44 



IV. Briefwecbfel mit Verwandten. 



92*] I)einrihe. 

(nachlab B.) 

6rüfj Dieb 6ott mein Eieber, fo eben bringt ein 
f urmann von Eudwigsburg das Kiltle neblt dem Brif, 
halte es meiner freude und meinem weiblichen Vor- 
wij ju gut dafj ich den Brif erbrach um ju leben was 
wir bekommen, ich kans kaum erwarten bis ich lebe 



was es i(t. Der furmann will in einer Stunde ju 
mir kommen um nach des Ringlers Befehl eine Quit- 
tung neblt dem Kiftle abjubolen, Du bift fo gut und 
giebft es der Jakobine mit adio mein Gngel 

6wig Dein glükliebes CQeib 
Reinerike, 
in aller 6yle. 



93*] Dannecker an 6eb. I)ofrat Schwab. 

(Coplt bei ditittcrlin, CQat. j. Klürlt. Kltjel*.) 

Stuttgard d 22ten Hugft 1794 

Ciebfter Herr Schwager ich habe mit H- Jfopi ge- 
fproeben , und diefer jeigte mir auch gleich ein Buch, 
in welches die nebmlicbe Sume von 63 Scudi, die er 
von H- abbate marini jum Reifegeld erbalten bat: 
cingefebrieben war. ßr Jfopi fagt der aecord fey ge- 
macht worden , dafj man ibm die her und bin Reife 
bejablen wollte und er habe von niemand weiter 
Reife 6eld erhalten. 

Die gute frau Helferin gebt diefen nachmittag 
mit Jbrem H- Vatter und fr: ffiutter nach Scborn- 
dorff und gedenkt bifj Martini da ju bleiben. Sie 
bat das Eogie in welchem H- Rofratb Kern er ift, ein- 
beftanden und wird hernach vermuthlicb auf immer 
hier bleiben. Hr. Schwager Heinrich empfiehlt fieb 
Jbnen berjlicb und wünfehte eben febnlichft Sie auch 
bey der Caufe ju fehen : Da aber diefes leider nicht 
feyn kan, fo habe ich die 6bre, Jbre Stelle ju ver- 
tretten. flßein liebftes Cüeibcben empfiehlt fieb Jbnen 
und der frau liebften aufs befte und Sie werde mor- 
gen einen Brif von ihr erbalten. 

Mit bereichern 6rufj von mir und der ganjen 
l. familie an Sie und die liebe frau und Kinder habe 
ich die 6bre mit Vollkommener Hochachtung ju feyn, 
Jbr Sie aufrichtig ergebenfter Schwager 

Danneker. 



94*] Dannecker an Rapp. 

(Copic bei Klintterlin, CQat. j. TOürtt. Httaetch.) 

[1802] 
1)0 ho papa, fo fagt Dein lieber ^einrieb in dem 
Hugenblick an meinem Cifch, er macht damit fo ein 
ehrliches ernftlicbes 6eficht dafj man ihn prüglen 
möchte. Die Mathilde ftebt unter der Chöre und 
nagd am Regeles Stiehl. Deine liebe frau gieng ab, 
um Dir ju fchreiben. Die Eina ftreiebt auf der Seite 
herum und die Eotte im Rof fpringt der Pauline 
nach, die Sophie febe ich nicht, doch kanft glauben, 
dafj von den lieben Deinigen alles auf den Beinen 
ftebt, und ich, ich — ftebe in einer Stunde ju Ge- 
vatter. web. — üdie gieng es bif? jejo auf der 

Reyfe? bift doch gefund und baft in 6ais ge — P 

[ge Pouffiert ? (Cü.) ] kanft es hier nachholen an dem 
es nicht fehlen wird: gebe ju Eips ffieyer, und grüfje 
Sie berjlicb von mir. freue Dieb in Deiner Jugend 
ach wenn diefe nur ewig wärtbe ich wünfehe die liebe 
Jugend Dir, wie mir. 6s ift noch Zeit diefe ju 
wünfehen denn ich wäre beute noch mit meinem Hlter 
auf die Gwigkeit jufrieden , du dürfteft meinetwegen 
wohl noch etliche Jahre jünger feyn. ödo Du in 
Zürich ju Bekannten binkommft fo mache viele 
empfehlung von mir, ich bins gewiefj es wird Dir 
gefallen, lebe wobl und vergnügt das wünfebt Dir mit 
mir Deine Schwefter. 

Dannecker. 
Hn Rerrn 

Rerrn Rapp CHecbfel ßerichts Hffeffor 

und Handelsmann. 

Durch Ginfcblufj in Zürich. 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



Briefwecbfel mit Scharf fenft ein» 



95*] Scbarffenftein an Darnieder. 

(nacblaj H.) 6in hurjcr Husjug gedr. in 
Krauf): Danncchers Schillerbütten. 

Reilbronn d 3 flQerj 9. 

Cieber Danneker. 

Bey meiner letjten Hnwefonbeit in Stuttgardt am 
fieujabrstag wohin ich nach ßof citiert wurde, ftrebte 
meine Seele na* Dir unvergeßlicher freund meiner 
Jugend, und doch gieng ich wieder ab ohne Dieb leben 
ju wollen. Cöarum ? weil ich bey Dir eine von allem 
conventionellen und Rofwuft gereinigte freye Stunde 
entweder genieffen wollte oder niebts. 

Klelcbe Gefühlen haften auch an der Grinnerung 
an Dich! 6s find die reinften des Cebens, es ift der 
frifebe Duft feiner fchönften Blüte. Jßit den anderen 
freunden in der Hcademie war es ein Creiben in 
gäbrenden CQirbeln einer exjentrifcben Schwärmerey 
aber mit Dir mit dem praedeftinirten geweybten Bild- 
bauer fand ich das ruhige Schöne fixirt in idealen 
formen. 

Grinnerft Du Dich unferes KIccbfel-Gmpfindens 
und 6enieffens, aber auch ausfcblicklich unfer? Schon 
damalen im 15.-16. Jahr fühlten wir dak keine 
bildende Kunft fo ausgemacht innig dem idealen Schö- 
nen, den gracien verwandt, ja fubordinirt feye als die 
Bildbauerey; dafj jedes ihrer Producten, der nicht 
diefcs concentrierte gediegene 6epräg auf der Stime 
trage Huswurf feye, während dafj bey anderen Künften, 
fclbft in der flQalerey vom wahren Schönen fchwehr 
ju fondernde ditbyrambifebe Contrebande und un- 
fchöne Hatur unterlaufe. Dein Preisftüch ffiilo von 
Crotona vereinigte und that unfrem Sinn genüge. 
Ohne damalen Ceffings Caocoon und das Büchlein 
Herders Plaftic gelefen ju haben, ftellteft Du durch 
Jnfpiration erhabene Männlichkeit im Kampfe mit 
dem Schmer?, während dafj Scbeffauer, friderich einen 
gefchundenen fchreyenden fflarfyas der in allen Cüften 



wolte, wobey der Cöwe die Rauptfigur war, bin- 
ftcllten. Grinnerft Du Dich meiner Cdallfabrten ju 
Deinem kleinen attelier, unfers füllen vorgenoffenen 
Criumpfs, fo oft Du Deinen ffiilo von den naffen 
Cumpen entfchleyerteft ? jedoch es war kein Schul und 
Stech Criumpf, es war ein ftiller ficherer Genus, der 
nicht getrübt worden wäre, wenn Du den Preis auch 
nicht bekommen bätteft. Schon damalen war äftbe- 
tifeber Sinn identifcb mit dem was Du bift, Deine 
Camcraden futd feitber erft nach vielen Verirrungen, 
Copirungen an das wahre Schöne nur geftreift, es 
fejte fich etwas nur vom Schönen an ihnen an. 

6s ift mir überhaupt intereffant über die bedeu- 
tenden unferer damaligen Künftler Cameraden eine 
kurje Revue ju paffiren, und Dir als freund fage üb 
meine einfältige Meinung. Sie find in der fflittel- 
mäkigkeit geblieben. Die Zeit bat keine fchöne frucht 
jur Reife gebracht, fondern eine vergeilte vom genius 
ungefchwängerte Blüte ausgedörrt, ünfer freund ßetfcb 
war unter den fflalern ein viel verfpreebendes Eicht. 
Rläbrend dafj F)eideloff und andere durch fracas ohne 
Söabl und Ginbeit imponiren , fich ein Behelf geben 
wollten , und dadurch grad ihre Geiftes Hrmutb dar- 
tbaten, war ^ctfcb reich durch Seele, durch bedeutungs- 
volle concentrirte fülle im einfachen. Grinnerft Du 
Dich der Preisaufgabe Hpoll unter den pirten ? Fjetfcb 
malte einen göttlich fehönen Hpoll, mit ein paar fub- 
ordinirten figuren, bey denen der Gindruck der fflufic 
modifictrt war. Reideloff malte einen wahren Jabr- 
marekt — und erhielt den Preis, ßetfcb verfpracb 
unendlich viel, bat auch eine hohe Stufe erreicht, die 
wie ich glaube am bellften leuchtete als er aus Jtalien 
kam. CQas feitber aus ihm wurde, wäre Vermeffen- 
beit von mir es beurtbeilen ?u wollen , der feitber 
ohnehin wenig und nur portraits von ihm Tab. Hbcr 
fage mir unter uns, bat fich Retfcb nicht überlebt, 
wurde ihm fein Schwung ungetreu und lies ihn 



4 6 



V. Briefwccbfol mit freunden. 



ftecken, mufjte er von höheren ffluftern genährt, unter- 
ftüjt werden, oder ift er feinen Hnlagen um das ein- 
träglichere portraitiren willen ungetreu geworden? 

Hjel der Hrchitect war wie Du Dich erinnern 
wirft, der Papa und Decbant aller Künltler und man 
hatte einen ungeheuren Refpect vor ihm. Jcb habe 
mich febon damalcn rükficbtlicb feines Calents nie ge- 
täufebt. 6r war gemarkt ein guter Cöerk- und Bau- 
meitter, aber nie ein Künftler nach der Husdebnung 
des HIorts ju werden ; er war von der flßanie be- 
feffen ein originelles 6enie, ein Reformator, der 6r- 
finder einer total neuen Ordnung in der Hrcbitectur 
ju feyn. Diefer ttlurm der in ihm nagte, trieb ihn 
ju uniinnigen Gxcresjenjen auf , wie andere Cdürmer 
diefes bey 6ewäcbfen bewirken, es kam keine feböne 
fruebt juftande. 

Von den Kupferftecbern erwähne ich nichts, weil 
ich unter uns gefagt, lieber Dannekcr, die Kupfer- 
fteeberey nur in fofern ju einer aeftbetifchen Kunft 
jäble als der Kupferftecber ein Zeichner ift. Jch habe 
meine Hrgumenten für diele Hufjerung. 

Cdie fehne ich mich Deine Hriadne wieder ju 
leben! und ach warum kann Deine Gxiftenj folcben 
idealen Schöpfungen nicht einjig gewidmet feyn ! dafj 
Du Schillers Büfte gemacht baft, laffe ich gelten. Diefes 
Portrait ift durch grofje unterbliebe Jdeen Hffociatio- 
nen des beften ffleiffels wertb. Diefe Büfte mufj ohne- 
hin an fieb viel auffallendes Sprechendes haben. 

Schillers Rals war lang und febr fchön , fein 
fflund trug auch in der Ruhe das 6epräg der Be- 
geifterung befonders durch ein angenehmes ausdrucks- 
volles hervorragen der Unterlippe. Seine gebogene 
Dafe war dünner blofer Knorpel, und fab aus beynah 
wie eine bippokratifebe Dafe. Seine Hugen klein in 
einem rotben Rande tiefliegend, feine dicht darauf 
febattende, nicht gebogene, gegen die Hafenwurjel 
inclinirende Hugenbraunen hatten einen ungemeinen 
feelenvollen Husdruck von innerem Ceben. Hber baft 
Du die ganje figur in einer Scbäferftunde der Jnfpi- 
ration gefeben, wenn der 6ott in ihm feine Bruft hob 
und es ihm von den Cippen ftrömte? 6s war ju 
Hffectvoll um fchön ju feyn, auch war feine Stimme 
widerlich abwecbfelnd bohl und kreifebend, er fab über- 
haupt mit feinem blaffen 6eficbt, mit feinen feuer- 
Iprübenden rotb umgränjten Hugen , mit feinem in 
Unordnung wallenden rotben Haupthaar wie ein 
6eift. 

Hlie geijt nun die Kielt, oft kleinlich, nach Reli- 
quien diefes fflannes. diefes fürwahr einjigen groffen 



ßeiftes, der in alle Dimenfionen der mcnfchlicbcn 
Seele hinab, hinauf ftieg, der ihre gröften fcyerlichften 
Momente in 6emälden voll ergreifenden Zaubers 
fixirte, und wer wäre competenter als ich, der inter- 
effanteften Periode feines Cebens, feines Klerdens, 
feiner 6äbrung .... [fortfetjung und Scblufj fehlt] 

96*] Scbarffenftein an Darmecker. 

(DacblaB H.) 

Grat? d. 8. Juny 9. 

Jn meiner Sebnfucbt nach dem frieden dringt 
fieb mir eine tbeure Grinnerung auf. Diefe nämlich 
als anno 1808 bey der Rükkebr aus dem felde Du 
tbeurer Jugend freund jwifeben Canftat und Cdaiblin- 
gen mir mit ausgebreiteten Hrmcn, mit Deinen lieben 
für freude glänjenden 6eficht entgegen kamft, 

flßeine müde jerknirfchte Seele fuebt fieb aus den 
6reueln des atrotjeften Kriegs die mich umgeben her- 
aus ju arbeiten, diefe liebliche Vorftellung feft ju halten, 
mit ihr ju wuchern. Schon vorher und noch nichts 
wiffend von Krieg wenigftens nichts beftimtes, wolte 
icb von ßeilbronn aus an Dieb febreiben , wolte eine 
Scbäferftunde meines nur in der Vergangenheit noch 
lebenden I)erjens mit Dir feyern, als der f eldjug mich 
überrafebte. Hus war es mit allem Cdiegen und fan- 
gen an den 6erechtfamen und Hnfprücben des 6e- 
fübls. Unter den wenigen in der 6il jufamen ge- 
raften Dienftpapieren finde icb mit freude den Brief 
von dem icb fpracb, und den febicke ich Dir als un- 
befangenes unftudirtes Hndenken , als I)injug und 
Grgus meines Rerjens ju Dir, dan wer weifj, ob wir 
uns in diefer Kielt wiederfehen ! 

Cöas icb über diefe Zeiten denke und fühle ge- 
hört nicht bieher, es ift auch fchwer des Hffeckts des 
Hbfcbeues den fie einflößen flßeifter genug ju werden, 
um mit abgejogener Seele einer Cendenj nachjugrübeln 
welche einer guten Vorfebung an die man doch glau- 
ben mus entfpriebt. Von meinen Begebenheiten nur 
das: Jn den öffentlichen Relationen im Vaterlande 
fandeft Du weiter nichts von mir. Von jedem Sol- 
daten unfres Corps wirft Du aber hören können, dafj 
icb an der Spije und mit den bajonetten meiner Bri- 
gade, welche von der Jnfanterie allein da war das 
Creffen am 17 jfuny bey Cinj entfebied. Von mir 
komt kein Cüort, während dafj Ceute mit Decoratio- 
nen, goldenen 6hren Degen belohnt wurden die ent- 
weder nicht dabey waren oder nie den Degen gejogen 
haben , wenigftens nie etwas von der Schwüle eines 



Anhang 



V. Bricfwecbfel mit freunden. 



47 



Schlachtfeldes erfuhren, fragft Du wie das ?ugebt? 
Klie bey Rof, und ich bin ein grader ffienfeh. 

Crophäen die mir auch in der lejten Stunde 
Kühlung juweben werden, befije ich in höchft gerühr- 
ten Dankfagungen von Gegenden wo meine Wirkung 
fich erftreckte. 6s gehörte oft Kraftäufferung daju 
gerecht und menfchlich ?u feyn. Hber mit 6ott voll- 
führte Ichs, und fo mein freund, kan ich Dir mit 
frohem fflutb Jagen daß ich in diefem Schiffbruch aller 
Redlichkeit und ffienfcblichkeit , mein Bewufetfeyn 
rein gerettet habe. Den (Hufen wurde ich nie ganj 
entfremdet, fie fpracben juweilen mein innerftes an. 
Zwar nicht in den aefthetifd^en Journalen und Blätter 
die mir auf meinen Wanderungen in die Rande fielen, 
den da wird meiftens eine kleinliche Krämerey ein 
eckelhaftes anatomiren und wiederkäuen mit dem 
Schönen getrieben , fondern in (Darlehen durch aus- 
gezeichnete ßegenden , im raften unter dem geftirnten 
F)immel fühlt id) mich wunderthätig angewebt und 
durchdrungen von ihrem ätherifchen Schweben. Diefe 
Berührungen , jwar immer mit Cßebmutb vergefell- 
fchaftet, erweichten auch mein I)erj für die Ceiden der 
flßenfcben , aber nicht für die 6efabr, oder vielmehr 
ich war braf um meine fflenfcblicbkeit ju befdiönigen. 
Zur Huffuchung und Hnfcbauung von Kunftwerken 
hatte ich weder Zeit noch Stimmung. Ginige fd)öne 
Hnlagen fab ich (reichen Particuliers gehörig) die an 
wahrer Schönheit, an 6rosheit des Stils alles weit 
übertreffen was bei uns dergleichen vorbanden ift, in- 
jwifeben find die Rauptfacbcn ju gefuchte, gedachte, 
mehr Wirkung anfpreebende als Wirckung tbuende 
Hbenteuerlichkeiten. 6s ilt ?u viel überfatter Cuxus, 
der etwas Pikantes und von Hautgout bedarf. 3m- 
ponirende Partien fand ich kaum, das bringt aber auch 
die Kunft feiten hervor, es ift ein flßajeftaets Recht 
der großen Datur, unsre Hermlichkeit ift in den meiften 
Ilicbabmungen und Begebungen fehr fichtbar. 

Bey Wien d. 20 Hug. 

Qnfer alter Camarad , Kupferftecber Ceybold bat 
mich befuebt, ich hatte eine innige freude den alten 
Knafterbartb ?u feben. Wan ich Raum kriege will ich 
?u ihm um feine Hrbeiten auch ?u feben. 6r arbeitet 
an 20 groben Platten ju einer Prachtausgabe der 
Hieffiade "ach Zeichnungen von füger. Hber neb, ich 
bin jum Voraus degoutirt, den nach meinem 6efübl 
ift die flßyftifcbe maebinerie und monotonie, find diefe 
Weefen der (Beffiade kein Gegenftand für die Kunft, 



fo wenig (unter uns) es diefe (ßeffiade ein 6egcn- 
ftand für ein langes 6edicbt. 

Dun fpricht man viel vom frieden. 6ott gebs ! 
Sine feiner bedeutenden Wobltbaten wird feyn Did) 
einft wieder an meine Bruft ju drücken. 

Dein Scbarffenftein. 

97] Dannecker an Scbarffenftein. 

(DadiU!; H.) 6edr. „I)ie gut (üürttemberg alleweg". Rell- 
bronn 1898, Hr. 259 ; u. I)artrnann, Schillers Jugendfreunde, 
S. 260. 

Stuttgard d i7ten febr. 1810. 

Ja lieber lieber Scbarffenftein ich habe Dein mir 
unausfpreeblich tbeures Schreiben aus dem feld er- 
balten : ich bewunderte darin Deine groke Ginbildungs- 
kraft, Deine tiefe Ginficbten, Deinen (ßut und Kraft 
wie Dein Zartgefühl, ich freute mich von Dir an 
unfere alte freundfebaft erinnert ju werden. Cieber 
Scbarffenftein Du kamft mir nie aus dem Pjerjen ja 
ich darf Dir nicht fagen ohne lächerlich ?u werden, 
wie febr meine Seele an der Deinen hängt. — Wenn 
ich fo ruhig in meinem Htelier bin, an Dich und die 
Kunft denke fo wünfebte ich Dir oft einen feldjug 
nach Jtalien ju machen , Klinkelmann und 6ötbe 
bätteft Du beide erfejt. — Vieleicht wäre aber mein 
freund ein fcbled)ter Soldat geworden welches beut- 
jutag und beinahe immer der wichtigfte Stand ift. 
Was ift der Künftler neben dem Soldaten? — ödeib 
— und flßann. — 

Deinen lieben Brief aus dem feld würde ich Dir 
Jogleicb beantwortet haben wenn ich gewufjt hätte 
wohin ? Du baft ein Königreich nach dem andern er- 
obern helfen, bift mit grofjen 6bren heimgezogen und 
unterem lieben Vatterland grofje Dienfte getban, dafür 
feegne Dieb 6ott! — 

3cb arbeite fleifjig und ringe wie in ftiller Wutb 

höher und höber ju Iteben. lieber freund, glaube 

mir diefe fülle Wut nach Robe und 6bre ift nicht 
nach dem Wort ju nehmen, es ift unfchuldiger wenig- 
ftens fühle ich es nicht anders, es ift nur freude an 
dem Schönen und Ciebe ju meiner Kunft. freund 
komme bieber, wir wollen uns miteinander freuen. 
Hbgüfee der göttlichen ffieifter Werke find in meinem 
Rauf?, ich habe ein Cocale, wo ich einen General 
logiren kan. — Dich liebt und verehrt Dein 

Dannecker. 

(Bein Weibeben empfiehlt fid) untertbänig. 

Seiner Gxcellen? dem Rerrn 6eneral 
von Scbarffenftein in Reilbronn. 



48 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



98*] Scharffenftein an Darnieder. 

(Qad)la6 H.) 

Rerjens freund. 

Huf dem ganjen CQeeg lebwebte mir Deine Hriadne 
vor Hugen, und jetzt noch amalgamirt fich die Vor- 
ttellung diefcs herrlichen fchönen Gebildes mit der 
Gmpfindung Dich an meine Bruft nach lo langer Zeit 
wieder gedrückt ?u baben, auf eine wunderbar wobl- 
tbuende Öüeife. Hufriditig gelprocben , meine ßrwar- 
tung wurde eher übertroffen als getäujcbt. Hur mus ich 
Dir über den erlten totalGindruch etwas berichten. 

Der Panther kam mir etwas ju klein vor. Jch 
glaube Du darfit den pantber hier nicht als blofes 
Httribut, als Hebenfacbe anfeben, er gehört als 
wefentlicber integrirender Cbeil jur total tHirkung. 

Deine Hriadne i(t nicht die febnende des Cbefeus, 
fondern die getröftete des Bacchus, fie fijt auf einem 
feiner Panther, holde Schönheit beberrfcht mit füfcer 
Gewalt ftarke Klildbeit, der Panther muh für Klolluft 
über die fchöne Caft brüllen. CQelch bezaubernder 
feffelnder Contraft! 

Klofern Du diefe meine reverie mit einiger Huf- 
merkfamkeit beachteft, wird und mus Dir einfallen ju 
fragen: Hber wo foll ich den Block hernehmen, alle 
Hnftalten find auf das fflodel berechnet? Göie, um 
eine ftärkere fflaffe ju gewinnen, könnteft du nicht 
den Panther entweder liegend, ruhend oder beffer, im 
Huf ft eben begriffen vorftellen? 

6r bülte fich getuckt um die fchöne Caft aufzu- 
nehmen, und nun foll es gehen wohin fie will. 

Überhaupt darf dieler pantber in der Sculptur 
nicht obenbin bebandelt werden, er mus ein prächtiger 
imponirender Kerl feyn. Jn Deinem attelier war ich 
dumm ich wufjte nicht recht über die fülle der ein- 
drücke von fo vielen fchönen Sachen an die ich wegen 
der Kürje der Zeit nur fo ftreifen durfte, was ich 
fd)wajte, und fo frug ich auch wegen den rauben 
paaren des Panthers. Dein, glaub ich, er darf nicht 
raub feyn, das war kleinlicher Behelf und wider die 
Dafür, aber die pantber haben an einigen Cbeilen 
Baarbüfcbeln. Diefe muffen ordentlich gemacht werden. 
Die ßauptfacbe ift die Darfteilung der fflushel und 
Sehnen Kraft. 

Hdieu ich küffe Dieb und den fchönen Wintern 
Deiner göttlichen Hriadne. Der pantber jerreiffe den 
halten Pedanten, der nicht von ihrem liebreizenden, 
Zauberifcben nimbus ergriffen und gefeffelt wird. 

Dein alter treuer Scharffenftein. 
Fjeilbronn d. 7. fflerj 1810. 



99] Scharffenftein an Dannecher. 

(J^artmatin, Schillers Jugendfreunde, S. 176 f.) 

Reilbronn, Hnfang Januar 1812. 
(Briefkonzept.) 

Deine flüchtige Umarmung auf der Strafte, als ich 
aus dem ßofgewübl mich falviertc, war der Segen 
meines Cags. Je?o muf? ich aber mehr baben und 
ich mufz wenigftens eine Stunde bei Dir zubringen. 
Dicfes kann am 6ten gefcheben, wo ich wieder nach 
Stuttgart muf?. Jch werde diefe Stunde noch mit 
Dir ausmachen. Übrigens wann ich Dich nicht feben 
kann, fo will ich auch das Schöne, was von Dir und 
bei Dir zu feben ift, lieber nicht feben. 

Jn den Königlichen Gemächern fah ich ein neues 
Cableau von J)[etfcb] , Daniel in der Cöwengrube. 
Kompofition und Zeichnung fcheint mir recht brav, 
aber die Karnation des nackten Daniels fiel mir febr 
widrig auf. 6s ift kein reifes fleifch, es ift wie ein 
frifcher Schaden, als von Daniel gefebunden, und wie 
wenn ein neues fleifch angewaebfen wäre. Blutig, 
kalt, nicht zeitig warm. Fj. mufj diefes fleifch nach 
irgend einem unferer blondins oder Rothaarigen ge- 
nau kopiert baben, aber das ift das rechte fleifch nicht 
und ohnehin ift in unterem winterlichen Klima durch 
die ewige Kleidung alles vor dem Kontakt der Cuft 
der Sonne verwahrt, es bekommt feine kräftige Cebens- 
farbe nicht. I). hätte nur bedenken Jollen , dafz der 
fchöne Jüngling Daniel ein Orientale war. Klas mich 
vollends ärgerte, war die färbe des übrigens fchön 
geworfenen Gewandes, es ift lila, es kontrahiert nicht 
und fiebt faft aus, als wenn Daniel fich mit der 
eigenen Raut hüllte. 

Sich, diefe Ketjereien fage ich nicht dem profeffor, 
dem grofjen Künftler, fondern dem herzigen Jugend- 
freund Dannecker, der, mit meinem Daturtakt zufrie- 
den, denfelben oft ?wifchen vier Hugen und noch mehr 
zwifchen jwei der wärmften tjerzen keck machte. 

100] Scharffenftein an Dannecker. 

(Rartmann, Schillers Jugendfreunde, S. 177 ff-) 

Reilbronn, ohne Datum, wohl bald 

nach dem 6. Januar 1812. 

(Briefkonjept.) 

Gottlob für die Stunde, die ich bei Dir zubrachte, 
ich bin noch voll davon , und Du , geliebter freund, 
warft der geweihte priefter, der mich aus der fratjen- 
welt des I)ofs in Deinem Kunftelylium wieder froh 
atmen liefjeft. 



Anhang 



V. Briefwccbfel mit freunden. 



49 



Das Cableau von Schieb [Hpollo unter den Wir- 
ten] i(t das liöchftc und Cieblid)ftc , was ich je lab 
und ahnen konnte. Doch geniefjo ich, wie die Perfo- 
nen des 6emäldes, den nachklang der göttlichen Sen- 
fation und kann in die[cr Stimmung nicht belcbreiben. 
Vielleicht febicke ich Dir nächftens etwas von urteil 
oder vielmehr von 6rgufj, denn die belte Beitreibung 
diefes außerordentlichen Cöerhs wird jum Gedicht. 
Vorderhand nur das: Sd)ick jeigt fich hierin als großer 
geittvoller pfycbolog , dafj er den Hpoll nicht Ipielend 
dar[tellt, dann wäre in dem gefpannten Hffekt der 
Hufmerkfamkeit Monotonie unvermeidlich gewefen! 
Hber der Icböne göttliche fremdling bat eben aufge- 
hört und auf der Cever mit dem Hrm fich ttütjend 
Ipricht er mit der Umgebung. Der Zauber der olym- 
pifeben ßymne ballt nach in der entfeffelten Bruft der 
I)örer, das Hb! der 6ntjückung, die Reflexion über 
den Genuf} einer im Jnnerften aufgegangenen feböneren 
Kielt fpricht fich aus mit reicher Mannigfaltigkeit in 
den herrlichen griechifeben 6eftalten. Sieb, die Huf- 
faffung diefes Moments ift nach meinem Sinn (und 
ich glaube, es war der Sinn des Künftlers) eine der 
böchften Konjeptionen. Und wie ift diefe ausgeführt. 
Schick wird fterben , denn diefe Grfcbeinung ift der 
Scbwanengefang der reiebften, febönften Künftlerfeele, 
einjig! 

Doch einmal, keine Hnalyfe und nur für jetjt 
eine Umrahmung , wodurch Schick fich bei mir als 
Seelenkenner bewährt. Hllc ffläddwi find in den 
febönen 6ott verliebt, nach verfebiedenen Charakteren 
und 6radationen, bei den Männern , fiebt man, ift 
die ttlirkung mehr nach innen. 

Zuletjt etwas, aber in privatissimo. Jch frage 
Dich: ift in diefem 6emälde die Raltung des 6anjen 
nicht einigermaßen der fcffclndcn Crefflicbkeit des 6in- 
jelnen untergeordnet? find f iguren , die ihrer 6röße 
nach gegen die des Vordergrundes notwendig nach der 
Regel der perfpektive entfernt find, nicht ju fcharf, 
ju individuell ausgemalt, anftatt in der leichten Däm- 
merung ihres Standpunktes ju erfebeinen ? 

Dein Hmor ift der echte wahre 6ott Hmor und 
Du halt der allerböd)tton wunderlichen vagen Jdee, 
die Dir ?ur Husfübrung gegeben wurde, einen gefebeiten 
fpreebenden beftimmten Sinn gegeben. Dein Hmor 
febofj fehl, fd)ämt fich, trutjt entjückend febön, wie 
Du fagft, fein pfeil prallte ab, allenfalls von der 



Hgide der Minerva. Hber es ift ?um Collwerden, 
wenn ihm, wie Du fagft , die bekannte trottende Jn- 
febrift untergefetjt wird: qui que tu sois, tu vois 
ton maitre u. f. w. 

Doch eins, id) habe Dieb nicht betrüben wollen, 
aber jetjt muß es heraus: Dein vieles porträtieren 
ärgert mich. Klerden Dich denn die Molcbhöpfe auf 
die Dachwelt bringen , wenn Du fonften nichts ge- 
macht bätteft? 6s ift profanation der Skulptur, wenn 
fieb unbedeutende Vornehme oder reiche Cropfen und 
erjgemeine 6efichter fo haben wollen ; diefe miferablen 
Ggoiften Jollen fich in 6ips, in CQacbs mit F)aut und 
I)aar abformen und den 6uß anftreieben laffen, das 
fiebt ja nod) viel gleicher. Büften Deiner r>and ge- 
hören dem Jdeal oder unterblieben fflenfeben. 

Unfer alter Kamerad ßaug befuebte mich nod) 
am Hbend des Cags, wo id) Did) fab, er war recht 
berjlicb (welches die witjigen fflenfeben feiten find). 
6r ift ja Redakteur des fflorgcnblatts ! Hber, wie id) höre, 
denn ich halte es nicht, ift diefes Journal anfangs recht 
fade,wcnigftens diente ein Blick, den ich von ohngefäbrim 
Monatgang üovember 1811 Dr. 30, Hrtikel Korrefpon- 
denj-ßacbrid)ten, Kaffel 15. Dovember, hineinwarf, febr, 
diefes Urteil bei mir ju beftätigen und disrekomman- 
dierte überhaupt febr eine Sdwft, die in diefen demü- 
tigenden Zeiten aud) mitunter jur Cendenj haben 
Tollte, an der f)and des nod) unangefochtenen Schönen 
Dationalwürde ju pflegen. Mit Jndignation las ich 
die Befcbreibung des 6eburtsfeftes des Königs [Jerome] 
von einem äftbetifeben Kriecher und Renegaten feiner 
Ration. Hn einem Cag, der im Grunde ein Bußtag 
jedem biederen Vaterlandsfreunde fein follte, jubelt der 
fafelnde äftbetifche Korrefpondent und ift von der 
Rerrlicbkeit, von dem Cicbtglan? des Rofs und von 
der 6lückfeligkeit , wcldie dadurch ausftrömt, gan? 
enchantiert, befchreibt wie ein r)ofmarfcball mit 6m- 
pbafe die eleganten 6quipagen , die Hnordnung von 
6ßwaren, Eotterien, die CClallfabrt der beglückten 6in- 
wobner dahin ! ! Doch genug von dem animus diefes 
Hftbctikers und ein paar CQorte von feiner Hftbetik, 
weil doch das Morgenblatt fo krittlich in dem Punkt 
ift. Diefer Korrefpondent Ipricht von einem „poetifeben 
Caubenbaus", von „gebratenen 6änfen und 6nten, 
weldie aus dem reinlich jugedeckten Korb den Kopf 
verräterifcb berausftrecken. Jntereffant war der Hn- 
blick der pbvfiognomien" u. f. w. Pfui Ceufel über 
den H... lecker! CQie kann F)aug fo was paffieren 
laffen? 



50 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



101] Dannecker an Scbarffenftein. 

(Ilachlalj H, gedr. „RU gut fHürtteniberg allewcg", 1898, 
Dr. 259, und In Fjarlmann, Schillers Jugendfreunde, $. 261.) 

Stuttgard, d igten Hpril 1812. 

Ja, ein fauler Gefell bin ich, und ich gettebe dafj 
ich recht berjlid) lachen mufjte, daf? Du mich jo richtig 
und wahr mit dem faulen 6efellen an piaj fejteft. faul 
bin ich aber dennoch kein kalter fflicbel, glaube mir 
Du ftebft manche Stunde vor mir und denke wenn ich 
die Sache in Gedanken mit Dir abgetban habe dafj es 
febwarj auf weif? vor Deinen Hugen liegen. Deine 
feine tiefe Bemerkungen über Scbiks 6emäblte ift fein 
und rein aus dem fflenfcblicben herausgenommen fo 
wie das Bild aus dem rein fflenfcblicben jufammen- 
gefejt ift. Jcb habe was fieb tbun lief}, dem ffleifter 
diefes Bildes vorgelefen und er bat fich fehr darüber 
erfreut fo tief verftanden worden ju feyn. fflir war 
Deine Jdee neu, daf? das Kleib Hpollo anderft be- 
wundert als der fflann ; Heb lieber freund wie febr 
wünfehte ich Dich öfters hier ju feben ! — Meinen 
Hmors Kopf follft Du haben aber lieber id) mufj Dich 
bitten einige 6edult ju haben, weil die form von der 
Statue in berrfchaftlicber Verwahrung liegt, und id) 
abpaffen mufj bifj ich Gelegenheit erbalte einen Hbgufj 
davon machen ju können, fflein Hmor fehlt Dir 
nicht, der bleibt Dir beilig. — 

Buften liebft nicht, es gebt mir wie Dir wenn 
befonders kein Jntereffe als ein glattes 6e!icbt beraus- 
fiebet und doch müfjen fie gemacht werden. — es 
bat fein eigenes intereffe das mich wie Du von mir 
glauben wirft, nicht befonders ansieht. Cebe glücklidi, 
das wünfeht von I)er?en Dein Dich liebender glük- 
licher (wenn gleich fauler 6efell) 

Dannecker. 

102] Scbarffenftein an Dannecher. 

(f^artmann, Schillers Jugendfreunde, $. 179.) 

Ulm, 5. Huguft 1815 [nachdem Cempp in Dann- 
eckers Huftrag gefragt, ob Scbarffenftein die Hdreffe 
von einem Öfterreicber, die er bei feiner Rückreife von 
CQien unter dem Cor in CUm abgegeben , erhalten 
habe]. 

Jcb babe feinerjeit die Karte bekommen, die Dir 
Berr v. Sonnenftein in Cinj für mich gab und die 
Du beim Durchreifen am Cor hier abfetjteft. Jd) ver- 
nehme auch dann und wann einen Grufj von Dir. 
Das ift nun recht gut und freut mich jedesmal beg- 
lich, allein wegen Ein? bätteft Du wohl nach Deiner 



Heimkunft mir einiges über die Gelegenheit und das 
Zufammentrefjen , wo von Deinem alten freunde 
ehrende Grwäbnung gefebab, febreiben können. Du 
bift eben in fo etwas ein fauler Bund. Das wenig- 
ftens bitte ich Did) mir wiffen ju Kiffen , ob Bcrr 
v. Sonnenftein noch Kreisbauptmann in Cinj ift. Jm 
fflorgenblatt las ich letjtbin etwas von Dir und über 
Deinen Hmor. Diefe Cobbudler verfteben Dich und 
die Kunft nicht. 6s verftcht und liebt Dich beffer 

Dein alter $. 

103] Dannecher an Scbarffenftein. 

(ßadilaj H, gedr. „I)ie gut Htürttemberg atleweg, 1898, 
Kr. 259. Fjartmann, Schillers Jugendfreund«, S. 261 f.) 

Eieber, Cieber unendlich lieber freund! 

Du baft recht, im Brief febreiben bin ich ein 
fauler Bund, warum, will ich Dir Jagen. CQeil mir's 
gemütbücbor ift, bei meiner Hrbeit an den freund ju 
denken; gebt lie nach Klunfcb, fo wünfebe ich dafj Du 
es feben möcbteft; geht fie fchlecht, fo wünfebe ich nach 
Deinem Ratb; Du ftebft mir oft vor Hugen und im 
Berjen. Cüas fagft Du daju? ölenn ich einen Cbriftus 
mache? — fflit Zeichnungen Profil babe ich ange- 
fangen den Kopf ju ftudiren und bereits den 23lten 
fertig; der lejtc ift bei weitem der befte. Das Jdeal 
muf} ftudirt feyn, es kommt nicht im Gufj, er mufj 
febon Cbriftus Bildnifj haben, wo fteckt diefes? — Jcb 
babe es fo weit, dafj der lejte von Hit und jung von 
dum und gefcheit als ein Cbriftus anerkannt wird. 
Diefes ift aber noch nicht alles, er muf? die Käufer 
u. Verkäufer aus dem Cempel jagen und die Kindlein 
ju fich rufen. Jcb will Cbriftus vorteilen, wie er der 
fflenfebbeit ju ruft, „folget mir nach". 

6s gibt Ceute die glauben ich wäre daju nicht 
from genug, ich will nun Dich bitten mich noch mehr 
ju begeiftern , nur der reine fflenfcb , der die ganje 

fflenfebbeit liebt, kan mir helfen. Du gabft einen 

grofjen Beweifj davon in Cenj [£inj]. Du glaublt 
nicht, wie glüklich ich in Klien , an einer fflittags- 
Cafel von obngefebr 20 perfobnen bey einem Ban- 
quier war, neben mir fafj ein Ben*; fragte mich ob 
ich Klürtembergifcbe höhere Officiers kenne? Ja. Ken- 
nen Sie General Scbarffenftein ? Hnt. recht gut. „0 
das ift ein vortrefflicher fflenfcb, Sie glauben nicht, 
wie febr ihn die Stadt verehrt und liebt , ich fragte 
den ¥)r: nach feinem nahmen den ich nimmer ver- 
geffe. 6r ift nun in CQien angeftellt weifj aber nicht 
mehr wie? Klollen Sie die Güte haben meinen nahmen 



Anhang 



V. Briefwecbfcl mit freunden. 



51 



bei der Durdireile diefem vortrefflichen flßann geben? 
Von Rerjen gerne. Ja wenn General Scbarfcnftein 
beute als ein armer fflann nach Cenj käme, morgen 
wäre er der reiebfte flßann. (Has ich hier febreibe ift 
keine Cobbudclcy wie über den Hmor, doeb mufj ich 
lagen er bat die Jdce von mir aufgefaßt. Jch boffc 
mein Hmor foll mein beltes werden, wenn gleich die 
Königl. Hufgabc mieb febr in Verlegenheit brachte. 
6r beneilte nebmlicb einen Hmor von 4 Schub 8", 
Hlter 11 Jabr der in einer Rand den Bogen , in der 
andern den Pfeil unter (ich hält, u. unter fieb liebt. 
Jcb merkte gleich, dafj diefes auf einen aus feiner 
Umgebung anfpiele, war auch dadurch febr gedemütbigt, 
glaubte fogar, die Kunft dadurch berabgefetjt. 

Jcb verfertigte das fflodel nach der Hufgabe, und 
lieh es in fflarmor ebauchiren , aber an die Vollen- 
dung desfelben mochte ich nicht denken, weil es nicht 
aus meinem Rerjen kam, ich lief? es gegen ein halbes 
Jabr unberührt fteben, mein liebes Klcibcben bewun- 
derte die 6edult des Königs, ich faftc einen andern 
Sinn andern Husdruck und bekam flßutb ?u der Be- 
arbeitung. 

Jcb dachte mir Hmor von der Pfycbe tiberwun- 
den und durch glühend Oebl aus der Campe verwun- 
det, dadurch ilt er nun der reine Hmor, feine Ver- 
wundung auf dem Schulder Blatt ift ein herrlicher 
Sinn, hier Tijt der flügel, nun ift er nicht mehr fo 
volage, fondem ein göttlich reiner Hmor. Jcb denke 
bis auf den Rcrbft ihn ju vollenden, allgemein wird 
der Husdruck bewundert; nebmlicb es gebt etwafj in 
ibm hervor, weifjt felbft nicht was? — 

Der Husdruk ift wahr und wenn gleich als ge- 
mifchter Husdruk für jeden anfpreebend. Du fiebeft 
dafj es nicht ratbfam ift, mich wegen faulbeit ju 
fcbelten, nun bift Du mit meinem ßefebmier geplagt, 
ich will enden , Dich berjlicb bitten mir bald wieder 
ju lebreiben. 6ott febenke uns ruhige Cage, ich liebe 
die wirglich auch, weil ich boffc, fie führen ju etwas 
befferem, diefe müfjen und werden kommen. 
6wig Dein Dannecker. 

Stuttg. d. 12t«" Hugft 1815. 

104*] Scbarffe-tiftein an Dannecher. 

(Dad)lal; H, Uilw. gedr. in I)artmann, Sdnllcrs Jugendfr.) 
Ulm d io Hug. 1815. 
Dein Brief berjiger freund, bat mich recht innig 
erquickt, auch warft Du diefesmal im Schreiben kein 
fauler Rund. Dafj Du im Cieben es nie warft, weis 
ich fo lange ich Dieb kenne. 



Dein Vorfaj einen Cbriftus ju machen entjücht 
mich, der 6egcnftand, diefes Bild und Jnbegriff von 
Grbabenbcit, Schönheit und erbarmender Ruld und 
Ciebc eignet (ich febr gut für die piaftih und ich bin 
feft überzeugt, dafj Du ibm gewachfen bift. Jn den 
Hntiken findeft Du die nötbige Roheit und Schönheit, 
allein den Raupt Cypus von Cbriftus, die durch einen 
Rauch von Crauer durch leuchtende erbarmende 
Ciebe, das 6emütb von Cbriftus, mufjt Du allein 
aus Deinem eignen Gemiith herausbringen, die Hn- 
tiken haben nichts dergleichen, Du wirft es vollbringen, 
und es wird Deine Künltler apotbeofe feyn. Jcb mufj 
Dir fagen , dafj Du mich mit Deiner Cöabl des mo- 
ments mit Bewunderung überafebt baft; es ift keine 
folcbe Kunft einen leidenden, einen im Cempel jürnen- 
den, einen Kinder liebkofenden Cbrittus ju machen, 
aber, der, der flßenfcbbeit : folget mir nach zu- 
rufende Cbriftus ift das allerböcbfte, einjig und febwerfte. 
6s ergreift mich mit Ringebungs Hnbetungs Schauer 
wenn ich diefes Bild denke — ich febe etwas davon 
aber nicht fixirt und deutlich, es ftebt in einem heiligen 
ßimbus, blos Du geweybter Bildner, kanft es unver- 
wandt deutlidi anblicken und dem fflenfehen wieder 
binftellen mit diefer ergreifenden 6lorie. 

Dun etwas von Deinem Hmor: ffieine Huferung 
von unverftändlicber Eobhudeley wirft Du begreifen 
wenn ich Dir eine Stelle eines Briefs von mir an 
Jxküll über diefen Gcgcnttand mittheile. Nota bene 
nicht grad aus abfolutcr deferenj für feine Competenj 
und empfänglichkeit in diefen Dingen, lebrieb ich ibm 
davon, allein es taugt überhaupt in feinem Kram, wir 
Icbmben uns juweilen und ein geiftvoller fflan ift er 
gewis. Die Stelle ift : 

(JQabrfcbeinlicb ift Jbnen Daneckers gipferner Hmor 
bekant? Denn jejt erft wie ich glaube, ift die Rede 
davon ihn aus marmor ju bauen. Vor einigen 
Jahren, bey Beficbtigung diefes damals im flßorgen- 
blatt febr gelobten , vom König beftellten Stücks, 
hört ich meinen Danecker Jagen : er hätte nicht recht 
aus des Königs Jdee kommen können, der, ich 
weis nicht was für einen Hmor mit herabhängen- 
dem Bogen wollte und, um jedoch bey diefem Ding 
einen Künftler Sinn ju retten und jugleicb den Bc- 
fteller ju befriedigen hatte er einen Hmor dargeftellt, 
dem man es anfeben mus dafj er fehl febos, deffen 
Pfeil, wenn mans allenfals annehmen will von 
Pallas Hegide abprallte, der deffwegen fchmollt, und 
es ift wahr, Danecker hatte in diesem allerliebftcn 
mutin 6efichtchen diefen Husdruck unvergleichlich 



52 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



wabr hingelegt. Jn einem der neueren fflorgen- 
blätter komt ein Meines Gedicht von Raug vor — 
Hmors Cäuterung (pfycbes amor) das Gedicht ift 
an fieb wirklich Jcbön , poetifcb finnig, fiun wird 
aber in einer Hnmerkung gelagt, dis wäre die Jdoc 
die dem Danecker bey der Schöpfung feines Hmors 
vorgefebwebt hätte! 

Die feböne finnige fflytbc von Hmor und Pfycbe 
(alfo Hmors Cäuterung) ift glaube ich die geiftigfte, 
ja, myftifcbtte des Hlterthums, wie feben wir fie 
aber in der plaftifcbcn Darftellung vcrfinnlicht? nicht 
anders als durch eine Umarmung, einen cHecbfelhufj 
des Hmor und Pfycbe, alfo einen finnlicbcn deut- 
lichen Hct. Der geiltige Gedanke fpriebt fieb und 
kan fieb nicht anders klarer, lieblicher, feböner pla- 
ftifcb ausfprechen , und nun will unter aeftbetifcher 
.OQorgcnblättler die Verfinlicbung diefer flßyftik einem 
ifolirten Kindergeficbtcben andichten! Hber wie fdion 
gefagt, Danecker ift unfcbuldig, und wollte das nicht 
und folebe Bewandnis, folchen Bejug jum alten 
Künftlcr mag es meiftens haben mit dem theoretifcb 
declamatorifchen galimatias untrer Cagc fflit unfrer 
"Vergeltung, mit untrem haut goüt können wir 
diele einfach feböne reife Datur nicht rubig vergeben, 
mit ihr eins feyn etc. etc. — 

Hus dieter Stelle wirft Du erleben daß ich Deinen 
damaligen Sinn bebalten hatte, und fo fort confequent 
raifonirtc , nun aber gibft Du mir in Deinem Brief 
eine andere Hnficbt, Du willft wirklich den geläuterten 
Hmor darftellcn. Sinn, mithin auch form und Hus- 
druck find verändert, und der fflann im flßorgenblatt 
bat Dich nicht misverftanden. 

6s wäre in jedem fall febr unbetebeidene Hn- 
maffung von mir, wen ich, treflid)er freund, über- 
haupt über irgend eine Conception von Dir, und be- 
fonders über diefe, von deren Husfübrung ich nichts 
fab, aburtbeln wollte. 6s fey aber dem, einigen Cackt 
bebenden freunde vergönnt aus Hnlaf? der einigen 
Daten Deines Briefes über Deinen geläuterten Hmor, 
auch einiges Dir ju bemerken ! 

Die Dichtung von Pfycbes Überwindung des Hmor, 
die Verwundung mit glühend Oel, der gelähmte flügel 
und das alles ift gewis finnig Jcbön und begeiftert 
Dich ju Deiner Conception, ich laffe es gelten, mus 
aber annehmen dafj Du dabey beherzigt baft: 

Die 6rän?en und das Riefen der Dicht — jur 
bildenden Kunft, welches Dir febon als gebobrncr 
Bildner infpirirt war eh Du es in Büdier fandeft. 



Dabin gebort: ob von dem gelähmten flügel der jwar 
ausfpriebt dafj Hmor nicht mehr volage — aber viel- 
leicht malgre lui feyn kan, fogleicb auf einen göttlich 
gereinigten Hmor wie in Deiner Beitreibung gefprun- 
gen werden kan, Ob nicht diefer fijendc flügel für 
den, der die fabel nicht weis , eher einer pbififd)en 
Verlegung (welches unaefthetifcb wäre) gleich liebt, als 
daf? er einen geiftigen 6edankcn ausfprechen foll. Ob 
diefer fijende flügel der barmonie des ganjen nicht 
febade? Hlles diefes darf mir aber nicht mehr bedenk- 
lid) feyn, nach dem Du mir fagft dafj der Husdrud? 
die Cäuterung ausfpriebt. Das ift nun wahrhaftig 
febr viel, und ich will hoffen , Du traueft hier mehr 
Deinem Künftlergefübl als der Coberey anderer. 

0, wenn ich doch juweilen bey Dir feyn könte 
auch um den Kluft der Zeiten ju vergeffen ! Zwar bin 
ich in fo fern mit Dir ein verbanden dafj diefes gäb- 
rende Cbaos etwas gutes — eigentlich eine Cäuterung, 
weil doch von Cäuterung die Rede ift, hervorbringen 
wird. — aber vielleicht doch nicht anders als durd) 
furchtbare Gxplofion. Die Kunft ift für die wandel- 
bare Kielt das afil, die ewige Campe des 6uten und 
Schönen. 

6s thut mir leid, dafj Rerr v. Sonnenftcin nicht 
mehr in Cinj ift , weil ich ihm vielleicht in einer 
Scbäferftunde der Erinnerungen gefebrieben hätte. Hus 
jwei feldjügen bracht ich nebft einen gutem Bcwuft- 
feyn, die freundfebaft diefes edlen Mannes jurück. 

Das Schreiben ift mir auch wie gift, aber an 
Dieb, und weil Du es gewünfeht baft, febrieb ich dielen 
langen Brief gern. Hdieu guter, febr tbeurer flßcnfcb, 
ich drücke Dich an meine treue freundes Bruft. 

Scbarffenftcin. 

P. S. (denn Du gelegenbeitlicb unIren freund 
Cempp fiebft, Jage ihm dafj ich feine Sachen bekommen 
hätte durch Zeitler — Du wirft auch Dich gefreut haben 
den alten Knafterbartb ju feben. 



105*] Scbarffenftcin an Dannecker. 

(nacblal; H.) 

Ulm d 21 Scpt 15 

Jch habe Dir mein Rerjens freund vor obngcfebr 
4 Blochen einen jiemlich langen Brief mit meinen 
6edanken über Deinen Cbriftus und amor gefebrieben. 
Klenn Du, wie ich nidrt jweiflc, dielen Brief erbalten 
baft, fo möchte ich doch über meine Hnfidtf ein paar 



Anhang 



V. Bricfwecbfel mit freunden. 



53 



belehrende tHorte von Dir haben, nur etwas weniges, 
üdenn ich läge, belehrende (Horte, fo ifts gewis red- 
lich von mir gemeint. Denn obgleich ich mich Tc it 
langer Zeit wenig um manches was in allen fächern 
in der Kielt cr!d)cint bekümre und darüber wenig 



denhe, fo ifts mit dem was von Dir emanirt für mich 
ein anderes; es ift mit der Ciebe amalgamirt, die uns 
ganj früh verband, die immer ein 6ut , eine Dotb- 
wendigkeit meiner Gxiftcnj war und bleiben wird. 

Dein Sd)arffen[tcin. 



Bricfwecbfel mit Schiller. 



106] Rapp an Schiller. 

(?)arttnann, Schillers Jugendfreunde, S. 254.) 

St. 13. Juli 94. 
Dannecker und feine frau grüfjen Sic järtlicbft. 
Über den langen Verjug der Büftc Jollen Sic ja nicht 
ungehalten werden. Der gute Ctüllen hat nichts daran 
gehindert, aber die frongefd)äfte, denen man fich nicht 
entjicben kann .... 

107] Rapp an Schiller. 

(Scnllter-Cotta, S. 21.) 

[St. 18. Sept. 94.] 

. . . Diefc CQocbe habe ich durch Cramers 
F)ändc das Bild von Dannekern an Sic abgefchickt 
und hoffe, daf? es gut behalten ju Jbnen kommen 
folle. Hucb an diefer Huflage hat fich der Künftler 
alle ffiübe gegeben und ich bin begierig ob man es 
in Jena fo gut findet wie hier. Cord 6oore, der in 
Gngland und Jtalien für einen groben Kunftkcnner 
gilt, fagte mir neulich bei einem Befuch, er habe bei 
einem Stuttgardtcr Bildhauer einen fo fd)öncn Kopf 
gefehen , dafj er alle feine Grwartungcn übertroffen 
habe. 6r habe nicht geglaubt, dafj es einen noch 
lebenden Künftler gebe, der ein folches Bild machen 
könne." — tUas war es? — 6s war Jbr Portrait. 
Danncker wird Jbncn noch felbft Ichreiben, wie er mir 
fagt. Jch weif} nicht, wird er es Jonen geftehen oder 
nicht, aber im Vertrauen , er läfjt würklich cararifeben 
ffiarmor kommen, um den herrlichen Kopf darinn 
ausjufübren. 

108] Dannecher an Schiller. 

(Scbiltcr-ffiuleuin, Olarbacb; gedr. Speidel u. tXüttmann, 
Bilder aus d. Scbillerjeit ) 

Ciebfter ffiann 
(Hertbcfter freund! 
Oft wirft Du gedacht haben, Danncd<cr bat mich 
ganj mit feinem Portrait vergeffen ! niemand kontc 



es aber ärgcrltdxr gewefen feyn als mir, dafj ich folches 
nicht bälder habe abfehiken könen. Stelle Dir vor, 
lieber Schiller, fchon eine Zeitlang hatte ich das Bruft- 
bild vollendet, der former kontc nicht daju gebracht 
werden, und als er es endlich unternahm, wurde fic 
aud) fo fcblecbt, dafj ich ffiübe genug bekam den erlten 
Hbgufj repariren ju könen , um von dcmfclben nur 
ein wenig 6brc ju erhalten (das beifjt Deinen Beyfall). 
Jch habe es fo gut wie möglich war nach dem erlten 
Original wieder ausgebeffert und werde diefcs um 
keinen Preifj hergeben, es ift und bleibt mir fo 
lange id) lebe heilig ; folltc ich fterben fo bekommt's 
(wan es Du anderft nicht wünfeben wirlt) — mein 
beftcr freund. 6s ift fonderbar, als icb's vollendet 
hatte, da bift Du Zeuge, fo gefiel es mir nicht, jejo 
bin ich wie ein Darr verliebt darein. Jch mufj Dir 
aber auch tagen , dafj Dein Bild einen unbegreiflichen 
Gindruk in die ffienfdKn macht: die Dieb gefeben, 
finden es vollkommen ähnlich, die Dich nur aus Dei- 
nen Schriften kennen, finden in diefem Bild mehr 
als ihr Jdeal fich febaffen honte. — JA geftehe 
meine GigenUebe, mir kommt nun auch vor, als wann 
diefes meine befte Hrbeit, das ich gemacht habe, wäre: 
ich habe derwegen fchon vor einem ffionatb Carra- 
rarijcben ffiarmor daju beftellt. Raft Du Gelegenheit, 
dafj ein guter freund, der folches wünfehte: anju- 
bringen fo will ichs fo bald \&> den ffiarmor habe 
anfangen 100 Couisd'ors ift der Preifj : ich habe midi 
bin und her befonnen ob es nicht möglieb wäre Klohl- 
feiler ju machen , allein die vielen f einbeiten in dem 
Kopf und Hrbeit in den paaren fagen mir fchon im 
Voraus, dafj ich viele Zeit daju brausen werde. Sollte 
diefes Bild einer in ffiarmor befijen wollen fo bitte 
ich Dich mirs ju febreiben, da kanft auch einen jeden 
verfidwn, dafj ich nicht um dasBrod arbeite. — 
ffiarmor habe ich auch vor meinen Amor und Pfycbe 
beftellt. — Heb 6ott taufend Dank vor Deinen mir 
fo lieben Brief den Hugenblik erbalte ich ihn, als ich 
an Dieb febreibe wie habe ich ihn jejo fchon fo oft 



54 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



gclolen! {Hie viel freude macht es mir, dafj ich nun 
denken kann, dafj Du und Deine liebe frau gefund 
feyn ich habe vor einiger Zeit gehört Du wäreft krank, 
ach das ift mir gar eine traurige Dachricht wann ich 
dielcs hören muh. CQäre er nur hier was blöjlicb der 
CQunJch von uns freunden er würde gewiefj gefund 
werden. — — Komme doch ju uns lalje Jena, Jena 
levn, komm nach Schwabin, in Schwabin feyn brave 
Ceutc und viele feyn Deine freunde das ift ja auch 
etwafj Cöerth. — I)öre es fallt mir noch etwafj wegen 
Deinem Bruft Bild ein , id> habe es mit einem Öhl 
getränkt, damit wann ungejiefer es verfebmujen Tollte 
man es leicht mit einem naffen finger abwafeben kan. 
6s wird vermutblich flekend ankommen itelle es aber 
nur in die Sonne es wird gewich einen gleichen Con 
bekommen, im Husgufj konnte man es nicht richten, 
dafj man färbe darein mifchte, weil fobald es repa- 
rirt werden muh der blofe 6ips hie und da lieb jeigt : 
ich habe alles propirt: genug vor diesmal mit 
meinem ßefebmier und habe Dir auch nichts anders 
ju Jagen als mit gcborfamltem Gmpjebl an Deine mir 
unvergefjlid« liebe f rau , bleibe id) fo lange ich lebe 
Dein Did) liebender 

Dannccker. 

Küke mirberjlicb den lieben Carl, wachst er brav? 

Stuttgard d: 22t«" Sep: 1794. 

Rapp empfiehlt [ich Dir aufs beftc. 



für einen fehr intimen freund von mir, Rrn Hpel- 
lationsrath Körner in Dresden, an den Du die Büfte 
direkt fdiichen kannft. Dafj ich Dir aber alle Hus- 
lagcn, die Du dabey baft, erftatte, mufj ich notwendig 
jur Bedingung machen, da ich Dir doch die Kunft nicht 
bejahten kann. 

Gewifi ift diefe Hrbeit es wertb, dafj Du fie in 
ffiarmor ausführft, und ein Käufer wird [ich gewife 
daju finden , wenn es nöthig ift. Cflenn meine 6e- 
fundheit mich nicht bindert, eine Hrbeit auszuführen, 
mit der ich jetjt umgehe, fo gönne ich die ffiarmor- 
bü[te niemanden anders als mir felbft. 

Jch umarme Dich taufendmal, lieber freund, und 
verfichre Dir, dafj kein Cag von Dun an vergeben 
wird, wo ich mich Deiner Eiebe und Deiner Kunft 
nicht mit berjlicber freude und Bewunderung erin- 
nern werde. 

Deiner lieben kleinen frau wie auch Rapps Jage 
recht viel Schönes und freundfchaftl. von mir. Rapps 
Huf|ätjo im 6artenkalender haben mir viel "Vergnügen 
gemacht; in einem öffentlidKn Blatte wird 6r meine 
ffleinung darüber finden. Ccbe recht wohl und be- 
balte in gutem Hndenken 

Deinen Dir ewig ergebenen freund 
Schiller. 

N. B. Meine frau wird felbft febreiben. 



109] Schiller an Dannecker. 



(Jonas, IV.) 



jfena, den 5. October 1704. 



Die Büfte ift glücklich und ohne den geringften 
fehler angelangt, und ich kann Dir nicht genug für 
die freude danken, lieber freund, die Du mir damit 
gemacht baft. 6anje Stunden könnte ich davor fteben, 
und würde immer neue Schönheiten an diefer Hrbeit 
entdecken. Hier fie noch geleben, der bekennt, dafj 
ihm noch nichts fo Husgeführtes, fo Vollendetes von 
Sculptur vorgekommen ift. Jch felbft habe einige 
Hbgüffe von Hntiken in meinem Zimmer Itehen, die 
ich feitdem nicht mehr anfeben mag. Dun bin ich 
äufjerft begierig, einige Künftler von profeffion darüber 
ju hören, und werde Dir treulich Hlles, was fie an- 
merken, berichten. 

Cücnn meine Bitte nicht unbefebeiden ift , fo 
wollte ich Dich erfueben, noch einen Hbdruck derfelben 



110] Dannecker an Schiller. 

(Spcidcl u. (Qittmann.) 

Stuttgard, d. 3ten Decb. 1794. 

Ciebfter freund! CQcnn ich fchon Dir nicht gleich 
auf Dein billiges Begebren geantwortet habe: fo habe 
ich es doch nicht ?ur Vergeffenheit gruppiert. 6in 
Husgufj von Deinem Portrait vor Deinen tbeuerften 
freund ift gemacht, und werde jejo fuchen Zeit ju ge- 
winnen um ihn fo bald als möglieb ju repariren und 
abjufcbiken. 6s tbut mir recht wohl, dafj Du fo febr 
damit jufrieden bift und freude daran baft. 3n 
fflarmor wird er (das beifjt mein Schiller) noch weit 
betjer ausleben, die feinbeiten durch das Cranspcrcntc 
des fflarmors geben gewiefj dem Kopf noch mehr 
grofes; fie laffcn fich auch leichter und beffer aus- 
führen. Jch will mir auch foviel flßühe geben etwafj 
heraus ju bringen dafj jedes fagen mufj: es ift gut! 
und es ift nicht eines jeden Sache fo ein Bild ju 
machen. — ja lieber Schiller lache nur — lieber will 



Anhang 



V. Bricfwccbfel mit freunden. 



55 



idi fterben, und das fterben ift fo meine Sache nicht 

— als der Kielt nicht gejeigt haben, dal} ich verdiente 
Dein Bild gemacht ju haben, lieber Schiller, ich bin 
lo glücklich leit dem ich den I)omer befitje! id) habe 
ein Sujet daraus genomen, es i[t wie Rector feinem 
Bruder Vorwürfe madit. ich ftelle ihn ein?el vor und 
mache jum Pentent paris wie er feine Klaffen blattet 
und befchämt auf feinen Bruder horcht. Dem Rector 
habe ich, (wie Dir bekant feyn wird, dafj jede figur 
einen palt haben mufj j. B. einen Stam von einem 
Baum u. d. g.) einen dreyehigten paufjaltar gegeben 
worauf ich einen Rauf? 6ott ftelle, ich frage Dich aber 
um Ratb! könte ich nicht die juno als die Befdmje- 
rin von Croyion oder die Venus oder auch Minerva 
darauf ftellcn ? — und dann wünfehte ich eine griechifche 
Jnfchrift ?u haben, die mit einen Paar (Horten Jagte, 
daf} diefes Bild im Zimmer vom paris ftebet, da 
glaube ich wann ich die Venus machte, fo wäre 
leichter etwafj hervorbringen befonders wegen dem 
Preifj den fie durch paris erhalten — doch fällt Dir 
etwa ein Gedanke heute oder fflorgon ein fo lafj mich 
ihn doch in Stein verewigen. — Deine liebe fr. Schwä- 
gerin und fierr Schw. befinden fich recht wohl es freut 
mich herjlid) , daf} Sie in Stuttg. feyn. Cüann nun 
auch Du mit Deiner lieben f rau und Carl hier wärelt! 

— Hch, wenn fich das machen lief}! — — — meine 
liebe frau empfiehlt fich Dir aufs pöflichlte, wünfd)t 
Dir mit mir volle 6efundbeit, empfehle doA auch mich 
Deiner mir unvergeßlichen lieben frau und hüffe in 
meinem nahmen Deinen lieben Carl, ach, ich glaube 
ihn wirglich vor mir läcblen ju leben , feine Hugen 
glänjten fo fchön ! er wird jejo recht lebhaft feyn und 
viel plaudern. Cebe wohl, und denke ju weilen an 
Deinen Dich ewig verehrenden 

Dannchor. 

Debme doch nicht übel beym jufammenlegen finde 
ich, daf} ich verkehrt diefe Seite gefchrieben habe, aber 
ich war fo im 6ifer daf} — 

111*] Dannecher an Körner. 

(anivtrtltätsbibUotbeh CtVpjig.) 

Rocbedelgebobrner Rerr Hpellations Rath! 

Qnfer freund Schiller bat mir aufgetragen eine 
Bufte welche ich hier nach der fiatur gemacht habe 
jujufcbichen ; es wäre freude für mich wenn foldie 
gleid) beym auspahen erkannt würde, in dem Sie mir 
durch R. Rofratb Schiller als ein Kunftliebbaber und 
Kenner befchrieben worden, habe id) mit eben fo viel 



Ciebe als fleif} folche Bufte verfertigt, bitte dagegen 
geborfamft um Jbre (ohne Dacbficht) Critih fie 
wird mir gewief? jum Rutjen feyn. Dur kan ich Sie 
audi vcrfidiern daf} ich mich äufjcrft freue diefes Bild 
in fflarmor ausjuarbeiten indem id) überjeugt bin, daf; 
die feinbeiten [ich beffer in einer härteren fflaterie, als 
in 6ips ausdrücken laffen. Die Küfte welche an Sie 
adreffirt ift mit S.D. gejeiebnet, wünfebe von f>er}en 
eine glückliche Hnkunft. 

Gmpfeble mich Jbnen Rocbedelgebobrner f)err aufs 
befte und bin mit vollkommenfter Hochachtung 
Dero 
6eborfamfter Diener 
Danneker Profeffor und ßofbildbauer 
Stuttgardt d. 24ten fflerj 1795. 



112] Dannecher an Schiller. 

(Scbltter-fDufeum, fflarbadi; gedr. Speidcl u. KHttmann.) 
Verebrungswürdigfter freund! 
Der Überbringer diefes, Rahmens Bujen Geiger*) 
kam diefen Hbend in mein Httelier um Hbfdned von 
mir ju nehmen, er fagt mir er gehe nach Jfena und 
gleich fuhr mirs durch f)er} und Kopf Dich liebftcr 
(Dann fcbriftlicb und berjlid) ju grüfjen. ich beneide 
diefen guten fflann daf} er Dieb fiebet, ich wünfehte 
gern an feiner Stelle ?u feyn, Du warmer fflann wür- 
deft mich gewief} wieder aufgefrübren, gebt es bey uns 
fo fort wo Girlanden und Cbatralifcber Schmuk die 
Raupt Rollen fpiclten fo braucht die Kunft Kruken, 
fleihig bin ich das ift wahr, aber an Schwung und 
an 6ifer feblts ich mang madien was ich will, fo ver- 
ftebts feiten jemand, gefährlicher aber ifts, wann die 
6rofen glauben , da fie in ihrer Jugend Zeidmen ge- 
lernt haben, fie verfteben die Kunft, und weil fie grofe 
feyn, dann auch beftimmen diefes ift Sd)ön. — Hber 
was fdneibc ich vor unnöthiges Zeugs? verjeye mir, 
mein erfter wärmfter GQunfcb ift ju willen wie du lieber 
lieber fflann, deine mir unvergeßliche liebenswürdigfte 
frau und lieber Carl fich befinden! febreib mirs doch 
einmal, jedes Klort von Dir bleibt mir ein Reiligtbum. 
fflein liebes (Heibcben die wirglicb neben mir fijt und 
in Deinem mir doppelt fcbäjbaren fflufen allmanacf) 
liefet empfiehlt fich Dir und deiner Vortrefflichen frau 
aufs freundfcbäftlicbfte fie wünfebt auch Deinen lieben 
Carl herjlicb ju küfjen. Hdi das muf} jejo reAt lieb 
feyn! — fflein 6rofcr Sd)wager Rapp, der mit mir 



*) Bujengtigcr, Unlvtrtitätstuecbanihus in Cübingm. 



56 



V. Briefwccbfcl mit freunden. 



offt lo wann von Dir fpridit empfiehlt fieb aud) aufs 
befte, beute Mittag bat die grofe Schwägerin wieder 
ein aullerordentlich Icbönes Mädchen jur (Helt 
gebrad)t, fie ift 6ottlob mit dem Kind redit geftmd. 

frank foll nun bald dein Portrait ju Copiren 
anfangen er gittert noch ju febr um im kleinen es 
ordentlich machen ju können, Mein Marmor vor Dein 
Bruftbild ift noch nid)t angekommen, ich bin febr 
mißvergnügt darüber die Carrarincr wollen wegen 
den franjofen nicht trauen etwas abjufdVicken. es 
fcblagt Hd)t übr, und jcjo gebt es ju unferem Kränjle, 
das beißt jum Dachteffen. Cebe ßefund mit deiner 
lieben frau und Kind, das wünfeht gewieß von ßerjen 
Dein Dich mit Vollkommcnfter Rocbadrtung und Ciebe 
ergebenfter 

Danneker. 

Stuttgard, d. 6 t. Hpril 1706. 



Brücke bergeftellt, und die Sd)waibifcbe Krays Cruppen 
nach großem Gtliederftand 2 Stunden weit jurückge- 
drängt. Die Einien bev Kehl haben unlere Soldaten 
3 mal verlohren und viele feyn jufamen gehauen 
pauptm. feivolin ift gefangen faft alle Stabsofficir 
feyn bleffiert und nun erwarten fie I)ilfe von den 
Kayferlicben. 

Jch höre ju meinem groften Vergnügen daß Deine 
6efundbeit fieb bellert, Deine Ciebe frau auch in einem 
glücklichen Omftand fidi befindet und der liebe Carl 
berbeywacbft. Mein liebes Cüeibcben und die große 
Rappifcbc empfehlen fieb mit mir aufs freundfchäftlicblte 
mit dem wärmften Klunfcb Did} immer gefund ?u 
wiffen. 

Dein dich ewig verehrender freund 

Stuttgard d. 25"" Juny Danneker. 

1796. 



113] Dannecker an Schiller. 

(Spcidcl u. Oatttmann). 

Cieber, mir fcbäjbarfter freund. 
Gndlich habe ich meinen fchon längft beftellten 
Carrarifchen Marmor erbalten, er ift von der fchönften 
Hrt und febeint mir aud) ohne flecken ju feyn. Jd) 
bin fo frey die frage an Dich ?u machen, ob du nid)t 
auf deine Rechnung dein Bruftbild in Marmor aus- 
geführt haben willft? — ich mache Dir jugleich wegen 
der Bejablung einen Vorfcbtag 311 welchem Du bequemer 
Dich verfteben könnteft: der ift, 2 Jahre Zablungs Zeit, 
nebmlicb jedes halbe Jabr 25 Couis d'ors, follteft Du 
aber keinen Cuft daju haben, fo fcy fo gut und Jdueibe 
mir einen Deiner Verehrer, damit ich mich an ihn 
wenden kann, ich geftebe es, daß ich gar ju gerne 
Dein Bruft Bild in Marmor auszuführen wünfdite, 
auch Tollte ich glauben, dafj es Dir leicht wäre einen 
Ciebbaber ju Deinem Bruft Bild in Marmor ju be- 
komen, in dem Deine Verficherung dafj es gut gemacht 
wird, — mehr 6ewicht bat als des Künftlers eigenes 
öeftändniß in dem man es leicht vor eigen liebe 
aufnehmen könte. ich würde mir die gröfte Mühe 
geben, dafj meine Kunft auch noch den üSertb des 
ßortraits erhöhte. Sey fo gut lieber Schiller und gebe 
mir bald Ilacbricbt deiner 6efinung, denn jeder Cag 
i|t mit Zeit Verluft und meine Bcgürde gefeifeit. — 
6s fürchtet fich hier jederman vor den franjofen, vor 
3 Cagen feyn fie bey Kehl über den Rhein, haben die 



114] Dannecker an Schiller. 

(Speidel u. CflittiTiann.) 

Stuttgardt, d. 6. Hpril 1805. 

Der öeberbringer diefer paar Zeilen, ift Fjerr 
Sdjwarj von Bruchfal Churbadifcher Hrchitekt. 6r 
bat mich gebetten ein 6mpfeblungsfcbreiben auf feine 
Reife nach Kleimar an Dich lieber, lieber Schiller mit 
ju geben. Jch weife nicht, ob es Dir angenehm feyn 
wird wenn Du durch einen Befucb unterbrochen wirft. 
— Verjeybe. — 6s ift ein febr artiger Mann, habe 
6edult, er kann Dir dafür etwaß von Deinem Vatter- 
land erjäblen. Die Beforgung für einen Husguß von 
der Mafque Deiner Büfte habe ich gemacht, Rerr Cifch- 
bein Jolle es nicht übel nehmen, dafj er fie fo fpätb 
erhält, denn ich mußte fie befonders formen laffen. 
Die ältere form ift mir abbanden gekommen, fie gebt 
mir vom I^crjen wenn ich gleich das Original und 
den Marmor befije. 

fllein liebes öleibeben empfiehlt fieb Dir und 
Deiner uns unvergeßlichen frau aufs freundfchäftlicblte. 
ja wir haben eine Sebnfucht Dieb und die liebe Deinige 
wieder ju feben. 

Kür haben Roffnung daß Du Dich diefes Jabr 
jeigen werdeft, fey nid)t hart, das wünfd)t 

Dein Dich ewig verehrender 
Danneker. 

Der grofe Rapp freut fich ebenfalls auf Dein 
Kliederfeben. — 



Anhang 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



57 



115*] 6rnft Schiller an Cbeodor ödacjner. 

(Bibt. Stuttj., I)ltt. I)Ätid[d)r. Qu. SJ3.) 

Köln den 3). Juli 1835. 

Ctloblgeborener 
Sehr geehrter perr; 

flßit innigem Vergnügen habe ich aus 6w. CQobl- 
geboren febr gefcbätjten Zufcbrift vom 17 t d. flß. er- 
leben, dafj mein Klunfcb einen guten Hbgufj von der 
colollalen Büfte meines Vaters ju erbalten in Grfüllung 
geben wird, und dafj h"err ßofratb von Dan neker fich 
noch meiner und der meinigen in 6üte erinnert. Dur 
bedaure ich, dafj I)err von Dannecker tebon lo [ehr die 
Bcjd)werden des Hlters fühlt, hoffe aber doch, dafj ihm 
noch viele grofje und heitere Stunden übrig bleiben 
werden. 

für die Koften des Hbgufjes, die Kiftc und Ver- 
packung im Betrage von 33 flovins beehre ich mich 
6w. Hloblgeboien biebei eine Hnweilung auf die 7. 6. 
Cotta'icbe Buchhandlung ju Überlenden, welche ich hie- 
von unter beutigem Dato in Kenntnifj gefetjt habe. 
Die Hnweifung i|t nach Sicht jablbar. 



Jd) boffe, dafj die Bü[te wohlbehalten hier an- 
kommen werde; und denke, dafj ihr der Cransport 
durch das Dampffcbiff nicht mehr febade, als der durch 
ein anderes Schiff. 

Jndem ich Jbnen noch befonders für die mir mit- 
geteilte Zeichnung des ßiedeftals meinen beglichen 
Dank abftatte, habe ich die 6bre hochachtungsvoll ju 
beharren 

6w. CCloblgeboren 

ganj ergebenfter Diener 
6rnft v. Schiller. 

Bitte mid) und die 
meinigen Rerrn Fjofratb 
v. Dannecker angelegent- 
licbft ju empfehlen. 



frei. 



Sr. Kloblgeboren 

Rerrn Bildbauer Cbeodor Slagner 

Vor dem Cbarlottentbor 
ju Stuttgardt. 



Briefwecbfel mit (ooetbe. 



116] Dannecker an Goethe. 

(6oetbe-Scblller-Hr<l)iv, Oleiniar; geir. 6oetbe-Jabrb. 1909.) 

f)ocbwoblgebobrner 

Rerr Gebeimer Ratb: 

Von dem grofen Vergnügen das ich die 6bre 
hatte in Jbrem mir unvergeßlichen Omgang ju ge- 
nießen febweige ich, dann es ift mir nach Jbrer Hb- 
reyfe die nebmlicbe 6mpfindung gekommen, die ich ju 
der Zeit hatte, als ich von Rom abreyfen mufjte. So 
troken , fo verwaytt wäre ich noch nie in meinem 
Ceben , ja, mir kommt vor als wenn ich ein Ver- 
brechen begangen hätte! Die freude an meiner Kunft, 
die mich fo offt aufmunterte, fd>eint mir juweilen ju 
febwach ju feyn , und doch arbeite ich täglich fleißig, 
fiun weifj ich noch nicht, wie es hier weiter mit der 
Kunft geben wird; unfer 6rb Prinj ift jejo ßerjog, 
er bat weit mehr Gefühl und Verftand vor die Kunft 
als fein Vatter (denn der hatte weniger als nichts.): 
nur befürchte ich, dafj die liebe Kunft blofj als Deco- 
ration betrachtet und gebalten wird. 

Jn Robenbeim ift augenbliklid) nach dem Cod 
des ßerjogs die Hrbeit eingeteilt worden und wird 



da niemablen weiter etwafj gemacht werden. Jcb 
berichte es Jbnen wegen der Jdee die Sic hatten einen 
Steve an Rerrn Jfopi ju febiken: Dun bat er aber 
Zeit Jbre beftellte fflodels ju machen. I)err Couret 
bat nun auch Zeit feine Zeichnungen von Zimmern 
ju machen. 

Brofeffor Eeybold empfiehlt fich Jbnen aufs befte: 
ich mufjte ihm lagen, dafj Sie ihn nach CQeimar 
recomandiren wollen, er bittet Sie untertbänig Jbre 
grofe 6ewogenbeit gegen ihn bald ju bewerkftelligen, 
in dem es für ihn einen grofen Gconomifcben üujen 
hätte wann er fich hier bejeit darnach richten könnte. 
Hucb ich bitte Sie diefem guten ffiann bald ju 
helfen. 

Darf ich und mein liebes Kleibcben untertbänig 
bitten dafj Sie die Gnade haben h*errn und frau Von 
Cüobljogen in unleren nahmen geborfamften Gmpfebl, 
wie aud) an Schiller und frau ju machen ? 

Mein Schwager und frau wie auch h"err Jfopi 
und mein liebes GQeibcben , bey der Sie eine Voll- 
kommene Groberung machten und ju meiner freude 
täglich von Jbnen fpricht empfehlen fich mit mir 

8 



58 



V. Briefwccbfel mit freunden. 



aufs nadidrüklid)ttc. 
von Hochachtung 

Stuttgard d. 5"» Jan. 
1798 



Jen bin mit wärmftem Gefühl 

ßocbwoblgebobrner Rerr 
untertbäniger Diener 
Dannecker. 



117] 6oetbe an Dannecher. 

(«leim. Husg. IV, 13, S. 25.) 

Jbr Brief, mein lieber Rerr Profeffor, kommt 
mir eben in der Stunde ju , in welcher ich an ßerrn 
Cbouret ju febreiben und ihn hierher einjuladen im 
Begriff und alfo mit meinen Gedanken in Stutt- 
gard bin. 

Jcb freue mich febr ju vernehmen dafj mein Hn- 
denken unter ihnen lebt, und kann verfiebern dal} ich 
mich oft in Jbre Habe wünfd«. unter allen Künft- 
lern bedarf der Bildhauer faft am meilten durch eine 
immerwährende Unterhaltung fich die ftrengen For- 
derungen feiner Kunft ju vergegenwärtigen , fo wie 
feine Hrbeit den Eiebbaber ju ernfter und lebhafter 
Ceilnabmc auffordert. 

Verfäumen Sie nicht mir einen Hbgufj der Büfte 
des prinjen Carl , fobald fie fertig ift ju fdiicken, id) 
wünfehte dadurch unteren gnädigften ßerrn ju bewe- 
gen, dafj er fich und feiner familie gleichfalls durch 
Jbre Yjani ein marmornes Denkmal lüftete, es wäre 
mein Ktunfcb dafj Sie auch einmal in einer guten 
Jabrsjeit ju uns kämen und manches Portrait ju 
weiterer Bearbeitung wieder mit fich nach Raufe ju 
nähmen. 1 ) 

Doch das find bis jetjt noch fromme Ktünfd)e, 
wie id) deren manche für die Kunft tbue. Rerr Cbou- 
ret mag indeffen Jbr Vorgänger feyn und feine Deco- 
rationen mögen Jbren künftigen Hrbeiten einen Platj 
bereiten. Sorgen Sie ja dafj er wenn er ju uns gebt 
einige Rolen und Stäbe von I)crm Jfopis Hrbeit, den 
ich febönftens grüfje, allenfalls nur von 6ips mit- 
bringt, es wird künftig für beyde Cbeile förderlich feyn 
wenn, indem Rerr Cbouret Zeichnungen für uns mad)t, 
Herr Jfopi die Modelle der einzelnen Cbeile fertigte. 
HIollen Sie die Güte haben ju forgen dafj wir er- 
fahren für weiften Preis uns ßerr Jfopi Rofen, 
Stäbe u. f. w. liefern will, fo könnten wir alsdann 
ohne alle Qmftände gleich des Handels einig werden. 

Herrn Prof. Ceybold bitte beftens ju grüfjen, er 
ift wirklieb, mit nod) einigen andern, im Vorfcblag ju 



') S. 6octbc an Rapp, 13. 7. 



der durch I)errn Cips erledigten Stelle, doch kann ich 
noch nicht fagen wohin die GLibl ausfallen wird. 

Jbre Grüfje richte ich aus. empfehlen Sie midi 
Jbrer lieben frau beftens und gedenken mein fleifjig. 

Doch eins. Jn einem Brief an Jbren Renn 
Schwager der auch beute abgebt erfuche id) Sie eine 
Zeichnung nach dem bekannten ofteologifcbcn Präparat 
gefällig ?u dirigieren , das Habere ift dort febon be- 
nimmt, der ich recht wohl ju leben wünfebe. 

Cöeimar am 15. Jan. 1798. 

118] Darmecker an Goetbe. 

(Qoetbe-Scbiller-Hrcbiv, Qlelmar; gedr. 6ottbc- Jahrb. 19013.) 
Stuttgard, d. 30 ,c " Sep. 1798. 
6uer 6xcellenj habe ich febon vor jwei flßonaten 
die Bufte vom 6rj ßerjog Carl ju gefebickt, und bin 
nun, da ich feit der Zeit dielen f ubrmann, der fonften 
alle 4 Blochen ju mir kam nicht mehr ju fehen be- 
komme, noch eine ßaebriebt von Jhnen erhalte in einer 
kleinen Qnrube. Jcb bitte Sie daher unterthänig um 
ein paar Cöorte ju meiner Beruhigung. Der nebmlicbe 
fubrmann welcher des H : v. dobljogens CQoebels 
transportirtc hat die Küfte mit genommen, mit dem 
Vorfprud) forgfältig damit umjugebcn. Hud) habe ich 
eine kleine Skije P)errn Couret mitgegeben fie Jbnen 
unterthänig vorjulegen und in meinem nahmen um 
offene Meinung und Rath ju bitten; da ich bis dato 
noch den Göunfcb hege diefes Sujet in Marmor aus- 
zuführen, freilieb würde ich die Hrbeit nicht unter- 
nehmen ohne ju vor verfiebert ju feyn, keinen fehler 
in der 6efd)id)te, noch des Husdrucks ju machen; 
wobey ich geftebe dafj die Empfindung von paris mir 
gefährlich febeint. Der bittere Vorwurf an der Cage 
der leidenden Mutter, den er fich macht, glaube id) 
notbwendig vorjuftellen und Paris ift der Hndromad)e 
nur in dem Hugenblick erträglich dafj er vom Mit- 
leiden und feinem Schmer? fo febr gebeugt da fijt. 
Helena ift nebft dem grofen Mitleiden ängftlicb. Recuba 
ift vom Schmer? wie verfteinert, fie mufj gröfer, Hobler, 
wie auch alle andern figuren ausgeführt werden. Heb, 
ich hätte über diefen mir vorgenommenen Vorwurf fo 
viel ju fagen und unterthänig anjufragen, dafj ich in- 
discret wäre mich weiter darüber ju äufjern : ich war 
Jhnen befcbwerUcb, verjeyben Sie meinem Drang mid) 
Jbnen ju nähern, id) liebe meine Kunft. Sie lieben 
und kennen diefelbe wie fie noch niemand kannte und 
diefes ifts was mich fo dreift macht, ja, ich glaube 
daher mit Jhnen verwand ju feyn. ich wünfehte 



Anhang 



V. Brtcfwecblel mit freunden. 



59 



Sie in diejen hoben 6mpfindungen meiner Kunft 
Vatter ?u nennen. 

fllit untertbänigem Gmpfcbt von meinem lieben 
Cöeibcbcn verharre ich mit wahrer tiefen Verehrung 
6uer eiccllcnj 

untertbäniger Diener und 
freund Dannecker. 
Darf ich noch untertbänig bitten mich mit meinem 
liebeben , des ¥>: Schillers Rerrn v: Klobljogcn auch 
f): Courct aufs frcundfcbaftlichlte }U empfehlen? 

Sr: Gxccllenj 
dem Tjtrrn 6cbcimen Ratb 

Von 6 o e t e 
frei in CQeimar. 

119] 6oetbe an Dannecher. 

(OUtm. Husg. IV, 13. S. 287.) 

Der Y)trr Profcffor Cbouret follte Jbnen meinen 
Dank für die Büfte und meine 6efinnungen über die 
Zeichnung mitbringen, feine Hbreifc bat [ich jum Vor- 
teil unfercs Schaufpielbaufcs von einer Göocbe jur an- 
dern verjogen, in wenigen Cagen werden wir das 
Cbeatcr eröffnen können und find fo eben in der leb- 
hafteren Hrbeit begriffen. 

Verleihen Sie daher wenn ich beute nur die glück- 
liche Hnkunft der Büfte melde und das übrige ver- 
fpare bis die gröfjte Qnrube vorüber ift. 

Cüenn Jbnen das erfte Stück der Propyläen, einer 
Zeitfcbrift die ich bey t)orrn Cotta herausgebe, in die 
Rande fällt, fo lefen Sie doch das Capitel von den 
öegenftänden der bildenden Kunft, ich werde mich 
künftig darauf beliehen, wenn ich meine Gründe an- 
gebe warum ich die leidende Hndromacha, von ihren 
Verwandten umgeben, für keinen günftigen Gegen- 
ftand halte. 

Jbrcn 6ifer für Jbre Kunft weif? ich ?u erkennen 
und ju febätjen und erinnere mich oft mit lebhaftem 
Vergnügen der nützlichen und angenehmen Stunden, 
die wir jufammen jugebraebt. Cdarum können wir 
nicht auf einige Zeit näher beyfammen feyn um uns 
über gewiffe 6rundfätje ju vereinigen von denen, nach 
meiner Überzeugung, alles abhängt, von denen aber 
der Künftler, durch die Richtung untres Jahrhunderts, 
leider oft abgelenkt wird. 

Ceben Sie indeffen recht wohl. 6rüfcen Sie Jbre 
liebe frau, Rerrn Rapp und feine wertbe Gattin. 
Kl. d. 7. October 1798. 



120] Dannecher an 6oetbe. 

(0o«tbc-ScbUl«r-Hrdiix>, ttteimar; gedr. 6oetbe-3abrb. 1909.) 

6uer Gicellenj 

halten mir ju gut, daf? ich es wage, durch Überbringer 
diefes, Rerrn fllagifter Schwab (ein Deveu meines 
lieben Kleibcbens) mich wieder aufs neue in dero 
wertbes Gedäcbtnifj einzudringen : Diefer junge fllann, 
ein gemütblicber Dichter, hat eine ebenfo grofje Sebn- 
fuebt, Sie, von Hngcficbt }U febauen, wie ich in Rom 
hatte, den Apollo di belvedere bei fakelfcbein mit 
Jbnen ju feben ; gönnen Sie ihm einige fflinuten, fie 
werden die fchönfte feines Cebens feyn : fein Begleiter 
und freund fllagifter Eempp, Sohn eines Regirungs 
Rath (einer meiner freunde) möge doch auch gütig 
von Jbnen aufgenommen werden ; bitte, gefälligft mich 
Rcrrn Prof. fllayer aufs frcundfcbaftlichlte ?u empfehlen, 
fllit bober Verehrung und freundfehafft empfiehlt fich 
mit mir mein liebes Kleibcben 

6uer excellen? 

untertbäniger Diener 
Stuttgard d o< cn flßay und freund 

1814. Dannecker. 

Sr: Gxcellcnj 
F)crrn Geheimen Ratb 
von 6octbc 
in Kl e i m a r. 

121] Dannecker an 6oetbc 

(Boetbe-ScbiUcr-Hrcbiv, Dietmar; gedr. 6oetbe-Jabrb. 1909.) 
6uer Gxcellenj 
Der Überreicher diefes empfehlenden Blattes ift ein 
feuriger flßufik Künftler, der Sohn eines hier all- 
gemein geehrten Juden nahmens Benedikt: und 
ein freund von mir. 6r bat mich gebetten, feinem 
Sohn ein empfcblungs Schreiben an 6uer eicellenj 
mit ?u geben, welches mir unmöglich war diefem 
wakern Vatter, deffen guter lieber Sohn, jum erften- 
mal in die tHelt tritt ab?ufcblagen. F)abcn Sie die 
6nade nehmen Sic ihn freundlich auf, er wird diefes 
6lück ju fchäjen wiffen. 

Vor einer Stunde, bekam ich von einem Comite 
aus frankfurt den ebrenvollften Huftrag in meinem 
Ceben, die Collofal Buftc von 6uer Gxcellenj ju ver- 
fertigen, ich bin fo frei und lege den Brief hier bei. 
Die habe ich mich ärmer gefühlt als feitdem diefer 



6o 



V. Briefwccbfel mit freunden. 



Schöne Huftrag an mich gelangte, ich finne bin und nieder ju febreiben. 6ott febenke Jbnen Kraft 



ber und kan ju keinem Gntfdilufj kommen, auf einer 
Seite febe ich eine kränkliebe liebe frau und grobe 
Beftellungen vier Vorarbeiter die ich fclbft nachgezogen 
und noch nicht auf ihren f üffen fteben können : kurj 
ich müfjte das Httelicr fcblüfjen. Heb wenn es nur 
möglieb wäre dafj Sie mich fo g l ü ck l i cb machen 
könnten mich hier jubejueben : Verleiben 6uer Gx- 
cellen? dafj ich es wagte dielen febnlicbften Klunfcb 



und 6efundbeit. — fflein liebes Kleibcben emp- 
fiehlt fieb aufs berjliebfte I)erm ßofRatb fflaier meinen 
bcrjlicbcn 6ru fj. 



fflit Verehrung 



Stuttgard d Huguft 
1820 



6uer Gxcellcnj 

untertbäniger Diener 

und freund 

Dannecker. 



Briefe Dannechers an <üilbclm und Caroline von <Jtlolzo<}en. 



122*] Dannecker an doljogen. 

(Scbiller-EQuteum, CDarbadi ; unvollft. gedr. Cltt. ßad)l. 
der frau Caroline von GQoljogen I.) 

Stuttgart, 26. Okt. 1797. 

öloblgebobrner I)err Baron! 
Sie haben mich febon längft aufgefordert Jbnen 
Dacbricbt über des F)errn 6ebeimen Ratb von 6ötbes 
Hufentbalt in Stuttgart ?u geben. Sias foll ich Jbnen 
fagen? Sie kennen Seine ungeheure Kunft Kenntnifj, 
Seine Ciebe ;um grofen, Vollendeten, Carakteriftifcben, 
Schönen! ich bin äuberft glüklieb einige feböne 
Meinungen, die mir nun 6efeje bleiben, von ihm 
gelernt ju haben, ja was er mir tagte, war in mir 
?war wie ein Rebel febon ehe er ju mir kam, aber 
dafj ich's nicht ausdruken konnte, fo kam es auch, 
dafj icb's gleich ?u 1000 enten anzuwenden wußte. Das 
ift gewifj, dafj ich in meinem Ceben nichts mehr aus- 
führen werde, das nicht fo ju Jagen in fieb eine Hielt 
ausmacht. Cäglicb waren wir bcyfamen, und er machte 
mir ein Compliment, das ich vor gros halte, indem 
er mir fagte, nun habe ich Cage hier erlebt, wie ich 
fie in Rom lebte, ünferc gelehrte fflänner Jpijtcn Jbre 
Hafen, da Sie ihn nur mit einem Bildbauer oder 
Kaufmann geben faben und Sie nicht einmal von 
ihm Befucbe erhielten, für mich waren die Cäge, die 
ich mit ihm durchbrachte, f efte und bleiben mir un- 
vergefjlicb. ffleinem Schwager und feiner frau, meinem 
lieben SIeibcben und mir las er eines Hbends feine 
eiegie vor. Heb 6ott wie febön, wie grob, wie voll 
ßefübl ift diefes Klerk ! Das beib' ich jeidmen, mahlen, 
bilden, kur? ich war entjückt; es fatiguirte mich auch 
fo, dab ich den andern Cag ju nichts taugte. Den 
Huftrag , den ich durch meinen lieben Schwager von 
Jbnen erhielt, über Vermehrungen der Stuccator Hrbeit 
und fonftigen fürfpracbe, habe ich befonders gut ge- 



troffen, er war gleich meiner, und ich der feinigen 6e- 
finnung. Jcb hoffe Sie haben vieleidrt febon etwafj 
bemerkt. Couret ift fein fflann Jfopi desgleichen, der 
lejte foll einen Gleve bieber bekommen. Ceybolds 
Hrbeit gefällt ibm äuberft und er wünfebte ihn in 
Kleimar ohne ihm etwas bemerkt ju haben. Sdiillcrs 
Portrait und meine Sapbo gefällt ibm befonders. 

Vor ein paar Cagen kam ich von Mannheim 
jurük, ich war in Scbwejingen und habe das Portrait 
vom 6r? Fjerjog 6n Bufte Ccbensgröbe gemacht, er 
hielt fo lang aus bib ich fagen mufete, jejo weif? ich 
nicht weiter. — 6r bat einen bübfeben feinen Kopf 
und ich freue mich ihn in Marmor ju machen. Die Kunft 
gebt hier trocken, dann es fcbläft alles und fo bin auch 
ich gezwungen mir felbft die Sporen ju geben. Vor 
6ötbe habe ich von Clode-Corain eine Candfcbaft von 
Hbelt gekauft, die b)err v: 6ötbe fo fehr wünfebte. 

Mein liebes Güeibcben empfiehlt Heb Jbnen und 
Jbrer frau 6emablin auf's f reundfcbäftlichftc wie aud) 
Schillers, und ich wünfebe nichts febnlicbers als Sie 
jufamen wieder in meinem 6arten ju feben 

fflit vollkommenftcr Rocbachtung verharre 
Jbr 
Stuttgard d. 26t. Oct. gan? ergebenfter freund 

1797. 



u. Diener Dannecker. 



123] Dannecher an Caroline von Cöoljogen. 

(Eitt. Dachl. x>. Car. v. (Holjoäen 1.) 

Stuttgart, 17. fflär?, 1798. 
unendlichen beglichen Dank für das liebe feböne 
Hn denken, welches Sie mir jufchickten , es wird eine 
Reliquie in meinem Raus bleiben. Jcb freue mich es 
von vornen an wieder ju lefen, bis jetjo war ich aber 
leider noch nicht daju aufgelegt, ich bin mit Hrbeiten 



Anhang 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



61 



?u Icbr überhäuft gewefen , dafj ich Cag und Dacht 
genug ju thun hatte, und dann war ich vergnügt eine 
Stunde ju haben , wo ich wieder ausruhen konnte. 
Den Katafalk für den verftorbenen ßerjog hatte ich 
gan? nach meinen Jdecn ju madmi , wobei ich für 
Decoration und Beleuchtung ju forgen hatte, freilich 
war auch diefes mein Khmfcb, daß fifeber nid)ts da- 
bei ju lagen hatte, und fo nahm ich mich jufammen, 
damit in allen Cbcilen etwas neues herauskam. Der 
Fjerjog und das publicum waren äufjerft jufrieden, 
und diefes war meine oinjige Belohnung. Kaum hatte 
ich einige Cage Ruhe, fo wurde der Katafalk für die 
verwittibte Roheit gemadit, den aber fifeber ?u machen 
hatte, und ich die Bildhauerei ?u beforgen. Jet?o 
werde ich ftark angegangen um Hbgüffe von der Büfte 
des verftorbenen Rerjogs ju madien , Sie werden fieb 
vorftcllen was das für mich für ein Vergnügen fein 
muß. Schon längft wünfebte ich dem Y). Geb. Ratb 
von 6octbe das Brultbild vom Grjberjog ju febicken, 
allein ich kann die acht Cag, die ich noch daran 311 
thun hätte, wirklich gar nicht finden. Von Rußland 
habe ich einen Brillanten-Ring jum Hndenken erbalten, 
er kann 80 Couisd'ors wertb fein , und einen Ruf 
nadi Petersburg, wo der Dikolay mir lebreibt, daß er 
lebon Befehl habe, wenn ich Cuft hätte ju kommen, 
alles ju unterlegen; ich nehme ihn, wenn die Bcfol- 
dung und übriger Verlprucb lebön ijt, an, und freue 
mich meine Reife durch CHeimar ?u machen, fficin 
liebes Weibchen, die fieb Jbnen freundfebaftlicb emp- 
fiehlt, gebt gerne mit mir, weil lie einliebet, daß mein 
6lück gröljer ift wenn ich in einer größeren Kün[tler- 
welt leben kann und wichtigere Sachen ausführen darf 
als Gvpsköpfe ju repariren. Das fflonument für die 
Kaiferlicbe 6enerälc bat fieb jerfcblagcn und ich bin's 
jufrieden. Küjfen Sie doch den lieben Hdolf berjlicb 
in meinem Damen, ob er fieb wohl meiner erinnert? 
Hd)! mein Kleibchen wünfebte fieb freilich auch fo ein 
liebes Kind! Doch Geduld, man kann nicht alles 6lück 
genießen , fo bin ich genügfam. Jch nehme innigen 
Hnteil an Jbrem beiderfeitigen 6lück und geftebe es, 
dak ich gerne in (fleimar Zeuge davon fein möchte. 

Von Schiller habe ich keinen Brief erhalten, emp- 
fehlen Sic mich dod) auf's freundfcbaftlicbfte, und mein 
Kleibchen bittet Sie um ebendaffelbe, fo wie auch 
unfern beiderfeitigen untertbänigen Gmpfebl und bös- 
lichen Gruß an f)errn Gemahl. 6ott erbalte Sie ins- 
gefammt gefund und uns bei Jbnen im guten Hn- 
denken. Jbr ganj ergebenfter Diener und freund 

Dannecker. 



124] Dannecker an ödoljogen. 

(Cltt. Dacht, v. Car. v. Kloljogen I.) 

Stuttgart, 7. Dec. 1798. 

Dun , das war febön ! auch einmal wieder ein 
Briefchen von Jbnen erhalten ju haben, das tbut mir 
wobl, und wenn Sie wüßten, wie fehr Sie mid) rega- 
liren wenn ich von Jbnen weiß, wie Sie und Jbrc 
frau Gemahlin fieb befinden und wie Sic noch einige 
f reundfehaft und Güte für mich haben , Sie würden 
mir öfter f ebreiben ; aber nicht ?u unhöflich Tollt* ich 
fein ; da ich weiß daß Sic fo viele Gefchäftc haben, 
muß ich und kann mich befriedigen. Daß Rcrr Couret 
von Jbrer wertben 6efellfcbaft auf eine fo grobe Hrt 
wegblieb war mir fehr leid, er brachte mir Jbren lieben 
Brief und ich, um ihn ?u ftrafen , ließ ihn folcben 
lefen, ich befannte mich vorher, dann dachte ich, ja du 
mußt geftraft fein , ich beiße in dem Hugenblick die 
Zähne aufeinander. Qntcr uns, ich wundere mich 
nicht, denn er begebt manches von der Hrt, mir wäre 
leid, wenn nur ein paar Verluft er dadurch vertierte. 

Sie fragen mich, wie ich mit meiner lieben frau 
lebe? äußerft glücklieb, immer den lieben, lieben Hll- 
tagsgang, der fo viele taufende erfebreckt und ermüdet, 
flßein übriges Ceben, das außer dem häuslichen Kreis 
ift, und mich blos in mein Htelier einfehränkt, gebt 
— ich jucke die Hcbfeln und febäme mich darauf ju 
antworten. Schämen? — Dein ich bin bös, wenn 
ich daran denke. Da kommt eine Büfte, die ich nach 
dem Cod (die fürchterliche Gränje in der Kunft und 
im Ceben) machen muß; dann ein feft-6efcbmier, und 
Büftenreparationen ohne 6nde. Der verftorbene F)cr- 
jog friedrieb 6ugen en Basrelief, ein Knicftück von 
flßarmor in Cebensgröße, ift mein Gefchäft oder wird 
es, denn es wird wirklich in Punkten gefetjt, und in 
der Zeit bis diefes gefebeben, arbeite ich an meiner 
Sapbo endlich einmal; ju diefer habe ich jum voraus 
jwei Ciebbaber. Jfopi befchäftigt fieb mit einer Hlle- 
gorie auf den Sieg Delfons, ach er möchte gar ju gern 
den Rabn ertrinken laffen , Sie wiffen es wie er auf 
die Rabnen-Dation geftimmt ift! 

Meine liebe Schwäger empfehlen fieb Jbnen auf's 
böflichfte und danken Jbnen henlicb für die 6brc 
Jbrer gütigen Srinnerung fo wie auch F)r. Jfopi. Huf 
Schillers CQallenftein freue ich mich wie ein Kind, ich 
habe fchon einiges davon gelefen , und fpanne die 
Obren über die Cbarakteriftik. Ja, ja, das glaub' id) 
gerne, daß mancher lagen wird, Jo, lo, das ift von 
Schiller? fo? ein anderer, der klüger fein will, der 



62 



V. Briefwccblel mit freunden. 



wird eritifiren , weil das beut ju Cag fo leicht gebt, 
und man giebt dadurch ?u vergeben, wie viel Sinn 
und 6efcbmack man mehr bat als der Hutor. Jdi 
muß lagen, ich bin unbegreiflich begierig, denn es 
tcheint mir nach dem was ich gelefen , dal} das Klerk 
eine Gpocbe machen muß. 

fD.it meinem lieben Göeibcben empfehle ich mid) 
Jbnen , Jbrer frau 6emablin und den lieben tbeuern 
Sd)illers auf's bcrjlid^ftc, und bitte Sic beim Schluß 
mir doch auch bald wieder ?u febreiben. 

Dannecker. 



125*] Dannecker an fldoljogen. 

(Scbitlcr-fDuIcum, marbacb; unvolltt. gedr. ritt, nadil. v. 
Car. v. Kloljogen I.) 

6s ift mir äußerft angenehm gewefen Jbren lejten 
Brief ju erhalten , er hatte foleben Klertb für mich, 
daß er mich wenigftens in einem fall autorifirt ju 
lagen , Cbouret bat fcblimm , auch undankbar gehan- 
delt. Hufrichtig ju fagen, Cbouret kommt mir Capot 
for und ich bin's überzeugt, daß er gerne alles, (wann 
es fieb tbun ließe?) jum heften kehrte, freylieb würde 
er die Hcbtungsvollc Rolle, wenn er noch einmal fo 
fleißig feyn könnte mdit wieder fpielcn, und eben diefes 
fpübrt er, und äufjert nicht das geringfte, ob er gleich 
fich durch dielen Brief geborfamft empfiehlt. 6enj ift 
fein guter freund ich bitte Sie geborfamft von meinen 
6efinnungen wegen Cbouret nichts ju äußern, denn 
ich möchte keine feindfebaft mit keinem ffienfeben. 
Run habe auch ich eine Bitte oder vielmehr einen 
Vorfcblag ?u machen. Hucb kan es nur eine Hnfrage 
feyn. — Jcb denke da Sie jur flßoebelirung des 
Scbloffes vieles von nötben haben, und fflablereyen 
von aller Hrt anbringen können , fo wollte ich ein 
6emählte vom ffiabler Rartmann recomandiren : 6s 
ift ein febönes Cbarakter-6cmäblte , das gewiß ein 
Zimmer oder Saal decorirtc, ein 6emäblte, wovon, 
wenn ich es recomandire ju kaufen, ich keine Schande 
davon haben werde. Jcb glaube Kr. von Oxkull bat 
Jbnen febon davon gefebrieben. 200 Couisd'or ift der 
Preiß vom ffieiftcr Rartmann. eben dieler Künftlcr 
wird nach Dresden reyfen und es mitnehmen um es 
dort aufstellen. Könnten Sie Jbm keine Roffnung 
ju einem Verkauf an den Rer?og von Sacbfen Kleimar 
geben ? — Jcb achte und liebe diefen Künftler, er weißt 
von meinem Schritt nichts, fondern ich wönfebte nur 
etwaß für ihn getban ?u haben, das ihm durch Jbr 
gnädiges Verfprucb Vergnügen machte. 6eben Sie mir 



doch bald Hacbricbt ob etwaß ?u machen wäre? Gerne 
möchte ich Jbnen meine perfönlicbe Hufwartung machen, 
und unter uns gejagt I). von Goethe bat mir einmal 
fclbft den 6cdanken gefebrieben, ncbmlicb es ift diefes. 
6r begehrte von mir die Bufte vom 6rj Rerjog, und 
Tagte, das könne Gelegenheit geben die Büfte vom 
f)crjog ju machen, und fo würde ich nach Cdcimar 
kommen, das ihm freude machen würde. Cäßt fich 
auch keine Roffnung auf diefen Vcrfprucb machen? Sie 
wiffen das Geld verführt mich nicht. Gerne, gerne 
möchte ich Sie und Jbre verebrungswürdigfte frau 
wiederfeben, auch die lieben Schillers, ffleine frau mit 
mir fich untertbänig empfehlend verharre wie immer 

mit unterthänigem Refpect 
Stuttgart d: 23. Decbr. Dannecker. 

1800. 
Beehren Sic mich bald mit einer Hntwort. 

126] Dannecker an Gdoljogen. 

(CUt. Dadil. v. Car. v. «Ioljogen I.) 

Stuttgardt, 12. Jan. 1801. 

Dcbrnen Sie mir ja mein letztes Schreiben für 
keine önbefebeidenbeit oder Mißbrauch ihrer Güte und 
freundfebaft auf. — Hls ich den legten Brief an Sie, 
verebrungswürdigfter freund, abgefebicht hatte, rieb ich 
mir die Stirne und war unjufricden über mich, weil 
ich dachte fehler gemacht ju haben, dann merkte ich 
auch, daß mein Brief ein 6efcbmier von Bucbftaben 
war, das Sie kaum herausbringen würden. 

Hllein eine franjöfifcbe Ginquartierung binderte 
mich, die Zeit jum Hbgang der Poft war beinahe da, 
Hülle und Cuft hatte ich an Sie ju febreiben, wenn 
gleich der franjofe neben mir den fflagen fäuerte. Das 
tbut einem ehrlichen guten Dcutfcben web vom Sieger 
umgeben ju fein, wo die deutfebe Kation in jeder Rin- 
fid)t fold-je Jcbltmme Rolle fpielte! 

Rerrn Rartmann habe ich heute das pianichen 
mitgctbeilt; es febien mir daß er fich geneigt finden 
wird nach öCteimar ?u geben ; nur wendete er mir ein, 
daß fein 6emäbldc ?u lang unterwegs bleiben würde, 
und feine Conncxionen in Dresden dabei verlieren 
könnten. Doch ich glaube, daß er Gelegenheit finden 
wird, folches ?u bequemer Zeit dabin abjufenden. 6r 
gab mir den Huftrag Jbnen aufs böflicbfte ?u danken 
und ?u empfehlen. 

Run auf mein großes Jcb ju kommen, will ich 
Jbnen aufrichtig meine Meinung auch nach dem Hlpba- 
bet binfetjen. 



Anhang 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



63 



a) öüober ich den flßarmor nehme? Hu$ Carrara 
oder fonft einem guten Ort oder freund, in 14 
Cagen würde td) ihn in Stuttgart haben. Dicht 
wahr das heißt hexen ? 

b) Ob ich die Büfte ganj in flßarmor verfertigen 
würde? oder nur das flßodell machte? nur das 
flßodell machen. 

c) ttlie hoch lieb die Büfte in Carrarifcbem flßarmor 
beliefe? Hntwort auf 200 Couisd'or beftimmt, 
nicht ungefähr. 

d) Ob id) für alles felbft forge? Ja, Reife, flßar- 
mor, fertige Büfte in meinem Htelier; Cransport 
von Stuttgart müßte bejablt werden. Befcheidener 
kann ich nicht mehr fein. Hudi wäre mir vor 
GndeHuguft nicht möglieb abzugeben, in 4 Klocben 
gedenke ich eine Hrbeit ju endigen und dann 
m u ß ich Sdiillers Büfte endigen. Der Zwang 
liegt in mir, und der Preis müßte verfübrerifd) 
fein von einer anderen Hrbeit, wenn mein CHille 
und Cuft unterbrochen werden follte. Ja berjlid) 
würde es mich freuen, wenn fieb's fdnekte bei 
Jbnen und Jbrer frau 6emablin einige Cage ju- 
bringen ju können. Hucb bin id)'s gewiß, daß 
mir mein örlaub nicht febwer gemad)t würde. 
NB. ohne mein liebes gutes (Heibcbcn kann ich 
nicht fein 1 Sie empfiehlt fieb Jbnen untertbanig 
wie auch mit mir Jbrer frau Gemahlin, und 
empfiehlt fieb Schillers und f). Geb. Ratb von 
Goethe aufs böflicbfte und ich verharre wie immer 
mit vollkommenftor Hochachtung 

Dannecker. 



127] Dannecher an Caroline von GQoljogen. 

(Ciit. Hadil. v. Car. v. doljogcn I.) 

Stuttgart, 3. februar 1802. 

Recht innig vergnügt bat mich Jbr fo werthes 
Hndenken gemacht, fo wie die Cüiedergenefung Jbres 
Herrn Gemahls, deffen fatigue auf fo langer Reife 
gewiß groß gewefen fein muß. H- 6cb. Ratb von 
üxkull bat mir eine angenehme Dacbridit mitgetbeilt, 
daß Herr von GQol?ogen flßiniftcr geworden. Bravo, 
das tbut mir wohl, und tbut mir aus mehreren Grün- 
den wohl, weil man den lieben flßann von hier ab- 
geben ließ. 

Schillers Gruß fo wie auch von feiner lieben 
frau tbut mir auch wohl, ich denke fo oft mich 
in Jhre Gefellfchaft und habe febnlicben Klunfcb Sie 



alle jufammen wieder ju {eben. Ceider habe ich bis 
jetjt keine Husficbt von meiner Seite es in Grfüllung 
ju bringen, flßeine Hrbeit, die ich vor mir habe, er- 
laubt mir md)t einen 6edanken an das Reifen ju 
haben. Gerne wünfebte id) ein paar CQorte mit Jbnen 
über das Sujet das ich bearbeite, ju fpredien, um nach 
Jbrem Gefühl das meinige ju richten. Grlauben Sie, 
daß ich mich äußere? 

Die freundfdiaft (teile ich an den Sarg, 
den einen fuß auf die Creppe, den andern auf den 
Sockel, oben liegt der Sarg, auf diefen lehnt fie 
fid) mit dem linken Hrm an, dreht fieb etwas von 
vornen und fiebt in die Höbe. Der rechte Hrm ruht 
auf der Hüfte nad)läffig, das Hufftütjen an die linke 
Hand ift kein redites Stützen, fondem blos eine 
Bewegung, daß fie an dem Grabe verweilen wird. 
Husdruck der figur ift fcbmerjlicbes Seuf?en und Sebn- 
fucht; die Bruft erhöht fid}, und durch das 6ewand 
und Gürtel jeige ich, daß ihr die Bruft ju enge ift, die 
rechte Hcbfel ?ieht fieb vorwärts. Jd> glaubte dem 
feinfühlenden mehr Dabrung ju geben, wenn er den 
6edanken dabei haben kann, daß es Sebnfucbt des 
CQiederfebens vorftellen foll. Bereits ift mir's gelungen, 
daß Didot-Kenner den Husdruck erratben haben. Run 
habe id"> aber Ginwendung von einigen bekommen, 
die mir fagen, es wäre ihnen lieber, wenn die freund- 
fdwft in Schmer? auf den Sarg bingefunken wäre. 
Das ift jwar für den freund der erfte Husbrud) von 
Gmpfindung, aber von keiner Dauer, und ich denke, 
daß die freundfebaft keinen foteben ftarken Husbrucb 
der Gmpfindung dulden kann, ich ftelle fie mir ftiller 
und größer vor, wenn gleich Homer den Hcbilles auf 
den Ceicbnam des ßatroclos binftürjen läßt, fo ift da 
der todte freund und hier nur der Stein, der ihn be- 
deckt. Haben Sie doch die freundfdiaft für mich, 
wenn mein Gefühl hier irre geben follte, nur mit eini- 
gen Zeilen jured)te ju weifen obne alle Schonung, 
ich möchte gerne etwas Gutes ftiften und nie wider 
Vcrftand und Gefühl fehlen, Correktion ift nach diefen 
beiden in der Husfübrung. 

Caufend Dank für die Recommandation ?u Be- 
arbeitung des flßonumcnts für 6r?berjog Carl. Cöabr- 
fcbeinlicb wird nicht mehr die Rede davon fein, und 
ich glaube auch, daß es nad) Klien kommen würde. 
Der Cod des lieben Zumfteg wird fie gewiß auch ge- 
febmerjt haben? Die Cage feiner familie ift nicht die 
befte. Stuttgart bat fieb woblthätig gejeigt, allein man 
hofft aud> von auswärtigen freunden vom Cheater 
Qnterftütjung. flßein liebes ödeibeben empfiehlt (ich 



6 4 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



Jbnen und I)n. 6emabl wie auch Schillers auf's 
freundfcbaftlicblte. 6rüfje ohne Zahl von mir. 

Dero geborfatnfter ergebender 
Dannecker. 

128] Dannecker an Cdoljogen. 

(Eitt. Gacbt. t>. Car. v>. GIot?ogeti I.) 

Stuttgart, Mai 1805. 

Schillers Cod bat mich febr niederge- 
drückt. Durcb Rn. Capellmeifter 6ranj kam die 
fürchterliche Hacbricbt juerft bieber, Im erften Moment 
konnte ich kein Hlort vorbringen, es erftickte in mir, 
doch trottete mich, dafj ich febon ein paar malen auf 
diele Hrt betrübt wurde ohne dal? es die Klabrbeit war. 

Jbr Brief erfebreckte mich nun ganj, ich fürchtete 
mich ihn ju lefen, fing an und warf ihn bei der erften 
Zeile weg. Heb 6ott, das ilt hart! ich wollte weiter 
lefen, und konnte nicht, endlich nach einiger Zeit nahm 
ihn mein liebes CQcibchen und las ihn mir im tiefften 
Schmerjen vor. Jcb glaubte die Bruft müfjte mir jer- 
fpringen, und fo plagte mich's den ganzen Cag. Den 
andern Morgen bei'm 6rwacben war der göttliche 
Mann vor meinen Hugen, da kam mir's in den Sinn, 
ich will Sd)iller lebig machen, aber der kann nid)t 
anders lebig fein, als coloffal. Schiller mufj co- 
loffal in der Bildhauerei leben, id) will eine 
Hpotbeofe. 

Jcb machte mir einen plan jur Husfübrung: 220 
ßrämuneranten, jeder ju einem Couisd'or und jeder 
foll für feinen eingelegten Preis einen Schiller in 6yps 
Eebensgröfjc erbalten ; der die Coloffalbüfte erhält, kann 
fie nehmen oder fieb ein Denkmal für ödeimar ftiften. 
Schillers Portrait habe ich beinahe fchon fertig in 
Marmor. Das 6eficht und ßals ift fertig, ich habe 
es mit Eiebe gemacht und bat fd)on lang in meinem 
Htelier einen Hamen als Zierde dejfelbcn, es wird mir 
wehe tbun, mich davon ju trennen, aber wenn es in 
die familie, in Sdiillers familie kommen 
follte, fo wird es mich freuen. Huch mein oben- 
genannter plan ift, ihn als Cermen ?u machen. Klolltc 
man ihm ein Monument verfertigen laffen, fo wäre 
es auch tauglich, und vielleicht in das ernfte Piedeftal 
eine Mufe, die Melpomene trauernd en Basrelief binein- 
gefetjt. Sollte die Ruffifcbe Kaiferin nichts tbun ? Heb 
wenn fie nur den Klunfch bei dem Cburfürften äufjerte, 
dafj Dannecker der Verfertiger fein möchte. Jft Schiller 
nach feinem Code geformt worden, fo bitte ich Sie 
um einen guten Hbgufj, es kann mir in jeder Fjinficbt 



wichtig fein, ich will es wie eine Reliquie verwahren. 
Cavaters Bild habe ich auch nach dem Code gemacht 
und diefer war auch jerftört, doch habe ich ihn leben- 
dig und gut gemacht, die Dacbricbten aus der Scbweij 
werden bald davon öffentlich erfcheinen. Verjeiben 
Sie mir, dafj ich fo ohne allen Citul mit Jbnen fpreebe, 
die grofje Hcbtung ift in meinem ßerjen. Mein liebes 
Weibchen und freunde empfehlen fieb Jbnen und Jbrer 
frau Gemahlin aufs freundfcbaftlicbfte. Cäfjt es fieb 
tbun, dafj Sie der Madame Sd)iller über ihren unaus- 
fprecblid)en Verluft mein Mitleid bezeugen, fo tbun Sie 
es doch. 

Jbr Dannecker. 

129] Dannecker an öloljogen. 

(Cltt. Dacht, v. Car. v. ttloljogcn I.) 

Stuttgart, 28. Mai 1805. 
Huf Jbr gütiges Schreiben habe id) fogleicb die 
hier beigelegte Skijjen entworfen ; ich wünfebe febr, 
daf} fie Jbren Beifall erbalten möchten, indem ich die 
Hoffnung haben könnte, gewifj eines davon in Marmor 
ausführen ju dürfen. Die ftebende figur, oder die 
Mutter drüd?t die beiden Hfdxnkrüge an die Bruft, 
und fiebet mit Sebnfud)t in das unendliche, fie trägt 
järtlicb ihren Verluft nur in der Hiebe an ihrem Fjer- 
jen und febeint fagen ju wollen : I)err, hier find die, 
die du mir gegeben baft. 

Die jweite Jdee: eine järtlid« Mutter drückt die 
eine Urne, die mit dem Sd)leier bedeckt ift, an ihr 
Rerj und jiebt fid) wehmütig auf die andere bin, auf 
der Urne ift ein Papillon, der aus der Puppe beraus- 
fcblüpft. Bei der Grfindung dachte ich an eine Jn- 
febrift, die von mir ift: Jetjt erft leben fie. Jn 
das Diadem könnte der ruffifcbe Hdler als Ornament 
angebrad)t werden, damit die Kaiferin Mutter bezeichnet 
ift. F)aben Sie die Gnade, der Kaiferin ju verfiebern, 
dafj ich recht febr fühle, wie febr der Husdruck und 
Styl von folchem Klerk das wiebtigfte fein und daf? 
ich mir Mühe geben würde eine Hrbeit ju verfertigen, 
ohne durcb grofje Jnfcbriften nötig ju haben, das Rerj 
an fich ju jieben. für das Monument von Kailer 
paul habe id) keinen Fjang, id) barmoniere mehr mit 
einer leidenden Mutter, aud) würde ich keine Zeit fin- 
den, beide ju unternehmen, da ich jwei Cieblings- 
gefebäfte in petto habe von Marmor auszuführen. Das 
erfte wäre Schillers Monument und das jweite eine 
Hriadne, die auf einem Panther reitet. Jn den ¥>\m- 
mel bauen fie eine Staffel, wenn id) eines von den 



Anhang 



V. Briefwecbfet mit freunden. 



65 



gezeichneten Monumenten ausführen darf. Hacb der 
Robe des Cempels ju urteilen, Tollte die 6röfjc der 
figur 8 Schub lein, denn es läfjt fich fcblicfjen, dafj, 
da die Kaiferin Mutter fo ju Jagen für ihre Verftor- 
bene ein Reiligtbum bauen läfjt, kein Meiner 6egen- 
(tand darin fein darf. Sie begehrte es fimpel, als im 
großen Styl, mir fällt Pbidias Jupiter ein. — Das 
6anje würde auch mehr Jntereffe bekommen, wenn 
mehrere ffleifter eine Hrbeit liefern, freilich beffer von 
einem guten jwei Stücke, als von einem andern et- 
was gefrorenes, für eine figur, die 8 f ufj Robe hätte, 
glaube ich 1000 Couisd'or ju verdienen, fo wie von 
einer die fedis fufj bod) wäre, 800 Couisd'or. fiur 
müfjte ich bitten, dafj die Kaiferin (Butter einen Befehl 
an den Ruffifchen Conful nach Civorno fchickte, um 
den von mir beftellten fflarmor von Carrara auf einem 
neutralen Schiffe nach Hmfterdam ju verfenden. Dafj 
Sie 6bre haben werden, wenn Sie mich empfehlen, 
davor ftehe ich mit meinem Ceben. Ja ich bin wie 
feurig auf diefen 6egenftand. — Schreiben Sie mir 
doch bald, haben Sie die Gnade mir auch wegen 
Schiller etwas ju fagen, empfehlen Sie mich Jhrer 
wertheften frau ßemahlin, auch fie follte Sie bitten 
mich ju empfehlen, doch wer weifj was gefchiebt. 

Dannecker. 

(Beide Zeichnungen find noch bei den Briefen. 
Huf den Hfchenkrügen ftehen die Hamen: Hlexander 
und Relene.) 



130] Dannecher an (öoljogen. 

(Citt. nacht, v. Car. v. Ololjogen. I.) 

Stuttgart, 4. Hug. 1805. 

6uer Gxcellenj bitte noch einmal untertbänig um 
die Gewährung meiner untertbänigen Bitte, mir einen 
Hbgufj von des fei. Sdrillers 6eficbt jujufcbicken. 

Die Coloffalbüfte von diefetn unvergeßlichen fllann 
ift bereits ebauchiert, [im fflafj 2' 10" hoch, breit 1' 7", 
tief j' 2" als Cerme bebandelt] auf der einen Seite 
wird eine tragifebe fllaske, auf der andern eine Ceyer 
und hinten ein Catalog von feinen Cderken eingehauen, 
flßein Plan ift, fie auf Subfcription dem Publikum ju 
überlaffen, fo dafj das marmorne Original den preis 
ausmacht und jeder Hbonnent, der folebe nicht be- 
kommt, einen guten Hbgufj in 6yps erbalten wird. 
Der Ginfatj ift eine Carolin. Von der marmornen 
Büfte in Cebensgröfje trenne ich mich nicht gern aufjer 



wenn fie für die familie oder nach Cöeimar begehrt 
würde. Hufs künftige frübjabr werden beide Aßarmor- 
büften nebft Gypsabgüffen fertig fein und abgegeben 
werden können. Schreiben Sie mir doch bald Jbre 
ffleinung über mein Unternehmen. Raben Sie mir 
noch Hoffnung für das marmorne ffionument nach 
Rufjland? 6bre Tollen Sie gewifj von Jbrer 6mpfeb- 
lung haben, flßeinen untertbänigen Gmpfebl an 6uer 
6xjellenj frau Gemahlin. 

Dannecker. 



131*] Dannecher an GQoljogen. 

(Sd)llUr-CDutcum . ffiarbacb; unvolltt. gedr. £itt. nacbl. v. 
Car. <o. Kloljogen I.) 

Stuttgardt d. 14. Octbr. 1805. 

Jbren Rerrn Bruder den Major ') habe ich geftern 
gefproeben, er war in meinem Htelier und wollte fich 
von nichts erinnern was Sie ihm ju mehrerer Hus- 
kunft Jür mich aufgegeben haben. 6r fagte mir, er 
jernichte immer jeden Brief, und fo komme auch alles 
bei ihm in Vergeffenbeit — ich Tolle Jbn an etwafj 
erinnern, ob es nicht wegen der Bufte von Schiller 
gewefen wäre? Kluger bin ich auf dieje Hrt nicht ge- 
worden. 

Das Kind bei Reideloff habe ich gefeben, es bat 
mir Wohlgefallen befonders der Körper, das Köpf- 
chen ift jierlich, ftekt aber mit dem Rinter Raupt im 
plan. Die Craperie ift fchlecbt und die Bearbeitung 
derfelben fcbüblermäfjig ; auch itt der Qlarmor nicht 
Jcbön bebandelt, die Contouren find unrein, und man 
liebet, dafj es eine Copie nach fiamengo 2 ) feyn kann. 
Von fiamengo felbft ift's nicht, denn diefer bearbeitete 
denn fflarmor vortrefflich, auch find die Rande und 
Vorfüfje vernachläffigt. Hn beiden Randen ift ein 
f inger aus Hlabafter gemacht reftaurirt. Dadurch woll- 
ten die arme Ceute glauben machen, es [eye der be- 
rühmte Hmor, den fflichael Hngelo nach einer 6efcbicbte 
tollte haben vergraben laffen. Übrigens ift es immer 
ein liebes Ding, das jierlich da liegt. 3di glaube felb- 
ften, dafj Reid. mit fich bandeln läfjt, denn er hatte 
es febon dem Cburfürften für 100 Couisd'or angetragen. 
Caffen Sie aber meyne ffleinung bei Reideloff hinweg, 



') Eudwig v. Kl., feit Juni 1805 als flügeladjutant in 
württembergilcben Dlenttcn. 

*) „fiammingo" = flaeme. Bejeicbnung der nlederländllchen 
Bildbauer, die in Jtallen lebten und Itudierlen. Fjier fürFrancois 
Du Quesnoy (1594—1646). 6r exaltierte namentlich in Kinder- 
figuren. 



66 



V. Briefwed)fcl mit freunden. 



idi habe fonft Verdrufj mit dem flßenfcben. Jch bin 
Jbnen die offenfte Gefinnung ?u lagen fcbuldig, und 
die han der Verkäufer nicht hören. (Huch ift der 
Körper von franjöfifdicr fd)lecbtcn form.) 

Dielen üQinter mufj ich Schillers Buften fertig 
bringen, die eine kan in 3 ffionatb rein fertig feyn 
und die coloffale wird freilid) fflübe mad)en, ich freue 
mich hindifcb darauf. Jd) habe gedadrt, fie vielleicht 
bei einem fllonument anjubringen. Jch habe eine 
Jdee und ich wünfebte, dafj ich die größte, die 
fchönfte haben möchte. Huch habe idi ein J>aufj daju 
in 6rde gebaut, um das 6anje figürlid) vor mir ju 
haben. Ja, gnädiger I)err, das war eine Pracht, habe 
es aber wieder jerniebtet, damit man mir die 3dce 
nicht ftieblt. Bei dem 6ebäute, wir wollen es einen 
Cempel beiden, ift die Rauptfacbe, dafj das Eicht gut 
ift. Schillers Büfte muf? ftreng von oben herab 
beleuchtet werden, denn ich habe es probirt, und es 
macht einen unbegreiflichen Unterfcbied fo — oder fo. 
Jch will am 6nde Jbnen meine Jdee binfdnnieren. 
Schillers Büfte auf einem Piedeftal oder Sokel, vor 
dem fteht der Hdler im Begrif eines hohen fluges, er 
fiebt gegen ihn hinauf, hält in einer Klaue eine fakel 
als Zeichen des großen 6eiftes und hohen Schwung. 
Rinten ?u find an beiden Gehen ?wei tragifd>e fliasken 
angebracht. Huf beiden nebenfeiten oder vielmehr in 
einem palbjirkel wird der Catalog von allen feinen 
GQerken eingebauen, fo ruht er nun in der I)öbe, feine 
Cöerke unter lieh, und man kann fagen : Huf fich 
felberftebterda, gan? allein. So wie man 
in den Cempel tritt, fo ift vor der Chüre ein Basrelief 
von 3 Olufen in Cebcnsgröfje, rechts und links kommt 
man erft in's Hllerbeilige, damit von der Strafte aus 
kein Eicht hineinfallen kann und das Eicht von oben 
herab allein Slirkung thut. Jch geftehe es, dafj mir 
lieber wäre Schillers Coloffalbüfte auf diefe Hrt anju- 
bringen. 

flßir thut es leid wenn der F)err Jagemann, den 
ich nicht die 6bre habe ?u kennen, mir nie keinen 
Hbgufj von Schiller fchihen follte. Vicleid)t wird er 
fich aber doch bewegen laffen, wenn Sie die Gnade 
haben, ihn noch einmal fchön in meinem nahmen 
ju bitten, ich möchte gar ju gerne das finden was 
6all an der Büfte tadelt. JQicbtig ift feine Gntdekung 
gewief? für die Kunft und ich glaube am meiften für 
den Bildhauer Statuaire. Jch bitte Sie inftändig, 
mir genau den Ort ju bemerken was pronon- 
cirter feyn könnte. So viel ich mir erinnere, war ich 
ftreng in der nachabmung der ttatur. 



Huf nadniebten von Rufjland bin ich febr begü- 
rig. Bey uns fteht es eben bedenklich, fo wie ich frey 
von kriegerifchen Sorgen feyn könnte, würde mir es 
äufferft red)t feyn Sie ?u befudnn. empfehlen Sie 
mich aufs befte Dero frau 6emablin. fflein liebes 
CQeibcbcn empfiehlt fich auch Jbr und Jbnen. 

ffleine figur für das Zeppelinfche 6rabmal ift 
fertig und beute fchon wird an der Vollendung der 
Bufte von Sdnller für Sie angefangen. Die Coloffal 
Bufte imponirt fchon in ihrer GboAe und jeder der fie 
fiebet freut fid) darüber, ihre Bewegung des Kopfes ift 
lebhaft durchdringend, und es liefje fich, wenn fie nach 
dem antiquen Sinne angeleben würde, darüber criti- 
firen ; allein daran liegt mir nichts, Schiller muf? Be- 
wegung haben und nicht wie ein kalter Pbilofopb 
gerade ausleben. 6r bat etwas adlermähiges, deffen 
Bewegungen immer ftark find. Jch empfehle Jbnen 
diefe Jdee, und mich felbft. 

Dannecker. 

Die Zeichnung ?um Cempel will ich Jbnen aud) 
(deichen, wenn ich fie rein ausgedacht habe. 



132] Dannecker an GCToljogen. 

(ScMUer-CQuteutn , OUrbacb; gedr. Eilt n.icbl. v. Car. v. 
Kloljogen I.) 

Stuttgardt, g. Jan. 1806. 

6uer Gxcellen? halten es mir für keine Zudring- 
lichkeit, wenn ich mir wieder die freibeit nehme Jbnen 
mit einem Brief bcfchwebrlich ?u fallen ; ich habe mir 
vorgenommen einen grofen Brief ju febreiben, daher 
bitte id) Sic jum voraus unterthänig, ihn nicht fogleicb 
wegzuwerfen, denn es thut mir wohl, mich mit Jbnen 
fchriftlich ju unterhalten. Vorgeftern war Rudolf, der 
bei Schiller fo lang gewefen, bei mir, er kam mit 
Cotta von einer Reyfe aus flßündien und im Begriff 
wieder mit ihm nach Cübingen ju reyfen : er fagte mir, 
daf? er Briefe von Cüoimar an mich abzugeben hätte, 
die er aber nicht bei fich habe. 6s war mir febmerj- 
baft von ihm ju hören, daf? er 8'/ 2 Jahr bei einem 
fo vortrefflid)en Rerrn gewefen. Jch fab ihn vor einen 
Klaifen an, und wenn er auch gleich jum Vater den 
erften der Cöelt bekommen follte. flßit Schiller be- 
fd)äftige ich mich nun täglid), ich arbeite an der collo- 
falen Bufte, fie koftet flßübe, freut mid) aber febr, in- 
dem das Bild collofal einen unbegreiflichen Gindruh 
macht. Vor 6 Klocben war mein König bei mir im 
Htelier. Cflie er Schiller fo grof? fabe, fagte er: „Po? 



Anhang 



V. Briefwccblcl mit freunden. 



67 



taufend wie grofe! — Hber warum fo grofe? — Jen: 
„Jbr Durcbl. Sd)iller muh Jo grofj feyn" (in einem 
fermen Con gefprodicn, die beiden Hrme geftreckt, fo 
dal? das incre der F)ändc cn face kamen.) „Hber was 
wollen Sie damit mad)en ?" Job: „Jbr Durd)l. der 
Schwab miifj dem Sdnvaben ein Monument machen, 
und folltc ich ein Ccrrain kaufen, das nur fo grofj 
(dabei machte ich mit beiden Hrmen eine Bewegung 
welche das Maas von 4 bis 5 f ufj einnahm) wäre um 
Schillers Bufte auf aufteilen. 6r lächelte und fagte: 
„Sic muffen ja ein guter freund von ihm gewefen 
fein ! „Ja Jhr Durchlaucht von lugend auf, (war 
meine Hntwort mit fiachdruk). Hud) habe ich ganj 
einen runden Con angenommen, id) glaube den 6rund 
wohl angeben ?u können warum id) fo gleich geftimmt 
war. Jn 6 CQocben kann Schillers Büftc in Cebens- 
gröhe fertig fein. 

Jcb bin fehr glüklich, ich habe wirglich für den 
König in's Scblok nichts ?u thun, (man arbeitet Cag 
und Had)t am verbrennten flügel) auch habe ich an 
denen logenannten Criumpb Bögen für Dapoleon, 
der morgen kommen foll, nidits ?u thun , und fo 
kan ich ganj mit fflufe meinem 6efcbäftc nachgehen, 
und bekümmere mich nicht viel, wie die Candfcbaft 
und der Kircbenratb organifirt wird. Das gebt den 
Künftler alles gar nichts an. Das kann idi Jbnen 
doch fagen, dafj \&> rotbe Baken bekommen habe 
feitdem ich Königl. Prof, und Rofbildbauer worden bin. 

Güic ftebt es mit Jbrcr werten 6efundbeit? 6ott 
gebe dafj es gut beifje — ach das wünfdie \&> Jbnen 
von ßerjen wie auch Jbrer frau 6emabün. Cdächft 
Jbr Sohn ju Jbren freuden fd)ön auf? CQenn Sic 
mich einmal wieder mit einem Sdneibcn beehren, fo 
Jagen Sic mir doch ein paar Klorte von ihm. ööie 
befindet fieb frau von Schiller und die lieben Kinder? 
ich tbue Jbncn fragen, die für midi unendlich intcr- 
effant find gut beantwortet ju wiffen. Carl Schiller 
foll ganj der Vater fein, fogar feinen Schwung in der 
Bewegung des Körpers haben, ach es tbat mir wohl, 
das ju hören. Schillers Codtenfeier auf dem hiefigen 
Cbeatcr ift jimlicb ordentlich gegeben worden, leider 
ift's eben in einer Zeit vorgekommen wo hier alles 
wegen dem Krieg in Hngften war. Zur Zeichnung 
für die Decoration des Monuments und für die Jdce 
des ganjen bin ich vom Grafen Klinjengeroda aufge- 
fordert worden, Sie werden es in der Zeitung gelefen 
haben. Raug bat die Poefie beforgt, ich habe fogar 
für die fflelpomene die Masque modelirt und gegoffen. 
Raben Sie mir noch keine Masque von Schiller be- 



kommen können? Das wäre ja neidifcb, wenn id) 
keine haben folltc. Jd) habe gehört, dafj eine Hnjeige 
von Schillers Bufte nach dem Code von CQeimar aus 
gemacht worden, ich verfprcdje, meinen nicht auf pre- 
nommeration herzugeben, wenn ich nur einen Hbgufj 
erhalte. — Hucb ift's wider mich, ich fpüre es tägtidi 
mein, um Schiller darf nicht das Coos gejogen wer- 
den. Sie werden fagen, ich fei ftotj, eigenliebig, was 
Sie nun wollen: fo fpübrc id)'s eben. 

Raben Sic von Rufjland wegen dem Monument 
keine nadiricht? Klabrfcbeinlicb befinnt man Jid) noch? 
(Has icb nun bitte, feyn Sic nur nicht ungnädig auf 
meine 1000 fragen, fchimpfen dürfen Sie wohl, ich 
höre es leider nicht. Mein liebes Cöeibcben mit mir 
empfiehlt [ich Jbnen und Dero frau Gemahlin untcr- 
tbänig fowic frau von Schiller, und damit mein 
Brief mit einer frage aufhört, fo frage ich untertbänig 
an, ob nid)t eins von Jbnen, oder alle, defto beffer! 
eine Reife in's Königreich Schwaben machen werden ? 
Cbun Sie das doch bald, icb bitte Sic allcrdringend(t 
darum. Der perr 6rb Prinj von Klcimar gehört ju 
denen Prinjen,die ich die 6nade hatte kennen ju lernen, 
welche idi fogleicb liebte, lad^en Sic mich nicht aus, 
wenn \än Sie frage, ob es nicht fcbicklicb wäre, wenn 
icb mich Jbm untertbänig empfehlen liefj? Doch id) 
hätte hier können juerft den Ceremonien ffleifter von 
Röder fragen. Jcb kenne Jbrc 6edult, Jbre freund- 
fd)aft für mich, und bitte immer um die fortdaucr 
dcrfelben. Mich noch einmal damit untertb. empfeh- 
lend verharre mit vollkommenfter FJocbacbtung 
6uer 6xcellenj untertb. 

Dannecker. 

Soeben führte man einen gefangenen Ruffen vor- 
bei, ach das find arme 6cfcböpfe, wie die jugeriebtet 
fein follen, ift ohne Befcbreibung. Diefcr einjige der 
Stuttgardt gefeben, wird Heb glüklich fcbäjen. Sie 
kennen die ßutmütbigkett der hiefigen 6tnwobncr? 
ich brauche Jbnen alfo nicht ju fagen, was man an 
ihm tbut. 6eftern war ein Officier von diefer genann- 
ten Dation im Schlofj, er fabe da das Portrait der 
Kaiferin Mutter, und fogleicb liefen ihm Chränen wie 
im Strobm herab. Das find Monumente vor ßrofje 
die feiten find. — Das frübjabr denke ich nach Paris 
mij meiner frau ju reyfen, 6ott gebe, dafj fie vollführt 
werde. Mein Sd)wager P)einricb, r). v. Qxkull und 
Raufjmarfcbal von 6emingen empfehlen fieb Jbnen 
aufs freundfcbäftlidifte. Kläre etwas für mich in Ruh- 
land in's Grofje auszuführen, fo vergelten Sie ja nicht 
dafj ich auf der Cdelt bin. 



68 



V. Bricfwecbfcl mit freunden. 



133] Danmcfcer an öloljogen. 

(CHI. nad)t. v. Car. v. Bloljogtn I.) 

Stuttgart, 12. fflärj 1806. 

Den 8. fflärj habe ich die Bü[te von Schiller über 
nürnberg abge|cbicht. ich hoffe dafj fie ohne allen 
Schaden anhotnmen wird, flßicb foll es unendlich 
freuen, wenn man damit in CQeimar jufrieden ift, ich 
glaube dafj diefc Biifte für die familie am intereffan- 
teften fein wird, weil fie fo ftreng nach der Hatur ver- 
fertigt ift. ffleine Coloffal-Büfte von Schiller werde 
ich freier bearbeiten ohne dem Charakter ju fchaden, 
lchon jetjt imponiert er fehr und ich habe am Prinjen 
paul einen halben Käufer ohne fie verfprochen ju 
haben. Cdie wäre ich glücklich, wenn ich bei Hus- 
packung der Büfte fein könnte! ßeben Sic mir doch 
bald Hachricht wenn fie angekommen fein wird. Keinen 
preis habe ich für Schiller nicht gemacht, ich laffe es 



ihnen ganj frei, mich ?u entfehädigen ; mit was für 
fragen Sie auch auftreten mögen, wird immer die 
Hntwort von mir fein, was Jbr guter Klillc ift. Der 
Prinjefj paul habe ich auch die Büfte angefangen, und 
das Portrait vom feiigen P)errn von Caubenheim ge- 
macht, diefes führe ich für den Kronprinzen in flßarmor 
aus, ich habe bei meiner unternehmenden Reife diefc 
Hrbcit, die ich fonft nicht fo fehr liebe, diesmal gerne 
unternommen weil es mir Reifegeld verfchaffen mufj. 
fl2cin liebes HIeibcbcn empfiehlt fich mit mir Jbrer 
frau 6cmahlin und der frau von Schiller aufs nacb- 
drücklichfte. Jcb habe in meinem letjten Brief viele 
fragen an Sie gethan, ich fürchte etwas unbefcheiden 
oder grob gewefen ju fein, verjeiben Sie mir wenn 
ich mich verfebrieben habe. Jcb empfehle, mich unter- 
tbänig und verharre 6uer Gxcellcnj untertbäniger 

Dannecker. 



Briefwecbfel mit öulpiz und Melchior Boifferee. 



134] Sulpij BoifTeree an Dannecher. 

(HadilaS H., fledr. Sd)W. Chronik 1878, S. 1937.) 
hochgeehrter J)err und freund 

Gegenwärtige wenige töorte überbringt Jbnen 
Rcrr Buchhändler Reimer aus Berlin , welchem als 
einem wertben freunde ich Jbre bocbfcbätjbabre Be- 
kanntfebaft wünfehe. Jcb empfehle denfelben Jbrer 
febon oft erfahrenen Güte, und jwcifle nicht eine febl- 
Bitte ju tbun, wenn ich Sie erfuebe, ihm die Betrach- 
tung Jbrer herrlichen Kunftwerke ju gewähren. 

Hlles was wir Jbnen dagegen anbietben können, 
Itebt mit aller freude und Bereitwilligkeit ju Dienften. 
freilich die ju unferer Verfettung von hier nötbigen 
Vorbereitungen und Hrbeiten, die Beforgung aller noch 
etwa wünfebenswerthen Reftaurationcn, die J)erftellung 
trüb oder gelb gewordener firnifje, das 6'mfafjen in 
neue Rahmen und wie alle die weitläufigen ßefebiebten 
beifjen mögen , haben uns feit mehreren flßonatben 
ganj aufjer Stande gefetjt irgend etwas jeigen ju kön- 
nen. Jndeffen ift das wefentlid>fte nun bald voll- 
bracht, fo dafj wir freunden und anderen uns 
wertben und wichtigen Perfobnen von 
Hnfang Hugult an wenigftens die I)aupt Sachen wer- 



den vorlegen können; wobev wir dann in Betreff 
unferes fo fehr eingeengten Cocals viel auf die nach- 
gebt der kleinen Hnjabl von Perfoncn jäblen muffen, 
der wir nur jedesmabl Raum geben können. 

Bemerken Sie dies gefälligft denjenigen, welche 
allenfalls fragen Tollten. Clnd übergeben Sie recht 
bald die ßoffnung, Sie bey uns ju feben, und bringen 
Sie Jbren Schwager, I)r Rapp mit. 

CHir befitjen jetjt einen Cbriftuskopf in Cebcns- 
gröfje von Remmeling (bekanntlich dem beften Schüler 
des Jobann von 6yck). Diefes Bild gehört wegen der 
treuen Beibehaltung der alten traditionellen form fo- 
wobl , als wegen der Pracht der Husfübrung und 
färbung ju den wichtigften und fchönften Kunft Hltcr- 
tbümern von Deutfcbland. 

Gmpfeblen Sie mich den wertben Jbrigcn und 
dem ganjen Rappifcben I)aufe ju freundlichem Hn- 
denken. 

Jcb verbleibe unaufhörlich mit innigfter Rocbacb- 
tung und Verehrung 

Jbr ergebender Diener und freund 



Sulpitj Boifferee. 



Reidelberg am 21. July 1817. 



Anhang 



V. Briefwecbfcl mit freunden. 



6 9 



135] Sulpij Boifferee an Dannecker. 

(nacblaft H., gtdr. Scbw. Cbronih 187S, S. 1937.) 

[Ohne Datum, Fjerblt 1818]. 

Hochverehrter tbcurer freund! 

Jbr Gmpfoblencr der Gnglijchc 6cfandtc H- Caylor 
i[t bettens aufgenommen worden. Hußer dem, daß es 
uns gefreut biedureb Jbncn etwas gefälliges erweifen 
ju können, bat uns aueb die Behanntfcbaft diefes 6eift 
und Sinnvollen Kunftfreundes felbft viel Vergnügen 
gemacht ; fodaß wir Jbncn febönftens dafür danken. 

Die Hoffnung Jbres eigenen Bcfucbs, die Sie uns 
geben, ift uns überaus lieb. Dur wünfeben wir, daß 
Sie das freundliche Vorhaben bald ausführen könnten. 
Denn fowie die Jabresjeit vorrückt und die Kälte 
kömmt, müßen wir die 6emäblde aus denen jum 
Hcitjcn beftimmten Zimmern entfernen, und in wenigen 
Räumen aufeinander packen, fo daß es dann bey der 
großen Hnjabl von Dingen febwer ja faft unmöglich 
wird, mebreres, befonders 6cgenftände von bedeuten- 
der Größe bervormboblen und aufjuftellcn. 

Benutjen Sie alfo mit Jbrcn Gefährten die febö- 
nen Fjcrbfttage, und kommen Sie je eher je lieber. 

6rüßen Sie freundlichft Jbren Hr. Schwager Rapp, 
und alle die lieben Seinigen. Jbre Reife luftige Dichte 
Mathilde werden Sie wohl mitbringen. 

ffiein Bruder u. Y)r. Bertram grüßen mit mir 
aufs angelegentlichfte. 

Jbr Sie hoch und tbeuer verehrender 

freund und Diener 

Sulpit? Boifferee. 



136] Sulpi? Boifferee an Dannecker. 

(DadilaJ H., gedr. Scbw. Cbronih 1878, S. 1937.) 

Heidelberg am 4. October 1817. 
Hochverehrter Herr und freund! 

Sie werden jwar febon durch ¥>t\m und frau 
von Seckendorff, für deren äufferft fcbätjbare Bekannt- 
febaft wir Jbncn recht febr danken , unfere 6rüße 
empfangen haben. Jndeffen kann ich mir doch die 
f reude nicht verfngen , Jbnen diefelben auch fchriftlicb 
ju wiederboblen, und meinerfeits noch ganj befonders 
Jbnen für die mir rückfiditlich meiner 6encfung bc- 
wiefenen Cbeilnabmc und Beforgniß den freundfebaft- 
licbften Dank ju fagen. 

Cöenn ich bedenke wie fchnell ich mid) vollkom- 
men wiederber geftellt habe, möchte ich faft glauben, 



daß die ttlünfchc fo guter lieber freunde einen mäch- 
tigen Ginfluß dabey ausgeübt hätten ! COürklicb be- 
finde id) mich fogar beffer als ju der Zeit, wo ich in 
Stuttgardt war. — 

GQas unfere Sammlung betrift, fo laffen uns die 
Huffenmgen mehrerer bedeutenden Perfonen vermutben, 
daß von pr[cußifcber] Seite die Sache bald wieder in 
Bewegung gefetjt werden wird ; ganj neuerdings aus 
Berlin erhaltene Briefe fagen es noch mit größerer 
Zuverlässigkeit, aud) kündigt man uns vorläufig von 
anderer Seite ju erwartende Hufträge an. 

Dach dem wir aber in Stuttgardt gefunden, 
bleibe ich dabey, und Bruder und freund ftimmen 
mit mir ein, daß wir bey verbältnißmäßig gleich- 
sehenden Bedingungen diefem Ort durchaus den Vor- 
zug geben. 

Huffer den jufagenden gcfelligen climatifeben und 
bürgerlichen Verbältnißen trägt die Husficht mit Jbnen 
jufammen leben ju können, recht febr viel ju unfercr 
Deigung bey. 

Der Hi™™el füge es nun nach Cüunfcb! 

für beute muß ich fcbließen; ich bitte nur einen 
gewiffen Künftlcr, den fie unter dem Monogramm — 
M R — kennen, aufs a 1 1 e r b e ft e von mir ju grüßen ; 
er ift jugleicb eine Hrt von feuer Künftler, und in dem 
heiteren Cicbt des blauen H'™mels — wie überhaupt 
im freien nehmen fid) feine GQcrke febr gut aus, 
und tbuen große CClirkung. Klenn ich noch hinzufüge, 
daß es eigentlich eine Künftlerinn ift, fo werde ich 
allem fllißverftändniß entgehen, und Sie werden merken, 
daß diefen meine rätfelbaften Redensarten Spaß und 
6rnft ju 6runde liegt; noch mehr aber daß ich das 
wie den ganzen Brief in dem gebeimften Vertrauen 
gefebrieben, als welches Sie mir feit vorigem Jahr 
durch Jbre freundfebaft immer mehr und mehr ein- 
geflößt haben. 

Jbnen unveränderlich in treuer 

Ciebe und Verehrung ergeben 

Sulpitj Boifferee. 

eilig. 



137] Sulpi? Boifferee an Dannecher. 

(nacblaft H., gedr. Scbw. Cbronih 1878, S. 1937.) 

Heidelberg am 27. Januar 1818. 

Hodigcfcbäjteftcr wertbetter H«"" und freund! 

Rlir haben aus der allgemeinen Eage der Dinge 
und aus dem Stillfchweigen Jbres Henri Schwagers 



70 



V. Bricfwcdifcl mit freunden. 



Rapp auf meinen Brief vom 14t. Oktober die Öber- 
jeugung gejogen, dafj die bewußte Sache in Stuttgardt 
wenigftens einftweilen ganj aufgegeben ift. 

Dem obngeacbtet glaube ich doch, dem jwifeben 
uns fo fcbnell und glücklid) entftandenen freundfebaft- 
licben Vertrauen, eine geheime fflittbcilung fchuldig ju 
feyn. Die[c beftebt mit kurjen CCtorten darin , dafj 
man von preufj: Seite in uns dringt wegen unferer 
Verfetjung nach Berlin auf die früher feftgcfetjte Bafis 
bin abjufcbliefjcn. 

Schon im ßovember in|inuirte man uns durch 
freunde in B: daf? wir bey dem fürften Staats 
Kanzler um Gntfcboidung der Hngelegenheit einkommen 
möchten. Hlir lehnten dies ab, mit der Bemerkung, 
dafj wir, da die ßauptpunete einmal aufs Klare ge- 
bradrt feyen, nicht gern uns durch neue Unterhand- 
lungen binden und fo anderwärtigen Verbältniffen den 
Kleg verfperren wollten ; fey die Reg. über das wefent- 
licbe cntfchloffen , dann brauche Tie das nur förmlich 
ju erklären, über diele oder jene nebenbeftimmungen 
würde man nachher fchon bald einig werden. 

Diefer fall feheint nun jetjt einzutreten ; — denn 
vorgeftem erhielten wir einen Brief von dem T)r. Ge- 
heimen Cegations Ratb Gichborn aus Coblenj, weldw 
ohne gerade eine fold)e Grklärung ju geben , uns auf 
das treundfcbaftlid)fte ju ]\&> einladet „um die Unter- 
handlung ju 6ndc ju bringen, mündlich gäbe 
man (ich leicht alle Hufklärungen , und würde dann 
bald die form ju finden feyn die beyde Cheile ju- 
frieden ftellt" u.f. w. 

T)r. 6. £. R. 6id)born bat vom jfabr 1815 an 
die Unterhandlungen unter der Eeitung des jetjigen 
Cultus fflinifters von Hltcnftein mit uns geführt, er 
ftebt jetjt unter dem Staatskanjler, und befindet 
fieb daher auch gegenwärtig mit dem fürften am 
Rhein. 

5Qic ich fowohl in perfönlicber als artiftifdicr I)in- 
ficht über B., und wie über St. denke, wiffen Sie. — 
Sollten Sie mir nun etwas auf diefe Gröffnung ju 
Jagen haben , welches einen Ginflufj auf unfere 6nt- 
fcbliefjung haben könnte, fo bitte ich es ju tbun ; und 
fich von meiner Verfcbwiegenbeit und Vorficbtigkcit fo 
vollkommen überjeugt ju halten, als ich es von der 
Jhrigen bin, indem ich Jbnen obne alles Bedenken 
dielen Brief fchreibe. — Doch wenn Sie mir , wie ich 
es glaube, au&> nichts dergleichen ju melden hätten, 
fo bitte ich immerbin und jwar recht bald mir ein 
paar Zeilen ju antworten. 

Hufjer jenem Brief von Fj. 6. erhielten wir diefer 



Cage auch noch von anderen Pr: freunden dringende 
Ginladungen, uns jum fürft Staatskanjler jur Hb- 
fcbliefjung jener Hngelegenbeit ju verfügen; felbft Goethe, 
der (ich doch fonft von allen Geftftäften fern hält, 
biethet fid> ganj aus dem Stegreif und auf das 
freundlid)ftc an, die Sache in Berlin in Bewegung ju 
fetjen, wenn es uns genehm fey; er habe nämlich die 
unverfänglichfte Gelegenheit daju. 

Soweit der Rauptjweck diefes Briefs. — Dun 
noch einige Rlorte von meinem lieben Jcb; damit Sie 
erfahren, wie ich diefen Klinter gefund, (tili und arbeit- 
fam jugebraebt habe. — Meine Raupt -Befcbäftigung 
war und ift immerfort auf die Gefcbichte der cbriftlichen 
Kunft und Baukunft gerichtet, hoffentlich gelingt es 
mir, diefe Hrbeit im Cauf des jfabrs ju vollenden und 
dann jugleicb mit dem Domwerk berausjugeben. Cdegen 
fortfetjung diefes letzteren habe ich mid) nach Gngland 
gewendet, wober man mir über einige bineingefandte 
Probedrücke mit febr grofjem Beifall gefebrieben bat. 
3n kurjem werde id) durch die mir eben von 6ngland 
ber verfproebenen ausführlichen ißittbeilungcn ganj in 
den Stand gefetjt feyn, über den Verlags Ort einen 
Gntfcblufj ?u faffen. 

Hber wie haben dann nun Sic und die Jhrigen 
feit dem Rerbft gelebt? und wie gebt es mit Jbren 
Hrbeiten ? — £affcn Sie mich etwas davon boren, 
und daf? Sie alle gefund und guter Dinge gewefen 
und noch find! 

Jcb habe Jbrer aller red)t oft aufs hefte gedad->t. 
Meine berjlid)[ten 6rüfjc und Klünfcbc an Jbro wertbe 
frau und Jbren Schwager Rapp und familie! Mein 
Bruder und Herr Bertram fcblieken fich an mit ihren 
6rüf?en, und fo empfehle ich mich in unter dreyer 
Damen voller Hochachtung und freundfebaft 

Sulpitj Boifferee. 



138] Sulpij Boifferee an Dannecker. 

(Qa*la6 H, gedr. Sd)W. Cbronih 1878, S. 1937.) 

Heidelberg am 29. Octob. 1818. 
Cieber freund 

3&> mufj Jhnen gleich crjäblen , dafj wir beute 
die freude gehabt haben, Jbren König und Königinn 
mit der Kaiferin fflutter bey uns ju feben und dafj 
die Rerrfcbaften mit der Sammlung in böchftem Grad 
jufrieden gewefen find, ja dafj fie trotj allem, was 
man ihnen davon gejagt, die Dinge weit über ihre 



Anhang 



V. Briefwecbfel mit freunden. 



7» 



Grwartung gefunden haben. So äußerte (ich die 
Kayferinn und befonders auch der König. Dergleichen 
laffe fid) nicht befebreiben, jagte dieter. 

tlcberbaupt war der König heiterer und gefpräd)- 
famer und jeigte ein lebhafteres Jntcreffe für die Kunft- 
werke, als wir uns, nach dem, was wir von ihm ge- 
hört, gefcbmeicbelt hatten. Die Königinn machte ihn 
ganj befonders auf die fterbende fflßaria aufmerkfam, 
als er aber nachher die Hnbetbung der Könige, Ver- 
kündigung, Darbringung und den heil. Cukas von 
6yck fab, entfehied er (ich durchaus für dielen flßeifter. 
Die gründlidiere Cbarakteriftik und die größere Be- 
ftimmtbeit in der Behandlung gaben in feinen Hugen 
dem 6yck den Vorjug vor Scboreel. Von dem Kopf 
des Cukas fagte er namentlid), die beften Porträte 
von Rapbael, die er in Rom gefchen, überträfen diefen 
nicht. Doch ich müßte Jhncn einen Bogenlängen Brief 
fchreiben , wenn ich Jbnen alle Bemerkungen wieder- 
holten wollte, welche Jhre perrfebaften und welche die 
Kayferinn gemacht, die eben einen außerordentlich großen 
6efallen an der Kunft und viele Kenntniffe jeigte. 

Jch brauche Jbnen nicht ju verfichern , daß die 
CQerke des flßeifters P)emmeling ihre noch nie verfehlte 
CQürkung tbaten , daß der beil. Cbriftopf mit der 
aufgehenden Sonne in Srftaunen fetjte und der 
Cbriftus jur Verehrung und Hndacbt jwang. Die 
Kaiferin fagte: nun das ift wahrhaft 6ott derGrlöfer! 
Der König meynte, er habe nichts von Rapbael ge- 
feben , was ihm den Gindruck gemacht; es fey das 
Bild allein eine Galleric werth, und fo mebrercs; er 
geftand endlich offenberjig, nie eine gute Vorftellung 
von der altdeutfd)cn Kunft gehabt ?u haben, aber nun 
habe er [ich eines andern überzeugt. — 6enug, der 
I)err ift ganj warm geworden und hat, wie Sie ju 
lagen pflegen, etwas gefpürt! — 

Die ßorrfebaften blieben über drey Stunden. Durch 
eine feltfamc Vcrnadiläffigung waren wir nicht von dem 
hoben Befucb benachrichtigt worden, während wir ge- 
rade wegen der vielen Umftänden, womit die Kayferinn 
reift, am allererften eine Hnkündigung erwarten mußten, 
wann fie ju uns kommen wollten. So gefchah es 
denn, daß wir beut morgen nach neun übr ganj un- 
vorbereitet überrafcht wurden ; wir hatten, weil weder 
geltem abend noch beute früh irgend etwas berichtet 
worden, uns ganj ruhig unferer gewöbnlidien Cebcns- 
weife überlallen, und hätte mein Bruder nid)t jufällig 
Stiefel angehabt, fo hätten wir die CQajeftäten gerade- 
zu in Pantoffeln empfangen muffen! Sie können 
denken , was das im erften Hugenblick für einen 



Scbred«n und Verwirrung gemacht bat, jedoch da die 
vornehmen 6ä[te fo unendlich freundlich und gnädig 
waren, fo fetjten wir uns bald jured)t; auch half uns 
bei diefer 6elegenbeit , daß außer den drey hinteren 
Zimmern, die freund Rapp gefeben bat, nodi drey 
größere nach vornebin mit Gemälden beftellt find, wo 
man für den erften Hnlauf Unterhaltung finden konnte. 

5. ffl. der König fprachen mit mir manches, vor- 
läufig erkundigend über das Verhältnis , worin wir 
rückfichtlicb der Sammlung und unferer fflirkfamkeit 
mit irgend einer Regierung ju treten wünfd)ten ; über 
unfere Cage gegen Preußen u. f. w. Jcb unterrichtete 
ihn vom Cüefentlicbften , daß aber von eigentlichen 
Bedingungen nicht die Rede war, verftebt fid). Der 
Königinn dankte ich für ihre gütigen <3e[innungen 
rückfichtlicb des Cokals und äußerte die Hbficbt, noch- 
mal wegen diefer Sache nach Stuttgardt ju kommen. 
6s hängt alfo jetjt nur daran , daß wir den Kaifcr 
franj abwarten, oder Dacbricbten empfangen, daß er 
nid)t über hier kömmt. Sobald das eine gefebeben, 
oder wir über das andere gewiß find, werden wir uns 
bei Jbnen einfinden. Sie geben uns unterdeffen wohl 
Dacbrichten, wie fieb die flßajeftäten bei ihrer Rückkehr 
geäußert. CQir werden alles, was Sie uns darüber 
mitteilen , und was Vcrfchwiegenbeit fordert, ebonfo- 
febr im Vertrauen halten , wie wir von Jbrer Seite 
überjeugt find, daß Sie unfer Grwarten des Kaifers im 
engften Vertrauen halten werden. 6s ift nötigenfalls 
immer beffer, fieb in Pantoffeln überrafchen , als fid) 
nachlagen ?u laffen, daß man vergebens auf einen, 
wenn auch felbft verfproebenen hoben Befucb gejäblt 
habe!" 

nehmen Sie für beute mit diefem eiligen 6e- 
fchreibe vorlieb! — fcblecbt und recht und bald ift in 
dem gegenwärtigen fall dem jierlicb Ichön und lang- 
fam vorjujieben. 

Von der frl. v. Bauer muß ich Jbnen ju guter 
lejt doch aud) noch tagen , daß tie mehr als einmal 
verfid>ert fo viel nicht erwartet ju haben ! 

Eßein Bruder und Fjerr Bertram grüßen mit mir 
aufs frcundlicbftc Sie, die Jhrigen, Rapp und fein 
ganjes ßaus. 

Jbr treu ergebener freund 
Sulpitj Boifferee. 

Hußer dem Grafen Cicognara befud)ten uns in 
der letzten Zeit ¥>. v. fflannlicb und ein Gngländer 
Butftanan ßefdiäftsmann des Prinj Regenten in Kunft- 
angelegcnbeiten, der uns den fflund nach engl. 6uineen 
febr wäfferig machen wollte. 



72 



V. Bricfwecbfel mit freunden. 



n. S. Kür borten von dem 6efolge der Kayferinn, 
dafj dieielbe Jbnen einen Huftrag auf die Bildfäule des 
Cbriftus für die neue Kirche in ffloskau gegeben. 
Sagen Sie uns, ob es an dem ift? Jd> wünfebe Jbnen 
dann von Fjerjen 6lüch daju ! Die Reife nacb Moskau 
?ur Hufftellung möcbte icb mit Jbnen in einem febönen 
Sommer fd->on macben; es bleibt wenn aueb noch fo 
entfernt ein weltberühmter und für uns und unfere 
Kindskinder ein ewig denkwürdiger Ort! — 



139] Dannecker an Sulpij Boifferee. 

(„Sulp. Boltteree", I. 357.) 

Stuttgart, 1. ßovember 1818. 

Cieber freund! 

Jbr Brief bat mich unendlid) erfreut; befonders 
aber beruhigt mich die ßad)rid)t über den Gindruck, 
den Jbre febönen Bilder auf unferen lieben König und 
Königin gemacht haben. — 6eftern um halb jwölf Qbr 
erhielt ich Jbr liebes Schreiben und eine halbe Stunde 
nachher die Hnkündigung unleres Königspaars, dafj 
Sie fogleicb ?u mir kommen follen. Das gefebab. 
Das erfte Ktort war, wir haben die feböne Sammlung 
des I)erm Boifferee gefeben. Jcb antwortete, acb das 
freut mich, idi habe an Sie gedacht, war mir aber 
etwas bang, dafj diele Sammlung keinen vollkomme- 
nen Gindruck macben möchte, denn diefe ju fehen, 
mufj nichts auf dem Rerjen drücken; ich dachte an 
den Hbfcbied (mid) an die Königin wendend) der ju 
febr Jbr F)erj einnehmen würde. Jbre Hugen füllten 
fieb auch fogleicb mit Cbränen. Der König fragte mich, 
was bat Jbnen am meiften gefallen ? Ja, der Cbriftus, 
nicht wahr? 6uer fflajeftät, es bleibt ein Klunderbild, 
aber er ift nicht ganj mein Cbriftus, icb wünfebte 
mir einen, an den ich mich anfebmiegen möcbte, übri- 
gens fehen Sie diefes, was ich fage, nicht als eine 
Kritik an, hier kommt es febr oft auf die Stimmung 
des Hnfcbauers an etc. Die Königin fflajeftät hielt 
fich febr an dem Cod der fflaria und der König an 
das was Sie mir von feinen Hbficbtcn gefebrieben ; 
und jedes hatte wie natürlich recht, auch ich, ohne den 
ßofmann macben ju wollen. Die Kaiferin , als Sic 
Hbfcbied von mir nahm, Jagte mir Jbre Route, die 
Sie nehmen wolle und wie Sie dann meine Hriadne 
in frankfurt befueben wolle. Klie ich borte, über 
Reidelberg: Guere fflajeftät werden da eine vortreff- 
liche Sammlung der Ferren Boifferee {eben? — Ja, 
wenn ich mit einem fo etc. reifen könnte, da wäre es 



eine freude, war Jbre Hntwort. Jcb, nicht dod\ 6urc 
fflajeftät, auf das I)erj deutend, wer das mit fich 
bringt, braucht keinen Künftler vom Handwerk, f, e 
Hören vielmehr; Sie follen diefe Bilder mit Jbrem 
6emüt umfaffen , dann ift der 6enufj vollkommen. 
Die Kaiferin gab mir einen Ring jum Hndenken und 
— — beftellte mir die Bildfäule von Cbriftus in die 
Kird)e nach ffloskau. Jm erften Hugenblick machte 
mir diefe Beftellung keinen Gindruck, weil ich dieles 
Bild für mich macben wollte. Jcb mußte nachgeben, 
f räulein von Bawr habe id) noch nicht gefeben , id) 
freue mich auf Sie, diefe — — — fpürt gewifj. Die 
liebe Rapp'fcbe familie empfiehlt fieb auf's freundfebaft- 
lichfte, fowie mein liebes SIeibcben. Und Jbnen 
wünfebe ich einen baldigen Gntfcblufj, bieber ju 
kommen. 



140] Melchior Boifferee an Dannecker. 

(ßad)la[! H., gtdr. Scbw. Cbronlh 1878, S. 2069.) 

fflüneben den 7t Huguft 1820. 

Jdi habe verebrtefter freund, in 6emäfjbeit Jbres 
Huftrags mich auf der Stelle ju ßerrn Hmsler verfügt 
mich von der Richtigkeit Jbrer Bemerkungen, fo weit 
es in meinen geringen Ginficbten liegt, überjeugt und 
fic dann Rerrn Hmsler mitgetbcilt. 

6r nahm fie alle ohne Kliederfprucb und Bedenken 
an und wird fieb gleich an die Hrbeit macben ; fo dafj 
die gänjlicbe Vollendung nicht lange mehr jögern wird. 
— Das Blatt felbft hat mir febr wohl gefallen, es ift 
eine von Hmslers befjeren Hrbeiten. CQenn Sie ein- 
mal recht reine und gute Hbdrücke erhalten, werden 
Sie gewifj jufrieden feyn, und das Publikum wird fid) 
über das gelungene CQerk nicht wenig erfreuen. Der 
Charakter Jbres Cbriftusbildcs ift im 6anjen fo treu 
und beftimmt wiedergegeben als es der nachbildenden 
Kunft nur immer möglich ift. Das fflacbtwerk ift 
fleifjig, fauber und jierlicb. 

Die Verfcndung werde ich aufs pünktlicbfte be- 
forgen. Rüchficbtlicb des Papiers würde ich Jbnen 
ratben dasfelbe von paris kommen ju lafjen im fall 
nebmlich Sie die Platte in Deutfdiland drucken lafjen. 

Die Hdreffe von unterem Papierfabrikanten ift : 
Messieurs Desgranges freres fabriquant de 
papier. Rue haute feuille No. 9. — 

Duttenbofer bat fieb vorigen Qlinter auch Papier 
von diefen Rerren kommen laffen und war febr ju- 
frieden. — 



Anhang 



V. Briefwccbfel mit freunden. 



73 



Von Zeit ju Zeit haben wir von Jbnen und 
Jbrem Wohlbefinden Hachricht und vernehmen immer 
mit Vergnügen, daß Sie gelund und munter lind. 
Dies macht uns Hoffnung Sie bald wieder einmal in 
München ju lehn denn Jhr letjter Hufentbalt war 
doch wirklich gar ju hurj. — CQenn Sie wiederkom- 
men finden Sie die begonnenen großen Hrbeiten lehr 
weit vorgerückt, denn im Kunftfacbe bringt hier jeder 
Cag etwas neues. Die unermüdliche Cbätigkeit des 
Königs läßt auch den Künftlern nicht Ruhe noch Raft, 
bis alle leine wirklich großartigen Plane ausgeführt 
find. — Den 25 ,cn diefes Monats wird nun der 6rund- 
ftein ju der Cudwigs Kirche gelegt. Der Plan ift von 
Profeffor 6ärtner in einem dem byjantinifeben ähn- 
lichen Stiel entworfen. Cornelius macht drei große 
Wandgemälde jedes von 50 fuß und 4 Kreutjgewölbe 
und erhält dafür 80 Caufend ßulden, diefes ift nun 
im Verlauf von 2 Jahren der dritte große Hccord der 
über frescomalerei gefebloßen wird. Profeffor Zimmer- 
mann für die Rallen an der Pynakothek, 60 Cauf: — 
profeffor Schnorr für die Säle im neuen Königsbau 
75 Cauf:, und Profeffor F)einricb ßess für die neue 
ßofkapelle 60 Cauf: — Sie werden geftebn daß dies 
doch die Kunft wahrhaft und königlich unterftütjen 
beißt. 

Hn Hrbeit für Bildhauer wird es in der Zukunft 
auch nicht fehlen. Profeffor Gberbardt ift bald mit 
dem Model eines Basreliefs für die pofkapelle fertig, 
woju er auch die Hpoftelen Petrus und Paulus macht. 
6in junger Bildbauer Schwantbaler wird wegen feinem 
großen Calcnt allgemein gerühmt. 6r macht Basrelief 
für die Kliptotbeck, die ich indeßen noch nicht gefeben 
habe. — Rauch der Sie fehr höflich und freundlich 
grüßen läßt, ift unausgefetjt mit dem Model jur 
Königsftatue befebäftigt. Wenn diefes fertig will er 
bis jum Hnfang des 6uffes nach Jtalicn geben; und 
fo regt und bewegt es fieb dann hier an allen Gcken 
und enden. Doch muß man dem König nachfagen, 
feine Kunftliebe ift von der ächten und gründlichen 
Hrt, es ift eine angeborene entfehiedene Deigung, die 
von günftigen Verbältnißen begünftigt, in der Jugend 
nach allen Seiten hin genährt und ausgebildet worden 
ift; wie der Rcrr felbft in dem innigften Verkehr mit 
jeder Hrt von Kunfttbätigkeit den böchften Cebens- 
6enuß findet fo will er dies auch allen andern fflen- 
feben anfinnen. So bat er in diefem Hugenblick der 
Stadt ßürenberg ein 6efcbenk gemacht, das er gewiß 
für den größten Schatj hält, den er ?u geben vermag. 
Sdion lange bat fieb der König fehr mißfällig darüber 



geäußert, daß in Hümberg, dem f)auptfitj Oberdeutfdier 
Kunft fo wenig Gemälde vorbanden wären die von 
dem wahren Wert jener Sdnile einen Begriff geben 
könnten da während den letjten Jahren durch Mangel 
in Hufmerkfamkeit, durch Unkenntniß und endlich 
durch fortfehreitende Verarmung der großen familien 
die meiften und beften Kunftwerken nach allen Seiten 
hin verjettelt und verftreut worden find, daß man in 
der Stadt doch diefen Qbelftand abhelfen und um eine 
6rinnerung an die groffe Zeit ju erhalten eine Samm- 
lung dort begründen müßt. — Hls nun im vorigen 
Jahr die Sammlung des prinjen von Wallerftein ge- 
kauft worden, um feltenen und auserlcfenen Bilder 
der oberdeutfehen Schule die fie enthält die biefige 
ßallerie ju complettiren ward der 6ntfcbluß gefaßt, 
diefe einftweilcn in Riirnberg aufjuftellen und fpäter 
dann nur das Befte von dort hierher ju nehmen. 
— Um aber den dortigen Kunftfreunden auch von 
niederdeutfeber Kunft einen Begriff ju geben wurde 
auch eine Hnjabl Bilder aus unlerer Sammlung bey- 
gefügt, die jetjt hier nicht aufgeteilt werden können 
und jum Cbeil auch fpäter entweder weil fie doppelt 
vorhanden oder auch von geringerem Wertb find ohne 
der Vollftändigkeit des 6an?en ju ftören hier leid)t 
entbehrt werden können. Hls die Krone des 6efchenks 
aber ward die große 6rablegung von Hlb: Dürer aus 
unferer Sammlung angefeben, die Sulpij einft in Rüren- 
berg gekauft bat, die nun dahin jurückkebrt um als 
eines der vollendetften Grjeugniffe des großen Meifters 
feiner Vaterftadt einen würdigen Begriff feiner Hrt und 
Kunft ju geben. — 

3cb fchreibe Jbnen alle diefe Dinge verehrtefter 
freund, weil ich weiß wie fehr Sie fieb für das Blühen 
und 6edeiben aller Kunft intereffiren. — 

Von Sulpij und der Mathilde habe ich beute die 
beften naebriebten erbalten. Sie find wobl und denken 
in 8 Cagen von Kiffingen abjugeben. 

Dun leben Sie wobl, grüßen Sie ihre liebe frau, 
fo wie die Rappifcbe familie auf's aller Rerjlicblte — 

Jhr ergebener 
Melchior Boifferco. 



141] fflelcbior Boifferee an Dannecker. 

(naAtaft H., gedr. Scbw. Cbronih 1878, $. 2069.) 

Der geheime Rofratb Doctor und Profeßor Maurer 
von hier einer unferer älteften freunde wird fieb auf 
einer Reife nach Heidelberg feiner Vaterftadt einen Cag 
in Stuttgart aufhalten, wenn es ihm geftattet ift 3br 



74 



V. Briefwed)fel mit freunden. 



Htelier ju befudien. 6r bat mich ju diefem Zwed? 
um ein paar froundlidie empfehlende Klorte gebetben 
die ihm ju Jbrer perfönlicben Bckanntfcbaft nachhelfen 
follen. Jch weif? jwar febr wobl verebrtefter freund, 
dafj Zeit und Befcbäftigung Jbnen nur febr feiten ge- 
ftatten, von der neugierigen fflenge die tagtäglich Jbr 
F)aufj durchwandern fiotij ?u nehmen, doch kennen 
wir auch von der andern Seite die grofje Bereitwillig- 
heit, womit Sie Männern von 6eift, Sinn und Ge- 
fühl entgegenkommen, die fich an der Betrachtung 
Jbrer Kunftfcbätje wirklich und wahrhaft erfreuen und 
belehren wollen. — 

Jn der Grwartung nun, daf? Sie vollkommen 
gefund und fflunter find, und die Zeit es Jbnen er- 
laubt, nehme ich mir die freibeit, Jbnen Fjerr Geheimen 
Ratb fflaurer als einen unterrid)teten denkenden fflann 
auf's befte ju empfehlen, und mich bey diefer Gelegen- 
heit von neuem in Jbr freundliches Hndenken jurüch- 
jurufen. 

Von f)erm Bertram und mir die berjlicbften Grübe 
an Jbre liebe frau. 

Jbr ergebener 
ffleldnor Boifferee. 
fflünchen den 26. Hug: 1829. 

142*] Melchior Boifferee an Dannecher. 

(Hadilaft H.) 

fflünchen den 12. Sept. 1829. 
Klcrtbefter Rerr ßofratb! 
Rerr Hmsler bat mir die Kupferplatte nebft der 
Zeichnung vor einigen Cagen überfd->ickt. Jch hoffe 
Sic werden mit feiner Retouche vollkommen uifriedcn 
feyn. — 

Da einer meiner Druiher Cbriftian fflulfinger beute 
nach Stuttgart jurückkebrt, fo habe ich diefe Gelegen- 



heit benutjt Jbnen die Platte ju überfchichen. Sie 
liegt forgfältig verpackt in feinem Koffer wo lie keinen 
Schaden leiden kann. 6r wird bis Dienltag bey jfbnen 
eintreffen. — 

Huf Jbre gefällige Hnfrage auf welche Steife Sie 
am beften den Kupferftich heraus geben follen, habe 
ich Jbnen nur wenig ?u antworten, weil Jbre Hnfidit, 
die Kupferplatte einem Kunftbändler ?u überlafjen, die 
befte und wahre ift. — Der Selbft-Verlag ift mit febr 
vielen ümftänden und Sdiwierigkeiten verknüpft und 
wollten Sie fich audi der fflübe untergeben, fo müß- 
ten Sie dennoch einen Kunftbändler als Raupt Com- 
miffionar aufftellen, der den Verkauf an die Hndern 
beforgte. Huf jeden fall ift es kein 6efd)äft für einen 
Künftlcr und hat der Kunftbändler auch feinen Dutjen 
fo bat er auch dafür die fflübe und Hrbeit und die 
6cfabr ob er fein Geld alle einnebt. — 

Rauch der Sie freundlid) grüfjen läfjt, liegt feit 
einigen Cagen im Bett. 6r bat fich durch Grkältung 
einen Rheumatismus ?uge?ogen. Sein fflodel rückt 
indeffen ftark vorwärts. Jft es fertig fo geht er auf 
einige fflonate nach Jtalien und im künftigen Sommer 
wird der Gufj beginnen. 

Von Cöln habe ich gute Dachricht. Sic hatten 
Sich beyde durch die fcbleditc Klitterung eine 6rhältung 
jugejogen find jetjt aber wieder wobl. — 

Huch Hdolpb bat mir von Ramburg gefdiriebcn, 
der auch febr wobl und heiter ift. 

F)err Bertram empfiehlt fid) mit mir Jbnen, Jbrer 
lieben frau, fo wie der gan?cn Rappifchen familie auf's 
allerbefte. 

Jbr 

ganj ergebener 
fflelchior Boifferee. 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern* 



143*] Pajou an Dannecker u. Scbeffauer 
(nach Rom.) 

(nadilaj B.) 
Pardon et mille fois Pardon Mes chers Bons 
amis si jai tant tardd a Rdpondre a L'obligente 
Lettre que vous m'avez fait L'amitier de m' 
ecrire au Commencement de cette annee ce n'est 
pas manque de sensibilite de ma part car jai 
bien sentie La tendresse et La vivacite" de vos 
sentiments pour moi ce sont des affaires qui 
se sonts prdcdde si Rapidement Les une aux 
autres que je n'ay put trouver Le moment de 
vous en themoigner Ma Reconnaissance Rece- 
v6z en donc en ce moment Les marques par ce 
mot d'ecrit, et croyeze que je vous suis attache" 
pour La vie vous m'aprenez que votre Prince 
vous a demande quatres Figures des saisons. 
L'occasion est Belle pour votre avancement je 
ne doute pas de votre activite' pour faire de 
votre mieux n'oublie" jamais que la Nature avec 
L'etude de L'antique pris avec dicernement 
vous feront parvenir au but que tout artiste 
doit se proposer vous Le sav£z insi Continuez 
en Conservent votre sanete" par une Bonne 
Conduite et de Bonnes Meurs et vous aurez 
L'dnergie Nessaires aux hommes qui veullent 
arrivez au plus haut dögre de leur Talents, vous 
aites environnde des plus Beiles choses qui soit 
sortie de La main des hommes Medite Les 
interoges Les et ils vous dironts , ce que vous 
devez admettre ou Rejetter, Mr. Deseine m'a 
dit qu'il vous avoit adressdz a un sculpeteure 
venitien homme d'un tres grand Merite c'est 
un Bonheur dont je vous felicite faites vous 
Aimer de ce Galente homme et profitez de 
ces Conseilles , mefiez vous des Compliments 
que Messieurs les Romains vous ferons ils en 
sont prodigues et Malheur a ceux qui LesEcoutes 
Les artistes Morts vous parleronts plus sincere- 



ment, Mon Epouses et mes Enfans ont ete 
infiniment sensible a votre souvenir ils me char- 
gent de vous assurer de Leur Civilite jai le 
Bonheur de me bien porter je souhaite pour 
vous qu'il en soit de meme je vous Embrasse 
de tout mon Coeur et suis Messieurs et Bons 
Amis a jamais 

votre tres humble et tres obeissent 
Servitcur Pajou. 
a Paris ce 2 juin 1786. 

144*] Dannecker an Crtppel (nach Rom.) 

(Bibltotbeh der KünMcraeleUIcb. Zürich.) 

Stuttgard d: 25*«" Juni 1792. 
Ciebfter (Hertbefter freund! 

Jbren mir |o äufjcrft lieben Brief babe icb ?u 
meiner gröften freude erbalten; danke Jbnen berjlicb, 
fowobl für Jbr freundfcbäfftlicbes Hndenken, als auch 
vor die gütigft beforgte Commiffion. 

Jcb bitte Sie, fcbäjbarfter freund mir Gelegenheit 
ju verfebaffen , damit ich doch Jbnen jeigen kan, wie 
febr ich mit ganjem f)erjen Jbnen Beweibe meiner 
ßoebaebtung und freundfehafft geben möchte. Hber 
was könnten Sie aus Schwaben begehren? Klo follte 
aus Schwaben etwaf? kommen, das Jbnen Vergnügen 
machen könnte? — 

Das Cand ift wobl fett; aber wahrhaftig für eine 
Künftler Seele, wie die Jbrige, dürr Cand. Seela. 
nehmen Sie Cbeurefter fflann , meine Ciebe vor Sie, 
jum Cribut der freundfehafft auf: fie ift wahrhaft auf- 
richtig. — r)err Rabl, unfer freund, machte uns ver- 
gangene Klocbe neun Cagc das unfcbäjbare Vergnügen 
um uns ju feyn; CQir Künftler haben uns alle flßühe 
gegeben, ihm feine Zeit angenehm ju machen; allein 
es ift febr fchwebr einen ganj ju befriedigen , der in 
Rom ja nur 4 bis 5 Jahren fein Ccben genok, man 
kan [ich wobl freuen aber von nichts mehr frappirt 



7 6 



VI. Briefwecbfel mit Künltlcrn. 



werden, perr Dabl und Reideloff und Scbeffauer 
einpfeblcn fich Jbnen beftens und baben die 6ütc mit 
mir eine Bitte an Sie ju wagen. — Sie werden in 
diefem inliegenden Brief, die traurige tage eines Bild- 
bauers von 23 Jahren der Jeit 3 jfabren nun auch 
mein Gleve war erfabren ; er modellirt recht brav nach 
der Datur, und ich glaube um Jbnen einen kurjen 
und deutlichen Begrif von ihm ju geben , dafj er in 
der Kunft fo weit gekommen ijt, als Rubl war. 6r 
arbeitet in Stein, und würde alfo Jbnen leicht 6bo- 
chiren helfen können: Qlürde fich, da ich ihn gut 
kenne, alles gefallen laffen fein Ceben binausjubringen 
und fich vollkommen glüklich fcbäjen Glcve von 
Crippel ju feyn. 6r bat Kopf, ift Hrbeitfam , bat 
Derve, bclefcn , und fühlt was ju einem Künftlcr ge- 
hört, ich bin's gewiefj dafj Sie mit ihm jufrieden feyn 
würden, fein Caracter gefällt Jbnen gewiefj, ift an Sie 
atachirt, ohne Sie anders als durch mich, und durch 
Bücher ju kennen. Da Sie liebftcr freund, Hrbeiten 
baben, da Sie fflenfebenfreund feyn und redliche 
Deutfche lieben, fo fchmeichle ich mir, dafj Sie unferc 
gemeinfehaftliche Bitte nicht abfchlagen werden : haben 
Sie die 6cwogenbeit, Jhrcn gütigften Gntfcbluk der 
Sache, Reideloff oder mich davon ju benachrichtigen. 

Die Critik über das 6rabmabl von Canova, 
welche mir abate marini febrieb, ift weniger vorteil- 



haft als diefe, welche Sie die gute hatten mir ju be- 
merken, nebmlid) „das öderk erhalte Beyfall infofern 
„es B i l d b a u e r c y feye, werde aber verdammt, wegen 
„Compofition und Hrchitectur." 

Diefem nach mufj es wahrhaft wenig vor Kopf 
und r>erj baben. 

f)err Rahl bat mir hingegen ju meiner gröften 
freude, aufferordentlicbes von dem Jbrigen er- 
jäblt: ich wünfehte nur es auch nach Vollendung feben 
ju können. Zum Voraus febe ich, das mir nidits 
übrig bleibt, als von Zeit ju Zeit, den Hntiken Saal 
in Mannheim ju befueben, und an die liebe Datur fo 
treulich als möglich ju halten. — Hber um Jbnen 
nun, Cbcurefter flßann, mit meinem Sd)reibcn nid)t 
länger befchwehrUch ju fallen, habe ich die 6hre, nebft 
geborfamfter Gmpfehlung meiner lieben frau, mit ge- 
borfamftem Dank und vollkommenfter Hochachtung ju 
verharren, und freue mich, mich nenen dörfen 

Jbr 
ganj geborfamfter Diener 
und freund Dannecker. 

Gmpfeblcn Sie mich doch, P)r: r)irtb, Becker, 
fflayer, fflaior Scbmid. 

r)eideloff wird Jbnen beute oder näcbfte Poft 
fcbreiben. 



Briefe Barpers an Dannecker. 



145*] I)arper an Dannecker. 

(Dachlat H.) 

[Ohne Datum, 1783.] 

Eiebfter r)err und freund 

Jbre Zufcbrift habe mit vielem Vergnügen erbalten 
und bin Jbnen vor Jbr freundfebafftlicbes Hndenken 
berjlicb verbunden. Gntfcbuldigen Sie daf? ich diefcs- 
mabl nur auf einen kleinen Zettel antworte dafj 
paquet an 6uibal ift aber fo grof? daf? er febimpfen 
wird. Künftig Jollen Sie einen Cangen Cangen 
Brief baben. Dafj Sie durch fflr. 6uibal fo wohl 
placiret worden, freuet mich aufriebtigft an Jbren fleifj 
ilt nicht ju jweifcln das Sie diefe gute Gelegenheit 
wohl benütjen werden empfehlen Sie mich dem r)errn 
pajou der fich meiner von Rom aufj unter dem nah- 



men Le Prussien gewifj erinnern wird. Viele Gmpfeb- 
lungen an alle Stuttgardcr Künftler Jch bin Jbrer aller 
ergebender freund und Diener 
P)arper. 
a Monsieur 
Monsieur Dannecker 
Sculpteur du Duc de Wurtemberg 
a 

Paris. 



146*] r)arper an Dannecker. 

(nacblafi H.) 



[1784. 



Geehrter r)err und freund! 

Dun mcbro werden Sic fich wohl vollkommen an 

Paris und der dortigen Cebens Hrt gewöhnet baben. 



Anhang 



VI. Briefwecfojcl mit Künltlern. 



77 



wenigftens viel tciditcr, als Sic fid) dercinft wieder an 
der Stuttgardtcr werden gewöhnen können, doch ?u 
dielen wünfebe ich das es noch lange möge anheben, 
wie von flßr: 6uibal vernommen, fo lebaffen Sie be- 
reits in Marmor, ich wünfebe das Sic bey Jbrcr Zu- 
rückkunft auch hier in dieler fflaterie Jbr Calent ju 
verewigen Gelegenheit finden mögen, aber leider ift der 
weifte ffiarmor in Stuttgardt rar, und die Zeit nach 
eingewurzelter Gewohnheit ju ho|tbar als das man bis 
jur Vollendung einer marmornen f igur warten wollte. 
Sie werden wißen , das Jbre Cicbe und järtlidie 
Jungfer Brodtbäck eine frau ift. Cröften Sie fidi aber 
es wird bis ?u Jbrcr Zurückkunft noch fchönc flßäd- 
dnns genug geben, denen Sie ihr 6lück werden machen 
können. Rebft meiner freundfebafftlicben Gmpfehlung 
an den ßerrn Scbefbauer bitte ich verfiebert ju glauben 
das icb mit aller aebtung unverändert fein werde 

Dero geborfamfter Diener 
ßarper. 



147*] I)arper an Dannecker u. Scbeffauer. 

(Dadjtal H.) 

Stuttgardt den 8* en Hpril 1785. 
hochgeehrte 5öertbc Ferren u. freunde 
mit febr viel Vergnügen habe ich Jbre geehrten 
Zeilen erhalten, und mit noch viel größeren Jbre über- 
febickte feböne Hrbeit gefeben , fie jeuget von Jhrcn 
rühmlichen f leiß , und findet jedermanns Beyfall und 
verfiebert Jbnen das ungebeuchelte Cob daß Sic Jbre 
Zeit auf das Beftc in Paris angewendet haben. Beyde 
figuren find etwas befebädiget angekommen befonders 
aber die von den ¥>: Dannecker doch bat der ¥>. fride- 
rieb alles wieder recht gut bergeftclt fo das der ¥>• 
Hauptmann, der auch febr jufrtedcn mit Jbrcr Hrbeit 
ift bey erftcr Gelegenheit folebe dem I)erjog vorftellen 
wird, der I)err fifeber hatte nur gewünfd)t das die 
f iguren von einer Gröfje gewefen weren, er findet jwar 
Jbre Hußlagen in Verglcidwng der fflßabler ju hoch, 
doch das ift wie Sie wißen hier die flßode, ich hoffe 
aber Jbre Hußlagen werden Jbnen ohne ffloderation 
bejablt werden. Der Hauptmann will den I)erjog 
proponiren die beyde ßerrn Bildbauer mit den 1% 
Reideloff im Huguft diefes Jahrs von Baris nach Rom 
abreifen ju laßen, woju ich Jbnen im voraus 6lück 
wünfebe, wenn ich mich nicht irre, foll jeder 200 fl. 
Reif? Geld bekommen und wenigftens 4 jfabr und 
Vermutblicb noch länger dort bleiben, weil der biefige 
Schloß Bau , erft bis dabin , fo weit gekommen feyn 



wird, daß man Sic dabei befebäfftigen kann. Jd) er- 
fuebe Sic aber inftändig alle diefe naebriebten vor fieb 
ju behalten. 

Jcb wiederhole meine vormablige öfftere Verficbe- 
rung das ich allen wabrbafften Hntbeil an Jbrem 6lück 
und Kloblergeben aufriebtigft nehme, und mit aller 
freundfebaft und Hcbtung unverändert fein werde 
ffleiner ßerrn 

geborfamfter und 

ergebender Diener 

ßarper. 



148*] I)arper an Dannecher. 

(Datbtat H.) 

Stuttgardt den 31 Januar 1786. 

Sebr wertber I)err und freund! 

fflit febr vielen Vergnügen habe ich das durch 
Jbre Zufchrift mir bezeugte f reundfehaftliche Hndenken 
erhalten. Jcb freue mich daß Jbnen Rom oder viel- 
mehr die Kunft die dort ihren Sit? bat, gefält und Sie 
dafelbft fo lange als möglich ju bleiben wünfeben, allen 
anfehein nach werden Sic auch vor 4 Jahr nicht jurück 
berufen werden, wenigftens wen folebes von den ¥). 
Hauptmann und der Bau Deputation abbangt, es 
miiftc den fein daß der ßerjog wegen dem Heuen und 
großen Fjobenbeimer Schloß fie jurückjukommen Be- 
fehlen folte welches ich aber doch nicht glaube. 

Dach Jbren Verlangen habe icb den Fj: Hauptmann 
fowobl wegen den Vorfchuß der modell außlagen als 
auch wegen den CQunfch den Sie geäußert daß er Jbnen 
die flßarmor figuren, von anderen eboebiren laßen 
folte gefprochen, erfteres wird wie er fieb geäußert keinen 
Hnftand haben wie er den auch Jagte daß er einen 
jeden von Jbnen noch nicht lange 75 fl. gefchickt habe, 
wegen den 2 Un Punkt aber febien er fchwerlicb ein- 
willigen ju wollen Sie können aber dieferwegen felbft 
an Jbm lebreiben vielleicht, würkt Jhr Sdneiben mehr. 
6r fagte Sic weren auf Reifen gefchickt worden, um 
Jbre Kunft in allen Cbeilen recht ju erlernen, fie müß- 
ten auch das fflccbanifcbc derfelben mit einiger erfah- 
rung lernen, damit Sie künftig dergleichen Hrbciter die 
auß die Punkte febaffen ju dirigiren verftünden diefes 
ift alles waß icb von Jbm habe erfahren können und 
er febien gar nicht von diefen Vorfatj abjuftehen. 

Der Fj. Fjeideloff bat mir vor wenigen Cagcn auß 
Paris gefebrieben, daß er nun mebro abreißen würde 
fein Vater bat mir gejagt daß er die Reiße jur See 
machen wolte welches ich bey diefer Jahres Zeit nicht 



78 



VI. Briefwecbfcl mit Künftlern. 



billige, und auch fonftcn vor einen Kiinttlcr die Eand- 
reifje vorjicbe weil man faft in jeder Stadt etwafj vor 
einen Künftler intreJIentes leben kann welches bey einer 
See Reifje wegfält. ich bin fo frey Jbnen einen kleinen 
Brief an den r). r)etfcb einjufcbliefjen, welchen ich dem- 
Tslbcn jujuftellen bitte. Viele Cmpfeblungen an den 
r). Scbefbauer ich wün|cbte Sie allerfeits in Rom be- 
fueben ju können, aber diefes Vergnügen ift mir wobl 
ju wünlcben aber nicht ju hoffen. 

Ceben Sic wohl liebfter freund und verjichert, dafj 
ich unverändert mit aller aebtung und freundfebaft fein 
werde 

Jbr 

ergebenfter freund und Diener 
parper. 

AI Sigr 
Sig r Dannecker 

Scultore della Corte di S. A. Sr. 
il Duca Regnente di Würtem- 
berg. Strada della Croce in casa 
della Campioni sopra l'Osteria 
in contro dello Scudo di Francia. 

franco. Roma. 

149*] Fjarpcr an Dannecker. 

(ßacblal; H.) 

iUertber r)err und freund 
Jcb wünfehte Jbren an mir getbanen Verlangen 
CQillfabren ju können, und diefes ift die Qbrfacbe wa- 
rum ich Jbre Zeilen bis heute ju beantworten ver- 
feboben, weil ich noch hoffte daju Mittel ju finden. 

Jcb habe vor 14 Cage 1500 fl ?u bejahten gehabt, 
und da ich diefc Summe nicht von meinen eigenen 
6elde jufammen bringen konte, fo habe ich mit gröftcr 
fflübe dafj ermanglendc entleiben müfjen, ich finde mich 
alfo felbft in der Hotb, und Jbnen diefes mal ju dienen 
auffer Stande, kann es aber in der Zukunft fein, fo 
glauben Sic gewifj dafj es mit Vergnügen gefebeben wird, 
ffieine begliche Srnpfeblung an r)errn r)etfcb und 
Sdn'fbaucr mit der Verficherung meiner ergebenften 
freundfebaft verbleibe 

Dero 

aufriebtigfter Diener 
Stuttgardt den 28'« Hug. 1786. r)arper. 

AI Signore 
Signore Dannecker 
Sculptore della Corte di Sua 
Altezza Serenissima il Duca 
di Wurtemberg. 

Strada Croce in contro del 
Scudo di Francia al Secundo 
Piano del Sig r Lenzi. 

Franco. Roma. 



150*] I)arper an Dannecker. 

(DatWafe H.) 

Ciebfter freund! [1787] 

Klafj werden Sie denken das ich Jbre mir febr 
angenehme Zeilen erft jetjo beantworte, ich bin gleich 
nach des r). Fjctfcb ankunft nach Berlin abgereifet und 
nach einer faft 4 fflonattieben abwefenbeit nun wieder 
in Stuttgardt. Jbre Hrbeit konte ich nicht gleich ju 
{eben bekommen, weil fie in dem Scblofj unter des 
Caftellans Scblüffel verwahret ilt. folglich verftrieben 
aud) dadurch einige Cdochcn. Dun bin ich aber im 
Stande Jbnen obwohl nur nadi meiner Schwachen 
Cinficht, aber doch gewifj aufrichtigen Meinung flßoinc 
6edankcn über Jbre Hrbeit ?u fagen. 

Jcb erkenne Sic vor einen febr gefebickten Bild- 
bauer, und freue mid) dafj Sie über alle meine günftige 
Vcrmutbung von Jbrcr 6cfd-)icklichkett, noch diele Ver- 
mutung über Croffen haben. Danken Sie Gott und 
der Vorfehung die Jbnen diefes Calent gefebenket bat, 
der Kopf Jbrcr figur gefält mir vorjüglich wobl, viel 
febönes in jeden einjelnen Cbcilen der figur, und den 
untcrfchicdlicben 6cwantcrn, dafj Jbnen beim ebau- 
chiren der figur an einigen Orten ju viel weggenom- 
men worden, ift ju bedauren, weil folches gewifj viel 
daju beigetragen dafj folebe auf der einen Seite nicht 
eine fo glückliche wendung erbalten als fie ohne diefen 
Zufall erbalten haben würde. r)ier haben Sie mein 
aufrichtiges ürtbeil über Jbre Hrbeit. Küe wünfehte 
ich liebfter freund der ffiann ju fein den fie mir ju 
fein glauben, um durch meine Vorfprache bey dem 
P)erjog Jbnen Jbre Befoldung vergrößern ju können 
aber daju geboret mehr als fie glauben und als ich 
vermag. 

f)e. r)etfcb der nun dafj biefige Cocal befjer kennt 
wird es Jbnen verfiebern können dafj niemand als der 
Fj. Hauptmann fifeber etwas daju beytragen kann; 
und dafj diefer es tbun wird wenn es nur möglich ift, 
können Sie auch gcwtfj glauben er ift wahrhaftig Jbr 
freund, die Zeit und ömftände find aber nicht immer 
fo vortbeilbaft befchaffen, wie fie vielleicht glauben 
werden, und fo verbalt es fich ebenfalls mit mir der 
Jbnen von r)erjen gerne mit etwas 6eld unterftütjen 
wolte, allein in diefen Zeit punet bin ich es ebenfalls 
nicht im Stande weil ich ju meiner Berliner Reifje an 
3000 fl. gebraucht wovon ich einen Cbcil felbft auf- 
genommen, und auf den Cermin wieder beim jablen 
mufj; fobald aber diefes gefebeben werde ich Jbnen 
etwafj übermachen, worauf Sie Sich verlaffen können. 
Ceben Sie wobl liebfter freund und verfiebert dafj ich 



Anhang 



VI. Briefwecbfcl mit Künftlern. 



79 



mit wahrer Hcbtung und auf richtiger freundfehaft un- 
verändert bin 

Jbr 

ergebender Diener 
flleine Gmpfeblung Rarper. 

an den Y). Scbetbauer. 

151*] I)arper an Darnieder. 

(D.a*laJ H.) 

ßeebrtefter Fierfr un]d freund! 
Jcb habe mit Vergnügen [die] 6bre Jbrer Zu- 
fdirift von 6 tc jfuly durdi den Kr. Cuthe erbalten, und 
erlebe aus denselben, das Sic febr ungerne Rom ver- 
laden, ich boffc aber auch das folebes noch nicht fo 
bald gefdicben wird, wenigftens wird der I). Ketfcb 
und ich Jbren GCIunfcb bey den B. Hauptmann fo viel 
möglich unterftütjen. Da ich Jbnen verwiebenes jfabr 
nicht mit 6eld dienen honte So habe Sic durch Jbren 
freund Ketfcb vor einiger Zeit lebreiben lallen, das 
wen ich Sic gegenwärtig damit dienen köntc, es mit 
Vergnügen gegeben würde. Sic haben aber wed[er] 
den ¥). Ketfcb noch mir hierüber einige äuiJerung ge- 
geben, nun weife ich nicht lieber freund, ob Sie an 
der aufriditigheit meines guten willens jweiflen oder 
ob Sie würklidi kein 6eld bedürfen, letjtcres were ?u 
Jbren Vortheil ju wünfeben indefeen wiederhole ich 
mein anerbietben und (tebe ju Jhrem Befehl. Solten 
wir alfo nach Jbren Klunfdi Jbnen noch nicht fo bald 
ju feben das Vergnügen haben fo freue ich mich doch 
bald etwaf? von Jbrer febönen Hrbeit ju feben. 

Ceben Sie recht vergnügt und glücklich und glau- 
ben verfiebert das ich mit vieler Hditung unverändert 
bin 

Jbr 

ergebenfter freund und Diener 
Stuttgard d 16 t. Septbr. I^arper. 

1788. 

152*] F)arper an Dannecker. 

(fiacblaj H.) 

Stuttgardt den 5 ,c Septbr. 1789. 
ödertber freund! 
Jcb freue mich Jbres Hnden[kens], und danke 
Jbnen vor die 6bre Jbrer Zufchrift, mit größter Zu- 
friedenheit und wahren Vergnügen, habe ich Jbre feböne 
Hrbeit betrachtet, die ganj der Kenner Beyfall erhält, 
die grofje progreffen die Sie feit Jbrer juerft überfandten 
figur gemacht haben, find febr auffallend, und jeigen 
fieb wenn man die beyde figuren neben einander be- 



traditet. Sie werden folebes ?u Jbrer größten Zu- 
friedenheit felbft finden. Jcb mache Jbnen kein Compl., 
wen ich Jbnen ju Jbren groben Calent mit aufrichtigen 
Kerjcn Glück wünfehe, freylich würde es Jbnen berlicb 
wohl bekommen, wen Sie noch einige Jahre in Rom 
aus der beften Sdiule der Künfte Jbr 6enie Stärken, 
und in der bereits erlangten 6efcbicklidikeit noch immer 
mehr befeftigen könten, daju geboret aber die fort- 
fetjung der geringen Unterftütumg die Sie die letjte 
Zeit in Rom genießen, und diefes leidet wie mich der 
Hauptmann fifdier verfiebert (den ich davon gefprochen 
habe) die Caffe nicht. 6s Jcbeinet alfo das wir gewifj 
diefen ÖXinter Sie bei unfj feben werden, weldies midi 
gewifj freuen wird. Ceben Sie indefjen wohl und ver- 
fiebert, das ich mit wahrer Hditung und aufrichtiger 
freundfehaft bin, und bleiben werde 
Jbr 

ergebenfter freund und Diener 
Karper. 
Madien Sie den Er. Schefhauer 
viele Gmpfeblungen von mir, 
und fagen Jbm, in meinen 
Rahmen, über feine Hrbeit viel 
febönes, das diefelbe wahrhaftig 
verdienet. 

153*] I)arper an Dannecher. 

(nad)lafe H.) 

Berlin den 28 July 1798. 
Ciebfter befter freund! 

Jcb bin wie Sic vielleicht fchon erfahren haben, 
den 23 glücklich hier angekommen. Diefc Stadt ift 
feit meiner Hbwefenbeit febr verfebönert worden, auch 
gefalle ich mich in den Scbofj meiner familie von der 
ich von Jugend auf getrennet war recht jufrieden und 
vergnügt, weren Sie und meine übrige Stuttgardter 
freunde bey mir fo würde meine Zufriedenheit voll- 
kommener fein. 

Von Kunft und Künftler kann ich Jbnen nodi 
nichts febreiben den ich habe noch keine gclegenbcit 
gehabt mich in diefem fach umjufeben. 

Meine erfte Sorge nach meiner Hnkunft war die 
kleine Kifte ju eröfnen um ju feben, ob die forme 
meines durch Jbre gütige freundfehaft und fauren 
Schweif? verfertigten Bildes auch unbefebädigt ange- 
kommen fey, weil bey den üblen Kleegcn mein Klagon 
febr harten Stößen ausgefetjt war. Zum 6lück und 
meiner großen freude finde ich das die forme nichts 
gelitten bat. Da id) beute an alle meine freunde nach 



8o 



VI. Briefwed)fel mit Künftlern. 



Stuttgardt fdueibe, fo mangelt mir die Zeit ein mebreres 
ju tagen. Von ganjem ßerjen empfehle ich midi Jonen 
Jbrer lieben frau und der wertbgefdwjten Rappifcben 
familic, auch I)r. Jfopy und allen guten freunden 311m 
geneigten Hndenken und bin 6wig 

Jbr aufrichtiger freund und Diener 
I)arper. 
Sr. (Uoblgeboren 
I)errn profeffor Dannecker 

in Stuttgardt. 

154*] I)arper an Dannecker. 

(UndMi H.) 

Berlin den 27 Octobr. 1798. 
Cieber freund. 
Jbre wertbe Zeilen vom o ten Septbr habe mit 
vielem Vergnügen erbalten und würde folchc bälder 
beantwortet haben, den es i[t gewis febr angenehm 
fo offte als mögtid) mein Hndenken bey Sic ju er- 
neuren, allein ich wollte die Huftellung der Kunft 
Klerke bey biefiger Hccademie erft abwarten, um Jbnen 
davon etwas erjeblen }u können. 6s waren viele 
Sachen mehr als 400 Stücfc aber wenig gutes die 
meifte Portraits, wenig ßiftorifebe Bilder, von Bild- 
bauerey nur wenig. Gin amor en Basrelief und einige 
Büften von flßarmor von Sdjado, nicht von Dan- 
necher, 6 Candfchaften von Flacker. 6ine Candfcbaft 
von £ütkc 6in ßiftorien Stück von Rebberg der Jbnen 
vielleicht von Rom bekannt fein wird, und einige 
Portraits waren die heften Stücke, der Zulauf der 
flßenfcben war febr grofj, das dem Hnfcbein nach febr 
viele Kunftliebbaber in Berlin fein follten aber weit 
gefehlt, die Belohnung der Kunft ift hier febr fcblecht, 
der hefte Portrait flßabler bekomt 40 rtbl. vor ein 
Portrait und bat bey diefen geringen Preif? nicht viel 
ju tbun Schado aber bat bey den Verdorbenen König 
viel gewonnen man will Jbm 80 000 tbl reich fchätjen. 
€r bat die Statue des General Ziethen auf den KUl- 
helms Platj gemacht. Der Kopf bat aukdruck, die 
f igur ift aber meiner meinung nach febwer, von hinten 
macht fie einen üblen Gffect, er mag viel mühe in der 
aufjarbeitung der I)ufarenhleidung gebat haben, Jetjo 
foll er die Statue des alten f ürften von Deffau auf 
eben diefen plaj verfertigen, das hefte von Schado ift 
ein Grabmaal des ßrafen von der ffiack, einen un- 
ehligen Sohn des verftorbenen Königs, wofür er 
15000 tbl. bekommen bat. 

Vor einigen Klochen habe ich unter den articcl 
Stuttgardt in der Hamburger Zeitung gelegen, dafj der 



Ruffifcbe ßefantc von Bubler, einen Courir aus Peters- 
burg erbalten habe, nun denke ich, wird gewif} das 
Gngagcment vor meinen freund Danecker mit ange- 
kommen feyn, nun febe ich Jbm febon in Gedanken 
die Hnftalt ?ur Hbreifje machen, wen 6r anders nicht 
noch die Bufte der I)er?ogin Mutter in Stuttgardt ver- 
fettigen foll und dan trit er mit fein liebes iUeibcben 
die Reihe über Berlin nach Petersburg an, Cogirt bey 
mir, ich führe Jbm in den fanften Sand fpajieren jeige 
Jbm alles febenswürdige, er bleibt bey mir einige 
cltodien, ich wünfehte JTßonatte, dann begleite 
ich Jbm Sine Poft Station nach Rusland, 
da bleibt er etliche Jahre, kehret mit 200 000 Rubel 
vergnügt in fein fd)önes Vaterland jurück, und lebt 
mit feinen lieben (Ueibdnn in bona pace, nicht war fo 
wollen wir es machen, ich wünfebe im voraus 6lück 
und Seegen ju diefem unternehmen. tHie befindet fich 
die liebe, und verehrungswürdige Rappifdie familie. 
empfehlen Sie mich Jhren verehrten Hndenken. Rerr 
Yfoppi wird fid) mit mir freuen, das f). Delfon die 
ß. r). franjofen geklopft bat, möd)te es doch nod) 
ofte gefebeben, damit Jbr Reid> ein 6nde nehme. 
Viele Compl. an den I). Yt°PP'> unc l a l' cn 9 uten 
freunden, die fich meiner erinnern, was macht der gute 
ßeidcloff. 

Jd) fcbliehe, fonften möd)te Jbnen die Gedult ju 
lefen vergeben, und mir würde der Raum mangeln, 
die Verficbning bey ju fügen, dafj ich nie aufhören 
werde, Sie von ganjen F)erjen ?u lieben, und fo bin 
ich ganj der Jhrige 

parper. 



J55*] I)arper an Dannecker. 

(nacftlaj H.) 

Berlin den 27 Dovbr 1798. 
Ciebfter befter freund! 

Da ich eben an den I). v. flßadeweis fd)ieibe, fo 
benutje ich die Gelegenheit Jbnen das Briefporto ju 
erfpabren und berichte in 6yl , das ich Jbren lieben 
mit fo vieler freundfebafft gegen mid) erfülten Brief 
erbalten habe. 

Das Sie nach Rusland ju reiften bcjweiflen, will 
mir gar nicht gefallen , den da verfebwindet die Hoff- 
nung Sie lieben freund bey mir in Berlin ju feben. 
Der Punkt wegen 6xcellenj B. ift nobel und Sie 
haben recht dafj Jbm als Jbren ergebenen negociateur 
bejwciflen, von den Dicolay in Rusland habe ich ge- 
bort das er nad> Siberien gefchickt werden foll, weil 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Kün[tlern. 



81 



er wegen unterfcblagener prefenter, in Ungnade gefallen 
fey. wer weif? ob er nicht aueb auf diefe Klcifje gegen 
Jbnen gefündiget haben mag. Jcb bin 6ott lob gc- 
fund, und fo viel es fein kann immer vergnügt und 
jufrieden, nidits ift vollkommen in der Hielt, und da 
Berlin in der Kielt liegt, fo finde ich auch hier viel 
unvollkommenes. Klir haben hier febon jiemlicb kalt, 
und vielen Schnee, vielleicht ift es auch bey Jbnen fo. 
Der lieben , guten , und verebrungswürdigen 
Rappifcben familie 1000 Gmpfeblungen, den biederen 
F). Y1 P V desgleichen. Cebcn Sie liebftcr freund mit 
Jbren lieben Kleibcbin recht glücklieb. Alan kan es 
wahrhaftig in dieler Krummen Kielt auch feyn, wen 
man nicht fo törigt feyn will Sie grade ju machen, 
von ganjen I)erjen und immer, und 6wig, Jbr wahrer 
freund und wen ich daju gefebikt were 
Jbr Diener 
Jn 6yl. Rarper. 

156*] I)arper an Dannecfcer. 

(D.acblafe H.) 

Berlin den 22. Jun. 1799. 

Jbre liebe Zeilen vom 13 fliay hätte ich gewift 
früher beantwortet, wen ich nicht bis jetjo auf Briefe 
von mehrere Stuttgarter freunden gewartet hatte, um 
alsdann Jbnen das Briefporto ?u erfpabren, und Jbnen 
meine Zeilen per Ginfcblag ?u kommen ?u lallen. 
Diefe grwartung bat fieb aber bis beute verjögert. 

Das Sie und die liebe Jbrige fieb wohl befinden, 
war die Grfte und angenebmfte naebriebt Jbrcr Zeilen. 
Das Sie immer fleiftig find, wundert mich nicht, wer 
feine Kunft wie Sie liebt, und Jbr Calent befitjt, dem 
muft dasfelbe Vergnügen , und Reij jur Hrbeit er- 
wecken. Jcb arbeite nur ;um Zeitvertreib , ift dann 
meine unvollendete mitgebrachte Hrbeit fertig, fo laffe 
ich mich in den Orden der faullenjer cinfehreiben und 
fage der flQahlerey adieu. Von diefen Zeit-Punkt find 
Sie noch weit entfernt, und ich wünfebe das Sie noch 
fpäter als ich davon entfernt bleiben mögen. Klas 
macht der gute peideloff, noch keine Beffcrung feiner 
Hugen, der liebe fflann dauert mich berjlicb, meine 
empfeblung an Jbm und feiner frau. 

Klas denken Sie von der grofjen Ration , oder 
vielmehr von die Kayferlicbe denen nun das 6lück 
günftig ift. 

Hülfen Sie mit Jhrer gütigen Srlaubnifj Jbr 
liebes kleines und charmantes Kleibcbin recht berjlicb 
in meinem Damen. Sie werden lagen, das gefebiebet 



ohne 6ure Bitte, und das glaube ich auch, man kann 
aber des guten nicht juviel tbun. Viele und recht 
freundfcbaftlid« 6mpfeblungen an das Klebrte Rappi- 
febe Rauft, mochte ich doch noch fo glücklich fein, 
meine Stuttgarter freunde befueben ju können , aber 
die Reifte ift ju koftbar, und ich ?u arm, der Reiße 
Klagen ift noch da, aber nicht das Reifte 6eld. I)ier 
ift alles fehr tbeuer, 2 ü 16 Cotb Brod 2 gl. 6in ü 
fleifch 2 gl. 6 kr. Zucker das Tb 15 gl. 6 kr. Butter 
8 bis 10 gl. das R und fo durch alle rubriquen. Jcb 
freue mich mit Y). Jfopy das Rom von den Räubern 
befreit ift. Jn dem biefigen Scbloft habe ich viele vor- 
treflicbe Bilder von Rubens Vandyck und Jtalienifcbe 
ffleifter gefunden es übertraf meine Grwartung. Ceben 
Sie wobl mein liebfter freund und von meiner auf- 
richtigen Hochachtung verfiebert 

ßarper. 



157*] I)arper an Dannecker. 

(Dacblafe H.) 

Berlin, den 3J. Hug.' 1799. 

Verebrungswürdigfter befter freund! 
Sine neue Probe das ich mich noch immer in 
Jbren lieben und wehrten freundfebaftlicben Hndenken 
befinde, jeiget, das Sie Sich fo gar noch den Cag 
meiner Hbreifee erinnern, und in Jbren Zeilen vom 
21 Julii mit fo freundfebaftlicben Hufjerungen deffelben 
erwebnen, mir wird dieler Hbfcbieds Cag gewifj lebens- 
lang unvergeßlich bleiben, da ich an demfelben fo viele 
Verebrungswürdige freunde nach fo viel jährigen er- 
probten genuft Jhrer freundfebajt auf immer verlief?, 
wie wenige diefer lieben freunde habe ich wieder ?u 
feben Rofnung. Riebt fcblafend, fondern wachend 
träumet es mich immer das ich Sie liebfter freund, 
unter allen meinen Stuttgardter freunden hier in 
Berlin JU umarmen die freude erleben werde, und 
Jbre Zeilen vennebren diefe angenehme Rofnung mein 
Rciftewagen ift jwar febon verkauft an diefen foll es 
Jbnen aber gewift. nicht fehlen. Den die Berliner 
Reifte Klagen find Kielt berühmt, und da ich wie Sie 
von ¥). R. R. frommann gehört haben werden, auf? 
meinem bisherigen fchönen quartier aufhieben muft 
weil mein Klirtb feine Cocbter an den arebiteet f). 6ens 
den Sie in Stuttgardt oder vielleicht febon in Rom 
gekant haben, verheyratbet, und in meine Klobnung 
lieben läftt fo habe ich ein anderes quartier bey einen 
Satler auf den Raackfcben fllarckt beftanden, diefer mein 
künftiger Klirtb foll alsdan vor einen recht guten 

11 



82 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



Reifjewagen Jörgen, welche wahrhafte f reude würde es 
vor mich lein Sie, und Jhr liebes Kleibcbin bey mir 
ju beherbergen, kommen Sie, kommen Sie um die 
Rutfifcbe Rubel nach vollendeter Hrbeit in Jhr liebes 
Vaterland ruhig ?u vermehren es ift warlich angenehm 
nad) der Hrbeit auf}?uruben von R. f romann habe ich 
mit Vergnügen vernommen, das endlich ein kleiner 
Stambalter den R. Rapp ?ur Kielt gebohren worden 
ich bitte beyderjeits eitern meine gratulation abju- 
(tatten und mich Jbren freundjcbaftlicben Hndenken 
?u empfehlen, ein gleiches an alle meine gute freunde, 
mit Jbrer gütigen Crlaubnif} bitte ich Jhr liebes Kleib- 
chin prächtig in meinen Rahmen ju küffen ich er- 
warte Sie beyderjeits gewif} in Berlin mein Staats 
Zimmer foll vor Jbnen bereit fein, daf} klingt prädi- 
tig machen Sie das daf} alles wahr wird. 

adio Caro Carissimo vi son semper 

Jhr aufrichtiger freund und Diener Rarper. 

Viele Compl. an R. Jfopy und Reydelloff. 



158*] F)arper an Darmecker. 

(na*taß H.) 

Berlin den 14 Xbr. 1799. 

Ciebfter befter freund! 

Jhre liebe Zeilen vom 20. Rovbr. verratben ganj 
das übele Rumeur, welches jeder Klirtembergcr bey der 
jetzigen Gefahr vollen Eage Jbres Vaterlandes haben 
muf?; und ich glaube es wäre beffer gewefen, wenig- 
ftens vor Klirtemberg, die Ruffen wären gar nicht ge- 
kommen, als das fie jejo vor den frieden den Krieges 
Schauplaj verlafjen. Kien nur das liebe Klirtemberg 
bis ju den Klaffen Stillftand an den man hier gewif? 
glauben will, vom feindlichen Überfall gefchütjt bliebe, 
dann liefje fich dodi hoffen, das der friede, der nun 
bald erfolgen muf?, Jhren Ceiden ein 6nde machen 
würde. 

Jch leide entfernt von Jhnen vtelleidrt mehr Hngft 
und Sorge, als wen ich noch bey Jbnen were und 
denke bisher 6ottlob ohne 6rund, wer weif} in welcher 
Bekümmernif? in diefen Hugenblick meine Stuttgarter 
freunde fich befinden ; das geplündert werden follte 
will ich nicht glauben, die Candfcbafft würde folebes 
gewif? durch Capitulation abwenden, aber eine drückende 
Contribution würde Jbrem Vaterlande auferlegt werden. 

Da nun Starray mit einer anfebnlichen Verjtär- 
kung ?um Gntfatj von Philippsburg bey Jhnen an- 
gelangt ift, fo ift ?u hoffen, daf} Jhre Cage weniger 



gefährlich geworden ift. 6ott helfe Sie bald aus diefer 
Bedrängnil}. 

6rft vor wenigen Cagen habe ich bey einem Gaft- 
mahl den Rr. Cütke }um erftenmabl gefproeben, er 
lafjt fich Jbnen und allen feinen dortigen guten freun- 
den befonders den Candjturms Profeffor em- 
pfehlen, er ift verbeyrathet, bat gute fflßittel von feinen 
Vater ererbt, und bauet fich jetjo ein {ehr febönes Rauf;. 
6r ift ein fehr gefchickter ffiabler und meiner Meinung 
nach dem fo berühmten Rackert vorjujieben. 

Jch bin Gottlob noch immer gefund und kann 
Jagen noch gefunder als in Stuttgardt, noch habe ich 
keinen Ruften und Schnupfen hier empfunden, den 
man doch aller Orten wenigftens im Klinter ju ge- 
winnen hat. Hm Klecbjel des Jahres wünfebe ich 
Jbnen das dauerhaftere Glück, dabey aber vor?üglid) 
die edle Gefundbeit, ohne welche alles Stückwerk ift, 
denn ohne diele ift keine freude auf 6rden. Hucb 
friede fey mit uns allen amen bieju gehört noch die 
fortjetjung Jbrer freundfebafft die kein feind mir 
rauben foll. 

Jch küffe durch Jbnen Jhr liebes Kleibcbin, in 
gleichen die frau Rappen, und alle febönen Stuttgardter 
frauen. Da übertrage ich Jbnen ein grobes 6efcbäfft, 
Jbrer gibt es viele. Doch bleibt Jbnen als Künftler 
und Kenner die Klabl welche Sie davor erkennen 
wollen, nicht wahr diefes ift eine prächtige Com- 
miffion, adio Caro Carissimo viel liebes und febönes 
an alle gute freunde R. Rapp. Yt°Py> Reideloff und 
wie fie Sie kennen. 6an? der Jbrige 

Rarper. 
in 6yl den diefes ift 
beute der 6. Brief nach 
Stuttgart. 



159*] Rarper an Dannecker. 

(DacMafe H.) 

Berlin den 15. flhr? 1800. 

Ciebfter befter freund! 
Sie lebreiben mir das Sie Krank waren, Jagen 
mir aber auch }um Crojt das Sie Sich nebjt R. JJopy 
wieder braj erholen. Jch alter Kerl befinde mich frifd) 
wie ein fifcb im Kläffer, befürchte aber wen es mit 
mir }um Krankenlager kommen wird, es dann bald 
auf} fein wird, und das were braf. Rerr Dannecker 
würde fagen prächtig, das Jbr Ciebes, Dettes, Char- 
mantes, Kleibcbin, die Jbnen in Jbrer Krankheit fo 
prächtig gepflegt hat, Sich meiner gütigft erinnernt, und 



Anhang 



VI. Briefwocbfcl mit Kün[tlcrn. 



83 



mich freundfcbaftlicb grüfjen labt, diefes ift mir viel 
6bre, freude, und Vergnügen, und um lolcbcs ?u ver- 
güten, Cragc ich Sie auf, nebft meinen gcborfamltcn 
Compliment in meinen Damen, und auf mein 6r- 
fueben, Jbre Kleine frau, fo viel, und fo lange ju 
Kuben, bis Sie Jagen wird, Sie fcy nun genug ge- 
hütet, das wird meines eraebtens wobl ein wenig lange 
dauern, Hbcr lieber Profeffor irh bore nichts mebr von 
der Petersburger Reibe, die mich febr interreffirt, weil 
ich noch immer auf das Vergnügen febnlicbft warte, 
Sie alsdann in Berlin ju perjen und ju Küfjcn. Jcb 
babe von Zeit ju Zeit das Vergnügen Befucbe von 
Göurtcvnborger, oder die ich in Stuttgardt gekaut babe, 
?u erhalten, vor einigen fflonatten war der I). 6nsle 
hier, der wieder viel Beyfall, und Verdienft in Berlin 
erbalten bat, nun bat er fieb ?ur Rübe nach Danjig 
begeben, wo er ein febönes Candgutb gekaufet bat. 
Der ffiabler Kat?, und Y). v. Raller, der bey Prof: 
Reidclloff logierte, find auch hier, wafe vor freude 
würde es aber vor mir fein, freund Dannecker in 
Berlin ju befitjen, das der ß. Rapp fein febönes Söbn- 
lein verlobren, bedaure ich febr, empfehlen Sie mich 
dielen wertben 6be Paar, wie auch I). Jfopy, den ich 
pi den neuen Pabft gratulire, viele Compl. an den 
Sturm Profeffor, und feiner lieben frau, und allen 
guten freunden, ganj befonders aber an den I). R. R. 
fromann von welchen ich lange keine Briefe erbalten 
ich will nicht glauben das 6r Krank ift Eeben Sie 
wobl, und befuchen Sie mich bald in Berlin ganj der 
Jbrige 

Rarper. 

P.S. So eben erhalte ich einen Brief von T). R. R. 
fromann der mich feine 6efundheit und Cdoblbefinden 
verfiebert 



160*] I)arper an Dannether. 

<na*U& H.) 

Berlin den 15"" July 1800. 

Ciebfter befter freund! 
Jbr letzteres wertbes Schreiben habe jwar richtig 
erbalten welches mir aber ich weif? nicht wie verlobren 
gegangen und wodurch die Beantwortung desfelben bis 
beute verzögert worden. Das Sie Sich alle wobl be- 
finden freuet mich berjlicb. Dun find Sie auch der 
Kayferlicben ungebeten 6äfte lofj. Bey der ßofnung 
jum frieden ift ju hoffen das Sie bald von ferneren 
Kriegslagen befreiet werden welches ich vor das tHir- 
temberg von ganjer Seele wünfebe. liun wird wobl 



Jbre Bufte in Petersburg angekommen fein ich wünfebe 
das die Belohnung Jbren Calcnt gemäfj recht Kayfjer- 
licb genereuse ausfallen mögen, weldws, und ob eine 
Reibe nach Rusland, notabene über Berlin in Sterke 
fey, ich ju vernehmen febr begierig bin. f)eute find 
es jwey Jahr, das ich meine liebe freunde in Stutt- 
gardt verlief?, ein Cag den ich nicht vergeffen werde, 
wie würde es mich freuen Sie in Berlin ju fehen, 
diefer 6edanke ergöjet mich prächtig, und da es 
möglich ift, fo fuche ich ihm öffters in meinen 6e- 
danken ju erneuren. 

Jcb bin Gottlob noch immer recht gefund, arbeite 
fo viel ich will und mache mich viel Bewegung, die 
mir febr wobl bekömt. Jcb küfje in der Gntfernung 
von 85 ffleilen Sie und Jbre liebe frau, welcher fo- 
wobl, als der lieben und wertben Rappifchen familic 
ich mich beftens ju empfehlen bitte. Ccbcn Sie wobl 
liebftcr freund, und nehmen Sie die aufrichtigftc 
CdünfdK für Jbr und der Jbrigen ununterbrochenes 
(Hobt freundfcbaftlicb auf von Jbren 

Jbnen ewig ergebenen freund und Diener 
ßarper. 

Meine Gmpfeblung an R. Jfopi und alle gute 
freunde. CClem Sie Fir. Prof. Reideloff fehen, fo bitte 
demfelben nebft meinen Compl. ju fagen, dafj ich 
künftigen Sonnabendt an Jbm ?u febreiben und das 
bewukte 6eld an den F)r. ffiadeweis anjuweifen hoffe. 



161*] I)arper an Dannecfcer. 

(Dacblafe H.) 

Berlin den i ,tn Dovember 1800. 

Ciebfter befter [freund!] 

Cange, febr lange haben Sie mich auf Jbre wertbe 
Zeilen warten laben, da irh doch des verderblichen 
Krieges wegen um Sie und um ganj ölirtembg be- 
kümmert war; wäre ich fo mächtig Sie dafür beitrafen 
ju können, warlich Sie folten jur Strafe nur einmabl 
des Cages Jbr liebes Göeibcbin ein ffläulcbin geben 
dürfen, doch das wäre unrecht und unbillig, weil da- 
durch nicht blofj Sie fondern auch Jbr liebes unfcbul- 
diges f rauchin geftrafet würde. 6s bleibe alfo bey dem 
Hlten. Küfjen Sie nach Belieben, ich affignierc der 
frau Prof: Danecker in meinem ßamen 6in Doufin 
Küffe payable par son Mari. CQas Sie mir vom 
Cammer Director lebreiben, war mir ganj unbewufjt, 
es tbuet mir leid, den er war mein freund. 

Zu die Jtalienifcbe ffiablereycn gratuliere ich febade 
dafj ich Sie und vielmehr den freund Danecker nicht 



8 4 



VI. Briefwecbfel mit Rünftlern. 



leben werde. Ceider habe ich keine Fjofnung Stuttgardt 
wieder ju leben, es müßte den fein dafj icb ein an- 
fcbnlicbes £of? in der Eotterie gewinne. Gegenwärtig 
find viele tflirtemberger in Berlin deren Befucb mir 
febr angenehm ift; als der Sohn des R. R. Glfeffer, des 
Kanjler Cc Bret, des flßauer ffleiftcr Barth der die 
Hrcbitectur in biefiger Hcademie ftudiert und andere 
deren Damen mir entfallen find, wie viel angenehmer 
würde es mir aber fein, wen der liebe Danecker mit 
feinen Kleibcbin auf der Ruffifcben Reifje über Berlin 
hommen würde. Das die Petersburger Hntwort fo 
lange ausbleibt mufj freylich unangenehm feyn, ich 
wünfebe vor Jbrc 6edult defto reichere Belohnung und 
anfehnlicbe Beftellungen. Klie ich gebort babe, fo ift 
Jbre Bufte des 6r?ber?og Carl an den Cotta verkauft 
icb hatte geglaubt, fie were von der Oftreicbfchen 6ene- 
ralitaet beftelt gewefen. 

Gntfcbuldigen Sie mein 6efcbmiere ich habe beute 
viel Briefe ju fchreiben und kann es nicht über mein 
Rcr? bringen Jbnen meine Hntwort länger fchuldig |u 
bleiben di core et anima il vostro sincero amico 

J)arper. 

Compl. an alle gute freunde. 



0? ja, beydes, letzteres aber nur jum Zeitvertreib. 
Rabe ich Sie febon gefchrieben, das die f igur des f ürften 
von Deffau in Cararifchen fflarmor von Scbado ver- 
fertiget, im Cuftgarten aufgeftcllt worden ift, ich wünfebte 
das Sie folebe feben könten, Sie ift gut, aber nicht 
außer critike, meiner Meinung nach, befonders in dem 
contraft der Stellung, des Scbados Hntagoniften, haben 
die f igur fäuberlich mit Dreck geworfen, der Regen bat 
(ich aber erbarmet, und den Dreck abgefpüblet, und 
nun ftebet lie wieder fchön Cüeik da. Dun foll er auch 
die Bildfäule friderieb des Großen ?u Pferde, die in 
6rj gegoßen werden foll, verfertigen. Hußer den 
Schado, haben die biefigen Künftler wenig ju tun, 
man folte nicht glauben, das in einer fo großen Stadt, 
fo wenig Kunftliebbaber weren, bey der Husftellung 
der Runft Sachen der Hcademia, ift der Zulauf febr 
groß, es ift aber mehr jum Zeitvertreib, als jur Cicbe 
jur Runft, Rünftige COocben marchieren auf? Berlin 
15000 ffiann, man glaubt um Manöver ju befetjen. 
Jbren lieben Detten Cöeibcbin I)errn, und frau Rappen, 

und allen wehrten freunden, bitte [ ] Hn- 

denken ju empfehlen, Sie liebfter freund [ ] 

bin ad Dies vitae. Jbr aufrichtiger freund 

[Rarper] 



162*] I)arpcr an Darnieder. 

(Dacblafc H.) 

Berlin den ii te " Hpril 1801. 

Ciebfter befter [freund!] 
öden es mir möglich were [ju glauben] das mein 
freund Danecker mich vergeben würde, fo hatte icb es 
bey Jbren langen Stilfcbweigen glauben follen. ich 
wolte diele paufe öfters durch meine Zeilen unter- 
brechen, den dachte icb aber, die guten Stuttgarter 
haben fo viel druckende Rriegslaften, das man Sie 
nicht mit unnötbigen Brief porto befebweren muß. 
Dun aber 6ott lob, ift der 6dele friede erfebienen, der 
mit feiner Rückkehr diefes £and, und feine Ginwobner, 
wieder Seegen und Klobiergeben febenken wird, ich 
Cbeile diele freude mit alle Klirtem berger. 6s freuet 
mich, das Sie ffioreaus Büfte machen werden, um fo 
mehr, da dadurch auch von Jbrer gefchickten Rand, 
etwas nach Paris kommen wird, woju nicht leicht fo 
gute 6elegenbeit fieb gefunden haben würde. i)erjlich 
gerne wünfebte icb Jbre Sappbo ju feben, aber noch 
herzlicher von Hngeficht ju Hngeficbt, dem der fie ge- 
macht bat, den in diefem ift eine Seele, die icb liebe. 
Sie wollen willen ob ich gefund bin, und noch Hrbeite. 



163*] Fjarper an Danne&er. 

(Dallas H.) 

Berlin den i2 tc - Jan: 1802. 
Klertbefter freund 

ffiit vielem Vergnügen erhielt icb Jbre liebe Zeilen 
vom 20 Xbr, nicht weil Sie mir darin fo viel fcbmeicbel- 
baftes fagen , das icb freilieb ju verdienen wünfebte, 
fondern weil ich durch diefe Zeilen Jbr und Jbr liebes 
deibchin Kloblbefinden, Jbr mir fo fcbäjbares freund- 
fcbaftlicbes Hndenken, Jbr ganj vor die Runft gefebäf- 
tiges Ceben, das bey Jbrer Gefcbicklicbkeit Jbnen viel 
freude und Zufriedenheit febaffen muß in Jbren Zeilen 
ju lefen das Vergnügen hatte. 

Jcb bin der Runft nun abgeftorben, arbeite nur 
wenig, und waß ich darin babe tbuen können ift nun 
vorbey, und verdienet nicht das Cob der Dachwelt wie 
Jbre Hrbeiten es verdienen werden. Übrigens lebe ich 
fo fachte fort, bin gefund und noch aut auf die fuße, 
nur der liebe und wobltbätige Schlaf, diefer will mich 
nicht, wie icb wohl wünfebte die nötbige Rübe feben- 
ken; doch waß hilft das Riagen, in meinem Hltcr 
febläft man nicht wie ein Jüngling. 



Anhang 



VI. Briefwccbfel mit Kiin[tlem. 



85 



Die an den Pfleg Vater Jdlcr vermählte Grajie 
gehört unter das Zantippen 6efcblecbt, [o habe ich lie 
die lejte Zeit fo lie bey mir diente, kennen gelernt, ich 
bedaure den armen fflßann. 

Kien Sic flßeifter Böhme [ehen, fo grüfjen Sie ihm 
recht freundlich von mir, er war mir bey meiner Reifje 
von Stuttgardt fehr nüjlicb und dicnftgefällig , wofür 
ich ihm noch danke, und wünfehe das er von diefer 
Reife fo jufrieden mit mir feyn mögte, als ich es mit 
ihm war. 

(Hie geht es mit dem fflonument des 6rj perjogs 
Carl, man höret fchon lange nichts mehr in den Zei- 
tungen davon, und wie hoch find die Koften berechnet 
worden ? Das biefige fflonument für friderieb den 
Grofjen, das Schado ju machen hat, foll jwey mahl 
hundert und jwanjig Caufend Cbaler koften notabene 
in ffletal gegofjen. 

Von Jhrer Reifje nach Petersburg höre ich gar 
nichts mehr, das Chut mir leid, und benimt mir die 
pofnung, Sie noch vor meiner Hbreifjo aus der Kielt 
ju feben, Den mit dem KUederfeben in jener Kielt 
ift es fo eine mifjlicbe Sache. 

Dun jum Scblufj diefer Zeilen, und jum Hntritt 
des neuen Jahrs wünfehe ich das Sie und Jbre liebe 
frau fo glücklieb und vergnügt leben mögen als ich 
es Jbnen beyderfeits gönne. Bleiben Sie ferner meine 
lieben guten freunde wie ich der Jbrige fo können 
wir auch entfernt unfj unferer freundfebaft freuen. 

Jch bitte mich der wertben Rappifcben familie 
ex core ju empfehlen, und mich immer als Jhren 
aufrichtigen freund und wen Sie mich daju gefebickt 
finden als Jhren ergebenften Diener ju glauben. 

Barper. 

Compl. an den ¥>. Profeffor Reideloff und alle 
meine guten freunde. 

ß. Steinkopff nicht ju vergeffen. 



164*] I)arper an Dannecfcer. 

(D.acMa& H.) 

[Ohne Datum, 1802 oder 3] 

Klebrtefter freund! 

freylich haben Sie diefesmahl eine lange paufe in 

untrer Correfpondenj gemacht dem ohneraebtet glaubte 

ich mich doch nicht von Jbnen Vergefjen ju feyn. ich 

erhielt von Zeit ju Zeit von Stuttgardter freunden 

Dachricht von Jbrem befinden, von Jbrer Schweizer 

Reifje und von Jhren fleifj fchöne Kunft produete auf 

die ßacbwelt ju verfertigen. Die 6nade des Rerjogs 



vielleicht nun fchon erwählter Kuhr-fürft mufj Jbnen 
bey Jhren angebohrnen fleifj noch mehr aufmuntern, 
und Jbnen das 6efcbäftc angenehmer machen. 

Das Vergnügen Sic und Jbre Hrbeit ju feben, ift 
wobl vor mich nicht mehr ju hoffen, eine fo weite bin 
und her reifje, ift fo wobl in meinem Hlter als auch 
wegen der Koften nicht mehr Cbunlicb ich mufj mich 
alfo nur mit dem Gedanken ergötjen wie angenehm 
mir diefes Vergnügen feyn würde 6s kommen immer 
viel F). ¥). Klirtcmbcrgcr nach Berlin die mich mit 
Jbren Befuch beehren, aber kein freund Dannecker, 
und nun börc ich gar nichts mehr von Jbrer Reifje 
nach Rusland, die einjige pofnung Sie liebfter freund 
hier ju feben. von Rctfcb bore ich gar nichts er bat 
mir noch nicht aufj Rom gefchrieben was hören Sic 
in Stuttgardt von feinen Befinden man bat mir Ver- 
fiebert er habe auf 2 jfabr Clbrlaub er ift wahrhaft in 
vielen Stüchen glücklich febeinet mir aber dennoch un- 
jufrieden und einen I)ang jur F)ypocbondry ju haben. 
Schado bat hier immer viel ju Cbuen, ich febe ihm 
nicht habe auch mit wenigen Künftlern Umgang und 
lebe ganj fülle vor mich weg. 

Den 15 diefes nimmt die Husftellung der Kunft- 
werke bey der biefigen Hccademie den Hnfang die 
flßeiften Riftorifcben Stücke find aufj der Vatcrländifchcn 
6efchicbte weil der König folebe Vorjüglicb liebt, und 
Kauft, fie werden gut bejablt. 

Jbrer lieben frau und der wehrten Rappfcben 
familie meinen berjlicben Gmpfebl deren Hndenken fich 
öffters bey mir erneuert. 

Caufend Seegen beglücke Jbre Cage und mir er- 
freue Jbre mir fo fchäjbare freundfebafft bey müjjigcn 
Sontags Stunden mit Jhren wehrten Zeilen 

Tout a Vous 

I)arper. 



165*] F>arper an Dannecher. 

(Dachtafi H.) 

Berlin den 28"- fflay 1803. 

Eiebfter freund! 
Kien ich auch feit geraumer Zeit keine Jbrer werten 
Zeilen erbalten hatte, fo glaubte ich mich dieferwegen 
doch nicht von Jbnen vergefjen ju feyn; ich jäble fo- 
viel auf Jbre freundfebaft das Sie mir folebe ohne 
übrfacbe nicht entjieben folten. Jndeffen find Sie es 
nid)t allein, welcher unter meinen Stuttgardter freunden 
mir feltener als anfänglich mich mit Jbren Zeilen be- 
ehren, von welchen ich aber eben fo wenig als von 



86 



VI. Briefwecbfel mit Künltlcrn. 



Jbnen jum Hacbteil ihrer freundfebaft übel denken 
will. Je älter ich werde je mehr gewöhne ich mich bey 
allen Vorfällen lieber das bette als das fcblimfte ju 
glauben. 

Das Sie Sich mit Jbrer wehrten familie alle wohl 
befinden freuet mich berjlicb, das Sic immer fleifjig in 
Jbrer Kunft find daran darf ich wohl nicht jweiflen, 
ich bin defto fauler, bald bin ich 78. alt und da hat 
man denn wobl einiges Recht jum faullenjen. Körper- 
lich befinde ich mich noch immer fo gefund wie in 
Stuttgardt, aber die Seelen Kräfte nehmen ab befon- 
ders finde ich folcbes an meinem ßedäcbtnifj das keinen 
Schuf? Pulver wehrt ift. 

Jcb habe öfters das Vergnügen Rcrren Klurtem- 
berger in Berlin ju feben. Gegenwärtig befinden fich 
hier der Sohn des r). Eandfcbaft Confulenten Körner 
und ein f). Doctor fflayer aus Cubingen, auch habe 
ich die 6hre gehabt den r). General v. flßilius ju 
fprechen der geltern wieder von hier abgereist ift. Von 
Jbren guten Scbwarjwälder Bauren die nach sud 
Preufjen jicben habe ich diefer Cagen viele Klagen voll 
durch Berlin kommen (eben ; ich bewunderte die Menge 
Kinder die fich mit fich brachten, und dachte dabey, 
warum febenkt der r)immel dem freund Dannecker 
nicht auch einen 6rbcn, der hätte nicht nötig nach 
sud Preufjen auswandern. Doch wafj fein foll febikt 
fich wobl, vielleicht gelingt es doch noch ; da Sic die 
Proportion des fflenfcblicben Körpers fo gut ftudiert 
haben fo jweifcle ich nicht das Sie recht was Schönes 
ja wobl gar einen kleinen Hpollo hervorbringen wür- 
den. Doch Sic werden fagen was bekümmert fich 
r)arper um diefcs mein ßcfcbäjte und Sie haben recht. 

empfehlen Sie mich Jbrer lieben frau, und r)errn 
und frau Rapp jum geneigten Kloblwollen und glau- 
ben verfiebert dafj ich lebenslang fein werde 

Meines wehrten freundes 
ergebender freund und Diener 
r)arper. 

Von r). f)etfcb höre ich gar nichts ift er noch in 
Rom? 



166*] I)arper an Dannecker. 

(Hachlafe H.) 

Berlin den 17 Hpril 1804. 

Ciebftcr freund! 
Das ich noch immer bey Jbncn und meinen 
lieben Stuttgardtcr freunden in gutem Hndenken er- 



balten bin, wie mir folcbes Jbrc Klebrtc Zeilen Vcr- 
fichern, freuet mich herjlich, und wahr und wahrhaftig 
find Sic auch Hlle in meinen f)ertjen noch eben fo 
geliebt gefebätjet und geehrt, als fie es bey meinen 
Hufcntbalt in Stuttgardt gewefen find, und bleiben 
werden. 

Das Sie Jbr vorzügliches Vergnügen und Zu- 
friedenheit in Jbren glücklichen 6bc Stand, in der 
Ciebc Jbres guten Klcibcbins, und an dem Vergnügen 
Jbrer Kunft finden, find jwey paffionen die Jbren 
6cift angenehm befebäftigen und Jbr Ccben verfallen 
muffen. Sic Klagen über Bcfchwcrlicbkcit des Ruften, 
auch ich bin feit mehren Klocbcn damit geplagt, nun 
bin ich 6 Jahr in Berlin immer gefund gewefen, ich 
will mich alfo nicht beklagen, wen ich wie andere 
ehrliche Ceute bey diefer rauben Klitterung Ruften 
Der P). v. flßadeweiss bat mir die jur Cburwürde ge- 
prägte Medaille gefdnekt, die febr fcblccbt gefebnitten 
ift, wen nur noch das Profil des Cburfürften einige 
Ähnlichkeit bette, den nach 100 und mehr Jahren wird 
man wifjen wollen wie der 6rfte Cbur fürft von Kl: 
aufjgcfeben bat. Seine feböne Bildung wird nicht in 
diefen Profil ju feben fein, ein guter Schatten Rifj 
würde jureiebend gewefen fein die Ähnlichkeit ju treffen. 

Meinen beglichen 6mpfebl an Jbren r): Schwager 
und lieben frau wie auch an den r) Director Ruoff. 
Le Raceiul des Prospects de Berlin par Rosen- 
berg werden nicht mehr fortgefetjt, es find nur 21 
Blätter. 

Ceben Sic wobl und verfichert das ich lebenslang 
mit aebtung und Cicbe aufrichtigft fein werde Jbr 

ergebender freund und Diener 

f)arper. 



167*] I)arper an Dannecker. 

(Dacfjlafe H.) 

Berlin den 2*«" febr. 1805. 
Cicbfter befter freund! 
Kien ich auch in langer Zeit keines Jbrer lieben 
Zeilen erbalten habe, fo jweifelte ich dieferwegen doch 
nicht an der fortdaucr Jbrer freundfebaft. Klir kennen 
unfj beiderfeits fchon lange und ju gut, das wir nicht 
Klecbfelfeitig alles gutes von ein ander denken und 
glauben folten. ich hatte auch immer von andern 
guten freunden aufj Stuttgard erfahren das Sie gefund, 
febr fleifjig, und immer febönere Kunft Klerke für die 
Racbwclt verfertigen. Von Jbrer Hriadne hörte ich 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



87 



immer mit nujjgejeicbnctcn £ob fprecben, febade für 
mich das ich kein Hugen Zeuge ihrer Schönheit fein 
kann. Bier hat ein Bölewicht die Statuen des 6eneral 
Zieten und des alten fürften von Deffau von Carari- 
fchen ißarmor von Schado verfertigt, mit einer febwarjen 
Bcitje begoßen, ficher aus Perfönlichen Fjafj gegen 
Schado, der König hat 500 Chi. dem 6ntdecker diefes 
frevclers verfiebern laken, man hat ihm aber nicht ent- 
deckt, jum 6lück find die Statuen jimlicb gut, von 
der Scbwarjen Beitje gereinigt worden. Jch lebe noch 
immer fo ftille, und fadite weg, und werde immer 
gleichgültiger, waf} auf der 6rde vorgehet, nur in der 
freundfebaft bleibe ich nid)t gleichgültig, und wünfehe 
mir meine alte gute erprobte freunde, bis an mein 
6ndc, das nun nicht mehr ferne fein kann, ju erbalten. 
Grfcbrecken Sie nicht lieber freund, wen id) Jonen 
fage, das der Bimmel mich mit jwey Kinder gefegnet 
bat, es ift freilich fonderbar im 8o< e " Jahr ein foldies 
gefchenk ju erbalten, allein auf 6bre ich habe auch 
nicht ein Bärlein ju dem Dafein dieler Kinder beyge- 
tragen, der Bube ift 11 Jahr und das flßädcben 9 Jahr 
alt, 6s find meiner Schwefter Cocbter, Cocbter Kinder, 
Vater und fllutter ftarben in Zeit von 8 Cagen, fie 
hatten nach dem CQillen der heiligen Schrift gelebt, und 



nicht für den andern flßorgen geforgt, und diefe jwey 
Kinder ohne alles Vermögen binterlafjen, da ich die 
6bre habe der einjige Bageftolj in der familie ju fein, 
fo mukte ich mich dieler Kinder annehmen, und den 
Unterhalt und die erjiebung diefer Kinder übernehmen, 
und nun ftudiere id) die Kinder Zucht, woran ich fonft 
in meinem gantjen Ceben nicht gedacht habe. 

Blill den kein Kleiner Dannecker an das üages- 
liebt kommen, febade, ewig febade, von einen fo vor- 
treflicben Bildbauer, waf? würde das für ein flQeifter- 
ftück werden, doch wer weif? was unfj in der Kielt 
gut oder nid)t gut, fein würde. 

JTßit Jhrer gütigen Grlaubnifj will ich bitten, Jbr 
liebes Kleibcbin in meinen Hamen redit berjlicb ju 
Küffcn, meinen böflicbftcn Gmpfebl an das wertbe 
Rapp'fdie Rauf?, und der frau geheimen Fjof-Ratbin 
Schwab meinen geborfamften Dank für das gütige 
Hndenken, bitte aufzurichten, wie auch an ¥). Beidelloff 
und Diftelbartb viele Compl. 

Jch wünfehe Jbnen und Jbrer lieben frau, 6e- 
fundbeit, und alles Cdoblergehen, und bin 6wig 
Jbr 

aufrichtiger freund und Diener 
Barper. 



Briefe von Cips an Dannecker. 



168*] £ips an Danmcher. 

(8e|. von Hdolt Spemann, Stuttgart.) 

Zürich d 7 ßovbr. 1801. 
Göertbgefcbäjter I)err und freund! 
endlich ift die Sache mit dem Cavaterfcb. Denk- 
mal fo weit gediehen, dafj wir jum Clerk febreiten 
können, und die Jbnen febon bekannte Jdee ausju- 
fübren gedenken. Jn diefer Hngelegenbeit haben wir 
Sie, mein freund, aufs neue nötbig, und darum 
komme ich wieder mit meinen fragen und Hnträgen. 
6rftlicb wünfebten wir, dafj Sie das ffiodell der Büfte 
ju machen unternehmen würden, weil wir verfiebert 
find, dafj wir eine gute Hrbeit erwarten, und auf eine 
billicbe Rechnung hoffen dürften. Hber es ift nicht 
anderft möglidi, als dafj Sie felbft hierher ju kommen 
fieb entfcbliefjen müßten die Büfte ju verfertigen. Hllc 
darju nötbigen Bülfsmittel wären ju umftändlicb und 



ju befebwerlicb nach Stuttgard ju fenden, und da diefe 
auch nicht von der Vollkommenheit find, dafj Sie (ich 
gerade daran halten könnten, fo mufj notwendig die 
Hrbeit in 6egenwart einiger Perfonen verfertigt werden, 
die Cavatern febr genau kannten, und defjnabm ju 
einer belferen und vollkommenem Hbnlid)keit durch 
ihren Ratb bebülflieb feyn muffen. Diefj hoffe ich wird 
von Jbrer Seite keine Schwierigkeit haben, da die 
Sntfernung nicht fo grofj ift, und Sie per se für diefe 
Reife fcbadlofj gebalten werden Tollen. Über dies follte 
es mich febr freuen Sie bey diefer Gelegenheit wieder 
einmal ju feben. Glenn Sie alfo unfern Ktunfd) er- 
füllen wollen oder können, fo erwarte ich in Jbrer 
näcbften Hntwort Jbre Zutage, auch wie bald Sie 
kommen könnten. 

Zweitens itt es eine frage, ob es wohl nidit 
möglich wäre, dafj der Bof-Cifeleur Creut in feinem 
preifj für die Büfte in Bronce etwas rabattiren liefje, 



88 



VI. Briefwecbfel mit Künftlem. 



weil wir wirklich derselben etwas bocb hatten, und über- 
all genötbigt find, oekonomifcb ?u Klerk ju gehen, damit 
die beftimrnte Summe für das Denkmal hinreiche? aud) 
ift es febrner eine frage, ob T)r. Creut wohl ju freuden 
wäre, wenn man ihm das nötbige 6r? von hier aus 
Rufenden würde, und was er darfür im Preik nach 
lalfen würde, auch ob das gewöhnliche Kanonen 
6r? daju tauglich wäre? Cüollen Sie gefälligft mit 
ihm darüber fprechen und uns Hachricht davon ein- 
fenden ? 

Klas Jbrc vorläufige Grkundigung des Marmors 
betriff, weldnr ?u dem piedeftall der Büfte nötbig 
wäre, fo danken wir Jbnen darfür, und finden den 
Preik fo wohlfeil, dak wir faft glauben müfjen, es 
feye ein Jrrthum in Jhrer Hngabe gewefen. Diek 
hätte alfo keine Schwierigkeiten in der Husfübrung, 
fobald wir davon 6ebraucb machen wollen. Klir 
wikon aber nicht ob ein fcböner barter Sandftein nicht 
dem flßarmor vorjujieben wäre, wenigftens eben fo 
gute Dienfte leiftete. Darüber läkt fich aber noch febrner 
reden. 

Ceben Sie indeken wohl! und in Grwartung 
einer baldigen Hntwort bin ich mit wahrer freund- 
Ichaft ftets 

der Jbrige 

F). Cips, Kupferftecher. 



169*] Cips an Darnieder. 

(BeJ. v. Hdol! Spemann, Stuttgart.) 

Zürich d 13 febr. 1802. 
CQertbgefchäjter Fjerr und freund! 
ungeachtet Sie auf Jhren Brief vom 14 Dovbr. 
vorigen jfabrs keine Hntwort von mir erhalten, fo 
werden Sie doch nicht ?weiflen, dak er nicht richtig 
eingegangen feye. Der Jnbalt desfelben hat mir be- 
fonders und allen, dennen hier das Cavaterfcbe fflßonu- 
ment am ßerjen liegt, viel freude verurfacht. untere 
Ungeduld ift grok, bis Sie in Zürich find, und man 
endlich an dem Vorhaben Rand anlegen kann. GQtr 
verlaken uns gan? auf Jbr gegebenes GClort, und da 
nach Jbrem Brief bereits die Zeit verfloffen feyn mag, 
fo wünfditen wir fehr, dak Sie Jbre Gefcbäfte bald 
frey laffen, und ju uns abreifen könnten. flQein 
Schreiben bat blök allein diefen Zweck Sie daran 
freundfehaftlich ?u erinneren, und Sie ju bitten recht 
bald die verfproebene Hacbricbt ju ertbeilen, wenn Jbre 
Hbreife feyn wird, und wir Sie alfo erwarten können? 



Klas allenfalls noch über die gan?e Hrbeit ?u reden 
nötbig feyn wird, das lake ich jetjt bey Seite, und 
verfpabren es beffer auf eine mundliche Unterredung 
— auch laken wir einmahl das gut feyn, was Sie uns 
von fj. ßof-Cifeleur Creut und er felbft gemeldet 
hat, und wir werden Sie dann perföhnlich mit den 
näheren Hufträgen dokfalls befchweren, wenn wir fo 
frey feyn dörffen. 

Dak Sie Jbre l. 6attin mitbringen wollen, macht 
mir fehr viel Vergnügen, und diefen Vorfall febe id) 
als eine febr günftige und glückliche Gelegenheit an, 
auch Sie kennen ?u lernen. Jcb wünfehe nur, dak die 
Klitterung fchön feyn möge, und angenehme heitere 
früblingstage Jhren Hufentbalt begünftigen, weil Zürid) 
und befonders feyne umliegenden <3egcnden dardurd? 
gewinnen und Jbr defto mehr freude gewähren wer- 
den. — 

Ceben Sie recht wohl, und geben Sie mir bald 
freudige Dachricbt. empfehlen Sie mich Jhrer werthen 
6attin und bebalten Sie ftets in freundfebaftlicbem 
Hndenken 

Jhren 

ergebenen Dr: 
I). Cips. 



170*] £ips an Dannecker. 

(8cf. von Hdotf Spemann, Stuttgart.) 

Zürich d 5 flßay 1802. 
Cöarmen freundlichen Dank, mein Cieber, für 
Jbren Brief. So bald erwartete ich noch keine Dach- 
richt von Jbnen, denn ich weif? wie nötbig es ift, fich 
erft von einer Reife ju erhöhten, und die feinigen wieder 
ju begrüken. um fo mehr freute ich mich aber, und 
Jbre übrigen freunde, dak Sie uns Jbre glückliche 
Hnkunft fo eilig gemeldet haben. 6in Beweif? immer 
von Jbrer freundfebaft und Zutrauen, das wir fo 
gerne während Jbrem Rierfeyn verdienen möchten. 
Hber leider konnten wir fo wenig gegen Sie thun, 
was Jbnen und Jbrer lieben 6attin freude machte, 
und was wir doch fo febr wünfehten. Jbre Grinne- 
rung an uns und an Zürich bleibt alfo blök ein 6e- 
febenk, das von Jbrem guten I)erjen jeugt, welches 
wir aud) fchä?bar erkennen. Klenn ich jetjt das herr- 
liche früblings Kletter anlebe, fo bedaure ich febr, dak 
Sie um 8 Cage ju frühe bieber gekommen find, und 
gerade die raubefte und unangenebmfte Zeit genieken, 
und neben ihrer Hrbeit immer auf das Zimmer ge- 
bannt feyn mukten. Die Reije und die Schönheiten 



Anhang 



VT. Bricfwccbfcl mit Künftlcrn. 



8 9 



der Hatur, mit welchen unfere 6egenden ausgefebmückt 
lind, find Vorjügc, die Zürich vor 100 anderen Städten 
jum Voraus hat, und wenn wir fie Jhnen fo gerne 
jeigen und genießen lallen wollten, wäre diel} ein 
Klunfcb, der von unferer Gigenliebe unterftütjt war, 
den Sie uns nicht übel deuten müijen, der Sie aber 
auch gewifj ergöjt und zufriedener mit Jhrer Hbrcifc 
von hier gemacht hätte. Belonders dauerte mich Jhr 
liebes Kleibchen, die fich gewifj mehr freude und 6e- 
nufj verfpracb; und nun für diefe Reife fo Jchlecht be- 
lohnt worden i(t. — Hber um fich fcbadlofj ju halten, 
fo kommen Sic ein ander mahl wieder ju uns, und 
wählen Sie eine Zeit, wo man weder Schnee noch fo 
viel Regen ju befürchten hat, und wir werden uns 
alle innig freuen. 

Dafj Cavaters Bild fo unverfehrt geblieben, und 
auch dortigen Künftlcrn gefällt, freut mich, und es 
konnte auch nicht anderft feyn. Klir haben Jhnen 
wirklich viel Dank ju Jagen, dafj Sic fo willig und 
mit lo viel Ciebc diefes Bild bearbeiteten, ungeachtet 
Sie öfters beunruhiget, und mit jutringücben und 
wunderlichen Urtbeilen betätiget wurden. Hchten Sie 
aber das nicht, den Jhr CClcrk wird fich fclbft loben, 
und bey jedem GinficbtsvoUen Kenner Beyfall erhalten. 
Jch bin auch gewifj, dafj Sie weiters jur Vollendung 
alles mögliche beytragen und unter Jhrer Hulficht auch 
der 6ufj fo ausfallen wird, daf? er Jhrer eignen Hrbeit 
nicht nachftehen wird. Jndeffen erbeben fich bey uns 
wegen der Grricbtung des fflonuments wieder neue 
Schwierigkeiten, und man will uns den ptaj durchaus 
ftreitig machen, und der gute 6efcbmach und der vor- 
teilhafte Standpunkt foll einer häffigen und hlein- 
geiftigen Sbrfucbt einiger Perionen weichen, tßir be- 
harren aber feit auf unferem Vorfaj; und nun wird 
lieh's jeigen, wer den Sieg davon trägt. Vielleidrt 
dafj wir Sic in diefer Sache felbft um Fjülfe anruffen 
muffen, um durch die Vorftellung, daf? Sic uns dekla- 
riert hätten, Sic wollen Jbre Büfte an keinem anderen 
Plaj aufgeteilt wiffen, unferer Bcbaubtung ßaebdruk 
ju geben. Sic werden uns in diefem äufjerften fall 
Jbrcn Beyftand gewifj nicht vertagen. — Siegen der 
uns von der Regierung in Bern juerkannten Kannon, 
waren wir auch in Sorgen, diefelbe wieder ju ver- 
liebren ; denn gerade ein paar Cage nach Jhrer Hbreife 
gienge eine Regirungs Veränderung vor, und wir er- 
warteten die Rücknahme diefer Zulage ; allein fie hatte 
keinen Sinflufj auf diefes 6efcbenk. Schon find wir 
im Begriff dasfelbc in Befchlag ju nehmen ; aber da 
wir hören , daf? wir hier das 6rj um einen höheren 



Preif? abfejen können, als uns Fjr. Creut bejahten 
will, fo werden wir fie hier laffen, und dem Giefjer 
für alles ju forgen den Huftrag geben. Darbey können 
wir noch die Cransportkoften erfpahren. Jüir hoffen 
auch nicht dafj F)r. Creut defjwegen den Preifj aufs 
neue erhöhen wird. Fjr. 6fcber oder Fjr. Qfterj wird 
hierüber Jhnen noch bejonders Jchreiben , und die 
näheren Hulträge ertheilen, fo wie auch vielleicht wegen 
der Bearbeitung des flßarmors, worüber wir nähere 
Dacbricbten aus dem Pais de Veaux eingejogen 
haben. — 6s wird uns lieb feyn, wenn Sie uns von 
Zeit ju Zeit ßadniebt von dem Fortgang der Büfte 
ertheilen, und wir hoffen können, dafj noch vor dem 
CQinter das ganje Monument erridrtet werden kann. 

Ober den Beyfcblufj Jhrer l. frau an die flßeinige 
hocherfreut, wird fie felbft wo möglich eine Hntwort 
beylegen ; indeffen dankt fie febr, und empfiehlt fich 
mit mir in Jhr beiderfeitiges Hndenken und freund- 
fchaft aufs befte. 

Ceben Sie wohl, und behalten Sie lieb Jhren 
aufrichtigen freund 

F). Cips. 

171*] Cips an Dannecker. 

(8ef. x>. Hdolf Spetnann, Stuttgart.) 

Zürich d. 29 jfuni 1802. 
flßein lieber freund! 

Jbre Briefe an Fj. Gfcber über unfere Hrbeiten bat 
mir derfelbe mitgctbeilt, und ich freute mich febr, dafj 
Sie in Stuttgardt felbft über Cavaters Büfte fo vielen 
Beyfall ein erndteten. Je mehr diefes ttlerk feinen 
Ruhm bebaubtet und einer rühmlichen Vollendung 
entgegen eilt, defto mehr geniefjen wir auch Hntbeil 
an dcmfelbcn, in dem wir einft Befij davon bekom- 
men werden, und das Cob, wenn es ju einer öffent- 
lichen Hufftellung kommt, mit geniefjen können. Jhr 
Gifer, Jbre künftlicbe Hnftrengung und Jhre generofen 
Hufopferungen, die Sie von Hnfang an bis jejt auf 
diefe Hrbeit verwandten, ift uns Bürge, dafj das Gnde 
Sie und uns alle befriedigen werde. JA wünfehte 
nur, dafj unfere Hngelegenbeiten hier eben fo gut von 
ftatten giengen, als bey Jhnen ; aber leider nehmen 
die Schwierigkeiten von Seite des Cokale, wo wir 
das Denkmal aufjurichten wünfeben, immer mehr 
überband, und wirklich haben wir bey einem neuen 
Hnfucben an die 6emeindskammer, uns diefen piaj 
ju überlaften, einen wiederbohlten Hbfcblag erhalten, 
fo dafj wir es jetjt faft für unmöglich halten, und an 
anderen Mitteln verjweiflen, unferen Zweck ju er- 



90 



VI. Briefwecbfel mit Künttlern. 



reichen. Jedermann hält dielen Refus für 6igenfinn 
und Hbgefcbmaktbeit, fo, dafj wir doch noch nicht 
ruhen werden. 

für ein mahl müfjten wir uns freylich und wenn 
es nur pro forma wäre, diefes 6efcbäfts entfcblagen, 
und unfere Rand fcheinbar von der Husfiihrung ab- 
gehen, bis die Sache anderft ju gehen fcheint, und 
wir wieder mit ehren fortarbeiten können. Jndefjen 
foll das für Sie kein ßindernifj feyn, und Jhrc Hrbcit 
nidrt verhindern. Sie fahren gleichwohl fort, als ob 
alles bey uns gut gienge, und je mehr Sie alles för- 
dern, defto lieber wird es uns feyn. Jbren neuen 
Vorfcblag die Büfte von Jbrer Rand in ffiarmor, ftatt 
in Bronje ju giefjen, verfertigen ju lafjen, und die 
Gründe und Schwierigkeit, welche Sie uns bei dem 
lejteren darlegen, beftimmen uns allerfcits das erftere 
gut ju beifjen, und Jbre propofition anjunebmen. 
töir überlaffen es Jbnen alfo die Büfte in ffiarmor 
ju machen und freuen uns wenn wir Jhnen hier durch 
einen Beweis geben können, wie febr auch uns 3hr 
Künftler Ruhm und Satisfaktion am Rerjen ligt, in- 
dem unftreitig Jbre Hrbeit in diefer ffiaterie in einem 
befferen Eicht erfcheinen mufj ; und wobey wir gern 
die Dauerhaftigkeit und gröfjere Sicherheit vor Ver- 
ftümmelung, die der Bronje doch bat, aufopfern wollen. 
Bierbey mufj ich doch ein paar Bemerkungen machen, 
die fieb mir und anderen von unterem Corps bey Hn- 
ficht Jhrer eingefandten Zeichnungen von der Büfte, 
aufdrangen, und die Sie mir gewifj nicht übel nehmen 
werden — fie betreffen aber nur die Bekleidung oder 
ffiantel. ffiir fcheint nemmlicb, als ob die 6ndung 
desfelben, oder wie die falten auslauffen und abge- 
fchnitten find, eine unangenehme CQirkung tbue. ffian 
glaubt, der ffiantel höre hier wirklich auf; und giebt 
ftatt einer größeren forfejung desfelben, nur den Be- 
griff von einem ffiäntelcben, welches alfo der Klabrbeit 
wiederfpriebt. Jch glaube diefj kommt daher, weil das 
Zipfelartige der falten, wie fie unten bald länger bald 



kürjer abgefebnitten find, und überhängen, für das 
Hug keine deutliche Unterbrechung, fondern ein wirk- 
liches 6nd feben läfjt, ungeachtet auch diefj dem Hn- 
fchauen webe tbut. CQürde hingegen eine reine etwas 
gebogene gerade durch gefchnittene Einie angegeben 
feyn, fo würde diefer Gindruck wegfallen — fo wie es 
mir auch fcheint, als wenn die ffiafje des Cörpers 
gegen den Kopf in ffiifj verbältnifj wäre, und etwas ju 
grofj und fchwer feye. einige Zoll Hbnabme dürfte 
alfo das ganjc verbefferen, und dem ganjen Verbältnifj 
um fo weniger Jcbaden, da ja felbft nach Jhrer ffiey- 
nung dem Piedeltall fo viel am ffiafj zugegeben wer- 
den könnte. Doch möchte ich Sie aufmerkfam machen 
auf den Umfchlag hinten am ffiantel ; fo wie er gelegt 
ift will er mir nicht ganj gefallen. 6r fcheint mir 
etwas Capujenartiges ju haben, und unten durch hohe 

') dem Rüken juviel abjufteben, und die 

Einie im Profil ju unterbrechen, etwas flächer und 
glatter angebalten könnte wobl nicht übel tbun. Jch 
bin überjeugt Sie überlegen noch alles felbft wobl, 
und da mir die Zeichnung die Sache nicht fo ganj 
und wahr darftellen konnte, was an der Büfte ift, 
und was Sie auszuführen im Sinn haben, fo überlaffe 
ich Jbnen alles ruhig, und beruffe mich nur in fo febrn 
auf meine Bemerkungen, als Sie felbft mit einftimmen, 
und diefelben der Überlegung wertb halten. 

Jbre jedesmabl an r). 6fcber beygefügten Grüfje 
an mich und meine frau erwiedere ich mit aller Red- 
lichkeit, und wir freuen uns, wenn Sie beide wobl 
find. Dafj wir alle wohl find, dörffen Sie auch ver- 
mutben, fo wie wir Sie in beftändigem Hndenken 
tragen. Eeben Sie alfo febrner gefund, und wenn wir 
das durch Sie felbft oder andere vernehmen können, 
fo freut es ftets 

Jbren 

unveränderlichen freund 
R. Eips. 

l ) ausgcrllten. 



Briefe von J. BetnKcb JYIever an Dann eck er. 



172*] Job. I)einr. ffleyer an Dannecker. 

(nacblafe H.) 

Zürich, den 5. ffiärj 1802. 

Ber Jüchen Dank Jbnen, mein tbeuerfter unver- 
gefjlicher freund Dannecker, für den Brief, den Sie für 



mich an freund Eips beygefcblolfen. Ja gewifj, oft oft 
vergegenwärtige ich mir die füfjen Stunden die id) an 
Jhrer Seite verlebte, und fegne die Hfche Eavaters, 
defjen Hndenken auch für mich eine freundfebaft ftiftete, 
die nie mebr auslöfeben [oll, und die ich nach meinen 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



9' 



Kräften bewahren will, wie das beilige feucr im vefta- 
lifcben Cempel. Jeder (Hink von Jbnen, wo ich etwas 
angenehmes für Sic tbun bann, wird mir erwünfebt 
feyn. GQie doch gute fflenfeben fo bald fieb einander 
nähern, wie wenig äufferc Ceremonie es braucht, wo 
das F)cr? fpriebt, das bab ich in dem erften ffloment 
erfahren, da ich Sie erblichte, und es freut mich un- 
auffprccblicb, dafj Jbrc Gmpfindung gegen mich die 
nehmlicbe war. Ja, befter Dannecker, bleiben wir 
freunde bis ans 6rab, die freundfebaft ift das feligfte 
des fflenfeben , fie erhöhet alle freuden und verfüfjt 
alles unangenehme — und erhebt den fflenfeben be- 
fonders in dem falle über fieb felbft, wenn gleiche 
Rcchtfcbaffenbeit, gleiches Kloblwollen, gleiche Deigungen 
das freundfebaftliche Band hnüpfen. — Dafj Sie mit 
Jbrcr geliebten 6attin, deren fieb mein liebes Kleibcben 
mit järtlicber freundfehaft erinnert, fo glücklich gereist 
find, und dann glücklich nach Raufe harnen, freute 
uns eben fo febr, als wenn wir die Reife hätten mit- 
machen können. Klir dachten oft an Sie beide und 
frugen uns, wo Sie fich nun wol befinden mögen. 
Sie können daraus fcbliefjen, wie froh uns Jbr eigen- 
händiger Brief machte. — Hucb an Jbr ffleifterftück, 
die Büfte Cavaters, dachte ich immer — und wie 
freund Danncgger vaft bey jeder Poftbaltung das Kiftgen 
aufmacht und nachfiebt, ob nichts jerquetfebt ift. Hucb 
für diefc glückliche Hnkunft fey dem Bimmel gedankt 
— denn ich verfiebere Sie , dafj ich mich febr betrübt 
hätte, wenn diefer Hrbeit das geringfte unangenehme 
widerfahren wäre. Sie haben fieb wahren Ruhm und 
warmen Dank von allen denen erworben, die dielen 
Karaktervollen Kopf gefeben haben — fie fehnen fieb 
mit Ungeduld nach der Vollendung diefes febönen 
Cöerhs, und der Cag, wo man es öffentlich aufftellcn 
wird, foll ein wahrer fefttag feyn. freund 6fcber hat 
nun plan und Hufrifj von dem fflonument gantj ins 
reine gearbeitet, und es ift kein Zweifel übrig, niemand 
werde mehr wegen des piatjes Schwierigkeiten in den 
Sieg legen können, denn derer die fieb des guten und 
Schönen freuen find doch mehr, als der Schälke, denen 
nichts gefällt als das, wotju fie felbft, oft dumm genug, 
ju räfonniren haben. Jbr poftfehwager, der den guten 
Eavatcrkopf jum fflabomet umtaufte, machte mich laut 
lachen, und doch liebe ich den Kerl, weil er aus Hcbtung 
für das Kunftwerk feinen Klagen fo forgfältig lenkte. 
Überhaupt bemerkt man oft bev gemeinen fflenfeben 
eher die Hcbtung für das wahre Schöne, ja oft noch 
mehr, als bey logenannten Kultivirten; diefe letjtern 
fagen oft mit allen ihren auswcndiggelernten Kunft- 



pbrafen weit weniger, als der ungelebrte, als der gefühl- 
volle Haturmenfcb, der nicht nach fflanicr fondern nach 
gefundem und unbeftoebenem Blick urteilt. 6s inter- 
effirt mich wirklich ein ft auf offenem piatje ju hören, 
was folchc Ceute über Jbr Kterh tagen, und dann will 
ich Jbnen alles gehörte forgfältig überfchreiben. Hls 
man vor einigen Jahren Crippels Basrelief ju Gefjners 
Denkmal aufftellte, das, wie Sie wifjen , jwen Jüng- 
linge vorftcllt, die dem Hndenken Jbrcs Vaters opfern, 
Jagte einer, das ift doch herrliche Hrbeit, aber mich 
wundert doch, dafj man den Rerr Ratbsbcrr 6efjner 
und feine frau fo nackend und fo jung vorgeftellt bat, 
denn er nahm die Allegorie für Porträt, und da der 
ffledaillon von Salomo 6efjner oben im frontifpice 
des Denkmals noch nicht eingefetjt war, glaubte einer, 
es werde eine Zeittafel hineinkomen. — Clnd nun 
mein lieber Dannecker Tollten Sie im gegenwärtigen 
ffloment in Zürich feyn, denn unfre Kunftgefellfchaft 
bat eine öffentliche Husftellung veranftaltet , die beute 
;um erften fflabl eröffnet wird und 8 Cage nach ein- 
ander fortdauert — da würden Sie mit freuden be- 
merken, wie die Künftler von allen Orten her aus 
meinem Vaterland ihre neueften Klerhc einfandten, und 
wie viel Kunftflcifj auch bey allem Druk und Drang, 
den wir feit vier Jahren ausjufteben hatten , noch 
berrfcht. 6s find im fache der Candfchaft gar viele 
Sachen fowobl in Öbl als in Zeichnungen da, die mit 
Recht Cob verdienen, freylieb bekommen wir fobald 
keinen Refj und keinen 6efjner mehr. Hucb in der 
porträtmalerey haben wir jwey junge Künftler, die fieb 
ausjeiebnen, die beyde mehr von der Datur gebildet 
worden, als durch Hnleitung eines ffleifters. Der junge 
ffluralt, der gegenwärtig in Stuttgart ift, bat ein paar 
brave Statuen in 6ips eingefandt fflcleager und einen 
Diomedes. 6in Qnterwaldencr brachte jwey Bilder in 
Cindenbolj meifterhaft gefebnitjt: Hrnold (Hinkelried, 
und Strut (Hinkelried, Relden aus feinem Vaterland. 
Jch habe diefem fflann fogleich für mich eine Bcftellung 
gemacht: den 6inficdlcr D-ihlaus von flue, wie er in 
feinem Sremitengewand mit Bart, und entblößtem 
Raupt vor der Verfammlung der alten 6idsgcnofjen 
ftebt, und fie jum frieden und jur Ginigkeit vermahnet. 
Diefe figur wird mich oft mit Cöebmutb an die alten 
Zeiten erinnern, die leider nicht mehr juriiehkommen 
werden. — Hucb ich habe eine große Zeichnung in 
braunem Cufcb gearbeitet, ausgeftellt: 6ine Scene aus 
Offians 6edichten. 6rofje Sieben umgeben eine alte 
königliche Balle. Offians fflutter, die fchöne Rofcrana 
erfcheint als 6eift mit der Rarfe ihrem geliebten f ingal, 



9 2 



VI. Briefwecbfel mit Künftlem. 



der trauernd vorüber wandelt. Jn der ganjen Cand- 
iebaft berrjdit düftre Melancholie. 

Sie fragen mich, liebfter freund, um die prei(e 
meiner geätjten Blätter, falls jemand von Jbren freunden 
von meiner in Kupfer geftoebenen Hrbcit verlangte. 
Die Zwey großen Baumlandfcbaften koften in der 
Kunftbandlung das Blatt einen franjöfifcben Caub- 
tbaler, es ift aber ganj natürlich, daß ich gegen Sic 
den gewöhnlichen Rabatt nacblafje, befonders wenn ich 
fo glüklieb feyn könnte eine Portion anjubringen. So 
dann habe ich meine Ruine von Unterwaiden, von 
denen das Gxemplar 3 6ulden koftet, in eignem Verlage. 

und nun leben Sie nebft Jbrer fchätjenswürdigen 
Heinrike in allerbeftem Cöoblfeyn. fflein liebes Cöeib- 
eben und alle meine Rausgenofjen, grüfjen Sie beide 
aufs bcrjlicbfte, und ich wünfehe und hoffe nichts 
febnlicbers, als bis ans 6nde meines Dafeyn mit 
Hochachtung und Ciebe ju bleiben 

Jbr aufrichtiger freund 
Johann Reinrieb ffleyer. 

Ufteri, Eandolt, Gfcber, ffladame Cavater, ffladame 
Hef?, kurj alle, die Sie kennen lernten, grüfjen Sie 
berjlicbft. 



173*] Job. I)cinr. ffleyer an Dannecker. 

(naAlalj H.) 

Verehrtefter I)err profeffor! 

Unmöglich hätte mir jemals ein angenehmerer 
Huftrag ertbeilt werden können, als derjenige ift, den 
mir die gefammten Mitglieder der Commiffion ?u 6r- 
riebtung des Cavaterfcben Denkmals auftrugen, Jbnen 
gleicbfam aus 6inem ßerjen den Dank ju bejeugen, 
den Sie vortrefflicher Künftler! für Jbre alle gerechten 
tüünfcbe und Grwartungen noch übertreffende Hrbcit 
verdient haben. 

Die Kitte ift unterm 9"" diefes fflonats glücklich in 
Zürich angelangt, konnte aber wegen verfebiedenen da- 
jwifeben gekommenen Hbbaltungen erfte beute eröffnet 
werden, denn beynabe alle Mitglieder wollten dabey 
gegenwärtig feyn. Ungeduldig harrten wir auf die 
Gntbüllung des Kunftwerks! Mit allen Vorficbtsmafj- 
regeln, die Sie an Herrn Cips überfebrieben hatten, 
wurde die Kifte eröffnet! Die bange Beforgnis löfte 
fieb in freude Rührung, Bewunderung und Dank gegen 
den Künftler auf, und alle bejeugten wie aus einem 
Munde, noch nie fey Cavater fo wahr, fo ganj feines 
Charakters würdig dargeftellt worden! Gelegentlicher 
hätte das Kunftwerk unmöglich eintreffen können, als 



gerade in dem Zeitpunkt der öffentlichen Husltcllung 
unferer vaterländifchen Kunftprodukte, defmabm fand 
die Commiffion für jwekmäfjig und dem Ruhme des 
Künftlers würdig, diefe 6elegenheit ju benutzen, damit 
fie auch die Urtbcilc des Publikums vernehme, und fo 
in Rückjicht des Denkmals felbft Zweckmäßiger ju 
COerk geben könne, ödenn das Publikum von ähn- 
lichen empfindungen befeelt ift, wie wir, und das 
werden alle Menfcben von Gefühl und 6efcbmack am 
edlen und Schönen feyn, fo kann Jbnen allgemeine 
£iebe und Hochachtung nicht fehlen, und Jbr Dame 
wird verewigt neben dem Damen der Männer fteben, 
deren Cbaraktcrjüge Sie fo wabr und vortrefflich in 
Marmor übertrugen ! 

Cöir fügen verehrtefter Rerr Profeffor! ju diefem 
reinen und auf die Gmpfindungen unferer Herjen ge- 
gründeten Dank nur noch die Bitte bey, dafj Sie uns 
gelegentlich eine Dota ju überfenden belieben über alles, 
was das Humerarilcbe Jbrer Huslagen fowobl, als 
pro labore betriff, um Jbnen beförderlich unfre Dank- 
barkeit auch bierin befebeinigen ju können. 

Mit den reinften Gmpfindungen der Hochachtung 
und freundfebaft babe ich die 6bre ju feyn 
Verehrtefter Herr Profeffor! 

Jm Dabmen und aus Huftrag der fämtlicben 
Herren Committirten ju Beforgung des Cavater'fcbcn 
Denkmals 

Jobann Heinrich ffleyer 
Kupferftecber. 

Zürich den 14. fflaymonats 1805. 
P. S. 
Und nun, mein lieber Herr Profeffor, nachdem ich 
den gemachten Huftrag aller derjenigen H^rn und 
freunde erfüllt, welche das Denkmal des fei. Cavater 
beforgen, wie könnte ich anders, als bey diefem Hnlafj 
Jbnen ein Klort der aufrichtigen freundfebaft ju fagen? 
Klarlich wenn ich Jbnen m e in e empfindungen fcbil- 
dern müßte, die ich hatte beym erften Hnblick Jhres 
Bildes von Cavater, Sic würden mich verdächtigen 
als ob ich fcbmeicbeln wollte. Jcb geftebe Jbnen auf- 
richtig, ohne in alles Übrige in Hbficbt auf gefebmack- 
volle Crapperie, Behandlung der febönen Haarlocken 
u. f. f. einjutretten, fo mufj ich den Husdruck be- 
wundern, den Tic in dies Bild brachten. 6s ift als 
ob Sic während Jbrer Hrbeit von einem propbetifeben 
6eift befeelt gewefen wären, fo ganj ganj haben 
Sie Cavaters Charakter erreicht, und jwar gerade in 
dem Hltcr, in welchem er am allerebrwürdigften er- 
febien — das werden gewifj alle die bezeugen muffen, 



Anhang 



VI. Bricfwecbfcl mit Künftlcrn. 



93 



die ihn näber bannten, das wird Jbnen auch freund 
Cips am betten lagen können, der ibn nicht blob fab, 
londern f clbft mehrere fflale zeichnete. Hucb Rerr 
Elften war ganj entzückt. Recht begierig bin ich nun, 
was bünftige ECtocbe bey der öffentlichen Husftellung 
davon gelprochen wird, wo freylieb auch manches 
luftige Urtbeil, aber gewif? auch manche richtige Be- 
merkung gehört werden bann. Da wollen wir dann 
die frauen und die lieben Kinder auch binftellen vor 
diefj Bild und fie Cbeil an diefem Kunftgenuft nehmen 
laffen. Klären Sie dann mit Jbrer wertbeften 6attin 
nur auch da, welch ein feft wäre das für Jbre freunde 
in Zürich ! Jch umarme Sie, lieber Danegger beglich. 
6mpfeblcn Sie meine liebe 6attin Jbrer beften 6e- 
mablin! Rr. Clfteri und alle Jhre andern freunde 
grüben Sie recht febr, und freund Cips wird Jbnen, 
denhe ich felbft einige Zeilen fehreiben. 
Ganj Jhr ergebenfter 

ffleyer. 
Hn Jbren l. Schwager, Rrn. Rapp ebenfalls viele 
6rüfje ! 

'74*] Job. I)einr. ffleyer an Dannecher. 

(D.achla& H.) 

fflein lieber Rerr Dannecher! 

Jbren letjtern Brief von 17 Juny danke ich Jbnen 
recht febr, und es tbat mir leid, dafj ich Sie noch um 
eine Speciellere Rechnung bemühen mufjte, welches 
nicht gefchehen wäre, wenn fich Rerr 6fcber bey Raufe 
befunden hätte, ßun aber bedürfen wir weiters keine 
Huskunft. 

Zufolge Jbrer eingefandten Rechnung bleibt Jbnen 
noch 690 f. für den fflarmorbüfte auszubezahlen übrig. 

Der petrinifebe Kirchenratb in Zürich übergab mir 
ju Jbren Randen 70 Heue Couisd'ors, die ich an das 
Kaufmannsbaufe von ffluralt jum Ochfen in Zürich, 
welches die 6üte hatte, diefe Zahlung an Sie ju über- 
nehmen, ablegte. Sic find alfo an die Rerrn Stahl und 
federer in Stuttgard angewiefen, die Jbnen diefe befagte 
Summe auszahlen werden, indem diefe Rerren mit den 
Rerrn von flßuralt in Randlungsverkebr fteben. 

Darf ich Sie bitten, wenn Sie diefen Dacbfcbufj 
richtig in empfang genohmen haben, den Gmpfang 
auf einem befonderen Blatt gefchrieben, für das 6ant?e 
Jbrer forderung ju befcheinen, und diefen 6mpfang- 
febein in ein Briefchen an mich einjufchliefjen ? 

Hucb der gelammte petrinifebe Kirchenratb glaubte 
3bnen in einem Schreiben verbindlich danken ju muffen 
für die herrliche Hrbcit, die Sie ju 6bren des feligen 



Cavatcrs gemacht, welches Gefühl von Dankbarkeit 
Jbnen c;cwih auch freude machen muf?. 

Jch bin auch überzeuget, wenn es in der fflaebt 
derer geftanden wäre, welchen die Bcforgung des Denk- 
mals aufgetragen worden, fie gewifj mehr getban hätten, 
als den kleinen tlberfcbufe an 6eld beyjufügen, der 
Sie eintjig für Jbre Huslagen bey Hbfendung der Büftc 
entfebädigen Toll. Sie haben fürftliche Belohnung ver- 
dient, die wir Jbnen nicht geben können. Hber Sorge 
wollen wir ju Jbrer Hrbeit tragen, als ju einem Reilig- 
tbum, dafj kein frecher daffelbc berühren Toll, wie das 
leider mit dem gefenerifeben fflonument gefchehen ift. 

Klo es nun eigentlich auf die würdigftc ödeifc 
placiert werden kann, da es keineswegs auf einem 
offenen Blat? aufgeteilt werden Toll, wird die Zeit 
bald lehren. Den Klink in Jhrem Briefe werde ich 
benüjen — und fo bald ich etwas entfebeidendes weif?, 
werde ich es Jbnen auch melden. 

Rerr Ofteri, der Sie beglich grüfjt, fagte mir geftern, 
daf? er eine Dacbricbt über den Cavatcr'fcben Bütte in 
die Stuttgarder Zeitung einzurücken abgefandt habe. 

Bravo! daf? auch Dannecker dem unterblieben 
Schiller ein Denkmal in flßarmor ?u bearbeiten beauf- 
tragt ift! 

Hllc Jbre freunde Grüben Sie und Jbre bette 
Gemahlin. Daf? fich unter diefen Grüfjenden vorzüg- 
lich Clfteri, Candolt, Cips und feine Gattin, nebft mir 
und meinem lieben (Heibchen befinden, verftebt fich 
von felbft. Hucb verftebt es fich immer von felbft, 
dafj Jbr lieber R. Schwager Rapp dabey nie vergeben ift. 

Clnfre Künftlergefellfchaft wird nun binnen wenigen 
Cagen ihr Jabresfeft feyern, das allemal nach beendigter 
Husftellung aus einer Cöanderung aufs Cand beftebt, 
wobey der Schmaus und befonders der Pokal nie ver- 
geben wird. dafj Dannecker fich dann auch leib- 
haftig fich in untrer fflitte befände! 6r foll aber auch 
Hbwefend unter uns leben, und fein Dame foll beym 
Klang der 6läfer hoch ertönen. 

6wig Jhr freund und Verehrer 
Job. Reinrieb ffleyer. 

Zürich, d. 25. Juny 1805. 



175*] Job. I)einr. ffleyer an Dannecker. 

(flacblaS H.) 

Zürich d. 6. October 1812. 

fflein lieber unvergeßlicher freund! 
Rerr Profeffor Klaiber, den ich nebft feiner frau 
6emablin auf ihrer Reife nach Zürich kennen ju lernen 
das 6lück hatte, anerbietet fich gefälligft, Jbnen einige 



94 



VI. Briefwecbfel mit Künftlcrn. 



Zeilen von mir ju übergeben, dir Jpracben fo viel 
von Jbnen, und mit einer folcben (Härme, wie nur 
wahre freunde von einander fpreeben können, dafj ich 
dieft freundfcbaftlicbe Hnerbietben mit Begierde er- 
greife. 

Ja, lieber verebrenswürdiger fflann ! Jahre mögen 
verfliegen, Scbickfalc mögen eintretten und nur man- 
ches vergelten machen, wahre Hchtung, Ciebe und 
froundfebaft bleiben ewig im perjen der Redlichen, 
und lo weif? auch ich, dafj der wakere edle Dannecker 
feinen aufrichtigen freund JTßeyer nicht vergeffen hann. 
Jcb habe leitdem wir uns in Zürich beytammen fan- 
den, frohe und traurige Grfabrungen gemacht — ach! 
Das liebevolle Weibchen, die fflutter von 5 Kindern, 
von denen fie Gins mit in die Gwigkeit nahm, die 



Klonnc meines £ebens, ift mir vor 2 fflonaten gc- 
ftorben, und jwar an den folgen eines harten Wochen- 
bettes. Sie ftarb wie ein febeidender Gngcl, ruhig, 
liebevoll, ihr febeidender Blick war ein Blick ins befjre 
Cand — wohin fich nun mein ßerj unaufhörlich 
lehnte, wenn Vaterpflicbten mir nicht juruffen würden, 
mein Reimweh ju mäfjigen. 

Gott erhalte Jbnen Jhre liebe Gemahlin recht lange 
— denn es ift die bitterfte Grfabrung des fühlenden 
flßenfcben, das ju verliebren, woran die ganje Seele 
bangt. Gmpfeblen Sie mich ihr, und feyen Sie meiner 
ganjen und fteten Hchtung und freundfehaft verfiebert! 
Job. Heinrich flleycr 
Kupferftecher. 



176*] Diftelbartb an Dannecher. 

(Dachlafi H.) 

(Hoblgebobrner 

Jnnigft Verehrter 
Befter Rerr Profeffor! 

ßun habe ich endlich, dafj Recept vom Öbl-pappier 
aufgetrieben, und freute mich recht febr, dafj ich es 
Jbnen febicken kann; auch habe ich die Proportion 
von Hmor und pfycbe wieder aus den Packet getban, 
(das noch hier ift) weil ich befürchtete, der Rerr Pro- 
feffor möchte es ju lange nicht bekommen, um es 
Jbnen auch hier ju fenden ; es tbut mir in der Chat 
recht leid, dafj ich nicht bälder habe dienen können, 
und wünfehe jetjt nur dafj Sie es recht bald bekom- 
men möchten. 

Jcb mufj Jbnen doch auch einiges von dem Huf- 
rubr erjäblen der vor 8 Cagen hier entftand, es gieng 
nebmlicb auf folgende Hrt an ; die Römmer, dafj 
Jbnen bekannt ift, von jeher gehäffig der franjöfifcben 
Hation, wurden es feit kurzer Zeit, nachdem die fran- 
jofen den pabft fo beleidigten, noch viel mehr, und 
fliehten den franjofen die in Rom wohnen immer 
Grobheiten ju machen, aber nun nicht allein jufrieden 
mit Grobheiten in üdorten, übten fie auch folgende 
Gewalttbätigkeiten an ihnen aus. 

nachdem fie nebmlicb unter der Rand erfahren 
hatten, dafj die panfionaire in der Hcademie an einem 



gewifjen Cag an dem Hcademifchen 6ebäude das neue 
republikanifche (Happen aufmachen wollten, nachdem 
fie das alte hinweggethan hatten ; fo rottierten fich 
gleich in der früh an demfelben Cag viele der Crans- 
tieberiener jufammen , und (teilten fich da vor die 
franj: Hcad: in 6rwartung der Dinge die da kommen 
Tollten ; da aber nun die franjofen Clnratb merkten, 
fo machten fie, da er ohnehin noch nicht fertig, nicht 
auf; nachdem fie alfo von Morgen bifj an den Hbcnd 
fo da ftanden, fo ftiefj ihnen aber doch noch jum ün- 
glüch am Hbend eine erwünfehte Gelegenheit auf, ihre 
dumme ÖJutb aufjjulaffen, es fuhr nämlich der franj. 
Secretaire in einem (Hagen aus und hatte nebft dem 
Kutfcher und dem Bedienten eine national Cocarde 
auf dem Ruth, und diefj war nun Stoff genug vor 
fie, augenblicklieb wurde alfo der Klagen angebalten, 
und mit einem 6eftöber von Steinen bewillhommt, 
aber nicht jufrieden mit dem, drangen fie auch auf ihn 
ein, und er bekam einige gefährliche Stiche, dafj er den 
Cag darauf ftarb, und würde nicht bey diefem Vorfall 
die Klachtc daju gekommen feyn, fo währe gar nicht 
ju jweifeln, dafj fie ihn in diefem Hugenblick aus der 
Cöelt gefebickt hätten. Gebendert alfo durch die (Hache 
gieng es nun fchnurftracks auf die Hcademie lofj, in- 
dem fie glaubten keinen Hnlafj mehr nötbig ju haben, 
um alle Gewalttbätigkeiten ausjuüben, da fie aber hin- 
kamen fanden fie die Cbür verfchloffen, jetjt warfen 
fie die fenfter ein, und machten ein feuer unter die 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlcrn. 



95 



Cbür. Da dicfes nun ein Cocb durch gebrent hatte, 
lo giengs hinein, wo dann alles jertrümert wurde, 
was ihnen unter den GQeeg kam, alle Gips und ffioe- 
beln jerfcblagen, Statuten über die fußgeftell hinunter- 
geworfen, flßablereyen jerfebnitten, und was noch das 
entfetjlicbfte war, fie wollen wann fie auch da nicht 
von der (dache gehündert worden wären, das ganje 
6ebäude in Brand ftechen. Jch habe felbft mit einem 
franjofen getprochen, der [ich über die Chrümer der 
6yps-Hbgüße gerettet hatte. Von da gieng es }U dem 
Banchii Dorlonia welchen alle leine Criftallene fenftcr 
Scheiben eingeworfen wurden, weil er gewiß einmal 
mit den franjofen in der Hcademie foll ju Dacht ge- 
Ipcift haben ; drauf jogen fie dann die ganje Dacht in 
der Stadt herum, und unter der fflaske des Patrio- 
tismus und der Ciebe vor den Pabft, indem fie immer 
Viva il Papa fchrieen, wurde braf geftoblen, und fo 
dauerte diefes faft ganje 8 Cage fort, es fing alle mal 
am Hbend an, und dauerte die ganje Dacht durch, 
dann überall gingen fie herum, und übten Gewalt- 
tätigkeiten an denen Räußern aus, wo fie wußten 
daß franjofen wohnten, befonders wurde derSpanifche 
Platj öfters durebftreift, und jeden fremden fielen fie 
mit dem ffleffer an, und fragten ihn che Viva, ant- 
wortete er dann nicht augenblicklich Viva il Papa, fo 
hatte er ju befürchten, daß er fehr mißbandelt wurde, 
oder es ihn gar oft das Ceben koftete, und dieß ge- 
fchab blofj aus Dummheit, weil die Kerls ?u große 
6fel feyn, als daf} fie Dcutfche und 6ngeländer von 
franjofen unterfcheiden konnten, ffian durfte falt 
nicht mehr aus dem Rauß geben, fo fehr hatte dieß 
Übel überhand genommen. Jcb harn auch felbft ein- 
mal in Gefahr als ich Hbends vom Crippel nach 
Rauße ging, (dann auf das Capitol wagte ich mich 
felbige 8 Cage nicht). 6ndlich aber wurde der Sache 
einhält getban, indem der Pabft ein Decret ergeben 
lief}, worinn er jedem, bey der exemplarüten Strafe 
verbot, keinen fremden mehr anjutaften, er möge auch 
von welcher Dation oder Religion feyn, dann er würde 
es anfeben als ob es an feiner eigenen perfon verübt 
worden währe, und würde es mit der herteften Strafe 
belegen ; auch wurde die öladie die feyt kur?er Zeit in 
der Stadt herum geben (aus weld)er ürfache aber weif} 
ich nicht) verdopelt, die febr viele von dem 6efendel 
gefangen fejten. Sie kennen fieb nun leicht vorteilen 
daf} die franjofen alle auf diefen Vorfall fchleinigft von 
hier weggiengen, fowobl die Pannfionaire als auch 
die andern, flßan konnte da 6ipsabgüffe nebft andern 
Sachen fehr wolfeil kaufen, fo wurde y. 6: der Vati- 



canifebe Hpollo vor io. Scuti verkauft u: f: w: 6s 
ift nun aber wie gejagt jejo wieder ruhig, indeffen, 
febeint es doch nicht mehr die 6pocbe der fflufen 
}u feyn. 

Denken Sie nur Rerr Profeffor ich habe febon 
wieder einen Kopf angefangen, nicht aber weil ich den 
Kopf der Diobe fertig hatte, nein, fondern weil lieh 
an dein flßarmor flecken jeigten, da wollte der r)r: 
Crippel nidit haben daf} ich ihn aus machte, deßwegen 
gab er mir einen andern, und jwar den febönen Kopf 
der Jfis den der Rerr Profeffor auch befitjen, und er 
Jagte mir dabey, daf} diefer beffer }um Studieren wäre; 
ich freue mich nun recht febr diefen Kopf ju machen 
und arbeite würklich fchon mit allem Gifer daran. 

Der f>: Crippel ift wahrhaftig ein rechter brafer 
flßann, er erweif}t mir alle freundfehaft, auch war er 
fchon einige mal bei mir auf dem Capitol, um ju feben 
was id) in der Hcademie machte, er hat mir aufge- 
tragen, wann ich an ßerrn Profeffor Ichreibe, Jbnen 
fein Compliment }u machen. 



Rom d. 20 ten Jan. 

1703. 



Jbr 



ergebenfter Diener 
Diftelbartb. 



177*] Diftelbartb an Dannecker. 

(Gaftlafe H.) 

Paris le 20 Germinal an XI. 

an Oftern 1803. 

(Hoblgebobrner 

Befter r)err profeffor. 

Jch danke Jbnen innigft lieber Rerr Profeffor, für 

Jbre abermablige fo gütige Verwendung für mich, bey 

dem f)er}og, ob fie gleich wohl nicht glükte, fo war 

es doch gut gemeint, und dif} ift ja gerade, was bodi 

}ufchä}cn ift. 6s ift ja wabT wie Sic in einem Jbrer 

gütigen Briefe fagen, daf? es eine fd)öne Sache um das 

Vaterland fey, aber für mich wahrlich nur in fo fern 

als mein Vaterland das unfchäjbare Glück geniefjt, Sie 

eben fo verebrungswürdigen als großen flßan ju bc- 

[i?en. Denn in einem Eande wo die Corporäle Stöcke 

tragen, um die CQenfcben damit wie das Vieh ?u 

trankfalieren, und wo man die ßütbe vor der 

Zeit verreißt, weil man fie vor jedem Scbufft mehr 

in der Rand als auf dem Raupt haben muß, überhaupt 

in einem Cande wo die petitesse }u Rauße ift. Da 

würde ich mich, von jedem Zwang und Vorurtbeil fo 



9 6 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



entwöhnter fllenfch Jebr übel ausnehmen ; wann mir 
es nicht Jhre Cehren, Jhre Klerke und Jhr Umgang 
erfejen würden, ich kan es Jhnen nicht genug lagen 
lieber Rerr profeffor wie wehe es mir thut wann ich 
Jähe wie wenig mann in Göirtemberg für Sie thut, 
währent man Sie woanders vergöttern würde, wie ift 
das Sprüchwort fo wahr, „der profet gilt nichts in 
feinem Vaterlande", aber! das I)erj ift mir voll, ich 
mufj mich hüthen dafj mir der fflund nicht weiter 
überläuft, man könnte fonft glauben es gefchähe aus 
Bitterheit weil nichts aus der Sache wurde, da es mir 
doch wahrlich nur in fo fern ein nachtheil ift, als 
da.]} ich die Cehren eines grofjen fflannes entbähren 
mufj, defjwegen ju was anderm, und jwar noch einmal 
1000 Dank dafj Sie mir fchon wieder gutes erjeigen 
wollten, doch! die Reihe ift an mir ich will bejahten 
fo theuer mir es immer meine Kräften geftatten werden, 
ich kann jwar nur nach und nach tbun, aber am 6nde 
foll Jhre ehre davon jeugen. 

3ch übergab Jhrem Hüllen ju folge ¥)trr Pajou 
bey feiner Zurükkunft Jhren Brief, mit der Gntfchul- 
digung, welche Sic mir Ichneben , er freute 3hn fehr, 
und 6r trug mir viele Complimente an Sie auf, und 
Tagte mir, daf? gegenwärtig noch immer an der neuen 
Organifation des Jnftitut gearbeitet werde, daf? aber 
ju hoffen fei, daf? 6r nach Gndigung derfelben mehr 
ju Jhrem nutjen fprechen könne als juvor, weil .man 
vorher bey der Hufnahme der Mitglieder mehr auf 
grofjen Ruf, als auf wirkliches Verdienft fehe. 

Die Büfte von Eavatter habe ich jejo ganj mit 
dem ffleifel überarbeitet, das Geficht ift ganj rein, der 
JTßarmor durchaus von einer bewunderungswürdigen 
fchönen Cinte, blofj auf den paaren und oben auf 
dem Mandel find einige f leken, die aber dennoch dem 
ganjen keinen Schaden thun. Jch habe einen Jtaliäner 
mit Genehmigung des Rr: CartelUer hinten an feiner 
figur arbeiten laffen, und mich an die Büfte gemacht, 
weil ich Jhm nicht ju viel trauen darf. Slann es 
meine finanjen erlauben werden (weil ich den Jtaliäner 
bejahle) fortjufahren, fo hoffe ich Jhnen diele Bufte 
bald fchicken ju können, ich nehme mir defjwegen die 
freiheit Sie wieder um einen a Conto ju erfuchen. 

Vor 14 Cagen kamen 6 Schiffe mit den Hntigen 
der Villa Hlbani und des Duca Brofchi hier an, welche 
von einer ftarken ölache von Chaffeurs begleidet war, 



und welche fie währent fie an Bord lagen bewachten. 
Bey flacht kreujten fie immer in nachen um fie herum, 
ähnliche 18. Schiffe werden in ungefähr einem fßonat 
erwardet, die Menge der fich fchon hier befindenden 
und noch kommenden Hntigen der erften Claffe ilt un- 
glaublich, und ich getraue mir ju fagen dafj Paris in 
ungefähr einem Jahr ein jweytes Rom feyn wird. Jm 
Couver wurden alle Gingeweide die folchem fremd und 
jur neuen Ginrichtung untauglich waren, heraus geriffen, 
um die Säle der neu ankommenden Hntigen einju- 
richten. Die Hngekommene und nod} ankommende 
werden noch eingepackt in fflagajine gelegt, wo fie bis 
ju Sndigung der Säle bleiben. Defjwegen fo fehr ich 
mich nach Jhrer Reifje nach Paris föhne, fo würde ich 
es doch bedauren wann folches vor diefer Epoque ge- 
fchähe, weil Sie den gröften Cheil der Hntigen und 
gerade die welche Jhnen neu find, nicht fähen würden. 
Das Gouvernement beftimmt jur Verfertigung diefer 
Säle monatlich 25000 Civres. 

6s freute mich fehr dafj mich meine alte Schul 
Cameraden und freunde fflack und Kepper durch Sie 
grüjjen laffen, haben Sie die 6üte folche Hrtigkeit ju 
erwiedern und fagen Sie erfterem ich bitte Sie, da 6r 
mehr um Sie ift, dafj ich mich öfters mit vielem Ver- 
gnügen an Jhn erinnere, wenn ich an die freuden 
unferer Schul Jahre jurückdenke, welche mir manigmal 
blos dadurch verbittert wurden, wann ein böfer Genius 
mich an die F)ohenbeimer Schnirkel Sclaverey erinnert. 
Sobald es meine Gefchäfte erlauben, werde ich Ihm 
felbft fchreiben. 

fflein lieber freund Schmidt der Jhnen für die 
gütige Beforgung feiner Medaillen herjüch dankt und 
fich Jhnen und Jhrer verehrungswürdigen frau ebenfo 
herjlich empfiehlt, macht würklich eine recht fehr fchöne 
platte, welche Jhm gewifj viele 6hre machen wird. 
Befonders bemerkt man einen fleifj darin, der jum 
6rftaunen ift. Huch meine 6mpfehlung an eben die- 
felbc fo wie auch an Jhren lieben I)errn Schwager 
bitte idi gehorfamft nicht ju vergeffen. 

Jch habe die 6hre mit der vollkommenften ¥>od)- 
achtung ju feyn 

Guer (Hohlgebohren 

innigft liebender Sdiüler 

Diftelbarth. 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



97 



Briefe von (Sottlieb Schick an Dannecker und deffen (oattin. 1 ) 



178] Schick an Dannecker. 

(rjaahb, Beiträgt S. 59 f.) 
(Hdreffe: I)errn Kerrn Cips, berühmten Kupfer- 
Ttcchcr ; abzugeben an Fjicrm profeffor Dannecker aus 
Stuttgardt, dermalen in Zürid).) 

Stuttgardt, den 7. Hpril 1802. 

fflit Vergnügen habe ich gehört, daß Sie fich in 
Zürich gefallen. 6s lief? fich auch nicht anders er- 
warten, als daf? Sie nach fo langem ju Raufe Sitjen 
und Hrbeiten den frühling mit freuden in fo fchöner 
6cgend jubringen müßten. Jch wünfebte Jbnen einen 
längern Hufenthalt dafelbft, obfehon ich mich felbft da- 
bey bedauern würde. Diefe 13 Cage, die ich jetjt ohne 
Sie gelebt habe, find mir jiemich lang vorgekommen, 
und ich befinde mich hier ohne Sic, wie in der fremde. 
Hls Jhr Kerr Sdvccager Jbren Brief bekam, fprang ich 
gleich hinüber, weil ich mir fchmeichelte, daß vielleicht 
auch ein paar Klorte für mich da wären. — Jch hatte 
mich betrogen ; das Regele konnte fich höherer 6unft 
rühmen; diß that mir ein wenig webe, und — um 
Jbnen meine Schwachheit ju gefteben, ich wollte ju 
J)errn profeffor Retfd-) geben und ihn bitten, mich 
mit fich nach Rom ju nehmen, nur allein um Sie 
nicht mehr ju fchen ! Zum 6lück für mich war der 
Sieg lang; ich wurde, während ich ging, kälter, und 
mußte am 6ndc beynabe über mich felbft lachen. 
Ruhig kehrt' ich auch wieder jurück. Meine Ciebe 311 
Jbnen muß mich für diefe Schwachheit entfchuldigen ; 
ich war wie ein Mädchen, das ihren Geliebten untreu 
glaubt, id) war eifcrfücbtig. 

— fflack wird einen Husguß Jbrer figur 

fertig haben, bis Sie ?u uns jurückkebren. Jch felbft 
habe in diefer Zeit, da Sie entfernt find, fleißig ge- 
arbeitet, das Portrait von Fjerrn Degen und von meiner 
Schwefter und Schwager untermablt, und noch eine 
Candfcbafft angefangen. Sie feben, daß ich auch ohne 
das (febaffet fe au ebbes) fleißig feyn kann, auch ohn- 
geachtet des fehönen Kletters, das mich immer fo ju 
fich hinaus lockt. Das Mahlen wird immer meine 
größte f reude feyn ; aber wenn ich die Mablerey liebe, 
muß ich nicht notbwendig ihre Mutter, ihr Urbild, die 
Datur lieben ? Jch glaube, daß der ein fcblechter 
Maler ift, der die ftatur nur in feiner GHerhftatt fiebt. 
Das fitjende Modell ift nur halb die Ratur, das Ceben 



ift halb aus ihm geflohen, in Bewegung ift allein das 
Ceben, und diefen Moment der Bewegung muß der 
fflabler feftbalten. Huf Spaziergängen, in Schaufpielen, 
in CQirtbsbäufern, kann ich formen und Charaktere 
ftudieren, kein Plätjcben in der Sielt ift, das mich 
vom Studium der fflablerei entfernen könnte, wenn 
fie recht meiner Seele eingepflanzt ift. Doch woju 
diefes alles, warum fage ich Jbnen das, was Sie fo 
gut als ich wiffen, und worüber wir nie geftritten 
haben — ich glaube, blos des wirklichen fehönen 
ÖUctters wegen, weil ich gerne wieder fpajieren gienge, 
und doch dabey eine Husrede haben möchte, üeber- 
morgen werde ich auf ein paar Cage nach Cübingcn 
geben, um die eitern meines Schwagers kennen ?u 
lernen; fie nehmen es mir febr übel, daß ich fie noch 
nicht befucht habe; diefe Reife macht eine Paufc von 
4 Cagen in meinen 6efcbäfften, aber ich bin Jbnen 
auch 4 Cage um 7 Stunden näher. 

Jch wäre febr neugierig ?u wiffen, wie Sie fid) 
in Zürich in die Zeit tbeilen, ich nähme fo viel Hn- 
theil daran, doch bin ich ju befcheiden ?u fordern, daß 
Sie mir es mittbeilen. Jch weiß wohl daß, wenn idi 
an Jbrer Stelle eine Reife in die Schweit? gemadrt 
hätte, ich Jbnen fehr bald riachricht von mir gegeben 
haben würde, doch — kann ich das nebmlicbe an Sic 
fordern ? Jch kann Jbnen ja unmöglich fo bedeutend 
feyn, als Sie mir es feyn muffen. Sie haben mir 
fchon fo viel gutes getban, und ich habe es nie ver- 
gelten können. Sie haben meine Ciebe verdient; idi 
könnte die meinige gegen Sie durch nichts an den 
Cag legen, ich muß wie ein Bettler den Rimmel bitten, 
daß er Jbnen einen gefunden Ccib, den frieden, Segen 
und den heil. 6eift dafür fchenken möge. 

6. Schick. 

Darf ich Sie bitten, mich Jbrer lieben frau ju 
empfehlen ? 

179] Schick an frau Dannecker (nach Zürich). 

(P)aahb, Beiträge S. 61.) 

Stuttgardt, den . . Hpril 1802. 

Vielen fehönen Dank für Jhr liebes Briefchen. 

Jch empfing es, als ich von Cübingen jurückkehrte, 

und verfchlang es mehr, als ich es las. — 6rft beym 

jweiten Durcblefen wüßt' ich ganj feinen Jnhalt, und 



') Dle|e von fiaahb in feinen „Beiträgen" mit Huslalfungen und Marken Retu(chen publtjlerten Briefe find, [oweit He dem 
Verf. im Original vorlagen, hier jum erltenmal vollftändig veröffentlicht. 

13 



9 8 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



das angenebmfte was mir darinnen auffiel war, dafj 
Sie bald wieder ?u uns jurückkebren. Jcb werde nun 
in aller 6ile mein oder vielmehr Jbr Portrait ?u 
Jbrcm 6mpfang richten, damit Sie fich gleich an der 
Stand Jbres Zimmers wie in Jbrem Spiegel beleben 
können. Vielleicht ift aber nach Jbrer Zurückkunft 
das Bild nicht mehr fo ähnlich, das Reifen kann Sie 
ein wenig braun und die Bergluft in Zürich fetter ge- 
mad)t haben ! Die gute Hufnabme, die I)err profeffor 
in Zürich empfangen, erwartete ich im voraus und 
wurde alfo damit nicht überrafcht: ich werde fie (fo 
viel durch mich gefcheben kann) bekannt ju machen 
fuchen. — — — (Deinen erften Brief wünfebt' ich, 
dafj Sie ibn nicht bekommen hätten; ich habe darinn 
manches gefchrieben, was wohl hätte wegbleiben 
können ; meine Rerjens-ffleinung war ju plump 
darinn herausgejagt — Fjerr Profeffor vergibt mir das! 
und will er das nicht gleich tbun, fo bitten Sie für 
mich, liebe frau Profefforin. 

Jcb möchte Jbnen gerne auch mit ein paar Deuig- 
keiten aufwarten, weif? Jbnen aber nur das wenige ju 
lagen, dafj — — — ich eine Beftellung auf ein Ge- 
mälde von Goethe für den f)erjog von SIeimar be- 
kommen habe; er lief? mich in einem Briefe an Jbren 
I)errn Bruder fragen, wie viel ich für ein Gemälde 
verlangte, das aus 3 figuren, die figur obngefäbr 2 
Schübe hoch, beftünde. Jcb befann mich lange auf 
einen Preis, und Jagte endlich uCouisd'or; Jbr I)err 
Bruder fand dif? befebeiden gefordert, und ich will nun 
leben ob Goethe das auch findet. 

B.err Cotta in Cübingen, bey dem ich geftern 
Dacht gefpeist habe, läfct fid) Jbnen boyden empfehlen! 
6r wird mir ein Cuch für das Portrait feiner frau 
aus Dresden verfchreiben. 

Und nun leben Sie wohl, der f)immel laffe Sie 
gefund wieder in unlere fllauern jurückkebren ! 

Jcb bin mit Hchtung und Ciebe 

Jbr 
ergebenfter Schick. 

NB. Darf ich Sie bitten, mich I)errn Profeffor 
vielmahl ju empfehlen ? 

180*] Schick an Darnieder. 

(Hachlaft H, vgl. I)aahb, Beiträge S. 70 ff.) 

Rom den 22. October [1802.J 

6s macht mir viel freude, lieber I)err profeffor! 

dafj ich Jbnen nun einmal einen Brief von Rom aus 

lebreiben kann. 6s find nun fchon jebn Cage dafj id) 

hier angekommen bin, und ich glaube erft einen Cag 



bier verlebt ju haben. Der Kopf fcbwindelt mir durd) 
das Hnfcbauen der vielen Schönheiten, die mir mit 
jedem Schritt, den ich vorwärts mache, aufftofjen. Rom 
bat für den Künftler nicht viel verloren die flßufeums 
und Gallerien find nod) vollgepfropft von Kunftwerken 
aller Hrt, und die lebendige und todte Datur wett- 
eifern an Schönheit mit einander. 6be ich nach Jtalien 
kam, konnte ich nicht begreifen, wie Rapbael fo feböne 
Köpfe mahlen können, jejt da id) in Rom bin, ift es 
mir unbegreiflich, wie andere fflabler nach ihm nicht 
eben fo feböne Köpfe mahlen konnten. Hlle 6efichter, 
auch die der Bettler (die die gröfjte Volksklaffe aus- 
machen), tragen eine tiefe Bedeutung, und ftechen gegen 
die häufig runde, nichtsfagende 6eficbter der Deutfcben 
entfejlicb ab. unter den (Heibern kann man bald die 
jfuno, die flßinerva, und dann die Venus feben ; fie 
lind alle, alle fchön. Von den Cbeatern habe ich — 
noch keines gefeben ! Können Sie das glauben ? und 
doch ift es wahr. 6s lochen mich fo viele andere 
Schaufpiele, das flßufeum Capitolinum und Clemen- 
tinum, die Stanjen und £ogen, die Gallerie vom Vati- 
can und von Doria u. f. w. , dafj ich das Cbeatcr im 
Geringften nicht vermiffe. GQenn ich vollends mit 
Jbnen alles diefes feben könnte, fo würde ich diefen 
meinen ödohnfit? in Rom für den Hufentbalt der 
fcligen 6ötter nicht vertaufeben. Jcb babe bier jwar 
fchon manche Bekanntfchaft von Künftlern gemacht, 
aber noch keinen gefunden, den ich mir ju meinem 
Kunftfreunde wählen möchte. I)r. Profeffor I) etf ch bat 
mich febr freundlich empfangen; er lud mich ?um 
fllittag-Gffen und opferte mir ein paar Dacbmittage 
auf, um mich mit mehreren 6emälden bekannt ju 
machen ; auch war ich mit ihm jum erftenmal in der 
Villa Borghefe, ohne dafj id) den feebter dort gefeben 
hätte; es überfiel uns nebmlich die Dacht. Den när- 
rifeben Koch babe ich auch noch in feiner alten I)aut 
getroffen. 6r ift, feit er die I)ölle von Dante gelefen, 
vollends ganj und gar }um Ceufel geworden ; aus 
jedem GQorte diefes Dichters will er ein 6emälde machen, 
und jum 6anjen einen geometrifeben Plan von der 
ßölle entwerfen. Eandfcbaft-ffiahler Müller bat den 
Klafferfall von Civoli ju mahlen angefangen. Von 
Kaj babe ich einige Studien, die er in der 6egend von 
Rom, vornehmlich in Subiaco gemacht, gefeben; fie 
febienen mir fo gut, dafj ich nid)t glauben könnte, dafj 
er fie felbft gemacht hätte, wenn ich ihn nicht vor einigen 
Cagen eine Candfcbaft eben fo gut hätte mahlen feben. 
Sd)weiklc, der nun fchon einige Zeit in Rom 
fid) aufhält, bat noch gar keine Beweife von feinen 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlcrn. 



99 



grofen Calenten gegeben. 6r bcnujte die ganjc Zeit 
feines ßierfeyns, um ein Httclier ausfindig ju machen, 
das groß und Idiön genug für ihn wäre. 6rft jetjt 
bat er einen enormen Saal gefunden, den er fieb mit 
grölen Koftcn ju einem Httclier einrichten läßt, fflan 
erwartet grofe Dinge von ihm , weil er fo fcbrocklicbe 
Vorbereitungen macht, flßan bat mir eine 6efcbicbtc 
von ibm crjäblt, die ihn febr caraetcrifirt. 6r befand 
fid) nemlich eines Cagcs im fflufeum Clementinum 
(wo er fieb einige Köpfe von Hntiquen figuren in fein 
Buch feijirte) als man gerade dem Könige von Sar- 
dinien die Reicbtbümer des Vaticans jcigte. Scbweikle 
ließ fieb durd) die Hnkunft des Königs nicht ftören, 
und ftand an einer Säule gelehnt, mit dem Rut auf 
dem Kopfe, fteben. Ginige pofleute, die ihn in diefer 
unanftändigen Pofitur erblichten, giengen auf ihn ju 
und faben ihn bedeutend, aber ohne ein CQort ju fagen, 
an. Zulctjt kam der König felbft, und wollte ibm 
über die Hcbfcl ein wenig in fein Buch feben, welches 
ibm aber Sdnvcikle vor der Dafe jufeblug, indem er 
fieb umdrehte und ibm den Rücken juwand. 6s er- 
folgte darauf der Befehl an die Huffeher des fflufeums, 
diefen flienfdnn nie mehr die Schwelle des fflufeums 
betretten ju laffen, und überhaupt keinem Künftler ju 
erlauben, daß er ohne die ausdrückliche 6rlaubnis des 
fßajor Domo hier jeiebne. Diß gewannen die übrigen 
ordentlichen Künftler durch die Jchlechte Huffübrung 
[eines] einzelnen, und jeder Dcutfcbe muß fieb ärgern, 
da eine folche 6cfcb[icbte] ein fcblechtcs Vorubrtbeil 
von unferer Ration gibt, die obnediß fchon ein wenig 
im Credit ftebt, als wäre fie grob. Die Sltern von 
Jfopi habe id) auch gefprochen ; ich trank die Cboco- 
lade mit ihnen ; fie wünfebton febnlich, ihren Sohn 
wieder ju feben. Das Portrait, das ich in Stuttgart 
von Jfopi machte, lachte mich gleich beym P)ineintrettcn 
in die Stube an ; es ift recht gut confervirt. Von Ca- 
nova babe ich mehrere figuren in fflarmor gefeben. 
Jn Venedig fab ich eine P)ebe, in fliegendem Gewand, 
auf üflolken einbergehend; das 6ewand fchlecht, aber 
das fleifch febr fchön. Dafelbft fab ich auch eine 
Pfycbe von ihm, die mir noch beffer gefiel; der Kopf 
ift daran fo fchön wie die Hntike, auch die Bruft und 
die Hrme, aber das Gewand bat wieder keinen 6e- 
fchmack und keine Datur, auch bat er an den beyden 
figuren die fuße manierirt gemacht. Jn Venedig ift 
auch noch eine feböne 6ruppe von ibm, ich glaube, es 
ftellt Venus und Hdonis vor, und Gipsabgüffe von 
den Basreliefs, die Sie aus den Kupfern kennen werden. 
Jn Rom felbft fab ich in der Peterskirche das Grab- 



mabl eines Papfts von ihm, welches febr feböne Par- 
tbien enthält, ßernach fteben im ffiufeo Clementino 
von ibm ein Perleus, mit dem Kopfe der ffledufa, und 
ein Ringer, beydos mittelmäßige figuren, ob fie fchon 
auch ihre Bewunderer haben. Die figur des Perfeus 
ift an den piatj geftellt, wo Hpoll in fchönerer Zeit 
prangte; jetjt ift dem Perfeus gegenüber ein Gipsabguß 
von Hpoll gefetjt, ordentlich, als Tollt* er den großen 
Qnterfchied jwifeben Hpoll und Perfeus anzeigen. Ca- 
nova ift ein fflcnfcb von grofjen Calenten, aber wie 
weit bleibt er nicht hinter der guten Hntike! ödenn 
ich die Coloffen von fflontc Cavallo betrachte, fo weif? 
ich nicht, ob ich glauben foll, daf? wir Sprößlinge des 
nebmlichen Gefcblecbts find, aus dem diefe großen 
fflßänner, phidias und Praxiteles, entftanden. Qnd 
gebe ich dann wieder in die Stanjen von Rapbael, fo 
weiß ich nicht, ob ich fchnell nach Raufe geben und 
über f)als und Kopf anfangen mahlen, oder pallet 
und Pinfel auf ewig von mir weg werfen foll. Der 
fchmale Raum verbietet mir, weiter mit ihnen ju reden. 
Ceben Sie denn wohl, und vergeffen Sie nicht, mir 
bald fiaebricht von Jbnen ju geben, empfehlen Sie 
mich Jhrer frau Gemahlin, wie auch F)errn Rapp auf 
das Befte. 

Jbr freund Schick. 

Von dem fcblcunigen Codesfall der frau Klaljin 
und unleres Cheaters habe id) fchon von Fjr. Prof. 
rjetfcb die Rachricht vernommen, fflein guter Keller, 
der in Rom wie verloren ift, läßt (ich durch mich Jbnen, 
wie auch ßerrn Rapp empfelen. 

181*] Schick an Dannecher. 

(D.acbta& H, vjl. Pjaahb, Beiträae S. 78 ff.) 

Rom den 29. Januar 1803. 

Ciebfter r>err profeffor! 
Jbren Brief vom 5 Un December babe ich erhalten. 
Die freude, die er mir machte, würde ich umfonft 
fuchen ju befebreiben. Ob ich fchon im voraus über- 
jeugt war, daß Jbre Büfte von Eavater in Paris ge- 
fallen müßte, fo konnte ich doch nicht vorausfeben, 
daß fie das Glück haben würde, mit den andern 
ttlerken der jetjigen dort lebenden Künftler ausgcftellt 
ju werden und bey dem Vorurtbeil, welches franjöfifche 
Künftler gegen deutfehe Kunft hegen, auch noch in 
diefem Grade ju gefallen. Jch gratuliere Jbnen von 
Kerjen ju Jbrem Criumpb, und danke Jbnen juglcicb, 
daß Sie diefen von ihrer vaterländifeben Kunft ein- 
genommenen franjofen gejeigt haben, daß doch auch 



100 



VI. Briefwccbfel mit Künftlern. 



etwas Gutes jenlcits ihres gelobten Candes kommen 
kann. Sie febrieben mir einige frappante Heiligkeiten 
von Jbrcr figur ju dem Grabmabl von Zeppelin. 
ödie könnten Sie lo Ipät noch auf folebe Gedanken 
kommen. Jcb mufj Jbnen gefteben, dafj ich nicht be- 
greifen kann, wo Sie den Marmor ju Jbrer Hbände- 
rung hernehmen wollen. Die figur foll nach Jhrem 
ürtbeil freier, fimpler, und doch reicher geworden feyn 
— ich möchte fie wohl feben ! Haben Sie indeffen 
einige von Jbren Büften gemacht, oder haben Sie 
Hmor und Pfycbe angefangen? Klenn es noch nicht 
gefchehen feyn Tollte, fo tbun Sie es doch bald; die 
6ruppe ift fo febön componirt, dafj es fchade 
wäre, wenn fie nicht ausgeführt werden follte, und 
difj wäre denn doch ein klaffifches Klerk von Jbnen, 
was Jbren Ruhm auf ew'ge Zeiten gründen müfjte. 
Jcb habe vor ein paar Cagen eine 6ruppe von Hmor 
und Pfycbe von Canova gefehen, die fehr berühmt, 
und an ffladame Buonaparte verkauft ift. Hucb den 
Kopf von Buonaparte, mit dem er feit einer Cdocbe 
hier angekommen ift, habe ich gefehen. Sie werden 
ohne Zweifel in den Zeitungen gelefen haben, welche 
6bre man ihm in Paris felbft und auf feiner Reife 
dahin und wieder jurück erwiefen bat, dafj er überall 
gleich einem König empfangen wurde. ölelcbe Be- 
lobnungen erwarten den Künftler von Calent und 
f leifj ! Klelcbe Kraft gibt mir das, meinen Cdeg mit 
Hnftrengung weiter ju geben, wenn ich lebe, dafj der 
Preis für meine ffiübe die Hochachtung aller ffienfeben ift. 

Jcb mufj Jbnen doch eine 6efchichte erjäblen, die 
mir felbft vor ein paar Cagen begegnet, und bald febr 
tragifch für mich hätte ausfallen können. 6s war am 
lejten Sonntag, daf? ich Hbends mit einigen guten 
freunden an der 6cke des Spanifchen Plajes ftand, 
um mich über verfchiedene Dinge mit ihnen ju ver- 
abreden, als plöjlicb von hinten ju ein Reuter auf 
mich jugefprungen kam, und mich, ehe ich Zeit hatte, 
noch auszuweichen, über den Raufen rannte. Jcb 
fchlug durch meinen fall noch einen andern ju Boden, 
denn das Pferd fcblug mich mit einer unglaublichen 
Kraft nieder; das 6lück war nur, daf? es nachher einen 
grofjen Sprung über mich hinaus machte, dafj ich doch 
nicht getretten wurde, ffieine guten freunde verfolgten 
fogleich den fchändlichen Ritter, und einer unter ihnen 
(6raf Hammerftein, der einmal Rittmeifter unter den 
Hutaren war) wurde mein Rächer; er fprang an ihm 
hinauf, und rifj ihn an den Haaren vom Pferde, welches 
foglcicb die flucht ergriff und in allen Strafjen herum- 
rannte. Den Kerl felbft nahm Hammerftein in eine 



6cke und fchlug ihn fo jufammen, dafj der ganje Kopf 
im Blute ftand. Jcb felbft raffte mich bald wieder 
vom Boden auf, ohne weiteren Schaden genommen 
ju haben ; nur beyde eilbogcn und die eine Rufte that 
mir webe — ich dankte Gott, dafj ich fo leicht davon 
gekommen war. Der Vorgang machte einen febreck- 
lichen Cärm; es verfammelte fich nach und nach eine 
folchc fflenge von ffienfehen um mich, die feben woll- 
ten, ob ich noch ganj wäre, dafj ich völlig betäubt 
von ihrem fragen und Carmen wurde. Jcb will mich 
doch recht glücklich fchätjen, wenn ich nicht mehr ge- 
jwungen feyn werde, unter diefen Beftien von Jtaliencrn 
ju leben; ich habe fie fo fatt wie möglich. — 6s ift 
wieder viel theurer hier geworden ; die Cebensmittel 
fteigen immerwährend im Prcife. Keine Sache bat 
hier ihren beftimmten preis; fo viel jeder braucht, fo 
viel fordert er für feine (Haare. Cäglich verhungern 
Ceute, und es achtet niemand darauf; ich glaube es 
werden nicht mehr 10 jfahre vergeben, bis der letjte 
vom römifchen Stamm verhungert feyn wird. — die 
befindet fich die frau Profelforin ? Denkt fie auch 
noch an mich und an meine feheckiebe Darrbeit? wie 
vergnügt war ich nicht, als ich Jbr Portrait mahlte! 
Hier in Rom habe ich auch ein familiengemälde be- 
ftellt — frau 6räfin Humboldt mit 5 Kindern, die 
alle febr bübfeh find. Jcb gebe gleich nachdem ich 
diefen Brief geendigt haben werde, dortbin jum ffiittag- 
6ffen, und will Jbre 6efundbeit in gutem florentiner 
trinken. Dem Briefe mufj ich den Hbfchied geben, 
denn ich bin mit dem Papier ju 6nde. — Grüfjen 
Sie Herrn Rapp viel loomal, und bitten Sie ihn, dafj 
er mir auch einmal ein paar Qlorte febreibe, damit ich 
ihn doch auch wieder reden höre; feine Unterhaltung 
bat mir immer fo viel Vergnügen gemacht. Ceben 
Sie recht wohl! Schreiben Sie bald! haben Sie gebort? 
Jbr ergebener 

Schick. 
6rüffen Sie auch Herrn Degen von mir, und 
fagen Sie mir doch, ob fein Kind noch lebt. Diefen 
ganjen KHnter über habe ich noch kein 6is gefehen, 
die Klitterung ift äufferft gelind — übrigens bat die 
feuchte Jabrjeit auf die Gefundbeit üblem Ginflufj, als 
eine trockene Kälte haben würde, ich felbft befinde mich 
wirklich nicht fehr wohl, ich habe einen ftarken Schnupfen, 
und fo klagen fich wirklich die meiften Ceute. Bey 
Jbnen fpielt jejt der Ofen eine ftarke Rolle, doch ift 
es auch angenehm, diefen Scbutj Patron im Klinter 
ju liebkofen, ihn ju ftreicheln. Ceben Sic noch einmal 
wohl. Haben Sie die 6üte, meine familie ju grülfen. 



Anhang 



VI. Briefwccbfel mit Künftlern. 



101 



182*] Schick an Dannecher. 

(Dachlag H, x>fll. I)aahb, Beitrag« S. 91 ff.) 

Rom vom 15. Hpril 1803. 

CHie foll ich es anfangen, um Jbnen, allerbeftcr 
Rcrr Profcffor! die freude ju befebreiben, die mir Jbre 
Briefe auf lange Zeit verurfaebton. Roch lefe ich fie 
immer und werde fie fo lange fortlefen, bis fie von 
neuen verdrängt werden. Jcb bitte Sie, mir diefcs 
Vergnügen redit oft ju machen, fo in 6efellfcbaft Jbrer 
liebenswürdigen frau und Rrn. Rapp, bey dem ich 
mich [inj einem kleinen Briefeben fclbft bedanken werde. 
Sie geben mir von den Scbickfalen Jbres Cavaters in 
Paris Racbricbt, der den dortigen Concurrenten den 
preis entriffen, Jbnen fclbft aber nichts 6utes ver- 
febafft bat, wenn es nicht noch die Stelle ift : im 
ßationalinftitut als fflitglied aufgenommen ju werden. 
Doch denke ich darüber wie Sie, dak diefer Gbrentitel 
Jbr Glück nicht vergrößern werde — 6bre und Hn- 
feben haben Sie ohne diefen kleinen Zufat? genug! 
Geliebt werden Sie wie niemand, von Jbrer frau und 
auch (wenn ich es fagen darf) von mir! UX\t ich aus 
Jbrcm Briefe febe, fo find nun Jbre gröbften Hrbeiten 
aus dem CQege, ich meine die Büften, auf die Jbnen 
immer fo bange war. Jch habe Hoffnung, dafj Sie 
jetjt die Gruppe von Hmor und Pfycbe anfangen 
werden, um doch auch ein klaffifcbes Cüerk ?u liefern, 
worin Sie die Dacbwelt bewundern kann. — 

Jbre Skijje von Hcbill muf? febön feyn , wenig- 
Hens ift der Hugenblick febön gewählt. ?denn Sie es 
beym Rerjog durebfetjen, daf? er Jbnen den Diftel- 
barth als 6ehülfen ?ugibt, fo werden Sie viele 6e- 
febäfte auf einmal unternehmen können. — 

Diftelbarth wird gerade das fflittel jwifeben Jbnen 
und frobmeyer halten, und fo muf? man in Jbrem 
Htelier das Verdienft ftufenweife feben können. — 
Hur einmal möchte ich wieder hineinblicken in diefc 
CQicgc meiner Kunft! — Denn Jbnen, Rerr Profeffor, 
habe ich Hües ju danken, was ich in der Kunft habe 
und weife. Jcb lebe hier viel jufriedener als in Paris, 
weil es gar ju auffallend ift, wie viel gröf?cr meine 
fortfebritte hier als in Paris find. Hbends, wenn ich 
nicht genug mehr ?um fflablen febe, mache ich Spazier- 
gänge gegen das Coloffeum oder in die Villa Borgbefe, 
und denke fo nach, was ich beute gemacht und mor- 
gen machen werde. Hn diele Orte kommt Hbends 
feiten ein fflenfcb, und nichts ftört mich als der Ge- 
lang der ßacbtigallen. Klie ift Jtalien fo febön ! — 
und wenn man die römifebe Gefcbicbte von Citus 
Civius, Plutarch, Cacitus liest, wie merkwürdig wird 



nicht ein jeder fleck 6rde, den man betritt ! Könnte 
doch f)r. Rapp hier einen Sonnenuntergang mit mir 
feben, er müfete ihm bey feiner Ciebc jur Datur ein 
unendliches Vergnügen gewähren. Von den Conturen 
der Berge in der Sntfernung und ihrem Con bat man 
doch in Dcutfebland keine Jdec; eben fo wenig von 
der gefchmackvollen Bauart der I)äufer, die in der 
Candfdiaft doch auch einen Cbeil ausmachen. Sodann 
die maneberley Hrten feböner Bäume, Corbeeren, 
Oliven, Kaftanien, pignen, Grün-6icben, feigen u.f. w. 
Difj Hlles und der feböne ewig blaue ßimmel darüber 
find uns Deutfcben frembde Dinge, die wir nicht müde 
werden anjuftaunen. Keller, der fu meinem Verdrufj 
morgen abreist und Jbnen diefen Brief überbringen 
wird, bat auch 5 Zeichnungen für f)rn. Cotta bey fieb; 
es foll die I)älfte feyn von denen, die ich ihm jährlid) 
febicken will. Jch wünfebe febr, dafj Sie fie feben, 
um Jbre Meinung darüber ju hören. Vorzüglich be- 
gierig wäre ich ?u wiffen, in welche Rangordnung Sie 
fie {teilen würden. Mehrere Künftler, denen ich fie 
hier gejeigt habe, ohne ihnen ju fagen, in welcher Zeit 
ich fie gemacht, haben meine erfte Zeichnung für die 
fcblecbtere, und fo fort die letjte für die befte erklärt — 
nun möchte ich auch Sie ratben laffen. Cdenn Sic 
die Zeichnungen feben follten, fo feyen Sie fo gütig, 
fie nach ihrem Verdienft auf diele Hrt ju ordnen, und 
mir das Refultat davon ?u febreiben. — 

Allein grofjes Gemälde habe ich nun auch ange- 
fangen, und das Kienige, was ich davon gemacht, ift 
mit meinen vorigen Hrbeiten in keine Verglcicbung ju 
bringen ! KUrklicb geniefje ich deswegen fo ruhige 
Hugenblickc, wie nie in meinem Ceben, da ich febe, 
dafj mein mübfames Ringen nicht vergeblich ift. Jn 
diefer ruhigen Stimmung fetje ich mich jum fflablen 
bin, und erwarte das Befte. fflodelle hatte ich noch 
nicht, fo lange ich hier bin, ich mahle Hlles aus 
meiner Pbantafie, und befinde mich unendlich beffer 
dabey. CQcnn ich nad) der Datur mahle, denke ich nur 
an das Stück fleifcb, das ich eben in diefem Hugen- 
blick nachmahle, und nicht an den Charakter des 
fflenfeben, den ich darftcllen will. Bey diefer fflanicr 
gebt vielleid)t ein wenig Jndividualität ju 6runde, 
auf der andern Seite gewinne ich mehr Jdeal und 
weit mehr Gefühl. Jcb will mir ein fflodell kommen 
laffen, blos um das Gnfemble der figur ju zeichnen, 
die Möglichkeit der Bewegung und den Pia} der fflus- 
keln und Knochen ju feben, im debrigen mufj ich die 
Schönheit nach Befcbaffenbeit des Charakters, den die 
figur ausdrücken foll, die Datürlicbkeit der Bewegung, 



102 



VI. Briefwccbfcl mit Künftlcrn. 



die keinem Modell möglich \\t, und die 6rajie der- 
Iclben ganj Iclbft binjutbun. für die Draperie mache 
ich mir nur einen ganj kleinen Mannequin von 6rdo, 
und jeiebne das darauf gelegte 6cwand fleißig nach, 
das ich aber wieder nach meiner belfern 6inficht im 
ffiablcn durch I)injutbun und ßinwegnebmen ändere. 

Keller bat bicr ju feiner Reife 6eld aufgenommen, 
und, weil er nur die Rälftc davon braudjt, mir die 
andere ßälftc überlaffen. Da idi nun dem I)rn. Cotta 
5 Zeichnungen febiche, die id) ihm balbjäbrlicb juge- 
daebt habe, fo wird es ihm einerley feyn, ob er mir 
die eine pälfte der Summe am 6nde des Jahrs oder 
jejt gibt, wo ich fie auf eine fo bequeme Kleife ohne 
Hbjug des Banquiers empfangen kann. Die Summe, 
die Keller aufnahm, betrug 250 fl., davon ich ihm 
125 fl. abnahm. I)r. Cotta will mir fürs jfahr 20 
Couisdor geben, und fo wäre mir nun febr geholfen, 
wenn er Kellern die ßälfte diefes jährlichen Vignetten- 
Gehaltes, 10 Couisdor ausbejablen wollte; die noch 
übrigen 15 fl. wird fodann mein Schwager binju- 
tbun — es findet fieb nicht immer fo gute Ge- 
legenheit, mir 6eld ju überfebicken. Doch wenn Sic 
glauben tollten, dafj ich I)rn. Cotta mit dieler forde- 
rung (die mir übrigens für ihn und mich gut febeint) 
befcbwerlicb fiele, fo möchte ich lieber diefe Summe von 
meinen Schwager aufnehmen. 

Bey Canova bin ich jejt febon jweimal gewefen, 
ohne ihn felbft feben ju können ; fobald ich ihn feben 
werde, will ich ihm Jbre 6rüf?e ausrichten. Dafür 
komme ich ju der Hngelika Kauffmann, ein altes, doch 
noch liebenswürdiges SMb, die mich febr febön auf- 
genommen. — önd nun leben Sie wobl, und ver- 
geffen Sie nicht, daf? ein Schick in Rom lebt, der nach 
Jbren Briefen febmadrtet. 

6wig Jbr treuer Schüler Schick. 

Jcb habe eine neue ölobnung gemiethet, das 
nähere davon ftebt in dem Brief an meinen Schwager, 
wenn Sic Sich ihn geben laffen wollen. 



183*] Schi* an Darnieder. 

(DacblaJ H, vgl. I)aalib, Beiträge S. 102 ff.) 

Rom vom 18"" Junius 1803. 
Jcb habe Jbnen, liebfter Fjerr Profeffor, fo Vieles 
ju lagen, dafj ich kaum weif?, mit was ich den Hnfang 
machen Toll — doch fage ich juer[t das, was mir am 
näcbften am Kerjen liegt. 6s find vor ein paar Cagen 
ein paar Dresdner Künftler hier angekommen, die ich, 



nachdem ich fie kaum gefeben, gleich nach den Schidi- 
falen Jbres Eavatcrs befragte, und die mir denn eine 
detaillirte Befrhreibung von der herrlichen Hufnabme 
diefer Bütte in dem dortigen flßufeum machten. Sie 
verfieberten mich, dafj Jbr Hamen in dem fflunde eines 
jeden franjöfifcben Künftlers wäre, und dafj fie mit 
Gntbufiasmus von diefem Jbrem KIcrke fpräcben. 
ödelcbes Vergnügen mir das Zeugnifj diefer beyden 
Künftler als Hugenjeugen auf die erltc Hacbricbt von 
Diftelbartb (welcher ich doch noch nicht fo ganj traute) 
verurfaebte, werden Sie glauben, da Sie hinlänglich 
überzeugt feyn muffen, welch' lebhaften Hntbeil ich an 
allem, was Sic betreffen kann, nehme! Jcb freute 
mich recht, diefen Dresdnern lagen ju können, dafj ich 
diefes gefchickten Dan nekers Schüler wäre, dafj er mich, 
aber nicht wie feinen Schüler, fondern wie feinen freund 
bebandelte, kurj! ich tbat mir bey ihnen auf Jbre ge- 
nauere Bekanntfdiaft etwas ju gut, foviel ich mich felbft 
oft im Stillen freue, dafj ich unter allen deutfehen 
Künftlern gerade Sie — wie id) überjeugt bin, den 
heften jejt lebenden gefunden habe, dabey noch einen 
Mann, den ich, aufjer feiner Kunft, feines lieben Cha- 
rakters wegen boebfehätjen und lieben mufj. — 6laubcn 
Sie nicht, beftcr F)err Profeffor, dafj ich diefes fo bin- 
fchreibe, wie öfters ein fflenfeh dem andern in Briefen 
Schmeicheleien lagt, ohne dafj fein ßerj das fflindefte 
davon empfindet! Hlles was ich Jhnen bicr fage, ftebt 
tief in meiner Seele gefebrieben, und es drängte mich 
— ich mufjt' es Jhnen fagen — ich verfiebere Sie noch 
dafj ich jene Hugenblicke, in denen fich meine Pban- 
tafie ganj mit Jbnen befebäftigt, ju den glückliebften 
jähle, die ich in Rom erlebe. Kellern beneide ich nur 
um eine Sache, um feine Dachbarfcbaft. — Jbr Qrtbcil 
über meine Zeichnungen für I)rn. Cotta bat mid) über 
meine fortfebritte in Rom getrottet; nur will ich Sie 
bitten, lieber ¥>nt profeffor! nicht mehr fo gelinde in 
Jbren ürtbeilen ju feyn , fondern mich ein wenig 
ftrenger mitjunebmen, mich in meinen Hierken ju bc- 
urtbeilen, als hätte fie eine fremde unbekannte Rand 
gemacht. Glenn Sic mich loben, fo werde ich ju ftolj. 
Jn dem 6cgenftand der fünften Skijje haben Sie fich 
ein wenig geirrt. 6s tollte nicht der Vater feyn , der 
feinen Kindern einen Baum pflanjt, fondern der 6rofj- 
vater. <Häre es der Vater, fo könnte der Baum noch 
für ihn fruchte tragen, und das Bild der uneigen- 
nütjigen Eiebe, welche ich in diefer Zeichnung verfinn- 
lichen wollte, ginge alsdann verloren. — Hn meinem 
grofjen 6emälde habe ich drei figuren fo jiemlich fertig; 
die figur des Davids habe ich geftern angefangen auf- 



Anhang 



VI. Briefwedifel mit Künftlem. 



103 



jujeidmen — und — bald gefällt fie mir, bald nicht, 
fowie überhaupt mein Klerklein bald hoch oben und 
bald tief unten fchwimmt. Jejt glaube ich, daf} ich 
wirklich etwas 6utes mache; eine halbe Stunde darauf 
möd)te ich es mit füfjen treten. 6in Künftler führt 
doch ein recht unglüklich glükliebes Eebcn, oder bin 
ich allein fo gemacht? — Jhre Shijjc von Paris möd)tc 
ich gerne fehen ; diele f igur machen Sie wohl zum 
Gegenftück für Jbren Rektor. 

6s freut mich recht, dafj Sie nun Diftelbarth ju 
Jhrem ßehülfen erhalten werden. Sie allein hätten 
alle die Hrbeiten, die Sic in fflarmor auszuführen 
haben, in langer Zeit nicht ju Stande bringen können. 
Canova hat feine figur von Bonaparte in Grde fertig 
gemadit, und ganj Rom wallfahrtet ju ihm in fein 
Htelier, um fie [ju] bctrad)ten. Jch felbft habe fie an 
einem Hbende gefehen , und kann alfo nur von ihrer 
form im Hllgemeinen, aber nichts von der Husarbci- 
tung der verfebiedenen Cheile fagen. Die figur ift ganj 
nackend vorgeftellt, ohngefähr o bis 10 Schuh hoch, 
gehend, und in der einen I)and eine Eanje, in der 
andern eine Viktoria haltend. — ffiir, wenn ich es 
fagen darf, hat fie (als eine figur von Canova) gar 
nicht befonders gefallen, und ich bin gewifj, dafj Sie 
eine beffere figur von Bonaparte gemacht hätten. Ceidcr 
haben Sie, lieber Rcrr profeffor, noch keine fo grofjen 
Hrbeiten in fliarmor, als Canova, der Kielt überliefert, 
aber auch nur diefe flßenge feiner öderke kann feinen 
Ruf ausgebreiteter als den Jhrigen gemacht haben. 
Canova ift fo gut mit Hrbeitern verleben, dafj er, um 
eine feiner lebensgroßen figuren in flßarmor auszu- 
führen, kaum jwei ffionate Zeit daju braucht, und 
doch gewinnen alle feine figuren febr durch feine Hus- 
arbeitung in fflarmor. I)r. profeffor ßctfcb ift nun 
bald einen flßonat von hier nach ttlien abgereist. — 
Kür find recht gut auseinander gekommen. 6r befuebte 
mid) in den letzten Cagen feines Rierfeyns fehr häufig 
und Tagte mir öfters Cobfprüd« über mein Gemälde. 
— Von Klien aus wird er mir fehreiben. Dafj feine 
Cäcilia unferem Cburfürften nicht ganj gefallen , tbut 
mir wahrhaftig leid. Küe fehr gefallen Sie mir da- 
durch, dafj Sie, indem Hndere das Bild fcharf kritifirten, 
das einjelne 6ute darinnen auffuebten und es lobten, 
fernow, von dem Sie wohl febon gehört haben werden, 
wird in drei Göocben [von] hier nach Jena abreifen 
und feinen töeg über Stuttgardt nehmen ; ich [werde 
ihm] auch einen Brief an Sie mitgeben. — frau v. 
Klobljogen wird bis nächften ßerbft nach Rom kom- 
men. — Das grofje Gemälde von Rrn. Profeffor ßetfd} 



und ein andres von fllüller (die Grotte des ßeptun 
ju Civoli) find auf dem Cöcge nach Stuttgardt. Klenn 
Sie das grofje Gemälde von J)etfcb gefehen [haben, 
bitte] ich Sie um Jbr weitläufiges Qrtbeil darüber. 6s 
freut [mich fehr] dafj Schiller nach Stuttgardt kommt; 
erftlid) für Sie, dafj Sie einen guten geiftreichen freund 
ju fehen bekommen, und dann für mich, weil er von 
meiner Kunft etwas ju fehen bekommt. — Goethe bat 
frau v. Humboldt gebeten, ihr etwas von einem jungen 
gefchickten fflaler aus Stuttgardt ju fehreiben , der fich 
wirklich in Rom befinden foll. Da frau v. Humboldt 
nun nicht weifj, ob ¥>r. Profeffor Retfcb oder ich damit 
gemeint bin, fo bat fie ihm von uns beyden gefchrieben. 
frau v. Humboldt glaubt aber eher, dafj id) damit ge- 
meint fcy. Jbr I)err Schwager, 6ottlob Rapp, ift mit 
der bekannten friderike Brunn nach Copenbagen ab- 
gereist; er beforgt ihre Hngelegenbeiten auf der Reife, 
und wird, wenn er fich während derfelben gut benimmt, 
von ihrem flQanne (der ein reicher Banquier ift) auf 
einem feiner Comptoirs als Commis angeftellt werden. 
Jch bin mit meinem Papier am 6nde, und es ift audi 
Zeit, wenn diefer Brief noch vor Hbgang der Poft 
beforgt werden foll. Sagen Sie Grüfje und Gmpfeb- 
lungen Jbrer lieben frau, wie auch I)rn. Rapp, I)rn. 
Keller. Jd) bin wie immer 

Jbr ergebener Schick. 
Jn drei Klocben fchreibe ich Jbnen wieder. Ceben 
Sie CQillionenmal wohl. I)r. Gebeimratb v. Qcxküll 
mufj auch einen Brief von mir erbalten haben. 



184*] Schick an Dannecker. 

(Dacblaß H, vgl. I)aahb, Beiträge S. 119 f.) 

Rom d 20. Hovember 1803. 
Hun kann ich mid) endlich dem Vergnügen über- 
laffen, mit Jbnen, liebfter J)err profeffor, ein wenig 
ju fprechen. flßein 6emälde ift vollendet, und auch fo 
weit eingepackt, dafj es feine weite Reife antreten kann, 
ffiorgen früh gebt es auch wirklieb mit dem f uhrmann 
ab. — Jcb befann mich lange, an wen ich das Bild 
adreffiren Tollte, ich lebrieb deswegen auch febon vor 
einiger Zeit an meinen Schwager: dafj er Sie in diefer 
Sache um Jbren Ratb fragen follte; aber er fdmeb mir 
in feinem lejten Brif keine befriedigende Hntwort: 6r 
Tagte mir, dafj weder Sie noch auch er fich befinnen 
könnten, an welchen fflenfehen ich am fcbicklicbften 
mein Bild in Stuttgardt adreffiren möchte, Dun be- 
fann ich mich in der Gefcbwindigkeit felbft — ich adreffirtc 
es an — I)rn. Dir: I)etch! Diefer fcheint mir nadi dem 



104 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



Icjtcn Brief, den er mir von Stuttg: aus gefebrieben, 
jimmlicb gewogen ju feyn, u. fo will \&> nun feine 
6üte gegen midi auf eine reelle probe ftellen. Dur 
das einjige tbut mir dabey leyd: dafj Sie, wenn Sie 
bifj auf diefen Hugenblick noch nicht gut mit r). D : 
petcb fteben, nicht fogleicb das Bild nacb Jbrer Be- 
quemlichkeit ju feben bekommen — und dafj aud) ich 
länger warten müfjte, um Jbr Obrtbeil (welches 
mir das allerbedeutendfte ift) darüber ju vernehmen. 

GCIie gut mein Bild in Rom aufgenommen wurde, 
und was für Schmeicheleien man mir darüber fagte, 
wie allgemein es gefeben wurde, und wie angefeben 
ich nun felbft unter den Künftlern bin — alles diefes 
darf id) nicht einmal ganj fimpel wiederfagen, ohne 
mid) bei Jbnen in den Verdacht einer unbefdieidenen 
Ruhmredigkeit ju fetjen. Jcb will lieber erft wiffen, 
was man in Stuttgardt und was befonders Sie, liebfter 
f)err Profeffor, darüber fagen , eb' ich Jbnen das de- 
taillirte Urtbeil der biefigen Künttler und Kenner 
berichte. 

Sie fcbreiben mir in Jbrem letjten Briefe, dafj 
Sie den jungen Grafen fries veranlagt haben, fieb ein 
kleines Bild von mir mahlen ju laffen ; diele Beftellung 
ehrt mich! Graf fries ift als Kunftfreund berühmt, 
und alle Künftler von einiger Bedeutung haben febon 
irgend etwas für ihn gemablt; es freut mich, dafj die 
Reibe nun auch an mich kommt, und ich werde aud), 
(fobald ich ein febon angefangenes Portrait vollendet 
haben werde) fogleicb den Hnfang daran machen. 
Schade nur, dafj es fo klein wird! Hucb auf eine 
Zeichnung für F)errn Direktor Ruoff werde ich denken. 
Sodas ich mir wirklieb unabläffig wünfehe, was mich 
oft des Dacbts nicht fcblafen läfjt — ift — ich möchte 
gar gern ein grofjes Bild mahlen , wenigftens eben fo 
grofj, als das von Profeffor Retfch! Gdenn nur unfer 
fürft ein folcbes beftellte, fo wäre ich der glücklichfte 
fflenfd)! Jcb würde mir einen Gegenftand aus dem 
alten Ceftament wählen, um die Srlaubnifj ju haben, 
es im pantbeon aufftellen ju können. Klenn ich nur 
ein wenig Gbrgeij bcfäfje, fo könnte diefer durch die 
vielen Cobeserbebungen, die man meinem Bilde mad)te, 
hinlänglich befriedigt feyn; fo aber fpornt midi diefes 
Cob ju defto gröfjerer Hnftrengung an, und ich werde 
alle meine Kräfte in Bewegung fetjen, um mein näcbftcs 
Bild um eben fo viel beffer ju machen, als mein letjtes, 
als alle übrigen ift. 

F)err von dexküll, von welchem ich erft kurj einen 
Brief erbalten, rühmt mir Jbre reitende Hriadne febr 
in denselben; was gäbe id) darum, fie aud) felbft ju 



feben! — So bat der fflenfcb immer etwas ju ver- 
miffen. Jcb fehe jwar jetjt alle Herrlichkeiten der 
Kunft wie in einem Zentrum vereinigt; aber dafür 
fehlen mir fflenfeben, denen ich mich mittbeilen, und 
an denen ich fo mit ganjer Seele hängen könnte, und 
deren id) in Stuttgardt mehrere kannte. 

Hn Graf v. Klinjingerode werde id) nun aud) 
fcbreiben und in den Brief einen andern an unfern 
Cburfürften einlegen , wobei id) den Grafen bitten 
werde, denfelben unfern fürften eigenbändig ju über- 
reichen. Jcb glaube, es wird auf diele Hrt nicht übel 
geben ; judem, da auch noch ein Hrjt aus Rannover, 
dem mein Bild befonders gefallen, und welcher Graf 
v. (Hinjingerodc febr genau kennt, demfelben von dem 
allgemeinen Beifall, den das Bild hier erhielt, jiemlicb 
weitläufig fcbreiben wird. — Jbren Diftelbartb werden 
Sie wohl aus Paris famt feinem Cavater erbalten 
haben, und fo wären nun auch die Hntiken um einige 
Stücke vermehrt. tlüffen Sie wohl, [wo] Couret hin- 
geben wird, da er feinen Hbfcbied vom Cburfürften 
erbalten ? ölie ich hier von einem Deutfcben gehört 
habe, fo bat Keller feine Reifjebefcbreibung dem Druck 
übergeben — ich glaube nicht an die Klabrbeit diefer 
nacbrid)t. (Hie mir mein Schwager febreibt, fo hatten 
Sie diefes Jahr febon im October Schnee! Klic weit 
bin ich hier entfernt, an Schnee ju denken ! Die Klitte- 
rung ift noch beute am 20. Hovember febr gelinde; 
der Pomeranjenbaum ftebt im dunklen 6rün, aus 
dem die goldenen fruchte berausglänjen, und überall 
pflanjt man Gartengewäcbfe. — Klelcb ein fd)önes 
Cand — wie bell von der Sonne befebienen ! — 
Schwer wird es mir werden, mich wieder an das trübe 
raube Climat ju gewöhnen, da id) jetjt das fchönerc 
kennen gelernt habe! Cebten nicht in diefem nordi- 
fdien Cande meine Hnverwandten und freunde, ich 
würde hier leben und fterben. Eeben Sie wohl F)err 
Profeffor, und fcbreiben Sie mir bald wieder! Jcb 
bitte Sie recht febr um eine recht detaillirte Kritik 
meines Bildes, auch dafj Sie mir tagen, was Jbr Rerr 
Schwager F)cinricb Rapp darüber geurtbeilt. 

Jcb febicke Jbnen diefen Brief 12 Cage fpäter als id) 
Jbn gefebrieben. mit diefem Brief febicke ich jugleicb 
einen an unfern Kurfürften einen andern an Graf v. 
Cdinjingerodc und noch einen andern an R: Dir: ßetfcb 
nach Stuttgardt, meinen Hnverwandten follte ich beute 
gefebrieben haben ; aber es blieb mir kein» Zeit daju 
übrig — entfdiuldigen Sie mieb bey Jbnen bis näd)- 
ften Samstag werde ich ihnen fcbreiben, wie auch I)rn. 
von Üxkübl. 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



105 



185*] Schick an Dannccher. 

(na*laj H, vgl. I)aahb, Beiträge S. 129 ff.) 

Rom vom 7. Hpril 1804. 

Seyn Sic taufendmal gegrüßt, befter Rerr pro- 
fcJIor! Jcb habe febon lange kein Cöort mehr mit 
Jbnen gefproeben und mufjte auch Jbre tröftlicben 
naebriebten lange entbehren, weil das Gemälde fo fpät 
bei Jbnen ankam. Oft febimpfte id) deswegen auf 
mein Bild, weil id) mir wobl vorteilen konnte, dafj 
Sie es mit der Beantwortung meines Briefes fo lange 
anfteben laffen würden, bis Sie mir jugleid) Jbr ör- 
tbeil über daffelbe mittbeilen könnten. Zufrieden kann 
id) nun von allen Seiten feyn ; juerft dafj es Jbres 
und Jbres ßerrn Schwagers, des 6eb.-Ratbs v. ücxküll 
und I)errn Dir: petfeb Beifall erhalten, und dafj es 
dann aud) dem Churfürften gefallen hat. Soviel er- 
wartete ich wahrlich nicht! Jbnen, liebfter ßerr Pro- 
feffor! bin ich für Jhr örtbeil viel Dank fcbuldig; 
id) werde es in meinem näcbften Bilde ju meinem 
ttlegweifer gebraueben. Von der Ceicbtigkeit und Klar- 
heit im Con der fresco-ffialereien (gegen welche mir 
die Oelbilder fcbwerfällig, febwarj und febmierig vor- 
kommen) eingenommen, wollte ich in meinem Bilde 
den Con der erfteren annehmen, und wurde dadurd), 
befonders in den vorderften figuren, ju matt. Daju 
kommt, dafj ich vielleicht die färben der 6ewänder 
ju febr brach. Gin andermal werde ich jwar auch 
Jüchen, den Cocal-Con eines frescobildes meinem Oel- 
bilde mitjutbeilen, doch aber mit Beibehaltung der 
Mittel, die die Oelmalerei ?u einer kräftigen färbung 
an die Rand gibt. 

Den 6egenftand ?u meinem neuen 6emälde habe 
id) wieder aus dem alten Ceftament genommen; es 
ift das Opfer des Doab. Jcb wähle gern bekannte 
Gegenftände, daju noch folcbe, die ehrwürdig durch den 
Volksglauben find — die man b eil ig nennt. Jeder 
erkennt fie auf den erften Blick und überläfjt fid) ruhig 
dem eindrucke, den das Bild auf ihn mad)t. Jcb 
bin in diefem Hugenblicke nod) unfcblüffig, ob ich den 
Gott Vater dabei auftreten laffe oder nicht! CHenn es 
nicht fo viel Zeit erforderte, um Jbre Meinung ju 
wiffen, fo würde ich gern Jbren 6efcbmack entfebeiden 
laffen. Jm Oebrigen bin ich mit den figuren fo jiem- 
licb beftimmt; ju dreien davon habe ich fchon die 
Studien verfertigt, die gegen die, die ich ju meinem 
6emälde von Saul gemacht, jiemlicb abfteeben. Ver- 
leibt mir der I)immel nur Gefundbeit und Heiterkeit 
des ©eiftes, fo bin ich gewifj, ein befferes Bild als 
mein voriges ju machen. 



Jcb habe jetjt die 2 erften flßabler, Camuccini und 
Benvenuti ju freunden. Sie haben grofjes Zutrauen 
ju meinem Urtbeile in Kunftfachen und befragen 
mich über Hlles. Jcb wiederum gewinne unendlich 
dabei, diele 2 fllänner ju meinen Kritikern ju haben; 
fie fagen mir ihre Meinung mit einer nachdrücklichen 
befebeidenen Hrt. Das mufjte ich bei Verfertigung 
meines erften Gemäldes entbehren; id) verlor midi 
unter dem Raufen der ültramontaner, woraus ich mich 
erft durch die Produktion meines Bildes jieben mufjte, 
um von den erften ffiablern gekannt ju werden. Jn 
meinem jejigen Bilde werde ich nun mit vollen Segeln 
fahren ; id) habe jetjt mehr flßutb, mehr Vertrauen 
auf mich felbft. ttüe freue ich mich, dafj ich mein 
näcbftes Bild auch dem fürften fchicken und auf diefe 
Hrt Jbnen immer die deutlicbften Beweife meines 
f ortfebreitens in der Kunft geben kann ! Gdie füfje 
mir Jbre Hufmunterung, Jhr Beifall i(t, kann ich nicht 
ausfpreeben — ich ringe faft allein nur nach diefem! 
Beinabe bei jedem Pinfelftricb denke id) an Sie, bei 
jedem möchte ich wiffen : was Sie wobl daju fagten, 
und wenn id) dann bei irgend einer gelungenen 
Partbie denken kann: dafj das auch Jbnen gefallen 
würde, fo mad)t mich diefer 6edanke doppelt glück- 
lich. — Von I)errn Director Fjetfcb, Rr, v. Üxkübl u. 
Keller habe ich auch Briefe, jugleicb mit dem Jbrigen 
erbalten. Den von Rerrn Director ßetfcb habe ich 
bereits beantwortet. 

Dem perrn Direktor Retfcb bin ich für feine Be- 
mühung grofjen Dank fcbuldig ; doch bat er mir nur 
einen Dienft getban, um den id) ihn freundfd)aftlicb 
bat. Jbnen, befter Rerr profeffor! habe id) in diefer 
Sache keinen Huftrag gegeben ; aber demohngeachtet 
erwiefen Sie mir einen grofjen Dienft, indem Sie fich 
die fflübe gaben, ju erfahren, was der Cburfürft }u 
meinem Bilde Jagen würde, um mir das entweder ju 
meinem Hutjen oder ju meinem Vergnügen wieder ju 
fagen. Diefj beifje id) die berjlicbften freundfd)afts- 
dienfte! I)err Direktor ßetfcb fchreibt mir wobl: dafj 
der Cburfürft damit jufrieden gewefen ; aber er fchreibt 
mir nicht, was er im Ginjelnen darüber geäufjert bat. 
Dafj Sie mit ßerrn Direktor F)etfcb fo jiemlicb gut 
ftehen, freut mich unendlich, und ich wünfebe diefer 
freundfebaft eine lange Dauer. 

Cdas mir 6eheime-Rath v. Gexküll von Seele 
fchreibt: dafj diefer nebmlid) eine Hnftellung mit 800 fl. 
und dem Citel eines 6alleriedirektors erhalten, bat 
mid) febr betrübt und niedergefd)lagen auf mehrere 
Cage gemacht; jetjt bin ich darüber wieder ganj ge- 

14 



io6 



VI. Briefwecbfel mit Künftlcrn. 



trottet, denn ich denke: daf? wer auf to tcbmutjigen 
Siegen Citel und Befoldung gefuebt, fieb in denfelben 
auch nicht lange hatten wird. — Mit welcher Stirne 
will diefer Menfcb neben Pächter Itcben, wenn dieler 
wieder nach Stuttgart kommt, wie mir Rerr Direktor 
ßetfcb gefebrieben bat. Kläcbter, der lein Brod mit 
Mühe lucben muf?, und der Rufaren- und Dragoner- 
fflabler in Befoldung ! Sie Jagen mir, liebfter I)err 
Profeffor ! daf? mir der Cburfürft Gerechtigkeit wieder- 
fabren liefje. Jcb denke, fo lange er dem Seele feinen 
Rang und Befoldung erhält, fo lange läf?t er weder 
Jhnen noch ßerrn Direktor ßetfcb noch auch mir Ge- 
rechtigkeit wiederfabren. Doch, fpreche ich von diefer 
Sache nicht ?u viel! 

Jbren faun möchte ich wohl feben. — Von 
Jbren fonftigen Hrbeiten fagen Sie mir gar nichts; 
nicht, ob Sie Hmor und Pfycbe febon angefangen haben 
?u modelliren, was ich immer fo febr wünfehe. — Die 
f tgur für das 6rabmabl wird wohl jet?t in Diftelbartbs 
fänden feyn? f)aben Sie den alten frobmeyer auch 
noch und den Medailleur? ich erinnere mich feines 
Hamens nicht mehr. 

I)ier in Rom ift es nun bereits wieder Sommer. 
Oft, wenn ich Hbends nach meiner Hrbeit einen Spazier- 
gang mache, wünfebe ich Sie und Jbren I)crrn Schwager 
?u mir, um meine freude über diefe feböne Datur 
mit Jhnen tbeilen ?u können. 6s wird mir oft allein 
ju viel, fo daf? mir der Hnblick alles diefes Schönen 
das I)er? ?ufammenpref?t. — 6mpfeblcn Sie mich Jbrer 
liebften frau 6emablin, Jbrem ßerrn Schwager u. der 
Ruoff'fcben Sippfchaft, u. haben Sie auch die 6üte, 
meinen Eeutcbcn ?u tagen, daf? ich ihnen bif? nächtte 
Klocbe lebreiben werde, Müller der Eiefländer befindet 
fieb wirklieb in fcblechten Umftänden, er bat viele 
Schulden. 6r febickte (noch früher als ich) 2 Gemälde 
nach Stuttgardt für den Major Klink u. den 6eb. R. 
v. frobmann, u. er bekommt keine Dacbricht, ob fie 
angekommen; von dem 6emälde, das er nach Ruß- 
land febickte weif? er eben fo wenig. Glenn Sie jemand 
wilfen follten, der ein 6emälde von ihm haben wollte, 
fo könnten Sie ihm einen großen freundfebaftsdienft 
erweiten, ihm eines ?u verkaufen. Ceben Sie wohl, 
better I)err profeffor, und febreiben Sie bald Jbrem 
grundehrlichen 

6ottlieb Schick. 

6s bat mich febr gefreut ?u vernehmen, daf? Jbr 
Rerr Schwager wieder mit einem Rnäbchen erfreut 
wurde, vielleicht, wenn es gut gebt, wird noch die 
Zahl der Knaben und ffläddien gleich. Die figur des 



Jonathan, die Jhnen befonders gefallen ju haben fcheint, 
habe ich gan? und gar aus der Jdee gemacht. 6s 
fcheint, je weniger ich Modell nehme, je natürhdw 
mache ich die Sache. Meine Pbantafie ift gefebäftiger 
als mein Huge. 

I)aben Sie mit der Büfte von Cavater, die Jbnen 
Diftelbartb von Paris mitgebracht bat, keine Hbgütfe 
von Hntiquen mitbekommen. 

Keller lebreibt mir, daf? er im Sinn hätte, feine 
Reif?ebefcbreibung durch den Druck ans Cageslicbt ju 
fördern. 

Dem Diftelbartb auch meinen Gruf?. 



186*] Schick an Dannecher. 

(na*!aS H, vgl. Fjaahb, Beiträgt S. 142 IM 

Rom den 4. Huguft 1804. 
r)od)geebrtcfter Rerr Profeffor! 
Zwei Briefe habe ich Jhnen ?u beantworten : den 
erften, den Sie mir unter dem 1. jfuny gefdweben, und 
einen ?weiten ohne Datum , den ich vor ?wei Cagen 
erbalten habe. Jm erften Briefe beantworten Sie mir 
eine frage, die ich ?u Hnfang , als ich mein Gemälde 
?ufammenfct?te, an Sie machte. 6s ift diefe: ob ich bei 
dem Opfer des Doab den 6ott Vater felber tollte er- 
febeinen laffen, oder nicht? Jbre Hntwort: daf? ich 
ihn weglaften Tollte, daf? Jbnen ein Gott Vater gemablt 
viel ?u menfcblicb ausfäbe, kam mir fo fpät, daf? ich 
mein halbes Gemälde mit Gott Vater und vielen 6ngeln 
fd)on untermablt hatte. Jbr Ratb machte mich mit?- 
trauifcb gegen meine eigene Jdee, und ich fragte des- 
wegen Jedermann, der ?u mir kam : ob ich nicht belfer 
tbäte, meinen 6ott Vater mit feinen 6ngeln weg?u- 
wifeben ? niemand wollte das haben, weil fie glaubten, 
daf? mir die 6ruppe des Gott Vaters mit feinen 6ngeln 
beinahe am beften gelungen wäre. So erlaubte idi 
denn dem Gott Vater, auch bei der Scene ?u feyn. 
Das gan?e Gemälde ift nun untermablt, und eine figur 
bis auf die füf?e auch febon übermablt. Modell habe 
ich noch lehr wenig gebraucht, und es ift auffallend, wie 
viel beffer dasjenige wird, was ich aus der Jdee mahle. 
COenn ich nach der Datur mahle, fo gefebiebt es mir 
immer, daf? ich mich ?u ängftlicb befleif?ige, alle und 
jede Befonderbeiten meines Gegenftandes an?udeuten, 
fo daf? ich darüber die allgemeine Jdee der Gattung 
auszudrucken verfehle, freilich itt auf der andern Seite 
auch ein Hbgrund; man kann fieb diefe Jdee auch aus 
?u vielen fällen des wirklichen Cebens, nach feinem 



Anhang 



VI. Briefwccbfel mit Kün[tlern. 



107 



wciteften umfange, jufammenlctjen, da man fie viel- 
mehr von dem lauteren Begriffe, der fieb blos in der 
Vorttellung der Seele findet, hernehmen follte. Je 
weiter ich in die Kunft Jehe, je tiefer und höher wird 
fie mir. Klie mir, müfjte einem Klcttläufcr }U fflutbe 
feyn, dem man das Ziel, wenn er recht nahe daran 
hämc, auf einmal aus dem Boden riffc und weiter 
hinausftechte. Doch daf? ich nicht vergeflc, Jhren erften 
Brief vollends ju beantworten. 6s freut mich fehr, 
dafj Sic Jbre Hriadne lebensgroß in fflarmor ausführen 
wollen. Die Beftellung, die Sic durch mich an Keller 
wegen dem daju nötbigen Block fflarmor gemacht, 
habe ich gleid) den andern Cag, nachdem ich Jbren 
erften Brief erhalten, an den Keller übertragen. Unter- 
deffen und noch vorgeftern ging ich ?u ihm. Keller 
hat an feinen Hffocie nach Carrara deswegen gefchrieben 
und ihm recht ausdrücklich getagt, dafj er in der Ktabl 
des fflarmors gewiffenbaft Icyc. Keller erwartet des- 
wegen Hntwort von einem Cag jum andern. 6r ver- 
fpricht Jbnen einen fflarmor ohne flecken, und Tollten 
fünf bis fechs Stücke darüber ju 6runde gehen, und 
will ihn Jbncn bif? nach Civorno liefern. Könnte ich 
doch mehr bei der Sache helfen, damit Sic tcbnell be- 
dient würden ! ') Jd) habe die Comitfion dem Keller 
Jo dringend wie möglich empfohlen und ich weife auch, 
daß es Keller febr daran gelegen ift, Sie gut ?u be- 
dienen. Vielleicht itt das aber auch die drfacbe, dafj 
Sie länger warten muffen, weil der fflann, der in Car- 
rara einen recht fdiönen Block für Sie haben will, 
Jbnen nidrt den erften betten geben will. Jcb hoffe 
indeften, Jhnen näcbftens befriedigendere Dacbricbten 
über diefe Commiffion geben ?u können. 

Qnd nun komme id) ju Beantwortung Jhres 
jweiten Briefes. Klie ungern , können Sie mir kaum 
glauben! Das 6ebeimnif? fteckt fo tief in mir, und 
die Scham über meine Schwachheit macht mich fo 
blöde, daff es mir fchwer wird, fie Jbnen, meinem 
liebften achtungswertbeften freund in Stuttgardt, ju 
gegeben, Klas aber meine Verwandten, aus lauter 
Zärtlichkeit und Hebe für mich, Jbnen entdeckt haben, 
ift fo arg noch nicht, als fie es machen. Jcb babe 
meinen Kopf noch nicht verloren, und ich glaube auch 
nicht, dafj meine Ceidenfcbaft mit meiner Vernunft 
davon fliegen wird. Verliebt bin ich, und das tüchtig, 



') 3n einem weiteren Schreiben an Dannecher, aus Orxileto 
vom 19. Hufjutt tbeilt Schi* die Hb[cbrift eines Briefes mit, den 
er eben vor [einer Hbrelfe aus Rom von dem Bildbauer Heller 
in der fraglichen Hngelegcnbelt erhalten, und bittet aus Hnlaft 
des Briefes um weitere Befehle. 



das muß ich leider gefteben ; aber dafj ich mich des- 
wegen gleich über Rals und Kopf verheiratben mufj, 
ift noch keine folge davon. Klenn es Sie intcreffirt, 
meine Briefe ju lefen, die ich, fo lange ich diefe Ceiden- 
fcbaft nähre, an meine Verwandten gefchrieben, fo 
werden Sic feben , daß es nie mein Ktillc war, diefe 
Ciebc ruhig in mir fortkeimen ?u laffen, fondern daß 
ich gleich im erften Briefe gefchrieben, dafj ich mich 
fcblecbtcrdings von diefer Ceidenfcbaft befreien müßte. 
Das ift nun freilich bald gefagt: aber das ju tbun — 
ich ftrenge alle meine 6cifteskräfte daju an, aber nur 
febr langfam komme ich damit weiter. So weit bin 
ich gekommen, dafj ich fie Hbcnds nicht mehr febc. 
Jcb verfpreebe Jbnen feierlich, dafj ich all' mein fflög- 
lichftes tbun will, fflein ganjes Klcfen wird wohl 
darunter leiden, denn diefe Ciebe ift meinem gan?en 
Klefen einverleibt, Klunden werde ich meinem ßerjen 
dadurch machen, die nie — gewifj nie — wieder ge- 
heilt werden können. Denn [nach] diefem fflädchen 
werde ich keine andere mehr lieben können. [Swig] 
wird ihr Hndenkcn in meiner Seele haften bleiben, 
und die [Zeit wird] es eher febärfen als mindern. Jcb 
babe unrecht getban, meine Hugen von meinem todten 
Bilde ju einem lieblichen lebendigen ju erbeben, ffleinc 
fflablerei hätte mein Hlles, mein ganjes 6lück aus- 
machen follcn, daju bin ich in diefer Kielt befchieden, 
ju nichts Hnderem ! Bin ich fo glücklich, wieder in 
meine gehörige Sphäre ju kommen, fo will ich blind 
für alle übrigen Kleltgefcbäfte feyn und wie ein fflöndi 
in meiner Kunft leben. Jmmer war ich jur Craurig- 
keit und fflelancbolie geneigt, und das fülle, fromme 
Rom beftärktc noch meinen Rang. Die Kielt babe ich 
jiemlicb genug gefeben und jiebe mich nun gern in 
mich felbft jurück. Jn die Kielt der Künfte und 
Küffenfcbaften möcbt' ich jcjt dringen und durch die 
Bildung aller meiner ßeifteskräftc mich einer böbern 
Glitten? würdig machen. Schreiben Sie mir doch bald 
wieder und trotten damit 

Jhren dankbaren freund Schick. 
Raben Sie die 6üte mich Jhrer lieben frau 6e- 
mablin ju empfehlen wie auch Rrn. Rapp etc. 



187*] Schi* an Dannecher. 

(Dachlab H, vgl. ^aahb, Beiträge S. 156 ff.) 

Rom den 12. Januar 1805. 
Hlljulange ift es febon, dafj ich nichts mehr von 
Jbnen gehört babe. Von Cage ju Cage erwartete ich 
Dacbrichten, auch des fflarmors wegen, ju erhalten. 



io8 



VI. Briefwecbfcl mit Künftlern. 



Von der Stunde meiner Hbreife von Stuttgardt bis 
auf dielen Hugenblick bat fich das Hndenken an Jbre 
freundfebaft, an die angenehmen Stunden, die ich mit 
Jbnen verlebt, auf das Cdärmfte erhalten. Roch jejt 
(nach 2 Jahren Hbwcfenbeit) denke ich jeden Cag an 
Sie, und vergegenwärtige mir verfebiedene Situationen, 
in denen icb mieb mit Jbnen glücklieb gefühlt. Könnte 
ich den Klunfcb in Jbnen fo lebhaft machen, Rom 
noch einmal ju befueben, als der meinige ift, Sie wieder 
ju feben, fo kämen Sie ganj obnfeblbar bif? näcbftes 
frübjabr mit Clexküll bieber. Jbren letjten Brief habe 
ich durch Cinckb von Cannftatt erbalten. Dicfem jungen 
fflenfeben gefällt es febr wohl hier in Rom, und er 
denkt (wenigftens wie er fagt) mit Scbmerjen daran, 
wieder von hier abjureifen. 6s i[t ein guter fflenfcb, 
auch von gefundem Verftande, nur allju viereckigt 
deutfeh. 6r bat das Hnfeben eines jungen deutfeben 
provifors. dexküll wird Sie mit feiner unvermutbeten 
Hnkunft in Stuttgardt recht überrafebt haben; er wukte 
kaum felbft, dafj er von Rom abreifen wollte, als er 
febon in Stuttgardt ankam. Jejt werden Sie wohl 
febon öfters jufammen bei I)rn. Direktor Rueff ge- 
wefen feyn. Jch wäre neugierig ju wiffen, wie Sie 
die Zeichnung, die ich Qexküll für Ruoff mitgegeben, 
beurtbeilt haben. Huch was Jbnen öexküll von mei- 
nem ßemälde gefagt bat. Diefes ift nun jicmlicb weit 
vorgerückt; acht f iguren find nicht mehr weit von der 
Vollendung. Die Glorie hingegen ift noch kaum an- 
gelegt und wird mich noch viel Schweif? koften , ob- 
febon es jejt Günter ift und ich kein f euer im Zimmer 
habe. Die f igur des Cöeibes von fioab ift ganj fertig. 
(Has Sie in meinem letjten Bilde vermifjt haben, wer- 
den Sie in diefem finden, das ift eine kräftigere Fär- 
bung, doch ohne dielen falfchen täufchenden farben- 
febimmer, der das Huge belügen will, Qexküll wider- 
rätb mir heftig, mein 6emälde nach Stuttgardt ju 
fchicken. Sie aber und alle meine Verwandte rathen 
mir, dafj ich es nach Stuttgardt fchicken foll. CHenn 
Sie mir auch jejt noch daju rathen, fo febicke ich es 
bin und verfuche fo das Eetjte. Cdenn ich dann nichts 
dafür erbalte und das Gemälde wie mein erftes in ein 
Hebenjimmer geftellt wird, dann ift es noch Zeit, 
Stuttgardt gute Dacht ?u geben. Sie tagten mir ein- 
mal in einem Briefe: dafj 6raf fries in (dien ein 
6emälde, 2 Schuh lang und \ l / 2 hoch, von mir haben 
wollte. CClenn es noch Zeit ift, fo würde ich es jejt 
unter die ßände nehmen. Schade, dafj es fo klein ift; 
wenn es möglich wäre, es ein klein wenig gröfjer ju 
machen, fo wäre mir damit febr gedient. Doch hat 



das Bild vielleicht febon feinen angewiefenen Platj. 
Von ßerrn Prof. Retfd} habe ich vorige Ktochc auch 
einen Brief erbalten. 6r febreibt mir: dafj er vom 
Cburfürftcn für fein Gemälde ehrenvoll belohnt worden 
feye, u. daf? er überhaupt allgemeinen Beyfall in Stuttg. 
gefunden hätte. Jch wünfebe dem meinigen das nebm- 
liche Scbickfal. 

Die figur für das 6rabmal von Zcbelin wird 
durch Diftelbarth weit vorgerückt feyn. Raben Sie 
nach der Hriadne noch was Hnderes angefangen ?. . . . 
und haben Sie keinen neuen nachwuchs, keine Schüler 
bei fich? Cebt unfer Medailleur Klagner, den wir fo 
offt jufammen geärgert haben, auch noch? Von meiner 
Ciebfcbaft, von der Sie ja auch wiffen, möchte ich Jbnen 
wobl auch einiges lebreiben, fflit aller Redlichkeit 
mifjrietben Sie mir diele Bekanntfchaft — und id> — 
fo febr ich fie felbft mifjrietb, fetjte fie doch bis diefen 
Hugenblick fort. Meine Ceidenfcbaft ift ftärker als ich, 
fie reifet mich mit fich fort — alles (Hiderftebcn wollen 
hilft nichts, ich habe alles verfuebt, und bin nur tiefer 
verfunken. Hiebt fo febr das Geficbt und die figur 
meines Mädchens ift es, in die ich fo verliebt wäre, 
es ift vielmehr ihr Charakter, der fo fleckenlos rein ift, 
dafj fie Gngel darum beneiden möchten. Sie lachen 
mich gewifj mit dem £obe, das ich meinem Mädchen 
gebe, aus. Sie werden fagen : jeder hält die feinige 
für die befte und die fchönfte. 

Jch hätte heute, wenn es der Ordnung nach geben 
Tollte, meinen Verwandten febreiben muffen. Da es 
aber jejt nicht gefcheben ift, fo bitte ich Sie, mich bei 
Jbnen ju entfchuldigen und ihnen ju Jagen, dafj fie 
bif? näcbfte öloche juverläffig Dacbricbt von mir be- 
kommen würden. Sie, hefter Rerr Profeffor ! bitteich, 
mich bald mit einem Briefe ju erfreuen. Gmpfeblcn 
Sie mich taufendmal Jhrer frau 6emahlin, Jbrem prn. 
Schwager Reinrieb, Rerrn v. dexküll, der Ruoff'fchen 
6efellfchaft und Rrn. Diftelbarth. Qnveränderlicb Jhr 
dankbarer Schüler 

Schick. 



188*] Scbich an Dannecker. 

(Dacblafe H, vfll- I)aahb, Beiträge S. 166 ff.) 

Rom den 10t. Hpril 1805. 
Durch Rrn. Geb. v. dexküll und Rrn. Dürr habe 
ich, mein hochgeehrterer Rr. Profeffor, Jbre jwei beg- 
lichen Briefe erbalten, früher febon einen andern durch 
die Poft von Mailand, fflit gleichem Vergnügen habe 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künttlem. 



109 



ich ftc alle drei gclcfen, und mit eben diclem Vergnügen 
letje ich mich bin, fie ?u beantworten. T)r. 6: v. Utx- 
hüll ift gefund bier angekommen und aueb wieder recht 
gern hier. Klären Sie d cb ftatt Dürr mit ibm bie- 
ber gekommen ! — fflein Klunfcb und meine Cu(t, 
Sie wieder ?u leben, i|t fo grof?, als kaum der Klunfcb 
eines Sohnes feyn kann, feinen über alles geliebten 
Vater wieder ?u leben, ffiit Jbnen möcbt' ich die 
Patriarchen der Kunft {eben, mit Jbnen den Vatikan 
durdigeben. Jn meinem F)er?en ift und bleibt bier 
ein leerer fleck ; Sie würden ihn ausfüllen. Jch habe 
hier eine fflenge Bekannte; unter allen aber ift nid)t 
ein cinjiger, an den ich mich feft anfcbliefjen möchte, 
und fo unterliegt mein Rcrj unter der Caft der 6mp- 
findungen, die ich niemanden mittbeilen kann. Dif} 
macht mich niedcrgcfcblagen, und Jtalien, das fonft 
durch fein Clima fähig wäre, den traurigften 6eift ?ur 
Heiterkeit ju ftimmen, wird für mich ein melan- 
cbolifcber Hufentbalt. Sie wiffen das 6ebeimnif? 
meiner Ciebe, und ich muf? Jbnen deswegen nun auch 
beichten, wie es in diefem Hugenblick damit ftebt. 
Jch habe mir auf Jbren und meiner Hnverwandten 
Ratb alle fflübo gegeben, mich von diefer Ceidenfcbaft 
los ju machen. Jch habe Hnlaf? gefucht, mit ihr ?u 
brechen, und habe es auch wirklich getban. Jch 
glaubte midi auf diefe Hrt felbft betrügen ?u können; 
aber ich habe gefunden, daf?, je mehr ich die Ciebe 
fliehen will, fie mich um fo eifriger verfolgt, und daf? 
ich auf meiner flucht einem Hbgrund julaufc. CQic 
das weiter geben will, weif? ich nicht — mir ift bange 
davor. — fflein Gemälde ift — noch nicht fertig. Jch 
habe auf das einreden mehrerer Künftler flßanches 
daran verändert, was mich in der Vollendung des 
Bildes um einige Klochen jurückwirft. 

Sie fchreiben mir in Jbrem letjten Brief, daf? der 
Cburfürft Jbre Hriadne noch nicht gefeben habe. Dif? 
ift ein übles Zeichen und läf?t mir für mich auch nicht 
viel 6utes hoffen. Hber fo muf? es feyn : wenn das 
6ute nicht anerkannt wird, muf? das fflittelmäf?ige 
oder das Schlechte Glück machen. Da ich nun hoffe, 
nichts fflittelmäf?iges, wenigftens nichts Schlechtes ge- 
macht ?u haben, fo verfpreebe ich mir mit meinem 
Bilde das nehmliche Schickfal, das Sie mit Jhrer 
Hriadne haben. Sie können da?u lachen ; denn Jhr 
Verdienft als Künftler ttebt in Deutfcbland fchon ge- 
gründet ; Sie haben auch Befoldung, Hnfeben und 
Citel. Jch aber bin noch der, der vor der Chüre pocht; 
ich möchte mi* diefem Bilde auf eine ehrenvolle Kleife 
in die Kielt treten. Vielleicht verwehrt mir der Cbur- 



fürft mit der Gleichgültigkeit, mit der er es aufnimmt, 
den eintritt. Klenn er mich entweder nicht dafür be- 
lohnt, mir keine neue Hrbcit verlangt oder mich nicht 
?urück in mein Vaterland ?u kommen einladet, oder 
in Penfion fet?t, wenn er von alledem Dichts tbut, 
fo bat dif? einen grof?en 6influf? auf mein künftiges 
Ceben und Hufentbalt. 6s ift fcbrecklich, wie gering 
bei uns eigentlich noch die Kunft gefchät?t wird. Alan 
gibt Künftlern penfionen, wie man Klittwen und 
Klaifen unterftütjt; man untcrftüt?t Künftler und nicht 
die Kunft. Diefer junge JTknfcb, der von Stuttgardt 
hieber gekommen ift, fcheint nicht das Geringtte vom 
Goiftc eines Künftlcrs ?u haben, und kann es mit 
dem wenigen Calent und der kleinen Unterftüt?ung 
nie fo weit bringen, um als Künftler mit 6brcn in 
der Kielt auf?utreten. I)ier ift alfo die penfion ver- 
loren. Klächter hingegen, der ein vortrefflicher fflabler, 
in Stuttgardt geboren, muf? fieb im Huslande kümmer- 
lich nähren, ohne einen Pfenning ünterftüt?ung von 
feinem undankbaren Vaterlande ?u genief?en. Hber 
fo gefchmeidig wie Klächter würde ich diefe Unbilligkeit 
nicht erdulden ; ich würde dagegen febreien, fo lange 
mir noch ein Stück Cunge übrig bliebe, ich würde 
ftatt des Pinfels die feder in die Rand nehmen und 
gan? unbarmber?ig über das Künfte und KUffonfcbafton 
befcbüt?ende Deutfcbland herfallen, ich würde es eine 
kultivirte Barbarei nennen. So weit wie Sie bin ich 
noch nicht gekommen, daf? ich über alles diefes lachen 
könnte; ich ärgere mich vielmehr darüber. Sie, liebfter 
i)r. Profeffor, find mit Jbrem heitern Gemütbc fehr 
glücklich. 6ine innere Rübe berrfcht in Jbnen und 
legt Jbnen in kleine Sachen hoben Genuf?. Klenn 
Sie auf dem Kablcnftein eine feböne fflufik hören, 
fo befchäftigt fich Jhr gan?er Sinn damit, ohne 6in- 
mifchung fremder widerwärtiger Gefühle. 

So eben hatte ich einen Befudi von üexküll; er 
tbeilte mir aus einem Briefe, den ihm fein Bruder 
gefebneben, eine Heuigkeit von Jbnen mit: Sie hätten 
nebmlich (fchreibt er ibm) dem Cburfürften gefebrieben: 
daf? er (der Cburfürft) Jbnen die Hriadne, nach 6r- 
fct?ung der Qnkoften, orlaffen möge. Sie freuen mich 
durch diefe Handlung ; denn der Cburfürft, wenn er 
fieb nicht um Jbr Kunftwerk bemüht, verdient es nicht 
?u befit?en. Sie haben mich im nahmen des Diftcl- 
bartb gefragt, ob fieb flßarchetti der bei Crippel 
fchfaffte], in Rom oder in Carrara aufhielte, ich habe 
fchon öffters nach ihm gefragt, u. erft beute ?ur Hnt- 
wort erbalten, daf? er fich wirklich in Carrara befände. 
Rerr von dxkull läf?t fich Jbnen vielmal empfehlen. 



110 



VI. Briefwodilcl mit Künftlern. 



Klonn ich Jbnen das näAftemal fdncibe, fo gebe id) 
Jbncn vermutlich jugleicb die naebriebt von der Voll- 
endung meines Bildes. Eeben Sie nun wobl und 
empfehlen Sie mich Jbrer liebften frau Gemahlin, 
aud) Rm. Diftelbartb. Hn Rerrn Reinrid) Rapp will 
[ich] wegen Kod) ein paar öötortc Ichreiben. Diefem 
geht es auch immer, obgleid) er ein vorjüglicber Künttlcr 
i(t, fcblecbt. ffleinem Sdwager haben Sie die 6üte ju 
Jagen, dal? ich ihm mit der nächften Poft fdueiben 
werde. 

6wig Jhr 

dankbarer Schüler und freund 
Schick. 
Jcb möchte Jhnen wohl rathen, befter Rr. Pro- 
felfor, eine andere Candfcbaft von Kod) — die Ruth 
vorteilend, wie fie bei Boas bittet, daf? fie nad) dem 
Schnitte Hehren lefen dürfe, ju nehmen ; Tic ift über 
alle fflaf?en febön — eine herrliche Jdylle. Sie glau- 
ben, wenn Sie diele Candfcbaft leben, in der fflitte 
von Paläftina ju feyn ; es ift die febönfte Compofition, 
nebft dem Roab, die I)r. Rapp vielleicht nimmt, die 
Koch je gemacht hat. Die Husfübrung ift, befonders 
der binterfte plan, vortrefflich. Jcb wünfebte Jbnen 
diefen Gdelftein in Jbre Zimmer. — Das Bild ift fo 
rci?end, dal? man das Huge nicht mehr weg wenden 
bann ; und ich wünfebte, daf? in dem Raufe des vor- 
trefflichen deutlchen Bildbauers auch diejes Bild des 
vortrefflichen deutfeben Candfcbaftsm abiers wäre. 



189*] Schick an Dannecker. 

(DaAlaJ H, vgl. I)aahb, Beiträge S. 175 f.) 

Rom vom 24. fflay 1805. 

ßoebgeebrtefter Rr. Profeffor! 

Da Rr. Barth 1 ) bis fflorgen früh feine Reife nad) 
dem geliebten Vaterlande antritt, fo habe ich diejc 
Gelegenheit nicht vorbeigeben laffen wollen, Jbnen ein 
paar Jüorte ju lebreiben. 

früher fd)on als i)r. Barth wird ein anderer 
junger Hrdiitekt bei Jbnen vorfahren, dem I)r. v. Utx- 
küll einen Brief an Sie mitgegeben bat. — Von dem 
Rrn. v. dexküll habe ich auch erfahren, daf? Jbnen 
der Cburfürft endlich eine Vifite gemacht bat, doch 
ohne die Hriadne grof? in fflarmor ju beftellen. Sie 
werden fie nun vermutblich unter Cebensgröfje für fich 
in fflarmor ausführen. — Kleine Hufmunterung für 



mid), weldie herrliche Husfid)t! Klenn der Cburfürft 
Jbre öderke nid)t mehr fcbätjt, was wird er mit den 
meinigen machen ? fie auf den Reuboden ftellen, in 
die Raud)kammer bangen ? 

Jn 12 Cagen werde ich mit meinem Gemälde 
fertig feyn, von oben an bis unten hinaus auf das 
fleifjigfte ausgeführt, wie Sie es mir geratben haben. 
Vielleicht gebt das 6emälde nicht nach Stuttgardt. 6s 
war ein reicher ruffifcher Graf, Hamens Cimitoff), bei 
mir, dem es febr wobl gefiel, und der mid) um den 
Preis fragen lief?. 3dn forderte 150 Couisd'or. Jd) 
werde nun fehen. Jn diefem Hugenblick befindet er 
fieb in Deapel, nach feiner Zurü&kunft wird er wieder 
ju mir kommen und fieb vielleicht entdecken, es ju 
kaufen. um das 6in?ige tbäte es mir leid: daf? Sic 
es alsdann nicht ju fehen bekämen ! 

Von Rrn. Direktor Retfcb bekam ich einen febr 
melancbolifcbcn Brief; das 6nde deffelben muf? ich 
Jbnen doch mittbcilen , der Sonderbarkeit wegen : 
„die Dacbricbt von der baldigen Vollendung Jbres 
„Bildes intereffirt mich; der Grfolg davon kann für 
„Sie nicht anders als günftig ausfallen. Sie haben 
„Red)t, es dem Cburfürften ?u febicken ; man kann ja 
„nid)t wiffen, was für Veränderungen vorfallen, die 
„Jbnen bei dieler Gelegenheit, wenn's eine Vacatur 
„gibt, nüt?licb werden können. Sie verfteben mid) 
„und werden glauben, daf? ich mit Hufricbtigkeit etc." 
cHas denken Sie da?u, befter Rr. Profeffor! Scheint 
Jhnen nicht daraus fiebtbar ju werden, daf? Rr. Direktor 
Retfcb glaubt, id) warte mit Verlangen auf feinen Cod? 
6s ift Icbrecklicb, welch trübe Jdeen fieb diefer fflenfcb 
ohne Qrfacbe macht. Jcb wünfebte von Rer?en, er 
wäre gefund, und nod) mehr wünfdit' ich dif? für fein 
per?, als für feinen Körper. 

empfehlen Sie mich auf's Befte Jbrer liebften 
frau Gemahlin und Rrn. Reinrieb Rapp fammt feiner 
familie, und wenn Sie mir wieder lebreiben, fo bitten 
Sie auch bei Rrn. Fjeinricb Rapp um ein paar (Horte 
für mich, denn ich Jcbätje und liebe diefen fflann febr, 
und wünfebe deswegen ihn felbft wieder einmal mit 
mir reden ?u hören. 

Ceben Sie bunderttaulendmal wohl! 

Von Koch viele Gmpfeblungen ! 

6wig Jbr 

dankbarer Schüler und freund 
Schick. 



') 6ottlob öeorg Barth (1777—1848), Hrcbitcht; Jpäterer 
erbauer der Kuntttd)ule. 



') Oemldoff. 



Anhang 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



111 



190*] Schick an Dannecker. 

(nacfilal) H, vgl. I^aahb, Beiträge S. 180 II.) 

Rom den 26. Julius 1805. 
Jbr liebes Briefeben babe ich dureb meinen 
Schwager richtig erbalten. Scbade nur, daf? es fo gar 
klein war! Jcb war damit ?u 6nde, ehe ich reebt an- 
fieng ?u lefen. 6in andermal bitte icb Sie, fich feftcr 
an den Cifd) ?u pllanjen, wenn Sie mir febreiben, 
mir recht viel ?u Jagen. Sie werden mir darauf ant- 
worten : ich weif? nichts Heues, und es gebt bei uns 
Hlles den alten 6ang. Ciebfter Rerr profeffor! fo 
lagen Sie mir das Hlte! Sie werden es doch mit 
einer neuen Hrt fagen — es ift mir Hlles merkwürdig, 
was Sie mir auch febreiben, wenn es nur aus Jbrem 
flßuiide oder vielmehr aus Jbrem Rcr?en kommt. Jcb 
bin hier an freundfebaft fo arm, fo verlaffen, daf? ich 
trübe Cage lebe. Bekannte babe icb die Menge und 
mehr als ?u viel; fie geben mir alle feböne CQorte 
und verfolgen mich heimlich mit Deid, und das be- 
fonders meine wertben Candsleute. 

ffiein Gemälde babe ich auf das Zureden flßebrerer 
im Pantheon ausgeftellt, und es erhielt von fran?ofen, 
Jtalienern und Gngländern allgemeinen Beifall; nur 
die Deutfchen tbeilten fieb in ?wei Partbeien, die eine 
für, die andere wider das ßemälde. Die Partbei für 
das 6emälde fcblicfjt fieb nun fefter an mich, ehrt mich 
und fuebt meinen Ratb; die andere hingegen fud)t 
mich überall ?u vermeiden. 6s entftanden die gröfjten 
Bändel unter den Partbeien, weil die eine das Ge- 
mälde bis in den Rimmcl erhob und jum erften Pro- 
dukt neuerer Kunft machte, die andere es hingegen 
unter das flßittelmäf?ige berunterfctjte. Beide geben 
?u weit in ihrer flßeinung; denn ich bin überjeugt, 
daf? es weder fo gut, wie es die 6inen, noch fo 
fcblecbt i(t, wie es die Hndern madwi wollen. Die 
erften Künftler jedoch von franjofen, Jtalienern und 
Deutfchen haben mich mit Cobeserbebungen über- 
febüttet und fagen alle aus einem fflunde, daf} das 
6emälde eines der erften neuerer Zeit wäre, Ratte ich 
ein heiteres 6emüth, fo könnte ich recht vergnügt und 
mit mir felbft jufrieden feyn. Hber hier fehlt es! 
Ratte ich ehemals denken können, daf? ich einmal für 
einen der erften Künftler geachtet und geehrt werden 
würde, icb wäre ?um Voraus bochmütbig gewefen und 
hätte mir durch diefes Hnfeben, diefe Hcbtung ein 
glückliches Ceben geträumt — und je?t, da icb es bin 
— was babe ich? Bin ich glücklich? Jcb febe, ein 
Karrenfübrer, ein Caglöbner ift es mehr als ich. 

Sie mad)en mir den Vorfd)üg, befter Rerr Pro- 



felfor! mein Gemälde an Rrn. Direktor Retfcb ?u 
adreffiren und diefen gan? dafür Jörgen ?u laffen, daf? 
er es auf eine vorteilhafte Hrt dem Cburfürften dar- 
ftelle. Sie ratben mir noch, einen preis ?u machen, 
für welchen icb daffelbe dem Cburfürften überlaffen 
wollte; Sie fagen mir aber nicht, was ich mit dem 
Bilde tbun folle, im fall es der Cburfürft nicht um 
den angelegten preis haben will. Klas foll nad)ber 
das Bild in Stuttgardt? auf einen Reuboden geftellt 
werden, nach und nach von den ffiäufen jernagt? 
Rier ratben mir Rumboldt's, das Bild hier ?u laffen 
und abzuwarten, bis fieb ein Ciebbaber da?u fände. 
Sie glauben gewif? ?u feyn, daf? ich es in weniger als 
einem Jahre um den Preis von 200 Couisd'ors ver- 
kaufen werde. Jnjwifchen hätte icb doch auch etwas 
von meiner Hrbeit auf?uweifen. Jm fall, daf? ich in- 
jwifchen Geld nöthig hätte, wollten fie mir mit Ver- 
gnügen an die Rand geben. Diefer Vorfcblag machte 
mich nun febwankend. Gern möchte ich mein Bild 
recht gut verkaufen, und doch auch wieder gern mir 
in meinem Vaterland durch tfeberfebickung diefes Bil- 
des Damen und 6bre erwerben. Cflas foll ich nun 
tbun ? ücberlaffe ich es dem Cburfürften, was mir 
diefer dafür geben will, fo könnte das, was er mir 
mit feinem guten Cöillen gibt, fo wenig feyn, daf? icb 
mich febämen müfjte, es anzunehmen. Jcb weif?, daf? 
der Cburfürft von einem biefigen Hbbate, der immer 
mit ibm in Correfponden? ftebt, jweimal vorteilhaft 
von dem Gemälde benachrichtigt wurde, daf? diefer 
Hbbate ibn von der guten Hufnabme, die das Ge- 
mälde im Pantheon gefunden, benachrichtigt bat. 

Raben Sie die 6üte, befter Rerr Profeffor, mir 
darüber Jbre Gedanken (aber weitläufig) mit?u- 
tbeilen. Denn die Sache ift mir fehr wichtig. Diefes 
entfebeidet nicht mehr und nicht weniger bei mir, als 
das ob ich einmal wieder nach Stuttg. ?urückkebren 
werde oder nicht! Schicke ich mein Gemälde nicht nach 
Stuttg., fondern verkaufe es gut hier, fo lebe und 
fterbe ich in Rom. 6ebt es nach Stuttg. und wird 
dafelbft vom Cburfürften gut aufgenommen, fo werde 
ich Sie und mein Vaterland wiederfeben. Dem Rrn. 
Direktor Retfcb will ich auch darüber febreiben und ibn 
um feinen Ratb bitten, ffiit dem Sd)icken bat es ja 
keine folebe 6ile — und es ift beffer, ?um Voraus ju 
überlegen. Dur tbut es mir leid, daf? ich nicht Jhr 
Qrtbeil darüber hören kann ; ich habe fo oft während 
des flßablens an Sie gedacht, und wenn mir ein Cbeil 
wohl geraten, mich gefreut, daf? auch Sie vielleid)t 
damit ?ufrieden feyn werden, ödie wäre es wohl, wenn 



112 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



ich fcbriftlid), und ¥>r. Direktor petfeb mündlich den 
Cburfürften fragte: ob er das Gemälde haben wollte? 
Verleiben Sie, liebfter I)r. Profeitor! daß ich fo un- 
endlich lange von meinen Hngelegenbeiten herunter 
febwatje, als ob diß 6in?ige nur wichtig in der Kielt 
wäre. (Hein großes Zutrauen ?u Jhnen macht, daß 
ich keinen Gedanken haben möchte, ohne ihn Jhnen 
mitjutbeilen. — fflQit meinen Eiebeleien gebt es den 
alten Gang; ich kann vor Verliebtfeyn kaum aus den 
Hugen feben. Klenn ich Jhnen erft vollends alle 6e- 
febiebten erzählen wollte, die ich mit meinem Mädchen 
gehabt habe, und noch habe, fo würde diefer Brief 
kein 6nde finden. 

Jcb freue mich febr, daß Sie nun daran kommen, 
Jbre Hriadne in ffiarmor ?u arbeiten. Hucb die Büfte 
von Schiller ift ein fchönes Gefcbäfte, was Jbnen auch, 
da diefer Dichter geftorben, ein 6utes eintragen wird, 
ffleine Schwefter febreibt mir: daß Jbre Büfte von 
Cavater in der Züricher Zeitung febr gelobt worden 
wäre. Hlles gute naebriebten ! Sie find ein glücklicher 
flßann — Sie find jufrieden, haben auch Jhr fchönes 
Ginkommen, ein herrliches Cöeib, begliche freunde. 
Jcb treibe in der Jrre herum, und das einjige 6ut, 
worum ich den I)immel bitte, ift, daß er mir nur ein 
ruhigeres 6emütb febenken möchte. Ceben Sie wohl, 
befter ßerr profeffor! 

6wig Jbr dankbarer Schüler und freund 
Schi ck. 

Jcb habe injwifchen jwei Porträts gemahlt und 
12 £ouisd'ors dafür erbalten. — I)r. v. üexküll bat 
in einer Kifte mit Kupferfticben eine ffiablerei und eine 
Zeichnung für Cotta mitgepackt. Jcb wünfebte febr, 
daß Sie das Bildeben fäben ; denn ich glaube, daß es 
mir gut geratben ift. Jcb habe es fleißig in bunten 
färben ausgemablt, um den guten Cotta für fein langes 
Klarten ju entfebädigen. 6ine andere Zeichnung nach 
meinem großen Gemälde von Doabs Opfer habe ich 
für ihn angefangen, damit das Bild wenigftens doch 
in Deutfcbland bekannt wird. 6ine Candfcbaft habe 
ich auch untermablt, und fchon eine Skij?e ju einem 
neuen Bild gemacht. Ceben Sie nocbmal wohl, liebfter 
befter Fjerr profeffor, und fchreiben Sie mir doch ja 
recht bald! 

Huf meinem Gemälde befinden fieb nebft Gott 
Vater, den Gngeln, ffienfeben und Beftien 98 figuren, 
Jage 98. 

I)aben Sie die Güte mich Jbrer frau Gemahlin 
viele 100 ooomal ju empfelen, und Sie ?u bitten, mir 



auch wieder mit Gelegenheit ein paar Bucbftaben ju 
fchreiben. 

Sie fagen mir in Jbrem letjten Briefe nicht, ob 
Jbr I)r. Schwager (dem ich mich beftens empfehle) die 
Candfcbafft von Koch haben will, oder nicht? 



191*] Schick an Dannecker. 

(Da*la6 H, vgl. I)aakb, Beiträge S. 186 ff.) 

Rom den 7. September 1805. 
6rft vor einer Stunde habe ich Jbre fämmtlicben 
Briefe erbalten und fie bis diefen Hugenblick gelefen 
und wieder gelefen. Hus Jbrem lieben Briefe leuchtet 
eine große Seelenbeiterkeit, die ich leider beinahe immer 
vermiffe. fflit Salomo möchte ich immer ausrufen: 
es ift alles eitel! Das Briefeben von Jbrer lieben 
frau und das von f)rn. ^einrieb haben mich unend- 
lich gefreut. Jcb möchte gar gern gleich darauf ant- 
worten ; aber es bleibt mir für jetjt nicht Zeit genug 
daju. Bei Gelegenheit der Hbreife von Kupferftecber 
Duttenbofer (die in ein paar Cagen erfolgen wird) 
werde ich diefem die Hntwort auf die lieben Briefe 
mitgeben. Ciebfter I)err Profeffor! Jbr freundfebaft- 
licher Brief bat mich auf's Deue wieder fo an Sie ge- 
kettet, daß ich in diefem Hugenblick einen Gntfcbluß 
gefaßt, der eigentlich Jbrem guten Rat engegenläuft. 
Jcb will mein 6emälde hinausfebicken, ohne dem Chur- 
fürften einen Preis ?u machen, und ruhig erwarten, 
was erfolgt. Giebt er mir nichts, fo febändet er fich 
felbft und kann ich fagen : ich habe dem Cburfürften 
von Klirtemberg ein präfent damit gemacht. Jcb habe 
die Beruhigung in mir, Hlles verflicht ?u haben, und 
ein großes Opfer meiner Ciebe juin Vaterlande gebracht 
ju haben, ffiacb ich dem Cburfürften vorher einen 
preis, und er will es um diefen nicht annehmen , fo 
muß ich mich vor mir felbft febämen. 

I)r. Direktor I)etfcb, von dem ich vor acht Cagen 
einen Brisf erbalten habe, ratbet mir, das Bild gleich 
nach Stuttgardt ju fchicken, und glaubt gewiß ju feyn, 
daß es gut aufgenommen werde. Doch ein Beweg- 
grund. Klenn ich beim Cburfürften erft anfrage, ob 
er um den gefetjten preis das Bild haben wollte oder 
nicht, fo wird es mit feiner Hntwort (und wenn fie 
auch bejahend ift) doch immer eine Kleile anfteben, 
wo ich fodann erft gegen den ttlinter, wo die fahrt 
fo langweilig und oft gefährlich ift, das Bild fchicken 
könnte. Jcb könnte noch einige Gründe anführen, 
wovon diefer nicht der geringfte ift: daß ich nebmlicb 
kaum erwarten kann, bis Sie das Bild geleben haben, 



Anhang 



VI. Briefwechfel mit Künftlern. 



1J3 



um Jbr ürtbeil darüber ju vernehmen. üebrigens 
bore ich nun auf, darüber weiter ju fprechen ; denn 
die Sache wird mir am 6nde felbft langweilig. — Huch 
hier babe ich noch ffiübe mit meinem Gemälde. Der 
Verfaller des biefigen Kunft- Journals will eine Kritik 
meines Bildes in feine Zeitfcbrift fetjen , und ich foll 
es ihm deswegen weitläufig befebreiben, um nachher 
feine Kritik beifügen ju können. Difj koftet mich auch 
etwas fl2übe, denn obgleich ich das Jtalienifcbe jiem- 
licb geläufig fpreebe, fo ift es doch fchwer, in diefer 
Sprache ju fchreiben, befonders wenn das Gefcbriebene 
gedruckt werden foll. 

6s freut mich febr, dafj der 6rbprinj von Mecklen- 
burg-Schwerin Jbre Hriadne gekauft bat. Jch habe 
diefen prinjen hier einigemal in Gefellfcbaft gefeben ; 
doch kenne ich ihn nicht, wie den 6rbprin?en von 
fflecklenburg-Strelitj, den ich auch gemahlt babe. Die 
Hrbeit Jbrer figur jum Grabmal des Grafen Zeppelin 
wird Jbticn wohl manchmal auch Cangeweile machen! 
CQenn ich doch nur einmal die Uacbricbt von Jbnen 
erhielte : dafj Sie Jbre Gruppe von Hmor und plycbe 
ju modelliren angefangen hätten, denn difj wäre ein 
CQerk, Jbres Hamens würdig. 

Bildbauer Cieck ift mit feinem Bruder Cudwig, 
dem Dichter, hier angekommen, und ihr Rierfeyn macht 
mir viele freude. Huch eine Scbwefter ift bei ihnen. 
Sie find alle drei jufammen recht geiftreiebe Ceute, in 
deren 6efelljchaft ich mit Vergnügen manchen Hbend 
verfebwatje. Rr. Geheime Ratb von öexhüll wird 
diefer Cage von hier abreifen, und verfpriebt uns Hllen 
wiederjukommen. Jch mufj lachen , dafj diefer fflann 
wie ein flßufterkarten-Reiter fo jährlich jweimal nach 
Rom jagt, keine Rübe in Stuttg. bat, bis er nach 
Rom kommt, keine Ruhe in Rom, bis er den deutfeben 
Boden wieder erreicht bat, überall eine beffere Cxiftenj 
fuebt und fie nirgends findet. Sie, liebfter Rerr pro- 
feffor! könnten mit Jbrer Zufriedenheit und Heiterkeit 
unter allen Begegniffen des Cebens Vielen jum fflufter 
dienen. Sie werden immer heiter feyn, welche Sonne 
Sie auch von Hufjen befcheint — Jbre Seele wird fich 
immer in derfelben Htmofpbäre befinden. Vielleicht, 
wenn ich neben Jbnen lebte, würden Sie mich mit 
Jbrem glücklichen Rumor anftecken. ttlenn ich mit 
Jbnen unter fpafjbaften Gefprächen auf den Kablenftein 
geben könnte, mit Jbnen in Jbr Htelier, der Kunft 
das Band ein wenig lockerer knüpfte, vielleicht würde 
ich auf diefe Hrt felbft noch luftig. Rier nehme ich 
mein weiteres fortfebreiten in der Kunft fo fchwer, 
bin fo verfeffen darauf, immer und immer weiter darin 



fortjugeben, dafj mir vor den Ciefen der Kunft manch- 
mal der Kopf fcbwindlich wird, und ich nicht mehr 
weif?, auf welchem fleck ich ftebe. Sie geben das 
febwachen Derven fcbuld, was Ciebe jur Kunft, auch 
ebrgeij bei mir tbut. J<h — ich — verflucht! ich 
weik nicht mehr, was ich fchreiben wollte — immer 
unjeitige Vifiten, die mich in der Unterhaltung mit 
Jbnen ftören, auch babe ich den Ceib fo voll, da ich 
ju einem grofjcn Gaftmabl geladen war, dafj ich ganj 
fchwerfällig davon bin, und keinen Zulammenbang in 
diefen Brief bringen kann. Vcrjeiben Sie mir des- 
wegen! 

fflit meiner Ciebfcbaft ftebe ich noch auf dem 
alten fleck. Jch kann Sie verfiebern , dafj mich diefe 
Ciebe nicht einmal glücklich, aber immer unglüchlidi 
macht. Jch febe, dafj man nicht jwei Gottheiten hul- 
digen kann, entweder mufj die Kunft der Ciebe piatj 
machen oder die Ciebe der Kunft, und da ich mich in 
diefen beiden nicht in gewöhnlichem fflafje halten kann, 
fo mufj immer die eine durch die andere leiden. — 
Heb, wie Vieles möchte ich darüber mit Jbnen reden ; 
aber fchreiben kann ich es nicht. — Jch habe jwar 
freunde an den beiden Cieck's; aber meine Stuttgardter 
freunde find mir doch mehr. Huch von Kunft und 
Kunftfacben plauderte ich fo gern mit Jbnen und Jbrem 
Rerrn Schwager; die febönften Stunden find mir unter 
Jbnen beiden ju Cbeil geworden. 

Rier lebe ich mehr in der geräufchvollen Hielt, 
bin für meinen einfachen Charakter nur ju febr be- 
kannt und gefuebt, finde wenig Minuten, um mit mir 
felbft allein ju feyn. Grofje Gönner, Vertbeidiger, 
grofje Raffer, fieider — beide plagen mich; ich möchte 
mich ihnen beiden entjieben. Rabe ich einmal mein 
ordentliches Huskommen, fo kaufe ich mir ein Cand- 
bäuseben und lebe darin nur mir und ein paar freun- 
den — alles üebrige ift, wie ich wobl febe, vom üebel. 
Ceben Sie wobl, befter Rerr Profeffor! 

6wig Jbr dankbarer Schüler und freund 

S d) i ck. 

Dächten pofttag febreibe ich meinen Ceuten. Raben 
Sie die Güte, ihnen das ju fagen. 

empfehlen Sie mich Jbrer frau Gemahlin und 
Jbrem Schwager. 

192] Schick an frau Dannecher. 

(I^aahb, Beiträge S. 191 (.) 

Rom vom 12. September 180g. 
Die Hbreife Rrn. Duttenbofers bietet mir Ge- 
legenheit, Jbnen, meine verebrungswürdigfte frau Pro- 

15 



114 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



feflorin, Jbren wcrtben Brief ju beantworten. 6s bat 
mich unendlich gefreut, ju feben, daf? ich nocb in 
gutem Hndenkcn bei Jbnen ftebe, und noch mehr, 
daf? Sie mich unter Jbre guten freunde reebnen, CQie 
vergnügt würde icb niebt feyn, wenn ich einmal die 
volle Oeberjeugung bätte, unter Jbnen und in Jbrem 
lieben Zirbel meine Cage ?u verleben, da febon das 
Hndenken an Jbr Raus und die dafelbft genoffenen 
freuden mich auf Hugenblicke glüchlicb machen bann. 
Hbcr bieju habe ich noch wenig Husficbten. Göas 
fragt man in der jetjigen profaifchen Zeit nach Künft- 
lern ! Sie find fo viel wertb, wie frifeure, wenn man 
beine Perücken mehr trägt! Vollends im Krieg (der 
uns auch wirklich droht) find fie ganj unnütje Ceute. 
Gbemals fcbätjten es fich f ürften jur 6bre, gute Künft- 
ler an ihrem pof ju haben ; fie prangten damit. Jetjt 
muß der Künftler (und befonders der verdienftvolle) 
dreimal an ihrer Cbüre klopfen, bis er eingelaffen 
wird, und da muß er noch froh feyn, wenn ihm nicht 
mittelmäßige Künftler, die aber defto mehr Calent jur 
Jntrigue befitjen, noch den Stieg verfperren. 

Daf? ich mein Gemälde ohne Gdoitercs dem Chur- 
fürften febicken will, haben Sie febon von Jbrem Rerrn 
6emahl erfahren. Daß auch Jbnen der heitere 6eift 
fehlt, der mich febon fo lange verlaffcn, thut mir febr 
leid — ich möchte Sie tröften, aufrichten ; aber wie 
kann ich das, da ich mich in demfelben Zuftand be- 
finde. CQir feben beide durch diefelbe trübe Brille ; 
es mufj ein Dritter kommen, der uns belehre, auf 
welche Cöeife wir die Gegenftände außer uns rein }u 
betrachten haben. Doch bin ich jetjt ein wenig froher. 
Cudwig Cieck, der Dichter, der mit feinem Bruder, 
dem Bildhauer, und einer Schwefter bieher gekommen 
ilt, machen mir manche vergnügte Stunde. Hußer 
dielen halten fich wirklich noch einige andere fremde 
hier auf, die ich wohl leiden mag, und die mich 
manchmal einem trübfeligen 6edanken entreißen. 

Sie berühren in Jbrem lieben Briefe meine 
Rerjensangelegenbeiten, und darauf mufj ich wohl ant- 
worten. Jcb gebe nicht vor- und nicht rückwärts in 
meiner Ciebe, wie fie überhaupt nicht junebmen, fon- 
dern nur abnehmen kann. Klenn ich eine fiebere Cage 
vor mir fäbe, fo wüßte ich wohl, was ich tbäte, aber 
fol — Der Rimmel möge mir glücklieb binausbclfen; 
ich für mich febe noch kein 6nde ab. Jcb wollt', ich 
könnte aus dem Cetbe trinken! — — — Bis den 
8. nächften Monats werden es drei Jabre, daß ich in 
Rom bin. Drei und ein halb Jahr dachte ich bei 
meiner Hbreife außen ju bleiben. 6s febeint mir aber, 



daß wohl mehr Zeit verftreieben wird, bis ich nach 
Raufe komme. — — — CQenn Sie eine übrige 
Stunde haben, fo machen Sie mir das Vergnügen, 
mir wieder ein paar Klorte ju febreiben ; es tbut mir 
gar wohl, mir meine guten freunde in ihren Briefen 
fo vergegenwärtigen ju können. Ceben Sie wohl! 
Jbr ergebender Diener und freund 

Schi ck. 

193*] Schick an Dannecker. 

(B.ad)laf} H, x>gl. I)aahb, Betträge S. 230 ff.) 

Rom den 1. Januar 1808. 

Viele Briefe habe ich Jbnen febon in Gedanken 
gefebrieben, aber die werden mir leider nicht beant- 
wortet, und fo muß ich meine träge Rand jwingen, 
einiges von dem niederjufebreiben, was icb (wenn fich 
mir Jbr liebes Bild fo deutlich vor die Seele (teilt) 
Jbnen mittbeilen und Jagen möchte. Reute, als am 
Deujabrstage, wo Jeder dem Hndern, dem er in der 
Straße begegnet, 6lück und Segen wünfeht, nehme ich 
jugleich Gelegenheit, Jbnen, der ich Sie wie meinen 
Bruder und Vater liebe, alle fülle des Glücks und 
Segens ?u wünfeben, deren ein langes, von Sorgen 
ununterbrochenes Ceben nur immer tbeilbaftig wer- 
den kann. 

Seit ich Jbnen das letjtemal gefebrieben, bat fich 
meine Cage febr verändert. Jcb bin feitdem Gbegatte 
und auch Vater geworden, und ich lebe im Gbeftand 
febr glücklieb. Diß klingt jwar febr ordinär ; ich Tollte 
fagen, mein liebes Kleib febafft mir das Paradies auf 
Grden, aber das klingt auch febr ordinär, und fo will 
icb lieber ganj davon febweigen. 

Cüie febr bätte ich gewünfebt, ein Qrtbeil über 
mein Gemälde von Jbnen ju boren! 6s war diß 
eine Orfacbe weiter, warum ich das Gemälde (das 
Opfer des Doab) nach Stuttgardt febickte, um Jbnen 
Rechenfchaft über mein Verbalten in derKunft ju geben. 
Ohne Jbr Ortbeil komme ich mir vor wie ein unbe- 
gnadigter Sünder. Cflenn Sie mir febreiben, und da- 
rum bitte ich Sie febr, fo fagen Sie mir noch etwas 
darüber! Jcb fürchte, Sie werden fagen, daß meine 
fortfehritte vom erften jum jweiten Gemälde nicht 
groß genug feyen, oder gar, daß icb gar keine gemacht, 
und dafür ift mir bange. Den Croft habe ich jedoch, 
daß das 6emälde, an dem ich wirklieb mahle, nach 
dem Zeugniß aller Künftler bei weitem das befte ift, 
was ich je gemacht habe. GCIie viele bunderttaufend- 
mal wünfebte ich Sie dabei an meine Seite, um Sie 
bei der Husfübrung des Bildes über vielerlei Dinge 



Anhang 



VI. Briefwecbfcl mit Künftlern. 



»5 



ju befragen. Der 6egenftand i|t Hpoll unter den 
Rirten. Jcb bin gewifj, dafj Jbnen die Zufammen- 
itcllung gefallen würde; es ift weit inniger, berjlicber, 
als von Hllem, was ich vorher gemablt habe. 

Kommen Sie doch einmal nach Rom, damit ich 
Sie wieder febe! Rom ift fo febön ! ¥>x. Direktor 
Retfcb war febon dreimal hier; geben Sie doch wenig- 
ftens jweimal bieber! Jcb möcbte gar ju gern die 
fflufeen, worin eine Menge neu ausgegrabener Klerke 
ausgeftellt find, wie auch die Cogen, Stanjen, die 
Sixtinifcbc Capelle, die Coloffe auf Monte Cavallo und 
alle die febönen Hltertbümer in und um Rom mit 
Jbnen feben. Daf} ich hinaus komme, ift nicht wabr- 
fcbeinlicb — wer will etwas von mir? — Zwar will 
mich in Rom auch faft niemand; man lobt und ehrt 
mich meiner Kunlt wegen, aber aufjer wenigen Por- 
träts, die ich hie und da ju mahlen bekomme, habe 
ich weiter keine Beftellungen, fo dafj mich Dabrungs- 
forgen manchmal drücken, und mir anfängt für die 
Zukunft bange ju werden. Doch lebe ich wenigftens 
hier unter einem febönen Bimmel (ein Beweis, daf? 
ich Jbnen dielen Brief in der Villa ffledici fchreibe, 
unter freiem I)immel, wo mir die Sonne nur ju warm 
auf den Rücken febeint). 

Madame Brun, die fich wirklieb hier befindet, 
bat mir viel von Jbnen und Jbren Werken, befonders 
von Jbrer Hriadne erjäblt; fie ift febr von Jbnen 
eingenommen. Hucb T)r. v. Gexküll fagte mir viel 
Sdiönes von jenem Cöerke während feines letjten 
Hufentbalts hier, fo dafj ich mich kaum vor üeugierde, 
es |U {eben, ju laffen weifj. Vor einigen Qlocben 
hörte ich von einem bayerifeben Künftler, und in dem 
legten Brief von Raus nun auch von meinem Bruder, 
daf| Sie einen Ruf nach Bayern bekommen hätten. 
Difj würde mich außerordentlich freuen, denn ich war 
immer ein wenig böfe, dafj Sie, mit Jbrem Verdienft, 
fo unerkannt, fo fcblecht befoldet, in einer fo kunft- 
lofen Stadt wie Stuttg. leben follen. Der König mit 
feinem ganjen Cande ift nicht wert, Sie ju befitjen. 
Bayern, febeint es, bemüht fich febr, fflenfeben, die 
fieb in Kunft oder (Hiffenfchaft befonders auszeichnen, 
nach München ju jieben. Hufjerdem tbut es auch febr 
viel für angebende Künftler. Hlle die bayerifeben 
Künftler, die fieb hier befinden, haben, außerdem dafj 
fie gut penfioniert find, noch Beftellungen bekommen, 
die ihnen extra bejablt werden. Jcb würde mich glück- 
lich febätjen, wenn ich ftatt in Stuttg. in München 
geboren worden wäre; denn ich kann doch, ohne un- 
befcheiden ju feyn, tagen, dafj unter all den Bayern, 



die hier ftudieren, keiner ift, der fich in Rinficbt der 
Ktmft mit mir meffen könnte, fo dafj ich alfo mehr, 
als ein Hnderer, unterftütjt ju werden verdiente. cHenn 
es wirklieb wahr ift, dafj Sie nach München berufen 
find , und Sie (wie ich nicht jweifle) diefen Ruf 
annehmen, fo bitte ich Sie, in Jbrem 6lück, wie 
Sie bisher, wie ein Vater, gethan haben, meiner ju 
gedenken, und, gibt es Gelegenheit, von mir ju fpre- 
cben. Jcb bin jwar überjeugt, dafj Sie das ohne meine 
Bitte tbun, aber mich freut es, Sie darum ju bitten, 
es ift mir ordentlich dabei ju fflutbe, als gäbe ich 
Jbnen 6twas, indem ich Sie um etwas bitte, frei- 
lich habe id) Jbnen bis diefen Hugenblick noch nichts 
geben können, als meine Eiebe und Dankbarkeit; aber 
ich fcbmeicble mir, dafj Sie diefe Ciebe auch als eine 
kleine Gabe betrachten. 

Jcb adreffire diefen Brief nicht an Sie, aus furcht, 
Sie könnten gar febon abgereist feyn, fondern will ihn 
in einen Brief an meinen Schwager einfcbliefjen. Meine 
emilie läfjt fich Jbnen und Jbrer frau 6emablin 
taufendmal als unbekannt empfehlen. Hucb ich emp- 
fehle mich dem Hndenken Jbrer frau 6emablin auf's 
Befte, wie auch Jbrem F)rn. Schwager Rapp. Jmmer 
und ewig 

Jbr dankbarer Schüler Schick. 

Sie antworten mir doch bald, nicht wahr, liebfter 
I)err Profeffor? 

194*] Schick an Dannecker. 

(D.ad)la6 H, vgl. Fjaahb, Beiträje S. 241 ff.) 

Rom den 23. Huguft 1808. 
Jbr Brief, hochgeehrterer Rerr profeffor, bat mir 
wahre f reude verurfacht, denn ich wurde dadurch Jbrer 
Cbeilnabme aufs neue verfiebert. CCIie leid tbut es 
mir, dafj ich den guten Ratb, den Sie mir darin gaben, 
nicht, wenigftens nicht fo bald befolgen kann. Mein 
gutes Kleibcben hatte das dnglück, dafj fie ihr Kind 
nicht felbft füllen konnte, fo dafj ich gejwungen war, 
eine Hmme ju nehmen. Jcb bin defjwegen an Rom 
fo lange angenagelt, bis das Kind entwöhnt werden 
kann. 6be das Kind ein Jahr alt ift, kann man es 
hier nicht wagen, dem Kinde die Mild) ju verfagen, 
denn gewöhnlich werden fie hier 18 bis 20 Monate 
mit der Bruft ernährt. Das frübefte alfo, wenn ich 
nach Stuttgart geben wollte, wäre bis aufs frübjabr. 
denn Sie alsdann noch der Meinung find, dafj ich 
mich in Stuttgart mit einer familie ernähren könnte, 
fo könnte es gar leicht feyn, dafj ich hier unverfebens 
mit Sack und Pack aufbräche und nach meiner Reimatb 



ii6 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



jöge. Jcb träume mir manchmal diele Reife, ich durch- 
hiebe die Städte von Jtalien und Deutjcbland und 
lange endlich in Stuttg. an , durchgehe die alten be- 
kannten 6affon, lebe meine Verwandten, und Sie lieber 
r)err profeffor! Diefer Craum wird mir dodi boffent- 
lidi einmal erfüllt werden, fflein liebes Kleibcben freut 
fieb febr auf Sie und Jbre f rau ßemahlin , denn ich 
habe ihr viel von Jbnen Beyden crjählt, — fie fragt 
mich oft: quando anderemo a Stuttgart? ich ant- 
worte ihr, wenn mein Gemälde fertig feyn wird! — 

CCtic ich gehört habe, ift Cdäcbter wirklieb in Stutt- 
gart. Sias macht er dort? r)at erwirklieb fllenfcben 
gefunden, die fein Verdienft ju achten im Stande find? 
Cüenn Sie ihn feben, fo empfehlen Sie mich ihm 
taufendmabl, und fagen Sie ihm, daß, ob ich mich 
gleich kaum feines Gefichts entfinnen kann und ihn 
alfo fo gut wie gar nicht kenne, ich immer große 
Hcbtung vor feinem Kunftgenius gehabt habe, daß 
feine Cderke von den wenigen gewefen wären, deren 
Befitj ich mir gewünfebt hätte, und dafj ich mich un- 
endlich freute, ihn felbft einmal näher kennen ju lernen. 

Vor ein paar fflonaten kamen ein paar Klürttem- 
berger aus Küen hier an, der eine ein Sobn des Kupfer- 
ftechers Prof. Eeybold, und der andere ein Sobn von 
Steinkopf. Cetjterer brachte mir ein kleines Briefchen 
von Jbnen mit, was mich, fo klein es war, doch fehr 
gefreut bat. Beide find recht artige Ceute, febr ftill 
und befebeiden. 

Sie machten mir in Jbrem letjten Brief eine glän- 
jende Befchreibung Jbres neugebauten Htelier; ich 
möchte es wohl feben, es muß das fchönfte in Guropa 
feyn. Die fflenge von Hbgüffen antiker Statuen und 
Büften, die Sie bei fieb aufgeftellt haben, mufj einen 
febr prächtigen Hnblick gewähren und Jbnen felbft noeb 
bei Jbrem Studium von großem Dutjen feyn. Cöie 
ich gehört habe, fo haben Sie für Bayern die Büfte 
von Schiller gemacht und arbeiten jetjt an dem fflonu- 
ment für Keppler. 6s freut mich, daß diefer große 
flßann noch von feinen nachkommen erkannt und von 
dielen mehr geachtet wird, als er es in feiner Zeit war, 
und daf? Sie, ein vaterländifcher großer Bildbauer, diefes 
fein Hndenken jugleich mit dem Jbrigen verewigen. 

r)ier in Rom befindet Heb auch ein großer Bild- 
bauer, ein Däne, Hamens Cborwaldfcn. Seine letjte 
Hrbeit, ein fflars, ift von großer Schönheit, ein ölunder 
der jetzigen Zeit. 6r arbeitet wirklich an einem Hdonis, 
welcher nach der Hnlage auch febr febön werden kann. 
Canova, von dem Sie wohl viel gehört haben werden 
machte eine ffienge Statuen ju fuß und ju Pferde; 



wenige find aber gut darunter, viele mittelmäßig, einige 
fogar fcblecht. Cborwaldfen übertrifft ihn in jeglicher 
ßinfiebt. Bayern bat beiden eine Statue beftellt, und 
ich denke, die Statue des Canova wird fcblecht neben 
der des Cborwaldfen befteben. 

empfehlen Sie mich taufendmabl Jbrer lieben 
f rau Gemahlin, wie auch Jbrem Schwager, r)errn r)ein- 
rieb Rapp, an welchen ich oft mit vieler Ciebe denke, 
auch P)errn von Qexküll, dem ich näcbfter Cage febreiben 
werde. Eeben Sie recht wohl! Denken Sie manchmal 
an mich, nur die r)älfte fo viel, als ich an Sie denke, 
und nehmen Sie die Verficberung der immerwährenden 
Hcbtung und Ciebe von 

Jbrem ergebenden Schüler und freund 
Schick. 

r)aben Sie einmal eine Stunde übrige Zeit, fo 
verwenden Sie fie daju, mir ein paar tröftltd« Klorte 
ju febreiben. 

195*] Schick an Dannecker. 

(ßadilal? H, vgl. ßaahb, Beiträge S. 250 ff.) 

Rom den 21. Januar 1800. 

ttlas würden Sie von mir denken, hochgeehrterer 
I)err Profeffor, wenn Sie den Brief, den ich einem 
Klürtembergifcben Candidaten (fein Dame ift mir ent- 
fallen) mitgegeben babe, noch nicht erbalten hätten ? 
Diefer fflßenjch wollte fieb auf feiner Rückreife nach 
Stuttgart in Genf einige Cage aufhalten, und dann 
verwichenen October in Stuttgart eintreffen. Jcb gab 
ihm jwei Briefe mit, einen an Sie und den andern 
an meinen Schwager, von welchem ich erfahren, daß 
er ihn nebft dem Candidaten noch nicht gefeben bat. 
Hucb febe ich nun aus Jbrem wertben Briefe, den mir 
r)err Ratb Keller von Jbnen mitgebracht bat, daß 
Sie meinen Brief durch offt-benannten Candidaten noch 
nicht erbalten haben. 

Jcb danke Jbnen für Jbren letjten Brief und 
freue mich, daß Sie fich mit Jbrer frau 6emablin wohl 
befinden, vergnügt leben und auch fo gerne arbeiten. 
Kürklicb febe ich auch wieder in Jbrem Brief jene heitere 
Seelenftimmung, an der ich fo oft mich erfreut, und um 
die ich Sie juweilen beneidet habe. Sie feben immer die 
liebte Seite, ich faft immer die belcbattete Seite des Cebens. 
Die in meinem Ceben hätte ich fo viel rjrfacbe gehabt, 
froh und vergnügt ju feyn als eben j et jt ; alle mög- 
liche Omftände vereinigen fieb, um mich ju erfreuen. 
Jcb bin fo jiemlicb gefund, mein liebes COeibcben ift 
es auch, mein kleiner Cbeodor ift fett und ftark, ich 



Anhang 



VI. Briefwccbfcl mit Kün(tUrn. 



»7 



ftebe in gutem Hnfeben unter den Ceuten, ich werde 
als einer der erften jetjt lebenden fflabler gerühmt; 
eine Husltellung von acht Bildern, die ich im Raule 
des bayrifeben Gcfandten gemacht habe, bat den gröfjten, 
ungeteilteren Beifall erbalten ; ich habe eine Cand- 
febaft, die ich mit ausgefeilt hatte, verkauft und be- 
kam jugleicb das Porträt eines polnifcben Grafen, 
ganje f igur, Cebensgröbc, ?u malen ; mein großes Bild, 
Hpollo unter den Rirten, wird wabrfcbcinlicb der Vice- 
König von Jtalien kaufen ; fo dafj ich Husficbten habe, 
mit meinen finanjen in gute Ordnung ju kommen — 
und doch bin ich nicht recht froh — bin wie ein 
fflenfeh nach einer febweren Krankheit, kaum dem 
Code entriffen, der noch keinen frohen Hntbeil am 
Ceben nehmen kann, weil er fchon einen Blick in das 
jenfeitige Ceben getban bat. 

Rerr Ratb Keller ift gerne in Rom ; ich bin oft 
mit ihm jufammen, er jeigt ein empfängliches Rer? 
für die Schönheiten der Kunft. Sias ich ihm an Ge- 
fälligkeiten erweifen kann, werde ich, fo viel es in 
meinen Kräften ftebt, nicht ermangeln laffen. Jcb war 
mit ihm in den Stanjen von Raphacl, und werde 
diefer Cage das Museum Clementinum mit ihm be- 
fueben. Jcb hätte gern viel von Jbnen mit ihm 
fpreeben wollen ; er wußte mir aber nicht viel Befcbeid 
ju geben, weil es, wie er fagt, wenig Zeit ift, daß er 
Sie kennt. Der Sekretair den er bey fich bat, ift ein 
kuriofes Cbier. 

Klie lange ich meinen Hufenthalt hier noch ver- 
längern werde, weif? ich noch nicht. Das Porträt, 
was ich nun malen foll, wird mir wenigftens jwei 
und einen halben flßonat Zeit wegnehmen; bernacb 
aber möchte ich wohl, wenn Sie glauben, daß ich 
nichts riskire, mit meinem Kleibcben und meinem 
Kleinen eine Reife ins Vaterland machen, denn fo 
gerne ich in Rom bin, fo reijt es mich doch unauf- 
hörlich, meinen Penaten wieder ju opfern. Jcb habe 
gebort, daß CQäcbter feinen Riob in Stuttgardt fertig 
gemalt bat; ich möchte das Bild wohl feben. einen 
Kupferfticb habe ich indeffen nach einer Zeichnung, in 
derfelben Größe gemacht, gefeben, der mir außerordentlich 
wohl gefallen hat. I)at der König das Bild nicht gekauft? 

Sie haben vielleicht das 6lück, an Schweickle 
einen Collegen ju bekommen ; diefer war bis jetjt bei 
der Hcademie von Deapel angeftellt. Der neue König 



Joachim, fetjte den 6ebalt einiger profefforen der Hca- 
demie auf die Rälfte herab, und diefes Scbickfal traf, 
wie ich gehört habe, auch den Schweickle. Diefer be- 
gehrte darauf feine Gntlaffung und fuebt nun am 
dürtembergifchen Rofe die Stelle und den Gebalt des 
verdorbenen Rerrn Profeffors Scbeffauer ju bekommen. 
Cöenn dieß wahr ift, und aus der Sache etwas würde, 
fo thätc es mir febr leid für Sie, denn diefer Schweickle 
ift ein häßlicher flüenfeh, der gewiß, wenn er Sie ihm 
vorgewogen fäbe, Sie mit Raß und Deid verfolgen würde. 

6s freut mich außerordentlich, daß fich Jbre frau 
6emablin meiner noch erinnert. Jch denke mit Ver- 
gnügen an die Zeit jurück, in der ich Jbr Porträt 
malte, und erinnere mich, wie ich mich mit der Rand 
plagte, die die Blumen hält, und wie ich in meiner 
freude krumme 6eficbter gefebnitten, die Jbre frau 
Gemahlin und mich felbft ju lachen machten, wenn 
mir das fflalen gelang. Hucb denke ich an die Hbende, 
die ich bei Rerrn Reinrieb Rapp und Jbnen beim 
Damenfpiel jubraebte, und an Jbr Scbinkeringing da- 
bei. Sie feben, ich habe nichts vergeffen, es fchwebt 
mir dick alles lebhaft vor der Seele, alles diefes, fo 
gering es ift, erhält bei mir durch feine Vergangenheit 
eine jauberifebe färbe, fo daß ich mich immer darnach 
jurückfebnen muß. <3s ift hier, wie mit den Grfcbei- 
nungen in der Datur. Gin Berg erfebeint uns in der 
ferne fo jauberifcb in feinem blauen Duft, wir rennen 
und laufen, bis wir ihn erreicht haben, und finden 
nur graue Raide, wildes Gefträucb und f elfenblöcke ; 
wir feben rückwärts, und der Ort, wober wir gekom- 
men, liegt jetjt in demfelben jauberifeben 6lan?e, als 
der Berg war, ju dem wir eilten. Klir feben nun 
auch vorwärts, und erblicken jetjt auch vor uns eine 
herrliche ferne, und fo wird unfer fuß keinen Augen- 
blick anfteben, entweder dabin ju geben, wober wir 
gekommen, oder die andere ferne ju fueben, die uns 
noch fremd ift. So ift Vergangenheit und Zukunft. 
Die Gegenwart ift die Raide, die ferne Vergangenheit 
und Zukunft; ihren Glanj verleibt ihnen die pban- 
tafie. Jcb lebe, das Papier ift ju 6nde. Ceben Sie 
taufendmal wohl! 

flßein Kleibcben läßt fich Jbrer frau Gemahlin 
vielmabl empfehlen. Von mir felbft viele 6mp- 
feblungen, auch an Rerrn Reinrieb Rapp und meine 
Verwandten. 



n8 



VI. Briefwecbfel mit Künftlcrn. 



Briefwecbfel mit Theodor <SClagtier» 



196*] Cdagner an Dannecker. 

(HacftlaS H.) 

Rom d. 14. fflai 1823. 

Verebrtefter Cebrer! 

Jn der vollen Überzeugung, dal? Sie diefelbe väter- 
licbe Sorgfalt und Ciebe die Sie ftets für mich hatten, 
mir auch ferner fo lange icb derfelben wertb bin , er- 
balten werden, wünfebto ich jebon feit einigen Cagen 
die pfliebt erfüllen ju können, Sie ju benachrichtigen, 
wie es mir hier gebt, aber immer war icb durch eine 
Sache, die fich erft geftern entfebied, davon abgebalten. 
Da nun aber jejt fo ziemlich alles ju meinem biefigen 
fortkommen Dötbige im Reinen ift, fo beeile ich mich 
3hnen fowobl meine 6edanken und 6cfüblc aufrichtig 
mitjutbeilen, als auch Jhnen über mein biefiges Ver- 
hältnis ju reden. 

fflein erfter Gang war ju I)r. Ceg. Ratb Kolle, 
der eben gerade nötbig ju arbeiten hatte u. mich auf 
den andern Cag befebied. Von da führte mich Zwerger 
ju Chorwaldfen (er führt für ibn das bekannte Bas- 
relief den Cag vorteilend in fflarmor aus). Kür trafen 
ibn unter dem Raufe an, er führte uns in feine Cdohn- 
jimmer, die jugleicb auch feine Htteliers find, erkundigte 
fich nach Jbrem Ktoblfeyn, fprach aber fonft wenig u. 
icb hoffte nicht viel Rülfe von ihm. ödir entfernten 
uns auch bald und befuebten vier Htteliers von ihm. 
Hnfangs febeint es unbegreiflich, wie der flßann foviel 
arbeiten kann ; wenn man dann freilich die Husführung 
unterfuebt, wenn man liebt wie viele Vorarbeiter und 
Schüler er hat, und hört dafj er fogar das Cdenigfte 
felbft modellirt, und faft nichts in ffiarmor ausführt, 
fo wird das Rätbfel gelöft. Hm meiften war ich auf 
feinen Cbriftus begierig. Die figur ift febr koloffal, 
meiner Hnficbt nach fchön geftellt u. fchön drappirt. 
Der Kopf konnte mir aber auch nach mehrmaligem 
Betrachten nicht gefallen. Die paare find dicht und 
wild, dichter als man He in der Datur finden kann, der 
Bart jiemlicb ftark, am wenigften aber gefielen mir die 
Hugen ; die Hugenlieder find febr grofj u. die Hugäpfel 
klein, es fiebt faft aus, als wenn fie ihm ausgeftochen 
wären. 6r ift, wie Jhnen eine Gngländerin fagte, 
mehr abfebreckend als anjiebend. Jcb fprach vielleicht 
das ürtbeil ju hart, berufe mich aber auf einen ümrifj, 
der bald mit einer Befcbreibung des I)r. D. Scborn im 
Kunftblatt erfebeinen wird, ich glaube dafj diefj fogar 



im Kleinen ju feben ift. Hucb diefen Cbriftus model- 
lirte Cenerani, einer feiner Schüler, er felbft half nur 
am 6nde noch hier und da nach. 

Viel beffer gefielen mir feine übrigen Statuen und 
Basreliefs, die Balten ausgenommen, die ju Dujenden 
berumfteben, von denen aber meiner flßeynung nad) 
keine mit der eines Paul, Benckendorff etc. verglichen 
werden kann. CKas mir befonders daran auffiel, ift 
dafj er die Hugäpfel eingräbt. 6r modellirt wirklieb 
ein febr febönes Pferd, woju er herrliche Modelle von 
dem Kunftreuter Debacb aus Klien hat, der fich wirk- 
lich mit feiner Cruppe u. 50 Pferden hier aufhält. 
Huffer Zwerger habe icb nur einen jungen deutfehen 
Bildhauer gefeben, der feine Sachen gut in fflarmor 
ausführt. Die Jtaliener, febeint mir, nehmen es nicht 
febr genau. Obgleich Cborwaldfens Carrarefer in fünf 
Cagen eine Büfte in Punkten fetjen, fo kann doch 
Zwerger nicht genug klagen, wie fchlecbt fie es machen, 
er behauptet, es fey kein einjiger hier, der fo genau 
arbeite, wie I). Baun u. Cauterbacb. 3&> kam auch 
in mehrere grofje Htteliers von Cborwaldfens vorma- 
ligen Schülern, j. B. Cenerani, Caunij, Byftröm, freund 
(der wirklich den Damen nicht umfonft bat, und fieb 
meiner febr annimmt). 6s febeint hier fflßode ju feyn 
coloffale ßruppen ju machen, die gröfte davon ift von 
einem Venejianer falji, ffiilo den der Cöwe jerreist, 
eine etwas kleinere aber belfere von einem Spanier 
Hlvarej. Hucb die Gruppe von Scbadow ift febr grofj 
aber nicht vollendet. Schadow's Hrbeiten find in Rom 
die vollendeten. Ob icb gleich Canovas Cöwen in 
der peterskirebe bewunderte, fo konnten mir doch 
wenige feiner übrigen Hrbeiten befonders wobl gefallen. 
Den erften Sonntag ging ich in die Peterskirche u. 
von da in den Vatican. Jm Vaticin wurde icb über- 
rafebt, denn es überftieg alle meine Grwartungen, diefer 
Reicbtbum von Kunftwerken machte mich ftaunen, u. 
hier fab ich recht deutlich ein, wie glücklich ich vor fo 
vielen meiner Candsleute bin, da oft und viel feyn ju 
können. So febr mich diefe Sachen anfpornten über 
das fflittelmäfjige womöglich hinausjugeben, fo un- 
geheuer fchwer fchien es mir auch hier, u. das machte 
mir ffiutb Hlles ju verfuchen, dafj ich den andern Cag 
jufällig in einige Htteliers geringerer Bildhauer kam. 

Die folgenden Cage fab ich einige alte Cempel u. 
fchöne Kirchen , ffiichael Hngelos ffiofes u. feinen 



Anhang 



VI. Briofwecbfel mit Künftlcrn. 



«9 



Cbriftus, der mir trotj dem fdiönen ffladwerk doch 
kein Cbriftus ju feyn Icbcint. Später gierig ich in die 
vier Jcbönften Villen, Hlbani, Borgbefe, pamfile u. 
poniatowsky. 

Den Genufj den in diefen febönen Gärten die 
[cbönen Husficbten, der herrliche 6erucb der Orangen 
und die febönen Blumen gewähren, wünfebte icb febon oft 
der lieben frau Rofrätbin, da man nicht leiebt Jemand 
findet, auf den feböne Dafür größeren 6indruck maebt. 

Dietricb's Bild fab icb den erften Cag meines 
Ricrfeyns, es ift febön gedadrt u. mit großer Ciebe 
ausgeführt, er wird es den näcbften flßonat abfebicken 
u. ich jweifle nicht, daß es des Königs u. Jbren Bey- 
fall erbalten wird. 

Knapp arbeitet an einem (Herke, das ermit6utten- 
fobn berausgiebt. 

Rr. Cinkb hatte mich vergangenen Sonntag ju 
ju einem Hbendeffen eingeladen, er gab es aus Vcran- 
laffung der Hbreife feines freundes, des R. von Brun- 
ftetten, dänifeber 6efandter, der auf ein Jahr Rom ver- 
lädt. 6s waren mehrere 6rafen u. Barone da, auch 
Cborwaldfen u. fein Schüler freund. 6s war in einem 
Httelier in dem Cinkb Hbgüffe von den Hegineten auf- 
geftellt bat. Hlles war mit 6uirlanden von Orangen 
u. Corbeerblättern umhängt u. herrliche Blumen dufteten 
auf dem Cifcbe. 

Die 6efellfchaft blieb bis 1 Uhr. Jcb begleitete 
Cborwaldfen bis an fein Raus, wo er mir die Rand 
gab u. Jagte, wenn icb in irgend 6twas anftebe, foll 
ich ju ihm kommen u. es offenherzig fagen. freund 
rietb mir ich foll Cborw. erfud->en die figur in feinem 
Httelier machen ju dürfen, er meinte es werde ihn 
freuen, freund fpracb ihm vorher davon u. erhielt die 
Hntwort, die ich wohl jum Voraus fab, wenn er platj 
hätte recht gern. Dun fand ich endlich geftern nach 
langem Suchen ein Studium , wie fie es hier nennen. 
6s ift gerade über von der CQohnung Cborwaldfens, 
er bat nur 6 Schritte ju mir ju gehen. 6r fagte mir 
auch geftern Hbend, es feye ihm recht, daß es fo nahe 
fey, er werde mich recht oft befudien. 6s ift freylid) 
jiemlicb klein u. 6twas feucht, was aber faft alle hier 
find, bat dafür den feltenen Vortbeil, daß es einen 
hölzernen Boden und einen Ofen bat. 6s liegt in der 
Via Sistina auf Trinitä di monte, gehört einem Hbate 
üggeri u. koftet monatlich 3 Scudi. Jcb werde es 
Hnfangs Juni beneben. Cborw. rietb mir mich vorher 
einige Zeit hier umjufeben, aus welchem 6vunde ich 
mir auch die 6rlaubnis einholte im Vatican u. Capitol 
ju jeiebnen. 



So viel ich gehört habe werden Zwerger und Ceeb 
die jwey anderen 6vangeliften nad) Cborwaldfens 
Shijjen ausführen, ich werde mir alle flQübe geben, 
wenigftens nicht jurückuibleiben. 

Jcb war jufällig in Cborw. Httelier als Graf 
Scboenborn kam, er (teilte mich dem Grafen als einen 
Schüler von Jbnen vor, er fragte mich ob Sie noch 
nicht an feinen Hlbrccbt Dürer gedadit hätten. Der 
6raf beftcllte bei einigen jungen Bildhauern Hrbeiten. 
Jn floren? war ich bey Bildbauer Bonelli der den 
Sarcopbag in die Kapelle macht, er wird jetjt damit 
fertig feyn. Jn Venedig traf ich jufällig auf dem 
St. Marcus piatjc die fräulein von Pobebein u. 
Hbends war idi in ihrem Raufe, fie gaben mir auf 
wenn ich Jbnen fchreibe fie ju grüfjen. Jcb glaube es 
wird mir hier trotj der grofjen Ritje bald gefallen. 
Cöienn Sie nod) einiges von meiner Reife etc. interef- 
firen follte, fo bitte ich Sie den Brief an meine eitern 
ju durcblefen. 

Rerrn Obriftbofmeifter von Seckendorff bitte ich 
mich bey vorkommender Gelegenheit untertbänigft ju 
empfehlen. 

Der frau Rofrätbin, für deren 6efundbeit id) Gott 
täglich bitte, wollen Sie mich berjlicb empfehlen wie 
auch Jhrem ganjen Raufe. Knapp u. Zwerger laffen 
fieb Jbnen empfehlen. 

Jcb fcbliefje mit der gewiffen Verficborung, dafj 
mich ßicbts jum Ondank gegen meinen König u. Sie 
verleiten wird. 

Jbr ergebender Schüler 
Cbeodor (Xfagner. 



197*] (flagner an Dannecker. 

(Radila); H.) 

Rom d. 2. jfun. 23. 

Verebrtefter Cebrer! 
Sie werden mir verjeyben, dafj ich Sie fd)on wie- 
der mit ein paar «Horten inkommodiere, aber die Ge- 
legenheit die fieb mir durch die baldige Hbreife des 
R. flßaj. Scbwarj darbietet, veranlaßt mich, das eben 
von Hmsler vollendete Bildnifj Cborwaldfens ju über- 
febicken, von dem ich mir dachte, dafj es Jbnen viel- 
leicht fowobl als Portrait als auch als Hrbeit des 
jungen Künftlers intereffant feyn könnte. Jcb bitte 
Sie, es als den fdwäcbften Beweis meiner Dankbarkeit 
anjufeben. Cborwaldfen bat meine Skijje gefeben u. 
mir feine Meinung auf folgende Hrt darüber mitge- 
tbeilt. Da die Rerren Hrchitekten gewöhnlich fo 



120 



VI. Briefwecbfel mit Künftlern. 



fcblecbte nifcben machen, und eine Difcbe fcbon an [id> 
etwas äufferft Kliderwärtiges für den Bildbauer feye, 
fo muffe man fieb gar nicht binden, u. mit der figur 
fo weit als möglich herausgeben. 6r glaube des- 
wegen, dak es gut wäre wenn ich auch mit meinen 
Bänden weiter herauskomme, daf? er das Buch, wel- 
ches auch in eine Rolle oder Cafel verwandelt werden 
könnte, natürlicher halte. Die Stellung gefiel ibm Jonft 
wohl, die Drapperie meint er, klebe ju viel, was lieh 
aber in der Datur finden werde, freilich liebt er, wie 
man an leinen Hpofteln lieht, von denen einige im 
flQodell vollendet find, die figur ziemlich mit 6ewand 
ju bedecken. Jcb glaube aber dak, diek bey den engen 
nifcben nicht angeben wird, die Drapperie fo ganz im 
Kircbenftyl ju bebandeln, u. bitte Sie daher mir durch 
meinen Vater Jbren gütbigen Rath darüber mitju- 
tbeilen. Jn meinem Httelier habe ich mich nun io 
eingerichtet, dak ich logleicb anfangen könnte, da aber 
nächlten Donnerltag das Blumenfeft in Cenjano 
[6enjano] ift, wo alle deutfeben Künftler binaus- 
Itrömen, fo habe auch ich eine Partbie dabin aus- 
gemacht mit 6uttenfobn, I)übfcb, Braun u. Zwerger. 
Klir werden uns zugleich in frascati, Hlbano u. palae- 
ftrina umjeben u. gegen Sonntag zurückkehren ; den 
andern Cag habe ich dann im Sinne die figur anzu- 
fangen. Seit meinem letzten Briefe fab ich 2 Pro- 
jeffionen, die eine am fronleichnamfefte bei der Peters- 
kirebe, die andere geftern Hbend auf dem Cateran. Die 
flßenge fflenfehen und ihr Creiben intereffirte mich mehr 
als die Projeffionen felbft. Jcb freue mich redit, end- 
lich an die Hrbeit ?u kommen, freilich werde ich fcbon 
Ziemlich fchwitjen, denn das Gras ift fcbon gelb und 
bald giebt es feigen. Jcb ftand im Vatican fcbon 
öfters vor den beyden Köpfen die Sie fo febr an- 
fprachen u. auf welche Hrt Sie Benkendorff u. feine 
frau ausführen, ich wäre fehr begierig wie weit Sie 
damit gekommen find u. überhaupt ju wiffen, wie es 
im Httelier gebt, ob I). Kauffmann angekommen ift, 
u. was 6egenbaur macht, vielleicht fchliekt letjerer ein- 
mal einem Brief von meinen 6ltern einen bey. 

Jndcm ich Jhnen u. der verehrten frau ßofrätbin 
die befte 6efundbeit wünfehe, empfehle ich mich Jhnen 
beyden auf das berjlicbfte 

und bleibe 
Jhr geborfamer u. dankbarer Schüler 
Cheodor SQagner. 
Jcb bitte Sie mir 
Hlle in Jbrem I)aufe 
beglich ?u grüfjen. 



198*] ödagner an Dannecher. 

(nadjlafi H.) 

Rom d. 23. Jul. 1823. 

Verebrtefter Cebrer! 

Die freude, die mir Jbr wertbeftes Schreiben 
machte, kann ich Jbnen nicht befchreiben, genehmigen 
Sie dafür meinen innigften berjlicbften Dank. Jcb 
febe mit Rührung fowobl aus der fo baldigen Be- 
friedigung meiner Bitte, als befonders auch aus dem 
Jnbalt Jbres für mich fo wichtigen Briefes, daf? Sie 
noch die früheren väterlichen 6efinnungen gegen mich 
hegen ; möchten Sie mir diefelben ftets ju Cbeil werden 
laffen und überjeugt feyn, dafz ich mich ftets beftreben 
werde, denfelben immer mehr wertb ?u werden. 

Befonders dankbar bin ich Jbnen, für den auf 
meine Hrbeit fieb beziehenden fo wahren und fo väter- 
lichen Ratb, denn fo viel habe icb einleben gelernt, 
dak denfelben ein junger Künftler nie nöthiger bat, 
als hier u. nie mehr als in meiner jetzigen Cage. Jcb 
mufj Jbnen nun juerft lagen, wie es mir feit meinem 
lejten Briefe an Sie, mit meiner Hrbeit gebt. Jcb 
halte diek für meine tbeuerfte Pflicht, Jbnen immer 
wahre u. aufrichtige ßaebriebt darüber mitju- 
tbcilen. — Qlie fid) Cborwaldfen über die Skizze 
äufferte, wiffen Sie bereits. 6r kannte mich damals 
noch nicht fo genau u. mag mir deswegen feine ffley- 
nung nicht fo frey gefagt haben. Jd) fieng nach der 
Skijje das fflodell im Großen an und als ich das 
Hakte 6twas beifammen hatte, befuchte er mich. Dun 
fpracb er fieb näher aus. Die Stellung fand er ju 
genirt, fie muffe mehr freiheit haben; in welchen fehler 
ich vielleicht durch die engen nifcben verfallen bin. Da 
Sie mich ihm angelegentlich empfohlen hatten, u. ich 
hörte, dafz die jwey übrigen figuren nach feinen 
Skizzen und unter feiner Ceitung ausgeführt werden 
Jollen, fo trug ich kein Bedenken, die Stellung nacb 
feinem Ratbe abzuändern, um fo weniger, da die 
Stellung auffer dem Kopfe diefelbe ift, die Sie Jbrem 
Jobannes juerft geben wollten. Hucb meint er icb 
Toll den Od-jfen anbringen, indem er den feinigen bey- 
den aueb die Httribute geben werde, was fid) aber 
wahrfebeinlid) bey näherem kennen lernen der nifcben 
aufheben wird, flßit dem Gewände, werde ich mich 
ganz an meine Vorbilder an Jbren Hrbeiten u. an 
Jhre fo richtigen mir fo wohlmeinend mitgetbeilten 
Hnficbten halten. 

Sias Sie mir wegen Zwerger und Ceeb mittheil- 
ten, bat fieb vielleicht bereits geändert, indem I). Eeg. 
Ratb Kölle Jbnen wird gefagt haben, dafj Cborw. faft 



Anhang 



VI. Briofwecbfel mit Künftlern. 



121 



keine fllodelle fclblt macht u. noch weniger in flßarmor 
ausführt. Da es jejt mit Jbren Hrbeitcn fo vorwärts 
gebt, fo hoffe ich halb, dafj Sic vielleicht diele beyden 
figuren noch übernommen haben, denn nur fo kann 
der König Pyons erhalten, da Cborw. obnediefj auf 
die Husfübrung nicht febr viel hält. — Jcb bin febr 
begierig wie fieb diefe Sache endet. Zw. befonders 
aber Ceeb ift noch voll Vertrauen eine der Statuen ju 
erhalten. Weniger flßaier, der bereits eine 8' hohe 
figur, Rcrrmann den Deutfcben vorftellend, ange- 
fangen bat. 

Dafj Sie mich warnen meine Hrbeit nidit im 
Calopp ju machen, kam ganj ju rechter Zeit, denn 
ich febe diefj hier an Orten, wo mann es nid)t er- 
warten follte. Doch auf eine andere Hrt ift auch fd^on 
dafür geforgt. Jcb war nebmlid) gegen 14 Cage nicht 
recht wohl, ich litt an Kopfweb und fchlecbten fflagen, 
einer Sache der man hier in diefen Monaten nur all- 
juleicbt ausgefegt ift. 6s mag von der pitje und 
meinem feuchten Httelier herkommen, oder afj ich viel- 
leicht Hbends 6twas ju viel, denn wie Sie wiffen ift 
es faft nötbig, Hbends nichts ju effen. Da die hier 
gebräuchlichen f)ülfsmittcl nicht anfeblugen, fo flüchtete 
ich mich ein paar Cage nach dem wundervollen Civoli, 
wo ich fo manche Stelle mit dem (Sedanken betrat, 
dafj Sie cinft da mit Vergnügen die göttliche Hatur 
genoffen ; von der mann fieb wirklich kein höheres 
Jdeal febaffen kann. Hppetit erhielt ich hier foglcicb 
wieder, doch das Kopfweb habe ich jejt noch nicht 
ganj verloren, von dem ich in Stuttgart feiten etwas 
empfand. — Jn der Deptun's Grotte in Civoli ertrank 
kürjlid) ein junger 6ngländer, der jum traurigen Zeugen 
feinen Bruder bei fieb hatte. Dad) 3 tägiger Hrbeit ge- 
lang es den Ceuten ihn herauszubringen. 

Vor acht Cagen brannte die febönfte und merk- 
würdigftc Kirche hier ab, San Paolo fuori muri, 
jum grofjen Eeide von ganj Rom u. befonders aller 
Künftler. 6s foll durch die ülnvcrficbtigkeit eines darinn 
arbeitenden ßandwerksmannes gefebeben feyn. Dem 
Pabfte, der in dem mitverbrannten Klofter erjogen 
wurde, wird es verfebwiegen, weil er fett 3 Klochen 
das Bett hüten mufj. Der arme alte ffiann hatte 
noch in feinen lejten Cagen das Unglück ein Bein 311 
brechen, fllann bat wenig ßoffnung, dafj er diele 
Periode überfteben wird, 

r). Dr. Scborn ift wenige Zeit nad) meiner Hn- 
kunft abgereist, ich konnte ihm alfo den aufgegebenen 
Grufj nicht ausrichten. Bcy dem Hbfcbied, den die 
fflebrjabl der hiejigen Künftler ihm hielten, konnte ich 



nicht feyn, weil ich gerade eingeladen war. 6r ift 
hier allgemein gefcbäjt. r). Dietrich richtete ich das 
Hufgegebene aus, wie auch r). Knapp, der fieb febr 
darüber freute. Hucb r). Cinckb u. r). ffläntler. Eej- 
tcrem traue ich mit feinem Verfprccben nicht ganj auf 
den F)erbft Rom ju verlaffen. freunde habe ich hier 
nur jwey. Zwerger fo weit es feyn kann u. einen 
der Ruffen die mit mir hieber reisten. 6r ift von 
feinen Candsleuten der einjige, der mit einem Deutfcben 
umgebt, weil er ihren Charakter febr liebt. 6r ift 
r)iftorien ffiabler u. war der befte auf der Hcademie 
in Petersburg. Dafj ich nicht ganj wohl bin, mag 
daju beitragen, dafj es mir im Hugenblicke hier we- 
niger gefällt als anfangs. 

So viel ich foeben aus einem Briefe von meiner 
Scbwefter erfahre, foll r). Candfchafftmabler Rift aud) 
Onterftütjung erbalten; die Hufmunterung feines Ca- 
lents und Gifers freut mich febr. 

flßan fpriebt hier febr viel von politifeben Ver- 
bältniffen KUrtemberg's. 

Jcb fcblieffe mit der feften Überjeugung, dafj 
Glaube und Religion Jbren gerechten Schmer? etwas 
gelindert haben und fo viel möglich noch lindern wer- 
den u. mit der berjlicbften Bitte mich in Jbrem Hil- 
den ken ju bebalten, wie aud) Jbr ganjes r)aus ju 
grüfjen von Jbrem 

dankbarften Schüler 

Cbeodor Klagner. 

Jcb bin fo frey, die Bitte binjujufügen, bcy Ge- 
legenheit Sr. 6xj. dem r). Ob. r)ofmciftcr v. Secken- 
dorff meinen untertbänigften RefpedU ju melden. 
Zwerger läfjt fleh Jbncn empfehlen. 

199*] Danne&er an ödagner. 

(nadilafc H.) 

Stuttgardt d. 22. October 1823 

Cicber Klagner, 
öQie gebt es dir? Bift fleifjig, heiter, gefund und 
kräftig gebt deine Hrbeit Vorwärts, bift du und Cbor- 
walfen damit jufrieden??? — — — Diefe fragen 
wünfebe id) von ßerjen mit — Gottlob Ja beant- 
wortet ju hören. Jcb denke oft in Ciebe an dich und 
betaure dich wenn ich an deine Hnftrengung im 6e- 
fd)äft denke: freue midi aber für dich, wenn id) an 
deine Hbrnte Zeit denke, dafj du in der Cage bift, 
einft in ehren auf deine füfjeju fteben. 6ott 
erbalte dir nur Gefundbcit. (Bis bieber und dann 
2 Stunden paufe; id} habe wegen den 3 fflalbeures 
den Klcg in das Ober Rofmeifter Hmt gemacht) nun 
mufj id) mich befinnen, was ich dir als fagen wollte! 

16 



122 



VI. Bricfwecbfel mit Künftlern. 



Die ßerren fflablers können dir lagen , wie die Safte 
bei mir ftebt. Ceider nicht gut weil icb ju Viel ftöb- 
rung im Httellier babe Heb 6ott ich wünfebte lebon 
oft verfinken ?u können, fflein Johannes ift nackt 
ganj fertig. Kopf und I)ände, nebft fflanquiren? fertig, 
die näcblte Klocbe werde icb das Gewand anfangen ') 
und die näcbfte töoebe wird das 6ewand vom Cbriftus 
ganj fertig der I)r. Kaufmann der 13 Jabre bei Canova 
war bat etwaf? über 3 fflonatben an der Pfycbe und 
dem Cbriftus gearbeitet, bat fieb fleifjig und baftig 
herum getaumelt, — aber vor feinen Hugen babe icb 
Jacob bingeftellt der das 6ewand vollendet wie ich es 
niebt beffer tbun könnte. Kaufmann fagte felbft icb 
kan nicht begreifen wie fie aus dem Jacob fo etwaf? 
haben herausbringen können? Diefer ift in ihren Sinn 
eingetretten. Jcb babe Kauf .... befahlt und recht 
gerne bejablt, was er wollte, vergnügt über feinen 
fleik und Herrlichkeit, für das Jagd ßcfcbäft danke ich 
aber in die Zukunft, fleik und Vollendung aber, ift 
die ßauptfacbe; denn wenn der Bildbauer glaubt, daf? 
wenn er über die Hrbeit mit der flachen F)and herab 
fährt und die Sache rund findet bin ich noch nicht ju- 
frieden. — Soeben erfahre ich durch I)r. Oberregierun gs- 
ratb 6rüneifen das f)r. 6eh : Cegations Ratb Kölle 
lebrieb, dak I)r. Cdagnerrafch und gut vorwärts komme: 
das freute mich wie begreiflich, nur lieber Klagner ruhig 
und nett noh laue. Jacob läfjt Dieb berjlich grüben 
den empfehle ich dir wenn icb nach Deiner Zurückkunft 
nicht mehr bin: er ift ehrlich gewiffenbaft, brav, 
fleißig und fehr gefchikt. 6r bat mir Zwerger ganj 
erfetjt. fflarmor babe icb im Vorrath genug vieleicbt 
kanft Du ihn einmal benu?en! Doch ich denke nicht 
daran fo fchnell abzugeben, fflein £eben ift mir oft 
wohlfeil, denn wenn ich bedenke wenn ich gearbeitet 
babe und vom Httelier hinaufkomme, fo alles leebr 
finde, fo bin ich betrübt — brauche kein Cdeib mehr 
Du magft mich verfteben, ich verdiente aber Jemand der 
fieb meiner annehmen möchte, wenn ich kränklich werde. 
Hltes geht nicht Junges noch weniger weil icb alt bin, 
kur? es tollte ein freund und kein Bedienter feyn: 
denn da?u bin ich ?u offen und ?u vertraulieb. Dein 
Bruder von Cübingen war geltern bei mir, ich freue 
mich jedesmal ihn ?u feben er bat mich kurj 2 mal 
befuebt, er ift beglich. 

') [Cinks am Rand herunter]: 

Die ßöbe ift da man fieb im groben nicht buxiren 
laffen kan 6'— 0". piandite 3"— 7"'. Da Cucas 
berab fiebt fo wird er wenn er auch 2" kleiner fein 
Tollte gut jufammen fteben. 



Jcb hoffe dafj ihr ehrliche Cdürtemberger gut und 
freundfebaftlicb mit einander leben werdet! fage den 
andern die febon da find meine herzliche 6rüke. 
fage dem I)r. Dieterich dak mir fein Bild Wohlgefallen 
und fchönen frommen religiöfen Sinn darin gefunden 
babe der gewik nicht jedermanns Sache wäre. Rr. 
ffläntler Rr. Knapp ja nicht ju vergeffen. fir. Cbor- 
walfen dem fflatator meine Verehrung ?u bejeugen dem 
Zwerger gib einen Deutfcben Batfcb. Von meinem 
I)aus grüf?t Dieb Jacob, Oecbfle, Jmbof, der noch leib- 
web bat, Cauterbacb der nicht mehr bei mir ift, die 
Jungfer friderike undKrätble beide gute Kinder. 
Die erftere bat noch keinen Pfarrer aber beforgt doch 
berjlicb Deinen freund Dannecker. ¥>r. 6 : F) : Ratb 
Rapp feine frau, und liebe Kinder, die Jungfer ffloblin 
fflari. fr: Koftlin und Viele fragen nach dir und 
freuen fieb inniglich wenn es dir wobl gebt. 

Kuk und 6rufj von deinem 

Dannecker, 
bafta. 

6eh: I)of Rtb Schwab grübt dich befonders mit 
CQoblwollen. 



200*] GCUgner an Dannecker. 

(Dachlafe H.) 

Rom. d. 6 Dec. 1823. 
Verehrtefter Cebrer! 

Hn dem Cage kamen die drei Cüürtembergcr an, 
an dem ich mein langes Stillfcbweigen brechen und an 
Sie febreiben wollte, weil gerade an diefem Cage mein 
fflodell glücklieb aus der form kam. nachdem \di 
diefelben nun mit Rom oberflächlich bekannt gemacht 
babe, bin ich fo frey, Jbnen biemit meinen benlichften 
Dank für ihren gütigen Brief ju lagen, als auch Jbre 
fragen beftmögliebft ?u beantworten. 

Durch anhaltenden fleik und bauptfäcblid) durch 
vollkommene 6efundbeit in den legten fflonaten , wie 
auch durch den Beiftand Cborwaldfen's gelang es mir 
6nde Dovembers, nachdem ich 6 fflonate gearbeitet 
hatte, mein fflodell ju des lejtern Zufriedenheit ?u voll- 
enden — Jcb lege Jbnen hier eine flüchtige Zeichnung 
von 6egenbaur bey, um Jbnen wenigftens eine Jdce 
des 6anjen und bauptfäcblich der Veränderung ?u geben. 
— Jcb glaubte Cb. weder wegen der Stellung noch 
wegen den Httributen widerfprechen ?u können. Vor- 
züglich weil er mir |u verfteben gab , dak er ja auch 
jwey |u machen babe und wünfehe, dak fie ?ufammen 
harmoniren. Klcgen den Httributen behauptete er, 
auffer Jobannes feyen die drei übrigen ohne diele gar 



Anhang 



VI. Briefwecblel mit Kün[tlcrn. 



123 



nicht ?u untcrfcbeiden und auf keinen fall werde man 
leben , daß es Gvangeliften [eyen. 6s fcj>en f iguren 
die febreiben, oder auf ein Buch oder Cafel hindeuten. 
6r meint fogar auch Johannes könne fieb ohne Hdlcr 
nicht gut ausfpreeben. — Ch. nahm fich meiner febr 
an und ich glaube Qrjacbc ?u der Meinung haben ?u 
dürfen, daß er aufrichtig gegen mir war, das er gerade 
nicht gegen jeden ift. 6r Jagte mir öfters ein junger 
Künftler muffe die Datur febr refpektiren um Gtwas 
6utes ju machen und machte mich oft auf ßuancen 
aufmerkfam, erft in den lejten Klocben fprach er fich 
vorteilhaft über meine Hrbeit aus. Klie er das lejte 
fflal da war, fragte er mich, wie meine figur den 
jungen Künftlem gefalle, worauf ich ihm fagte, daß er 
felbft wiffen werde, daß fich wenige fo ausfpreeben, wie 
fie denken und ich mich deswegen nicht darauf ver- 
lallen könne. 6r fagte mir ich Tolle nun formen laffen. 
Den andern Cag kam er noch mit dem Ob. Bau Jn- 
tendanten v. Kien je, der mir im Kleggeben fagte, da 
Cb. fo wobl jufrieden fey, fo wolle er mir nichts 
fagen ! — 

Der Kronprinj von Baiern, der überall berum- 
gieng, kam auch ju mir, er hatte eine freude an 
meiner figur u. fprach mit 6ntjücken von der Büftc 
Schillers, die er von Jbnen befitje. 6r wird 4 neue 
Büften in die Klalballa bettelten, 3 bekommen Schüler 
von Cb., eine ffleyer von Eudwigsburg durch Ver- 
günftigung Klenje's und dagner's. — Das Studium 
in dem ich meine figur modellirte war klein und 
fd)lecht, durch langes Suchen gelang es mir endlich ein 
großes und febr gefundes ju finden. Der fpanifche 
Bildbauer Hivare} gab es mir aus Gefälligkeit, bis ich 
meine figur in fflarmor vollendet habe. 6s ift neben 
dem des Rudolph Scbadow bey quatro fontane. 6s 
war mir 6twas bange, wie fieb meine figur in 6yps 
aufgeteilt in dem größeren Räume ausnehmen würde. 
Jcb lief? die form dabin tragen und da ausgießen, ju 
meinem Glücke fiel mir nichts auf das ich nicht im 
Gyps und im fflarmor verbeffern könnte. — Vor ei- 
nigen Monaten werde ich nicht in fflarmor können an- 
fangen laffen, weil ich noch keinen fflarmor habe u. 
derfelbe wirklieb febr rabr ift, indem Gngländer den- 
lelben in Carara aulkaufen u. nach Gngland tebicken. 
— Jn dieler Zeit und (0 lange daran ebauebirt wird, 
werde ich lehr tleiltig modelliren, ich habe bald die 
Büftc eines freundes fertig, und wünfebte, wenn ich 
noch einige andere gemacht habe, ein Basrelief ju mo- 
delliren, aber nur von gewöhnlicher Größe, damit es 
fich transportieren läßt. — Jcb wünjehte mir oft die 



Möglichkeit Sic einen Hugenblick in meinem Studium 
?u haben, um Jbren Ratb und Jbre Meinung ju hören, 
aber (o bin ich ju weit entlernt und es kann leider 
nicht feyn , eben fo wie mir auch der Genuß verlagt 
itt, Jbren Johannes ju feben, von dem mir mein 
Bruder in Cübingen, der ganj begeiftert davon i[t, febr 
viel febrieb. Jcb danke Jbnen von Rerjen für die gute 
Hufnabme, die er bey Jbnen erhielt; er ift gut u. alle 
feine Gefcbwifter werden einft freude an ihm haben. 

Sie lallen mir durch ihn f). Baun empfehlen und 
wiederholen diefj in Jbrem gut. Briefe. Jcb kann 
Jbnen nichts darauf fagen , als daß es mein einziger 
dunfeb ift in einigen Jahren die Pflicht erfüllen ju 
können, in Jbrem Httelier für Sie recht Vieles ju 
Jbrcr Zufriedenheit auszuführen u. Jbnen denn über- 
haupt durch mein Betragen beweifen ju können, daß 
ich Jbre vielen GQobltbaten gehörig ju febätjen wiffe. 
— Die Hugenblicke, die Sie manchmal aufler der Hrbeit 
haben haben werden, kann ich mir denken und nehme 
auch aufrichtigen Hntbeil daran u. bitte Gott, der Jbnen 
durch einen heitern ßumor obnediß febon fo viel ge- 
geben bat, dafj er Jbnen auch da Krafft verleibe, da 
Heiterkeit ja fo viel jur 6efundbeit beiträgt. 

Zwerger u. Ceeb haben ihre Skijjen erbalten. Sie 
fangen die nächfte Klocbe ihre fflodelle an. fflarkus 
hält in einer Rand den Griffel, in der andern eine 
groffe Cafel auf die er binfiebt. Reben ihm liegt der 
Cöwe. Dem fflatbäus hält der 6ngel die Cafel. — 
ffleine figur ift 6' 7" hoch mit dem plan. Der plan 
felbtt 3" neu fflaafj. Sie wäre alfo 2" kleiner als Jbr 
Jobannes; Tollte aber Jbre figur 6' 0" hoch feyn, ohne 
Plan, was ich aber nicht glauben kann, da die nifebe 
8' hoch ilt u. ein Piedeftal von 6" hineinkommen Toll, 
fo bitte ich Sie dringendft mir diefj mit der nächften 
Polt durch Y). Baun lebreiben ju lallen, daß die jwey 
andern nicht denfelben fehler machen. — 

Run habe ich noch die Bitte, da die Zeit heran- 
naht, wo ich mich ?ür meine Penfion auf das nächfte 
Jahr bewerben muß, mir Jbren Ratb durch meine 
eitern mittbeilen ju lallen, wie ich dabey ju verfahren 
habe, und an wenn ich mich deßwegen wenden toll. 

Jcb war beute wieder in Canova's Studium und 
wundre mich nicht, daß ¥>. Kauffmann nicht in Jbrem 
Sinne gearbeitet bat, mann fiebt da lehr viele glatte 
Sachen. Canova's Rahme febeint immer mehr ju er- 
lösen. — 

6s belteben hier in diefem Klinter jwey deutfebe 
Hcademien. Jn der altern wird nur gejeiebnet, in der 
unfern neu errichteten lind 10 Zeichner und 6 Bild- 



i 2 4 



VI. Briefwecbfel mit Kün(tlcm. 



bauer. Jcb modcllirc mit, u. jede ölocbe kommt ein 
anderes fflodcll, männlich u. weiblich von verjcbiedenen 
Hltem. Die Zahl der deutjcben Künjtler ijt wirklid-) 
hundert u. ctlid} u. dreiffig. Darunter 13 Klürtemberger, 
von denen Jicb Jbnen belonders empfehlen, Dietrich, 
Cinchb, ffläntler u. Knapp. Hucb Zwerger, der bald 
fo frey Jeyn wird, Jbnen Jelbjt ju Jcbreibcn. Kür 
wohnen noch immer jujammen und kommen gut mit- 
einander aus. 6r ijt noch der Hlte. Gegenbaur's Hn- 
kunfft freute mich recht, indem ich glaube einen auf- 
richtigen freund an ihm ju haben. 6r wird bald ju 
den beften jungen fflablern in Rom gejäblt werden, 
wenn auch die gröfjre Partbei, die altdeutfehen viel- 
leicht nicht viel aus ihm machen follten. — 

Jcb wünfebe von perjen, dafj Sie das alte jfabr 
gefund befchlielfcn u. ebenfo das neue u. noch recht 
viele beginnen möchten. Gott möge Jbnen in den 
künftigen Jahren wo möglich das vergelten, was er 
Jbnen in diefem ju leiden auferlegt bat. 

Jcb bitte Sic mich Jbrer ganjen verehrten familic 

aufs befte ju empfehlen u. mir Jbr ganjes f)aus berj- 

licbft ju grüfjen und fcblieffe mit der Bitte, dafj Sie 

ferner Jbre wohlwollende 6efinnung bebalten möchten 

Jbrem dankbarjten Schüler 

Cbeodor Cüagner. 

NB. Da Sie vielleicht fo gütig find, dem P). Ob. 
Rofmeifter v. Seckendorff einiges aus meinem Briefe 
bey Gelegenheit mitjutbeilen , fo bitte ich Sie, dem- 
fclben jugletcb meinen untertbänigften Refpekt ju Jagen. 

201*] Cdagner an Darnieder. 

(r)ad)l»6 H.) 

Rom d. 28 febr. 1824. 
Verebrtejtcr Cebrer! 

Schon auf die erfte Dacbricbt von Jbner neuen 
ehelichen Verbindung wollte ich mir die f reibeit nehmen, 
Jbnen ju febreiben, ich verfchob es aber auf die Carne- 
val's Klocbe, weil für diefe Zeit das Dacht fflodell 
aufgehoben ift u. ich mir dachte, an einem diefer 
Hbende diefj mit mehr ffluje tbun ju können. Hn 
dem erften Hbende diefer CQocbe nun erhielt ich Jbre 
werthen Zeilen, ich habe daher doppelte Vcranlaffung 
Jhnen dafür für das erfte meinen berjllcbften Dank ju 
fagen, als auch Jhnen und Jbrer nunmehrigen frau 
6emablinn meine aufriebtigften Glückwünjcbe dar- 
bringen. — Jcb fchmeicble mir, das neue Verbältnifj 
in das Sie getreten find, febon ehe ich Jhren wertben 
Brief erhielt, ganj fo angejeben ju haben, wie es jetjt 
nach Jbren eigenen Cüorten klar vor mir liegt, fflit 



dem für Sie zurückgekehrten glücklicherm und jufried- 
nerm Zuftande, febe ich juglcicb meinen eigenen 
Klünfcbe erfüllt; in dem Bewujjtjeyn, dafj Sie von 
meiner Teilnahme überjeugt find, bitte ich Sie, mir 
auch ferner und immer diefelben väterlichen 6efinnungcn 
beizubehalten, wie ich auch Jbre frau 6emablin er- 
fuebe mir etwas von dem (Uoblwollen ju fehencken, 
was ich mich rühmen darff, von Jbrer verewigten frau 
genoffen ju haben. 

für die Güte, dafj Sic Sr. fflaj. dem Könige 
meinen Brief jum Eefen übergaben, und dadurch ju- 
gleich meine diesjährige ünterftütjung beförderten, 
danke ich Jbnen berjlicbft. Hus dem, dafj fidi der 
König die Zeit daju nahm, erkenne id) deffen gnädige 
6efinnung gegen junge Künftlcr; ich werde ftets Jüchen 
unter denjenigen untorftüjten ju feyn, die fid) bcjtrebcn 
aus Dankbarkeit dafür Hlles ?u tbun, was fie im 
Stande find. 

Ober die Jbnen jugejebickte Zeichnung des Cukas 
tagen Sie mir viel, durch die CClorte, dafj Sie mir über 
die Veränderung nichts Jagen wollen; ich meyne aber 
auch darinn ju finden, dafj Sie einjeben, dajj ich in 
gcwijjer Rückliebt nicht anders bandeln konnte — 
ötlas ich in Gyps am fflodell tbun konnte und wollte, 
ijt gejebeben und da ich 6 Monate lang vergeblich auf 
fflarmor von Carara wartete, fo habe ich mit Ceeb 
der den Marcus macht auf Ripa grande ein Stück 
gekauft, es wird in einigen Cagen gefägt feyn, worauf 
ich denn mit der Fjülfe Gottes anfangen laffen will. 
Jejt febe ich erft recht ein, mit wie vielen Schwierig- 
keiten der Bildhauer ju kämpfen bat, bejonders durdi 
den fflarmor. Qm die Behandlung des fflarmor's 
nicht erft an der Statue lernen ju müjjen, habe ich 
mich entjcblojjen eine Büjte Jelbjt in Punkte ju Jetjen. 
Jcb wählte bieju den Kopf des Hgrippa und fing in 
Scbadow's Studium an. Schadow's Hrbeiten bat ein 
freund von mir, ein gewiffer Öüolff aus Berlin ju 
vollenden, er bedient fieb bieju eines Hrbeiters, den 
fein Vetter Scbadow einft Jbnen fd)icken wollte, und 
diefer ijt nun mein Cebrer. Jcb werde die andere 
GQocbe mit dem Kopfe fertig werden, da icb es auf 
Hrt der Cararefer ohne Senkblei mache. Sie werden 
lachen, wenn Sie lieb meinen jerklopften Daumen 
denken. — Jn den erjten Cagen hatte ich auch einen 
Punkt ju tief auf den pals gejejt und mufjte des- 
wegen von Heuern anfangen. Hucb meine fchlecbte 
Schrifft mögen Sie dem fchweren fflajjolo jujcbreibcn. 
— Donnerftag und Sonntag fflittags wohne ich Pro- 
feffor Dibby's antiquarijcben Vorlcjungen an Ort und 



Anhang 



VI. Briefwecbfol mit Künftlern. 



'25 



Stelle bey, und jwcimal in derGQocbe nach dem fßodcll 
den Grläuterungen der Hpoftelgefd)icbte, die der neue 
6efandtfcbafftsprediger Robde vorträgt. 6r ift ein 
junger talentvoller (Dann und leine predigten find 
von den lutberifeben jungen Künltlern fehr befuebt. — 
Solche 6elegenbcitcn machen die in Rom obnedifj 
febon Jo unbegreiflich fcbnell jliebende Zeit nodi fdmeller 
vergeben, ohne daß |ic von Gtwas nötbigem abhalten. 

Zwerger der Sich Jbnen be(tens empfehlen läfjt, 
mad)t feinen 6vangeliften fehr gut und ju Jedermanns 
6efallen. 6r ift fo eben befchäfftigt fieb als Kofack 
anzukleiden um nad) Cifche mit etlicb und jwanjig 
andern deutfehen Künftlern ju Pferde auf dem Corfo 
ju erfcheinen. Sie haben vom 6ovematore die 6r- 
laubnifj erbalten als irreguläre Kofacken ehe das Pferde- 
rennen anfängt und alfo keine tHagen mehr auf dem 
Corfo feyn dürfen einmal durch ju reiten. 6anj Rom 
ift auf diefe Srfcheinung begierig, übrigens wird fehr 
viel dafür und dawider gefprochen. 

Cborwaldfen febe ich wirklich wenig, er ift ju 
Raufe mit drei Büften befd)äfftigt, mit der des verftor- 
benen Pabftes Confalvis u. eines indifchen fürften. 

Jcb habe beute dreihundert Scudi aufgenommen, 
um die jejt grofjen Huslagcn ju beftreiten, fobald es 
feyn kann, werde ich die Rechnungen Rerrn Geb. Ceg. 
Ratb Köllc übergeben. 

Berrn Baun werde ich näcbftens durch Gelegenheit 
bis Mailand, einige verfproebene Zeichnungen über- 
febicken, er möchte fich noch fo lange gedulten. 

6utekunft & fuchs laffen Jbnen von Serjen 6lück 
wünfeben und Jbnen fich böflichft empfehlend für Jbre 
gütige Grinnerung an Sie dancken. 

fyn Obrift Bofmcifter v. Seckendorff bitte id) 
diefe wie mich untertbänigft ju empfehlen und indem 
ich Jbnen und Jbrer frau 6emablinn 6efundbeit und 
fonft alles <3ute wünfebe, bleibe ich Jbr 

dankfchuldigfter Schüler 

Cbeodor Klagner. 



202*] Dannecker an Cdacjner. 

(SdiUUr-föuItutn . fllarba*.) 

Stuttgard d. 16. Juli 182g. 
Cieber Cüagner, 
Bift Du gefund? Bift Du kräftig dafj Du Deiner 
(ßarmor Hrbeit naebkomen kanft? — Cdenn Du das 
erftere die 6efundbeit genießt, wie ich Dir es von 
Berjen wünfehe, fo mache fort — aber übertreibe 
es nicht. Du wirft ja doch lang vor mir mit Deinem 



Gvangeliften fertig feyn, weil es nun erft 10 Klochen 
find, dafj an dem meinigen die puneten ju fejm an- 
gefangen wurden, und nun doch die freude fchon habe, 
dafj der Marmor wunderfebön ausfallen wird. Hn 
der Vollendung des Cbriftus Kopf in fflarmor arbeite 
ich wirglicb und ich hoffe ihn ju vollenden, ehe der 
Jobannes vorgearbeitet feyn wird. Dun aber lieber 
lHagner, habe ich Dir einen Huftrag ju geben, der 
Deinem BcJ en wohl tbun wird, aber Deinen Beutel 
nicht fpicken kan. — fflöcbteft Du nicht ein fflodel 
machen das den Cbriftus am Cbreuj vorftcllt, in der 
Böbe von 1 1 /, fufj? Der liebe Stadt Pfarrer Dann 
kam ju mir und Jagte dafj eine Perfobn 5 bis 600 
ßulden vermache um in St. £eonbard Kirche einen 
Cbriftus am Cbreuje in Silber ju ftiften, da fragte id) 
was den vor das fliodel ausgefejt wäre; ja mit Hcbfel 
Zuken antwortete er: 50—60 fl. Jcb Tagte ihm ich 
wolle bei Dir anfragen ob Du es nicht unternehmen 
könneft; wenn difj der fall wäre, fo fey ich überzeugt, 
dafj Du ohne Jntereffe gerne in die Kirche Deiner 
Vatterftadt ju der Stiftung durd) Dein Calent beitragen 
werdeft. Vielleicht habeft Du auch in Rom Gelegen- 
heit in dieler Gröfje fAon ein fertiges ffiodel ju 
finden das mit Deinem Cucas beigepakt werden könte 
(und für mid) ein wenig Catuga Samen ich effc wirg- 
lich diefen Salat und da wird oft von Dir und meinen 
andern freunden gefprochen). 

Dun weiter von einem Cbriftus am Cbreuje — 
Tollte der ffioment nicht der böcbfte feyn wo er 
fagt, mit ßntjücken jwar in Schmerjen 6s ift voll- 
bracht? — in der Sebnfucht die Hugen jum Vater 
gehoben und die ganje Blendung der Bruft nach oben, 
freilich liegt der ganje Husdruck in einem 6cmütb 
dafj fich nicht ausfprechen läfjt, ich möchte das alles 
eine Plauderei nennen, lieber Klagner. — 

ich habe mir vorgenommen Dich nicht fehr mit 
Sachen ju unterhalten und wollte Dich nur mit meinem 
Huftrag befdwftigen aber auf einandermal mehr. T)r. 
Cborw: meine innigfte Verehrung ju bejeugen bitteich, 
fo wie ßrüfje an meine freunde die mir wohl wollen, 
auch nicht wollen, ffleine gute liebe frau grüfjt 
Dich herjlich, fo wie B>. Baun und Cauterbacb. Den 
6egenbauer, Bf. fuchs, gute Kunft [6utekunft], 
fflßäntler, Knapp, Cinchb, Stirnbrand, Koelle, Jmbof, 
Oecbsle, flßack und Zwerg er nicht ju vergeffen. 

Jn dem haben wir hier 26 6rad tjdärme, wie wird 
es dort fein? nehme Dich in acht, bafts gehört, in 
Rom ift bei diefer Jahres Zeit nicht ju fpaffen. — Cüie 
immer Dein Dir ergebener freund Danned^c 



126 



VI. Bricfwecbfel mit Künftlem. 



203*] ödagner an Dannecher. 

(Hadilafe H.) 

Rom. Sonntag d. 31. Jul. 1825. 

Vcrcbrtcfter Ccbrer! 

Schon längft hätte ich Jhncn gerne von dem 
fortgange meiner Hrbeit u. f. w. gefebrieben, aud) mich 
für die von Jbnen dem Briefe an K. 6egenbauer 
gütigft eingefcbloffenen Zeilen bedankt; aber ich wollte 
die nahe bevorftebende Vollendung meines Cucas ab- 
warten, um Jbnen alsdann ein flßobreres fagen ju 
können. Run fehe ich mich aber durch Jhren gütigen 
Brief vom 16. lul. veranlaßt, Sie früher durd} Gegen- 
wärtiges ju beläftigen. 

Vor allem möchte ich gerne von dem fchönen 
Huftrage, den Sie mir gaben, fprechen. Jcb glaube es 
wäre wohl möglich, hier einen Cbriftus am Kreuje 
von der vorgefchriebenen Gröfje ju finden (ob gerade 
einen guten weif? ich nicht) aber da ich Zeit bekomme, 
dabey ftudieren kann und mich die Sache an fich felbft 
freut, fo nehme ich den Hntrag von Borjen gerne an, 
und verfpred« Jbnen nach meinen fchwachen Kräften 
mein ffiöglichftes ju tbun. fflit Cborwaldfen, der 
unterdeffen bey mir war, Ipracb ich darüber, er wird 
mir ju Studien, ju diefem Zweck auf die Datur ge- 
formt, helfen. Sein beftcr Sd)üler Cenerani verfertigte 
nebmlicb vor mehreren Jahren einen Cbriftus am Kreuje 
in Cebensgröfje , und da diefer äufferft talentvolle 
Künftler, ich möchte faft fagen, noch mehr als fein 
flßeifter im detail die Ratur ftudirt, fo fuebt er {ich 
ju jeder Hrbeit fchöne Ratur jum Hbformen ju be- 
kommen. Dieb könnte mir wenigftens jur Husfübrung 
viel helfen. Dun meint Cborwaldfen ob nicht viel- 
leicht genehmigt würde, das Kreuj von Bronje ju 
machen, um durch diefc Grfparnifj die figur gröfjer 
machen ju können, auch glaubt er, es würde beffer 
ausleben. Da diefj aber wobl nicht gefebeben wird, 
fo werde ich, wenn ich mit dem Cucas fertig bin, den 
Cbriftus in befagter 6röfje anfangen. Jm fall übri- 
gens obiger Vorfchlag angenommen würde, bitte ich 
Sie böflichft, mich baldmöglicbft davon benachrichtigen 
ju laffen, damit ich nicht vergeblich arbeite. 

Der flßoment, den Sie mir angaben ift gewifj der 
fchöncre und ich werde alfo dabei bleiben. — Ölenn 
das flßodell nach Cdunfche ausgefallen in Stuttgart 
angekommen ift, fo wäre es mir doch lieb, wenn mir 
die für das fflodell ausgefejte Summe jugefebikt würde, 
da ich doch einige Huslagen haben werde, u. man in 
dem tbeuren Rom, wie Sie felbft willen, jeden Kreujer 
brauchen kann. — Sias das Beipacken ju den 6van- 



geliftcn betrifft, fo kann diefj nicht wobl gefebeben, 
indem folche in der flßitte Hugufts von hier abgeben 
werden. Ceeb hatte feinen fflatthaeus febon vor einem 
flßonate vollendet, Zwerger labt den leinigen über- 
morgen einpacken. QJir faben febon im flßärj voraus, 
dafj ich nicht mit ihnen fertig werde. Fr. Koelle 
wünfebte übrigens befonders der Höften wegen alle 
drei miteinander abjufcbicken, u. auch Ch. meinte es 
wäre beffer, fie giengen jufammen. Deswegen nahm 
ich Cb's. Hnerbieten, mir einen feiner Hrbeiter auf 
mehrere üßoeben ju überlaffen an (natürlich auf meine 
Koften) ich fieng nachher an, das Ganje allein 511 
übergeben, u. werde nun, wenn ich gefund bleibe, in 
14 Cagen auch ju 6nde kommen. — 

Jcb war im 6an?en mit diefer erften Hrbeit mehr 
unglücklich als glücklich, befonders mit dem flßarmor, 
der nicht nur nicht gut ju bearbeiten, fondern auch 
voll flecken ift; auch lief? ich mir dies noch gefallen, 
wenn die flecken nicht fo hart wie flintenfteine und 
6ifen wären, und fo dem gefchickteften Hrbeiter es 
unmöglich machten, dem flßarmor vollkommene Voll- 
endung ju geben. — — — — — — 

(nährend ich an dem Keiland am Kreuj arbeiten werde, 
will ich verfueben mehrere Skijjen ju machen, und 
wenn ich durch Genehmigung meiner Bitte um ünter- 
ftütjung in den Stand gefetjt bin, noch Gtwas hier 
ju unternehmen, vorher Jhren gütigen Rath daju ein- 
holen. Jcb glaube eine figur über halb Cebensgröfje 
wird das Bcfte feyn. — 

Dem Cucas werde ich den gewünfebten Catuga 
u. einige andere Saamen beipaken. für das flßodell 
des Cbriftus wird fich andere Gelegenheit finden. 

Cborwaldfen und die anderen Ferren laffen Jbnen 
für Jbr Hndenken danken u. empfehlen fich Jbnen 

wieder. . Jcb wünfebe 

von Rerjen dafj Sie u. die liebe frau Kofrätbin, und 
Jbr ganjes Raus fich ftets der beften Gefundbeit er- 
freuen mögen, und bitte Sie mid) Jbnen Hllen berj- 
lidift ju empfehlen. 

Huch Rr. Stadtpfarrer Dann bitte ich Sie meine 
Verehrung ju bejeugen, er wird fich freilich meiner 
nicht mehr erinnern, mein Grobvater Betulius brachte 
mich als Knabe oft ju feinen Sobne, wo mir auch 
öfters Gefchenke gemacht wurden. 

Jcb fcbliefje nun mit der Bitte auch ferner und 
immer in wohlwollendem Hndenken ju bebalten 
Jbren 
dankbaren Schüler 

Cbeodor Gdagner. 



Anhang 



VI. Briefwcdifel mit Künftlcrn. 



127 



204*] Darnieder an Klagner. 

(ScbUtcr-muIcuin , (Barbae!).) 

Stuttgadt d. 15 Oct. 1825. 
Cieber Klagner, 
Reute i|t tnein 6eburtstag und id) febreibe Dir 
gerne an einem für mich fo wichtigen Cag, werde aber 
fo oft an meinem unternehmen geftört durdi gute 
freunde, die mir gratulieren, wo id) aber jedesmal 
denken darf daft nicht viel mehr ju gratuliren ift, in- 
dem es eben bei der Kunft, wie ich befürchte, nach- 
laffen wird, ftim fo lange 6ott will wird es gehen. 
Klie fiehet es mit dem Chriftus am Chreuje aus? 
ßerr Stadt Pfarrer Dann war vorgeftern bei mir und 
fprach über die ganje Sadio. ich Tagte dafj ich Dir 
fd)rciben wolle, und Dich bitten fragen bei Silber- 
arbeiter ju machen, ob es etwa einer übernehmen 
wolle? und um welchen preift? Klas das Cbreuj in 
Bronj wohl koften könne? Ob Du es nicht Jelber 
eiecliren möchteft? und was freilich am beften wäre 
auch Deine forderung anfejen : reich wirft du freilich 
nicht dabei, kanft es nicht werden weil die ganje 
Summe 600 fl. ausmacht das eine gute Jungfer eben 
ftiften kan. Man wünfeht freilich den Silberarbeitern 
in Stuttgardt die Sache ?u übergeben, aber ich fürchte 
fie find nicht daju eingerichtet, und fürchte, dafj fie 
Deine Hrbeit jwar fchön glatt verfummlin könten. 
Daher wäre es mir lieb wenn diele Stiftung das Du 
fo gerne übernommen haft, rein aus Deiner Pjand 
käme. — Denke über diefe fragen nad} und gebe uns 
bald Dachricht über alles ; wenn Du es auch nicht 
übernehmen willft, fo haben wir doch einen fflaftftaab 
der forderung in Rom. 

Dun muft ich enden, fonft wird der Brief nidit 
mehr auf der Poft angenommen, ich wollte Dir fo 
viel fchreiben allein die Befuchc haben mich abgehalten 
und habe keinen andern Sinn als Dich und alle 
Klürtemberger von ganjem I)erjen ju grüben. 
Klie immer Dein freund 

Dannecker. 



205*] Dannecher an ödagner. 

(nacMaJ H.) 

Sonntag d. 20 ßov. 1825. 

Cieber Klagner, 

Jch bin feit einiger Zeit nicht Klobl gewefen, habe 

keinen Magen gehabt der mir erlaubte an mein 6e- 

fchäfft ju gehen: Klas mich fehr darnieder drükte. Dir 

muft ja bekant feyn, dafj ich nur freudig in der 



Kunft lebe. Vor ohngefebr 14 Cagen befudite mich 
unfer lieber König mit der guten Königin welches mich 
aufheiterte da 6r fehr heiter und gnädig gegen mich 
war. S: ffl: fragten mich, febreibt Klagner ihnen 
auch ? Ja, war die Hntwort. laffe mich aber dir hin- 
fudeln in diefem Brief und mit dir plaudern denn wir 
find allein, meine frau ift in der Kirche, niemand hört 
uns. Klie wäre es, wenn du die jwei 6ruppen 
Caftor und Pollux auf Monte Cavallo 
maebtoft? — 6s ift ja nur eine Kleinigkeit, da 
fo junge Rerren wie du bift immer das höhere und 
größere lieben!! — fo gebe ich dir nun ernftlich 
den Hu {trag: diefe beide ?u unternehmen. Vorerft 
aber an mich eine Skije, fo bald als möglich ge- 
zeichnet ju febiken. Vieleicht eben die jwei an der 
Creppe vom Capitol beizulegen. Jch will die jwei 6rup- 
pen für midi [durebftrieben] machen laffen Jn Marmor 
oder Stein da aber aus bloftem Zufall das obere Mich 
durebgeftrieben ilt, fo muft ich jetjt deutlich und 6mft 
mit dir reden. 6s ift unferes lieben Königs 
H u f t r a g ! — S : M : wollen diefe beide Gruppen, unter 
den jwei Klacbtbäuftern der oberen Hnlagen (hinter 
dem Scbloft) wo die Strafte nach der Retraite führt 
obngefäbr bei der fflayerei in den unteren neuen 
Hnlagen Collofal in Stein ausführen laffen. und 
durch welchen ffleifter? — — — [dur]cb Cbeodore 
Klagner. Klerfe du dich jetjt recht in die Bruft, nehme 
[dich jujfamen, nehme das piedeftal mit beiden 6ruppen 
nach dem Maas. [Jch] für mein Cb[ei]l [glaube,] daft 
es fehlerhaft wäre, wenn diefe 6ruppcn [im Verhältnis 
ju ihren Umgebungen ju kleinlicbt erfebeinen könten 
[. . ? . .]ern auf den Kopf u. eine Canje in die Rand. 
[Hl]ter [al]ler Hnfang ift fchwehr! fflarmorarbeit kan 
nadifolgen id) habe im Vorratb und vor 3 Klocben 
eine Beftellung ju einem Monument fo weit abge- 
wiefen dafj der Beiteller in Zeit einem Jahr anfragen 
möchte, vielleicht köntc ich es dann mit meinem Schüler 
Klagner übernehmen. 6cbe dir nur recht Mühe, es 
Toll, muft, kan und darf dir nicht fehlen, du darjft 
nur (Hollen. — 

Die Qnterftütjung vom König fehlt dir gewieft 
nicht. Mit Rr. Oberftbofmeifter wird das bald in die 
Ordnung kommen. Rr. Dann hat feit 5 Cagen deinen 
Brief und erwarte jeden Cag antwort von ihm, dann 
foll feineHntwort dem Brief den frommen Scbluft machen. 

D. 23 ,c " Do: diefen Morgen erhielt ich nun die 
Hntwort von dem I)r. Stadt Pfarer, daft dein Vor- 
fcblag genehmigt wäre und näcbfter Cagen 6in Klechfel 
folgen foll. Cieber Klagner fei doch recht auf der Ruth 



128 



VI. Briefwecbfel mit Kanzlern. 



dafj die Sache nach deinem Verfprecbcn gut aus- 
geführt wird und daf} die qualitaet des Silbers ja 
nicht ju gering wird, denn fonft febreyen die biefige 
Silberarbeiter die darauf gefpannt haben. F)err Dann 
läfjt dich berjl grüfjen und will dir dieSache 
dadurch a n s B e r } legen. 6eftern erhielt ich Hacb- 
riebt von dem oben bemerkten Monument in Marmor, 
weld^es ich ausgcfcblagen habe. 6s ift das 6egenftück 
nach Oldenburg, auch eine einjige Statue. Diefe id) 
nun aber übernehmen folle, wegen feinen Schritten die 
der 6ro!jberjog machte. — Die Bejabtung ift nicht be- 
fonders aber es läfet fieb unternehmen. Dun fehe ich 
ein, daf} bey deinem Huftrag vom König du keine 
Zeit bekommen kanft mir unter die Hrme ju greifen, 
und ich habe mich daher an den Zwerger gebalten. 
(Hie mir es freude machen würde, wenn ihr beide in 
meinem Hlter die Stelle einnehmen könntet, die ich 
noch gerne bei dem ßefcbäft haben möchte. Du kennft 
mich, da ich die freibeit liebe, fo werde ich gerne dem 
Zwegcr freibeit gönnen er mag es aecordiren. fflo- 
natbweif} oder felbft töocbenjablung das ift mir gleicb- 
gildig. Der Zwerger liebt die Hrbeit, das weif? ich 
und daher könnte id) mich auch auf Jahres Contracte 
entfeblüken auf 3. 4. 5. Jahren fehe ich Hrbeit ent- 
gegen. Huch würdet ihr beide bei Hrbciten jufammen- 
fteben könen, da der König wie mir fcheint auf dich 
Rückficbt nimt. Über die Sache redet doch mit 
niemand, es ift ja nur meine Sache, kann aud) nie- 
mand Jntereffiren ; lebreibe mir bald wieder. "Vom 
Zwerger aber erwarte ich bald antwort. Meine l. frau 
grü&t dich beglich und nimt Hntbeil an deinem Scbik- 
faal Br. Baun desgleichen und er wird dir bald 
jebreiben Cauterbacb und Carle haben deine 6rüf}e 
freude gemacht fie laffen dich wieder grüfjen — dem 
Br. 6egenbauer 6ute Kunft und fuchs die berjlicbften 
6rü[f?e von] mir, fie werden nun alle drey bald Huf- 
träge von dem König erbalten, [der] fieb gewief? über 
ihre fortfebritte freuen wird [? wird] mir von [?] febr 
gelobt. Hber um 6ottes willen [? ?] ja ewige Schande 
(Hie immer d . . [ ? ] 

Cebe gefund heiter [ ? ] 

(Der Brief Ift (ehr ttarh befdiädigt.) 

206*] G&agner an Danne&er. 

(Dadilaß H.) 

Rom, d. 11. De}. 25. 
Verebrtefter £ebrer! 
Doch nicht acht Cage waren verfloffen , nachdem 
ich meinen lejten Brief an Sie abgefebickt hatte, als 



ich den wertben Jbrigen vom 20. und 23 tcn vor. Mo- 
nats erhielt. Jd} eile daher Jbnen meinen tiefften 
Dank ju lagen, für den beglichen Hntbeil, den Sie 
an dem von Sr. Maj. mir beftimmten 6lücke nehmen. 
Jcb erhielt dadurd) meine an Sie gerichteten fragen, 
eher beantwortet, als Sie deren Jnnbalt erfuhren, und 
auf eine Hrt, die ich nicht erwarten konnte, noch ver- 
diene, und die das bisher gehegte Gefühl der Dank- 
barkeit gegen meinen gnädigen König und gegen Sie 
meinen verehrten Cehrer für immer erhöhen mufe. Jcb 
kann mir keinen febönern Huftrag dencken, als das 
Scbönfte aus dem Hlterthum }u kopieren, indem irh 
fo mit Gewißheit hoffe, nach Vollendung diefer Hrbeit 
Jbnen mit mehr Vortbeil beijuftebn, und überhaupt 
glaube, nachher etwas Befferes als bisher ?u leiften. 

Jcb legen Jbnen nun Jbrem Klunfche gemäf? mit- 
folgcnde Skijjen bey, Grftens die Coloffe von Monte 
Cavallo wie fie je?t aufgeftcllt find, und Zweitens 
einen fo, wie die meiften Künftler neuerer Zeit überein- 
gekommen find, daf} fie fteben follten, indem fie glau- 
ben, daf} die Pferde verwechfelt feyen, was auch aus 
vermiedenen Stütjen hervorjugeben fcheint. hierüber 
werden Sie übrigens Selbft am beften entfebeiden, was 
das Zweckmäßigere ift. Hud) folgen biemit Caftor u. 
Pollux vom Capitol. Diefe ftchen freilich in Rinficbt 
der Kompofition und Husfübrung, wie Sie Sich Selbtt 
erinnern werden, weit unter jenen, und befonders 
fcheinen die Verbältniffe verfehlt. Obgleich fie (Hinkel- 
mann für Kunftwerke aus früherer Zeit hält, fo fcheinen 
fie doch mehr aus der Zeit des Verfalls der Kunft 
berjurübren. 

(Has die Husfübrung der Koloffen von Monte 
Cavallo in Stein betrifft, fo jweifle ich faft, daf? fie, 
wegen der vielen freigebenden Cbeile, befonders an 
den Pferden, in diefer Maffe lange (Hind und (Hctter 
trotten würden, und bitte Sie deswegen, }u überlegen, 
ob es nicht vielleicht gut wäre, Sr. Maj. vorschlagen, 
ob Sie nicht folcbe aus gewöbnlidjem cararifebem 
flßarmor (marmo ordinario) fertigen laffen wollten. 
CQir feben hier gegenwärtig in den Studien von Cbor- 
waldfen und von Byftröm koloffale Statuen in dem- 
felben ausgeführt, und es ift nur eine Stimme dar- 
über, daf} er }u (Herken in diefem Mafjftabe beffer 
paf}e, als der weifje (statuario) ßauptfächlicb madit 
in diefem Hlles mehr Sffekt, und er ift nicht den 
Zufälligkeiten von Stieben und flecken unterworfen 
wie jener, während er in unferem Klima auch nicht 
fo durch froft und Regen leidet. Der Preif} diefes 
Marmors ift weniger als die Rälffte des andern, er 



Anhang 



VI. Briefwechfel mit Künftlern. 



129 



itt fo grofj als man will und foglcich ju haben, und 
wenn ich die Gruppe in Carara ausführen könnte, 
würde, wie Jonen bekannt ift, in allen Cheilen noch 
bedeutende Grfparnifj getroffen werden können, fo dafj 
vielleicht die Summe jene der Husführung in Stein 
nicht weit überftiege, wofür mann befferer Husführung 
und längerer Dauer der Statuen gewifj feyn könnte. 

töas nun die Husarbeitung der Modelle anbe- 
langt, fo wird diefe wohl mit Schwierigkeiten ver- 
bunden feyn, indem fie nur auf folgenden jwey Cdeegcn 
möglich ift. Jch müfjte entweder die Grlaubnifj er- 
halten, fie in einem die Gruppen umgebenden päpft- 
lichen ßallaft ju modelliren, von wo aus es wegen 
der Gntfernung wohl nicht genau gefchehen könnte, 
oder mann müfjte auf dem Platjo ein Bretterhaus er- 
richten, woju die 6rlaubnifj vielleidit noch fd)wieriger 
ju erhalten wäre und was aud) bedeutende Koften 
verurfachen würde. Da ich mich aber erinnere, dafj 
Sie fchon längft Sr. fflaj. vorfchlagen wollten, einen 
Hbgufj der Koloffen für den königl. Hnticken Saal ju 
acqueriren, fo dachte ich, ob fich diefe Hquifition nicht 
mit dem Huftrage des Königes vortheilhaft verbinden 
liefje. Jn Rom exiftirt jwar keine form und nur in 
ßngland ift die form von dem einen, wovon dort 
ein Hbgufj für 500 Pfund verkauft wird. I)ier würde 
mann für beyde formen und Hbgüfje nur 1800 röm. 
Scudi bejahlen, da aber die formen doch fehwerlich 
weiter dienten, fo wäre es jweckmäfjigcr, einen loge- 
nannten Calco di cera ju machen, auf welche Hrt 
mann alsdann beide Hbgüffe für 1200 Scudi erhielte, 
und den Vorthcil dabey hätte, dafj die 12 fufj hohe 
figuren, hiernach in Stein oder Marmor ausgeführt, 
beffer ausfallen mühten, als nach Modellen vom heften 
flßeifter, und wären die Kopien vollendet, fo könnten 
die Hbgüffe dem Hnticken Saal als feine fchönfte 
Zierde die ihm noch abgeht, beigegeben werden. 

Dun würden freilich nodo die Pferde fehlen, die 
auf alle fälle modellirt werden muffen, da fie fehr 
reftaurirt und überhaupt von geringerem Klerthe find. 
Die befte Hrt fie gut ju machen, wäre vielleicht, auf 
dem piatje eine kleine Kopie ju modelliren und fie 
hernach mit Beihülfe der beften antiken fragmente und 



Datur im Httelier in derfclbcn Gröfje ju modelliren, 
in der fie ausgeführt werden Tollen. Huch würde mir 
hiebey in 6rmangelung Jhres Raths gewifj Cbor- 
waldfen gerne beiftehen, der felbft gerade jetjt ein 
fchönes koloffales Pferd vollendet hat. — 

Verleihen Sie meine freimüthige Heufferung, die 
ich Jonen, als Bemerkung, welche mir bey der Be- 
trachtung der Gegenftändc hier am Orte felbft einfiel, 
mitjutheilen für nothwendig fand. Jhrer beffern 6in- 
fidit ftelle ich es anheim, folchc ju prüfen, und erwarte 
Jhre fernere flßittheilung über den Bcfchlufj unferes 
gnädigen Königes I 

Die Genehmigung meines Vorfchlags wegen dem 
Chriftus am Kreuje, mad)te mir viele freude und ich 
vollende nun mit doppeltem 6ifer das Modell, woran 
ich noch gegen 14 Cage ju thun haben werde, um 
fagen ju können, ich kann es nicht mehr beffer. 6s 
wird alsdann fogleich gegolten werden und die Stutt- 
garter Silber Hrbeiter follen fich gewifj über nichts ju 
befchweren haben. Jch erhob bei Corlonia an der 
Summe 340 fl. wovon mir der theure Banquier 16 fl. 
abjog. pr. Stadtpfarrer Dann bitte ich Sie mich herj- 
lichft ju empfehlen. Zwerger habe ich die Beilage fo- 
gleid) übergeben, und fchlieffe Jhnen hiemit die Hntwort 
darauf ein. 

¥). 6egenbaur haben Jhre Grüfje fehr gefreut, er 
wird vor einigen Cagen fein Bild abgefchickt und an 
Sie gefchrieben haben. Sie werden bey diefem Bilde 
mit Vergnügen die grofjen fortfehritte die er gemacht 
hat wahrnehmen. 

¥). Baun von dem ich wie Sie mir fagen, bald 
einen Brief ju erwarten habe, wie auch Cauterbach u. 
Carl grüfje ich vielmal. Jhnen wie auch Jhrer lieben 
frau danke ich nochmals herjlichft für Jhre Teilnahme 
an meinem Schickfale und empfehle mich ftets Jhrem 
gütigen Hndenhen und Klohlwollen. 
Jhr gehorfamer Schüler 

Cheodor COagner. 

Jch bitte Sie noch höflichft Rerrn Oberft Rof- 
meifter v. Seckendorff meinen unterthänigften Refpekt 
ju melden. 



'7 



130 



VI. Briefwecblel mit Künftlern. 



207*] Dannecher an Gberbard Klaecbter. 

(Da*!. uJaddrters. Bibl. Stuttgart. Ritt. Q. 345.) 
Cieber freund 
Jcb habe Jbre traurende fflufe geleben! Cicber, 
Cieber Kläcbter würden Sie dieles Jbr Bild nicht dem 
Dannecher gönen ? Sie glauben nicht welche freude 
es mir, und meiner lieben frau gemacht hat, geben 
Sie nur ein paar Cöorte dem Überbringer mit, dah es 
feldcr, ihm ju|tellt, ich bitte, bitte! Meine herzliche 
empfeblung den lieben Jbrigen 



. [Husgeriüen] fflerj 1829. 



Dannecher. 



[Das genannte Bild „Die trauernde flßufe auf den 
Ruinen Htbens" kam in den Befit? des Baurats fifcher ; 
Dannecher erhielt eine Copie mit etwas veränderter 
Candfcbaft. 



S. „Der Bajar" 1842. Dr. 43. 

ödintterlin weih von einer Copie nichts, u. nimmt 
an, dah das Original in D.' Befit? war und jetjt in 
der 6allerie ift.] 



208*] Gottfried Scbadow an Dannecher. 

(Dacblafe H.) 

Meinen alten Studien Cameraden Danecher be- 
grüHe biemit durch meinen Schwager den Brofeflor 
Klolf und detfen Cochter. Das Kleitere wird 6r Jbnen 
erzählen. 

Berlin 10 Huguft 1834. 

Dr: 6. Scbadow Director. 



VII. Briefwecbfel mit Gönnern und Kunftfrcunden. 



Briefe Danneckers an (oaetano Marini. 

(ßtbliotbeh des Vatikans f- 'at. 9061. anvolltt. Hb(chr. von Dr. frltj Kern im K. Staatsarchiv Stuttgart.) 



209*] Dannecker an ffiarini. 

Rom. 13. 1 1. 89. 
M'ardisco d'incommodare V: S: con una 
lettera, la quäle dice av V. S. l'ultimo addio. 
ringrazio ben di cuore per la bonta et attezione 
che V : S : a usato verso di me ; con molta an- 
sieta l'ho aspettato, fin a questo punto, ma atteso 
il limitato tempo della mia prossima partenza 
del di 14 del corrente non posso con mio gran- 
dissimo dispiacere communicare a V. S. a voce 
quelli che ora gli paleso in scritto. II grande 
dispiacere di dovere lasciare Roma mi spinge 
di pregare V. S. avendome V. S. giä parlato 
d'interporre a S. A. mio sovrano con far gli 



i 19 seudi che V. S. [a] avuto la buonta di 
prestarmi subito nel mio arivo alla padria li 
mandero per cambiale diretta al banchiere Sur- 
loni, ove V. S. potra subito riseuotere. 

Intanto pieno di racommandazione e di 
stima mi dichiaro di 

V. S. illustrissima 

Roma il di 13 novb. 1789 
oblmo affm° servo ed amico 

Dannecker. 

Spero d'aver l'onore di qualche riposta di 

V. S. con l'inderizo Dannecker scultore de Duca 

di Wirtemberg. io gli dö notizia che sono stato 

amesso ä l'accademia delle belle arti di Bologna. 



Alteza facendomi ritornare in Roma, con far gli 
vedere premieramente il vantaggio per la belleza 
dei lavori che costi si fanno attesa la continua 
vista dell' antichita, in secondo luogo il grande 
risparmio circa la spesa dell' trasporto per la 
legiereza del marmo gia lavorato, ed attesa an- 
cora la mia etä piü giovane di quella del mio 
compagnio e l'ardente amore che naturalmente 
porto all' arte mi fä conoscere il grand profitto 
che costi farei, perche se dovessi per la mia 
desperazione, che io attesa la sua buonta d'inter- 
porsi caldamente per me con S. Alteza mai cre- 
dero, restare nella mia padria, puö le V. S. con- 
noscere la perdita che io farei nell' arte. Prego 
ancorä V. S. di unire con i miei umilissimi com- 
plimenti che io divotamente facio a S. E. il car- 
dinale Porgia l'istanze che V. S. farra per me 
a S. Altezza con dire a S. E. che caldamente 
mi raecommando al suo potere con far mi con- 
tento di mandare anche lui una racommandazione 
in scritto a S. Altezza, 



210] Dannecker an fflarini. 

(publ. von Eugene fJQünt;. Courier de l'art VI. nr. 51. 
(17. De?. 1886.) 

Stuttgard, 20 Febro 1790. 

Illmo Sigre Pad"e Colemo, 

11 mio dovere sarebbe stato di rispondere 
nel momento alla sua graziosissima Lettera, che 
m'a fatto l'onore di scrivermi: ma io spero, che 
V: S: non riguarderä male, quando l'assicuro 
che il mio silenzio non era peraltro ch'aspettare 
il momento di poter scrivere il mio stabilimento 
in Padria mia. Sono professore con 800 fiorini 
all' Accademia di S: A: li stesso ilsig 1 Scheffauer; 
il duca ci riceveva con molta grazia; siamo ar- 
rivati il primo dell' anno, siamo audati subito 
dal Duca, domando apresso di lei e dal sig r Car- 
dinale Porgia; le Iettere que aveva il sigr 
Card le e V: S: la grazia di screvere A: S: A: 
ci fece molto di buono, e noi abbiamo da rin- 
graziar a V: S: di tutt' il nostro cuore, ma non 



132 



VII. Bricfwerhtel mit 6önncrn und Kunftfreunden. 



dirö niente di questo, perche io so che un uomo 
come V: S: conosce le sue gente e sä come 
pensono, dunque basta. 

Siamo dunque audati in audienza del nostro 
sovrano a ringraziarlo del nuovo buono stabili- 
mento nostro, ove ci disse — sono molto con- 
tento di Ioro , continono a far onore alla loro 
prima educazione che diedi io , et poi mi faro 
Piacere di distinguerli sempre di piü. Vadono 
pure a far si vedere avanti la Duchessa, e di- 
cono che li mando io. Colla Duchessa erimo 
piü che un quardo d'ora che domandö pure di 
lei, poi ritornö il Duca, e domandö — il sig r 
abate Marini gli a fatti molto favore? non e vero, 
e un uomo molto distinto? e un bei uomo? — 
quando e alto? in che conversazioni va egli? — 
nelle piü nobili, disse io, ed io l'assicuro ch'ero 
felicissimo d'aver avuto l'occasione di poter par- 
lare con tanto intusiasimo di V: S: mi pareva 
d'esser a Roma, o benedetta Roma, Roma m'a 
fatto infelice per vita mia, e ingiusto della parte 
mia che mi lamento, sto bene di salute, sono 
amato de miei amici, sono stimato, il Duca mi 
vuol bene, non ho nisuna Ragione di lamentarmi. 
Ma Dio mio sono perzo, niente mi fä piü piacere, 
tutto e fretto , con tutto questo che abbiamo 
qui un inverno come il tempo del ottobre a 
Roma. Non passa una giornata che non mi 
vengono le lagrime all' occhio, sto qualche volta 
la sera nella piü bella conversazione , quando 
vedo tutti di Piacere nel' Olympo, io sono malin- 
conico; con tutto questo che vedo volontieri 
il mondo contento. Signore mio, amico stima- 
tissimo, brego lei per amor di Dio , se lei pot- 
rebbe far qualche cosa di farmi ritornar aRoma. 
Ma che dico, sono matto, mä infelice, pero posso 
dire, che senza di lei, non vedo speranza alla 
mia felicitä. 

Devo ancora a V: S: doppo tanti debiti 
19 scudil lei me scrisse con una buontä in- 
credibile che non abbia prescia, che le posso 
mandare senza farmi del torto, e vero che ad- 
desso duro per me di rimettermi un pocco in 
buon ordine, mä subito che posso li mandero. 
Fra tempo sarano scritti i 19 scudi in petto, e 
mi farano pensare anche in questa occasione a 
lei. La lettera che scrisse V: S: alla S: A: di 
me fece impressione, il Duca disse, prima del 
nostro arrivo a un Ministro amico mio, che uno 



di noi viene mal volontieri, viene perche e il 
suo dovere, ma Dannecker vorebbe ritornare 
in un paio d'anno, e questo si puo fare, mä mi 
fä principalmente Piacere, che m'anno fatto in 
tutto onore. 

Se dara occasione che il Duca e di buon 
uomore, faro a lui questa proposizione, di riman- 
darmi con 1500 fiorini l'anno e tutti i 16 mesi 
li mandero una statua alto del vero per questi 
Denari. Io non starei troppo bene, mä felice 
in Roma. 

Mi scusi che ho seccato V: S: tanto con 
Roma, mä non lo posso scrivere senza sospirare 
che non finira, fin al Piacere di riveder lei. Fra 
tempo mi ricomando umilmente nella buona 
grazia di V: S: Col preghiere di ricomandarmi 
umilmente a S: E: il Card le Porgia come pure 
si ricomandono i miei amici Hetsch e Scheffauer 
nella sua per noi stimatissima amicizia, e prin- 
cipalmente si ricomanda 

di V: S: 

Umiliss. Obligatis. servitore ed amico 
Enrico Dannecker. 

All' Illmo Sigfe Sigre Pne Col™ 

II Signore D. Gaetano Marini, Presidente 
dell' Archivio segreto della sede Apfa: q: q: 
Residente di S: A: d: il Duca regnante di Wir- 
temberg e secc: ez. 

Franco Roma. 



211] Danne&er an fflarini. 

(publ. v. eugäne fflüntj. Courier de l'art VI. Dr. 51. 
(17. Dt}. 1886.) 

Stuttgard, il di 8 Marzo 1790. 
Ulmo sigre Padne Colma 

La sua carissima Lettera del di 24 febro 
mi fä un piacere grande, principalmente che iö 
so, che lei sta di buono salute. Prego V : S : 
un altra volta di non pigliar per negligenza o 
ingratitudine, o mancanza di rispetto , che non 
o riposto subito alla sua prima stimatissima 
lettera. Mi creda, nella mia prima lettera, ove 
l'assicuro V: S: che non era altra ragione, ch'as- 
pettare il momento di poter dire cosa parlo 
domandö, e che intenzione aveva S: A: Mio sig- 
nore ed amico, prego di perdonarmi, se io manco 
nel scrivere a V: S: in certi termini, che pare- 
rano forse indiscreti. Sono Tedesco, mä sincero. 



Anhang 



VII. Briefwecbfel mit 6önnern und Kunftfrcunden. 



133 



O quando sono felice di poter dire che 
lei e amico mio : si V : S : m'a fatto la Stada 
[strada] della fortuna. II Duca sä che io dimando 
di ritornar a Roma; la Duchessa pure Io sä. 
Domenica passata ella domandö, se siamo con- 
tenti, e se noi ci potemo avezare a Stuttgard? 
— discredi dicemo di si, mä quel si, con quel 
tono tristo e secco non piaceva alla Duchessa, 
e disse a noi, mä signori vedo e sento che non 
e ancora il vero tono, mi dicono apertamente, 
cosa bramano? Sig r - Scheff: risposi: Alteza, la 
diferenza per noi artisti e grande, e poi secondö 
io forte; e disse se la S: A: ci darebbe ad 
ungniuno iooo scudi, noi ogni 14 mesi o 16 man- 
deressimo una stadua di marmo grande come 
il vero, senza che pagase qualche cosa , altro 
che il porto. Questa idea piaceva alla Duch- 
essa, e ci promisse di parlar a S: A: e che fara 
tutto per noi. Hieri sera erimo colla Duchessa, 
abiamo fatto vedere certi Bozzetti che lei do- 
mandö per un sepolcro che vuol far erigere per 
un buon Predicatore , lei era tanta contenta 
e ci disse ho piacere che vedo che lor 
signori anno pensati a me col lavoro! anch'iö 
ho pensato a loro, ho parlato a S: A: e lui disse 
che non e contrario, quando avrano finiti il 
lavoro che fanno adesso, potrano andar a Roma, 
lasciano fare a me, disse la Duchessa, faro il 
mio possibile di contentarli; io ho parlato con 
mio sposo, non che lor signori m'avessero detto 
qualche cosa, solamente che fosse idea mia. 
V: S: sio puo figurare, quando siamo contenti, 
tutto ci e qui piü bello, non ho dormito tutta 
la notte di piacere. 

II sig. Hetsch scrivera oggi pure a lei il sig. 
Scheffauer pure, lui crede che V: S: abia scritto 
a S: A: che lui ritorno volontieri a Stuttgard, 
perche il Duca disse primo del nostro arrivo, 
che lui, viene volontieri, ma io no, mä come su- 
cede che il Duca non si sara piü ricordato bene 
come lei faceva la buontä di scrivere a lui, ma 
lui e consolato alla buona risposta che dava la 
Duchessa a noi. Gli scudi 19 che io devo aV: 
S : mandero al quartale, ch'e di 23 aprile se do- 
manda prima, ho credito da amici, e cercaro di 
contentare V: S: se in casa lei comandasse 
prima, mi perdoni, se non lö fatto subito , par- 
lero con il sig Paff, che mi fara poi la grazia 
di servirla. Se lei avesse l'occasione di poter 



fare colla sua delicateza qualche cosa in van- 
tagio mio mi ricomando umilmente. Desidero 
per lei la perfetta salute. Mi recomando nella 
sua stimatissima amicizia, e mi glorifico sempre 
d'essere di V. S. 

Umilissimo ed obligatissimo 

Servitore ed amico 

Enrico Dannecker. 



212*] Darmecker an fflarini. 

Stuttgard 7. fflai 1790. 

[D. jpriebt aufs neue die Hoffnung aus, nach Rom 
jurückjukebren.] 

Vedo che il Duca, non e in contro, mi disse 
che quando sara finito il lavoro li mandero un 

altra volta a Roma e la Duchessa mi disse 

giä tante volte che non dismenticara mai a far 
mi ritornare a Roma ed io credo per certo. 
prego il signore abate d'aver pazienza di me 
che fö tanto incomodo colle mie lettere e che 
io fö tanto aspettare V. S. colle 19 scudi mä le 
pagero per certo al primo quartale che viene 
se in caso V. S. le domandasse piü presto, prego 
umilmente a commandar me lo. avevo tropo 
da fare fin adesso d'ajustare le mie cose ari- 
vando quasi nudo in paese mio, mä tutto andera 
bene. Mi ricomando (etc.) 

servitore ed amico 
Dannecker professore. 

213*] Dannecher an flQarini. 

Stuttgart, 16. flßai 1790. 
[Dank für Brief u. Klünfcbc für fflarinis 6efundbeit.] 
Jo sono certo che se V. S. stasse in paese 
nostro, sarebbe sempre di perfetta salute, l'aria 
e buona qui, mä perö, per me meglior a Roma, 
se io potessi far un aecordo colla madre Natura, 
di morire 5 anni prima ch'io devo morire o stare 
per sempre in paese mio, io viverei volontieri 
5 anni di meno, mä perö a nisun altro luogo 
ch'a Roma. V. S. potra pensare che le mie 
lettere sono sempre piene di questa seccatura! 
mi perdonera mi signore, lo sono sicuro. Vado 
qui in poche conversazioni, mä ove sto, Roma 
e la seconda parola, i miei amici anno pazienza 
con me, e per far mi piacere quando mi vedono 
malinconico prineipioni a parlare di Roma, io 



134 



VII. Briefwecbfcl mit Gönnern und Kun[tfreunden. 



Ioro sono obligato, ma piü che obligato sono a 
V. S. che cerca a far mi ritornare a Roma. 
[ffl. bat jum zweitenmal für D. an den P)er?og ge- 
febrteben. D. bat dem Rerjog die Diplome der Hha- 
demien von Bologna und flßantua mitgeteilt.] Se 
adesso V. S. si rallegrasse in una lettera del 
Duca e scrisse che lei l'abbia sabuto a Roma 
. . . . e che noi potestimo far ancora il doppio 
onore se stasimo a Roma, lui colla sua idea che 
giä tiene, ci fä per certo ritornare. [Bitte, auch 
Kardinal Borgia möchte fich aufs Heue für ibn beim 
Rcrjog verwenden. D. fürchtet, der Fjer?og möchte 
auch Scheffauer wieder nach Rom febichen, während 
doch nur er, D., dielen Cdunfcb gehegt habe.] abiamo 
fatti modelli per 2 stadue che il duca vuol far 
fare. lui era molto contento ma ci disse, di 
non farle tanto delicate per questo luogo ove 
vanno, e un cativo segno se si parla cosi. ma 
io rispose, in questa pietra etc. ove saranno 
fatte non parerano niente delicate — mä mi 
parlando di niente altro che di me. etc. 

servitore ed amico 
Dannecker. 



214*] Danne&er an fflarini. 

Stuttgard 14 agosto 1790. 

La sua stimatissima lettera del di 14 luglio 
m'a fatto come pure al mio amico grand pia- 
cere, mä piü consolante sarebbe ancora stata 
la lettera per noi se V. S. fosse di meglior 
salute, ma spero in Dio che tutto sara passato 
bene. Me ne piglierei volontieri un riffreddo- 
racio nella famosa grotta di Nettuno almeno 
sarei consolato essendo vicino di Roma. Hieri 
abiamo avuti un altra nova buona. la duchessa 
ci fece dire par un prete cattolico nostro amico 
che dovemo aver pazienza, che non dismenticara 
mai a di far ci tornar a Roma, io per me non 
so che sara al fine di me, sono malinconcio in 
un grado che darei la vita mia per niente. lavoro 
solo, studio piü ancora ch'ä Roma, tengo 203 
amici e cosi passa una giornata come l'altra. il 
Duca vuol il lavoro presto , ed io essendo per- 
suaso che fö piü che il mio dovere, sono tran- 
quillo e cerco a far tanto bene che posso, per 
far mi onore. ho pagato al banchiere 19 seudi 
Romani al banchiere il sigr. Pfaff giä aveva man- 
data la sua pensione .... mi perdoni che o 



tartato tanto a rendere gli 19 seudi. io rin- 
grazio etc. 

Dannecker. 

215*] Dannecher an ffiarini. 

Stuttgard, il di 4 nov. 1790. 

Col piü grande piacere mi metto sempre di 
scrivere ä lei. della sua cara a me tanta cara 
salute non dubito, spero in Dio che lei stia bene. 
Dannecker sta come non e stato mai, in un stato 
curioso, che non mi sono mai figurato di essere. 
Sabbia dunque che o fatto una pazzia giä si 
puotra imaginäre — mi trovo ancora per 9 gior- 
ni zitello, e poi marito: colla sorella alquale 
lei consegno a Roma certi libri per S. A. il 
sig r Rapp, mä non mi sarei sposato se la mia 
sposa non fosse stato di cuore buono, tutta na- 
tura e richa cosi non mi trovo di cativo stato 
il Duca stesso e contento della mia scelta e 
disse che pdro mi mandera ancora per 3 anni 
a Roma, ed io gli rispose che questo giusto 
sarebbe per me la piü grande grazia che mi 
potra fare. [Hucb Scheffauer bat fich verlobt. Be- 
fueb des Königs von Deapel, dem D. vom rjerjog vor- 
geftellt worden ift; glänjende Bewirtung u. J)offeftlicb- 
heiten ?u 6bren des Königs.] 

Mi ricomando di nuovo come sposo etc. 

Dannecker. 

216*] DanneAer an fflarini. 

Stuttgart il di 28 gennaro 1791. 

AI fine avrä il piacere di veder il Duca 
nostro in persona, si dice che partira di qui 
dopo domani. o che giusto sarebbe stato se io 
potero accompagniarlo, mä questa grazia e sola- 
mente a gente che non intentono cosa e l'arte 
e che cittä e Roma, se in caso ritornasse uno 
da Roma e che mi dice del male di Roma, io 
atacaro un duello per questa bella Roma. [D. 
bat für fß. bei der 6attin des Baron ffiylius, „una 
bellezza di Stuttgard," Be[ucb gemacht.] 

Addesso avra pure il signore abate l'occa- 
sione di parlare di me al duca nostro e dirglilo 
a voce di far mi ritornare a Roma, o di far 
venire del manno. [ferner bittet D. , das flßodell 
feines Bacchus, das er in Rom angefertigt und noch dort 
bei dem Chirurgen Kerri ftehen bat, bei Gelegenheit 
der berjogl. Reife jurüchjufebicken.] tengo pure da 



Anhang 



VII. Briefwecbfel mit Gönnern und Kunftfreunden. 



135 



quest uomo la Cerere , ma mi contento dal 

Bacco e prego etc. 

Dannecker. 



217*] Dannedier an ffiarini. 

Stuttgart. 15 fllär? 1791. 
[fiacbricbten von der familie fflylius.] 
II nostro S. Padrone sta addesso a Pariggi 
e tutte le Iettere che scrive a Stuttgard lasciano 
vedere la sua contenteza. a me fä piacere tanto 
perche sapevo bene quandi disgusti a avuto dai 
suoi fratelli in quel puntto. ed io sono certo 
che questa contenteza gli fara vivere 5 anni di 

piü mi dicono qui qualche volta che 

sono un uomo fretto ed a me mi pare di nö. 
ogni giorno sto in pensieri in Roma, principal- 
mente quando sto al mio lavoro. tengo due ag- 
lievi dall' accademia e con questi e il mio solo 
discorso tutta la giornata. O Dio se potessi 
tornare a Roma! — ma sara certo un' altra volta. 
La Dota della mia sposa e cosi che potrei con 
ella vivere con pocco di piü pensione che tengo 
dal Duca a Roma. Fra tempo mi ricomando etc. 

Dannecker. 
Mia cara sposa, alla moda detesca dice , al 
signore abate fä pure un benissimo complimento. 

218*] Dannecker an fflarini. 

Stuttgart, 12. Juni 1702. 
[Danh für Brief.] mä il Lenzi mi mette in pena 
che non vuol mandare i solfi o paura che ci vuol 
della forza per averli lui a avuto 16 zecchini fano 
60 fiorini e questo e danaro ! — Touret pure e stato 
•da lui mä aveva pure certi scusi e disse che lui 
aveva ordine a dar li solfi al sigr abate questo 
caso m'impare che non mi fidaro tanto presto 
a un altro di questa qualita. non puö credere 
quando sto in pena, il signore Fischer vuol i 
solfi O i danari e cosa o da fare? — — scrivo 
in questo billietto al sigr Touret con quello 
carico V. S. illustrissima che facia tutti le sforce 

per aver questi maledetti solfi [Über die 

Bezahlung von flß.' due quartali]. Da qui un par di 
mesi ariverano due o 3 artisti a Roma da questi 
e un alievo mio il quäle fä vedere molto ta- 
lento ma non a niente del S. Duca. in paese 
nostro non succede cosa di consequenza che me- 



rita a scriverle ä Roma dunque non so niente 
di nuovo, il duca sta bene, io pure 
etc. 

Dannecker. 

219*] Dannecker an fflarini. 

Stuttgard, 31. Juli 1792. 
[D. bat die Behanntfcbaft von Ce Brei, dem Cü- 
binger Kanzler, gemacht. Über die verlpätete Bezahlung 
der quartali flßarinis.] 

De la guerra fin addesso non so decide ') 
grand cosa. 18 ora di Camino lontano di noi 
sta il campamento di 25000 soltati ostriachi. 
e pero nissuno di noi pensa alla guerra — Mi 
faccia il piacere di mandarmi le stampe Piranesi. 
Come piace a V. S. illustrissima. Mi ricomando 
etc. 

Dannecker. 
') s'e decide? 

220*] Dannecker an QQarini. 

Stuttgart, 17. Hugu[t 1792. 

[Dank für Brief ffl.', aus dem Dann, gefeben bat, 
daf? ffi. die gewünfcbten Drucke nicht überfcbiken kann.] 

il sigre Hetsch non e arrivato ancora, non 
arrivera che nel altro messe, il Duca manda 
molti soldati alla frontiere ed ogni giorni non si 
sente che azioni terribili della Francia. ogni 3 
giorni sapiamo cossa passa in Pariggi. il Luvre 
e prugiata 1 ) di meta di 1000 persone morte, e 
colla guerra non c'e grand cose che nel aspetto. 

Mi ricomando. 

etc. 

Dannecker. 

') „bruciato". 



221*] Dannecker an ffiarini. 

Stuttgard 3. febr. 93. 
Ongni giorni pensai di rispondere alla sua 
a me tanta cara lettera e mai mi poteva risolvere. 
sempre era questa l'idea che io non sono capace 
di poter scrivere una lettera in lingua italiana. 
Ma basta, lei non aspettera da me i belli ter- 
mini, vedera il cuore che ama tanto V. S. illu- 
strissima. La settimana passata ero in stanza 
del Duca vicino d'un ora cominciara a parlare 
con me di V. S. io inteso il suo stimatissimo 
nome, ero subito di piacere fuori di me, virace 
pigliai la parola ed il Duca senti l'attacamento 



136 



VII. Bricfwccbfel mit Gönnern und Kunftfreunden. 



mio per V. S. con piacere. il Duca poi mi disse 
che aveva ricevuto una lettera di V. S. nella 
quäle lei scrisse che le belle arte non guada- 
gnano niente a Roma, poi mi disse che vuol 
far venire uno scarpellino in marmo, mä un 
intagliatore di marmo ci manca, e poi mi disse 
che io devo scrivere in italiano cosa deve sa- 
pere. e poi scrisse questo billietto che V. S. 
avra ricevuto nella lettera del Duca nostro. 1 ) 
Credo che non sarebbe male se V. S. illustris- 
sima parlasse con un scultore che connosce tutte 
queste gente. mä tra di noi, prima di far l'in- 
gagiamento consiglio io di scrivere avanti al 
Duca cosa vuole questo intagliatore per il viaggio 
di pensione o per la giornata. e dificile di dar 
addesso nuova pensione secondo le regole fatte 
del paese, e se nel caso non fosse niente per 
l'intagliatore bisogna che s'avezza a far vasi 
cammini ed altra di questa sorte. secondo la 
gazetta fiorintina scuto ch'era un tumulto in 
Roma e le lettere particolare dicono di piü. 

l'assicuro che i Romani anno grand lode di 
questo tumulto. nel nostro paese non si puö 
soffrire i francesi tutti sono in rabia contro di 
loro, da si che anno ammazzato loro tanto buon 
Re. Vorei saper volare questo tempo d'inverno 
per saper qualche azzioni contro i francesi, i 
tedeschi sono tanto in rabia che credo per certo 
che perterano i francesi. 

Mia tanta cara moglie si riverisce a V. S. 
illustrissima e prega V. S. con me, se in caso 
potrebbe esser utile al sigr Distelbarth allievo 
mio che li a regalato qualche cosa li sostiene 
un poeco mi domando nuove di Iui, e mi disse 
di ricomandarlo a V. S. 

Stuttgard, il di 3 Febbr. 1793 
etc. 

Dannecker. 

mi faccia la grazia di dar le stampe al sigr. 
Touret, lui avra la buonta di mandarmele con 
altre cose — prego di far pure al sigre Cardi- 
nale Borgia miei umilissimi rispetti. 



') Dem Briet IJcrjog Karls an CQarlnl vom 24. Jan. 1793 
liegt von Dannechers I)and folgendes Blatt bei: 

Un bravo intagliatore di marmo che s'intende bene a 
segare i marmi duri, come Porfito ed altri marmi preziosi 
che la S. A. S. ne a molti, di Roma, l'intagliatore deve ben 
saper lavorare in marmo come scarpellino o per aiuto suo 
insegnare ai scarpellini del nostro paese. 



222*] Dannecher an fflarim. 

Stuttgard il di 3. marzo 1703. 

Nel momento ricevo la sua stimatissima let- 
tera e nel momento mi metto a risponderla. II 
Duca mi disse hieri a Hohenheim che V. S. giä a 
trovato uno bravo scarpellino ed e contentissimo 
di questa nova, mi disse pure che avra lettera 
colla prima posta di V. S. di persona, io disse 
ch'io avevo pure scritto a V. S. illustrissima e 
ne era contento. adesso io voglio fare una de- 
scritione, cosa noi chiamamo scarpellino, e di 
che qualita il Duca vuole lo scarpellino. la faro 
chiaro scrivendo questo. noi abiamo uno scar- 
pellino chi e capace di far tavole, vasi, camini, 
mä le fä senza ornamenti (come il nostro marmo 
del paese a molti colori misticati in uno, cosi 
non stanno mai bene li ornamenti dello stesso 
marmo, si fanno di bronzo. li stesso scarpellino 
fä segare, sega stesso i marmi ed lustra le pie- 
dre dure. Cossi si brama uno di noi, e chi sia 
piü bravo del nostro. il segare e lustrare non 
e grand cosa, mä tagliare in marmo un vaso 
simplice con buona forma che ne avra sempre 
un modello, come pure d'un Camino , mä se in 
caso lui sapesse pure componerli sarebbe tanto 
meglior. se non fosse capace di questo io lo 
consiglio di portar con se molti dissegni di ca- 
mini di buon gusto antico, che le potrebbe tro- 
var dei scultori. io scrivo questo solo per farse 
una ricomandazione avanti il Duca secondo la 
lettera di V. S. 111. sarebbe questo un intaglia- 
tore che noi bramiamo, mä secondo nostra idea 
sarebbe quello che lei chiama scarpellino un lu- 
stratore o segatore. Ma come quello che chiede 
il Duca non a da saper far ornamenti, altro che 
far l'architettura, noi lo chiamamo scarpellino o 
marmoraro, non lo so piü come si dice. e questo 
scarpellino di nostra idea credo io sara capace 
d'insegnare a gente che avera con se a segare 
e lustrare, mä la cosa principale e di saper far 
l'architettura, vasi, camini ed tavole etc. 

Noi abiamo paura dei francesi, con tutta 

neutralita del paese. sono diavoli. — il sigre 

barone di Mylius e stato vicino 3 mese a l'ar- 

mata delle Svevia chi coprino i nostri confini 

del paese, addesso e a vienna 2 messe , non si 

sä quando ritorna. Mi raecomando 

etc. 

Dannecker. 



Anhang 



VII. Bricfwecbfel mit Gönnern und Kunjtfreunden. 



137 



223*] Darnieder an fflarini. 

Stuttgart. 10. flßai 1793. 

[D. bat eine Quittung ffl.s dem pfaff gezeigt.] 

se signore le Bret mi pareva un poco mal 
contento che io non gli mandai la quietanza, mä 
come mi pareva inutile che la quietanza faccia 
la strada a Tubinga e poi di la ritornasse a 
Stuttgard, io non voleva incommodare tanto la 
buona quietanza. Basta , si consolera. — II 
nostro serenissimo Padrone mi parlo 5 giorni fä 
e mi disse che abbia scritto a V. S. illustris- 
sima per via di questo intagliatore e poi io dissi 
che avevo pure delle lettere di V. S. nella quäle 
mi parla che spera di far si onore di questo 
bravo artista. e poi non mi disse altro che si? 
io o riposto e il Duca volto il discorso, e come 
conosco il Duca — non dissi altro. — 

[Bitte, flß. möchte ihm fdnehen, was der Hbbate 
Roffi über {einen Bacchus gefchrieben hat.] 

Dannecker. 

[Hls Poftfcriptum eine 6mpfeblung für einen 
ungenannten Hcademie-Zögling.] 



224*] Dannecker an fflarini. 

Stuttgard il di 28 maggio 1793. 
Sua altezza m'ä ordinato di scrivere a V. 
S. illustrissima la proporzione dei viveri di Stutt- 
gard a quelli di Roma, da noi sono i viveri al 
meno del terzo piii bon mercato che da loro e 
sento che da si che sono qartito di Roma siano 
crescinti i viveri nel prezzo. 6 libre di Pane 
costano qui 15 garantani, mä addesso essendo 
la guerra vicina lo troviamo caro. in altri tempi 
lo manggiamo per 10, 12 garantani. la carne 
del bove costa 7 garan : il Borco 7 gar: la vitella 
mongana 5 gar: la libra di Buttiro 14 gar: e 
bisogno pensare che la libra da noi a 16 oncia 
dunque 4 oncia di piü che in Roma, uno seudo 
di Roma fä in dannaro del Paese nostro 2 fio- 
rini et 32 garantani. un fiorino a 60 garantani. 
il Panno e la tela nostra connosciuta e molto 
piü bon mercato q'ä Roma, il legno e l'affitto 
delle case fanno pure una grande differenza. io 
l'assicuro che quando un uomo prende il giorno 
48 otto garantani poträ vivere da Signore. 
48 garantani secondo il dannaro di Roma 



3 Paoli. il vino mancando nel Paese giä 3 anni 
sarra nello stesso prezzo che in Roma, eeco 
scrivevo tutta cosa mi pareva necessaro. 8 giorni 
fä scrissi io una lettera (a racione dei quartali) 
a V. S e la daro ad un signore che parti per 
Roma forze l'avera presto, il duca sta di nuovo 
di buonissima salute avendo la settimana passata 
la Potagrä. il sigre barone di Mylius fä di pen- 
gere il suo ritratto dal segre Hetsch il quäle si 
ricomanda tanto a V. S. illustrissima. e come 
o inteso sara mandato questo ritratto a lei. 

La mia tanta cara moglie se ricomanda 
umilmente ed io resto come sempre il di V. S» 
illustrissima 

umillissimo servo ed amico 

Dannecker. 



225*] Dannecker an fflarini. 

Stuttgard. il di 24 Ottobre 1793. 
giä avra V. S. una nuova che mi fä pure 
pena a scriverla. il nostro amatissimo padrone 
non c'e piü. — il Duca mori stä matina alle ore 
4 di francia. penö molto ma stava quasi fin' 
alla sua morte pieno di spirito. il Principi Luigi 
veniva a trovarla per la domanda fatta dal Duca 
moribondo. da sabato stava sempre acando da 
lui a Hohenheim. ed il Duca nuova giä sta nel 
palazzo a Stuttgard. non puö credere quando 
pena fä a tutti del paese d'aver perzo un sovrano 
che si faceva ongni giorni piü ben voler dal 
suo populo. La Pena grande che a il nostro 
buono, bravo ed amatissimo Isopi potra figurarsi 
V. S. illustrissima: io cerco d'incoracirlo sempre. 
lavora nel mio studio a cando di me. Lo rico- 
mando ove avevo l'occasione e non mancaro 
di continuare per che lo merita. il Duca Luigi 
e giusto ed io o inteso amante delli belli arti. 
l'architetto giä l'a preso in buon voler: dunque 
non mi pare che ritornera a Roma. — io non 
so ove mi sta la testa non penso altro che alla 
morte del Duca al quäle o tanta obligazione. 
mi favoriva della sua grazzia da si che sono 
nato. Iddio tenga la sua anima in Pace. 
etc. 

servo ed amico 
Dannecker. 



18 



138 



VII. Bricfwecbfel mit Gönnern und Kunftfrcunden. 



Briefe Dannechers an profeffor Obertbür in Cdürzburg. 



226*] Dannecher an Obertbür. 

(aniverlitäts-BibUotbeh {Qürjburg.) 
Kocbwürdiger I)err, 
6s freut mid) Jebr, dafj Sic meiner noch gedenken, 
und mir es beweifen dureb die Beftellung jweier Ubren- 
geltelle, durch K: profeffor Scbeffauer. Geftern habe 
ich fic durch einen fubrmann aus Sacbfen, abgefebikt, 
und mit ihm vor beide fünf Gulden veraecordirt wel- 
ches mir febr billig vorkam. Zuerft mufj icb Sie ge- 
borfamft bitten, naebdem Sic den Deckel haben auf- 
machen laffcn, oben einen Dagel nach dem andern 
welcher die Stüjen von dem 6efteU feyn und dicfelbe 
Veit halten heraus ju jieben, auch feyn auf der neben 
Seite hinein Dägel gcfcblagen, und nur nie den Dagel 
von einer andern Stüje berausgejogen : bifj ju vor, 
die Stüje mit Sorgfalt herausgenommen worden. Das 
Kaltlein und paken nebft Klerk D.ägel vor beide 2 fl. 
30 kr. Die Obren Geftelle 8 Couisd'ors ju 11 fl. und 
den Cransport, weldien Sie bey Hnkunft dcrfelben 
gütiglt bejahten wollen 5 fl. Die ganje Sume wäre 
alfo 05 fl. 30 kr. und mir würde gütigft zukommen 
90 fl. so kr. Cdirglicb mache icb wieder etwafj neues, 
das man ju einem Ubrengeftell aber noch mehr ju 
einem Dichter auf den Cifcb oder auch ?ur decoration 
eines Cifcbes brauchen kan. Ceicbt ift es einzurichten 
vor Ceicbter den es fchon vorftellt zugleich auch einer 
Ubr anzubringen. 

[von anderer Fjand:] I). Kammerratb 5er? u. I). I)of- 
kanjler fubseibiren auf die Grajien. 

Der Gedanke davon ift, die 3 6ra?ien halten fieb 
febwefterlicb aneinander und beben den Hmor auf 
einen Cantelabre (in welchem 3 Cicbter brennen) in die 
I)öbe. Der Hmor giefjt Öbl in die Campe: ich will 
damit anjeigen, dafj die Ciebe alles belebt, beleuchtet 
und begeiftert. Die 3 figuren fteben im Oval auf einer 
Sokel an weld^em ein angenehmes Ornament ange- 
bracht wird, ich denke das ganje in Biscuit in der 
Borcelan fabrique ju machen und kann daher den 
Koftcn nicht angeben. Doch habe ich mir auf die 
kleine Sckije 3 ßrenomeranten bekommen. Das ganje 
kann 20 Zoll hoch werden. 

Um Jbnen boebebrwürdiger perr nicht länger be- 
Icbwebrlicb ju fallen empfehle icb mid) Jbnen ganj 



geborfamft und habe die Gbre mit VoUkommcnfter 
Bocbacbtung ju verharren 

Jbro Rocbwürden 

untertbänigfter Diener 
Dannecker Profr. 
Stuttgard d. 18'«" ffiay 1795. 



227*] Dannecker an Obertbür. 

(anixxrlitäts-ßibtiotbck ÖJürjburg.) 

Bocb ehrwürdiger Bjrr profeffor 
6s ift mir äufjerft Ceid dafj das eine übren 6e- 
ftcll fo ruinirt angekomen ift, und tbut mir um fo 
mehr vieles fflifj-Vergnügen machen, weil Jbnen das 
Bcfcbädigte ju kam. Zu Jbrer Gntfcbädigung werde 
ich gleich das Grabmabl der eiifabeth mad)en laben, 
wie wohl icb niemand, der ein übrengeftell von mir 
gekauft vor den Rifico auf der Reyfe Bürge war: auch 
i[t das, das erftere das jerbroeben ift, in Gngcland 
und Petersburg kämmen ]\e eben fo gepakt ohne den 
geringften Sdiaden an, es kan nidit anders feyn, als 
dafj der fuhrmann Ceicbtfinnig damit umgegangen ift. 
Klann ich das Ubrengeftell hier hätte, fo wäre es frey- 
lich wieder fo ju machen gewefen, dafj es kein fflenfcb 
gefeben hätte übrigens darfen Sie ihm nur eine leichte 
färbe geben wann es gut angefetjt wird. 46 fl. 30 kr. 
habe ich von ¥). Gxpeditionsratb Knapp erhalten und 
danke geborfamft dafür, flßeine 3 6rajien werden 
jiemlid) befebeiden gekleidet 1 ) fo dafj fie der papft 
in feinem Zimmer halten dürfte. — Den Preifj der 
3 6rajien kann ich freylieb noch nicht beftimmen weil 
ich noch nicht weif? was für Qnkoften \d) dabey babe; 
fo viel ift aber gewifj dafj icb fic befebeiden anfejen 
werde. Die Hrbeitb ift grofj und der Cantelabre ift 
auch jimmlich verjiebret. Jcb darf ohne Gigenliebe 
lagen dafj fieb viele Ccutc darauf freuen weil der Ge- 
danke glüklich ift, und weil niemand von einer 
hintern Seite beleidigt wird, wie öfters an Deffert aus- 
jufejen ift dafj die gegenüber fitjende oder auch die auf 
der Seite wenig intereffantes haben. Klann es aber 
darauf ankommen Tollte fo fchicke ich eins Jbnen ju, 
gefällt es Jbnen nicht, oder ifts ju tbeuer fo gebts auf 
meine Koften wieder in mein atellier. 

') Klollen Sie fflorij über die 3 Grajien lefen. 



Anhang 



VII. Bricjwed)fel mit 6önnem und Kun(tfrounden. 



139 



Jcb empfehle mich Jbnen beftens u. habe die 
6brc mit Vollkommenfter Hochachtung ju verharren 
Stuttgart, d 22 Xtn Juny 1795. Dannecker. 

228*] Beilage Dannechers ju einem Briefe 
Knapps an Obertbür v. 26. 2. 1802. 

(dnlverl.-Bibl. Klür}bur0.) 

P. P. 

für den ¥). Profeffor Obertbür ijt die Bütte des 
6rj ßerjog Carls bey I). D: Cotta beftellt. ich werde 



torgen daf? folebe nicht durch den pottwagen abgefebickt 
wird. — flßit Sappbo habe ich noch nichts unter- 
nommen weil ich noch keine Zeit gefunden habe. — 
Jn Cudwigsburg geben die Sachen wie bebannt (in 
der Porcelain fabrique) febr langjam : werde fie aber 
in Grinncrung bringen. 

flßicb geborfamft empfehlend 

Dannecker. 



Briefe Scbeffauera an profeffor Obertbür in 3dürzbur<j. 



229*] Scbeffauer an Obertbür. 

(CtnW.-ßibl. (Hürjburg.) 

Stuttgardt, d. 25.*«" Jan. 1793. 
Durch freund Knapp wurde mir febon jerfebiedene 
mal Jbr gütiges Hndenken meiner und meiner frau 
gerühmt, und Jbr ttloblwollen welches Sic auch bey 
ihrem bietigen Hufentbalt uns angedeiben liefen, machte 
uns dreutt genug, uns ?u erlauben, dafj wir Sie als 
Patbe ju unferm glüklid) neugebornen franj 6uftav 
6mil bitten darffen, vor die gefällige Hnnabme deffen 
werden wir Jhnen den gerührteften Dank witfen ; Vor- 
jüglicbe Hochachtung und innigftes Zutrauen bat es 
jum 6rund weiter nichts — . flßeine l. frau die (ich 
Jbnen aufs bette empbilt befind fieb gottlob recht wohl 
und ich verharre mit aller Verehrung 

Jbr 
ßeborfamfter Dr: und fr: 
Scbeffauer. 
U: S: flßit dem größten 
Vergnügen werd ich wann 
bewutter junger Bildbauer 
bieber komt ihm an fan- 
den gehen. 



230*] Scbeffauer an Obertbür. 

(Oniv.-Bibl. Clürjburg.) 

Stuttgardt, d. 20 te " febr. 1793. 

Vor Jhren lieben beglichen Brief, machen wir 

Jbnen den verbindlicbtten Dank. — Jch wüntebte nur 

daf? Gegenwärtiges von erfreulichen Dingen handeln 

möchte, allein ich mus Jbnen leider fagen, dak unter 



liebe kleine franj nach 20 verlebten Cagcn an den 
6icbtern geftorben itt. 

flßein 6rftgebornes ein flQädchen das noch lebt, 
befind fieb recht wohl, flßeine l: frau die bereits aus 
den ötlocben gegangen geniefit der vollkommenen 
6e{undbeit, obgleich der Cod des kleinen fran? ihr 
lehr ju J)erjen gieng. Jcb kan Jhnen nid>t genug be- 
tebreiben, wie febr meine l: frau über die fo gütig 
angenommene Patbcnftelle erfreut war, Jbr lieber Brief 
rührte fie ju Crähnen und ich ftimmte gan? in die 
Gmpfindungen meines l. Hleibs. Qnfer beeder eifrigfter 
(Hunfcb ift, dafe uns 6ott noch lange unfern lieben, 
tbeuren ßevatter und freund erhalten möchte, wir 
empbelen uns ferner in Jbre Ciebe und Göoblwollcn 
und verharren mit dem wärmften freundfcbafts-Gefübl 
dnfres beften 6evatter und freund 

geborfamfter Gevatter u freund 
Scbeffauer. 
Von den l. Knappifcben 
viele Gmpbelungen. 

231*] Scbeffauer an Obertbür. 

(dniv.-Bibl. Klürjburg.) 

Stuttgadt d 14.*«" Dov: 1793. 

Die Buften find wirglich ftark in Hrbeit und hoffe 
folebe in Zeit 10 Cäg abfebiken ju können. — 

Öberjeugt, dafj Jbnen mein Schickfal nicht gleich- 
gültig ift, und Sie jum Cbeil die Jcblecbte Verband- 
lungsart von Hrcbitect fifcher und Dannecker gegen 
mich wiffen, fo will ich Jbnen nur noch einen Dacb- 
trag erjäblen, welcher benante in ihr völliges Cicbt 
fejen wird. 



140 



VII. Briefwecbfel mit Gönnern und Kunftfreunden. 



Daß unfer I)erjog Cod iit, willen Sie bereits fchon. 
6s wird ihm nun ju feiner Husftcllung und Haltung 
der eifequien ein prädrtiger Catafalk errichtet ju wel- 
chem fifcher den ßauptplan verfertigte, es kommen 
auch allegorifche Gruppen und figuren daju. fifcher 
und Dannecker befprachen fich fogleich nach des ßerjogs 
Cod wegen bejagtem Catafalk erfterer jeigte ihm feinen 
Plan und concertierten ganj jufammen ohne daß ich 
das geringfte wußte und dis dauerte 14 Cäg. einen 
halben Cag ehe die ölahl der Gruppen und figuren 
jum Catafalk (welche durch uns Künftler insgefamt 
gewählt werden Tollten) vorgieng, lies mir fifcher 
fagen, ich möchte doch auch wie die übrigen Künftler 
meine Jdeen ju Gruppen und figuren mittbeilen. Jch 
der ich entfernt nichts Böfes ahndete machte mich fo- 
gleich daran und fejte meine Jdeen wegen Kürje der 
Zeit fchriftlich auf um fo mehr weil mir der Plan von 
der Hrchitektur nicht bewußt war. Den andern Cag 
kam das Künftler Collegium ju Beurtheilung der Sache 
jufammen, wo ich fogleich merkte wie fchändlich ich 
hintergangen war und mir nur jum Schein aufgetragen 
war meine Jdeen mitjutheilen ; ich fahe ju deutlich 
wie die andern durch fifcher und Dannecker präpariert 
waren und alfo einttimmig und ohne weitere ünter- 
fuchung die Jdeen des Danneckers wählten. — 

Den Schmer? den ich wegen einer folchen fchwar- 
jen Handlung fühlen mußte, können Sie fich edler 
fflann vorftellen. Clnfer neuer ßerjog welches der 
vortrefflichfte I)err ift nimt fich natürlich nicht wie 
unfer Verdorbener der Sachen fo ins detaille an und 
glaubt daß die praefidenten der Departementer nach 
Gewifeen handeln, wie es wirglich der fall bey uns 
ift, fifcher hat fich das Zutrauen unfres fürften ganj 
ju erwerben gewußt und durch ihn geht alles; was 
hab ich alfo vor Husfichten? Jch könte mich wohl 
wegen den fo fehreyenden önbilligkeiten wegen un- 
mittelbar an einen fo rechtfehaffenen und Billigkeit- 
liebenden I)errn wie unfer F)erjog ift wenden, allein 
ich würde bey gegenwärtigen ömftänden meine gerechte 
Sache nur verfchlimmern, nur bey einer glücklichen 
Veränderung (wann fich mit Gottes I)ülfe eine für 
mich fchiken follte) würd ich die ürfache meiner ver- 
langten Gntlaßung alsdann unferm fo gerecht denken- 
den fürften mit den lebhafteren färben darftellen. 

Hach dem Cod unfers ßerjogs wurde er abge- 
formt, die form fchikte mir fifcher mit bedeuten ich 
möchte die Bufte des Rerjogs in Hrbeit nehmen, ich 
unternahm diefe Hrbeit fo gleich mit dem größten 
Sifcr und reüßierte fo wohl in Hnfehung der Ähnlich- 



keit als Hrbeit ju völliger Zufriedenheit und glaubte 
fo gar, daß fifcher durch diefe Hrbeit, die er mir fo 
unvermuthet auftrug vor das mir angethane unrecht 
mich etwa ju entfehädigen allein das 6nde diefer mir 
gutfeheinenden Handlung brandmarkte fie auf die 
fdwndlichfte Hrt. Jn der größten Unbefangenheit fagte 
ich ju fifcher, weil es Jchein daß ich mit der Bufte des 
ßerjogs fo gut reüßiert habe, fo woll ich weil ich 
einen Block fflarmor habe ihn auf Speculation in 
fflarmor machen in der völligen Meinung daß mir 
ihn alsdan die verwittibte I)erjogin oder auch der 
perjog abkaufen würden, die Jdee gefiel fifcher recht 
wohl aber er nüjte fie ju meinem großen Verluft. 6r 
kam vorgeftern ju mir und fagte die I)erfchaft wolle 
mir den fflarmor abkaufen und ich follte alsdan weil 
ich in Befoldung ftünde die Bufte Hmtswegen in 
fflarmor machen. Hlle meine Vorftellungen daß auf 
diefe Hrt meine Speculation ju nichten würde halfen 
nichts, hurj wie ich Jhnen eben gefagt konte ich wie- 
der nichts machen und mus es eben gefchehen laßen. — 

Cheurer freund fejen Sie fich in meine Eage und 
urtheilen Sie wie tief mich alles diß kränken mus und 
was ich bey diefen Qmftänden vor eine traurige Zu- 
kunft vor mir fche was mich noch jum Cheil tröltet 
find meine liebe frau, Verwandte und freunde, fflein 
I)aupttröfter ift Gott und die heilige Religion die mit 
Zuverficht verfpricht das jenfeits des 6rabs keine Ca- 
balen mehr folgen. 

Gott alfo will ich nach feinen weifen fügungen 
walten laffen und feinen Klillen als das befte was 
mir begegnen mag anfehen und Jhnen theurer fflittlcr 
meine Caage ju beherzigen geben. 

Da nun der I)erjog dem ich alle Verbindlichkeit 
fchuldig war tod ift, fo hört folche in fo weit auf, wan 
es eine fchikliche Gelegenheit meine Sache verbeffern 
ju können gibt. Jejo können Sie weit freyer in der 
Sache handeln, doch fo, daß ehe etwas gewiefes ift man 
hier nichts erfährt, es ift jwar überflüffig daß ich diefe 
Hnmerkung mache ich überlaffe es ganj ihrer Klugheit. 

Verjeihen Sie daß ich Jhnen fo lang befchwerlich 
gefallen bin, allein mir ift es jejo weit leichter und 
bin um vieles beruhigter weil ich weis wie fo herj- 
lichen Hntheil Sie nehmen und wie fo innigft fich es 
Jhnen angelegen feyn laffen mich wo möglich glüklich 
ju fehen. Jn diefer fußen Roffnung verharre ich ftets 

ffleines theuerften freunds und 6evatters gehor- 
famfter Gevatter und freund Scheffauer. 

ffleine liebe frau und Verwände und die lieben 
Knappifchen empfehlen fich Jhnen vielmal. 



Anhang 



VII. Briefwedifcl mit 6önnern und Kun|tfrcunden. 



141 



232*] Scbeffauer an Obertbür. 

(Onlv.-Bibl. lüürjburg.) 

Stuttgardt d. io. ,cn Dcc. 1793. 

Jbr lieber Croftbrief bat mieb redit erquickt, allein 
was nüjt der Balfam, wenn die Stunde wieder auf- 
geriffen wird, lo lang ich noeb mit diefen fflenfeben 
werde ju tbun baben, fo lang bin ich nicht mehr 
glühlicb. — freund Knapp wird Jbnen die 6elcbicbte 
weiter befebrieben baben, jejt können Sie leicht denken, 
wie mir f : ju Ceib geben wird, auch bey der gewiffen- 
baftiften Geradheit meiner Handlungen fuebt er doch 
wo er kan mich ju kränken und mein Collega ift lein 
treuer Gefährte, unfern lieben Regenten mag ich nicht 
überlaufen, weil er von allen Seiten her wirblich be- 
ftürmt wird, auch war es wegen mehrere ürfachen nicht 
rätblicb, ich will die Sach jur Reife kommen laben 
und dulten. 6ott wird entfebeiden ifts nicht in diefem 
Ceben fo wirds gewis in jenem feyn. — 

Verjeiben Sie tbeurefter ¥>: Gevater, daß Jbre 
Buftc erft morgen abgebt, die vor 6r: Sgloffftein ift 
bereits vor 3 Cäg abgegangen. Die Buften hätten 
febon vor 12 Cäg können abgeben, wann ich die jum 
packen nötbige Sägfpäne hätte bekommen können, 
allein es war bis jetjt unmöglich, morgen wird die 
Jbrige auch abgeben, ich hätte fie gern mit der von 
Ggloffft. abgeben laf?en allein es ging keine fuhr am 
nebmlichen Cage nach Klürjburg. Jen wünfehe nur, 
dafj fie gut ankommen möchte, am gut paken ift 
wenigltens nicht gefpart worden. Beym Huspaken 
mus man fieb in Hebt nehmen im beraustbun der 
Sägfpäne da fie febr dicht ?ufamengeftampft find, dafj 
mit den Dägeln von den fingern nicht auf der Buftc 
gekrajt wird. 

Tejo erwarte ich nur Hntwort von Jbnen, ob id) 
auch die form gleich nachfebiken foll. 

nächfter Cag wird auch ein öevattcr Brief kom- 
men, meine l. Caroline klagt febon hie und da. Gott- 
lob fie ift febon eine geraume Zeit von allem Zabn- 
web befreit und befind fieb übrigens ganj wohl fie 
laTjt fieb Jbnen beftens empbelen, desgleichen mein ß: 
Scbwieger Vater, meine Schwägerinnen dito R: räthin 
Otto, Knappens, fflobl u. f. w. und id) verharre ftets 
mit der aufrichtigften Verehrung 

Jbr gehorfamftcr 
fr: und 6evatter 
Scbeffaucr. 



n. S. Jn Betreff P): Gkards habe ich dem ¥>. 
Cieutenant Reinbart die Sache übertragen und fo wie 
ich vernommen, bat 6kard febon angefangen. 

ßier will ich Jbnen die Koften der Hüften, Ver- 
goldung der Jnlcbriften, Sägfpäne u. f. w. beifejen auch 
fo gleich die Küfte vor die form. 

Drei Küften ä 1 fl. 12 kr. . . fl. 3.36 
Vergoldung der Jnfchrift ä 1 fl. 2. — 

Sägfpän —.36 

fl- 7.- 



233*] Scbeffaucr an Obertbür. 

(aniv.-Blbl. tnürjburg.) 

Stuttgardt d. 5**1 Jan. 1794. 
Cbeuerfter freund und 6evatter! 

Dach dero gütigen Zufage, bin ich fo frey, und 
falle Jbnen wieder mit einer 6evattcrfcbaft befchwerlich. 
Meine l. frau ift mit einem Mädchen glüklieb ent- 
bunden worden und befinden fieb beide gottlob recht 
wohl, das Mädchen bat den Hamen Hdelbeid. Zu 
unteren allerfeitigen Vergnügen bat nichts gefehlt, als 
dafj Sie auch in Perfon wären da gewefen , in deffen 
war doch Jbr Bild in unferer Mitte und wurde auf 
Jbr Gdobl getrunken. 

Hoffe dafj Sie die Bufte werden erhalten haben 
desgleichen wird auch die vor6r: Ggloffft: angekom- 
men feyn. 

dirklicb find wir hier wegen franjofen in grofjen 
Sorgen , es gebt die allgemeine Sage dafj wir einen 
Bcfucb von dcnfelben bekommen können. 

es baben febon mehrere Perfonen cingepakt um 
im fall der Doth fieb flüchten ju können aller wabr- 
fcbeinlichkeit nach aber haben wir dod) noch nichts ?u 
befürchten, in deffen erwarte ich was komt und ftellc 
es Gott anbeim was über mich und die ffleinige kom- 
men mag. 

Meine l. frau und übrige Verwandte und freunde 
empbelen fieb Jbnen aufs hefte item die Knappifcbcn 
und fflolifeben und verharre ftets mit innigftcr Ver- 
ehrung 

Meines tbeuerften freunds 

Gcborfamfter freund und Gevatter 

Scbeffaucr. 

P: S: Mit Hbfcbikung der formen erwarte ich 
von Jbnen ju vor eine Hntwort. 



142 



VII. Brtefwccbtel mit 6önnern und Kunftfreundcn. 



Vor den ßerrn Geiftlicben Ratb und Profeffor 
Obcrtbür bat Clntcrjogcncr ausgelegt wie folgt. 

fl kr 
Zu 2 Butten die Jnldiriftcn an den f usgeftellen 

ju vergolden ä. i fl 2 — 

2 Kü[ten die Bulten ?u paken ä 1 fl 24 kr 2 24 

Sägfpän — 32 

Packcrlobn — 48 

ferner eine Bufte nach Oebringen verfertigt. 

Vor das 6ieken und reparieren ... 2 45 

Die Jnfdwft im fusgeftell ju vergolden . 1 — 

eine Küfte 1 12 

Sägfpän — 16 

Pacherlobn — 24 

— *• 11 fl 2) kr 

Stuttgardt den n*«» ffiay 1794 
Den richtigen empfang befebeint Scbeffaucr 

Profeffor. 



234*] Scbeffaucr an Obcrtbür. 

(dniv.-Bibl. Cüürjburfl.) 

Stuttgardt. d. 26. JTßer? 1794. 

Jbrem Huftrag von wegen der Bufte vor die 
fürftin von Robenlobc kan ich gan? willfahren, in dem 
icb die form noch hier habe, icb hätte fie fchon längft 
gerne gefchikt, weil Sie mir aber gütiglt beditten, dak 
es aufeer einer fehiklieben 6elegenbeit keine 6ile habe 
und nun bis daher diele Gelegenheit fieb nicht gejeigt 
bat, fo ift es unterblieben, Jcb werde alfo baldmöglicbft 
eine recht fchön reparirte Bufte der fürftin übermacben. 
6s würde mich febr freuen, wenn es dabin käme, 
dak ich einige Bulten in erlangen ?u machen hätte, 
nicht fowobl des 6ewinftes wegen, als wirklich der 
Bekantfcbaften die mir von einigen Vortheil feyn 
könten und baubtfäcblich meinem tbeuern p: 6evatter 
näher ju feyn, wo ich mir die freybeit nehmen würde, 
Sie ju befueben. 

Das Basrelief der Hrtemifia ift in fflarmor aus- 
geführt, und ich bin fo jiemlicb damit jufrieden, auch 
bat es von unparteilichen Kennern Beyfall erbalten, 
es fehlt mir je?o nichts da?u als ein Käufer. Jch habe 
im Sinn, wann ich nach erlangen kommen Tollte, 
gedachtes Basrelief mit ju nehmen, es könnte doch 
feyn dak vielleicht I)r: v: egloffltein ein Käufer da?u 
wäre, indem ich es in einem folchen Preif? halte, dafj 
es ein reicher ffiann (wann er Ciebhaber der Kunft ift) 
gar nicht ju achten bat; famt der reich vergoldeten 
Rahme die es bat, komt es auf 15 Couisd'or. ferner 



bab icb noch 2 Köpfe en Basrelief von profil ganj im 
antiken Stil auch in fflarmor verfertigt, wo ich ohne 
meiner Künftlereitelkeit ?u fcbmeicbeln, tagen darf, dak 
fie gut ausfehen , fie find auch mit reich vergoldeten 
Rahmen verleben beede um 10 Couisd'or. 

Daf| Sie wenn Sie ?um Verfcblufe betagter Hrbeiten 
etwas beytragen können, es mit Vergnügen tbun, bin 
ich von ihrer 6üte jum voraus überjeugt. — 

Hucb werd ich mich näcbftens meines Verfprechens 
von wegen der gebrannten 6rdeder Hrtemifia entledigen. 
6s ift bereits im öderk, dak das flßodell abgeformt 
und Hbdrücke in 6rde gemacht werden können. 

Von 1% 6kart weis ich weiter nichts ju fagen, 
als dak er fo gleich nachdem ihm das Penfum auf- 
gegeben worden, er es angefangen und daran fort- 
gearbeitet bat, wie weit es aber gedyen, weis ich nicht 
und kan es auch nicht erfahren, weil er meiftens wo 
er arbeitet fich verfcblofeen hält. 

Cüir befinden uns 6ottlob gros und klein recht 
wohl und find vergnügt und glüklich ?ufamen in 
unferm häuslichen Cirkel, auffer dem gebt es noch 
immer wie Jbnen fchon bekannt ift und wenn es nicht 
ju auffallend wäre, würden fie es noch ärger machen. 
— Übrigens bin ich fo jiemlich ruhig und erwarte mit 
6edult was da kommen [oll. Der Croft bleibt mir 
wenigftens doch immer dak mir mein Rerj vor ein 
gutes 6nde Bürg ift. — 

Der ich mit vollkommenfter Hochachtung verharre 
Jbr geborfamfter 6evatter 
Scheffauer. 

Von Knapps, fflobl u. f. w. viele viele Compl. 



235*] Scbeffaucr an Obertbür. 

(Ontv.-Bibl. Ouürjburg.) 

Stuttgart, den 14. jfuly 1794. 
Verebrungswürdigfter freund u. 6evatter! 
Das überfchickte fäschen bab ich gut verwahrt er- 
balten, für welches per? erfreuliche Präfent wir alle die 
fich auf Jbre 6efundbeit damit labten Jbnen untere 
recht groke Dankfagung machen. So viel Vergnügen 
als Sie mir gemacht haben, muk ich Jbnen doch Jagen, 
dak Sie mich ?um Cbeil auch in Verlegenheit fejten ; 
Beltändjg hatte ich den frohen Gedanken einem fo 
innigft lieben freund durch meine geringe Hrbeit einiges 
Vergnügen gemacht ju haben, allein deffen bin ich je?o 
beraubt, weil Sie mich bejablt haben und überdiefj ift 
mein geringer Dienft den ich (nach Jbrer fflßeinung) 
Jbnen leiftete nach der fo forglichen freundfehaft die 



Anhang 



VII. Briefwccbfcl mit Gönnern und Kunftfreunden. 



143 



Sic vor mich haben bei weitem nicht vcrbältnihmäfig, 
Gott und Jbr I}crj werden Sie aber davor lohnen. 

Gndlicb komt die gebrande 6rde von der Hrto- 
mifia, ich mufj Sie recht lehr um Verleihung bitten, 
daß es lo lange angeftanden, allein es ilt nicht meine 
Schuld , es |ind mehrere Hbdrüke im Brennen fo jer- 
Iprungen, dafj bey 2tnaligcn Vorfucben ich von 8 Hb- 
drüd?en 2 einzige 6anje erhalten von welchen eines 
mit die|em Brief an Sie portofrey abgebt. NB: Sic 
muffen dies hleine Klerkcben nicht als ein gros aus- 
ftudiortes fflodell, londcrn als eine fertige Skije an- 
feben. Jcb werde darauf denken, weil Sie fo ein grofjer 
Ciebbabcr von gebranden 6rden find Jbnen gelegen- 
heitlich einige kleine Stüke ju fehicken. 

Die 3 fflarmorftücke von welchen ich Jbnen fchrieb 
bab ich, fo wie ich's gewünfeht habe vor 2 fllonat 
nach Kalb verkauft. töirklicb bab ich die Butte vom 
verftorbenen I)crjog in Cararifchcm fflarmor fertig auch 
habe ich wieder ein Basrelief in fflarmor gemacht von 
2 Schub 3 Zoll hoch den Perfeus mit dem Kopf der 
ffledufa und feinem Schwerd — . Die Bufte wird mir 
wie ich nod) im ungewiefen vermutbe der perjog ab- 
kaufen, id) glaube dafj id) gut reufiert habe wenigftens 
finden fie unparteiifchc Kenner febr äbnlidi und gut 
gearbeitet, auch ich meine Gigenliebe abgerechnet bin 
damit jufrieden, dem fey übrigens wie ihm wolle ob- 
gleich fifeber mit aller fflacht gegen mich arbeitet fo 
bleibt mir die Butte gewifj nidit und wird ihren Cieb- 
babcr finden. — 

Des 6kards leine figur habe ich geteben und 
kann nach 6ewiffen nicht anderft fagen als dafj das 
llaktc, die Zeichnung, Proportion und Grfindung der- 
telben ganj unter aller Kritik ift, die fiebenfachen die 
daran find, j. 6. die Verzierungen vom römil'cben 
I)abit die Kaske u. f. w. (die nach Kupfertticben ko- 
piert find) find recht gut und mit febr grofjem fleifj 
gearbeitet allein man merkt aus diefem an Deben- 
dingen unnötbig angebrachten fleifj den Kleinigkeits 
Geift, kurj der flßenfcb ilt und bleibt wie er ift, weiter 
komt er nicht mehr; die Hteftaten die er mitgebracht 
können meinetwegen Hdit feyn, allein fo wie ich er- 
fahren, bat er fie auf eine niedertrachtige Hrt erbettelt. 
Gkard bat foviel Gigenliebe, dafj er hier dreuft Jagte 
wie es möglich feye daf} er hier in der Kunft weiter 
kommen könne da er mehr verftebe als die Profefforen 
felbft; nur in Rom feye es möglich dafj er feine Kunft 
vervollkommnen könne. — 

flßeine Cage ift noch immer die nebmliche und 
lebe mit Sebnfucbt einer Veränderung entgegen, auf 



welche ich freylich wann nicht 6ott ein Cdundor tbut 
bey einem fo bartnäkigen Krieg Verjicbt tbun mufj; 
von Jbrer freundfebaft bin ich überzeugt dafj Sie ge- 
wiß keine Gelegenheit vorbeyfcbliipfcn laffen wo Sie 
nicht meiner dächten. 

Der Befuch von Jbrer freundin der fürftin von 
Robcnlobe wird mich recht freuen. — Die form von 
Jhrer Bufte hätte ich auch fchon gefchikt, allein da es 
mit dem Poftament eine große Kifte ausmacht fo bab 
ich beftändig auf eine fcbiklichc Gelegenheit gewartet, 
allein diefe bat fieb nicht gejeigt, jejo will ich eben 
durch eine gewöhnliche fuhr wann es Jbnen recht ift 
folche abgeben laffen. Ober die große freundfebaft des 
Rerrn Grafen von Ggloffftein bin ich in der Chat ganj 
gerührt und freue mich febr wann die Sache ju Stand 
kommt ihm meinen Dank mündlich abftatten ju können. 

Die fogenannte Rebellion hier ift von den Schufter- 
gefellen entftanden das ganje komme blos von einem 
einjigen derfelbcn her, der wie er glaubte ihm fein 
ffleifter unrecht that, er bat alfo alle anderen auf feine 
Seite gebracht, fie gingen jufammen auf ihre Verberge 
wurden der Cade habhaft und gingen mit derfelbcn 
insgefamt nach der kaiferl. frey Rcid)sftatt 6ßlingen 
fie wurden aber wieder famt der Cade mit fflilitaire 
abgeholt und die Hnjübrer 50g man jur Strafe, die 
andern murrten febr darüber und machten einigen 
Cerm in der Stadt warfen dem Oberamtmann die 
f enfter ein liefen herum und febricen es fo ju machen 
wie die franjofen ju welchem Unfug aber fieb noch 
ein grofjer Cbeil Straßenjungen gefeilt das ganje aber 
wurde durch weniges fflilitaire wieder in Ordnung ge- 
bracht und alles war wieder rubig. 

Von meiner frau des Knapps und fflobls u.f. w. 

viele viele Compl. und freund Knapp wartet nur auf 

Hntwort von Jbnen wegen Husjablung des Bewußten. 

Jch empfehle mich Jbnen beftens und verbleibe ftets. 

Jbr geborfamfter Gevatter und freund 

Scbeffauer. 

236*] Scbeffauer an Obertbür. 

(rjniv.-Blbl. Gatirjburg.) 

Stuttgardt, d i8 tc » July 1794. 
Ciebfter Rerr Gevatter! 
Verleiben Sie daß ich Jbnen fd)on wieder mit 
einem Schreiben befebwerlicb falle, allein es betrifft eine 
Sache wo ich Jbrer freundfebaft bedarf. Geltern bab 
ich durch jemand der von CQicn gekommen ift erfahren, 
dafj der Bayer (der Jbnen vermutlich bekant feyn wird) 



144 



VII. Briefwecbfel mit 6önnern und Kunftfreunden. 



weither dafelbjt als Bildbauer in Dienften geftanden 
kürjlidi geftorben Jey. Jih weis nun fchon von je 
her dal? Bayer in Klien febr gut ftund und daf? er 
neben feinem fixum welthes wie ith gebort 1200 11 
Kailer 6eld war, noth lehr viel Debenverdienft hatte, da 
mus ich Jbnen tagen, wie Sie leicht denken können, 
daf? es mich nach einem folchen Pia? {ehr gelültet, ich 
würde gewics ohne meiner Gigenliebe ?u Ichmeicblen 
den Bayer in allen Cbeilen erfejen ich kenne jerfchie- 
dene teiner 5öerke gar gut lo daf? ich in Vergleich {einer 
auch lagen kan ,,anch' io son scultore" er war wie es 
Jbnen bekant teyn wird ehemals in biefigen Dienften. 

Da Sie wie id) nicht ander[t vermutbe eine aus- 
gebreitete Bekantlchaft in ödien haben und auch auffer 
CQien die dalelb(t Ginflufj haben, fo könte es doch 
feyn, daf? vermittelt Jbrcr wann am redeten Ort an- 
geklopft würde für mich in Klien etwas ju machen 
wäre, gerätb es nicht fo bin ich immer der thätigften 
Betreibung deffen von Jbrer Seite überzeugt. 

freylich könte der im Krieg fo hart mitgenommene 
Kaifer nicht wohl Cuft haben, einen Künftler in Dienfte 
ju nehmen da aber keine neue Befoldung ju fchöpfen 
ift, und ich blos in des Verftorbenen feine eintretten 
würde, fo wäre doch die Sache nicht fo gan? unmög- 
lich. Überhaupt ift kein einiger merkwürdiger Künftler 
in Cöien (ich will nicht damit fagen, daf? durch mich 
einer dabin käme) doch fühl ich daf? ich dafelbft nicht 
gan? unbekant bleiben würde, da bätt ich doch auch 
einen Klirkungskreis vor mir welches vor einen Künftler, 
der fühlt was er im Stand ilt ju leiften, in einer 
großen Stadt wie Klien und fo vielen reichen ßönnern 
allemal der fall ift, dann hier bin ich eigentlich mit 
meiner Kunft lebendig Cod und will mich auch hie 
und da ein günftiger Stral in meiner finftern Gruft 
beleuchten, fo wiffen ihn ßeid und Zwietracht fo auf 
?ufangen, daf? ich immer in Dacht und Dunkel bleibe. 

7a tbeuerfter freund wäre das fixum (ohne ein 
fixum würd ich niemals keine Veränderung machen) 
nur ein wenig erträglich fo würde ich es mit freuden 
ergreifen, dann in einem folchen Ort könte ich auf 
einen guten Debenverdienft gewiefte Rechnung machen. 
Jch überlade es gan? ihren klugen Ginfichten wie Sie 
die Sache einleiten wollen nur fo daf? hier nichts da- 
von vermerkt wird. Der wirtembergifebe 6efandte 
v: Bübler in Klien würde gewies mir nichts böfes 
dabey machen, er war vor einiger Zeit hier und bey 
mir er fagte unter anderm in meinem ateille: in 
(Hien würde ich mein Glük machen; Jn deffen möcht 
ich mich doch nicht unmittelbar an ihn wenden, weil 



er wirtemb: 6efandter ift. Vielleicht könte I): 6r: v: 
Ggloffftein oder die fflarkgräfin von Bareytb auch 
etwas mitwirken. — 

Die fürftin von Oebringen war bey mir in mei- 
nem I)auf? und in meinem ateille, ich danke Jbnen 
febr vor die Bekantfchaft diefer fürftin und hauptfäcb- 
lich einer fo vorzüglichen frau. 

Doch einmal verleiben Sic befter Gevatter daf? id) 
immer mit fo klag und ßülfeanrufende Schriften 
komme, allein Sie haben das Klerk angefangen und 
ich hoffen Sie werden es durch den Beyftand Gottes 
ju feiner Zeit enden. Der ich unter berjlichfter 6mp- 
heblung von meiner Caroline mit dem 6efübl des 
dankbarften I)er?en verharre 
Jbr 

Gevatter und freund 

Scbeffauer. 



237*] Scbeffauer an Obertbür. 

(Onlv.-Bibl. Klürjburg.) 

Stuttgardt d. 8«" Hug. 1704. 
Geebrtefter Fjerr Gevatter! 
Jn Betreff des jungen Künftler werd ich alles 
mögliche thun, was ?u ihrer Zufriedenheit und ?u 
feinem Du?en feyn kan. Zu diefem 6nde bab ich mit 
F>: Prof: Müller angclegcntücbft gefprodnn und ihm 
die Caage des jungen fflenfehen vorgeftcllt; er fagt 
mir, er würde ihn mit dem gröften Vergnügen unent- 
geltlich unter die andere Kupferftecber ?u fieb in die 
Hcademie nehmen, allein es bange nicht von ihm ab; 
obgleich die Hcademie aufgehoben fey, fo gehe die 
Kupferftecherey bis dato feinen alten Gang fort, und 
man bejable vor einen jungen fflenfehen , der die 
Kupferftecherey erlernen wolle, mobnatheb 5 fl., wann 
aber betagter fflenfeh die befondere Husgabe nicht 
machen könnte, fo müf?te er eben vor fieb wo er lo- 
giert arbeiten und ibm von Zeit ?u Zeit feine Hrbeit 
jeigen allein da komme nicht viel dabey heraus, in- 
dem er die probe febon von mehreren gehabt, daf? 
ihre progreifen febr langfam oder gar nicht geben, wo- 
hingegen wann ein folcber junger fflenfeh bey andern 
fchon gefebikten jungen £euten und unmittelbar unter 
der Hufficht des Profeffors arbeitet, wie leicht ?u be- 
greifen viel weiter komt. Qlann alfo diefe Husgabe 
neben den andern noch könnte gemacht werden, fo 
adreffieren Sie ju welcher Zeit Sie wollen den jungen 
fflenfehen gerade an mich und ich werde fein Cogis 
und Koft foviel es die gegenwärtbige tbeure Zeit er- 



Anhang 



VII. Bricfwecbfel mit Gönnern und Kunftfreunden. 



145 



laubt, aufs genaucfte beforgen. ferner darffen Sie 
verfiebert feyn, dafe {owobl in Kunft- als ökonomifd)en 
Hngelegcnbeiten ich fo vor ihn beforgt feyn werde wie 
für meinen Sobn. fflit fr. Knapp bab ich dieferwegen 
nicht fpreeben können, er ift auf 4 oder 5 CQocben in 
auswärtigen 6efcbäften ; es macht aber jum baldigen 
Rieberkommen des jungen fflenfeben keine Verände- 
rung. Oöann es da?u körnt, fo ift fr. K. jur förde- 
rung des 6lüks des fflenfeben ebenfo geneigt, wie ich. 
Klas aber den Verkauf der Gkardifdien 6ffecten betriff, 
wird es anfteben muffen bis fr. K. wieder hier 
feyn wird. 

Huf Hnratben f. K. bab ich doch an den 6e- 
fandten v: Bühler nach Klien gefchrieben, er kan eben 
doch weil er mich und meine Hrbeiten kent febr viel 
dabey tbun um fo mehr da er mir gar nicht abge- 
neigt ift, er war voriges Jabr bey mir im ateilld und 
bat für fieb eine kleine fflarmorarbeit bey mir beftellt, 
und wann auch vollends Sie befter 6evatter einen 
guten Kleg für mich einfcblagen, [0 könte es doch 
möglich feyn, dafj was aus der Sache werden könte; 
nun das will ich erwarten, und mit Gedult annehmen, 
was da körnt. 

fl2eine (: Caroline empfilt fich Jbncn aufs befte; 
in Erwartung einer gefälligen Hntwort verbleib ich 
immer 

Jbr 6evatter u. fr. 

Scheffauer. 

238*] Scheffauer an Obertbür. 

(Clniv.-Bibl. Klürjburg.) 

Stuttgardt, d 29 ,J " Hug: 1794. 
Geebrtefter freund und 6evatter! 

f): Prof. Ceift bat mir ihr gütiges Schreiben in 
meinem ateilld eingebändigt. Vor ibre Sorgfalt dank 
ich Jhnen recht fehr und wünfebe nur dafj unfer beider 
Verlud) nicht fruditlos feyn möchte. Jfejo ift es bereits 
5 ölocben, dafj ich an den Gefandten Büblcr gefdmeben 
und habe aber noch keine Hntwort erbalten. 

Jcb ?wcifle keineswegs, dafj ß: 6r: von 6gl: alles 
tbun wird für mich ju werben, indeffen mus man 
es eben mit 6edult abwarten, bis es der fflübe werth 
ift eine Reife dabin ju machen. 

So febr es mich freut, daf? Sie gefuebt haben mir 
einen Vcrdienft durch die 2 figuren ju juwenden, fo 
kan ich nicht umbin Jhnen meine Gedanken darüber 
ju äuffern. Da es ganje figuren feyn fo'.len, fo müßte 
ich folcbe ganj neu componieren und ausführen auf 
diele Hrt würden fie tbeuer ?u fteben kommen, ich 



könte fie beide dafj ich meinen nahmen daju fejen 
dürffte unter 18 Couisd'or nicht machen, um aber dem 
freund doch ju willfahren, war mein Vorfchlag diefer: 

6s bat ein guter freund von mir der bey der 
Porcellan fabrik in Cudwigsburg angeftellt ift und 
mehrere von meinen fflodcllen und Skijjen (unter 
meiner Direction) ausgeführt und abgeformt von wel- 
chen weil febon formen vorbanden find mit weit 
weniger Koften abdrüke in gebrandter 6rd ju haben 
find, fie find wohl nicht ganj von meiner Rand, aber 
die Hnordnung ift von mir und find unter meiner 
Hufficbt verfertigt worden. Cöeil alfo der freund einen 
fo grofjcn ßefallen an der Hrtemifia bat, fo kan ihm 
fein Klunfcb gewährt werden, wohl aber nicht mit der 
nebmlicben die Sie haben weil fie Rondbos feyn Toll. 
Schon vor 4 Jahren bab ich einen 6edanken von 
einer weiblichen figur die fieb an eine Cime febmiegt, 
verfertigt diefe ift ju haben und gibt an Husdruk der 
lejtern gewies nicht viel nach, und vor das 6egenftük 
würd ich auch beforgt feyn, von diefen beiden alfo 
find formen vorbanden von welche mein freund Be- 
fijer ift, diefer ift es der die Hbdrüke febr fauber ver- 
fertigt und fie brent und vor einen folchen Hbdruk 
gedachter figuren verlangt er eine Couisd'or welches 
gewieft ein annehmlicher Preifj ift, würde es auf folcbe 
Hrt recht feyn, fo werd ich es aufs beft mögliebfte und 
bäldefte beforgen. 

tdie gebt es mit dem jungen Kupferftecber wird 
er bald kommen? 6rft geftern bab ich erfahren, dafj 
es fchwer halten wird einen jungen fflenfeben wirk- 
lich in das Kupferftecherinftitut ju bringen, weil 
neuerdings ein Plan gemacht werden wird, wie fold)e 
da fie jejo ganj für fieb ift, eingerichtet werden foll ; 
vermutblicb da eine Kunft academic überhaupt errichtet 
werden foll wird folcbe mit diefer einverleibt werden. 
Dies bindert aber dem Plan ihres jungen Künftler 
nichts, er kan immer kommen, ffleine l: Caroline 
empbilt fich Jhnen aufs befte und ich verharre 
Jhr 

freund und Gevatter 
Scheffauer. 



239*] Scheffauer an Obertbür. 

(Unlv>.-8ibl. CQürjburg.) 

Stuttgardt, den 30 tc " Dov. 1794. 
Ciebfter I)r. Gevatter! 
Vor allen Dingen mufj ich Jhnen fagen, dafj meine 
1. Caroline mit einem fflädeben glüklieb entbunden 

'9 



146 



VII. Briefwcdifel mit Gönnern und Kunftfreundcn. 



worden, wir bitten Sie eben wieder gemeinfdiaftlicb 
die für uns von Jbnen fo fcbäjbare Patbenftelle bey 
unferer kleinen Hlbertine anjunebmen. 6s ging gott- 
lob alles glücklieb vorbcy, meine l. frau und die Kleine 
befinden [icb reebt wobl. 

Vor ihren freund ift Beftcllung wegen den figuren 
gemacht und werde l'o bald ich fic bekomme von hier 
abgeben laffen ohne meinen liebften T)r. Gevatter dabey 
ju vergeffen. Sie verlangen bei diefer Gelegenheit ihr 
Bildnifj, nun weif? ich nicht ift es die form oder ein 
Hbdruk gemeint, bis dortbin hoffe \d) durch eine gütige 
Hntwort das nähere ju erfahren wo icb Jbnen alsdann 
nach Ctlunfcb willfahren werde. Da icb weif} dafj Sie 
eine Sammlung von Gelehrten in Kupfer haben und 
als nod) trachten folebe ju vermehren, fo mach icb mir 
ein befonderes Vergnügen daraus, folebe mit einem 
gewies würdigen flßann helfen ju jieren , das Bildnifj 
wie Sie feben werden ift jwar nicht in Kupfer, fondern 
eine bübfebe J)andjeicbnung die doch da es nicht Malerei 
ift ju Kupfern kann gehängt werden um fo mehr da 
diefer Gelehrte in der folge noch in Kupfer geftoeben 
werden wird. Sie werden diefe Zeichnung durch den 
Poftwagcn portofrey erbalten, und mufj icb bitten daf? 
beim Hufmacben des Rouleau febr bebutfam umge- 
gangen wird, damit fieb die Zeichnung nicht verwifcht. 
Die Zeichnung mufj wie folebe vom Rouleau abgemacht 
ift, auf einen grofjen reinen Bogen Papier ausgedehnt 
gelegt werden, und alsdann befd^wären. 3cb würde 
die Zeidmung gleich mit allen requifiten gefebikt haben, 
allein da icb die Ogniforme ihrer Rahmen nicht weis, 
fo babe ich es Jbnen überlaffen wollen. 

Von Cöien hab ich endlich durch f)errn v. Bübler 
Hntwort erbalten, allein meine Hoffnungen find alle 
ju nichts worden, er fehrieb, dafj Bayer gar nicht Cod 
fondern fich recht wobl befände auch wenn es wirklieb 
der fall wäre, dafj foleber mit Cod abgegangen, fo 
würde für mich doch nichts ju madicn feyn, in dem 
mebnre inländifcbe Künftler da wären, die mit Scbmerjen 
auf eine Verforgung harrten. Da lafjt fid) weiter nichts 
daju fagen, als Herr dein KUlle gefebebe, 

Ohne Cängft hab ich einen Dresdner gefprochen, 
der mir fagte dafj der ffiinifter flßarcolini alles bei dem 
Cburfürften vermöge und dafj ffiar: ein grofjer Gönner 
der Künfte wäre u. f. w. ödeit entfernt dafj ich Jbnen 
einen vielleicht 2<«" frucbtlofcn Verfud-) ju mutben 
wollte, ich meyne nur im fall der friede juftande kom- 
men folite, ob Sie nicht etwa Gelegenheit hätten durch 
diefen (Dann etwas für mich bewirken ju können. 
Übrigens überlaffc ich alles ihrer für mich immer fo 



tbätigen Sorgfalt und barre in Gedult; glauben Sie 
ja nicht befter freund dafj es unnötbige Veränderungs- 
fuebt bey mir ift nein icb unterliege faft der Cabalen 
die mir gemacht werden, obgleid) mit dem reinften 
6ewiffen fo wobl von Seiten meines Calents als 
meines moralifchen Carakters — . Mein I)erjog kennt 
mich nicht einmal dem Damen nach — ■ — — , er ift 
unfchuldig weil von mir mit ihm gar nicht gefprochen 
wird und durch meine Hrbeit kann er mich auch nidit 
kennen lernen weil mir alle Gelegenheit daju abge- 
febnitten wird dafj alles wiffen die Jbnen fd^on be- 
kannten jwey flßänner einjuleiten. — Gkard ift fdion 
über 4 Klocben hier und läuft herum wie ein wahrer 
Vagabund. Klas fein 6efucb hier ift weis ich nidrt, 
arbeiten tbut er auch nichts. Klte gebt es dann mit 
unferm jungen Kupferftecber, wird er bald kommen? 
Meine l. frau und icb empbelen uns Jbnen aufs 
befte und ich verbleibe ftets mit unausgefctjter Hchtung 
Jbr 

6evatter u. fr: 
Scbeffauer. 



240*] Scbeffauer an Obertbür. 

(dniv.-Btbl. Slürjburg.) 

Stuttgardt d 4'«" febr. 1705. 
Geebrteftcr I)r: Gevatter! 
endlich ift die form von Jhrer Butte, die f iguren 
in gebranter 6rde u. f. w. auf dem tdeeg. für ihren 
freund wegen den 2 figuren hab ich es nicht ganj fo 
machen könenn, wie er es wünfebt, icb hoffe es wird 
auch auf diefe Hrt recht feyn. Zu der Hrtcmifia bat 
mein freund in der porcellan fabrik kein taugliches 
6egenftük fo wohl der nebmlichen 6röffe als des 6egen- 
ftands wegen, ich hab alfo die Hrtcmifia ju einem 
flßittelftück und die 2 andern die f reim dfebaft undSanft- 
mutb vorteilend ju Seitenftüke gewählt; die Seiten- 
ftüke find ebenfalls nach meinen ölodellen unter meiner 
Hufficbt verfertigt worden und find von febr febönem 
Biscuit und gleichen ganj dem cararifeben flßarmor, id) 
babe diefe 3 Stüke aufs billigfte von meinem freund 
erbandelt und koften nur 27 fl. ich hoffe dafj ich in 
allen Rükfichtcn 6bre damit einlegen werde. 

für Sic, befter f)r. Gevatter, bab icb folgendes 
beygepackt: die nebmlid« figur in gebranter 6rde mit 
dem Unterfd)ied dafj eine durchgebrochene Rundung 
auf der Säule angebracht ift, an welche die figur fich 
lehnt, da können Sie nun eine Cafeben Uhr, Portrait 
oder was Sie wollen anbringen ; ferner meiner frau 



Anhang 



VII. Bricfwccbfel mit 6önnern und Kunftfreunden. 



'47 



Portrait glcid) v^ic die fürftin es bat. Hucb bab idi 
gewagt, das meinige beyjulegen, icb denke Sie werden 
mir es als heinc Zudringlichkeit anrechnen, da ich |cbon 
fo viele Proben Jbrer mir unfcbäjbaren [Güte] bab, fo 
trug icb kein Bedenken es Jbnen bey dielcr Gelegen- 
heit ju febiken ; nur Ichade dafj es nicht von gleicher 
Größe von dem meiner frau ift es bat es ein junger 
Künftler und freund noch in Rom gemacht. Zwey 
Medaillons flßaria und Jofepb die aber nicht von mir 
(ind, aber ganj artig gemacht. 3 andere ftled. von 
weifjgebrandtcr 6rde auch nicht von mir gearbeitet, 
Pbiloiopben, etwas maniert, aber doch haben |ie auch 
ihr Verdicnft. Von Portrait in Kupferfticben finds fol- 
gende: 6in grojfes Blatt, das Portrait des Prof. Kupfer- 
fteeber flßüller; kleinere Kaifer Ccopold, K. franj, des bey 
uns verdorbenen Kammerpräf. v. 6emmingcn, Charlotte 
Corday, 6meblin von 6öttingen, X X Rouffeau. 

CQann diefe wenige Sadicn Jbnen Vergnügen 
machen, wird es mich unendlich freuen, bey einer an- 
dern Gelegenheit werd ich mich weiter meines foviel 
geliebten Gevatters erinnern, freund Knapp hat mir 
auch 6cld gegeben, welches ich mit beygepackt habe; 
er frug mich ob Sic mir nach 6mpfang der Hüfte etwas 
ju bejablen hätten, ich fagte ja; nun fo will icb Jbnen 
foglcich es bejahten. Jcb wollte es nicht tbun, er aber 
fagte Sie feyen doch alsdann der fflübe überhoben es 
wieder berausjufebiken, fo bab ich es dann angenom- 
men und empfangen wie folgt: 

fl. kr. 
Vor die 3 Stüke für Jbren freund . 27 — 

Küfte 1 36 

Sägfpän — 30 

Vors Packen — 30 

29 fl. 36 kr 
Das übrige werden Sie in einer Cüte in der Höh- 
lung des Kopfs der Bütte finden, es ift 100 fl. 24 kr. 
Dur mus icb bitten, dafj beym Huspaken febr 
vorfiebtig ?u Cöerk gegangen wird, indem beym Huf- 
graben der Sägfpäne von den figuren leicht könte 
was abgeriffen werden. Sollten die Biscuit figuren 
etwas fcbmujig geworden feyn, fo kan man fie mit 
einem Pinfel in Seifenwaffer getaucht wieder ganj rein 
machen. Hucb mus febr acht genommen werden, dafj 
von der form der Bufte kein Stükchcn verloren geht, 
welches gut feyn wird, wenn Sie den former gleich 
jum Huspaken kommen laffen werden. 6s ift alles 
febr gut verwahrt und ich hoffe dafj alles unverlejt 
ankommen wird. 

tlnlere kleine Hlbertine ift nach 3wochigerpilgrim- 



febaft ju ihrem Schöpfer gegangen. — flleinc l. Caro- 
line die gottlob recht wohl befindt, empbilt fieb Jbnen 
aufs berjlicbfte fo wie alle Jbre gute freunde von hier, 
auch ich emphele mich Jbnen beftens und helfen Sie 
mir doch auch für den l: frieden betten um auch 
ju tröftlicberen Husficbten einige Hoffnung haben ju 
können. 

Der icb immer verbleibe Jbr Gevatter 

Scbeffauer. 

241*] Scbeffauer an Obertbür. 

(aniv.-Bibl. ÖMrjburg.) 

Stuttgart, d. 17« 1 " flßerj 1795. 
6eebrtefter ¥>r. 6cvatter! 
Jcb hoffe dafj Sie den Brief, welcher die Befchrei- 
bung der Sachen welche die Kifte, die Sie empfangen, 
enthielt, erhalten haben werden Sie würden folcbe noch 
(wie es auch meine Meinung war) vor der Kifte emp- 
fangen haben, wenn fr. Knapp folcbe nicht erft 5 Cäg 
fpätber fortgefebikt hätte. Sie werden wegen dem Cod 
Jbres fürften ein wenig in einem Durcheinander feyn, 
doch hoffe icb übrigens nidit, dafj diefer Qmftand vor 
ihr Jntereffc einigen Racbteil haben könte. 

CHarum ich eigentlich Jbnen mit Gegenwärtigem 
befebwerlicb falle: ift eine Bitte um einen guten Ratb 
und ju gleich wann Sie es den Zeit Clmftänden ge- 
mäs halten eine gütige Verwendung Jbrerfeits für mich. 
Sie werden denken icb fey ein unruhiger Kopf, allein 
wann Sie fich nur in die P)clfte meiner Eaage ver- 
fetjen könten, fo würden Sie wann Sic auch nur der 
halbe freund von mir wären, der Sie es doch von fo 
ganjem ßerjen find mich bedauren, 6ott der fo gar 
die liieren durebfehaut weifj altes, flßeine häusliche 
Glükfeeligkeit betrachtend, bin icb der vollkommenft- 
glüklicbfte fflann und eben darum wünfebt ich auch 
meine l. frau und Kinder durch mein weniges Ver- 
dienft und Calente fo glüklieb ju machen, wie fie es 
verdienen, und dann komt aud} der 6brgeij mit ins 
Spiel (den ich aber gewies auf die erlaubtefte Hrt ju 
befriedigen fuebe) mufj aber ju meiner Kränkung feben, 
dafj ich in meinen gegenwärtigen Verbältniffen und 
Wirkungskreis, je, weder das 6ine noch das andere 
werde erjweken können. Jcb halte es daher für Pflicht, 
wan fich auch nur entfernt ju meiner Beförderung 
etwas crjielen liefje mich deswegen in Bewegung ju 
fejen. Die Sache ift alfo die: Jn Dresden ift vor ein 
paar Klochen ein in Churfürftlicb-Dienften gewefener 
Bildhauer geftorben deffen Bruder hier in Stuttg. 



148 



VII. Briefwecbfel mit 6önnern und Kunftfreunden. 



Roljbildbauer ift mit Damen üdijhofcbill der fagte mir 
dal} lein Bruder in Dresden geftorben fey, er fey ?war 
figurift gewefen und habe auch ?u gleich die Hufficbt 
über die Hntihen gehabt doch habe er nie befonders 
in leiner Kunft Gxcelliert indem er nie in Jtalien ge- 
weßt wäre, ich fragte ihn was er vor einen 6ehalt 
gehabt hätte er gab mir ?ur Hntwort 600 Chaler. 
Dun mus ich Jbnen Jagen ift es nicht meine Meinung 
mich gerade aus um deffen Stelle oder vielmehr um 
deffen 6ehalt ?u bewerben, in dem ich mit einem fo 
geringen 6ebalt mein 6lüh nicht machen würde, allein 
ich denke ob es nicht möglich wäre, da Jbre mächtigen 
freunde in Dresden durch Jbre gütige Gmpbelung 
bereits eine günftige Meinung von mir haben ob viel- 
leicht durch eine jweite Verwendung ihrer Seits nicht 
etwas honte meinen wenigen Verdienften gemäs be- 
wirkt werden und ob durch Jbre freunde in Dresden, 
nicht auch der fflinifter fflarcolini der in allem fo 
wefentlicben Ginfluß haben foll, mit ins 6ewcbe ge- 
brad)t werden könte? 

Da haben Sie nun jejo meine ganje Rerjens- 
Hngclegenbeit und überlaß es ihren klugen Ginficbten 
ob und wie fieb etwas verfuchen ließe, ich denke, Sie 
muffen einmal noch die Mittels perfon ?u meinem 
6lück werden. 

Meine l. frau empbilt fieb Jbnen recht berjlicb 
fie wünfebt eben fo wie ich einen andern Ort mit den 
Kabalenvollen Stuttg. vertaufeben ju können. 
Jbr Gevatter 

Scbeffauer. 

242*] Scbeffauer an Obertbür. 

(dniv.-Sibl. Caürjb.) 

Stuttgardt d 22< c " fflarj 1795. 
6eebrteftcr freund und Gevatter! 
Da Sie mir von unteren jungen Kupferftecber 
fchriebcn, daß Sie ihn nach Oftern fchiken werden, fo 
bab ich ju dem 6nde Reute R: Prof. Müller ge- 
fprochen und ihm den jungen fflenfeben dringend 
cmpboblen, er bat mir alles verfproeben, und wird es 
auch halten. Müller Jagt mir ebefter Cagen werde bey 
den Kupferftechcrn ein Pia? vakant, deffen Stelle unfer 
junger fflenfcb alfo einnehmen kan. Das Kupfer- 
ftecber Jnftitut ift bis dato noch im alten 6ang und 
Verbältniße wie bey Eebjeiten des verftorbenen Rer?ogs; 
jeder eintretende junge fflenfcb bejablt monatl: Vor 
anterriebt geraumen Pia? und Reizung 5 fl. auf diefc 
Hrt ift er um und bey f>: fflüller und den andern 
Kupferftecbern den ganjen Cag und muß notbwendig 



gute f ortfebritte machen ; die 5 fl. alfo die befahlt 
werden müßen, werden jur Reifte an dem größeren 
logis welches er, wan er in der Stadt arbeiten wollte 
haben müßte, erfpart und wird fieb der Ginfcbränhung 
wegen mit einem Kämmerlein wo er febläft in dem 
nebmlicben Rauf? wo er fpeifet begnügen laßen. Doch 
mus ich Jbnen fagen, daß die Cebens fflittel hier es 
wird auch fo bey Jbnen feyn febr tbeuer find und 
wird meines Gracbtens obne den 6rlag von 5 fl. ju 
feinem Unterhalt wenigftens 25 Cousd'or jährlich vo- 
nötben haben vorausgeht daf| er mit nötbiger Klafcb 
und Gquibierung verleben ift. 

Jch erwarte alfo mit vielen Vergnügen den jungen 
fflenfeben, Sie darfen verfiebert feyn, das ich alles 
mögliche was nur immer ?u feinen Dujen fein kan 
anwenden werde. — 

Die liegende figur ju einer öbr (NB. ich handle 
nicht damit es ift blos nach meiner Hngabc gemacht 
worden) holtet 11 fl. Samt der übr die feblägt und 
repetiert alles bübfcb vergold undfflarmoriert famt einem 
poftament mit Basreüciffs — 7 Touisd'or. Die Parcen 
von Dan : 4 Couisd'or ganj von rober 6rde gebrant. 

Klann ich glaube Jbnen mit einigen Kleinigkeiten 
ein kleines Vergnügen ju machen, fo bejablcn Sie mir 
es gleich wieder mit Jhren köftlicben Kleinen. Jch mache 
Jbnen alfo ?um voraus meinen geborfamften Dank. 

fflein letjteres Schreiben werden Sie erhalten haben 
ich will Jbnen die bewußte Sache beftens empbelcn. 
Klann Sie glauben daß die verwittibte Rerjogin von 
öQeimar 6influß haben könte, fo würden Sie gewies 
alles tbun da ich mir fchmeichlen kan daß fie mir ge- 
wogen ift, übrigens überlaß ich alles ihrer Ceitung 
ju der ich das befte Zutrauen habe. 

ffleine l: Caroline freut fieb febr auf ihr littera- 
rifches Hndcnken und empbilt lieb Jbnen beftens 
6evatter 

Scbeffauer. 



243*] Scbeffauer an Obertbür. 

(OnW.-Bibl. Cüürjburg.) 

Stuttgardt d. 16"" fflay 1795. 
Ciebfter Rerr 6evatter! 
Vor den überfchihten höftlichcn Klein taufend 
Danh, beym Verfucb desfelben ift Jbr unfer aller 
tbeures Klobl vorangegangen. Jbr liebes Cafcbenbud) 
bat meine l: Caroline recht gefreut; ich bab es febon 
durch und durch gelefen, es ift gewies daß Jbre l: 
Candsleute es Jbnen nicht genug danhen hönnen, 



Anhang 



VII. Briefwccbfcl mit Gönnern und Kunftfreunden. 



149 



dafj Sic ein mit foviel Sdiwicrigkcit verknüpftes und 
gcmeinnüjiges CQerk unternommen haben. 

Qnfer lieber Bitbäuffer in nun gegenwärtig ganj 
im 6ang feiner Gefcbäfte, ich bab foviel mir möglich 
war vor fein Studium, Koft, Cogis u. f. w. geforgt er 
logiert bey recht braven Ceuten, wo er auch jugleicb 
die Koft bat. Bitbäuffer ift mit allem auch recht wohl 
jufrieden ; vor gute Koft, Cogis und (Qafcb bejabl ich 
bey gegenwärtigen harten Zeiten nur 18 biefige 6ulden 
für ihn, es bleibt nichts übrig als noch ein Deujabr 
6ofcbenk meiner Meinung nach 2 Ducaten oder 10 
Gulden biefigen 6clds und der letjtere einen halben 
Couisd'or. Übrigens fteht es in Jbrem Belieben. 

Fjr. Bitbäuffer ift ein febr artig-gebildeter fflenfcb 
und ift von Gkart bimmelweit verfebieden. Jcb hoffe 
mit diefem jungen fflenfeben gewies 6bre einzulegen, 
ich bab ihn mit Fjr. Müllern und den übrigen Fjr: 
Kupferftecbern die alle meine gute freunde find, bekant 
gemacht; fie haben mir auch verfproeben, fieb feiner 
beftens anjunebmen. Hlle Cage jeiebnet er 2 Stund 
bey mir und die übrige Zeit ift er beym Kupferftecben 
und in der folge wann, wie es wabrfcbeinlicb ift, die 
Kunftacademie bald ju ftand komt, wird er auch einige 
Stunden in der Cöocb Hrcbitektur jeiebnen, er ift recht 
vergnügt, und gerne hier und freut fieb febr eine fo 
feböne Gelegenheit ju haben, feine Studien verfolgen 
ju können. 

Morgen geben einftweilen 2 Kiftlen von den 
Parcen ab, welche fie alfo bald erbalten werden. Klegen 
den anderen Sachen bab ich im Preifj gefehlt, die 
liegende figur fchön vergold famt Poftament, das 
Hrcbitektonifcbe marmoriert mit einer Uhr die feblägt, 
koft 8 Eouisd'ors, und ohne Ohr ebenfo 24 Gulden. 
Bis künftige ölocbe werde ich alfo eine folche figur 
ohne übr an Sie abfebiken, gefällt fie Jbnen, fo ift 
es gut, ift fie Jbnen ju tbeuer, fo übergeben Sie fie 
Jbrem freund mit der Zufage, dafj das Uhrwerk fo 
bald der Uhrmacher es fertig haben wird, nachkommen 
foll, welches Cöerk alsdan ein Uhrmacher von Klürjbg. 
in den Vafen cinfejen kan. Däcbftens werd ich Jbnen 
was übermacben das Sie allein haben follen. — 

Von Dresden werden Sie vermutblicb noch keine 
Hntwort erbalten haben, ich dächte doch dafj bey dem 
fo nahe ju hoffenden frieden etwas ?u machen wäre. 
6ott gebe feinen Seegen daju. Meine l. frau cmpbilt 
fieb Jbnen aufs berjlicbftc. 

Jbr 6evatter u. frd : 

Scheffauer. 
Fjr. Bitbäuffer empbilt fieb Jbnen aufs befte. 



244*] Scheffauer an Obertbür. 

(Univ.-Bibl. Klürjburg.) 

Stuttg., den 8««" July 1705. 
Verebrungswürdigfter freund u. 6evatter! 

Verjeiben Sie dafj ich Jbnen nicht bälder geant- 
wortet allein die viele Gefcbäffte auf die Sxfequien ver- 
binderten es. Mir ift es unendlich leid, dafj das Über- 
febikte fo Schaden gelitten am Paken ift nichts ver- 
fäumt worden, es mus nur im Huf oder abladen ge- 
febeben feyn. CQeil Sie um den Vafen und das fus 
6eftcll an ihren freund abgeben wollen, und die figur 
in etwas gelitten bat, fo ift Jbnen fclbe um 14 fl. er- 
laffen. Die Hrtemifia ju einer Uhr ohne Vergoldung 
koftet 10 fl. Dannecker bat wegen feiner Sache wie er 
mir Jagte an Sie gefebrieben. Jbr 6edanke ju einem 
Vafen gefällt mir recht wohl nur glaub ich würde die 
kleine figur der Qnfterblicbkeit mit der pofaune auf 
der Urne ju fkijig laffen ; der Schmetterling allein fchon 
ift das Bild der ünfterblicbkeit und kan füglich mit 
einem Kran? von Gichen und Oliven gruppiert werden 
und die Cropbäcn auch gut angebracht werden der 
äufjerfte Preis wäre von gebrandter 6rdc famt marmo- 
rieren und Gold 11 fl. Der Höften ift deswegen fchein- 
bar groß, weil ju erft ein neues Modell müfjte gemacht 
und alsdann erft geformt werden; wann mehrere ge- 
macht würden, fo wären die Hbdrüke um die Fjälfte 
des Preifes ju haben ; ich erwarte hierüber Jbre 6nt- 
fcheidung ob ich Jbnen eine Zeichnung Jcbiken, oder 
ob ich fie hier machen laffen foll. 

ünfere Regierungs Veränderung bat gleich bei 
ihrem Hnfang günftigen Husfichten für mich büken 
laffen. Jcb mufjte meine marmor Bufte vom Fjerjog 
Carl aufftellen, fie wurde febr bewundert und der neue 
Fjer?og der feinen Bruder Carl febr fcbäjt kaufte fie 
mir fogleich ab und bejablt mir 80 Couis d'or dafür. 

Jcb glaubte nun durch den ehrenvollen Verkauf 
meiner Bufte wegen allen Drükungen und Fjintan- 
femngen, die bis daher an mir verübt worden, alle 
mögliche Scbadlosbaltung ju haben, allein mein liftiger 
Collega wufjte die für mich fo gut angefangene Periode 
fo ?u verdammen, dafj es viel ju weitläufig wäre, es 
Jbnen ganj ju befebreiben, wie er durch all die Fjof- 
febranjen die er ju erfchleicben gewufjt, fieb hier vor- 
gemacht, und bereits die Bufte unteres neuen Fjerjogs 
ju bearbeiten bat. — Jcb geb es Jbnen als einem Mann 
von Kopf und Fjerj ju überlegen ob einem ehrlichen 
Mann der 6bre und Gefühl bat, Greigniffc von der 
Hrt nicht im Stand find einen ganj fflutblos ju 



150 



VII. Briefwecbfel mit Gönnern und Kunltfreundcn. 



machen es ift bereits weit gekommen, meine 6efund- 
beits CIm[tände lind nicht die allerbeften, bey dem ju- 
gebäuften Verdrufj der auf mich Itiirmte ift es wohl 
auch nicht anderlt möglich ; die Religion allein i(t noch 
meine Stüje, und meine treu fflitleidente Gefährtin 
meine l. Caroline; auch Sie tbeuerfter freund, daß ich 
das Glüh bab, mein von Eeiden volles per? bey Jbnen 
ausfebütten ju dörfen welches mir Klonne und Crolt 
ift -. 

Von Dresden werden Sie wohl noch keine Hnt- 
wort baben? I)r. Bittbäuffer läfjt fich recht gut an. 
Ohne längft fragt ich bey I)r. Prof. fflüller nach ihm, 
auch der gab ihm das befte Cob. Jcb kan nicht be- 
greifen wie der lüderliche 6kard ?u einer ünterftütmng 
vom f ürlten nach Jtalien reiffen ?u dörfen gekommen, 
ich bin bei weitem kein Prophet aber fo viel getrau 
ich mir ?u prophezeien dafj das Geld welches an ihn 
verwend wird fo gut wie verlohren ift. 

Vor unfern braven Bittbäuffer bitte ich womöglich 
eine ünterftüjung beym fürften auszuwirken, denn 
dieler wird juverlaffig ein ganj gefchikter fflann. 

Viele begliche Smpbelung von meiner frau und 
ich verbleibe wie immer 

Jbr freund u. Gevatter 

Scbeffauer. 
R. S. wirklich ift das von 
mir an Sie verfprochene unter 
Siegs. I)err Bittbäuffer läfjt 
fieb Jbnen auch geborfamft 
empbelen. 

245*] Scbeffauer an Obertbür. 

(anlv.-Bibl. CHürjburg.) 

Stuttgard d. 3 U " Hug. 1795. 
6eebrtefter freund! 
Gegenwärtiges wird Jbnen nach meinem lejten 
eine wunderbare Grfcbeinung feyn. Die Sadie bat fieb 
nun fo gewandt, dafj ich vor all die Drükungen und 
pintanfejungen fo fcbadlos gebalten bin, und jwar ju 
meiner gröften Beruhigung ohne all mein Zutbun, 
dafj ich glüklieb und zufrieden bin. dngeaebtet aller 
Ränke und Schleichwege meines Collega und des 
Hrchitekts baben fie doch nid>t durchgedrungen, ich 
febwieg und litt im Stillen. Huf einmal entfehied es 
fieb, einige mir unbekannte Gönner und freunde Jagten 
dem ßerjog und der perjogin meine ganje Cage woju 
vorzüglich meine fflarmor Bufte Hnlafj gab, die Ränke 
und das unrecht welches mir lange ber gefd)ab wur- 



den laut, und der Gerechtigkeit liebende fürft und 
feine 6cmablin mit eben den Gefinnungen verfieberten 
mich in den gnädigften Husdrüken mündlich und 
fcbriftlich ihres hoben Scbutjes Zutrauens und CQobl- 
wollens und bewiefen es fogleicb durch eine wichtige 
Hrbeit, die mir von feiten der Fierjogin aufgetragen 
wurde. 

Der Fjcrjog wie Sie wiffen werden ift vor einiger 
Zeit von einen Schlag gerührt worden, wobey fein 
Eebcn febr in Gefahr war, nun Gottlob aber wieder 
ganj bergeftellt ift. Die perjogin bat mir alfo auf die 
Göieder Genefung Jbres Gemahls ein Denkmal in 
fflarmor ju verfertigen aufgetragen. Jcb machte ein 
fflodell welches bey den perjoglicben und dem ganjen 
I)of allgemeinen Beyfall erhielt. Das Ganje ift ein 
Obeliske auf einem fusgeftell in welches 4 Basreliciffs 
angebracht find die von cararifeben fflarmor verfertigt 
worden und das architektonifche von unferm Cand- 
marmor; Jcb habe nun eine feböne Hrbeit und hoffe 
6bre damit einzulegen. 

Jcb bin wie neugebobren und mein liebes gutes 
Cdeib ift auch recht vergnügt. 

Sie werden wann Sie es noch nicht baben, näcb- 
ftens ein Küftgen porto frey erbalten, es ift ein ganj 
kleines Hndenken von mir jwar nicht von meiner 
Hrbeit, aber es wird Jbnen doch Vergnügen machen. 

So bald die übr für ihren freund wird fertig 
feyn, fo werd ich es wobl verwahrt famt der verlangten 
Hrtemifia im fall der Preis eines Couisd'or genehmigt 
ift, Überlenden. I): Bittbäufer ift febr fleifjig und gibt 
fieb ganj befonders viele fflübe, er empbilt fich Jbnen 
beftens. Von Knaps fflobls und meiner frau viele 
Gmpbelung 

Jbr Gevatter und freund 

Scbeffauer. 

246*] Scbeffauer an Obertbür. 

(Clmv.-Bibl. taürjburj.) 

Stuttg. d. 26.t«" Sept. i7 g 5 . 
Geebrtefter Rerr 6evatter u. freund! 
endlich folgt das übrgcftell famt dem CQerk für 
Jbren freund. Das Küftel ift unterwegs und hoffe 
dafj alles unverfebrt ankommen foll, es ift mit der 
äufferften Sorgfalt gepakt worden. Jbr freund möchte 
nur die übr durch einen Uhrmacher in den Vafen be- 
feftigen laffen ; mein freund hier bat ?u diefem 6nd 
einen ähnlichen Vafen wie Sie fchon baben, unent- 
geltlich wieder mitgefebikt, in welchem die übrtafel 
fchon eingepaßt ift, fo dafj nur der Uhrmacher das 



Anhang 



VII. Briefwccbfcl mit 6önncrn und Kunftfreunden. 



>5i 



Klcrk ainufcbrauben bat. ferner bat mein freund 
weil noch übriger piaj im Küftgcn war, 2 von Gips- 
marmor verfertigte Pot Pourri mit beigepackt; im 
fall Sic felbft oder von Jbren freunden Ciebbaber ju 
denjelben wären, das Stük ?u 2 fl. 45 kr. 6erne 
hätte ich auch Jbre bey mir bettelltc Urne mit bey- 
gepackt, allein ich mus Jbnen lagen, (ie ift noch nicht 
einmal angefangen, weil mein freund von der Por- 
cellan fabrik, der Jie machen foll wegen andern be- 
ftelltcn herjogl. Sad)en obnmöglicb bis daher Zeit 
hatte, aber jcjo es in Hrbcit nehmen will. Gbenfo 
mus ich Sic wegen den Zeichnungen dafz ich folcbe 
noch nicht gefebikt, um Verzeihung bitten, allein ich 
habe von dem Jbnen bewufjten Denkmal ein ausge- 
führtes flßodell ju verfertigen, auf welches die Herzogin 
äufjerft prefnert, folches fertig ju feben ; fo bald ich 
ein wenig Cuft haben werde, fo foll es mein Srftes 
feyn, Sie befter freund ju bedienen. 

önfer junger Bittbäufer ift hier allgemein von 
denjenigen mit denen er ju tbun bat, oder bekant ift, 
als ein äuferft artiger fflenfeh gelobt, mit feinem 
erften Verfucb in Kupfer ju ftechen, ift I)r: ffiüllcr febr 
Zufrieden, Sie werden es felbft aus dem Hbdruk er- 
leben, ich zweifle keines Klegs dafz Jbr Kunftliebender 
fürft nicht auch für dielen hoffnungsvollen jungen 
£ßann ju fortfejung feiner Studien etwas beitragen 
Tollte. Von der gan?en Knapp- und ffioblifeben fa- 
milie und meinem l. Kleib viele Gmpbelungen ; ftets 
Jhr aufrichtiger 6evatter u. fr: 

Scbeffatier. 

247*] Scbeffauer ati Obertbür. 

(Ctniv.-Blbl. KIür;burg.) 

Stuttgardt, d 13 Xber 1795. 
6eebrtefter freund und ßevatter! 
Hnbey folgt die Rechnung von unferm jungen 
Bitbeufer. erhalten bab ich 259 fl 14 kr, davon aus- 
gegeben wie beyücgende Quittungen zeigen 223 fl 11 kr»* 
bleibt mir alfo noch in f)änden 36 fl 3 kr. Obn- 
geaebtet der ganz ungewöhnlichen Cbeurung werden 
Sie doch feben, daf? wir fo viel möglieb gefpart haben 
und war auch noch ein wenig mehr aufgegangen, fo 
verdient es der recbtfdiaffcnc junge mann in allen 
Rükficbten fo wohl feiner vorzüglichen Huffübrung als 
auch feines unermüdeten fleifes wegen. Jcb bin über- 
zeugt, daf? Jhr fo febr gepriefener fürlt und Kunftfreund, 
unferm jungen Künftler ju fortfejung feiner Studien 
eine milde 6abe gewies nicht verweigern wird, welche 



Gnade unfer junger freund auf das lebhafteftc mit dem 
tiefften Dankgefübl Caglebcns erkennen wird, welch 
fchöner Cobn alsdann dem fürften, einen würdigen 
ffienfeben fein 6lük gegründet und fieb einen vorzüg- 
lichen Künftler gebildet ju haben. 

(Wirklich ftiebt Bitbeufer ein Portrait nach Cdelink, 
Zum erftaunen ift es wie er den Rapbael der Kupfer- 
ftedw fo trefflich nachahmt. Sein würdiger Cchrer Y> : 
Prof: mutier fagte mir obnlängft: Den Mechanismus 
des örabftichels betreffend habe er noch keinen Schüler 
gehabt der ihn in fo kurjer Zeit fo inne gehabt hätte 
wie Bittbcufer, auch hat er grofje f ortfehritte im Zeichnen 
nach 6ips gemacht, mich freut es unendlich Jbnen 
verebrungswürdigfter freund folche fiaebrichten geben 
ju können, da ich weis, wie wohl es ihrem fo menfeben- 
freundlichen I)erjen thut und wie Sic fo ganz Jhr 
6lück in anderer flßenfchen ihrem finden. 

Jcb empbeble meinen jungen freund und mich ju 
ferneren tfloblwollen, verharrend mit vorjüglicbfter 
Fjocbacbtung meines verobrungswürdigften fr: u. 6ev: 
6rgebftcr fr: u. 6ev: 

Scbeffauer. 

[Beilage:] 

Befter freund ! 

Die Rechnung verhält fieb ganj fo wie in bey- 
liegendem Schreiben, bis auf 22 fl. die Bittbcufer aber 
felbft als Cafeben 6cld bey fieb hatte wie aber aus der 
an Sie gefchikte Rechnung von ihm ju erleben ift dafz 
befagte 22 fl. müfjtc ju feiner Kunft verwendet werden, 
um alfo wieder |u feiner Schadlosbaltung ju kommen 
bab ich es wie empfangen in meine Rechnung ge- 
nommen. 

Jcb bitte Sie doch recht febr um Verzeihung dafz 
ich bis daher Jbren Cüiinfcb noch nicht erfüllt habe ich 
werde gewies mein möglicbltes tbun ibn aufs bald- 
möglichfte zu erfüllen. Sie glauben aber nicht wie ich 
nebft meinem I)aubtgejd>äft noch fo viel zu tbun habe. 
Sie haben mir nie gcfd->ricben, wie auch die weife 
6emmcn unter Glas angekommen find, ich hoffe gut. 

fl2cine 1 : Caroline die fieb Jbnen aufs berzlichfte 
empbelen läfet dankt Jbnen recht febr vor die ihr Über- 
mächte Cebens 6efdncbte von Jbnen fie ift äuferft 
intcreffant vor uns und wird es noch für viele feyn. 
Jhr Portrait ift fo jimlidi artig nur ift der Kopf ein 
wenig zu lang und der Stieb etwas hart. 

Jcb fchreib Jbnen mit Cüillen auf ein befonder 
Blatt im fall Sie wollten mein Schreiben dem fürften 
lefen lafzen ich bab ?u diefem 6nde mir auch eins vom 



152 



VII. Briefwecblel mit 6önncrn und Kunftfreunden. 



R: prof: fflüller ausgebetten. Jn betreff unlcrs Bitb: 
ift alles reine ÖJabrbeit ohne alle Übertreibung. 

Jbr Gevatter Scbeffauer. 

D: S. : obnlängft bat mir fr: Knapp auf ibre 
Rechnung 44 fl. ausgezahlt welche ich ju Bittbeufers 
Raffe getban ich glaube es wird fo Jbr Cöille feyn. 

Von Rnaps und fflobls viele 6mpbeblungen. 



248*] Scbeffauer an Obertbür. 

(Clniv.-Blbl. Klürjbura.) 

Stuttgardt d. 25t«" Jan. 1796. 
Verebrungswürdigfter freund und Gevatter! 

Den Klechfel von 55 fl. habe ich richtig erbalten 
und eincaffiert. Der Verftofj von 4 fl. 46 kr bat fieb 
gefunden, wir wären jejo richtig mit unlerer Rechnung. 
6efpart wird fo viel als nur immer möglich ift, allein 
es will eben doch nicht fo recht hinreichen, die Cbeu- 
rung ift gar ju grofj. Des fürften Onterftütjung war 
eben noch vonnötben, ich will Sie deswegen dringendtt 
bitten, bey guter Gelegenheit Jbn daju ju vermögen, 
dielen hoffnungsvollen jungen fflenfehen fo ju bedenken, 
daf? er auch ohne Sorge u. Kummer feine Studien fort- 
fejen kan. 

Hnbcy folgt ein Probdruck von feinem wirklich 
in Randen habenden Clerk, er bat noch bie u. da 
etwas rohes, welches aber durch die völlige Husarbei- 
tung in ungefähr 4 doeben ganj getilgt wird. Hus 
dem Blatt werden Sie alfo den unermüdeten fleifj u. 
fortfehritte unfers jungen Künftlers erleben. 

Bittbäuffers Rausfrau u. fflagd hab ich ein fpar- 
fames Deujabr Gefcbenk gemacht: der frau 2 fl. 45 kr, 
der fflagd 48 kr; etwas mufjte ich doch tbun um fie 
bey gutem Qlillen ju erbalten, freund Knapp bat mir 
65 fl. 50 kr bejablt, ich bab folcbes wie Sie mir in 
Jbrem vorletzten 6ecbrten febrieben , dem Kaufmann 
Rueff vor die Qbr u. 6eftell eingebändigt und die 
Summe vor das Ganje vom ffleinigen voll gemacht, 
weil er mich einigemal wegen Husjablung deffen an- 
gegangen, ferner jagte ich ihm dafj das (Herk nach 
Husfage des ffleifters von Klürjb. nicht das hefte fey, 
allein er verfidwte mich dafj er fieb vor die 6üte des 
Cöerks finden laffe u. f. w. und die Husfage blos Brod- 
neid wäre, kurj ich maihte noch 2 / a Eouisd'or ab und 
jablte ibm 82 fl. 30 kr wie beyliegende Quittung es 
aus weifjt, ich hätte alfo noch 16 fl. 40 kr ju empfangen. 

Jbr liebes febönes Cajcbenbucb, für welches wir 
Jbnen recht febr danken, macht uns ungemein viel 



Vergnügen. Göie intereffant mus es erft des 6cmcin- 
nüjigen wegen dem Gingeborenen feyn ? 

Ciebfter Rerjens Gevatter; ich febe wohl ein, dafj 

ich ibre Geduld auf eine grofje Probe feje, es wird aber 

alles mit einem mal kommen. — Von meiner frau, 

Knapps, fflobls u. f. w. viele berjlicbe Gmpbeblungen. 

(die immer Jbr aufrichtiger 

Gevatter u. fr. 
Scbeffauer. 

D. S. Der probdruk darf aber nicht unter un- 
geweibte Hugen kommen, anfonft könnte es als eine 
fertige Hrbeit beurtbeilt werden. 

D. 26 ten . Soeben ich difj febreibe, ift meine l. 
Caroline mit einem gefunden, ftarken Sohn glühlid) 
entbunden worden. 

249*] Scbeffauer an Obertbür. 

(Unlv.-Blbl. Caürjburg.) 

Stuttgardt d. 22*"' fflay 1797. 
Geebrtefter freund u. Gevatter! 

Briefe habe ich keine an Sie erbalten , und auch 
feit Jbrer Hbreife nichts von Jbnen erfahren, fflit 
gan? befonderem Vergnügen denk ich noch immer an 
Jbre fo ganj unerwartete Hnberokunft, es war aber 
nur ein angenehmer Craum. 

Jn betreff des R: R: Bildbauers Sohn war ich 
bey Retfeh, und trug ibm mit aller därme die Sache 
vor denfelben vor: allein umfonft. Retfcb Tagte mir: 
Jbnen wieder ju lebreiben „dafj er Jbnen vor das Ver- 
trauen, welches Sie in ihn fejtcn, febr dankbar wäre, 
allein da fein Standpunkt wabrfcbeinlicb hier nicht feft 
feye, und er ju gewiffenhaft wäre, mit einem jungen 
fflenfehen anjufangen, und ihn nicht foviel möglich ju 
vollenden, fo wäre es ibm ganj unmöglich, einen 
Schüler anjunebmen. 2 ,c "s hätte er noch andere Gründe 
warum er gar keinen Schüler mehr annehmen werde, 
mit welchen Bedingungen es auch immer feyn möchte." 
J<h mus es wirklich bejeugen, dafj Retfcb gar keinen 
Schüler bat, und gleich bey feiner Rückkunft von Rom 
es feftfejte ferner keinen mehr anjunebmen. 

fflir ift es unendlich leid, dafj ich in der Sache 
nicht reüfirt habe; ich vor meine Perfon hätte den 
jungen fflenfehen gern mit dem beften CCIillen und dem 
gröften Vergnügen auf und angenommen und fo alle 
die von Jbnen empboblen lind. 

Jm fach der fflalerey nun ift nichts für diefen 
jungen fflenfehen hier ju machen, vielleicht giebt es 
Huswege in die Hkademie der Künftc in (Hien, Dres- 



Anhang 



VII. Briofwecbfel mit 6önnern und Kunftfreunden. 



153 



den u. f. w. Vor die gütige Verwendung meiner Venus 
dank ich Jbncn recht febr, ich habe gute Hoffnung 
leibe an den ru[[i|cben Bof ju bringen, der lieb bier 
befindentc ruflifcbe 6efandte bat bereits eine kleine 
f)and?eicbnung von derfelben nach Petersburg getankt 
und nimt fieb in allen Cbeilen meiner febr an. Der- 
lelbe bat mir auch von Seiten der ruft. Kaiferin eine 
koftbare goldene Cabattiere ncblt einem buldreicbcn 
Schreiben Übermacht für das ihr von mir überfebikte 
fllodell des Klicdergenefungsdcnkmals ihres Vaters. 

Von I)r. Bittbäuffer werden Sie bereits Briefe er- 
balten haben und feiner jerrüttoten 6efundheits üm- 
ftändc wegen erfeben, daf? feine Kaffa einiger Clnter- 
ftüjung